Synhelion: nachhaltige, synthetische Treibstoffe, nominiert für “Made in Germany Awards 2026”.
28.10.2026
Die “Made in Germany Awards 2026”.
Die „Made in Germany Awards“ werden von Breaking Lab (Jakob) in Kooperation mit folgenden Partnern ausgetragen:
- SPRIND (Bundesagentur für Sprunginnovation)
- BMFDR (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt)
Abstimmung „Made in Germany Awards“, Kategorie Energie:
Innovationen, die unsere Energieversorgung unabhängiger, bezahlbarer und klimafreundlicher machen – von der Erzeugung und Speicherung bis hin zum sparsameren Verbrauch.

Betanken eines Flugzeugs mit nachhaltigem, synthetischem Treibstoff.
Illustration © stromzeit.ch *.
Hier geht es zur Abstimmung:
Abstimmen kann man bis zum 10. November 2026 über diesen Link:
Stimmen Sie jetzt für Synhelion ab.
Die Preisverleihung wird am 23. November live in Berlin stattfinden.
Illustration / Video © stromzeit.ch *.
Der harte Kern der Dekarbonisierung und drei bahnbrechende Schlüsseltechnologien.
Obwohl Deutschland bereits rund 55 % seines Stroms aus erneuerbaren Quellen bezieht, macht elektrischer Strom nur etwa 20 % des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs von rund 2.300 Terawattstunden pro Jahr aus. Global betrachtet werden nach wie vor über 80 % der Energie aus fossilen Trägern gespeist. Während Sektoren wie der direkte Pkw-Verkehr oder die Raumwärme durch Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge vergleichsweise unkompliziert direkt elektrifiziert werden können, existiert ein sogenannter „harter Kern“ von Industrie- und Transportanwendungen.
Branchen wie der Langstreckenflugverkehr, die Schwerlast- und Baulogistik sowie die Stahl- und Chemieproduktion benötigen zwingend physikalische Moleküle (wie Kerosin, Wasserstoff oder Kohlenstoffverbindungen) anstelle von reinen Elektronen. Um zukunftsweisende Technologien für diese Herausforderungen sichtbar zu machen, wurden in Kooperation mit der Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND) und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMFDR) die „Made in Germany Awards“ (unter der Moderation von Breaking Lab) ins Leben gerufen.
Die “Made in Germany Awards 2026” hat drei herausragenden Finalisten in der Kategorie Energie detailliert analysiert.
1. Skaldium: Zehnfache Energiedichte durch innovative Lithium-Metall-Anoden.
Das technologische Problem klassischer Batterien.
Viele moderne Transportmittel – von Langstrecken-Elektrofahrzeugen über Frachtdrohnen bis hin zu Robotik-Anwendungen – scheitern heute an der begrenzten Energiedichte herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkumulatoren. In Standardzellen besteht die Anode nach dem Stand der Technik überwiegend aus Graphit, in dem Lithium-Ionen beim Laden eingelagert werden. Während Graphit eine theoretische Speicherkapazität von 372 mAh/g aufweist, bietet reines Lithium-Metall eine spezifische Kapazität von 3.860 mAh/g – also mehr als das Zehnfache. Reines Lithium galt daher lange als der „heilige Gral“ der Batterieforschung, ist jedoch mechanisch extrem weich und chemisch hochreaktiv, was eine skalierbare und dünne Verarbeitung bisher verhinderte.
Das neuartige Beschichtungsverfahren aus Aachen.
Das Aachener Unternehmen Skaldium hat ein proprietäres flüssiges Auftragsverfahren entwickelt, um diesen Engpass zu überwinden:
- Flüssige Lithiumlegierung: Reines Lithiumgranulat wird zusammen mit ausgewählten Begleitmetallen unter Schutzatmosphäre aufgeschmolzen. Durch das exakte Mischverhältnis entsteht eine stabile, verarbeitbare Metallschmelze.
- Präzisionsbeschichtung: Die Schmelze wird als extrem dünner Film – mit einstellbaren Schichtdicken von ultra-dünn bis zu 50 Mikrometern (µm) – direkt auf eine Kupferfolie aufgetragen.
- Integrierte Kupfernetz-Struktur: Durch einen speziellen Prozessschritt bildet sich im Inneren der Elektrode ein feines Kupfernetz aus. Dieses dient als dreidimensionaler Stromsammler und verleiht der Lithiumschicht mechanische Stabilität sowie eine gleichmässige Stromverteilung.
Skaldium Anoden-Architektur:
- Flüssig aufgetragene Lithiumlegierung (bis 50 µm)
- Integriertes 3D-Kupfernetz (Mechanischer Halt & Strom
Leistungswerte und Zielmärkte.
Durch das Ersetzen der schweren Graphitanode erreicht Skaldium Zell-Energiedichten von über 500 Wh/kg bis hin zu 550 Wh/kg. Zum Vergleich: Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI/ISY) sieht das künftige Entwicklungspotenzial weiterentwickelter konventioneller Lithium-Ionen-Zellen bei maximal 350 Wh/kg. Dies ermöglicht Elektrofahrzeugen potenzielle Reichweiten von über 1.000 Kilometern sowie deutlich erweiterte Einsatzzeiten für Flugdrohnen und Robotiksysteme.
Herausforderungen und Kritikpunkte.
Die Expertenjury weist vor allem auf die starke asiatische und chinesische Marktdominanz in der Batterie-Wertschöpfungskette hin. Skaldium setzt dem ein Modell der lokalen europäischen Wertschöpfung entgegen, das auch die Erschliessung heimischer deutscher Lithiumvorkommen nutzen möchte. Der Schutz der Technologie erfolgt neben Patenten primär über tiefes Prozess-Know-how beim Umgang mit flüssigem Lithium sowie ein hohes Skalierungstempo als „First Mover“.
2. SynPlasma: CO2-Spaltung mittels thermischem Mikrowellenplasma.
Die Vision klimaneutralen Synthesegases.
Synthesegas – ein Gemisch aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (\(H_2\)) – bildet das fundamentale Zwischenprodukt für die chemische Industrie zur Herstellung von E-Fuels, Methanol, Schmierstoffen und Kunststoffen. Traditionell wird es aus fossilen Energieträgern gewonnen. Da \(CO_2\) ein chemisch extrem stabiles Molekül ist, erfordert seine Zerlegung enorme Energiemengen.
Das Plasmareaktor-Verfahren des Max-Planck-Instituts.
Die Ausgründung SynPlasma vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik nutzt ein Mikrowellenplasma zur hocheffizienten \(CO_2\)-Spaltung:
- Erzeugung des Plasmas: In einen Reaktor eingeleitetes \(CO_2\)-Gas wird mit Mikrowellen bestrahlt. Freie Elektronen nehmen die Mikrowellenenergie auf, stossen kaskadenartig an andere Gasmoleküle und überführen das Gas in ein thermisches Plasma mit Gastemperaturen von bis zu 6.000 °C.
- Chemische Aktivierung: In diesem reaktiven Zustand spaltet sich \(CO_2\) in Kohlenmonoxid (\(CO\)) und Sauerstoff (\(O_2\)).
- Der Sauerstoff-Sicherheits-Durchbruch: Freier Sauerstoff wirkt bei nachgelagerten Synthesen schädlich und musste früher aufwendig abgetrennt werden. SynPlasma löst dies durch die gezielte Einspeisung von Wasserstoff (\(H_2\)), der den freigesetzten Sauerstoff unmittelbar bindet.
- Optimales Produktverhältnis: Als Auslassstrom entsteht direkt ein reines Synthesegas mit einem \(H_2\):CO-Verhältnis von 2:1, das ohne freie Sauerstoffrückstände perfekt für die synthetische Kraftstoffproduktion geeignet ist.
Mikrowellen-Plasmareaktor.
CO2-Gas |
Mikrowellen erzeugen Plasma |
Synthesegas |
|
+ H2 |
Gastemperatur: bis zu 6.000 °C |
H2 : CO = 2:1 |
|
O2 wird gebunden |
ohne O2-Rückstände |
Prototypenstatus und Wirtschaftlichkeit.
Im Labor betreibt SynPlasma bereits zwei parallele Plasmareaktoren mit einer Durchsatzkapazität von zusammen bis zu 4.000 Litern Synthesegas pro Stunde. In den Folgemonaten stehen die Abwärmenutzung und der Ausbau der Messinfrastruktur im Fokus.
Herausforderungen und Kritikpunkte.
Die primären Hürden liegen in der Skalierung zu einem dauerstabilen Industrieprozess sowie in den Produktionskosten. Technologisch hängt das Verfahren stark vom Preis für grünen Strom und grünen Wasserstoff ab; Wirtschaftlichkeitsstudien deuten darauf hin, dass die Plasmaroute ohne drastische Kostensenkungen bei Erneuerbaren erst um das Jahr 2045 konkurrenzfähig mit fossilen Pfaden werden könnte.
3. Synhelion: nachhaltige, synthetische Treibstoffe, Drop-In-Kraftstoffe.

Illustration © stromzeit.ch *.
Dekarbonisierung des Schwerlast- und Flugverkehrs.
Synhelion, Dr. Philipp Furler:
„Erneuerbarer Treibstoff für Flugzeuge und den Schwerlastverkehr: Synhelion produziert synthetische Kraftstoffe aus CO₂, Wasser und Biomethan für Bereiche, die sich nur schwer elektrifizieren lassen.“
Der weltweite Luftverkehr umfasst jährlich über 40 Millionen Flüge; zudem entfallen etwa 33 % der deutschen \(CO_2\)-Emissionen auf den Bau- und Schwerlastsektor. Da bestehende Flugzeug- und Fahrzeugflotten über Jahrzehnte genutzt werden, werden sogenannte „Drop-In“-Kraftstoffe benötigt. Diese synthetischen Treibstoffe entsprechen exakt fossilen Normen, reduzieren die Netto-\(CO_2\)-Emissionen um ca. 85 % und können ohne Anpassung in bestehenden Triebwerken, Tankstellen und Raffinerien verwendet werden.
Der thermochemische Hochtemperatur-Prozess.
Das Unternehmen Synhelion (Standort Anlage Jülich) nutzt zur Kraftstofferzeugung ein thermochemisches Verfahren, das ohne klassische Wasserstoff-Elektrolyse auskommt:
- Hochtemperaturwärme (> 1.200 °C): Ein elektrischer Gasheizer nutzt günstigen erneuerbaren Strom (Wind/Solar), um Prozesswärme von über 1.200 °C zu erzeugen.
- 24/7-Dauerbetrieb durch Wärmespeicher: Ein integrierter thermischer Energiespeicher speichert die Hochtemperaturwärme ab, sodass die Anlage kontinuierlich rund um die Uhr produzieren kann.
- Reaktor & Fischer-Tropsch-Synthese: Im thermochemischen Reaktor wird aus \(CO_2\), Wasser und Biomethan Synthesegas erzeugt. Dieses wird anschliessend per Fischer-Tropsch-Synthese zu synthetischem Rohöl („Syncrude“) verarbeitet und in konventionellen Raffinerien zu E-Kerosin, E-Diesel oder E-Benzin raffiniert.
Prozess mit erneuerbarem Strom (Wind/Solar).
|
Elektrischer Gasheizer (>1200°C) |
|
|
Thermochemischer Reaktor |
Thermischer Energiespeicher |
|
(CO2 + H2O + Biomethan -> Syngas |
ermöglicht 24/7-Dauerbetrieb |
|
Fischer-Tropsch-Synthese (erzeugt synthetisches Syncrude) |
|
|
Raffinerie: E-Kerosin / Diesel |
Kapazitäten, Skalierungsstufen und Zielpreise.
Synhelion betreibt seit Sommer 2024 die Demonstrationsanlage „DAWN“ in Jülich:
- DAWN (Jülich): Kapazität von ca. 150.000 Litern pro Jahr zur Entlastung des Technologierisikos.
- Nächste Ausbaustufe: Anlage mit 1.000 Tonnen/Jahr (ca. 1,4 Mio. Liter/Jahr) mit festen Abnehmern wie der Lufthansa Group.
- Industrieller Massstab (Köln): Geplante Grossanlage mit 30.000 Tonnen/Jahr (ca. 40 Mio. Liter/Jahr).
- Ziel-Herstellungskosten: Langfristig strebt Synhelion Herstellungskosten von 1.000 € pro Tonne an, was umgerechnet etwa 80 Cent pro Liter entspricht. Das Umweltbundesamt schätzte die Produktionskosten für E-Kerosin in Mitteleuropa im Jahr 2022 noch auf 1,98 € bis 2,31 € pro Liter.
Herausforderungen.
Um die angestrebten Zielpreise zu erreichen, sind massive Anlagengrössen mit Kapazitäten von 100.000 bis 500.000 Tonnen pro Jahr zwingend erforderlich. Zudem ist das Unternehmen auf verlässliche politische Quotenregelungen wie die EU-Verordnung RefuelEU Aviation angewiesen, um die notwendige Investitions- und Abnahmesicherheit für das Kapitalzuwachs- und Skalierungsmodell zu erhalten.
4. Übersichtstabelle: Die drei Energiewende-Innovationen im Vergleich.
Parameter |
Skaldium |
SynPlasma |
Synhelion |
|
Hauptfokus |
Batterien mit Lithium-Metall-Anode |
\(CO_2\)-Spaltung zu Synthesegas |
Nachhaltige, synthetische Treibstoffe: Drop-In-Kraftstoffe |
|
Schlüsseltechnologie |
Flüssigbeschichtung & Kupfernetz-Infrastruktur |
Mikrowellenplasma (bis 6.000 °C) + \(H_2\)-Zugabe |
Prozesswärme (> 1.200 °C) & Thermospeicher |
|
Kernvorteil |
> 500 Wh/kg Energiedichte, Graphitersatz |
Reines CO:\(H_2\)-Gas (2:1) ohne freien Sauerstoff |
Keine Elektrolyse nötig, 24/7-Dauerbetrieb |
|
Entwicklungsstand |
Testbarer Prototyp / Demonstrator |
2 Labor-Reaktoren (bis 4.000 l/h Synthesegas) |
Anlage DAWN in Jülich (150.000 l/Jahr) |
|
Herausforderungen |
Wertschöpfungsketten-Dominanz Chinas |
Skalierung & H2-/Strompreise (Marktdurchbruch ~2045) |
Skalierung (100k–500k t/a) & Politik |
5. Politisch-gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Ingenieurperspektive.
Die Umsetzung dieser technologischen Ansätze hängt stark von den politischen Rahmenbedingungen ab. Wie der Energie-Creator Andreas Schmitz („Akkudoktor“) anmerkt, zeigt das Beispiel von Bürgerinitiativen (wie der Bundestags-Petition zu Balkonkraftwerken mit über 100.000 Unterschriften), dass technischer Bürgerentscheid in der Demokratie etwas bewegen kann.
Gleichzeitig wird kritisiert, dass im politischen Prozess Parteizugehörigkeiten oder Urheberschaften von Vorschlägen oft höher bewertet werden als deren rein technische Effizienz. Eine erfolgreiche Energiewende erfordert es jedoch, dass wissenschaftlich-technische Expertise und fachliche Innovationen uneingeschränkt gefördert werden.
Abstimmung „Made in Germany Awards“, Kategorie Energie:
Innovationen, die unsere Energieversorgung unabhängiger, bezahlbarer und klimafreundlicher machen – von der Erzeugung und Speicherung bis hin zum sparsameren Verbrauch.

Hier geht es zur Abstimmung.
Abstimmung bis 10. November 2026:
Stimmen Sie jetzt für Synhelion ab.
Sie erhalten eine Bestätigungsmail und werden über das Resultat, den Gewinner, informiert. Preisverleihung: 23. November 2026 live in Berlin.
Die Elektrifizierung der Wirtschaft.
Strom hat eine grosse Zukunft - dank innovativen Technologien.
Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quellenverzeichnis (Oktober 2026).
https://www.youtube.com/watch?v=7htQ-I8eiKg
https://www.madeingermanyawards.de/voting/energie/
Synhelion - weitere Artikel in stromzeit.ch
Lesen Sie hier weitere Artikel zu Synhelion:









