Grüner Strom für Rechenzentren (Lidl): Künstliche Intelligenz, Physical AI, Cybersecurity, Robotik und industrielle KI-Cloud.
27.01.2026
Der Bedarf an grünem Strom für neue, industrielle Rechenzentren ist riesig.
Physical AI, Robotik und die Industrielle KI-Cloud.
Die europäische Industrie ist führend beim Einsatz von Robotik, Digitalen Zwillingen und Physical AI, was die Effizienz in die reale Welt bringt und reale Fachkräftelücken schließt.
Digitalisierung der Produktion.
Unternehmen wie Siemens simulieren ganze Werke als digitale Zwillinge, um jeden Materialfluss virtuell zu testen und zu optimieren, bevor er real Kosten verursacht. Zeiss nutzt KI-gestützte Bildverarbeitung, um Bauteile in Echtzeit präziser und schneller als das menschliche Auge optisch zu prüfen. Bei Audi in Neckarsulm arbeitet KI entlang der gesamten Produktionskette: Sie analysiert Schweißnähte per Kamera, erkennt frühzeitig Abweichungen, sagt Wartungsbedarf voraus und simuliert Fertigungslinien vor dem Umbau. Neckarsulm gilt als Benchmark für KI-gesteuerte Autofabriken.
Selbst in der Landwirtschaft zeigt sich dieser Fortschritt: Das Start-up AgroIntelli entwickelte das System Robotti, eine acht Meter breite solarbetriebene Agrarplattform, die autonom Gemüse pflanzt, pflegt, erntet und verpackt. Digitale Zwillinge senken die Fehlerquoten, und KI-Rechenleistung wird durch Robotik produktiv gemacht.
Das weltweit erste Industriesuperdatenzentrum.
Ein zentraler Baustein für Europas digitale Zukunft ist das gemeinsame Projekt der Deutschen Telekom und Nvidia, die in Deutschland das weltweit erste Rechenzentrum errichten, das exklusiv auf die Bedürfnisse industrieller Anwendungen zugeschnitten ist. Geplant sind rund 10.000 Hochleistungs-GPUs vom Typ DGX B200 und RTX Pro Server. Dieses Rechenzentrum ist nicht für Sprachassistenten oder soziale Netzwerke gedacht, sondern soll das Rückgrat der europäischen Industrie für Simulationen, Robotik und digitale Zwillinge bilden.
Anwender der ersten Stunde sind voraussichtlich Siemens, BMW und Mercedes-Benz. Das Konzept sieht vor, dass jeder Hersteller künftig zwei Fabriken besitzt – eine reale und eine virtuelle. In der virtuellen Fabrik (dem Digitalen Zwilling) werden Prozesse simuliert, getestet und verbessert, was in der realen Produktion Ressourcen spart.
Das Ziel der industriellen KI-Cloud ist es, europäischen Herstellern den Zugang zu KI in industrieller Qualität zu ermöglichen, wobei Datensicherheit und europäische Souveränität im Vordergrund stehen. Die Telekom betreibt das Zentrum, während Nvidia Hardware und Know-how liefert. Obwohl die Prozessoren weiterhin aus den USA und die Fertigung aus Asien stammen, liegt die europäische Wertschöpfung im Betrieb, der Energieversorgung und der Softwareintegration. Das Projekt, das voraussichtlich in der Nähe von München entstehen wird, gilt als strategisch richtiger Schritt, um den technologischen Rückstand gegenüber den USA und China zu verkleinern.
Souveränität durch Halbleiter und Energie.
Europa arbeitet aktiv daran, seine Abhängigkeiten in kritischen Bereichen zu reduzieren und seine Infrastruktur zu modernisieren.
Aufbau der Chip-Produktion.
Die Chipfabrik von Bosch in Dresden bekommt bald einen wichtigen Nachbarn: ESMC, ein Joint Venture des taiwanesischen TSMC mit Bosch, Infineon und NXP. Über zehn Milliarden Euro sollen in dieses neue Werk investiert werden. Der Standort Dresden ist bereits Teil des sogenannten Silicon Saxony, einem der größten Chipindustriecluster der Welt, in dem über 650 Unternehmen und mehr als 20.000 Menschen an Mikroelektronik und Software arbeiten.
Dieses Ökosystem liefert Lösungen für Sensorik, Steuerchips und Leistungshalbleiter für E-Mobilität, Maschinen und Netze. Obwohl 2026 nicht das Ende von Europas Chip-Abhängigkeit markieren wird, soll es den Moment darstellen, in dem der Kontinent wieder ernsthaft im Spiel ist und Lieferketten schrittweise zurückholt. Ergänzend dazu wird auf Materialebene geforscht, etwa bei Black Semiconductor in Aachen, wo an graphenbasierten optischen Verbindungen gearbeitet wird, die Daten deutlich schneller zwischen Chips übertragen sollen.
Modernisierung der Energienetze.
Europa zählt weltweit zu den führenden Regionen beim Anteil erneuerbarer Energien; im Jahr 2024 stammte fast die Hälfte des Stroms in der EU aus Erneuerbaren. Der nächste entscheidende Schritt ist die Modernisierung der Netze, um diesen Strom zuverlässig nutzbar und günstiger zu machen.
In München wird die weltweit erste Hochspannungsleitung mit Supraleitern im Testbetrieb eingesetzt, was einen nahezu verlustfreien, kompakten und stabilen Stromfluss ermöglicht. Die Technik ist nahe an der kommerziellen Anwendung, wobei die Supraleiterkabel so konzipiert sind, dass sie in bestehende Rohre eingezogen und mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden können.
Parallel dazu wird das europäische Stromnetz grundlegend modernisiert. Unternehmen wie GE Vernova integrieren eine neue Generation der Hochspannungs-Gleichstromtechnik (HVDC), die große Strommengen über weite Strecken mit deutlich geringeren Verlusten transportiert. Diese modernen Netze gleichen Schwankungen von Wind und Sonne aus und führen zu höherer Versorgungssicherheit und niedrigeren Preisen für die europäische Industrie.
Beschleunigung durch Sicherheit und Verteidigung.
Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben in europäischen Hauptstädten beschleunigt Entwicklungsprozesse in der Industrie erheblich.
Projekte, die früher Jahre in Anspruch nahmen, werden heute in Monaten abgewickelt, und Beschaffung sowie Skalierung werden schneller gedacht. Beispielsweise wurde in Deutschland die Beschaffung der F-35 in wenigen Monaten durch die politischen Prozesse gebracht, und Frankreich verkürzte den Produktionszyklus des Artilleriesystems Caesar von 30 auf 18 Monate.
Dieser Investitionsschub betrifft vor allem Technologien, die Dual-Use-Potenzial haben, also sowohl im Sicherheitsbereich als auch zivil wirken. Dazu gehören robuste Sensorik, sichere Kommunikation und autonome Logistik. Das österreichische Unternehmen Schiebel baut unbemannte Fluggeräte zur großflächigen Aufklärung, deren Entwicklung für autonome U-Boot-Detektion kürzlich eine Förderzusage aus dem Europäischen Verteidigungsfonds erhielt. Frequentis erstellt Leitstellen- und Kommunikationssysteme für kritische Lagen. In Nordeuropa zeigt ICEYE mit Radarsatelliten, die Erdbeobachtungsdaten unabhängig von Tageszeit und Wolken liefern, wie Dual Use skaliert werden kann – im Katastrophenschutz ebenso wie für die Sicherheit. Der Rüstungsboom wirkt somit als Beschleuniger für Technologieentwicklungen, die schneller in die Praxis überführt werden.
Musterbeispiele für Anpassungsfähigkeit: GEA und die Schwarz-Gruppe.
Die Erneuerungsfähigkeit der europäischen Industrie zeigt sich in strategischen Neuausrichtungen und dem Aufbau digitaler Ökosysteme.
GEA: Vom Pleitekandidaten zum DAX-Giganten.
Die Erfolgsgeschichte des deutschen Maschinenbaugiganten GEA beweist, dass sich Industrie neu erfinden kann. GEA, 1881 gegründet, wuchs so dynamisch, dass das Unternehmen im Herbst 2025 (nach Angabe der Quelle im Herbst 2025) oder im Oktober (nach anderer Angabe) in den Premium-Aktienindex DAX aufstieg, ausgerechnet auf Kosten des Autobauers Porsche.
Die moderne Erfolgsgeschichte von GEA begann mit dem größten Wirtschaftsskandal der 1990er-Jahre, dem Absturz der Metallgesellschaft (MG). Die MG geriet durch hochriskante Termingeschäfte bei Öllieferverträgen in eine Liquiditätskrise, als der Ölpreis 1993 plötzlich um 20 Prozent fiel, was eine Nachschusspflicht von über zwei Milliarden DM auslöste. Nach dem Crash wurde der Konzern unter Sanierer Klaus-Josef Neukirchen zerschlagen, und nur zukunftsfähige Bereiche wie Prozess- und Anlagentechnik blieben übrig. Im Jahr 2005 verschmolz die Metallgesellschaft mit der GEA Group.
Unter Stefan Klebert, der 2019 die Leitung übernahm, vollzog GEA eine strategische Neuausrichtung. Der Konzern, der zuvor unter starker Diversifizierung und sinkenden Margen litt, wurde neu strukturiert. Das Servicegeschäft wurde von einem netten Zusatzgeschäft zu einer Goldgrube und das Unternehmen transformierte sich vom klassischen Maschinenbauer zum integrierten Prozessdienstleister. Durch Wartung, Monitoring und Performance-Partnerschaften werden nun planbare Umsätze generiert. Während der Maschinenbau insgesamt mit Auftragseinbrüchen kämpft, wächst GEA weiter und erzielte 2024 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, wobei das Servicegeschäft inzwischen über 40 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.
LIDL, Rechenzentren und Künstliche Intelligenz.
Die digitale Wette der Schwarz-Gruppe.
Europas digitale Antwort auf US-Bigtech wie Amazon und Google entsteht bei dem deutschen Discount-Riesen Lidl. Hinter der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, ist in den letzten fünf Jahren ein digitales Ökosystem aus KI, Cloud und Cybersecurity entstanden, das längst nicht nur für den Eigenbedarf läuft.
Die Schwarz-Gruppe, geführt von Dieter Schwarz, ist mit 175 Milliarden Euro Umsatz (2024) einer der größten Konzerne Deutschlands. Nachdem interne Analysen zur Covid-Pandemie die Angreifbarkeit des Konzerns zeigten, kaufte die Gruppe im November 2021 das israelische Sicherheitsunternehmen XM Cyber für rund 700 Millionen Dollar.
Da die Schwarz-Gruppe sensible Daten nicht in Rechenzentren fremder Hyperscaler aus den USA und China speichern wollte, wurde eine eigene Cloud-Infrastruktur aufgebaut. 2022 öffnete das Unternehmen diese Plattform für externe Kunden unter dem Namen Stackit als europäische Cloud-Alternative „Made in Germany“. Das Digitalgeschäft wächst schnell und erzielt inzwischen rund zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr, mit deutlich höheren Margen als das Kerngeschäft.
Darüber hinaus investierte die Schwarz-Gruppe massiv in Künstliche Intelligenz. Sie stieg im November 2023 als wichtiger Investor bei dem Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha ein, das eigene KI-Systeme entwickelt. Im September 2023 bündelte der Konzern alle Digitalaktivitäten – von der Kunden-App über Cybersecurity bis zur eigenen Cloud- und KI-Infrastruktur – in der neuen Sparte Schwarz Digits. Die Strategie der Schwarz-Gruppe ist eine langfristige Wette auf die technologische Zukunft Deutschlands, mit dem Ziel, Europas Antwort auf Google, Amazon und OpenAI zu werden.
Rechenleistung "Made in Germany": Wie Lidl zum Technologiegiganten wird.
Der deutsche Discount-Riese Lidl wird von den meisten Kunden als klassische Supermarktkette wahrgenommen. Doch hinter den vier Buchstaben der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, entsteht eine der ambitioniertesten Antworten Europas auf die Dominanz von US-Bigtech wie Amazon, Google und OpenAI. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat die Schwarz-Gruppe ein umfassendes digitales Ökosystem aus Cloud, KI, Cyberabwehr und Megarechenzentren aufgebaut. Diese Infrastruktur dient nicht mehr nur dem Eigenbedarf, sondern wird gezielt an die Industrie verkauft.
Die Schwarz-Gruppe (mit 175 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024) hat ihren Hauptsitz in Neckarsulm und setzt auf eine langfristige Wette auf die technologische Zukunft Deutschlands.
Die Dimension des Infrastruktur-Projekts.
Der sichtbare Beweis für die technologische Neuausrichtung des Discounters findet sich in einem gigantischen Bauprojekt:
Das Megarechenzentrum im Spreewald.
90 Kilometer südlich von Berlin, im Spreewald, baut die Schwarz-Gruppe derzeit ein Rechenzentrum, dessen Ausmaße jede bisherige Dimension sprengen:
- Investitionsvolumen: Das Projekt umfasst elf Milliarden Euro an Investitionen.
- Kapazität: Es ist für eine Anschlussleistung von 200 Megawatt konzipiert.
- KI-Fokus: Das Rechenzentrum bietet Platz für bis zu 100.000 KI-Chips.
Dieses Megaprojekt, das selbst Tesla oder die Deutsche Telekom in den Schatten stellt, verdeutlicht die Entwicklung der Schwarz-Gruppe zu einem der größten Techkonzerne Deutschlands.
Die Strategie der digitalen Souveränität.
Der Aufbau einer eigenen, massiven Rechenzentrums-Infrastruktur war eine strategische Notwendigkeit, getrieben durch Sicherheitsbedenken und das Bedürfnis nach Kontrolle über sensible Daten.
Risiko der fremden Hyperscaler.
Die Schwarz-Gruppe verarbeitet täglich Millionen von Kundendaten und ist sich des Risikos bewusst, dass der Cloudmarkt von vier großen Hyperscalern aus den USA und China dominiert wird: Microsoft, Google, Amazon und Alibaba. Da der Konzern sensible Daten nicht in fremden Rechenzentren speichern wollte, entschied man sich, die Infrastruktur unter eigener Kontrolle zu halten, um Datensicherheit zu garantieren.
Die interne Cloud und Stackit.
Zunächst wurde die eigene Cloud-Plattform für interne Zwecke aufgebaut. Die gesamten IT-Systeme von Lidl und Kaufland, einschließlich Onlineshops und Logistik, laufen in eigenen Rechenzentren in Deutschland und Österreich.
Im Jahr 2022 öffnete die Schwarz-Gruppe diese Plattform für externe Kunden und positionierte sie unter dem Namen Stackit als europäische Cloud-Alternative "Made in Germany".
Die Säulen des digitalen Imperiums.
Die Rechenzentren bilden das Fundament für drei zentrale digitale Geschäftsfelder, die in der Sparte Schwarz Digits gebündelt sind.
Cybersecurity: Die Übernahme von XM Cyber.
Interne Analysen, ausgelöst durch den sprunghaften Anstieg der Hackerangriffe während der Covid-Pandemie, zeigten die Angreifbarkeit der Schwarz-Gruppe. Als Reaktion darauf kaufte die Gruppe im November 2021 das israelische Sicherheitsunternehmen XM Cyber für rund 700 Millionen Dollar. XM Cyber wurde vom ehemaligen Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad gegründet.
Durch diese Übernahme etablierte der Konzern eine eigene hochprofessionelle Sicherheitsarchitektur in Neckarsulm. Diese Cyberlösungen werden heute auch von großen deutschen Unternehmen wie SAP und der Commerzbank genutzt.
Künstliche Intelligenz: Die Wette auf Aleph Alpha.
Um im globalen KI-Wettlauf mitzuhalten, wurde die Schwarz-Gruppe im November 2023 einer der wichtigsten Investoren des Heidelberger Start-ups Aleph Alpha. Aleph Alpha entwickelt mit seiner Modellreihe Luminous eigene KI-Systeme. Die Schwarz-Gruppe steuerte einen Großteil der insgesamt rund 500 Millionen Euro Investition bei, die das Start-up benötigte, um mit den großen US-Anbietern konkurrieren zu können.
Ökosystem und Forschung.
Zusätzlich zu den direkten Investitionen finanziert die Schwarz-Gruppe über die Schwarz-Stiftung den Innovationspark AI (IPAI) in Heilbronn. Bis 2027 soll dort ein komplettes Ökosystem für KI-Forschung und Start-ups entstehen. Die Schwarz-Stiftung stellte allein für den Aufbau 50 Millionen Euro bereit; insgesamt sollen bis zu zwei Milliarden Euro in das Projekt fließen.
Die Transformation und Schwarz Digits.
Im September 2023 wurden alle digitalen Aktivitäten – von der Kunden-App über Cybersecurity und die eigene Cloud bis hin zur KI-Infrastruktur – in der neuen Sparte Schwarz Digits gebündelt.
Der Übergang vom reinen Discounter zum Tech-Konzern wird durch die Finanzentwicklung des Digitalgeschäfts untermauert:
- Umsatz und Margen: Das Digitalgeschäft wächst schnell und erzielt inzwischen rund zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.
- Profitabilität: Obwohl dieser Umsatz im Vergleich zum Kerngeschäft noch klein ist, weist das Cloudgeschäft deutlich höhere Margen auf. Während im Lebensmittelhandel oft nur wenige Cent pro Euro verbleiben, ist das Cloudgeschäft hochprofitabel.
Die Schwarz-Gruppe verfolgt mit der massiven Investition in die eigene Rechenleistung und das digitale Ökosystem das langfristige Ziel, Europas Antwort auf Amazon, Google und OpenAI zu werden. Die gesamte Strategie begann mit der Absicherung der eigenen IT-Systeme, führte zum Aufbau einer eigenen Cloud und mündete im Einstieg in die Künstliche Intelligenz.
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