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Stromnetz der Zukunft: Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung – das neue Schweizer Smart Grid.

Eine Übersicht zu den aktuellen Entwicklungen im Schweizer Stromnetz.

Stromnetz der Zukunft: Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung – das neue Schweizer Smart Grid.


Update 23.01.2026

Smart Metern und Energiewende.

Das intelligente Messsystem.

Ein Smart Meter ist ein digitaler Stromzähler, der Energieverbrauch und -produktion präzise und zeitnah erfasst:

  • Funktionsweise: Die Geräte messen in der Regel im Viertelstundentakt und übermitteln die Daten verschlüsselt an den Energieversorger.
  • Komponenten (DE): In Deutschland besteht ein intelligentes Messsystem (iMSys) aus einer modernen Messeinrichtung und einem Smart Meter Gateway (SMGW) als sicherer Kommunikationseinheit.
  • Schnittstellen: Für Endverbraucher ist die lokale Kundenschnittstelle (meist DSMR-P1 oder M-Bus) entscheidend, um Daten in Echtzeit auszulesen.

Die Einführung bietet erhebliche Potenziale zur Kosten- und Verbrauchsoptimierung:

  • Transparenz und Einsparung: Durch die Analyse detaillierter Verbrauchsdaten über Kundenportale können „Stromfresser“ identifiziert und Einsparungen von 3 % bis 6 % erzielt werden.
  • Photovoltaik-Optimierung: Smart Meter fungieren als Steuereinheit für das Energiemanagement, indem sie Überschüsse messen und die Batteriespeicherung sowie den Eigenverbrauch optimieren.
  • Dynamische Tarife: Ab 2025 müssen Stromanbieter in Deutschland verpflichtend dynamische Tarife anbieten, die es ermöglichen, Grossverbraucher in kostengünstige Zeiten mit hoher Erzeugung aus erneuerbaren Energien zu verschieben.
  • Vereinfachte Prozesse: Automatische Zählerstandübermittlungen machen manuelles Ablesen überflüssig und ermöglichen stichtaggenaue Abrechnungen.


Smart Meter.

Anwendungen mit Smart Meter (intelligente Messsysteme, DSMR-P1) für Smart Grids und Energieeffizienz. Präzise Messung, Auswertung (und Steuerung) von Energieproduktion und Energieverbrauch.

Smart Meter und das Netz der Zukunft.


Update 06.01.2026

Blackout im Europäischen Stromnetz.

Das kontinentaleuropäische Verbundsystem (Continental Europe Synchronus Area, CE-SA), das sich von Marokko und Spanien bis ins Baltikum erstreckt, ist die "grösste Maschine der Welt". Dieses riesige Netz versorgt rund 400 Millionen Menschen mit Energie und bündelt eine Erzeugungsleistung von über 1000 GW.
Siehe:
Blackout im Europäischen Stromnetz: Frequenzstabilität und Erneuerbare (Wind- und Solarenergie). Die grösste Maschine der Welt - Resilienz und zukünftige Netzkonzepte.

Blackout im Europäischen Stromnetz.

Update 28.12.2025

Netzstabilität in der Energiewende, Ursachen des Spanien-Blackouts und netzbildende Technologien.


I. Das Europäische Verbundnetz und Stabilitätsverlust.

Das kontinentaleuropäische Verbundsystem (CE-SA) wird als „größte Maschine der Welt“ bezeichnet und versorgt etwa 400 Millionen Menschen. Die Netzfrequenz muss konstant bei 50 Hz gehalten werden. Historisch wurde die Netzstabilität durch die trägen, rotierenden Massen von Synchron-Generatoren in konventionellen Großkraftwerken (Kohle, Gas, Atom) gewährleistet. Mit dem Ausbau dezentraler, wetterabhängiger Anlagen (PV- und Windkraftanlagen) fehlt diesen Komponenten die physikalische Schwungmasse, was einen Paradigmenwechsel darstellt.

II. Der Blackout in Spanien (2025).

Der Blackout auf der Iberischen Halbinsel am 28. April 2025 dauerte 12 bis 18 Stunden und betraf die halbe Halbinsel. Ein offizieller Bericht der spanischen Ministerin für den ökologischen Wandel, Sara Aagesen, nannte drei Hauptursachen, die das System über einen „Punkt ohne Wiederkehr“ hinausführten:

  1. Überspannungen und Planungsfehler: Dem System mangelte es an ausreichender dynamischer Spannungsregelung. Der Netzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) hatte nicht die gesamte notwendige Erzeugungskapazität zur Kontrolle der Überspannung eingeplant, und synchrone Anlagen nahmen nicht die erwartete Blindleistung auf. Blindleistung wird als der "Luftdruck im Stromnetz" bezeichnet, der die Spannung auf dem richtigen Niveau hält.
  2. Kettenreaktion und Schwingungen: Die Überspannungen lösten eine Kettenreaktion aus, und Korrekturmaßnahmen des Netzbetreibers erhöhten zusätzlich die Belastung, was zu Systemschwingungen führte.
  3. Unsachgemäße Abschaltungen: Mehrere Kraftwerke schalteten sich aufgrund anhaltender Hochspannung um 12:33 Uhr „offensichtlich unsachgemäß“ außerhalb des zulässigen Betriebsbereichs ab.

Der Bericht stellte klar, dass nicht die Photovoltaik-Technologie am Blackout schuld war. Als Reaktion auf den Vorfall wurden elf Maßnahmen zur Stärkung der Netzstabilität angekündigt, darunter drei zur Stärkung der Cybersicherheit.

III. Netzbildende Technologien als Lösung.

Um das Netz stabil zu halten, muss den neuen EE-Komponenten „das Balancieren beigebracht“ werden.

  1. Grid-Forming-Funktionen: Die Lösung liegt in der Leistungselektronik (Wechselrichter) von Speichern, die durch netzbildende Funktionen (Grid-Forming) die Stabilität der rotierenden Massen nachbilden können. Diese Technologie macht die Batterie, die an sich "dumm" ist, zur zentralen Komponente der Energiewende.
  2. Speicher-Boom: Deutschland erwartet einen „Batterie-Tsunami“ mit Anmeldungen von 220 GW Leistung. Mit Grid-Forming können Speicher große Kraftwerke ersetzen, die Netzqualität und Frequenz verbessern und sogar Inselnetze aufbauen.
  3. Regulatorische Notwendigkeit: Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) fordern, dass mindestens etwa die Hälfte der Kundenanlagen und Speicher netzstabilisierend und netzbildend wirken müssen, da eigene Maßnahmen nicht ausreichen. Langfristig sollen die Netzanschlussrichtlinien netzbildende Anforderungen für alle Geräte enthalten. Die Umsetzung netzbildender Wechselrichter und Speicher soll zudem in Spanien beschleunigt werden.
IV. Resilienz und zukünftige Netzstrategien.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien und dezentrale Speicher erhöht die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und bietet geopolitische Vorteile.

Zellulärer Ansatz: Zukünftig soll das Netz in viele kleine Zellen unterteilt werden, die im Störungsfall dank lokaler Batteriespeicher und EE-Anlagen weiterlaufen können.

Notstromfähigkeit: Batteriespeicher (Heimspeicher) und E-Autos (bidirektionales Laden, V2H) müssen notstromfähig sein, um Bürger im Blackout-Fall für Stunden oder Tage unabhängig zu machen.

Geringe Gefahr für Deutschland und die Schweiz: Der in Spanien erlebte Blackout gilt für Deutschland und die Schweiz als extrem unwahrscheinlich, da beide Länder eng in das robuste europäische Verbundnetz eingebettet ist. Die technischen Lösungen zur Stabilität sind vorhanden; es muss lediglich zügig gehandelt werden.

Mehr dazu:

Frequenzstabilität und Erneuerbare.

Blackout im Europäischen Stromnetz: Frequenzstabilität und Erneuerbare (Wind- und Solarenergie). Die grösste Maschine der Welt - Resilienz und zukünftige Netzkonzepte.

Frequenzstabilität und Erneuerbare.


Update vom 23.12.2025

Ein Blick nach Deutschland.

Energiewende, eines der größten Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte.


1. Energiemix und Wirtschaftlichkeit: 

Die Windkraft ist ein Hauptbestandteil der deutschen Stromversorgung; im vergangenen Jahr stammte über die Hälfte des Stroms aus regenerativen Quellen. Populisten befürworten die Rückkehr zur Kernkraft, die Abschaffung von Verboten für fossile Energieträger und die Streichung von Subventionen für erneuerbare Energien. Experten zufolge sind Wind- und Solaranlagen heute bereits wettbewerbsfähig und könnten ohne Subventionen gebaut werden. Der Neubau von Kernkraftwerken wird hingegen als „unfassbar teuer“ eingeschätzt, und potenzielle Betreiber in Deutschland haben einen Neubau ausgeschlossen, es sei denn, der Staat übernimmt alle Risiken.

2. Kritik am Netzausbau: 

Der geplante Netzausbau (etwa 20.000 Kilometer Überlandstromtrassen) ist das größte und teuerste Infrastrukturprojekt der deutschen Geschichte. Die Gesamtkosten, inklusive der lokalen Verteilnetze, werden auf bis zu 732 Milliarden Euro geschätzt. Die Universität Köln hat berechnet, dass sich die Netzentgelte für Haushalte dadurch fast verdreifachen könnten.

3. Batteriespeicher als Alternative und Digitalisierung: 

Experten fordern eine Kurskorrektur hin zu einer dezentralen Energieversorgung und der Nutzung von Speichern, um Milliardenkosten einzusparen. Batteriespeicher sind die bessere Lösung, da sie den Netzausbau vereinfachen und beschleunigen und Strom in der Zeit verteilen (Shifting) sowie die Netzqualität verbessern können (Regelenergie). Trotz des enormen Einsparpotenzials kann Deutschland die Vorteile der Speicher wegen der verschlafenen Digitalisierung nicht voll ausschöpfen. Ein großes Hindernis ist das Fehlen von Smart Metern (digitalen Stromzählern), die für die Steuerung der Speicher notwendig sind.

4. Wärmespeicherung: 

Die zweite große Herausforderung ist die Wärmeversorgung, da überschüssige grüne Energie hauptsächlich im Sommer anfällt, die Wärme aber im Winter benötigt wird. Erdbeckenspeicher bieten eine Lösung, um Wärme monatelang saisonal einzulagern. Wissenschaftler prognostizieren, dass Erdbeckenspeicher bis 2050 rund 30% des jährlich benötigten Wärmebedarfs in Deutschland decken könnten, wofür mindestens 5000 Speicher gebaut werden müssten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland trotz technologischer Wettbewerbsfähigkeit bei erneuerbaren Energien dringend eine Kurskorrektur hin zu einem flexiblen, dezentralen Planungsrahmen und einer Anpassung des Strommarktdesigns vornehmen muss, um die Systemkosten zu senken und das volle Potenzial der neuen Technologien auszuschöpfen.

Mehr zum Thema:
Batterien statt AKWs: Energiemix, Erneuerbare, Stromspeicher, Netzausbau und Digitalisierung, Smart Meter. Wirtschaftlichkeit, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Energiewende in Deutschland.

Batterien statt AKWs.

03.12.2025, Batteriespeichersysteme.

Grünstrom-Batteriespeichersysteme (BESS).

In diesem Artikel geht es um die künftige Rolle von Batteriespeichersystemen (BESS), gestützt auf den aktuellen exponentiellen Boom, die wirtschaftlichen Treiber und die notwendigen infrastrukturellen sowie regulatorischen Anpassungen.

Mehr dazu:
Grünstrom-Batteriespeichersysteme (BESS), Kapazitäten, Netzstabilität, Batterietechnologien, Anwendungen, Strompreisarbitrage. Batteriespeicher - ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende und die Versorgungssicherheit.

Grünstrom-Batteriespeichersysteme (BESS).


Update vom 6.11.2025

Energiesicherheit und technologische Transformation des Stromnetzes.

Wie steht es mit der Energiesicherheit, der technologischen Transformation des Stromnetzes, des wachsenden Energiebedarfs durch Hochleistungsrechner und der psychologischen Resilienz im Angesicht von Krisen?

  • Versorgungssicherheit und Blackouts.
  • Transformation des Energiesystems und Netzsteuerung.
  • Energieverbrauch von Hochleistungsrechnern und KI.
  • Krisenbewältigung und psychologische Resilienz.


Weitere Artikel zu diesen Themen:

Stabiles Schweizer Stromnetz.

Stabiles Schweizer Stromnetz, neue Algorithmen ETH Zürich für netzbildende, taktvorgebende Wechselrichter. Gridforming, Fehlerstützung, Schwungmasse, Bereitstellung harmonischer Ströme oder Ungleichgewichte.

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Versorgungssicherheit, Blackouts, Stabilität.

Stromnetz der Zukunft: Versorgungssicherheit, Blackouts, Erneuerbare Energien, Stabilität, Netzsteuerung und KI. Funktionsweise und Stabilität des Stromnetzes, Verlust der Massenträgheit und zunehmende Komplexität des Systems.

Versorgungssicherheit, Blackouts, Stabilität.


26.5.2025 

Eine Übersicht zu allen Themen rund um das «Netz der Zukunft».

Das Netz der Zukunft.

 

Swissgrid: Netz der Zukunft – Weiterentwicklung des Schweizer Höchstspannungsnetzes.

Swissgrid will mit dem «Netz der Zukunft» das Schweizer Übertragungsnetz für die bevorstehende Transformation des Energiesystems fit machen.

«Netz der Zukunft».


Die drei Schwerpunktthemen für das "Netz der Zukunft" sind:

Dekarbonisierung.

Fossile Energieträger werden durch erneuerbare Energien ersetzt, was den Strombedarf, z.B. durch Wärmepumpen und Elektromobilität, deutlich erhöht.

Dekarbonisierung und Strombedarf.


Dezentralisierung.

Der langfristige Ausstieg aus der Kernenergie führt zu mehr dezentraler Stromproduktion, insbesondere durch Solar- und Windenergie.

Dezentralisierung Produktion undVerbrauch.


Digitalisierung.

Die Digitalisierung ermöglicht eine bessere Vernetzung und Abstimmung von Verbrauch, Erzeugung und Speichern sowie die Steuerung von Stromflüssen, was den notwendigen Netzausbau reduzieren kann. Die Digitalisierung und der Einsatz von IoT-Technologien sollen helfen, Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht zu halten.

Digitalisierung der SchweizerStromnetze.

 

Bild: © Copyright Swissgrid, Freileitung Gösgen-Laufenburg.


Dekarbonisierung.

Weitere Themenkreise rund um die Dekarbonisierung:

Co2-Reduktion.

Klimaziele.

Klimawandel.

Heizung.

Wasserkraft.

Atomstrom.

Solarkraftstoffe.

E-Fuels.


Dezentralisierung.

Weitere Themenkreise rund um die Dezentralisierung:

Energiespeicher.

Batteriespeicher.

 Alpine Solaranlagen in der Schweiz.

Mikronetze.

Elektromobilität.

Pumpspeicherstauseen.


Digitalisierung.

Weitere Themenkreise rund um die Digitalisierung:

Digitalisierung im Stromsektor.

Energiemanagement.

 ZEV - Zusammenschluss zum Eigenverbrauch.

 


Weitere Themen rund um die Weiterentwicklung des Schweizer Stromnetzes.


 Smart Grid.

Blackouts.


Stromnetz der Zukunft: Strom und Kommunikation.


Das «Netz der Zukunft» und Abhängigkeiten zu Politik und Wirtschaft.

Weitere Themenkreise rund um die Weiterentwicklung des Schweizer Stromnetzes:

Schweizer Energiepolitik.

Aktuelles SchweizerStromnetz.

EnergiewendeSchweiz. 

StromversorgungSchweiz.

StromversorgungssicherheitSchweiz.

Winterstrom.

CO2 Reduktion.

PV-Qualität.

Solarparks.

Agri-PV.



SWEET: 
«SWiss Energy research for the Energy Transition».

 CROSS 


Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.

Besten Dank an Swissgrid für den Download des Bildes:
Bild: © Copyright Swissgrid, Freileitung Gösgen-Laufenburg.

Bilder Stromnetz: © Bruno Giordano


 

 

 

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Was bedeutet die Dekarbonisierung für die Elektrifizierung und das Schweizer Stromnetz der Zukunft?
Das Schweizer Stromgesetz ist ein entscheidender Hebel für die Dekarbonisierung.