Perowskit-Solarzellen (PSCs), ABX3-Struktur, Silizium-Tandemzellen, mehrfach-Junction, Perowskit-Perowskit-Tandemzellen.
16.01.2026
1. Grundlagen und Definition von Perowskit-Solarzellen.
1.1. Kristallstruktur und Materialklasse.
Perowskit ist ein generischer Begriff für eine spezifische Kristallstruktur, die dem Mineral Perowskit ähnelt. Diese Struktur, die eine Klasse von Materialien bildet, wird durch die chemische Formel ABX3 beschrieben. Die Eignung dieser spezifischen Kristallstruktur für Solarenergie wurde vor etwa 12 bis 15 Jahren entdeckt, obwohl Chemiker die Struktur seit dem 19. Jahrhundert kennen.
Die PSCs nutzen eine extrem dünne, lichtabsorbierende Schicht aus Perowskit-Halbleitern. Im Vergleich zu einem menschlichen Haar beträgt die Dicke dieser Schicht nur etwa ein Hundertstel.
1.2. Chemische Zusammensetzung.
Die ABX3-Struktur besteht aus drei Hauptkomponenten:
1. A-Komponente: Typischerweise eine organische Komponente, oft Methylammonium.
2. B-Komponente: Typischerweise Blei oder Zinn (Metall).
3. X-Komponente: Ein Halogenid, wie Chlorid, Iodid oder Brom.
Was ist die ABX3-Struktur?
Die -Struktur ist eine spezifische Kristallstruktur, die für Perowskit-Solarzellen (PSCs) charakteristisch ist. Der Begriff Perowskit selbst ist ein generischer Begriff für eine Materialklasse, die diese bestimmte Kristallstruktur aufweist, welche dem Mineral Perowskit ähnelt.
Merkmale der Struktur:
1.2.1 Die Chemische Formel.
Die Kristallstruktur wird durch die chemische Formel beschrieben. Jede der Komponenten (, und ) stellt ein bestimmtes Element oder Molekül in der Gitterstruktur dar.
1.2.2 Die Komponenten.
Die -Struktur setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen, wobei die Forscher durch das Mischen dieser Elemente neue und bessere Perowskite entwickeln können:
Komponente A
- Typischerweise eine organische Komponente.
- Typische Materialien in PSCs: Am häufigsten Methylammonium (befindet sich an den Ecken der Struktur)
Komponente B
- Typischerweise ein Metall.
- Blei oder Zinn (befindet sich im Zentrum der Struktur).
Komponente C
- Ein Halogenid.
- Chlorid, Iodid oder Brom (umgeben das Metall).
Wichtiger Hinweis zur Zusammensetzung:
- Anpassungsfähigkeit: Die Perowskite sind eine Materialklasse, bei der Forscher die Eigenschaften des Halbleiters gezielt anpassen können. Beispielsweise kann durch den graduellen Austausch von Jod und Brom bei den Halogeniden (-Komponente) die Bandlücke und somit der Bereich des Sonnenspektrums, der absorbiert werden kann, eingestellt werden.
- Historische Anmerkung: Das Mineral Calciumtitanat () ist zwar das bekannteste Mineral mit der -Form, hat aber wenig mit den Perowskit-Halbleitern zu tun, die heute in der Photovoltaik eingesetzt werden.
1.3 Bedeutung für die Photovoltaik.
Die Eignung dieser spezifischen Kristallstruktur für die Solarenergie wurde erst vor etwa 12 bis 15 Jahren entdeckt. Diese Struktur verleiht den Materialien exzellente halbleitende Eigenschaften, was erklärt, warum die Effizienz von PSCs so schnell gesteigert werden konnte. Die Materialien bieten den grossen Vorteil, dass ihre Ausgangsmaterialien im Vergleich zu Silizium relativ leicht verfügbar und nicht teuer sind und in grossem Umfang auf der Erdoberfläche gefunden werden können. Sie erfordern ausserdem keine aufwendigen oder energieintensiven Reinigungsprozesse, sondern können oft bei Temperaturen nahe der Raumtemperatur hergestellt werden.
Die Perowskite sind eine Materialklasse, bei der Forscher flexibel neue und bessere Optionen finden können, indem sie diese chemischen Elemente mischen. Zum Beispiel kann durch den Austausch von Jod und Brom die Bandlücke des Halbleiters angepasst werden, was bestimmt, welcher Teil des Sonnenspektrums absorbiert werden kann. Obwohl Blei in der Produktion verwendet wird und ein Umweltrisiko darstellt, werden aktiv Alternativen erforscht.
2. Vorteile gegenüber Silizium.
PSCs bieten im Vergleich zu herkömmlichen Silizium-Solarzellen mehrere grundlegende Vorteile:
Perowskit (PSCs):
- Effizienz (Einzelzelle): Schnell von 4 % (2009) auf bis zu 27 % im Labor gestiegen.
- Kann bei relativ niedrigen Temperaturen nahe Raumtemperatur erfolgen.
- Ausgangsmaterialien sind relativ leicht verfügbar und günstig.
- Physische Eigenschaften: Dünn, leichtgewichtig, flexibel, transparent.
- Energie-Amortisationszeit: Nur 6 Wochen.
Silizium-Solarzellen:
- Erreicht etwa 27 % bis 28 % im Zellniveau nach über 50 Jahren Entwicklung.
- Energieintensiv, erfordert Reinigung bei über 1.000 °C.
- Ausgangsmaterial muss im Bergbau gewonnen und gereinigt werden.
- Physische Eigenschaften: Dick, undurchsichtig, starr.
- Energie-Amortisationszeit: 2 Jahre.
Die Perowskite zeichnen sich durch einen starken Lichtabsorptionskoeffizienten aus, was bedeutet, dass sie Sonnenlicht auch in sehr dünnen Schichten effizient in Elektrizität umwandeln können.
3. Herstellung und Skalierung der Produktion.
Die Herstellung von Perowskitmodulen erfolgt hauptsächlich durch lösungsbasierte Verfahren.
3.1. Labormethoden und Skalierung.
- Spin Coating: Eine im Labor übliche Methode, bei der die Perowskit-Lösung auf das Substrat aufgetragen wird, das dann schnell rotiert, oft gefolgt von der Zugabe einer Anti-Lösung, um die Kristallisation voranzutreiben.
- Druckverfahren: PSCs können direkt auf Oberflächen gedruckt werden, wobei Techniken wie Schlitzdüsenbeschichtung oder Sprühbeschichtung zum Einsatz kommen.
- Niedertemperaturprozess: Da der Prozess bei relativ niedrigen Temperaturen abläuft, reduziert dies die Produktionskosten erheblich und ermöglicht die Verwendung von flexiblen Substraten wie Kunststoff, die die Hitze des Silizium-Fertigungsprozesses nicht überstehen würden.
3.2. Kommerzielle Produktionstechniken.
Für die Massenproduktion sind Verfahren wie das Roll-to-Roll-Verfahren oder das Bogen-zu-Bogen-Verfahren vielversprechend. Das Roll-to-Roll-Verfahren, das dem Zeitungsdruck ähnelt, wendet Geräteschichten auf fortlaufenden Kunststoffbahnen an und verspricht eine drastische Senkung der Kosten pro Watt.
3.3. Komponenten der Solarzelle.
Um die Effizienz und Stabilität zu erhöhen, werden Ladungstransportschichten verwendet, die sicherstellen, dass Elektronen und Löcher effizient gesammelt werden. Forscher arbeiten auch daran, transparente, leitfähige Elektroden (wie Indium oder Graphen) durch billigere, reichlich vorhandene Alternativen zu ersetzen.
4. Perowskit-Silizium-Tandemzellen.
Dies sind derzeit die vielversprechendsten Kandidaten für die Steigerung der Solareffizienz und die am weitesten entwickelte Technologie. Perowskit-Silizium-Tandemzellen sind eine der vielversprechendsten Entwicklungen in der Photovoltaik und gelten als die Technologie, die der Marktreife am nächsten ist. Sie sind darauf ausgelegt, die Effizienz von Solarmodulen radikal zu steigern, indem sie die Stärken zweier verschiedener Halbleitermaterialien kombinieren.
Detaillierte Beschreibung der Perowskit-Silizium-Tandemzellen:
4.1 Das Grundkonzept der Tandem-Anordnung.
Tandem-Solarzellen (auch Doppel-Junction-Zellen genannt) sind Solarzellen, die zwei Halbleitermaterialien verwenden, um das einfallende Sonnenlicht optimal zu nutzen. Dieses Konzept umgeht das Dilemma einer einfachen Halbleiterzelle, die nur für einen ganz bestimmten Bereich des Lichtspektrums optimal arbeiten kann.
Der Schlüssel zur Tandem-Technologie ist die spektrale Aufteilung:
Es wird eine Kombination von zwei Materialien verwendet, die jeweils für einen unterschiedlichen Teil des Sonnenspektrums optimiert sind.
Die Technologie nutzt die Vorteile eines etablierten Silizium-Wafers und fügt lediglich eine dünne Schicht hinzu, um die Gesamtleistung zu verbessern. Die Perowskit-Silizium-Tandem-Photovoltaik ist derzeit die Technologie, die am meisten Aufmerksamkeit im Volumen erfährt.
4.2 Der Aufbau und die Funktionsweise.
Perowskit-Silizium-Tandemzellen sind im Grunde genommen zwei sequenziell angeordnete Solarzellen, die als eine wirken (daher der Name "Tandem").
4.2.1 Die Silizium-Zelle (Unterschicht):
Dies ist die untere Zelle, die dem Aufbau einer fast konventionellen Siliziumsolarzelle entspricht. Silizium ist hervorragend darin, das niedrigenergetische Licht, insbesondere das Infrarotlicht, effizient in elektrische Energie umzuwandeln.
4.2.2 Die Perowskit-Zelle (Oberschicht):
Auf die Siliziumzelle werden zusätzliche, extrem dünne Schichten aufgebracht, welche die Perowskit-Zelle bilden. Die Perowskit-Zelle ist für das hochenergetische Licht des Spektrums optimiert, also das sichtbare Licht, einschliesslich Blau und Grün.
Der Prozess des Spektrum-Teilens:
Wenn Sonnenlicht auf die Tandemzelle trifft, erntet die Perowskit-Zelle an der Vorderseite das hochenergetische Sonnenlicht. Das niedrigenergetische Sonnenlicht (Infrarotlicht) hingegen passiert die Perowskit-Zelle und wird dann in der darunter liegenden Siliziumsolarzelle absorbiert und umgewandelt.
4.3 Effizienz und Leistungsvorteile.
Der Vorteil dieser Aufteilung des Spektrums ist eine massive Steigerung des Gesamt-Wirkungsgrades:
- Höhere Energieausbeute: Tandem-Solarzellen nutzen das einfallende Licht viel besser aus. Grob gesagt kann auf diese Weise etwa 50 % mehr Sonnenlicht in elektrische Energie umgewandelt werden als mit einer Einzelzelle.
- Aktuelle und theoretische Wirkungsgrade: Während Siliziumzellen im Labor maximal 27 % bis 28 % erreichen , wurden mit Perowskit-Silizium-Tandemzellen bereits Wirkungsgrade von fast 30 % und im Labor sogar über 30 % erzielt.
- Theoretisches Potenzial: Das theoretische Limit für eine einzelne Siliziumzelle liegt bei etwa 29 %. Die Tandem-Technologie durchbricht diese Grenze, wobei die theoretische Obergrenze für eine Zelle bei über 40 % liegt.
Firmen wie Oxford PV haben bereits Module mit einer Effizienz von 28,6 % erreicht und planen, bis 2030 Module mit 30 % Effizienz auf den Markt zu bringen.
4.4 Kommerzialisierung und Integration.
Perowskit-Silizium-Tandemzellen stehen derzeit an der Schwelle zur Kommerzialisierung. Sie werden als die ersten Perowskit-basierten Produkte erwartet, weil sie von der etablierten Infrastruktur der Silizium-Photovoltaik profitieren können.
- Integration: Die Perowskit-Silizium-Tandem-Photovoltaik kann auf viele Aspekte der etablierten Solarmodul-Verkapselung aufbauen und relativ konventionell in bestehende PV-Anlagen integriert werden.
- Vorteil im Feld: Auf Solarparks würden Anlagen mit Tandemzellen rund 25 % mehr Energie erzeugen als vergleichbare Silizium-Solarparks, was den Wert des gesamten Systems maximiert, da Land-, Installations- und Kabelkosten gleich bleiben.
- Funktionsweise: Eine dünne Perowskit-Schicht wird direkt auf eine konventionelle Siliziumzelle aufgebracht. Die Perowskit-Zelle absorbiert das hochenergetische Licht (sichtbares Licht, blau/grün), während das Infrarotlicht (niedrigere Energie) durch die Perowskit-Schicht hindurchgeht und von der darunter liegenden Siliziumzelle absorbiert wird.
- Wirkungsgrade: Durch diese Aufteilung des Spektrums kann insgesamt etwa 50 % mehr Sonnenlicht in elektrische Energie umgewandelt werden als mit einer Einzelzelle. Im Labor wurden bereits Wirkungsgrade von fast 30 % und sogar über 30 % erreicht, was die theoretischen Grenzen von Silizium allein übertrifft. Theoretisch liegt die Obergrenze für Tandemzellen bei über 40 %.
- Vorteile: Die Technologie nutzt die bestehende, gut etablierte Silizium-Plattform und fügt lediglich zusätzliche Schichten hinzu, was die Integration in die bestehende PV-Infrastruktur erleichtert.
5. Mehrfach-Junction-Architekturen.
Neben der Kombination mit Silizium bieten Perowskite die Möglichkeit, komplexere Architekturen zu entwickeln:
- Perowskit-Perowskit-Tandemzellen: Hierbei wird Silizium durch eine zweite Perowskit-Schicht ersetzt. Zwei Perowskit-Schichten mit unterschiedlichen Bandlücken werden kombiniert (hohe Bandlücke für hochenergetisches Licht, niedrige Bandlücke für geringenergetisches Licht). Das KIT konnte bereits ein Perowskit-Perowskit-Tandemmodul mit 22 % Effizienz herstellen, wobei im Labor bereits 30 % in Zellen erreicht wurden.
Perowskit-Perowskit-Tandemzellen stellen eine fortgeschrittene Architektur in der Photovoltaik-Technologie dar, bei der Silizium vollständig durch eine zweite Schicht aus Perowskit ersetzt wird, um den Gesamtwirkungsgrad weiter zu steigern.
5.1 Grundprinzip der Tandem-Anordnung.
Perowskit-Perowskit-Tandemzellen basieren auf dem allgemeinen Konzept der Tandem-Solarzelle, bei dem zwei Halbleitermaterialien sequenziell angeordnet und miteinander kombiniert werden. Der grundlegende Ansatz besteht darin, Halbleitermaterialien auszuwählen, die für unterschiedliche Bereiche des Sonnenspektrums optimiert sind. Dadurch kann der Gesamtwirkungsgrad gesteigert werden, da Solarzellen, die nur aus einem einfachen Halbleiter bestehen, nur für eine ganz bestimmte Wellenlänge optimal ausgewählt werden können und Verluste bei höher- oder niedrigenergetischem Licht aufweisen.
5.2 Die Perowskit-Perowskit-Struktur.
Während Perowskit-Silizium-Tandemzellen die existierende Silizium-Plattform nutzen und lediglich zusätzliche Schichten aufbringen, wird bei der Perowskit-Perowskit-Anordnung direkt weitergedacht: Das Silizium wird durch eine zweite Perowskit-Schicht ersetzt.
Diese Struktur verwendet zwei Perowskit-Schichten, die jeweils auf einen spezifischen Energiebereich des Sonnenlichts zugeschnitten sind:
5.2.1 Obere Zelle (High Bandgap):
Eine Perowskit-Schicht mit einer hohen Bandlücke wird verwendet, um das hochenergetische Licht (kurzwelliger, z. B. sichtbares Licht) gut zu absorbieren.
5.2.2 Untere Zelle (Low Bandgap):
Eine zweite Perowskit-Schicht mit einer niedrigen Bandlücke absorbiert das Sonnenlicht der niedrigeren Energie (langwelliger, z. B. Infrarotlicht), das die obere Schicht durchdrungen hat.
Beide Perowskit-Schichten sind so optimiert, dass sie ihren jeweiligen Teil des Spektrums effizient umwandeln können.
5.3 Anpassbarkeit durch Materialklasse.
Perowskite bieten die einmalige Möglichkeit, effiziente Perowskit-Perowskit-Tandemzellen herzustellen, da sie eine Materialklasse und kein einzelnes Element sind. Forscher können die Bandlücke des Halbleiters anpassen, indem sie die verschiedenen Komponenten in der Kristallstruktur (ABX3) austauschen, wie etwa Jod und Brom bei den Halogeniden,. Diese Flexibilität erlaubt es, die beiden Perowskit-Schichten perfekt für ihre jeweiligen spektralen Aufgaben abzustimmen.
5.4 Aktueller Status und Effizienz.
Die Entwicklung von Perowskit-Perowskit-Zellen befindet sich noch grösstenteils im Laborstadium, zeigt aber ein enormes Potenzial, das die Grenzen des reinen Siliziums übertrifft.
- Prototypen: Das KIT hat vor einigen Jahren das erste Perowskit-Perowskit-Tandem-Solarmodul in einer vollständigen Modulgestaltung (wenn auch noch auf kleiner Fläche) hergestellt.
- Wirkungsgrade: Im Labor wurden bereits über 30 % Wirkungsgrad in der Zelle und 28 % in einem Modul erreicht. Dies ist beachtlich, da Silizium nach über 50 Jahren Entwicklung erst 27 % im Labor erreicht hat,.
- Anfängliche Messung: Das KIT erreichte mit seinem ersten Modul etwa 22 % Effizienz.
5.5 Komplexere Strukturen.
Das Konzept des Übereinanderstapelns von Perowskit-Schichten kann weiterentwickelt werden, was zu noch komplexeren Architekturen führt.
- Triple-Junction-Zellen: Eine mögliche Erweiterung ist die Herstellung von Dreifach-Solarzellen (Triple-Junction), wie beispielsweise eine Perowskit-Perowskit-Silizium-Stapelsolarzelle.
- Vorteil: Solche Mehrfach-Solarzellen oder Stapelsolarzellen verwenden mehr als zwei Halbleiter im Tandem, was theoretisch den Wirkungsgrad weiter steigern kann.
5.6 Marktausblick.
Die Perowskit-Perowskit-Tandemphotovoltaik wird voraussichtlich einige Jahre länger für die Marktreife benötigen als die Perowskit-Silizium-Tandemzellen. Dies liegt daran, dass die Anforderungen an die Stabilität und die technologische Komplexität bei diesen neueren Architekturen noch etwas grösser sind. Experten sind jedoch davon überzeugt, dass der Markt schnell auf Perowskit-basierte Tandem-Photovoltaik umsteigen wird, sobald der Nachweis der notwendigen Stabilität erbracht ist, da die klaren wirtschaftlichen Vorteile des höheren Wirkungsgrades sofort ins Gewicht fallen.
6. Triple-Junction-Zellen.
Triple-Junction-Zellen (oder Dreifach-Solarzellen) sind eine hochentwickelte Architektur im Bereich der Photovoltaik, die das Prinzip der Tandem-Solarzellen erweitert, um den maximal erreichbaren Wirkungsgrad signifikant zu steigern. Dabei werden drei Solarzellen übereinander gestapelt (z. B. Perowskit-Perowskit-Silizium), was eine weitere Steigerung des Wirkungsgrades ermöglicht.
6.1 Definition und Struktur.
Triple-Junction-Zellen sind komplexe Solarzellenstrukturen, bei denen drei separate Solarzellen übereinander gestapelt werden, um das gesamte Sonnenspektrum so effizient wie möglich zu nutzen.
Die Bezeichnung "Stapelsolarzelle" oder "Mehrfach-Solarzelle" wird als Überbegriff für Strukturen verwendet, die komplexer sind als nur eine Tandem-Solarzelle, da sie mehr als zwei Halbleiter miteinander kombinieren.
6.2 Funktionsprinzip der spektralen Aufteilung.
Das grundlegende Ziel jeder Tandem- oder Mehrfach-Solarzelle ist es, das sogenannte Dilemma des einzelnen Halbleiters zu lösen. Eine konventionelle Solarzelle aus nur einem Halbleitermaterial (wie Silizium) kann nur für eine ganz bestimmte Wellenlänge optimal ausgewählt werden.
Bei einer Dreifach-Solarzelle wird dieses Prinzip auf drei Schichten ausgeweitet, wobei jede Schicht für einen spezifischen Energiebereich des Sonnenlichts optimiert ist (spektrale Aufteilung):
6.2.1 Obere Zelle:
Absorbiert das hochenergetische Licht (kurze Wellenlängen, oft sichtbares oder blaues Licht).
6.2.2 Mittlere Zelle:
Absorbiert das Licht mittlerer Energie, das die erste Schicht passiert hat.
6.2.3 Untere Zelle:
Absorbiert das niedrigenergetische Licht (lange Wellenlängen, oft Infrarot), das die oberen beiden Schichten durchdringen konnte.
Durch die Aufteilung des Lichtspektrums in drei Bereiche kann die Gesamtmenge des umgewandelten Sonnenlichts gesteigert werden, wodurch die theoretischen Grenzen einer einfachen Zelle (die bei Silizium bei etwa 29 % liegt) überschritten werden.
6.3 Perowskit-basierte Triple-Junction-Architekturen.
Im Bereich der neuen Photovoltaik-Generation, in der Perowskite eine zentrale Rolle spielen, wird das Konzept der Dreifach-Solarzelle durch Stapelung realisiert.
Ein konkretes Beispiel, das in den Quellen erwähnt wird, ist die Perowskit-Perowskit-Silizium Triple Junction Solarzelle. Hierbei würden zwei Perowskit-Schichten (mit unterschiedlichen Bandlücken, die auf zwei verschiedene Teile des sichtbaren und nahen Infrarotspektrums optimiert sind) auf einer Siliziumzelle gestapelt, welche dann den Rest des Infrarotspektrums absorbiert .
6.4 Technologische Komplexität und Potenziale.
Die Erstellung von Dreifach-Solarzellen ist technologisch sehr anspruchsvoll:
- Steigende Komplexität: Die technologische Komplexität steigt mit der Anzahl der übereinander gestapelten Zellen.
- Produktionsrisiko: Mit mehr Schichten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Fehler einschleichen, was den Produktionsertrag (oder die Effizienz) verringert.
- Wirkungsgrad-Potenzial: Grundsätzlich kann der Wirkungsgrad durch das Übereinanderstapeln weiter gesteigert werden, wenngleich das zusätzliche Potenzial mit jeder weiteren Schicht sinkt.
- Forschungsergebnisse: Im Bereich hochentwickelter Halbleiter (wie 3-5 oder 2-6 Halbleitern, die oft für die Raumfahrt verwendet werden) wurde bereits gezeigt, dass Strukturen mit vier oder sogar sechs Junctions realisiert werden können, um grosse Wirkungsgrade umzusetzen.
Die Entwicklung von Triple-Junction-Zellen steht derzeit noch am Anfang der Ära der Perowskit-Photovoltaik und wird voraussichtlich nach der erfolgreichen Markteinführung der Perowskit-Silizium- und möglicherweise der Perowskit-Perowskit-Tandemzellen an Bedeutung gewinnen, da sich mit jedem technologischen Fortschritt immer neue, komplexere Architekturen ergeben, die den Wirkungsgrad weiter steigern.
6.5 Herausforderungen: Stabilität und Kommerzialisierung.
Obwohl die Effizienzentwicklung rasant ist, stehen der kommerziellen Markteinführung noch einige Hürden entgegen.
6.5.1 Degradation und Stabilität.
Die grösste technologische Herausforderung ist die Langzeitstabilität. Perowskit-Strukturen sind zwar leicht herzustellen, zerfallen jedoch auch leicht unter realen Bedingungen.
- Zersetzungsfaktoren: Externe Einflüsse wie Feuchtigkeit, Hitze, Sauerstoff und UV-Licht führen schnell zur Degradation und können die rekordverdächtigen Wirkungsgrade rasch mindern. Auch interne Faktoren wie durch wandernde Ladungen erzeugte Defekte können die Struktur zerstören.
- Vergleich zur Silizium-Lebensdauer: Während Siliziumzellen etwa 20 Jahre benötigen, um 20 % ihrer Effizienz zu verlieren, zeigten einige Perowskit-Zellen diesen Verlust bereits nach einem halben Jahr oder versagten nach wenigen Tagen. Das Ziel ist es, eine Stabilität von über 20 Jahren zu erreichen, um mit zertifizierten Siliziummodulen konkurrieren zu können.
- Lösungsansätze: Forschung und Industrie versuchen, die Degradation durch Verkapselung (Encapsulation) zu bekämpfen. Hierbei werden die Solarmodule von äusseren Einflüssen abgeschirmt.
6.5.2 Kommerzialisierung und Kosten.
- Kostenprognose: Perowskit muss günstiger sein als gewöhnliches kristallines Silizium, gemessen an den Kosten pro Watt, die derzeit bei etwa 12,7 US-Cents pro Watt liegen und voraussichtlich weiter sinken werden.
- Marktreife: Die Technologie befindet sich an der Schwelle zur Kommerzialisierung, und industrielle Pilotanlagen laufen bereits in Europa, Asien und Nordamerika. Obwohl einige Unternehmen (wie Oxford PV) behaupten, das Stabilitätsproblem gelöst zu haben und Module mit 28,6 % Effizienz erreicht zu haben, fehlen oft noch die veröffentlichten, überprüfbaren Daten aus realen Aussentests. Die Verfügbarkeit hängt stark davon ab, welche Unternehmen es schaffen, Kosten und Stabilität in den Griff zu bekommen und in stabile Volumenproduktion zu gehen.
7. Marktakteure und Zukunftsanwendungen.
7.1. Führende Unternehmen und IP.
Die Forschungsgemeinschaft arbeitet weltweit an der Lösung der Stabilitätsprobleme. Firmen wie Oxford PV (eine Ausgründung der Oxford University) sind prominente Vorreiter, die bereits erste Module verkauft und installiert haben. Sie planen, bis 2030 Module mit 30 % Effizienz auf den Markt zu bringen. Qcells, das Teil einer europäischen Partnerschaft ist, plant die Entwicklung kommerzieller Module mit 26 % Effizienz über eine Lebensdauer von 30 Jahren. Oxford PV arbeitet auch mit einem Lizenzmodell, um die Technologie durch andere Hersteller schnell auf dem Terawatt-Markt zu verbreiten.
7.2. Neuartige Anwendungen.
Aufgrund ihrer Flexibilität, ihres geringen Gewichts und ihrer potenziellen Transparenz erschliessen PSCs neue Anwendungsgebiete, die für starres Silizium unzugänglich waren:
- Gebäudeintegration (BIPV): Semitransparente Versionen könnten direkt in Baumaterialien, Fenster und Glasfassaden integriert werden. Dies könnte ganze Wolkenkratzer in vertikale Solarparks verwandeln, ohne deren Ästhetik zu beeinträchtigen.
- Flexible Oberflächen: Die Dünnschichttechnologie ermöglicht die Anwendung auf gekrümmten Oberflächen, z. B. in Elektrofahrzeugen, Satelliten, Drohnen, oder als tragbare Solarmatten in Textilien.
- Bifaziale Zellen: Diese Zellen fangen Licht von beiden Seiten ein. Bifaziale PSCs haben das Potenzial, den Energieertrag je nach Installation um etwa 20 % zu steigern und eignen sich für Freiflächenanlagen und Agri-PV.
- Graphen-Integration: Die Kombination von Perowskit und Graphen (einem Wundermaterial) hat im Labor zu einer Effizienzsteigerung auf 30,6 % geführt und gleichzeitig die Herstellungskosten durch den Ersatz teurer Metalle wie Gold und Silber drastisch gesenkt (bis zu 80 % weniger Kosten).
7.2.2 Kombination von Perowskit und Graphen.
Die Kombination von Perowskit und Graphen ist ein bedeutender Durchbruch in der Solarenergieforschung, der darauf abzielt, die Effizienz von Perowskit-Solarzellen (PSCs) zu maximieren und gleichzeitig die Produktionskosten drastisch zu senken.
7.2.3 Die beteiligten Materialien:
- Perowskit-Solarzellen (PSCs): Diese sind bekannt als die "aufstrebenden Stars" in der Photovoltaik (PV) aufgrund ihrer schnellen Effizienzsteigerungen in den letzten Jahren.
- Graphen: Dieses Material wird oft als "Wundermaterial" bezeichnet und besteht nur aus einer Atomlage. Graphen wird dank neuerer Herstellungstechniken wie der elektrophoretischen Abscheidung und der chemischen Gasphasenabscheidung (CVD) zunehmend erschwinglicher, wobei der Preis für kommerziell einsetzbares Graphen auf bis zu 1.000 US-Dollar pro Kilogramm gesunken ist.
7.2.4 Integration und Funktion:
Forscher haben eine spezielle Form von Graphen in die Perowskit-Solarzellen integriert.
Die Hauptfunktion des Graphens besteht darin, als Ersatz für teure und manchmal leistungslimitierende Komponenten in der Solarzelle zu dienen. Im allgemeinen Design von PSCs experimentieren Forscher damit, seltene und teure Materialien durch billigere Alternativen wie Graphen zu ersetzen, insbesondere im Elektrodendesign, wo transparente Leitschichten benötigt werden.
7.2.5 Revolutionäre Ergebnisse:
Die Kombination von Perowskit und Graphen hat zu bemerkenswerten Verbesserungen in zwei Schlüsselbereichen geführt.
Ergebnis durch die Graphen-Integration:
- Der Wirkungsgrad der Zelle stieg auf etwa 30,6 %.
- Die Herstellungskosten sanken um bis zu 80 %.
Die Effizienzsteigerung auf 30,6 % ist signifikant, da sie fast doppelt so hoch ist wie die Leistung, die dieselben Zellen vor der Integration von Graphen erreichten.
7.3 Wirtschaftlicher und technologischer Vorteil.
Die drastische Kostenreduktion wird dadurch ermöglicht, dass Graphen teure Metalle, wie Gold und Silber, innerhalb der Solarzelle ersetzen kann. Darüber hinaus ist Graphen mit dem effizienten und skalierbaren Roll-to-Roll-Druckverfahren kompatibel. Die Roll-to-Roll-Fertigung, die fortlaufende Kunststoffbahnen beschichtet, verspricht eine drastische Senkung der Kosten pro Watt. Diese Kombination verbindet erstklassige Effizienz mit radikaler Erschwinglichkeit und bietet das Potenzial für Solarmodule, die nur einen Bruchteil der heutigen Preise kosten und auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut funktionieren. Experten sehen in dieser Verbindung von Perowskit und Graphen einen möglichen Wendepunkt für die Solarenergie.
7.4 Energie-Amortisationszeit.
Die Kombination profitiert auch von der inhärenten Eigenschaft der Perowskit-Zellen: Sie haben eine aussergewöhnlich geringe Energie-Amortisationszeit von nur 6 Wochen, verglichen mit zwei Jahren für Siliziumzellen, deren Produktion unglaublich energieintensiv ist.
8. Fazit und Ausblick.
Perowskit-Solarzellen haben das Potenzial, die Solarenergie zu revolutionieren, indem sie hohe Wirkungsgrade (insbesondere in Tandemanordnungen) mit radikaler Erschwinglichkeit kombinieren. Sollte es gelingen, die Stabilitätsprobleme der Perowskite nachhaltig zu lösen und die Lebensdauer von über 20 Jahren nachzuweisen, gehen Experten davon aus, dass die weltweite PV-Produktion aufgrund der klaren wirtschaftlichen Vorteile (geringere Kosten, höhere Energieausbeute auf gleicher Fläche) schnell auf die Perowskit-basierte Tandem-Photovoltaik umsteigen wird. Dies würde den Übergang zu einer dezentralen, flexiblen und solarbetriebenen Wirtschaft beschleunigen.
Siehe weitere Artikel in stromzeit.ch:
Beste, effizienteste Solarmodule.
Beste, effizienteste Solarmodule: Bewertung, Leistung, Zuverlässigkeit, Preis-Leistung, TOPCon, HTJ, BC, Bifacial, PERC, Perowskit. Innovationen, neue Technologien, Zelltechnologie, Zellarchitekturen, Mindesteffizienz, Technologische Trends.
Beste, effizienteste Solarmodule.
Rekordwirkungsgrad von 25 %.
Perowskit Vollformat-Tandem-Module von Oxford PV und Fraunhofer ISE - Rekordwirkungsgrad von 25 %. Oxford PV und Fraunhofer ISE: Kombination aus Perowskit und Silizium - neue Einsatzmöglichkeiten.
Großer Durchbruch bei der Herstellung.
Perowskit-Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 25 % - ähnlich wie bei Siliziumzellen
Großer Durchbruch bei der Herstellung.Rekord-Wirkungsgrad 29,52 %.
Perowskit-Solarzellen für höhere Wirkungsgrade wandeln 29,52 % der Sonnenenergie in Strom um.
Wirkungsgrad Perowskit Solarzellen.
Perowskit Solarzellen werden den Wirkungsgrad von Solarmodulen in Zukunft weiter steigern.
Wirkungsgrad Perowskit Solarzellen.
2D-Perowskit-Verbindung.
Ultradünne Solarzellen mit 2D-Perowskit-Verbindung für höheren Photovoltaik-Wirkungsgrad
Neuer Wirkungsgradrekord.
Solarzellentechnologie: neuer Wirkungsgradrekord mit Perowskit-Solarzellen.
Perowskit-Photovoltaik-Modul.
Filmbasiertes Perowskit-Photovoltaik-Modul: leicht und flexibel. Perowskit - das Film-basierte PV Modul.
Übersichtsseiten mit Inhaltsverzeichnissen.
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Quellenverzeichnis (Januar 2026).
https://m.youtube.com/watch?v=S0D1bjYGZeA&t=1s&pp=ugUHEgVkZS1ERdIHCQlNCgGHKiGM7w%3D%3D
https://www.youtube.com/watch?v=Fft4UT7kGxg
https://www.youtube.com/watch?v=3eYGCi0JYj4
https://www.youtube.com/watch?v=qv-dsK8c0FQ
https://www.youtube.com/watch?v=F0bYOqxCGPE
https://www.youtube.com/watch?v=Z7yWyTajZ74
https://www.youtube.com/watch?v=cxqH_3VjbXo
https://www.youtube.com/watch?v=ilL_QSNWYLo
Titel-Bild: Are perovskite cells a game-changer for solar energy?
© Video, Minute 5:00
https://www.youtube.com/watch?v=Fft4UT7kGxg











