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Energiewende Deutschland: E-Autos, Gaming und künstliche Intelligenz benötigen in fünf Jahren doppelt so viel Strom.

Wachstumsprognosen: Bedarf steigt bis 2030 um 80 %, bis 2045 wird 280 % prognostiziert.

Energiewende Deutschland: E-Autos, Gaming und künstliche Intelligenz benötigen in fünf Jahren doppelt so viel Strom.

 

22.01.2026

Die Turbo-Energiewende: Deutschlands Weg zur Klimaneutralität.

Deutschland steht vor einer monumentalen Herausforderung: Bis zum Jahr 2045 soll das gesamte Land klimaneutral sein. Dieser Wandel findet in einer Zeit statt, in der der Hunger nach Energie massiv wächst, getrieben durch den Aufstieg von E-Autos, Gaming und insbesondere künstlicher Intelligenz. Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Energiebedarf in den nächsten fünf Jahren fast verdoppeln wird. Allein Rechenzentren könnten durch den KI-Boom bis 2035 so viel Strom verbrauchen wie 12 Millionen Haushalte. Um diesen Bedarf zu decken, müssen die Kapazitäten der Solarenergie mindestens verdoppelt und die der Windenergie verdreifacht werden.

Was bedeutet der Aufstieg von E-Autos, Gaming und künstlicher Intelligenz für den künftigen Strombedarf? 

Der Aufstieg von E-Autos, Gaming und künstlicher Intelligenz (KI) markiert eine Zäsur für die deutsche Energielandschaft und führt zu einem massiv steigenden Strombedarf. Laut den Quellen wird sich der Energiebedarf in Deutschland allein in den nächsten fünf Jahren fast verdoppeln.

1. Dimensionen des steigenden Strombedarfs.

Der wachsende "Energiehunger" wird durch die fortschreitende Digitalisierung und die Abkehr von fossilen Brennstoffen in der Industrie und im Verkehrssektor befeuert.

  • Wachstumsprognosen: Während im Jahr 2024 in Deutschland rund 431 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt wurden, könnte der Bedarf bis zum Jahr 2030 um 80 % steigen. Bis 2045 wird sogar ein Anstieg von bis zu 280 % prognostiziert.
  • Der KI-Boom: Besonders die künstliche Intelligenz erweist sich als massiver Stromfresser. Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums gehen davon aus, dass Rechenzentren in Deutschland bis zum Jahr 2035 rund 42 Terawattstunden verbrauchen könnten. Dies entspricht dem Stromverbrauch von etwa 12 Millionen Haushalten.
2. E-Autos: Vom Stromverbraucher zum flexiblen Speicher.

E-Mobilität trägt zwar signifikant zum steigenden Bedarf bei, bietet aber gleichzeitig eine technologische Chance zur Stabilisierung des Netzes.

  • Zusätzliche Last: Zusammen mit Heizungen (Wärmepumpen) und der Industrie fordern E-Autos das bestehende Netz heraus, das oft noch aus den 1950er und 60er Jahren stammt und für zentrale Grosskraftwerke konzipiert wurde.
  • Potenzial des bidirektionalen Ladens: E-Autos könnten als mobile Stromspeicher fungieren, indem sie überschüssige Energie aus dem Netz aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben (Vehicle to Grid).
  • Speicherkapazität: Während stationäre Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland derzeit etwa 40 Gigawattstunden (GWh) leisten, könnten alle E-Autos in Deutschland bis 2030 ein ungenutztes Speicherpotenzial von 670 GWh bieten. Ein einzelnes Auto könnte einen Haushalt eine Woche lang oder zehn Einfamilienhäuser einen Tag lang mit Strom versorgen.
3. Notwendige Konsequenzen für die Infrastruktur.

Um diesen enormen Hunger nach elektrischer Energie zu stillen und gleichzeitig das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, ist eine „Turbo-Energiewende“ erforderlich.

  • Massiver Ausbau Erneuerbarer Energien: Die Kapazitäten der Solarenergie müssen mindestens verdoppelt und die der Windenergie etwa um den Faktor 3 gesteigert werden.
  • Netzumbau und Digitalisierung: Das Stromsystem muss flexibler werden, da nun über 5 Millionen Produzenten (statt früher nur wenige Grosskraftwerke) Strom einspeisen. Ein entscheidender Baustein ist hierbei die Einführung von Smart Metern, um den Verbrauch in Echtzeit zu erfassen und zu steuern. Während in den Niederlanden bereits 90 % der Haushalte diese Technik nutzen, sind es in Deutschland bisher nur etwa 3 %.
  • Speichertechnologien: Da die Produktion aus Wind und Sonne wetterabhängig ist, werden massiv mehr Batteriespeicher benötigt. Um die aktuelle Speicherlücke zu schliessen, wären schätzungsweise 500 Grossbatteriespeicher von der Grösse der Anlage in Bollingstedt erforderlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Aufstieg von KI, Gaming und E-Autos das Ende des klassischen, statischen Energiesystems bedeutet. Nur durch eine radikale Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, massive Investitionen in Netze und die Nutzung innovativer Speicherlösungen (wie bidirektionales Laden oder Eisen-Energieträger) kann die Versorgungssicherheit bei gleichzeitig steigendem Bedarf gewährleistet werden.

Photovoltaik: Innovationen auf dem Dach und an der Wand.

Ein wesentlicher Pfeiler der Energiewende ist der Ausbau der Solarenergie, der in Deutschland bereits einen beachtlichen Boom erlebt. Innerhalb von vier Jahren hat sich die installierte Leistung von 50 auf über 100 Gigawatt gesteigert:

  • Balkonkraftwerke: Diese Kleinstanlagen sind ein Symbol für die Demokratisierung der Energieerzeugung. Für bereits 250 € ermöglichen sie es Privatpersonen, etwa 2 bis 3 Kilowattstunden Strom an einem sonnigen Tag zu erzeugen – genug für Grundlastgeräte wie Router und Kühlschrank. Mittlerweile gibt es fast eine Million solcher Anlagen in Deutschland, die zusammen die Leistung eines Atomkraftwerks erbringen.

Aktueller Stand und genereller Ausbaubedarf.

Aktueller Bestand: Inzwischen gibt es in Deutschland fast eine Million Balkonkraftwerke, die zusammen eine Leistung von rund 1 Gigawatt erbringen. Dies entspricht in etwa der Leistung eines herkömmlichen Atomkraftwerks.

  • Allgemeiner Zubaubedarf bei Solar: Da sich der Energiebedarf in Deutschland in den nächsten fünf Jahren fast verdoppeln wird, muss der Ausbau der Solarenergie insgesamt mindestens verdoppelt werden. Innerhalb der letzten vier Jahre hat sich die installierte Solarleistung bereits von 50 auf über 100 Gigawatt gesteigert; in fünf Jahren soll es bereits doppelt so viel Energie aus Solarstrom geben.
  • Rolle der Balkonkraftwerke: Obwohl Balkonkraftwerke den Wandel nicht allein vollziehen können, sind sie wichtig, um ein "Gespür für die Sache" zu schaffen und die Bürger aktiv einzubinden. Ihr Boom wird durch gesunkene Preise und vereinfachte Anschlussregeln begünstigt. Da bis 2030 schätzungsweise 150.000 Hektar Fläche für Solaranlagen benötigt werden, bieten Balkonkraftwerke den grossen Vorteil, dass die Flächen dafür bereits vorhanden sind.
  • Leistung im Kleinen: Eine typische 400-Watt-Anlage kann an einem sonnigen Sommertag etwa 2 bis 3 Kilowattstunden Strom liefern, was für Grundlastgeräte wie Router, Laptop und Kühlschrank ausreicht.
  • Zusammenfassend lässt sich sagen: Während die Quellen keine explizite Zielgrösse für die Anzahl der Balkonkraftwerke nennen, ordnen sie diese als unverzichtbaren Teil der notwendigen Verdopplung der Solarkapazitäten ein, insbesondere weil sie ohne zusätzlichen Flächenverbrauch schnell installiert werden können.
Wie gross ist der Ausbaubedarf an Photovoltaik (PV)?

Der Ausbaubedarf an Photovoltaik (PV) in Deutschland ist massiv und muss mindestens verdoppelt werden. Diese Notwendigkeit ergibt sich aus dem rasant wachsenden Energiebedarf durch E-Autos, Gaming und künstliche Intelligenz, der dazu führen könnte, dass der Strombedarf bis zum Jahr 2045 um bis zu 280 % ansteigt.

Ausmass und Flächenanforderungen:

Kapazitätssteigerung: Innerhalb der letzten vier Jahre hat sich die installierte Solarleistung in Deutschland bereits von etwa 50 auf über 100 Gigawatt gesteigert. Das Ziel ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre erneut eine Verdopplung der Energie aus Solarstrom zu erreichen.

  • Flächenbedarf bis 2030: Um die Ziele für das Jahr 2030 zu erreichen, werden schätzungsweise 150.000 Hektar für Solaranlagen benötigt. Dies entspricht in etwa der doppelten Fläche von Hamburg.
  • Flächenbedarf bis 2040: Bis zum Jahr 2040 wird der Bedarf an Fläche für Photovoltaik sogar die Grösse des Saarlands überschreiten.

Um diesen enormen Bedarf zu decken, müssen die Suche nach Flächen und die Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Neben grossen Freiflächenanlagen gewinnen dabei auch innovative Lösungen an Bedeutung, wie etwa Balkonkraftwerke (die bereits rund 1 Gigawatt Leistung beisteuern) oder organische Solarfolien, die bisher ungenutzte, gewölbte oder senkrechte Flächen an Gebäuden und Infrastrukturen für die Stromerzeugung erschliessen können.

Wie gross ist das Potenzial für organische Solarfolien?

Das Potenzial für organische Solarfolien liegt vor allem in ihrer Rolle als „sehr schönes Nischenprodukt“ und als wichtige Ergänzung zur herkömmlichen Photovoltaik. Während sie die Energiewelt nicht komplett umwälzen werden, ermöglichen sie die Erschliessung von Flächen, die für die Energiewende ansonsten verloren wären.

  • Nutzung schwieriger Flächen: Die Folien sind glasfrei, ultra-dünn und sehr leicht. Dadurch können sie auf Flächen installiert werden, die für schwere Silizium-Module ungeeignet sind, wie etwa senkrechte oder eng gewölbe Wände. Ein Beispiel ist ein Schornstein am Flughafen Köln/Bonn, wo die Folien einfach aufgeklebt wurden.
  • Energieertrag im Kleinen: Die dort installierte Anlage aus 80 Modulen erzeugt bis zu 4400 Kilowattstunden Strom im Jahr, was etwa dem Verbrauch eines Mehrpersonenhaushalts entspricht.
  • Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit: Ein grosses Potenzial liegt in der Materialzusammensetzung. Die Folien basieren auf Kohlenstoff und enthalten keine seltenen oder limitierten Stoffe, wodurch Abhängigkeiten vom Weltmarkt (z. B. China) vermieden werden. Am Ende ihres Lebenszyklus können sie einfach verbrannt werden, anstatt aufwendig recycelt werden zu müssen.
  • Technische Entwicklung: Aktuell liegt der Wirkungsgrad noch bei 7 bis 8 %, während herkömmliche Silizium-Module über 20 % erreichen. Die Forschung arbeitet jedoch daran, diesen Rückstand aufzuholen, da der kohlenstoffbasierte Halbleiter rein physikalisch dazu in der Lage ist.

Das Potenzial der organischen Solarfolien besteht darin, jeden verfügbaren Quadratmeter für die Stromerzeugung nutzbar zu machen, insbesondere dort, wo herkömmliche Technik an ihre Grenzen stösst. Für Flächen, die für herkömmliche, schwere Silizium-Module ungeeignet sind, gibt es innovative Lösunge. Diese ultra-dünnen, kohlenstoffbasierten Folien sind glasfrei, leicht und können sogar auf gewölbte Flächen wie Schornsteine geklebt werden. Obwohl ihr Wirkungsgrad mit derzeit 7 bis 8 % noch deutlich unter dem von Silizium-Modulen (über 20 %) liegt, nutzen sie Nischenflächen, die sonst für die Energiewende verloren wären. Ein grosser Vorteil ist ihre Nachhaltigkeit: Sie enthalten keine seltenen Stoffe und können am Ende ihres Lebenszyklus einfach verbrannt werden.

Windkraft: Zwischen technischem Fortschritt und bürokratischen Hürden.


Wie gross ist das künftige Potenzial für Windkraft?

Das künftige Potenzial der Windkraft in Deutschland ist enorm, erfordert jedoch eine massive Beschleunigung des Ausbaus und eine effizientere Nutzung der Flächen. Um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, muss die Windenergie im Vergleich zum heutigen Stand etwa um den Faktor 3 gesteigert werden.

1. Technisches Potenzial durch Repowering. 

Ein entscheidender Hebel für das künftige Potenzial ist der technische Fortschritt, insbesondere das sogenannte Repowering. Dabei werden alte, kleinere Anlagen durch moderne, leistungsstärkere Windräder ersetzt.

  • Effizienzsteigerung: Ein modernes Windrad (mit einer Gesamthöhe von etwa 200 Metern) erzeugt heute fünfmal mehr Strom als eine Anlage von vor 20 Jahren.
  • Geringere Anzahl an Anlagen: Dank dieser Effizienzsteigerung hat sich die Einschätzung des Bedarfs drastisch verändert. Während man vor 30 Jahren noch davon ausging, für die Energiewende 200.000 bis 300.000 Windräder zu benötigen, reichen heute voraussichtlich knapp 30.000 moderne Anlagen aus.
2. Flächenbedarf und Ausbauziele.

Um das notwendige Potenzial auszuschöpfen, muss der Anteil der für Windkraft genutzten Landesfläche deutlich steigen.

  • Flächenziel: Bis zum Jahr 2032 wird mit einem Bedarf von 2 % der gesamten Landesfläche für Windkraft gerechnet. Zum Vergleich: Das ist fast so viel wie die Fläche aller Gewässer in Deutschland zusammen.
  • Aktuelle Lücke: Die Branche hinkt den politischen Zielen derzeit hinterher. Während eine installierte Leistung von 84 Gigawatt (GW) angestrebt wurde, liegt der aktuelle Stand bei etwa 75 GW. Diese Differenz von 9 GW entspricht der Leistung von etwa sechs Atomkraftwerken.
3. Wirtschaftliches Potenzial.

Windkraft gehört zusammen mit der Solarenergie zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung.

  • Erzeugungskosten: Die reinen Kosten für Windstrom liegen zwischen 5 und 12 Cent pro Kilowattstunde.
  • Preisstabilität: Experten betonen, dass ein System, das zu 100 % auf erneuerbaren Energien basiert, langfristig zu stabilen Strompreisen führt und die Abhängigkeit von teuren fossilen Brennstoffen wie Erdgas beendet.
4. Barrieren bei der Umsetzung des Potenzials.

Trotz des grossen technischen und wirtschaftlichen Potenzials stehen der Windkraft erhebliche Hürden im Weg:

  • Bürokratie: Die Genehmigungsverfahren sind extrem langwierig; es kann bis zu 10 Jahre dauern, ein einzelnes Windrad aufzubauen.
  • Fehlende Akzeptanz: In vielen Gemeinden gibt es massiven Widerstand gegen neue Projekte. Anwohner befürchten Einbussen bei der Lebensqualität und sinkende Immobilienpreise.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das künftige Potenzial der Windkraft vor allem in der Modernisierung bestehender Standorte und der Ausweisung neuer Flächen liegt. Der Erfolg hängt jedoch massgeblich davon ab, ob es gelingt, die bürokratischen Prozesse zu verkürzen und die Bevölkerung vor Ort besser in die Gestaltung der Energiewende einzubinden.

Die Branche bleibt seit langem hinter den Ausbauzielen zurück; aktuell fehlen Kapazitäten in der Grössenordnung von sechs Atomkraftwerken:

  • Genehmigungsverfahren und Akzeptanz: Ein Hauptproblem sind die extrem langen Planungszeiten. Es kann bis zu 10 Jahre dauern, ein einzelnes Windrad aufzubauen. Zudem gibt es oft massiven Widerstand in der Bevölkerung, wie das Beispiel Bredenbeg zeigt, wo Anwohner negative Auswirkungen auf ihre Lebensqualität und Immobilienpreise befürchten.
  • Repowering als Lösung: Ein technischer Hoffnungsträger ist das sogenannte Repowering. Dabei werden alte, kleinere Anlagen durch moderne Windräder ersetzt, die bis zu 200 Meter hoch sind. Eine moderne Anlage liefert heute fünfmal mehr Strom als ein Modell von vor 20 Jahren, was bedeutet, dass für die gesamte Energiewende deutlich weniger Windräder benötigt werden als früher gedacht.

3. Die Ökonomie des Stroms: Warum billige Energie teuer bleibt.

Obwohl Strom aus Sonne und Wind mit Erzeugungskosten von 5 bis 12 Cent pro Kilowattstunde extrem günstig ist, kommt dies bei den Endverbrauchern oft nicht an.

Das Merit-Order-Prinzip.

Dieses Marktprinzip besagt, dass das teuerste Kraftwerk (meist Gaskraftwerke), das zur Bedarfsdeckung gerade noch benötigt wird, den Preis für alle bestimmt. Dies führt dazu, dass die Abhängigkeit von fossilem Gas die Preise nach oben treibt, selbst wenn der Grossteil des Stroms bereits erneuerbar ist.

Wie funktioniert das Merit-Order-Prinzip genau?

Das Merit-Order-Prinzip ist das zentrale Marktmechanismus-Modell an der Strombörse, bei dem die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke durch ihre Grenzkosten (die reinen Erzeugungskosten) bestimmt wird.

  • Sortierung nach Kosten: Zuerst werden die Kraftwerke mit den niedrigsten Erzeugungskosten herangezogen, um den aktuellen Strombedarf zu decken. Da Wind- und Solarenergie mit Kosten von etwa 5 bis 12 Cent pro Kilowattstunde besonders günstig sind, stehen sie in der Einsatzreihenfolge (Merit Order) ganz vorne.
  • Das teuerste Kraftwerk setzt den Preis: Der entscheidende Punkt ist, dass das letzte Kraftwerk, das gerade noch benötigt wird, um die gesamte Nachfrage zu decken, den einheitlichen Marktpreis für alle Anbieter festlegt.
  • Einfluss von Gaskraftwerken: Wenn beispielsweise an einem Tag 90 % des Stroms aus günstigen erneuerbaren Energien stammen, diese aber nicht ausreichen, müssen meist teurere Gaskraftwerke zugeschaltet werden. Der höhere Preis für diesen Gasstrom bestimmt dann den Preis für den gesamten an diesem Tag gehandelten Strom.
Wirtschaftliche Folgen:
  • Gewinne für günstige Anbieter: Da alle Anbieter den Preis des teuersten benötigten Kraftwerks erhalten, steigen die Gewinne der Betreiber, die eigentlich viel günstiger produzieren (z. B. Windparkbetreiber). Dies soll laut den Quellen einen Anreiz für Investitionen in diese günstigeren Technologien schaffen.
  • Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen: Die hohen Strompreise der letzten Zeit resultierten oft nicht aus der Energiewende selbst, sondern aus der Abhängigkeit vom Gas, da dessen hohe Kosten über das Merit-Order-Prinzip den gesamten Marktpreis nach oben trieben.
  • Fehlende Weitergabe an Endkunden: Viele Haushalte bemerken sinkende Preise am Grosshandelsmarkt nicht direkt, da sie oft starre Endkundentarife haben, die zusätzlich Steuern und Netzentgelte enthalten.
  • Langfristig gilt: Je mehr Strom ausschliesslich aus Wind und Sonne gewonnen wird und je seltener teure fossile Kraftwerke benötigt werden, desto niedriger wird der durchschnittliche Börsenstrompreis.
Fehlende Dynamik.

Während am Grosshandelsmarkt die Preise bei viel Wind und Sonne sinken, zahlen Haushalte meist starre Endkundentarife, die Steuern, Netzentgelte und Umlagen enthalten. Dynamische Stromtarife, die den Preis in Echtzeit an die Börse koppeln, könnten hier einen Anreiz bieten, Strom dann zu nutzen, wenn er im Überfluss vorhanden ist.

4. Netze und Speicher: Das Rückgrat der Versorgungssicherheit.

Das deutsche Stromnetz, das grösstenteils aus den 1950er und 60er Jahren stammt, war für zentrale Grosskraftwerke ausgelegt. Heute müssen über 5 Millionen dezentrale Erzeuger integriert werden, was das Netz massiv stresst:

  • Grossbatteriespeicher: Projekte wie in Bollingstedt, wo der derzeit grösste Batteriespeicher Deutschlands steht, dienen als Puffer. Sie können überschüssige Energie speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Deutschland benötigt schätzungsweise 500 solcher Anlagen, um die aktuelle Speicherlücke zu schliessen.
  • Bidirektionales Laden (Vehicle to Grid): E-Autos könnten als mobile Stromspeicher fungieren. In Utrecht (Niederlande) wird dies bereits erfolgreich praktiziert. Das Potenzial ist gewaltig: Alle E-Autos in Deutschland zusammen könnten bis 2030 eine Speicherkapazität von 670 Gigawattstunden bieten. Deutschland hinkt hier jedoch bei der Digitalisierung hinterher: Nur 3 % der Haushalte besitzen Smart Meter, während es in den Niederlanden fast 90 % sind.
  • Eisen als Energieträger: Für die langfristige Speicherung forschen Wissenschaftler in Darmstadt an einem Kreislauf mit Eisenpulver. Eisen kann ohne CO2-Emissionen verbrannt werden, wobei Eisenoxid (Rost) entsteht. Durch Elektrolyse mit grünem Strom kann dieser Rost wieder in Eisen zurückverwandelt werden, wodurch ein nahezu unendlicher, verlustarmer Energiekreislauf entsteht.

 

Fazit.

Die Energiewende ist nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche und bürokratische Herkulesaufgabe. Während innovative Lösungen wie organische Solarzellen, neue Batterietechnologien und die Eisen-Verbrennung vielversprechend sind, entscheiden am Ende das Tempo der Genehmigungsverfahren, der Netzausbau und die Akzeptanz in der Bevölkerung über den Erfolg. Wie Experten betonen, ist kein Klimaschutz langfristig die teuerste und schlechteste Lösung für die Menschheit.


Mehr Informationen zu Energiepolitik Deutschland.

Energiepolitik Deutschland: Elektrizität, Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Wasserstoff, Erdöl, Erdgas, Biogas, Kernkraft, Kohle. Die Energierevolution – erneuerbare Energien sind weltweit im Vormarsch, wie steht es mit Deutschland?

Energiepolitik Deutschland.


Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.


Quellenverzeichnis (Datum, einzelne Links)


Grüne Energie für den Stromhunger | NANO Doku.

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=a5Q4ekl226s&sttick=0 

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