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Wind- und Solarenergie verdoppeln die regionale Wertschöpfung, schaffen Wirtschaftswachstum und Produktivität.

Die Energiewende als regionales Gewinnmodell: Milliardenschwere Potenziale für Kommunen bis 2033.

Wind- und Solarenergie verdoppeln die regionale Wertschöpfung, schaffen Wirtschaftswachstum und Produktivität.

11.06.2026

Die Energiewende als regionales Gewinnmodell: Milliardenschwere Potenziale für deutsche Kommunen bis 2033.


Studie 27. Februar 2026:
studie-ioew-staerkung-der-regionalen-wertschoepfung-durch-erneuerbare-energien.pdf

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland wird oft primär unter dem Aspekt des Klimaschutzes oder als ökonomische Belastung diskutiert. Eine umfassende Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sowie der IW Consult zeigt jedoch, dass die Energiewende kein Kostenblock, sondern ein massives Gewinnmodell für die Regionen ist. Wenn Deutschland seine Ausbauziele für Wind- und Solarenergie konsequent erreicht, könnten sich die Einnahmen der Städte und Landkreise von heute rund 5,5 Milliarden Euro auf 12,4 Milliarden Euro jährlich bis zum Jahr 2033 mehr als verdoppeln.

1. Grundlagen der regionalen Wertschöpfung.

Unter regionaler Wertschöpfung wird der wirtschaftliche Nutzen verstanden, der durch den Bau und Betrieb von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie direkt vor Ort verbleibt. Dieser Nutzen setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

  • Unternehmensgewinne: Gewinne der Betreibergesellschaften, sofern diese regional ansässig sind.
  • Einkommen: Löhne und Gehälter für Beschäftigte in Planung, Installation, Wartung und Betrieb.
  • Steuereinnahmen: Insbesondere die Gewerbesteuer, die zu 90 Prozent an die Standortkommunen abgeführt wird, sowie kommunale Anteile an der Einkommensteuer.
  • Pachtzahlungen: Einnahmen für Flächeneigentümer, darunter auch Kommunen, die eigene Flächen für Wind- oder Solarparks verpachten.

Bereits im Jahr 2023 erzeugten Wind- und Solaranlagen bundesweit eine direkte Wertschöpfung von etwa 10 Milliarden Euro und sicherten rund 51.000 Vollzeitarbeitsplätze. Davon verblieben bereits heute ca. 5,5 Milliarden Euro direkt in den Standortregionen. Bei Erreichen der Ausbauziele bis 2033 prognostiziert die Studie einen Anstieg der direkten bundesweiten Wertschöpfung auf 21 Milliarden Euro und über 100.000 Vollzeitstellen.

2. Wirtschaftliche Dynamik und Spillover-Effekte.

Über die direkte Wertschöpfung hinaus löst der Ausbau der erneuerbaren Energien sogenannte Spillover-Effekte aus, die die gesamte regionale Wirtschaft stärken.

  • Wirtschaftswachstum und Produktivität: In Regionen, die beim Ausbau der grünen Infrastruktur vorangehen, sind bis zu zehn Prozent des Wirtschaftswachstums der letzten Dekade direkt auf diesen Sektor zurückzuführen. In den Spitzenreiter-Kreisen des Windausbaus erklärt die grüne Energie sieben Prozent des BIP-Wachstums, beim Solarausbau sind es sogar zehn Prozent. Dies geschieht einerseits durch den Aufbau von Arbeitsplätzen, andererseits durch eine signifikante Steigerung der regionalen Produktivität. Technische Dienstleister im Bereich der Energiewende gelten oft als überdurchschnittlich produktiv und verändern die lokale Wirtschaftsstruktur positiv.
  • Standortfaktor Grünstrom: Die Verfügbarkeit von günstigem und lokal erzeugtem Grünstrom entwickelt sich zu einem entscheidenden Standortvorteil für Industrie und Gewerbe. 38 Prozent der Wirtschaftsförderer sehen darin bereits heute ein zentrales Argument für Unternehmensansiedlungen. Besonders energieintensive Branchen wie der Fahrzeugbau oder die Grundstoffindustrie bewerten eine klimaneutrale Energieversorgung als essenziell für ihre Zukunftsfähigkeit. Durch langfristige Stromkaufvereinbarungen (Power Purchase Agreements, PPA) können Unternehmen zudem Preissicherheit gewinnen, was die regionale Resilienz gegenüber volatilen Weltmärkten erhöht.
3. Kommunale Finanzen und öffentliche Infrastruktur.

Die finanziellen Spielräume der Kommunen erweitern sich durch die Energiewende erheblich, was besonders für strukturschwache ländliche Räume eine Chance bietet, die Abwärtsspirale aus Abwanderung und Infrastrukturabbau zu durchbrechen.

  • Steuerkraft: In manchen Landkreisen ist der Ausbau erneuerbarer Energien für bis zu vier Prozent der gestiegenen Steuereinnahmekraft verantwortlich.
  • Soziale Infrastruktur: Die Daten zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen dem Ausbau grüner Energien und steigenden Kita-Quoten. Kommunen wie Wunsiedel oder Wilstedt konnten durch die zusätzlichen Mittel Kitas sanieren oder sogar neu eröffnen.
  • Digitale und physische Infrastruktur: Die Einnahmen fliessen oft direkt in den Breitbandausbau oder die Sanierung von Strassen und öffentlichen Gebäuden. In Wunsiedel wurde der Bau eines Wärmenetzes direkt mit der Verlegung von Glasfaserkabeln verknüpft.
4. Erfolgsbeispiele aus der Praxis.

Fünf Beispielkommunen verdeutlichen, wie die Transformation in der Realität gelingt:

  1. Wunsiedel (Bayern): Nach dem Niedergang der Porzellanindustrie nutzte die Stadt den "Wunsiedler Weg Energie", um sich als High-Tech-Energiestandort neu zu erfinden. Die kommunalen Stadtwerke betreiben Anlagen selbst, was zu hohen Ausschüttungen an den Stadthaushalt führt.
  2. Feldheim (Brandenburg): Das Dorf ist energieautark und betreibt eigene Strom- und Wärmenetze. Dies hält jährlich etwa 300.000 Euro im Ort, die früher für fossile Brennstoffe abflossen.
  3. Lichtenau (NRW): Hier decken Windenergiebetreiber rund die Hälfte der gesamten Gewerbesteuereinnahmen der Stadt. Die Stadt nutzt diese Mittel unter anderem zur Subventionierung des Wasserpreises für alle Bürger.
  4. Wilstedt (Niedersachsen): Durch Rücklagen aus der Windenergie konnte die Gemeinde eine drohende Schliessung der einzigen Apotheke im Dorf durch eine Sanierungsförderung von 400.000 Euro verhindern.
  5. Dardesheim (Sachsen-Anhalt): Ein regionaler Förderverein erhält ein Prozent der Windparkeinnahmen und finanziert damit das Vereinsleben und Infrastrukturprojekte.
5. Beteiligungsmodelle als Schlüssel zur Akzeptanz.

Die Studie identifiziert die Beteiligung der Menschen vor Ort als den zentralen Erfolgsfaktor. Wo Bürger finanziell oder inhaltlich teilhaben können, steigt die Akzeptanz für Wind- und Solarparks massiv.

  • Finanzielle Teilhabe: Dies reicht von Bürgerstromtarifen, bei denen Anwohner direkt von günstigen lokalen Preisen profitieren, bis hin zu Bürgerenergiegenossenschaften und Nachrangdarlehen.
  • Inhaltliche Teilhabe: Transparente Planungsprozesse und frühzeitige Information schaffen Vertrauen und verhindern langwierige Klageverfahren.
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen: Seit 2021 erlaubt § 6 EEG Betreibern, Standortkommunen mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde direkt am Ertrag zu beteiligen. Einige Bundesländer wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern haben bereits verpflichtende Beteiligungsgesetze eingeführt.
6. Handlungsempfehlungen für die Politik.

Um die Potenziale bis 2033 voll auszuschöpfen, schlagen die Autoren der Studie verschiedene Massnahmen vor:

  1. Beratung ausbauen: Kommunen benötigen Unterstützung durch gestärkte Landesenergieagenturen, um komplexe Beteiligungsmodelle umsetzen zu können.
  2. Bürokratie abbau: Gesetzliche Hürden für Bürgerenergetische Projekte sollten reduziert werden, insbesondere bei der Kreditaufnahme für finanzschwache Kommunen.
  3. Flächenmanagement: Kommunen sollten mehr Mitspracherecht bei der Flächenausweisung erhalten, um Wertschöpfungsaspekte frühzeitig in die Planung zu integrieren.
  4. Anreize durch Förderung: Förderprogramme des Bundes (z.B. GRW) sollten regionale Wertschöpfung als Zielkriterium verankern.
Fazit

Die Energiewende ist weit mehr als Klimaschutz – sie ist ein Strukturprogramm für den ländlichen Raum. Durch den konsequenten Ausbau und die intelligente Verankerung der Wertschöpfung vor Ort können Regionen ihre Unabhängigkeit stärken, neue Arbeitsplätze schaffen und die Lebensqualität für ihre Bürger nachhaltig verbessern. Der Erfolg hängt jedoch massgeblich davon ab, ob die Gewinne auch tatsächlich dort ankommen, wo die Anlagen stehen.

Wie verdoppelt der Ausbau erneuerbarer Energien die regionale Wertschöpfung?

Die regionale Wertschöpfung durch den Ausbau erneuerbarer Energien kann sich bis zum Jahr 2033 von aktuell 5,5 Milliarden Euro auf rund 12,4 Milliarden Euro jährlich mehr als verdoppeln, sofern Deutschland seine Ausbauziele für Wind- und Solarenergie konsequent erreicht. Dieser Anstieg basiert auf einer Kombination aus massivem Kapazitätsausbau, gesetzlichen Reformen zur Steuerverteilung und der verstärkten Einbindung lokaler Akteure.

Hier sind die zentralen Mechanismen, durch die diese Verdopplung realisiert wird:

1. Steigerung der direkten Wertschöpfungsfaktoren.

Die direkte Wertschöpfung entsteht entlang der gesamten Kette von Planung, Bau und Betrieb der Anlagen.

  • Unternehmensgewinne: Der grösste Anteil der Wertschöpfung in der Betriebsphase entfällt auf die Nach-Steuer-Gewinne der Betreiber. Wenn Anlagen lokal ansässigen Bürgern, Genossenschaften oder kommunalen Stadtwerken gehören, bleiben diese Gewinne vollständig in der Region, statt an externe Investoren abzufliessen.
  • Beschäftigteneinkommen: Bis 2033 könnte die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien von rund 51.000 auf über 100.000 Stellen anwachsen. Ein signifikanter Teil dieser Jobs entsteht direkt in den Standortregionen, insbesondere in den Bereichen Wartung und technischer Betrieb.
2. Kommunale Fiskaleinnahmen und gesetzliche Rahmenbedingungen.

Durch neue Regelungen partizipieren Kommunen heute stärker an den Erträgen als in der Vergangenheit.

  • Gewerbesteuer-Reform: Seit 2021 werden 90 Prozent der Gewerbesteuer von Wind- und Solarparks an die Standortkommune abgeführt. In Vorreiter-Regionen wie Lichtenau machen diese Zahlungen bereits heute die Hälfte der gesamten städtischen Gewerbesteuereinnahmen aus.
  • Finanzielle Beteiligung nach § 6 EEG: Betreiber können den Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern freiwillig 0,2 Cent pro Kilowattstunde des erzeugten Stroms zahlen. Viele Bundesländer führen zudem Gesetze ein, die solche Zahlungen für neue Anlagen verpflichtend machen.
  • Pachteinnahmen: Kommunen, die eigene Flächen für Windräder oder Solarparks verpachten, erzielen stabile, langfristige Einnahmen, die oft deutlich über landwirtschaftlichen Pachtwerten liegen.
3. Wirtschaftliche Spillover-Effekte und Standortvorteile.

Über die direkten Einnahmen hinaus wirkt der Energieausbau als wirtschaftlicher Katalysator.

  • Wachstumsmotor: In besonders aktiven Landkreisen lassen sich bis zu zehn Prozent des regionalen Wirtschaftswachstums auf den Ausbau der Grünstrom-Infrastruktur zurückführen.
  • Grünstrom als Standortfaktor: Die Verfügbarkeit von lokal erzeugter, klimaneutraler Energie zu stabilen Preisen ist ein entscheidender Faktor für die Ansiedlung energieintensiver Industrien (z. B. Batterie- oder Halbleiterfertigung).
  • Produktivitätssteigerung: Technische Dienstleister für Wartung und Installation siedeln sich oft in der Nähe grosser Anlagenbestände an und stärken durch ihre hohe Produktivität die lokale Wirtschaftsstruktur.
4. Reinvestition in öffentliche Infrastruktur.

Die zusätzlichen Mittel ermöglichen es Kommunen, die Lebensqualität vor Ort nachhaltig zu steigern, was wiederum die Region für Fachkräfte attraktiv macht.

  • Soziale Infrastruktur: Die Mehreinnahmen führen nachweislich zu höheren Kita-Quoten und Investitionen in Bildungseinrichtungen.
  • Physische und digitale Infrastruktur: Einnahmen fliessen oft direkt in den Breitbandausbau, die Sanierung von Strassen oder die Modernisierung der lokalen Daseinsvorsorge (z. B. Feuerwehren, Apotheken).

Der Erfolg dieser Verdopplung hängt jedoch massgeblich davon ab, ob die politischen Rahmenbedingungen (Beratung, Bürokratieabbau, einfachere Kredite für finanzschwache Kommunen) eine aktive Mitgestaltung durch die Akteure vor Ort ermöglichen.

Wie profitieren strukturschwache Regionen finanziell von der Energiewende?

Strukturschwache Regionen profitieren von der Energiewende vor allem durch eine massive Steigerung der regionalen Wertschöpfung, die sich laut Studien bis zum Jahr 2033 auf rund 12,4 Milliarden Euro jährlich mehr als verdoppeln könnte. Diese Entwicklung bietet insbesondere für ländliche Räume die Chance, eine Abwärtsspirale aus Abwanderung und wegbrechender Daseinsvorsorge zu durchbrechen.

Hier sind die zentralen Kanäle, über die finanzielle Vorteile generiert werden:

1. Direkte kommunale Einnahmequellen.

Die Gemeindekassen profitieren unmittelbar von verschiedenen Zahlungsströmen, die durch Wind- und Solaranlagen ausgelöst werden:

  • Gewerbesteuer: Seit der Reform der Gewerbesteuerzerlegung im Jahr 2021 fliessen 90 Prozent der Gewerbesteuer an die Standortkommunen der Anlagen. In Vorreiter-Regionen wie Lichtenau machen diese Zahlungen bereits die Hälfte des gesamten städtischen Gewerbesteueraufkommens aus.
  • Pachteinnahmen: Kommunen, die eigene Flächen für Anlagen verpachten, erzielen stabile, langfristige Einnahmen, die oft deutlich über den Erträgen einer landwirtschaftlichen Nutzung liegen.
  • Beteiligung nach § 6 EEG: Betreiber können Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde am Ertrag beteiligen. In Bundesländern wie Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden zudem Gesetze verabschiedet, die solche Zahlungen teilweise verpflichtend machen.
2. Wirtschaftliche Impulse und Beschäftigung.

Der Ausbau erneuerbarer Energien wirkt als Wirtschaftsmotor vor Ort:

  • Arbeitsplätze: In den Standortregionen entstehen Stellen in den Bereichen Planung, Installation, Wartung und Betrieb. Bis 2033 könnte die Zahl der direkten Vollzeitarbeitsplätze bundesweit auf über 100.000 steigen.
  • Ansiedlung von Dienstleistern: Spezialisierte technische Unternehmen siedeln sich verstärkt dort an, wo viele Anlagen betrieben werden, was die lokale Wirtschaftsstruktur stärkt.
  • Grünstrom als Standortvorteil: Die Verfügbarkeit von lokal erzeugter, günstiger Energie ist heute ein zentraler Faktor für Unternehmensansiedlungen, insbesondere für energieintensive Betriebe.
3. Reinvestition in die lokale Infrastruktur.

Die zusätzlichen Mittel ermöglichen es strukturschwachen Kommunen, ihre Attraktivität als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu steigern:

  • Soziale Infrastruktur: Mehreinnahmen führen nachweislich zu höheren Kita-Quoten und Investitionen in Bildungseinrichtungen. In Wilstedt konnte so beispielsweise der Bau einer neuen Kita und die Sanierung der einzigen Apotheke im Ort finanziert werden.
  • Digitale und physische Infrastruktur: Kommunen investieren die Gelder in den Breitbandausbau, die Strassensanierung oder moderne Feuerwehrausrüstung. Wunsiedel nutzte den Ausbau eines Wärmenetzes beispielsweise direkt zur Verlegung von Glasfaserkabeln.
4. Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Finanzielle Teilhabemodelle sorgen dafür, dass Gewinne nicht an externe Investoren abfliessen, sondern in der Region bleiben:

  • Bürgerenergiegenossenschaften und Beteiligungen: Durch direkte Anteile an Anlagen profitieren Einwohner von Dividenden und haben Mitspracherechte.
  • Günstige Stromtarife: Lokale Bürgerstromtarife entlasten die Haushalte finanziell. Im energieautarken Dorf Feldheim beziehen Bewohner Strom für rund 12 ct/kWh und Wärme für 7,5 ct/kWh, wodurch jährlich ca. 300.000 Euro im Ort bleiben, die früher für fossile Brennstoffe abflossen.
  • Bürgerenergiestiftungen: Stiftungen in Gemeinden wie Lichtenau oder Wilstedt fördern aus Windenergie-Erlösen lokale Vereine, kulturelle Projekte und das Gemeinwesen.

Die Energiewende ist für strukturschwache Regionen weit mehr als Klimaschutz: Sie dient als regionales Strukturprogramm, das neue finanzielle Spielräume schafft, Arbeitsplätze sichert und die Lebensqualität vor Ort nachhaltig verbessert.

Welche Vorteile ergeben sich konkret für die Gemeindekassen und Infrastruktur?

Der Ausbau erneuerbarer Energien bietet für deutsche Städte und Landkreise massives wirtschaftliches Potenzial. Die jährlichen Einnahmen der Kommunen könnten sich bei Erreichen der Ausbauziele bis zum Jahr 2033 von aktuell 5,5 Milliarden Euro auf rund 12,4 Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

1. Konkrete Vorteile für die Gemeindekassen.

Die Gemeindekassen profitieren über verschiedene Kanäle direkt von der lokalen Wertschöpfung:

  • Gewerbesteuereinnahmen: Durch eine Reform der Gewerbesteuerzerlegung fliessen seit 2021 90 Prozent der Gewerbesteuer an die Standortkommunen der Anlagen. In Vorreiter-Regionen wie Lichtenau machen diese Zahlungen bereits rund die Hälfte des gesamten städtischen Gewerbesteueraufkommens aus.
  • Finanzielle Beteiligung nach § 6 EEG: Betreiber können Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern freiwillig mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde am Ertrag beteiligen. Diese Einnahmen sind nicht zweckgebunden und schaffen erhebliche Spielräume für den Haushalt.
  • Pachteinnahmen: Gemeinden erzielen stabile Einnahmen durch die Verpachtung kommunaler Flächen für Windräder, Solarparks oder Kabeltrassen. Pro Windenergieanlage können Pachtzahlungen zwischen 70.000 und über 100.000 Euro jährlich liegen.
  • Kommunale Eigenbeteiligung: Wenn Kommunen über Stadtwerke oder direkte Anteile selbst als Betreiber fungieren, fliessen die Gewinne vollständig in den Haushalt zurück.
  • Landesbeteiligungsgesetze: In Bundesländern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern sind finanzielle Abgaben an Kommunen teilweise bereits gesetzlich verpflichtend.
2. Konkrete Vorteile für die Infrastruktur.

Die zusätzliche Steuerkraft ermöglicht Investitionen in die lokale Daseinsvorsorge und Infrastruktur, was besonders in strukturschwachen Räumen die Abwanderung bremsen kann.

  • Soziale Infrastruktur (Kitas und Schulen): Daten belegen einen positiven Effekt auf Kitaquoten. Kommunen wie Wilstedt nutzten Windenergie-Erlöse für den Bau einer neuen Kita mit Krippe, während Wunsiedel Kindertagesstätten sanierte und erweiterte, um Wartelisten abzuschaffen.
  • Digitale Infrastruktur: In Spitzenreiter-Kreisen wird der Breitbandausbau durch die zusätzlichen Mittel signifikant beschleunigt. Wunsiedel verknüpfte den Bau eines Wärmenetzes direkt mit der Verlegung von Glasfaserkabeln.
  • Physische Infrastruktur: Die Mittel fliessen in die Sanierung von Strassen, Brücken und Gehwegen. In Feldheim erneuerte die Betreibergesellschaft im Zuge des Ausbaus die Strassenbeleuchtung und die Wirtschaftswege der Gemeinde.
  • Rettungswesen und Gesundheit: In Lichtenau finanzierte eine Bürgerstiftung aus Windenergie-Erlösen eine neue Rettungswache und einen Bürgerbus. In Wilstedt konnte die Schliessung der einzigen Apotheke im Ort durch eine kommunale Sanierungsförderung von 400.000 Euro verhindert werden.
  • Lebensqualität und Gemeinwesen: Einnahmen werden für die Verschönerung des Ortsbilds, die Förderung von Vereinen und die Subventionierung öffentlicher Leistungen genutzt. So senken die Stadtwerke Lichtenau mit Gewinnen aus eigenen Windrädern den Trinkwasserpreis für alle Haushalte.

Die Energiewende ist für Kommunen von einer reinen Klimaschutzmassnahme zu einem zentralen Instrument der Standortpolitik und Wirtschaftsförderung geworden.

Wie stärken Wind- und Solaranlagen die lokale Produktivität?

Der Ausbau von Wind- und Solaranlagen stärkt die lokale Produktivität – definiert als die Wertschöpfung je Erwerbstätigen – über mehrere direkte und indirekte Kanäle. In Spitzenreiter-Kreisen des Wind- und Solarausbaus lässt sich ein signifikanter Teil des Produktivitätsanstiegs der letzten Jahre direkt auf die grüne Energie-Infrastruktur zurückführen.

Hier sind die wesentlichen Mechanismen, wie Wind- und Solaranlagen die lokale Produktivität erhöhen:

1. Ansiedlung hochproduktiver spezialisierter Dienstleister.

Der wichtigste Faktor für die Steigerung der lokalen Produktivität ist eine Veränderung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Unternehmen, die Wind- und Solaranlagen planen, installieren und warten, sind in der Regel spezialisierte technische Dienstleister. Diese Betriebe weisen im Vergleich zur herkömmlichen lokalen Wirtschaftsstruktur oft eine überdurchschnittlich hohe Produktivität auf. Wenn sich diese Unternehmen in Ausbau-Regionen ansiedeln oder dort ihr Geschäft erweitern, erhöht deren wertschöpfungsstarke Tätigkeit das allgemeine Produktivitätsniveau des Standorts.

2. Erhöhung der Wertschöpfung durch Pachteinnahmen.

Ein eher technischer, aber finanziell bedeutender Aspekt für die gemessene Produktivität sind die Pachteinnahmen. Da die Produktivität als Wertschöpfung pro Kopf gemessen wird, tragen die stabilen und oft hohen Zahlungen für die Nutzung von Flächen (für Anlagen, Kabeltrassen oder Wege) direkt zur Erhöhung der regionalen Kennzahlen bei. In Dardesheim beispielsweise liegen die Pachteinnahmen für Windkraftflächen etwa beim Zehnfachen dessen, was durch rein landwirtschaftliche Nutzung erzielt würde.

3. Spillover-Effekte in andere Wirtschaftszweige.

Die durch den Energieausbau gestärkten Fachbetriebe entfalten oft Wirkungen über den Energiesektor hinaus. Technische Dienstleister nutzen ihre vor Ort aufgebauten Kapazitäten häufig auch für andere Bereiche, wie etwa die Gebäudesanierung oder das allgemeine technische Handwerk. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien die regionale Energieeffizienz insgesamt verbessert, beispielsweise durch einen geringeren Energieverbrauch in Neubauten, was die wirtschaftliche Effizienz der Region steigert.

4. Standortvorteil für produktive Industrieansiedlungen.

Die Verfügbarkeit von lokal erzeugtem Grünstrom ist heute ein zentraler Standortfaktor für energieintensive Hochtechnologiebranchen wie die Batteriezellenfertigung oder die Halbleiterindustrie.

  • Versorgungssicherheit und Preiskonstanz: Unternehmen schätzen einen hohen Grünstrom-Anteil im Netz sowie die langfristige Preissicherheit, die oft über Power Purchase Agreements (PPA) realisiert wird.
  • Investitionsanreize: In einigen Branchen ist der Bezug von grünem Strom sogar Voraussetzung für staatliche Investitionsbeihilfen. Kommunen wie Wunsiedel konnten durch ihr Energiekonzept nicht nur bestehende Industriebetriebe halten, sondern auch massive private Investitionsbereitschaft von aussen anziehen, was die wirtschaftliche Dynamik und Produktivität vor Ort nachhaltig stabilisiert.
5. Synergien durch Infrastrukturausbau.

Oft wird der Bau von Energieanlagen mit der Modernisierung der allgemeinen Infrastruktur verknüpft. In Wunsiedel wurde beispielsweise die Verlegung eines Wärmenetzes direkt für den Glasfaserausbau genutzt. Eine moderne digitale Infrastruktur ist wiederum eine Grundvoraussetzung für die Produktivität moderner Unternehmen und macht die Region insgesamt wettbewerbsfähiger.

Wie profitieren strukturschwache Regionen finanziell von Windparks?

Strukturschwache und ländliche Regionen profitieren von Windparks insbesondere durch eine massive Steigerung der regionalen Wertschöpfung, die sich bei Erreichen der Ausbauziele bis 2033 auf jährlich rund 12,4 Milliarden Euro mehr als verdoppeln könnte. Da diese Gebiete oft über die notwendigen grossen Flächen und günstigen Windverhältnisse verfügen, wird die Energiewende dort zu einem zentralen Instrument der Struktur- und Wirtschaftsförderung.

Hier sind die konkreten finanziellen Vorteile:

1. Direkte Einnahmen für die Gemeindekassen.

Kommunen in strukturschwachen Räumen erschliessen sich durch Windparks neue, planbare Finanzquellen, die ihre Handlungsfähigkeit stärken:

  • Gewerbesteuer: Seit 2021 fliessen 90 Prozent der Gewerbesteuer an die Standortkommunen der Anlagen, was in Vorreiter-Regionen wie Lichtenau bereits die Hälfte des gesamten städtischen Gewerbesteueraufkommens ausmacht.
  • Pachteinnahmen: Gemeinden, die eigene Flächen für Windräder oder Kabeltrassen verpachten, erzielen stabile Erträge, die pro Windenergieanlage zwischen 70.000 und über 150.000 Euro jährlich liegen können.
  • Finanzielle Beteiligung nach § 6 EEG: Betreiber können Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern freiwillig mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde am Ertrag beteiligen, was oft sechsstellige Jahressummen für den Haushalt bedeutet.
  • Kommunale Eigenbeteiligung: Betreiben Kommunen die Anlagen über eigene Stadtwerke selbst, wie etwa in Wunsiedel, fliessen die Gewinne vollständig in den Haushalt zurück und sichern den Verbleib der Wertschöpfung vor Ort.
2. Stärkung der regionalen Wirtschaft und Beschäftigung.

Der Bau und Betrieb von Windparks wirkt als Wirtschaftsmotor für lokale Betriebe:

  • Arbeitsplätze und Aufträge: Regionale Bauunternehmen und Handwerksbetriebe profitieren von Aufträgen während der Errichtung; später siedeln sich spezialisierte technische Dienstleister für Wartung und Betrieb dauerhaft an.
  • Standortvorteil Grünstrom: Die Verfügbarkeit von lokal erzeugter, klimaneutraler Energie zu stabilen Preisen lockt energieintensive Unternehmen und Ingenieurbüros an, was die regionale Produktivität erhöht.
  • Kaufkrafterhalt: Geld, das früher für fossile Energieimporte aus der Region abfloss, bleibt im lokalen Kreislauf; im Fall von Feldheim bleiben so jährlich ca. 300.000 Euro im Ort.
3. Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

Die zusätzlichen Mittel erlauben es finanzschwachen Kommunen, die Daseinsvorsorge zu sichern und den Abwanderungstrend zu bremsen:

  • Soziale Infrastruktur: Einnahmen werden gezielt für die Sanierung von Schulen und den Ausbau von Kitas genutzt, um die Region für junge Familien attraktiv zu halten.
  • Gesundheit und Nahversorgung: In Wilstedt konnte durch Windenergie-Rücklagen die einzige Apotheke im Dorf gerettet werden; in Lichtenau wurde eine Rettungswache und ein Bürgerbus finanziert.
  • Digitale Infrastruktur: Der Windkraftausbau wird oft direkt mit dem Breitbandausbau verknüpft, da für die Anlagen ohnehin Glasfaserleitungen verlegt werden müssen.
4. Finanzielle Vorteile für Bürgerinnen und Bürger.

Durch Beteiligungsmodelle profitieren Einwohner auch privat direkt vom Windpark vor der Haustür:

  • Bürgerstromtarife: Viele Standortregionen bieten vergünstigte lokale Strompreise an, die Haushalte finanziell entlasten und die Akzeptanz massiv steigern.
  • Bürgerenergiegenossenschaften: Einwohner können Anteile erwerben und über Dividenden direkt am Gewinn der Anlagen teilhaben.
  • Stiftungen und Vereine: Bürgerenergiestiftungen fördern aus den Erlösen das lokale Vereinsleben, Kulturprojekte und die Verschönerung des Ortsbilds.

Wie profitieren strukturschwache Regionen finanziell von Solaranlagen?

Strukturschwache und ländliche Regionen profitieren von Solaranlagen primär dadurch, dass die Energiewende als regionales Strukturprogramm wirkt, welches die lokale Wertschöpfung bis zum Jahr 2033 auf jährlich rund 12,4 Milliarden Euro mehr als verdoppeln kann. Während in der Vergangenheit Milliarden für fossile Brennstoffe aus diesen Regionen abflossen, bleibt das Kapital durch die Nutzung von Sonnenenergie nun vor Ort.

1. Direkte Einnahmequellen für kommunale Haushalte.

Die Gemeindekassen in strukturschwachen Räumen erschliessen sich durch Solarparks neue, planbare Finanzierungsquellen, die ihre Handlungsfähigkeit massiv stärken.

  • Gewerbesteuer: Seit der Reform der Gewerbesteuerzerlegung im Jahr 2021 fliessen 90 Prozent der Gewerbesteuer von PV-Freiflächenanlagen direkt an die Standortkommunen. Dies ist besonders bedeutend, da Solaranlagen in der Betriebsphase hohe Gewinne bei vergleichsweise geringen laufenden Kosten erzielen.
  • Kommunale Pachteinnahmen: Gemeinden erzielen stabile Erträge durch die Verpachtung eigener Flächen für Solarparks, wobei die Pachtpreise für PV-Freiflächenanlagen oft zwischen 2.500 und 4.500 Euro pro Hektar und Jahr zuzüglich einer Ertragsbeteiligung liegen.
  • Finanzielle Beteiligung nach § 6 EEG: Betreiber können den Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern freiwillig 0,2 Cent pro Kilowattstunde des erzeugten Solarstroms zahlen, was oft fünf- bis sechsstellige Jahressummen für den Haushalt bedeutet.
  • Kommunaler Eigenbetrieb: Wenn Städte die Anlagen über eigene Stadtwerke selbst betreiben, wie im Beispiel Wunsiedel, fliessen die Gewinne vollständig in den Haushalt zurück und sichern den dauerhaften Verbleib der Wertschöpfung in der Region.
2. Wertschöpfung durch lokales Handwerk und Beschäftigung.

Im Gegensatz zu Windparks bleibt beim Solarausbau ein besonders hoher Anteil der Wertschöpfung direkt in der Region, da Planung und Installation oft von ansässigen Betrieben übernommen werden.

  • Lokale Aufträge: Bei Photovoltaik-Dachanlagen verbleibt besonders viel Geld vor Ort, da regionale Handwerksbetriebe meist die Installation und Wartung ausführen.
  • Arbeitsplatzaufbau: In den Standortregionen entstehen dauerhafte Stellen in technischen Dienstleistungsbereichen, wobei die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze im Erneuerbaren-Sektor bundesweit auf über 100.000 Stellen bis 2033 anwachsen soll.
  • Steigerung der Produktivität: Unternehmen, die PV-Anlagen installieren und warten, gelten als überdurchschnittlich produktiv und verändern die regionale Wirtschaftsstruktur positiv.
3. Finanzielle Vorteile für Bürgerinnen und Bürger.

Strukturschwache Regionen nutzen Solaranlagen gezielt, um die Kaufkraft der Bevölkerung zu stärken und die Lebenshaltungskosten zu senken.

  • Bürgerstromtarife und Energy Sharing: Anwohner profitieren von vergünstigten lokalen Strompreisen, die oft deutlich unter dem Marktdurchschnitt liegen. Im energieautarken Dorf Feldheim beziehen Bewohner Solar- und Windstrom für rund 12 ct/kWh, wodurch jährlich ca. 300.000 Euro im Ort bleiben.
  • Bürgerbeteiligung: Über Bürgerenergiegenossenschaften können Einwohner Anteile erwerben und über Dividenden direkt am Gewinn der Solarparks teilhaben. In Uttenreuth etwa partizipieren Bürger über mehrere Genossenschaften an einem grossen Solarpark.
  • Pachteinnahmen für Landwirte: Private Flächeneigentümer in ländlichen Räumen können ihre Liquidität durch die Verpachtung von Grenzertragsböden für Solarnutzung erheblich steigern.
4. Reinvestition in Infrastruktur und Daseinsvorsorge.

Die durch Solaranlagen generierten Mehreinnahmen erlauben es finanzschwachen Kommunen, die Abwärtsspirale aus Abwanderung und Infrastrukturabbau zu durchbrechen.

  • Soziale Infrastruktur: Daten zeigen, dass der Ausbau der Solarenergie mit steigenden Kita-Quoten korreliert, da Gemeinden die Mittel gezielt in die Kinderbetreuung investieren.
  • Digitale Infrastruktur: In Regionen mit starkem Solarausbau wird der Breitbandausbau beschleunigt, oft weil die Verlegung von Stromkabeln für die Anlagen direkt mit der Verlegung von Glasfaserkabeln verknüpft wird.
  • Standortattraktivität: Die Verfügbarkeit von günstigem Grünstrom entwickelt sich zu einem entscheidenden Faktor für Unternehmensansiedlungen, was die wirtschaftliche Basis strukturschwacher Regionen langfristig stabilisiert.

Solaranlagen sind für strukturschwache Regionen weit mehr als ein Beitrag zum Klimaschutz; sie dienen als wirtschaftlicher Katalysator, der Steuereinnahmen erhöht, die lokale Produktivität steigert und die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung sichert.

Welche Rolle spielen spezialisierte Dienstleister für die lokale Wirtschaft?

Spezialisierte Dienstleister nehmen eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Transformation durch die Energiewende ein, da sie über die reine Installation von Anlagen hinaus langfristige Produktivitäts- und Wachstumsimpulse in den Regionen setzen. Ihre Bedeutung lässt sich in folgende zentrale Bereiche unterteilen:

1. Steigerung der regionalen Produktivität.

Unternehmen, die Wind- und Solaranlagen planen, installieren und warten, sind in der Regel hochspezialisierte technische Dienstleister. Diese Betriebe weisen im Vergleich zur herkömmlichen lokalen Wirtschaftsstruktur oft eine überdurchschnittliche Produktivität (Wertschöpfung je Erwerbstätigen) auf. Wenn sich solche Unternehmen in Ausbauregionen ansiedeln oder dort ihr Geschäft erweitern, erhöht deren wertschöpfungsstarke Tätigkeit das allgemeine Produktivitätsniveau und verändert die Wirtschaftsstruktur des Standorts positiv.

2. Auslöser von Spillover-Effekten.

Die Tätigkeit spezialisierter Dienstleister beschränkt sich oft nicht nur auf den Energiesektor, sondern entfaltet sogenannte Spillover-Effekte in andere Wirtschaftszweige.

  • Erweiterte Dienstleistungen: Fachbetriebe nutzen ihre vor Ort aufgebauten Kapazitäten häufig auch für andere Bereiche, wie etwa die Gebäudesanierung oder das allgemeine technische Handwerk.
  • Energieeffizienz: Daten legen nahe, dass diese Dienstleister durch ihre Expertise im Wohnbereich zu einer höheren Energieeffizienz von Gebäuden (z. B. bei Neubauten) beitragen.
  • Netzwerkbildung: Sie stärken regionale Netzwerke und sorgen dafür, dass zusätzliche Wertschöpfung vor Ort verbleibt.
3. Ansiedlungsdynamik und Fachkräfte.

Spezialisierte Betriebe lassen sich verstärkt dort nieder, wo eine hohe Dichte an erneuerbaren Anlagen besteht.

  • Wirtschaftsmotor: In Vorreiter-Regionen lassen sich bis zu zehn Prozent des Wirtschaftswachstums auf den Ausbau der Grünstrom-Infrastruktur und die damit verbundene Ansiedlung von Dienstleistern zurückführen.
  • Attraktivität für Ingenieure: Die Präsenz innovativer Energieprojekte lockt qualifizierte Fachkräfte und Ingenieurbüros an, was die regionale Wissensbasis stärkt.
4. Praxisbeispiele für lokale Dienstleistungsstrukturen.

Die Quellen belegen den Erfolg dieser Ansiedlungen anhand konkreter Beispiele:

  • Lichtenau: Hier siedelten sich nicht nur neue Tiefbaufirmen aufgrund der hohen Nachfrage an, sondern ein Anlagenhersteller betreibt dort auch ein Schulungszentrum für Mitarbeitende von Betreiberunternehmen.
  • Dardesheim: Die Ansiedlung einer Servicestelle eines grossen Anlagenherstellers sicherte dauerhaft Fachkraftstellen vor Ort.
  • Wunsiedel: Durch das innovative Energieumfeld konnten zahlreiche neue Partnerschaften aufgebaut und spezialisierte Ingenieurbüros für eine Kooperation gewonnen werden.
5. Beitrag zu kommunalen Finanzen.

Da diese Dienstleister vor Ort tätig sind und Gewinne erwirtschaften, tragen sie durch ihre Gewerbesteuerzahlungen direkt zur Stabilisierung der Gemeindekassen bei. In Lichtenau beispielsweise profitieren die Kommunen davon, dass ortsansässige Firmen Aufträge für Fundament- und Erdarbeiten erhalten und diese Wertschöpfung durch Steuern teilweise in der Region bleibt.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft bei der lokalen Solarwertschöpfung?

Die Landwirtschaft spielt eine zentrale Rolle bei der lokalen Solarwertschöpfung, da sie sowohl als Flächenbereitsteller als auch als aktiver Investor und Betreiber fungiert. In ländlichen Regionen sind landwirtschaftliche Betriebe oft tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt und tragen massgeblich dazu bei, dass die wirtschaftlichen Erträge der Solarenergie vor Ort verbleiben.

Hier sind die spezifischen Rollen der Landwirtschaft im Detail:

1. Landwirte als Anlageneigentümer und Investoren.

Landwirte sind eine der bedeutendsten Eigentümergruppen im Bereich der Photovoltaik (PV).

  • Marktanteil: Im Jahr 2019 befanden sich rund 16 % der bundesweit installierten Photovoltaikleistung im Eigentum von Landwirten.
  • Regionaler Verbleib von Gewinnen: Da Landwirte in der Regel als regional ansässige Akteure gelten, bleiben die durch ihre Anlagen erwirtschafteten Betreibergewinne direkt in der Standortregion und fliessen nicht an externe Investoren ab. Dies stärkt die regionalen Wirtschaftskreisläufe erheblich.

2. Einnahmen durch Flächenverpachtung

Für landwirtschaftliche Betriebe stellt die Verpachtung von Flächen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen (FF-PVA) eine lukrative Zusatzeinnahmequelle dar.

  • Pachterlöse: Die Pachtpreise für Solarfreiflächen liegen typischerweise zwischen 2.500 Euro und 4.500 Euro pro Hektar und Jahr, oft ergänzt um eine prozentuale Ertragsbeteiligung.
  • Liquiditätssteigerung: Diese stabilen, langfristigen Einnahmen können die Liquidität der Betriebe erhöhen, was besonders in strukturschwachen Regionen zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Höfe beiträgt. In Gemeinden wie Dardesheim übersteigen die Pachteinnahmen für Energieanlagen die Erlöse aus rein landwirtschaftlicher Nutzung teilweise um das Zehnfache.
3. Beteiligung an kooperativen Modellen.

Landwirtschaftliche Betriebe sind oft Partner in integrierten Energiekonzepten und Genossenschaften.

  • Beispiel Schlöben: Im Bioenergiedorf Schlöben ist eine ortsansässige landwirtschaftliche Genossenschaft Kernmitglied der Energiegenossenschaft. Sie betreibt die Biogasanlage, die im Verbund mit Solarenergie die Nahwärme- und Stromversorgung des Ortes sichert.
  • Selbstversorgung: Solche Modelle zielen oft auf die energetische Selbstversorgung ab, wodurch die Wertschöpfung, die früher für den Import fossiler Energieträger abfloss, im Ort und bei den beteiligten Landwirten bleibt.
4. Bedeutung für die lokale Akzeptanz.

Landwirte sind aufgrund ihrer Vernetzung in der Bevölkerung oft Schlüsselakteure für das Gelingen von Solarprojekten.

  • Überzeugungsarbeit: Wenn die lokale Agrargenossenschaft oder ansässige Landwirte von der Wirtschaftlichkeit eines Projekts überzeugt sind, steigt die Akzeptanz in der restlichen Bevölkerung massiv an.
  • Konfliktvermeidung: In Gemeinden wie Feldheim war es ein entscheidender Schritt, die Landwirte frühzeitig einzubinden, um Ängste vor dem Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen abzubauen und sie stattdessen als Partner der Energiewende zu gewinnen.
5. Wertschöpfung durch Dachanlagen.

Neben Freiflächen nutzen Landwirte oft die grossen Dachflächen ihrer Wirtschaftsgebäude für Photovoltaik. Hier verbleibt besonders viel Geld in der Region, da Bau und Wartung dieser Anlagen häufig von lokalen Handwerksbetrieben übernommen werden. Da die Landwirte bei Dachanlagen meist selbst die Eigentümer sind, verbleiben auch hier die Betriebsgewinne vollständig vor Ort.

Warum ist lokaler Grünstrom ein wichtiger Standortvorteil für Industrieansiedlungen?

Die Verfügbarkeit von Grünstrom hat sich zu einem der zentralen Faktoren im Dreiklang für Industrieansiedlungen entwickelt, der aus der Verfügbarkeit von Industrieflächen, dem Zugang zu Fachkräften und eben dem Zugang zu erneuerbaren Energien besteht. Für Unternehmen ist lokaler Grünstrom aus mehreren Gründen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil:

1. Erreichung von Nachhaltigkeits- und Klimazielen.

Für viele energieintensive Branchen wie den Fahrzeugbau (84 %), die Grundstoffindustrie (75 %) sowie den Maschinen- und Anlagenbau (72 %) leistet der Bezug von klimaneutraler Energie einen hohen Beitrag zur Dekarbonisierung ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Unternehmen in diesen Sektoren bewerten die Energieversorgung zu grossen Teilen (zwischen 77 % und 88 %) als einen eher oder sehr wichtigen Standortfaktor. Besonders in der Batteriezellenfertigung ist ein hoher Grünstromanteil essenziell, um die Emissionsbilanz der Endprodukte (Elektromobile) nicht zu verschlechtern.

2. Voraussetzung für staatliche Förderungen.

Der Bezug von Grünstrom ist heute oft kein reiner "Bonus" mehr, sondern eine zwingende Voraussetzung für staatliche Investitionsbeihilfen. In der Halbleiterfertigung beispielsweise dient der Nachweis einer nachhaltigen Energieversorgung als Bedingung für den Erhalt öffentlicher Mittel zur Errichtung neuer Produktionsanlagen.

3. Preisstabilität und Planbarkeit durch PPAs.

In Zeiten volatiler Weltmärkte bietet lokaler Grünstrom über langfristige Stromkaufvereinbarungen (Power Purchase Agreements, PPA) eine hohe Kalkulationssicherheit. Diese Verträge, die oft über 5 bis 10 Jahre laufen, sichern Unternehmen grosse Strommengen zu wettbewerbsfähigen und stabilen Preisen. Dies schützt Industriebetriebe vor den Preisschocks fossiler Energieträger.

4. Versorgungssicherheit und Netzqualität.

Für die Industrie ist weniger der "direkte Draht zum Windrad nebenan" entscheidend, sondern ein hoher Grünstrom-Anteil im lokalen Netz bei gleichzeitig maximaler Versorgungsstabilität. Ein regionaler Direktbezug wird von Unternehmen als attraktive Ergänzung angesehen, wenn die geografischen Bedingungen (z. B. Windkraft an den Küsten) eine ausreichend stabile und mengenadäquate Versorgung zulassen. Ein lokaler Überschuss an Grünstrom reduziert zudem das Ausfallrisiko und kann durch den Direktanschluss an Erzeugungsanlagen Netzentgelte sparen.

5. Attraktivität für Fachkräfte und Image.

Regionen, die sich als Vorreiter der Energiewende positionieren (z. B. durch das Label „Energiestadt“), gewinnen an Attraktivität für hochqualifizierte Fachkräfte und Ingenieurbüros. Ein innovatives Energieumfeld schafft ein positives Image, das wiederum private Investitionen in den Immobilienmarkt und die lokale Infrastruktur nach sich zieht.

  • Praxisbeispiel Wunsiedel: Durch die konsequente Umsetzung einer Energiestrategie mit eigenem Wind- und Solarpark sowie Wasserstoffproduktion konnte die Stadt Wunsiedel nicht nur bestehende energieintensive Unternehmen halten, sondern auch massive private Investitionsbereitschaft von aussen anziehen. Die Stadtwerke konnten durch die dezentrale Erzeugung Arbeitsplätze im vier- bis fünffachen Umfang im Vergleich zum Jahr 2002 schaffen.

Welche Vorteile bieten Power Purchase Agreements (PPA) für Unternehmen?

Power Purchase Agreements (PPA), also Stromkaufvereinbarungen, bieten Unternehmen vor allem in den Bereichen Preissicherheit, Planungssicherheit und Nachhaltigkeit erhebliche Vorteile. Da der Bezug von Grünstrom zunehmend ein entscheidender Standortfaktor ist, gewinnen diese langfristigen Verträge massiv an Bedeutung.

Hier sind die zentralen Vorteile für Unternehmen im Detail:

1. Langfristige Preis- und Planungssicherheit.
  • Schutz vor Preisschwankungen: PPAs ermöglichen es Unternehmen, sich grosse Strommengen über einen langen Zeitraum – üblich sind Laufzeiten zwischen 5 und 10 Jahren – zu fest vereinbarten Konditionen zu sichern. Dies schützt vor volatilen Preissprüngen auf den internationalen Energiemärkten.
  • Kalkulierbare Kosten: Durch die vertraglich fixierten Preise gewinnen Unternehmen eine hohe Kalkulationssicherheit für ihre Betriebskosten, was besonders für energieintensive Industrien ein Wettbewerbsvorteil ist.
2. Kapazitätszusicherung und Versorgungssicherheit.
  • Garantierte Liefermengen: PPAs beinhalten oft die zugesicherte Lieferung grosser Strommengen mit spezifischen Eigenschaften, wie etwa einem garantierten Grünstromanteil.
  • Risikominimierung: Unternehmen nutzen PPAs als Teil eines übergeordneten Portfolios, um ihren Energiebezug zu diversifizieren und das Ausfallrisiko zu minimieren. In Branchen wie der Halbleiterfertigung oder bei Rechenzentren ist eine garantierte Lieferstabilität ohne Ausfallrisiko erfolgskritisch.
3. Erreichung von Nachhaltigkeits- und Klimazielen.
  • Dekarbonisierung: Der direkte Bezug von klimaneutraler Energie über PPAs leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen und zur Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette.
  • Förderfähigkeit: In einigen Sektoren ist der Nachweis über den Bezug von Grünstrom sogar eine Voraussetzung für den Erhalt staatlicher Investitionsbeihilfen, beispielsweise bei der Errichtung neuer Produktionsanlagen in der Halbleiterindustrie.
  • Image und Marktanforderungen: Besonders in der Batteriezellenfertigung ist Grünstrom essenziell, um die Emissionsbilanz der Endprodukte (wie Elektromobile) nicht zu verschlechtern.
4. Wirtschaftliche Standortvorteile.
  • Asset-Erschliessung: PPAs dienen als wirtschaftspolitisches Instrument, um den subventionslosen Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben.
  • Kosteneinsparungen: In bestimmten Fällen, etwa bei direkten regionalen Anschlüssen an Windkraftanlagen, können Unternehmen durch die Nutzung vorhandener Infrastrukturen zusätzlich Netzentgelte sparen.

PPAs sind für Unternehmen weit mehr als nur ein Stromliefervertrag; sie fungieren als strategisches Instrument zur Absicherung gegen Marktrisiken und zur Positionierung als nachhaltiger Akteur im globalen Wettbewerb.

Welchen Einfluss haben Wind- und Solarparks auf kommunale Steuereinnahmen?

Der Ausbau von Wind- und Solarparks hat einen signifikanten positiven Einfluss auf die kommunalen Steuereinnahmen, wobei insbesondere die Gewerbesteuer als zentraler Hebel fungiert. In Spitzenreiter-Kreisen lassen sich rund 4 Prozent (Windenergie) bzw. 3 Prozent (Solarenergie) der gestiegenen kommunalen Steuereinnahmekraft der letzten Jahre direkt auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zurückführen.

Hier sind die Details zur steuerlichen Wirkung:

1. Die Bedeutung der Gewerbesteuer-Reform.

Seit der Reform der Gewerbesteuerzerlegung im Jahr 2021 profitieren Standortkommunen deutlich stärker von den Anlagen:

  • 90/10-Regelung: Mittlerweile werden 90 Prozent der Gewerbesteuer von Wind- und Solarparks an die Kommunen abgeführt, in denen die Anlagen tatsächlich stehen. Zuvor floss ein wesentlich grösserer Teil an die Gemeinden, in denen die Betreiberfirmen ihren Hauptsitz hatten.
  • Zeitliche Verzögerung: Da Betreibergesellschaften zu Beginn hohe Investitionen tätigen, fallen nennenswerte Gewerbesteuern oft erst nach einigen Jahren an, sobald die Anlagen Gewinne erwirtschaften und die ersten Abschreibungen erfolgt sind.
  • Beispiele aus der Praxis: In der Stadt Lichtenau machten die Zahlungen der Windparkbetreiber im Jahr 2023 rund die Hälfte des gesamten städtischen Gewerbesteueraufkommens aus. In der Stadt Osterwieck (Dardesheim) generiert der Windpark jährlich zwischen 700.000 und 900.000 Euro Gewerbesteuer.
2. Einfluss der Eigentümerstruktur.

Wie viel Steuergeld vor Ort bleibt, hängt massiv davon ab, wem die Anlagen gehören:

  • Lokale Akteure: Wenn Anlagen im Besitz von Bürgern, Genossenschaften oder kommunalen Stadtwerken (wie in Wunsiedel) sind, bleibt die Wertschöpfung und damit auch der kommunale Anteil an der Einkommensteuer auf die Gewinne in der Region.
  • Stabile Besitzverhältnisse: Standortkommunen profitieren von stabilen Eigentümern, da häufige Besitzerwechsel dazu führen können, dass neue Inhaber den Kaufpreis erneut abschreiben und somit die Gewerbesteuerzahlung jahrelang ausbleibt.
3. Indirekte Steuereffekte (Spillover-Effekte).

Neben den direkten Steuern der Anlagenbetreiber steigen die kommunalen Einnahmen auch auf indirektem Weg:

  • Lokale Aufträge: Regionale Unternehmen, die Aufträge für Bau, Wartung oder Ausgleichsmassnahmen erhalten, erzielen dadurch höhere Gewinne, die wiederum die lokale Gewerbesteuerkraft stärken.
  • Standortvorteil: Die Verfügbarkeit von günstigem Grünstrom fördert die Ansiedlung neuer Unternehmen (z. B. energieintensive Industrien), was langfristig zu höheren Gewerbe- und Einkommenssteuern führt.
4. Abgrenzung zu anderen fiskalischen Einnahmen.

Ergänzend zu den Steuern erzielen Kommunen Einnahmen über den § 6 EEG, der es Betreibern erlaubt, Kommunen mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde am Ertrag zu beteiligen. Im Gegensatz zu Steuern sind diese Zahlungen nicht zweckgebunden und fliessen direkt in den Gemeindehaushalt, was zusätzliche finanzielle Spielräume schafft.

Wie können finanzschwache Kommunen den Ausbau konkret finanzieren?

Für finanzschwache Kommunen, insbesondere solche in der Haushaltssicherung oder Haushaltskonsolidierung, stellen die hohen Anfangsinvestitionen für eigene Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien (EE) oft eine unüberwindbare Hürde dar. Die Quellen zeigen jedoch konkrete Finanzierungswege und regulatorische Ansätze auf, wie dieser Ausbau dennoch gelingen kann:

1. Nutzung zweckgebundener Einnahmen als Eigenanteil.

Einnahmen aus Landesbeteiligungsgesetzen (wie dem Brandenburger „Windeuro“) sind oft zweckgebunden. Für finanzschwache Kommunen ist dies ein entscheidender Vorteil, da diese Mittel nicht zur allgemeinen Schuldentilgung eingesetzt werden müssen, sondern „frei von jeder anderen Haushaltslage“ verfügbar sind.

  • Vervielfachung durch Fördermittel: Kommunen können diese Gelder als notwendigen Eigenanteil in Bundes- oder Landesförderprogramme einbringen. Dadurch können sie Fördermittel akquirieren, die ihnen mangels Eigenkapital sonst verwehrt blieben, und ihre Investitionskraft vervielfachen.
2. Kreditaufnahme für „rentierliche Massnahmen“ (Brandenburger Modell).

Normalerweise untersagt die Kommunalaufsicht hochverschuldeten Gemeinden die Aufnahme neuer Kredite für freiwillige Aufgaben wie den EE-Ausbau.

  • Anerkennung als Haushaltskonsolidierung: Ein Erlass in Brandenburg ermöglicht die Kreditaufnahme für Investitionen in Erneuerbare Energien auch bei Haushaltssicherung, sofern die Massnahme als uneingeschränkt rentierlich gilt.
  • Wirtschaftlicher Nutzen: Da EE-Anlagen (insbesondere Windenergie) als risikoarm gelten und langfristig stabile Erträge liefern, wird die Investition als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung gewertet, statt den Haushalt weiter zu belasten.
3. Bürgerbeteiligung und Schwarmfinanzierung (Beispiel Wunsiedel).

Wenn Bankkredite aufgrund der Verschuldung nicht möglich sind, können Kommunen auf das Kapital ihrer Bürger zurückgreifen.

  • Nachrangdarlehen: Die Stadt Wunsiedel finanzierte ihre ersten PV-Anlagen über Nachrangdarlehen aus der Bevölkerung, als die Gemeinde hoch verschuldet war und keinen Bankkredit erhielt.
  • Vorteile: Diese „Schwarmfinanzierung“ ermöglichte die Umsetzung der Projekte ohne kommunales Eigenkapital und stärkte gleichzeitig das Vertrauen und die Akzeptanz vor Ort.
4. Forderungen nach neuen staatlichen Rahmenbedingungen.

Die Studienautoren empfehlen weitere politische Massnahmen, um finanzschwachen Kommunen den Weg zu ebnen:

  • Landesbürgschaften: Für Kommunen ohne ausreichende Eigenmittel oder unter Haushaltsaufsicht könnten die Länder Bürgschaften für die Kreditfinanzierung übernehmen.
  • Förderung ohne Eigenanteil: In neuen Förderrichtlinien (z. B. einer Gemeinschaftsaufgabe „Kommunaler Klimaschutz“) sollte für finanzschwache Regionen eine Förderung ohne Eigenanteil oder mit deutlich erhöhten Fördersätzen ermöglicht werden.
  • Beratung durch Energieagenturen: Gestärkte regionale Energieagenturen sollen Kommunen proaktiv bei der Identifizierung von Fördertöpfen und der rechtssicheren Gestaltung von Beteiligungsmodellen unterstützen.
5. Passive Einnahmen ohne Investitionsrisiko.

Falls eine eigene Investition gar nicht möglich ist, können Kommunen über „passive“ Kanäle Kapital aufbauen:

  • Pachteinnahmen: Durch die Verpachtung kommunaler Flächen für Wind- oder Solarparks lassen sich ohne eigenes finanzielles Risiko jährliche Beträge von über 100.000 Euro pro Windrad erzielen.
  • § 6 EEG: Die Nutzung der (freiwilligen) Zahlungen von Betreibern (0,2 Cent/kWh) schafft zusätzliche, nicht zweckgebundene Spielräume im Haushalt.

Was wird Bund und Ländern empfohlen, um Kommunen besser zu unterstützen?

Um Kommunen besser zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen, die regionalwirtschaftlichen Potenziale der Energiewende voll auszuschöpfen, empfehlen die Studienautorinnen und -autoren Bund und Ländern ein Bündel an Massnahmen in den Bereichen Beratung, Gesetzgebung und Förderung.

1. Ausbau von Beratung und Information.

Die Politik sollte Verantwortliche in den Kommunen durch gezielte Angebote befähigen, bestehende Spielräume zur Wertschöpfung zu nutzen.

  • Stärkung von Energieagenturen: Regionale und Landesenergieagenturen sollten finanziell und personell besser ausgestattet werden, um Kommunen proaktiv bei der Erstellung von Beteiligungs- und Flächenkonzepten sowie bei Förderanträgen zu unterstützen.
  • Leitlinien und Zertifizierung: Es wird empfohlen, klare Leitlinien für eine faire Beteiligung zu formulieren. Diese könnten durch eine Zertifizierung von Unternehmen (ähnlich dem Siegel „Faire Windenergie“ in Thüringen) ergänzt werden, um Transparenz und Vertrauen vor Ort zu stärken.
2. Verbesserung gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen.

Gesetzliche Hürden müssen abgebaut werden, um insbesondere die aktive Teilhabe zu erleichtern.

  • Erleichterung von Beteiligungsmodellen: Die Gründung von Bürgerenergiegesellschaften und Energiegemeinschaften sollte vereinfacht werden. Zudem sollten rechtliche Rahmenbedingungen für „Energy Sharing“ geschaffen werden, um lokale Stromtarife wirtschaftlich attraktiver zu machen.
  • Stärkung der kommunalen Planungshoheit: Kommunen sollten mehr Mitspracherecht bei der Flächenausweisung für Wind- und Solarparks erhalten. Eine vorausschauende Flächenpolitik ermöglicht es, Vorhabenträger frühzeitig an gemeinwohlorientierte Standards zu binden.
  • Direkte Eigentumsbeteiligung: Es wird empfohlen, Möglichkeiten für eine direkte finanzielle Beteiligung der Kommunen und Bürger am Anlageneigentum auszubauen, da hierbei der grösste Teil der Wertschöpfung in der Region verbleibt.
3. Unterstützung finanzschwacher Kommunen.

Besondere Empfehlungen gelten für Kommunen in der Haushaltskonsolidierung, denen oft die Eigenmittel für Investitionen fehlen.

  • Kredite für EE-Projekte: Investitionen in erneuerbare Energien sollten als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung anerkannt werden. Bund und Länder sollten Regelungen zur Kreditaufnahme für solche „rentierlichen Massnahmen“ vereinfachen.
  • Landesbürgschaften: Für Kommunen unter Haushaltsaufsicht könnten Länder Bürgschaften für die Kreditfinanzierung übernehmen, um den Erwerb von Anlagen zu ermöglichen.
4. Neuausrichtung von Förderprogrammen.

Förderprogramme sollten nicht nur Klimaschutzaspekte (Treibhausgasreduktion), sondern auch die regionale Wertschöpfung als Zielkriterium verankern.

  • Wertschöpfungskonzepte als Bedingung: Die Bewilligung von Fördermitteln (z. B. in der Nationalen Klimaschutzinitiative oder der Gemeinschaftsaufgabe GRW) könnte an die Vorlage konkreter Beteiligungs- und Wertschöpfungskonzepte geknüpft werden.
  • Höhere Fördersätze: Für finanzschwache Regionen sollten erhöhte Fördersätze oder eine Förderung ohne Eigenanteil ermöglicht werden.
  • Bundeswettbewerb: Ein neuer Bundeswettbewerb könnte Kommunen motivieren, innovative Ansätze zur Verankerung der Energiewende in ihrer regionalen Entwicklungsstrategie zu entwerfen.

Welche Beteiligungsmodelle für Bürger gibt es konkret vor Ort?

Für Bürgerinnen und Bürger gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich finanziell oder inhaltlich an lokalen Projekten für erneuerbare Energien zu beteiligen. Diese Modelle reichen von direkten Eigentumsbeteiligungen über festverzinste Darlehen bis hin zu vergünstigten Stromtarifen.

Folgende Beteiligungsmodelle werden in den Quellen konkret angeführt:

1. Direkte Eigentumsbeteiligung.

Bürger werden hierbei zu Mitbesitzern von Anlagen und partizipieren direkt an den Gewinnen (und Risiken) des gewerblichen Betriebs.

  • Bürgerenergiegesellschaften (oft als GmbH & Co. KG): Hier investieren Anwohner Kapital und werden Anteilseigner mit Stimmrechten. In Lichtenau beteiligen sich beispielsweise über 300 Bürger mit Anteilen ab 500 Euro an einem Bürgerwindpark.
  • Energiegenossenschaften: Diese bieten eine niedrigschwelligere Form der Teilhabe, oft schon mit sehr geringen Einlagen. In Dardesheim übernimmt die neu gegründete Bürgerenergie Druiberg eG zukünftig den Mehrheitsanteil am lokalen Windpark.
2. Indirekte finanzielle Beteiligung (Darlehensmodelle).

Diese Modelle sind risikoärmer, da Bürger keine unternehmerische Verantwortung tragen, sondern Kapital zu festen Zinsen bereitstellen.

  • Nachrangdarlehen / Schwarmfinanzierung: Bürger geben der Kommune oder dem Betreiber einen Kredit für EE-Projekte. Wunsiedel konnte seine ersten Photovoltaikanlagen nur durch solche Darlehen aus der Bevölkerung finanzieren, da die Stadt damals hoch verschuldet war und keinen Bankkredit erhielt.
  • Bürgersparbriefe: In Kooperation mit lokalen Banken werden Sparprodukte angeboten, deren Erlöse in Wind- oder Solarparks fliessen. Ein Beispiel ist der Windsparbrief in Lommatzsch.
3. Profit durch Nutzung (Bürgerstrom und Tarife).

Anwohner profitieren hier unmittelbar durch geringere Energiekosten in ihrem Alltag.

  • Bürgerstromtarife: Betreiber bieten den vor Ort produzierten Strom den Haushalten vergünstigt an. Der „Druibergstrom“ in Dardesheim hielt die Preise für Anwohner auch während der Energiekrise 2022 stabil günstig.
  • Energy Sharing: In Feldheim haben Bürger ein eigenes Strom- und Wärmenetz gebaut und beziehen Energie für rund 12 ct/kWh (Strom) bzw. 7,5 ct/kWh (Wärme). Wunsiedel plant aktuell den Ausbau zu einer „Energy Sharing Community“.
  • Quersubventionierung: Einnahmen aus Energieanlagen werden genutzt, um andere kommunale Kosten zu senken. Die Stadtwerke Lichtenau nutzen Windenergie-Gewinne, um den Trinkwasserpreis für alle Einwohner zu subventionieren.
4. Beteiligung durch Flächenbesitz.
  • Pachteinnahmen: Private Flächeneigentümer (oft Landwirte) erhalten Pachtzahlungen für Standorte, Kabeltrassen oder Wege.
  • Flächenpooling: Um Neid und Konflikte zu vermeiden, legen Eigentümer ihre Flächen in Windvorranggebieten virtuell zusammen. Die Pachteinnahmen werden dann gerecht unter allen verteilt, auch wenn auf dem spezifischen Grundstück kein Windrad steht. Dieses Modell wird in Lichtenau und Dardesheim angewandt.
5. Beteiligung über zivilgesellschaftliche Organisationen.

Gewinne fliessen in Gremien, in denen Bürger über die Verwendung für das Gemeinwohl entscheiden.

  • Bürgerstiftungen & Fördervereine: In Lichtenau finanziert eine Stiftung aus Windkraft-Erlösen Projekte wie eine neue Rettungswache oder einen Bürgerbus. Die Stiftung in Wilstedt rettete mit einer Sanierungsförderung von 400.000 Euro die einzige Apotheke im Dorf.
6. Inhaltliche Teilhabe.

Neben Geld ist die Einbindung in Entscheidungsprozesse zentral für die Akzeptanz.

  • Bürgerwerkstätten: In Wunsiedel können Bürger die Energiestrategie der Stadt in Werkstätten und Online-Formaten aktiv mitgestalten.
  • Transparente Information: Regelmässige Informationen über lokale Zeitungen (z. B. das „Dardesheimer Windblatt“) halten die Bevölkerung auf dem Laufenden.



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Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.


Quellenverzeichnis (Mai 2026).

Studie:
studie-ioew-staerkung-der-regionalen-wertschoepfung-durch-erneuerbare-energien.pdf

IÖW: Ausbau erneuerbarer Energien: Wertschöpfung in den Regionen könnte sich bis 2033 verdoppeln.
https://www.ioew.de/news/article/ausbau-erneuerbarer-energien-wertschoepfung-in-den-regionen-koennte-sich-bis-2033-verdoppeln

https://www.bayika.de/de/aktuelles/meldungen/2026-04-24_Ausbau-erneuerbarer-Energien-Wertschoepfung-in-den-Regionen-koennte-sich-bis-2033-verdoppeln.php

https://www.photovoltaik.eu/foerderung/regionale-wertschoepfung-koennte-sich-bis-2033-verdoppeln

https://www.iwr.de/news/studie-regionale-wertschoepfung-durch-erneuerbare-energien-koennte-sich-bis-2033-mehr-als-verdoppeln-news39636

https://ekozet-rek.de/erneuerbare-energien-staerken-regionale-wirtschaft-studie/

https://www.ioew.de/publikation/staerkung_der_regionalen_wertschoepfung_durch_erneuerbare_energien

https://www.chip.de/news/haushalt-garten/erneuerbare-energien-sind-geldsegen-fuer-klamme-kommunen-neue-studie-liefert-den-beweis_c6bc8414-b255-4485-8373-25ff652db9b7.html

https://www.neueenergie.net/artikel/wirtschaft/maerkte/erneuerbare-verdoppeln-regionale-wertschoepfung

https://www.forum-csr.net/News/25420/Die-Energiewende-ist-kein-Kostenblock-%E2%80%93-sie-ist-ein-Gewinnmodell-fuer-die-Regionen.html

Die vorliegenden Quellen fassen eine wegweisende Studie zusammen, die eine mögliche Verdopplung der regionalen Wertschöpfung durch den Ausbau erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2033 prognostiziert. Durch das Erreichen nationaler Wind- und Solarziele könnten die jährlichen Einnahmen für deutsche Kommunen und Landkreise von derzeit 5,5 auf über 12 Milliarden Euro steigen. Besonders ländliche Räume profitieren laut den Berichten von neuen Arbeitsplätzen, steigenden Steuereinnahmen und finanziellen Mitteln für die soziale Infrastruktur. Die Texte betonen zudem die Bedeutung von Bürgerbeteiligungen und kommunalen Investitionen, um Gewinne lokal zu binden und die Akzeptanz der Energiewende zu erhöhen. Abschliessend fordern die Autoren den Abbau bürokratischer Hürden sowie eine gezielte Beratung durch Bund und Länder, um dieses ökonomische Potenzial voll auszuschöpfen. Während die ersten Quellen die wissenschaftlichen Fakten betonen, übt ein Bericht zusätzlich deutliche Kritik an aktuellen politischen Entscheidungen, welche die heimische Solarwirtschaft gefährden könnten.


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