Das Netz der Zukunft: Anwendungen mit Smart Meter (intelligente Messsysteme, DSMR-P1) für Smart Grids und Energieeffizienz.
23.01.2026
Smartmeter: Diese digitalen Geräte ersetzen veraltete analoge Systeme, um den Energieverbrauch im Viertelstundentakt zu erfassen und eine Steigerung der Energieeffizienz in Privathaushalten zu ermöglichen. Obwohl das Gesetz eine Abdeckung von 80 % bis zum Jahr 2027 vorschreibt, hinkt die Umsetzung aufgrund logistischer Herausforderungen und unterschiedlicher Strategien der Stromversorger dem Zeitplan hinterher. Experten betonen dabei, dass eine Einsparung von bis zu 6 % erzielt werden kann, sofern Kunden ihre Daten über Online-Portale aktiv analysieren.
Smart Meter: Das digitale Herzstück der Energiewende.
Die klassische Ära der mechanischen Stromzähler neigt sich dem Ende zu. Im Rahmen der Energiestrategie 2050, die 2017 vom Schweizer Stimmvolk angenommen wurde, steht die Digitalisierung der Stromnetze im Fokus. Zentrale Elemente dieser Transformation sind sogenannte Smart Meter – intelligente Messsysteme, die weit mehr leisten als die blosse Erfassung des Verbrauchs.
Was ist ein Smart Meter?
Ein Smart Meter ist ein digitaler, intelligenter Stromzähler, der den Energieverbrauch sowie die Energieproduktion (beispielsweise durch Photovoltaikanlagen) präzise misst. Im Gegensatz zu den alten analogen Geräten erfassen Smart Meter nicht nur die Gesamtmenge des verbrauchten Stroms, sondern auch den Zeitpunkt des Verbrauchs. Die Daten werden verschlüsselt und in der Regel über das Stromnetz oder Glasfaserleitungen an den Energieversorger übermittelt.
Die Vorteile für Endverbraucher.
Die Einführung dieser Technologie bringt für Privatpersonen und Unternehmen zahlreiche praktische Verbesserungen mit sich:
- Transparenz durch Kundenportale: Nutzer können ihren tagesaktuellen Stromverbrauch bequem online in einem Portal einsehen. In der Regel werden die Daten im Viertelstunden-Takt erfasst und sind spätestens 24 Stunden später abrufbar.
- Identifikation von „Stromfressern“: Durch die detaillierten Daten lässt sich genau analysieren, welche Geräte wann am meisten Strom verbrauchen. Dies hilft dabei, Standby-Verbräuche aufzudecken und gezielt zu senken.
- Einfachere Abrechnung: Da der Zählerstand automatisch übermittelt wird, entfällt das manuelle Ablesen vor Ort durch Mitarbeitende des Elektrizitätswerks. Rechnungen erfolgen auf Basis des tatsächlichen Verbrauchs, wodurch Akontozahlungen wegfallen und Umzüge stichtaggenau abgerechnet werden können.
- Sparpotenziale: Studien und Pilotprojekte zeigen, dass allein durch die Analyse der Daten und die Umsetzung von Spartipps Energieeinsparungen von 3 % bis zu 6 % möglich sind.
Rolle in der Photovoltaik und Speicherung.
Besonders wichtig sind Smart Meter für Besitzer von Photovoltaikanlagen (PV). Hier fungieren sie als Steuereinheit für ein effizientes Energiemanagement:
- Messung von Überschuss: Der Smart Meter ermittelt, wie viel selbst produzierter Strom gerade nicht im Haus verbraucht wird.
- Batteriesteuerung: Diese Information wird an den Wechselrichter weitergeleitet, der daraufhin entscheidet, wie viel Strom in die Batterie geladen oder aus ihr entnommen werden muss, um den Hausverbrauch optimal zu decken.
- Technische Installation: In den meisten Fällen (über 90 %) muss der Smart Meter per Datenkabel mit dem Wechselrichter verbunden werden, um eine stabile Kommunikation zu gewährleisten, die nicht durch WLAN-Ausfälle beeinträchtigt wird. Es ist zudem wichtig, dass der Smart Meter zum jeweiligen Wechselrichterhersteller passt, da diese oft proprietäre Zubehörlisten führen.
Installation und Sicherheit.
Der Austausch eines alten Zählers gegen einen Smart Meter dauert meist nur wenige Minuten. Während der Installation muss der Strom kurzzeitig unterbrochen werden, damit der Monteur sicher arbeiten kann. Einmal installiert, arbeitet das Gerät selbstständig. Die Messdaten werden anonymisiert und verschlüsselt übertragen, um ein hohes Mass an Datensicherheit zu garantieren.
Der Stand des Rollouts in der Schweiz.
Obwohl das Gesetz vorschreibt, dass bis 2027 mindestens 80 % aller Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sein müssen, variiert der Fortschritt zwischen den Regionen stark:
- Die Zentralschweizerischen Kraftwerke (CKW) führen mit einer Abdeckungsrate von etwa 70 %.
- Landesweit liegt die Quote aktuell erst bei rund 26 %, was unter anderem auf die Komplexität der digitalen Umstellung zurückgeführt wird.
Experten betonen, dass die volle Wirksamkeit der Geräte oft erst durch Echtzeitdaten erreicht wird, die es den Nutzern ermöglichen, sofort auf ihren Verbrauch zu reagieren. Während gesetzlich bisher nur die Bereitstellung von Viertelstundenwerten am Folgetag vorgeschrieben ist, bieten einige Versorger bereits Lösungen für den direkten Datenzugriff an.
Zählerhersteller und deren intelligente Messsysteme auf dem Schweizer Markt.
In der Schweiz sind über 600 Verteilnetzbetreiber für die Stromversorgung verantwortlich, wobei intelligente Messsysteme (Smart Meter) eine zentrale Rolle für die Energieeffizienz und die Realisierung von Smart Grids spielen. Gemäss dem Stromversorgungsgesetz müssen diese Zähler über eine Kundenschnittstelle verfügen, die es den Endverbrauchern ermöglicht, ihre Messdaten im Moment der Erfassung abzurufen. Der am weitesten verbreitete Standard für diese Schnittstelle ist DSMR-P1.
1. Iskraemeco (in Zusammenarbeit mit GWF).
Iskraemeco gilt, insbesondere durch die Partnerschaft mit der GWF, als einer der führenden Anbieter im Bereich Smart Metering:
- Unternehmensfokus: GWF bietet hochwertige Messsysteme für die Sparten Wasser, Gas, Strom und Wärme an.
- Dienstleistungsspektrum: Das Angebot umfasst die gesamte Kette von der individuellen Beratung über die Installation der Messsysteme bis hin zum technischen Support.
- Technik: Die Zähler unterstützen den Schnittstellenstandard DSMR-P1, was die Anbindung zahlreicher Visualisierungsprodukte ermöglicht. Ein bekanntes Modell in Schweizer Netzen ist der ISKRA AM550.
- Besonderheit: Bei einigen Verteilnetzbetreibern (VNB) wird der ISKRA AM550 so installiert, dass die Kundenschnittstelle keine eigene Energieversorgung bietet, was für bestimmte Adapter eine externe USB-Speisung erforderlich macht.
2. Ensor.
Ensor ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Cham, das sich auf die Entwicklung hochfunktionaler Smart-Metering-Lösungen spezialisiert hat:
- Partnerschaft: Die Zähler werden in Zusammenarbeit mit der Semax AG gefertigt und sowohl in der Schweiz als auch europaweit vertrieben.
- Modelle: Zu den wichtigsten Produkten gehören die Serien eRS801 und eRS301.
- Anwendungsbereich: Neben Hardware entwickelt Ensor kundenspezifische Softwarelösungen und bietet Fach- sowie Supportdienstleistungen für die Energie- und Solarbranche an.
- Schnittstellen: Ensor stellt umfangreiche technische Dokumentationen zur Verfügung, einschliesslich FAQ-Listen und Objektabgleichen für die DSMR-Push-Funktion.
3. Landis+Gyr (L&G).
Landis+Gyr ist ein bedeutender Akteur, dessen Geräte in vielen Schweizer Haushalten zu finden sind. Die Quellen heben hervor, dass L&G-Zähler unterschiedliche technische Ansätze für die Kundenschnittstelle verfolgen:
- Modelle mit P1-Schnittstelle: Das Modell L&G E360 nutzt die klassische P1-DSMR-Schnittstelle.
- Modelle mit M-Bus-Schnittstelle: Die weit verbreiteten Serien E450 (S4 & S5) sowie E570 verfügen häufig über eine extern zugängliche M-Bus Kundenschnittstelle via RJ12-Buchse.
- Datenübertragung: Bei M-Bus-Modellen werden Momentanwerte (Leistung, Spannung) oft im 5-Sekunden-Takt (1/5 Hz) übertragen, während Energiezählerstände meist nur minütlich aktualisiert werden.
- Zukunft: Derzeit wird an speziellen Adaptern gearbeitet, um die Kompatibilität mit dem L&G SM E450 weiter zu verbessern.
4. Kamstrup.
Der dänische Hersteller Kamstrup ist in der Schweiz vor allem mit der Omnipower-Serie vertreten:
- Schnittstellen-Design: Im Gegensatz zu anderen Herstellern nutzt Kamstrup oft einen speziellen Schacht mit einer HAN-Buchse (Home Area Network) als Kundenschnittstelle.
- Protokoll: Die Datenbereitstellung erfolgt gemäss der "Kamstrup HAN Interface Spezifikation" und nutzt häufig das Protokoll DLMS push 1.
- Voraussetzung: Endverbraucher müssen beim Netzbetreiber sicherstellen, dass die HAN-Schnittstelle aktiviert ist und die Verschlüsselungsschlüssel (bekannt als GPK60 für Daten und GPK61 für Authentifizierung) zur Verfügung gestellt werden.
5. Weitere Hersteller (Sagemcom, Elster, NES, M+C).
Zusätzlich zu den Marktführern sind weitere Fabrikate in Schweizer Netzen im Einsatz, die ebenfalls mit modernen Schnittstellen ausgestattet sind:
- Sagemcom: Das Modell XT211 ist als kompatibel mit gängigen P1-DSMR-Adaptern gelistet.
- Elster: Der AS3000 wird häufig eingesetzt und unterstützt die Datenübertragung via RJ12-Schnittstelle.
- NES (Networked Energy Services): Das Modell Gen-5 wurde erfolgreich auf P1-DSMR-Kompatibilität getestet, sofern der Netzbetreiber diese Konfiguration gewählt hat. Ältere Modelle (Gen-3/4) nutzen oft nur interne Schnittstellen mit dem MEP-Protokoll, das nicht zum Standard-P1-Adapter passt.
- M+C (Meter & Control): Das Modell Flexy unterstützt ebenfalls die Kundenschnittstelle, wobei hier (wie bei Iskra oder Landis+Gyr) die Daten je nach Wunsch des Netzbetreibers binär via HDLC/DLMS codiert sein können, statt im ASCII-Format vorzuliegen.
Die Rolle der Adapter für alle Hersteller.
Da die Zählerhersteller die Daten oft in unterschiedlichen Formaten (ASCII oder binär/verschlüsselt) liefern, spielen Adapter-Hersteller eine entscheidende Rolle für die Nutzbarkeit. Produkte wie die Blue2Box, der Easee Equalizer, Smappee, whatwatt oder der gPlug fungieren als Brücke:
- Visualisierung: Sie ermöglichen die Darstellung des Verbrauchs in Echtzeit (bis zu 1 Hz) auf Smartphones oder Webseiten.
- Steuerung: Die Daten können für das Lastmanagement (z.B. Laden von E-Autos ohne Überlastung der Hauptsicherung) oder die Optimierung des Photovoltaik-Eigenverbrauchs genutzt werden.
- Integration: Viele Systeme bieten Schnittstellen zu Smart-Home-Umgebungen wie Loxone, Home Assistant oder SolarManager.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schweizer Smart-Meter-Landschaft zwar von verschiedenen Herstellern geprägt ist, die gesetzlich vorgeschriebene Kundenschnittstelle (meist DSMR-P1) jedoch die Grundlage für eine herstellerübergreifende Digitalisierung der Energieversorgung bildet.
Energiedienstleister in der Schweiz: Profile und Dienstleistungen führender Netzbetreiber.
Die Schweizer Energielandschaft ist durch über 600 Verteilnetzbetreiber (VNB) geprägt, die täglich die Versorgung von Haushalten, Gewerbe und Industrie sicherstellen. Angesichts der dezentralen Stromerzeugung und der notwendigen Steigerung der Energieeffizienz setzen diese Unternehmen verstärkt auf Smart Grids. Ein zentraler Baustein sind dabei intelligente Messsysteme, die gemäss Stromversorgungsgesetz über eine Kundenschnittstelle verfügen müssen, damit Endverbraucher ihre Daten in Echtzeit abrufen können.
Im Folgenden werden die Profile und Angebote der bedeutenden Netzbetreiber SAK, ewz, EWO und ewb detailliert beleuchtet.
1. SAK (St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG).
Die SAK ist der primäre Energiedienstleister für die Ostschweiz und deckt die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden ab.
Dienstleistungen & Infrastruktur:
- Energieversorgung: Die SAK sorgt für eine sichere und kostengünstige Versorgung mit elektrischer Energie.
- Erneuerbare Energien: Das Unternehmen investiert weitsichtig in den Bau und Betrieb von Anlagen zur Strom- und Wärmegewinnung aus regenerativen Quellen, insbesondere in Wärmepumpenanlagen.
- Digitalisierung: Ein wesentliches Standbein ist der Betrieb eines eigenen, sicheren Glasfasernetzes, das Kunden eine schnelle Datenübertragung ermöglicht.
- Wertschöpfungskette: Mit rund 400 Mitarbeitenden deckt die SAK die gesamte Kette ab – von der Energiebeschaffung über Planung, Bau und Betrieb der Netze bis hin zur Abrechnung.
- Smart Metering: Die SAK setzt intelligente Stromzähler mit einer DSMR-P1 Kundenschnittstelle ein. Speziell für den eRS Smart Meter stellt das Unternehmen eine detaillierte Dokumentation zur Verfügung, um Kunden die Nutzung ihrer Messdaten zu erleichtern.
2. ewz (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich).
ewz gilt als einer der grössten und nachhaltigsten Energieversorger der Schweiz und versteht sich als Pionier der Energiezukunft.
- Fokus auf Nachhaltigkeit: Der Kern der Strategie liegt in der Erneuerung. ewz investiert massiv in erneuerbare Energien und fördert gezielt Innovationen im Bereich intelligenter Energielösungen.
- Ressourcenschonung: Das Ziel ist ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen, um auch nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt und sichere Energieressourcen zu hinterlassen.
- Smart Metering: Auch ewz integriert intelligente Zählerprodukte mit der standardisierten DSMR-P1 Schnittstelle in sein Netzgebiet, was die Transparenz für die Kunden erhöht.
3. EWO (Elektrizitätswerk Obwalden).
Das EWO agiert als regionaler Energiedienstleister und wichtiger Impulsgeber für die lokale Entwicklung.
- Regionale Verantwortung: Neben der Versorgung mit nachhaltigem Strom sieht sich das EWO als verantwortungsvoller Arbeitgeber und Motor der regionalen Wirtschaft.
- Innovationspartnerschaft: Das Unternehmen positioniert sich als kompetenter Dienstleister und innovativer Partner für seine Kundinnen und Kunden.
- Smart Metering: Im Rahmen der Modernisierung setzt das EWO auf intelligente Messsysteme, die über die DSMR-P1 Schnittstelle verfügen, um moderne Anwendungen an der Kundenschnittstelle zu ermöglichen.
4. ewb (Energie Wasser Bern).
Als selbstständiges, öffentlich-rechtliches Unternehmen im Eigentum der Stadt Bern ist ewb für die Grundversorgung der Bundesstadt verantwortlich.
- Versorgungsauftrag: Das Unternehmen sorgt dafür, dass die Stadt und Region Bern „am Laufen bleiben“, indem es moderne Infrastrukturen für Leben und Arbeiten bereitstellt.
- Modernisierung: Ein aktueller Schwerpunkt ist der flächendeckende Ersatz alter Stromzähler durch Smart Meter, über den ewb seine Kunden aktiv informiert.
- Technologie: Die eingesetzten Smart Meter unterstützen die DSMR-P1 Schnittstelle, wodurch Kunden die Möglichkeit haben, kompatible Adapter zur Visualisierung ihres Stromverbrauchs anzuschliessen.
Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten für Kunden.
Alle genannten Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden auf Anfrage die technische Dokumentation der Kundenschnittstelle (CII) auszuhändigen. Durch die Verwendung des Standards DSMR-P1 können Kunden herstellerunabhängige Zusatzgeräte nutzen, um ihren Energiehaushalt zu optimieren.
Zu den verfügbaren Lösungen an diesen Schnittstellen gehören:
- Visualisierung: Produkte wie der gPlug, whatwatt oder Smappee ermöglichen die Anzeige des Verbrauchs in Echtzeit (teils im 1-Sekunden-Takt) via App oder Web.
- Lastmanagement: Geräte wie der Easee Equalizer nutzen die Daten des Netzbetreiber-Zählers, um Elektroautos sicher zu laden, ohne die Hauptsicherung zu überlasten.
- Systemintegration: Die Daten können über Adapter wie die Blue2Box in professionelle Gebäudeleittechnik oder Smart-Home-Systeme (z. B. Loxone, Home Assistant) integriert werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass SAK, ewz, EWO und ewb durch die Bereitstellung intelligenter Messinfrastrukturen die Grundlage für eine effiziente, transparente und kundennahe Energiezukunft in ihren jeweiligen Regionen schaffen.
IoT-Adaptern mit Smart-Meter-Kundenschnittstellen.
Welche Anbieter von IoT-Adaptern, die in der Schweiz entwickelt werden, gibt es, um Energiedaten von lokalen Smart-Meter-Kundenschnittstellen (CII) auszulesen?
In der Schweiz gibt es mehrere Anbieter von IoT-Adaptern und Ausleselösungen, die speziell für die hiesigen Smart-Meter-Kundenschnittstellen (CII – Consumer Information Interface) entwickelt wurden. Diese Geräte ermöglichen es Endverbrauchern, ihre Energiedaten gemäss der Stromversorgungsverordnung in Echtzeit auszulesen und zu visualisieren.
Folgende Anbieter und Produkte werden in den Quellen als in der Schweiz entwickelt hervorgehoben:
Führende Schweizer Anbieter und Produkte.
whatwatt (whatwatt Go).
Das Gerät whatwatt Go wird am Unternehmensstandort in Cham entwickelt und als „Schweizer Innovation“ bezeichnet. Es unterstützt eine Vielzahl von Schnittstellen, darunter P1, M-Bus, UART/TTL sowie Kamstrup Omnipower HAN. Die Daten können in Smart-Home-Systeme wie Loxone, Home Assistant oder myStrom eingebunden werden.
Gantrisch Energie AG (gPlug).
Die gPlug-Produkte werden in der Schweiz für Schweizer Smart-Meter-Schnittstellen entwickelt. Der Adapter wird über die lokale RJ12-Schnittstelle (P1) angeschlossen und ist in Versionen für WLAN (gPlugD) und Ethernet (gPlugE) erhältlich. Er stellt die Daten lokal via HTTP, MQTT oder IP-Multicast bereit.
smart-me AG.
Das Unternehmen mit Sitz in Rotkreuz gilt als führender Schweizer Hersteller von Energiemessgeräten. smart-me bietet verschiedene Schnittstellen an, wie das M-BUS Gateway, um Verbrauchsdaten (Strom, Gas, Wasser, Wärme) in eine Cloud-basierte Plattform zu integrieren und in Echtzeit zu analysieren.
Ensor.
Ebenfalls in Cham ansässig, entwickelt Ensor Smart-Metering-Lösungen für den Schweizer Markt. Das Unternehmen fertigt intelligente Stromzähler und bietet spezialisierte Softwarelösungen an, wobei im Kontext von Auslesesystemen auch das Produkt Voltenic genannt wird.
Blue2Box.
Dieser Adapter empfängt Daten über die Kundenschnittstelle, konvertiert diese und stellt sie über LAN, RS485 oder M-Bus zur Verfügung. Er unterstützt Protokolle wie Modbus RTU/TCP und dient der Entkoppelung der Kundenanlage vom Stromzähler für Industrie-4.0-Anwendungen.
Weitere Schweizer Entwicklungen und Open-Source-Lösungen.
Supercomputing Systems AG (Smart-Meter-Toolkit).
Die in Zürich ansässige Firma entwickelte im Auftrag der EKZ das Smart-Meter-Toolkit. Hierbei handelt es sich um eine Open-Source-Softwarelösung auf Python-Basis, die auf einem Raspberry Pi betrieben wird und Daten von Zählern (z. B. Landis+Gyr, Iskraemeco) via MQTT weiterleitet.
STEINEL Solutions AG.
Dieses Unternehmen agiert als „Alpine Innovation Hub“ mit Entwicklung und Fertigung in Einsiedeln. Sie haben ein LoRa-Modul entwickelt, das in die neue Generation von Stromzählern integriert werden kann, um Daten über weite Entfernungen stabil zu übermitteln.
Technische Hintergründe in der Schweiz.
Die meisten in der Schweiz installierten Smart Meter nutzen für die Kundenschnittstelle entweder den DSMR-P1-Standard oder den M-Bus-Standard. Die Datenübertragung erfolgt häufig über das Protokoll DLMS/Cosem. Viele Energieversorger, wie beispielsweise ewl oder Elektra Itingen, bieten die Freischaltung dieser Schnittstelle kostenlos an, damit Kunden kompatible „Smart Meter Reader“ von Drittanbietern anschliessen können.
Nicht in der Schweiz entwickelt, aber in den Quellen als kompatible DSMR-Produkte erwähnt, sind der Easee Equalizer (Norwegen) und die Systeme von Smappee (globales Cleantech-Unternehmen).
IoT-Adapter am Beispiel von gPlug.ch.
gPlug.ch fokussiert sich auf die Bereitstellung von Brückentechnologien zwischen dem physischen Stromzähler und der digitalen Welt des Nutzers. Die Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Messdaten direkt an der lokalen Schnittstelle des Zählers abgreifen und im lokalen Heimnetzwerk (via WiFi oder Ethernet) verfügbar machen.
Die Vision des Unternehmens besteht darin, den Endverbrauchern volle Transparenz über ihren Energieverbrauch zu ermöglichen, ohne auf externe Cloud-Dienste angewiesen zu sein, da die Daten primär auf einer lokal generierten Webseite des Adapters angezeigt werden.
Produkte von gplug.ch
Das Sortiment umfasst verschiedene Modelle, die jeweils auf spezifische Zählertypen und Schnittstellenstandards zugeschnitten sind:
- gPlugD: Ein preiswerter IoT-Adapter für die weit verbreitete P1-DSMR Kundenschnittstelle. Er wird einfach eingesteckt, verbindet sich mit dem WiFi und bezieht seine Energie meist direkt aus dem Zähler.
- gPlugD-E: Diese Variante entspricht funktional dem gPlugD, verfügt jedoch über eine Ethernet-Buchse (RJ45) für eine kabelgebundene Netzwerkverbindung anstelle von WiFi. Er ist ideal für Standorte mit schlechtem Funkempfang im Keller.
- gPlugK: Dieser Adapter wurde speziell für Kamstrup Omnipower Smart Meter entwickelt, die über einen Schacht mit HAN-Buchse verfügen. Er verarbeitet Daten gemäss der Kamstrup HAN-Spezifikation.
- gPlugM: Eine Lösung für Landis+Gyr (L+G) Smart Meter (Modelle E450 und E570), die eine extern zugängliche M-Bus Kundenschnittstelle via RJ12-Buchse besitzen.
- Zukunftsprojekte: Das Unternehmen arbeitet derzeit an einem speziellen gPlug für den Landis+Gyr E450, für den bereits eine Warteliste besteht.
Technische Merkmale und Möglichkeiten
Die gPlug-Produkte bieten eine Reihe technischer Spezifikationen, die sie für Smart-Home-Enthusiasten und Energieplaner interessant machen:
- Hohe Datenfrequenz: Die Leistungs- und Spannungswerte werden mit einer Frequenz von 0.1 bis 1 Hz (alle 1 bis 10 Sekunden) aktualisiert.
- Firmware & Skripting: Die Geräte werden mit einer spezifischen Version der Open-Source-Firmware Tasmota ausgeliefert. Dies ermöglicht es fortgeschrittenen Nutzern, eigene Skripte (z. B. in der Sprache Berry) für Berechnungen oder Steuerungsalgorithmen zu schreiben.
- Integration: Die Daten stehen über Standardprotokolle wie MQTT, HTTP oder IP-Multicast zur Verfügung. Dadurch lassen sie sich in Systeme wie Home Assistant, Loxone oder ioBroker integrieren.
- Lokale Steuerung: Nutzer können die Daten verwenden, um beispielsweise den PV-Eigenverbrauch zu optimieren, indem sie Grossverbraucher wie Boiler oder Elektroautos dann zuschalten, wenn die Messdaten eine hohe Solarproduktion anzeigen.
- Unabhängige Energieversorgung: In den meisten Fällen benötigen die Adapter kein externes Netzteil, da sie direkt über die Schnittstelle des Stromzählers gespeist werden. Eine Ausnahme bilden bestimmte Installationen (z. B. ISKRA AM550 bei einigen Netzbetreibern), bei denen eine externe USB-Speisung erforderlich sein kann.
Voraussetzungen für den Einsatz.
Damit ein gPlug genutzt werden kann, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Der Zähler muss über eine kompatible Kundenschnittstelle verfügen, diese Schnittstelle muss vom zuständigen Verteilnetzbetreiber (VNB) aktiviert worden sein, und am Standort des Zählers muss ein stabiles WiFi-Signal (bzw. ein LAN-Anschluss beim D-E Modell) vorhanden sein.
Der Smart Meter Rollout in Deutschland: Technologie, Zeitplan und Potenziale.
Die Digitalisierung der Energiewende in Deutschland erreicht mit dem flächendeckenden Rollout von Smart Metern (intelligenten Messsystemen) eine entscheidende Phase. Diese Geräte sind weit mehr als nur digitale Zähler; sie bilden die technische Grundlage für ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) und ermöglichen es Verbrauchern, aktiv von schwankenden Strompreisen zu profitieren.
Smart Meter in Deutschland.
Ein Smart Meter, fachsprachlich als intelligentes Messsystem (iMSys) bezeichnet, besteht aus zwei Hauptkomponenten:
- Moderne Messeinrichtung (mME): Ein digitaler Stromzähler, der den tatsächlichen Energieverbrauch und die Nutzungszeit erfasst.
- Smart Meter Gateway (SMGW): Dies ist das Herzstück des Systems. Es fungiert als Kommunikationseinheit, welche die Messdaten sicher verschlüsselt und über das Internet (Mobilfunk, LAN oder Glasfaser) an den Messstellenbetreiber und den Stromanbieter übermittelt.
Wichtig ist die Unterscheidung: Ein rein digitaler Zähler ist noch kein Smart Meter. Erst durch die Anbindung an ein Gateway wird er "intelligent" und kommunikationsfähig.
Der gesetzliche Fahrplan und die Einbaupflicht.
Ab dem Jahr 2025 gelten in Deutschland neue Regelungen, die den Einbau massiv beschleunigen sollen. Für bestimmte Gruppen ist der Einbau bereits jetzt oder in Kürze verpflichtend:
- Haushalte mit hohem Verbrauch: Wer mehr als 6.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr verbraucht, muss ein Smart Meter erhalten.
- Anlagenbetreiber: Besitzer von Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 7 kWp sind ebenfalls zur Installation verpflichtet.
- Steuerbare Verbrauchseinrichtungen: Haushalte, die eine Wärmepumpe oder eine Wallbox für Elektroautos betreiben, fallen unter die Einbaupflicht.
Für alle anderen Haushalte (unter 6.000 kWh) besteht ab 2025 ein Recht auf Einbau. Wer ein Gerät beantragt, muss dieses innerhalb von vier Monaten vom Messstellenbetreiber installiert bekommen. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis Ende 2025 sollen 20 %, bis 2028 bereits 50 % und bis 2030 schliesslich 95 % aller Haushalte ausgestattet sein.
Technische Möglichkeiten und Vorteile.
Der grösste Vorteil für Endverbraucher liegt in der Transparenz und der Möglichkeit zur Kostenoptimierung:
- Echtzeit-Daten: Smart Meter erfassen den Verbrauch meist im 15-Minuten-Takt. Über Apps oder Kundenportale können Nutzer ihren Stromverbrauch fast live verfolgen und so gezielt „Stromfresser“ im Haushalt identifizieren.
- Dynamische Stromtarife: Ab 2025 müssen alle Stromanbieter verpflichtend dynamische Tarife anbieten. Bei diesen Tarifen variiert der Preis stündlich oder sogar minütlich, basierend auf den Preisen der Strombörse (EPEX Spot).
- Kosten senken durch Lastverschiebung: Wenn viel Wind- oder Sonnenstrom verfügbar ist, sinken die Börsenpreise – teilweise sogar in den negativen Bereich. Besitzer eines Smart Meters können Grossverbraucher wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Elektroautos gezielt dann starten, wenn der Strom besonders günstig ist.
- Automatisierung (HEMS): Sogenannte Home Energy Management Systeme können Solaranlage, Speicher und Wallbox automatisch so steuern, dass der günstigste Strommix genutzt wird.
Installation und Kosten.
Der Einbau erfolgt durch den zuständigen Messstellenbetreiber. Dabei wird der alte Zähler komplett ersetzt. Ein kritischer Punkt bei der Installation ist oft der Empfang im Keller. In vielen Fällen müssen externe Antennen montiert oder Fensterdurchbrüche vorgenommen werden, um eine stabile Mobilfunkverbindung für das Gateway zu gewährleisten.
Die Kosten für den Betrieb sind gesetzlich gedeckelt:
- Standard-Smart-Meter kosten für Haushalte zwischen 6.000 und 10.000 kWh maximal 20 Euro pro Jahr.
- Bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpe/Wallbox) liegt die Obergrenze bei 50 Euro pro Jahr.
- Höhere Verbräuche oder sehr grosse PV-Anlagen können bis zu 120 Euro pro Jahr kosten.
Datenschutz und Sicherheit.
Da Smart Meter detaillierte Rückschlüsse auf den Tagesablauf der Bewohner zulassen könnten, unterliegen sie strengsten Sicherheitsanforderungen. In Deutschland überwacht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Sicherheitsstandards. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, und Mythen über eine leichte Hackbarkeit oder eine unbegründete Fernabschaltung des Stroms durch den Versorger entsprechen nicht der Realität.
Fazit
Smart Meter sind der „Schlüssel für die Energiewende“. Sie ermöglichen es, die schwankende Erzeugung aus erneuerbaren Energien mit dem Verbrauch in Einklang zu bringen, das Stromnetz zu stabilisieren und den Verbrauchern durch dynamische Tarife bares Geld zu sparen. Auch wenn der Rollout in Deutschland bisher stockend verlief, markiert das Jahr 2025 durch die neue Anbieterpflicht und das Einbaurecht den endgültigen Durchbruch dieser Technologie.
Mehr Informationen zum Thema:
Swissgrid: Netz der Zukunft.
Weiterentwicklung des Schweizer Höchstspannungsnetzes. Und Integration der Schweiz in das entstehende europäische Gleichstromnetz, das sogenannte Supergrid.
Stromnetz der Zukunft.
Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung – das neue Schweizer Smart Grid. Eine Übersicht zu den aktuellen Entwicklungen im Schweizer Stromnetz.
Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quellenverzeichnis (Januar 2026)
Smart meter rollout in Kanton Zürich, 2023.
https://www.youtube.com/watch?v=7qrF-sTtRvk
Sendung Energie 10.10.2022: Smart Meter (ewl)
https://www.youtube.com/watch?v=OyizemXM3Zw
Smart Meter kurz erklärt | ewz.energie
https://www.youtube.com/watch?v=Q24fh3o1sQ8
Smart Meter: der kleine Wunderkasten
https://www.youtube.com/watch?v=03aTYykJzcc
Smart Meter einfach erklärt: Vorteile, Funktionen und Nutzen
https://www.youtube.com/watch?v=J5FKz1OGMkU
Dynamische Stromtarife im Check - Niedrige Stromkosten dank Smartmeter | CHIP
https://www.youtube.com/watch?v=JJ7fIqsbyrA
Wissen kompakt - Was ist ein Smart Meter?
https://www.youtube.com/watch?v=2Eb02Z0-Qjo
Smarte Stromzähler - wie gut sind sie? | SUPER.MARKT
https://www.youtube.com/watch?v=Gh199cv27Kg
Smart Meter: Strom verbrauchen, wenn er günstig ist | Abendschau | BR24
https://www.youtube.com/watch?v=Cnd78MjAyw4
So einen Stromzähler hat bald JEDER - Smart Meter Gateway Installation begleitet!
https://www.youtube.com/watch?v=67RyRK238J4
Smart Meter – So sparst du Strom & Geld!
https://www.youtube.com/watch?v=jscz0_7itIU
Was ist das SmartMeter? - Photovoltaik mit Speicher und SmartMeter. Warum ich es haben wollte!
https://www.youtube.com/watch?v=fajqyK82tks
https://gplug.ch/
https://www.smart-metering-interface.ch/





