COP30 Weltklimakonferenz – Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung, Energiekrise, Geopolitik und Strukturwandel.
12.11.2025
Die Umsetzung strategischer Herausforderungen Deutschlands und Europas in Bezug auf Energieunabhängigkeit, Klimaschutz, geopolitische Sicherheit sowie die Notwendigkeit tiefgreifender politischer und industrieller Strukturreformen ist dringender denn je. Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler, wird als Visionär und progressiver Vordenker beschrieben.
Zusammenfassung der zentralen Forderungen.
Um die Herausforderungen der Zeit zu meistern und Deutschland neu zu erfinden, sind laut Habeck folgende Schritte notwendig:
1. Klarheit beim Plan: Deutschland und Europa brauchen einen klaren Plan; das Ziel darf nicht ständig infrage gestellt werden.
2. Schneller werden: Die Entscheidungswege müssen verkürzt werden, denn alles, was entschieden werden kann, kann auch früher entschieden werden.
3. Innere Stärke zeigen: Politiker müssen die Stärke haben, das Richtige zu tun, auch wenn es nicht populär ist, während Wähler Weitsicht beweisen müssen, nicht nur für den Tag zu wählen.
Der Übergang von der fossilen Abhängigkeit hin zu einer elektrifizierten, resilienten und unabhängigen Wirtschaft ist der Kern dieser Neuausrichtung. Dies erfordert Mut, sowohl in der politischen Führung als auch im bürgerschaftlichen Engagement, um Strukturen zu überwinden, die einst funktional waren, aber heute nicht mehr zeitgemäss sind.

1. Robert Habecks aktuelle Rolle und veränderte Perspektive.
Nach seinem Ausscheiden aus der ersten Reihe der Politik und dem Verlassen des Bundestages hat Robert Habeck eine neue Perspektive auf Deutschland gewonnen.
1.1. Neue Aufgaben und Forschungsschwerpunkte.
Habecks aktuelle Arbeit konzentriert sich auf einen staatlich finanzierten dänischen Think Tank, das Dänische Institut für Internationale Studien mit Sitz in Kopenhagen. Dieses Institut ist dem Aussenministerium angegliedert und legt einen starken Fokus auf Sicherheits- und Verteidigungspolitik, insbesondere im Ostsee- und nordatlantischen Raum (Grönland, Arktis).
Seine tägliche Arbeit beinhaltet die Untersuchung der Auswirkungen des stattfindenden Klimawandels auf das schmelzende Eis in der Arktis. Dies führt zur Entstehung neuer Handelswege, der Gefahr militärischer Konflikte und der möglichen Ausbeutung von Rohstoffen, wobei Habeck erforscht, wie Konfliktszenarien verhindert werden können.
1.2. Abschied von der Tagespolitik.
Die Entscheidung, den Bundestag zu verlassen, hatte sowohl persönliche als auch politische Gründe. Privat erfordert das Durchlaufen Berlins noch immer einen gewissen Aufwand, da er als sichtbare Figur entweder um Selfies gebeten wird oder Diskussionen und Beschwerden ausgesetzt ist, weshalb ihm ein bisschen Abstand guttut, um durchzuatmen.
Politisch sah Habeck keinen aktiven Raum für sich im Bundestag, da seine ständige Einmischung in Debatten als Ratschläge eines gerade Gescheiterten interpretiert worden wäre und Schweigen als Groll. Die Analyse führte zur Schlussfolgerung, dass er sich „noch mal neu erfinden“ und einen neuen Ansatz finden müsse.
2. Geopolitische Zwänge und die Strategie der Elektrifizierung.
Habecks Amtszeit war am Beginn (Dezember 2021) und am Ende (November) von kritischen Sicherheitsereignissen flankiert: dem Truppenaufmarsch Putins und der Wahl Donald Trumps. Diese Erfahrungen prägten ihn stark, da er konkret erlebte, wie Energie als Waffe eingesetzt werden konnte, um Deutschland wegen der Gasabhängigkeit in die Knie zu zwingen.
2.1. Strukturelle Abhängigkeiten als Sicherheitsrisiko.
Heute sieht Habeck, dass die energie- und wirtschaftspolitischen Abhängigkeiten strukturell und durchgängig für Interessenpolitik genutzt werden. Europa und Deutschland sind dadurch gezwungen, sich neu zu erfinden.
Deutschland gibt jährlich 80 Milliarden Euro für fossile Energien aus. Dieses Geld fliesst oft an Länder oder Unternehmen, die nicht wohlwollend gegenüber Europa oder Deutschland eingestellt sind und im Grunde nicht subventioniert werden sollten. Selbst der Kauf von LNG-Gas aus den USA stellt eine Form der Abhängigkeit dar.
2.2. Die Vision: Unabhängigkeit durch Elektrifizierung.
Die Lösung für die sicherheitspolitische Herausforderung stimmt mit der Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels überein: Elektrifizierung:
- Strom als heimische Quelle: Strom kann in Europa selbst erzeugt werden, und Leitungen können innerhalb Europas gebaut werden, im Gegensatz zu Gas- oder Öllieferungen aus Übersee.
- Weg zur Unabhängigkeit: Je stärker Deutschland elektrifiziert (E-Autos, elektrische Beheizung von Häusern, elektrischer Verbrauch in der Industrie), desto unabhängiger wird das Land vom Erpressungspotenzial nicht immer wohlmeinender Präsidenten.

2.3. Definition von „Heimisch“ durch Eigenproduktion.
Die Unterscheidung zwischen Strom und fossilen Energieträgern liegt in der lokalen Erzeugungsmöglichkeit.
- Strom in Europa: Strom, der erzeugt und betrieben wird, ist „unser Strom“. Er kann in Europa selber erzeugt werden.
- Infrastrukturkontrolle: Leitungen für den Stromtransport können innerhalb Europas gebaut werden.
- Kontrast zu fossilen Energieträgern: Deutschland kauft jedes Jahr für 80 Milliarden Euro fossile Energien ein. Diese Energien (Öl und Gas) müssen importiert werden, wobei selbst der Kauf von LNG-Gas aus den USA eine Form der Abhängigkeit darstellt. Im Gegensatz dazu ist es nicht möglich, eine Stromleitung aus den USA hierher zu bauen.
Die Elektrifizierung ermöglicht es also, die Energieversorgung aus dem Ausland in die eigene Hand und den eigenen Kontrollbereich zu verlagern.
2.4. Geopolitische Notwendigkeit und Sicherheitsgewinn.
Die Suche nach einer heimischen Quelle ist unmittelbar mit den geopolitischen Sicherheitsfragen verbunden, da energie- und wirtschaftspolitische Abhängigkeiten strukturell für Interessenpolitik genutzt werden:
- Abhängigkeit als Waffe: Habeck erlebte konkret, wie Energie als Waffe eingesetzt werden konnte (Putins Versuch, Deutschland wegen der Gasabhängigkeit in die Knie zu zwingen).
- Erpressungspotenzial reduzieren: Je mehr Deutschland elektrifiziert (E-Autos, elektrisch beheizte Häuser, elektrischer Verbrauch der Industrie), desto unabhängiger wird das Land von dem Erpressungspotenzial von „diesen nicht immer wohlmeinenden Präsidenten“.
- Stopp der Subventionierung unfreundlicher Akteure: Das jährlich ausgegebene Geld für fossile Energien fliesst oft an Länder oder Unternehmen, die „es nicht unbedingt gut mit Europa oder mit Deutschland meinen“ und die eigentlich nicht subventioniert werden sollten. Die Abkehr von fossilen Importen ist daher ein strategischer Gewinn.
2.5. Die Übereinstimmung von Klima- und Sicherheitsstrategie.
Die Wende hin zur Elektrifizierung löst nicht nur das Sicherheitsproblem, sondern erfüllt gleichzeitig die Anforderungen der Klimapolitik:
Die Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels (Elektrifizierung) entspricht exakt der Strategie, die zur geopolitischen Unabhängigkeit erforderlich ist.
Habeck argumentiert, dass beim Klimaschutz letztlich Freiheit, liberale Demokratie und ein mögliches menschliches Leben geschützt werden. Die Argumente für den Klimaschutz können daher aus den Krisenszenarien der Sicherheit und Freiheit abgeleitet werden.
Die Nutzung von Strom als heimische Quelle ist somit die strategische Schnittmenge zwischen Klimaschutz, Energiesicherheit und geopolitischer Unabhängigkeit, die Europa und Deutschland dazu zwingt, sich „noch mal neu zu erfinden“.
2.6. Wie kann die Elektrifizierung der Wirtschaft den Klimaschutz fördern und ist sie rentabel?
Die Elektrifizierung der Wirtschaft fördert den Klimaschutz durch die Übereinstimmung mit sicherheitspolitischen Zielen und ist zugleich marktgetrieben rentabel, da erneuerbare Energien (EE) zur kostengünstigsten Technik avancieren.
2.6.1. Elektrifizierung als Schlüssel zur Förderung des Klimaschutzes und der Unabhängigkeit.
Robert Habeck hebt hervor, dass die Strategie, die zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich ist, exakt mit der Strategie für die geopolitische Sicherheit übereinstimmt: die Elektrifizierung.
2.6.2. Geopolitische Sicherheit und die Abkehr von fossilen Abhängigkeiten.
Die zentrale Förderung des Klimaschutzes durch Elektrifizierung liegt in der Entkopplung von fossilen Importen, die Europa anfällig für Erpressung machen:
- Vermeidung von Subventionen für unfreundliche Staaten: Deutschland gibt jährlich 80 Milliarden Euro für fossile Energien aus. Dieses Geld fliesst häufig an Länder, Unternehmen oder Staaten, die es nicht unbedingt gut mit Europa oder Deutschland meinen und die im Grunde nicht subventioniert werden sollten.
- Schutz vor Erpressung: Eine stärkere Elektrifizierung – etwa durch elektrisch fahrende Autos, elektrisch beheizte Häuser und elektrischen Verbrauch in der Industrie – macht das Land unabhängiger von dem Erpressungspotenzial nicht immer wohlmeinender Präsidenten.
- Heimische Energieerzeugung: Im Gegensatz zu Gas- oder Öllieferungen, die Abhängigkeiten schaffen (selbst der Kauf von LNG-Gas aus den USA ist eine Form von Abhängigkeit), kann Strom in Europa selbst erzeugt und Leitungen können innerhalb Europas gebaut werden.
2.6.3. Klimaschutz als Schutz der Freiheit und Demokratie.
Habeck betont, dass die Frage des Klimaschutzes existenzielle Bedeutung hat. Er schlägt eine Neudefinition des Klimaschutzes vor, um dessen Dringlichkeit zu verdeutlichen:
- Erweiterte Zielsetzung: Es geht nicht nur darum, das Klima zu schützen, sondern Freiheit, liberale Demokratie und ein mögliches Leben für die Menschen in der Zukunft zu schützen.
- Abgeleitete Argumente: Die Argumente für den Klimaschutz lassen sich aus den Krisenszenarien der Sicherheit und Freiheit ableiten. Eine Welt mit 2,8° Erwärmung ist nicht in der Lage, das zu bewahren, was wir für selbstverständlich halten.
- Dringlichkeit trotz Rückschlägen: Trotz möglicher Überschreitung der 1,5°-Grenze ist die Arbeit fortzusetzen, da jeder Zehntelgrad zählt, um den errechneten Tipping Point von etwa 2° zu vermeiden.
2.6.4. Die Rentabilität der Elektrifizierung und Erneuerbaren Energien.
Die Elektrifizierung und die damit verbundenen Techniken der erneuerbaren Energien (EE) sind nicht nur politisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll und rentabel.
2.6.5. Erneuerbare Energien als günstigste Technik.
Erneuerbare Energien werden zunehmend marktgetrieben vorangebracht:
- Wirtschaftlicher Anreiz: EE sind zur günstigsten Technik geworden, um den Energiehunger von Ländern zu stillen. Habeck nennt China als Beispiel, das massiv EE ausbaut – nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil es die günstigste Technik ist, um Abhängigkeiten (auch von Russland) zu vermeiden.
- Kostengünstigste Form: Solarenergie stellt die kostengünstigste Energieerzeugungsform dar, wie das Beispiel des Libanon zeigt.
- Zukunft der Technik: Es ist absehbar, dass EE perspektivisch vor allem zum Heizen, Kühlen, zur Herstellung der Versorgungssicherheit und zur Organisation der Mobilität genutzt werden, weil es einfach günstiger ist und die Technik günstiger werden wird.
2.6.6. Globale Marktanforderung und Kostenvorteile.
Die Rentabilität für Deutschland ist auch an die Positionierung auf dem Weltmarkt gekoppelt:
- Weltmarktorientierung: Deutschland (mit 80 Millionen Einwohnern) muss für den Weltmarkt produzieren, da die Konzentration auf nur deutsche Technik zur „sichersten Rezept zur Verarmung“ wäre.
- Weltmarkttrends: Der Weltmarkt tendiert klar in Richtung Erneuerbare Energien, was Speicherformen, digitale Technik, KI und flexible Systeme einschliesst.
- Vorteile für Verbraucher: Die Elektrifizierung muss dazu dienen, die Flexibilität des Marktes zum Kostenvorteil der Menschen und Unternehmen zu machen. Das bedeutet, die Preise zu senken, indem man den Strom dann verbraucht oder die Batterie auflädt, wenn die Preise wirklich günstig sind oder sogar negativ.
2.6.7. Strukturelle Herausforderung der Innovation.
Obwohl die Rentabilität der neuen Technologien klar ist, leidet Deutschland unter struktureller Behäbigkeit und dem Vorsorge-Paradox, was die schnelle Umsetzung behindert. Deutschland muss sich neu erfinden, was bedeutet, neue Technik zu erfinden, nicht nur das Bestehende zu verbessern. Dies erfordert die Nutzung des Datenschatzes des Mittelstandes und der finanziellen Feuerkraft der Bundesrepublik Deutschland.
Technologien wie Wärmepumpen und batteriebetriebene Antriebe sind die Zukunft, und es gilt, die Technik in Deutschland und Europa voranzubringen, um sie im eigenen Land zu beherrschen.
Die Elektrifizierung der Wirtschaft ist ein doppelter Gewinn: Sie fördert den Klimaschutz durch die Reduzierung von Emissionen und die Bewahrung einer lebenswerten Zukunft, während sie gleichzeitig die geopolitische Unabhängigkeit Deutschlands und Europas stärkt. Ökonomisch ist sie rentabel, da Erneuerbare Energien die kostengünstigste Option zur Deckung des Energiebedarfs weltweit darstellen. Das Ziel ist, diese Kostenvorteile durch schnelle strukturelle Reformen (wie einen zügigen Smart Meter Rollout) zu den Verbrauchern zu bringen, damit Deutschland in diesem globalen Wettlauf nicht abgehängt wird.
3. Klimaschutz, Marktmechanismen und das Vorsorge-Paradox.
Obwohl die Klimaschutzfrage momentan in der öffentlichen Agenda durch andere Themen überlagert wird und direkte Klima-Demonstrationen seltener geworden sind, ist das Thema laut Habeck keineswegs verschwunden, da ein tiefes Wissen über dessen existenzielle Bedeutung in der Bevölkerung vorhanden ist.
3.1. Marktgetriebene Energiewende.
Erneuerbare Energien (EE) werden zunehmend marktgetrieben vorangebracht. Habeck führt China als Beispiel an: China baut massiv EE aus – nicht zwingend aus ideologischen Gründen, sondern weil es die günstigste Technik ist, den Energiehunger zu stillen und Abhängigkeiten von Gas- und Öllieferanten (auch Russland) zu vermeiden. Auch Länder wie der Libanon setzen auf Solarenergie, weil sie die kostengünstigste Energieerzeugungsform darstellt.
„Wir schützen nicht das Klima [...] wir schützen Freiheit wir schützen liberale Demokratie wir schützen Menschen mögliches Leben in der Zukunft“.
Die Argumente für Klimaschutz können daher auch aus den Krisenszenarien der Sicherheit und Freiheit abgeleitet werden. Angesichts der Tatsache, dass die 1,5°-Grenze möglicherweise überschritten wird, wird die Dringlichkeit der Arbeit nur noch höher; jeder Zehntelgrad zählt, um den errechneten Tipping Point von etwa 2° nicht zu erreichen.
3.2. Das Dilemma der öffentlichen Debatte.
Deutschland – wie öffentliche Demokratien generell – leidet unter einem Vorsorge-Paradox. Strategische und strukturelle Fragen finden kaum öffentlichen Raum, solange keine akute Krise herrscht. Wenn eine Krise eintritt (wie die drohende Chipskrise in der Automobilindustrie), wird plötzlich über das Gleiche gesprochen, aber mit einer völlig anderen Wertigkeit. Im Grunde wird immer zu spät über das Richtige gesprochen.
4. Strukturelle Behäbigkeit und die Notwendigkeit der Neuerfindung.
Habeck kritisiert die Behäbigkeit Deutschlands bei notwendigen Veränderungen, die nicht einfach zu überwinden ist, da Menschen sich an Gewohntes halten. Die deutsche Automobilindustrie wusste zwar vor Jahren, dass China im Anmarsch war und die exponentielle Steigerung der E-Mobilität sichtbar war, doch solange die Geschäfte gut liefen und Arbeitsplätze sicher waren, war es schwierig, die Technik als „falsch“ zu deklarieren.
4.1. Der Nachteil des Erfolgs.
Im Vergleich zu China, wo Unternehmen (wie ehemalige Mobilfunkanbieter) neue Industrien ohne den Ballast bestehender Fliessbänder oder Fachleute für Verbrennungsmotoren aufbauen konnten, ist es für ein industriell entwickeltes Land mit starker, etablierter Industrie komplizierter, die gutlaufende Industrie zu verändern.
Deutschland hat eine erschwerte Ausgangssituation, weil es ein hoch entwickeltes und an diesen Reichtum gewohntes Land ist.
4.2. Chancen nutzen.
Die Herausforderung für Deutschland besteht darin, sich neu zu erfinden, was bedeutet, neue Technik zu erfinden, nicht nur das Bestehende zu verbessern. Dabei kann Deutschland den enormen Datenschatz des deutschen Mittelstandes und die finanzielle Feuerkraft der Bundesrepublik nutzen.
Deutschland muss für den Weltmarkt produzieren, da die Konzentration auf die Produktion deutscher Technik nur für 80 Millionen Deutsche das „sicherste Rezept zur Verarmung“ wäre. Der Weltmarkt fordert Techniken der Erneuerbaren, Speicherformen, digitale Technik, KI und flexible Systeme.
Was bedeutet: Deutschland soll neue Technik erfinden, nicht nur das Bestehende verbessern?
Die Aussage "Neu erfinden heisst eben neue Technik erfinden, also zu sagen, wir machen das, was jetzt im Moment gut läuft, noch ein bisschen besser, wird diesem dem Wettlauf über die Technik, die wir im Moment verfolgen, nicht nicht gerecht werden" beschreibt die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Strukturwandels und einer Innovationsstrategie, die über inkrementelle Verbesserungen hinausgeht.
4.2.1. Abkehr vom Nachteil des Erfolgs.
Die Forderung, neue Technik zu erfinden, resultiert aus der Einsicht, dass Deutschlands derzeitige hoch entwickelte industrielle Struktur paradoxerweise ein erschwerendes Element im globalen Innovationswettlauf darstellt:
- Der Fokus auf das Bestehende: Ein industriell entwickeltes Land, das an seinen Reichtum gewöhnt ist, hält an dem fest, was gut lief. Die deutsche Automobilindustrie beispielsweise wusste zwar von der exponentiellen Steigerung der E-Mobilität und dem Anmarsch Chinas, doch solange die Geschäfte brummten und Arbeitsplätze sicher waren, war es schwierig, die Technik als "falsch" zu deklarieren.
- Der Ballast des Althergebrachten: Es ist komplizierter, eine eigentlich gutlaufende Industrie zu verändern, als eine ähnliche, aber völlig neue Industrie aufzubauen. Neue Akteure wie chinesische Unternehmen (ehemalige Mobilfunkanbieter) oder Tesla (dessen Gründer zuvor Kreditkartenbetreiber war) hatten keine Fliessbänder und keine Fachleute für Verbrennungsmotoren, die sie weiter bezahlen mussten, und konnten daher ohne diesen Ballast von Grund auf neu bauen.
4.2.2. Strategische Notwendigkeit im globalen Wettlauf.
Die blosse Verbesserung existierender Produkte und Verfahren ("noch ein bisschen besser machen") wird dem technischen Wettlauf und den Anforderungen des Weltmarktes nicht gerecht.
- Produktion für den Weltmarkt: Deutschland muss Techniken für den Weltmarkt produzieren. Die Konzentration auf die Produktion deutscher Technik nur für 80 Millionen Deutsche wäre das "sicherste Rezept zur Verarmung".
- Globale Nachfrage nach Neuem: Der Weltmarkt tendiert klar in Richtung Erneuerbare Energien (EE). Dies erfordert die Beherrschung von:
- Speicherformen
- Digitale Technik und KI
- Flexible Systeme
- Energieeffizienzen
4.2.3. Die Chancen und Ressourcen für Neuerfindung.
Neu erfinden bedeutet, die Stärken Deutschlands zu nutzen, um die Technik im eigenen Land zu beherrschen und an die Spitze der neuen Industrien vorzudringen.
- Nutzung von Ressourcen: Die finanzielle Feuerkraft der Bundesrepublik Deutschland und der enorme Datenschatz des deutschen Mittelstandes müssen eingesetzt werden, um die Neuerfindung voranzutreiben.
- Beherrschung der Zukunftstechnologien: Unabhängig von aktuellen Kostenbetrachtungen sind Technologien, die auf Elektrifizierung basieren (Wärmepumpen, batteriebetriebene Antriebe), die Zukunft. Wenn China diese Technologien massiv vorantreibt, entstehen enorme Skaleneffekte. Deutschland und Europa müssen diese Technik im eigenen Land voranbringen und beherrschen.
4.3. Das Smart Meter Desaster.
Ein konkretes Beispiel für die strukturelle Behäbigkeit ist der mangelnde Rollout der Smart Meter.
1. Historisch: Vor zehn Jahren hatten die Deutschen Angst vor der Ableitung des Nutzungsverhaltens durch Stromanbieter. Dies führte zur Einführung teuerster, militärischer Technik mit langen Zertifizierungsverfahren, während halb Europa Smart Meter anders und flächendeckend ausgerollt hat.
2. Aktuell: Derzeit blockiert ein behördliches „Fingerhakeln“ zwischen dem privaten Markt und den Netzbetreibern den weiteren Rollout. Habeck fordert, dass jetzt gehandelt wird, um die Flexibilität und die Kostenvorteile der Erneuerbaren zu den Menschen und Unternehmen zu bringen, andernfalls drohe Deutschland abgehängt zu werden.
Zusammenfassend bedeutet die Forderung, politische und unternehmerische Anstrengungen darauf zu fokussieren, grundlegend neue Lösungen für die elektrische, digitale und nachhaltige Wirtschaft zu entwickeln, anstatt sich auf die Optimierung der Industrien des letzten Jahrhunderts zu beschränken, deren Geschäftsmodelle unter dem Druck des Klimawandels und geopolitischer Abhängigkeiten stehen. Die Politik muss dabei die Aufgabe wahrnehmen, das Kommende vorzubereiten und sich nicht nur am Bestehenden festzuklammern.
5. Kommunikationslogik und das Politische Narrativ.
Habeck reflektiert über die Herausforderungen der politischen Kommunikation und die Schwierigkeit, die Notwendigkeiten der Krisenpolitik an die Öffentlichkeit zu vermitteln.
5.1. Die Last des Krisenmodus (Heizungshammer).
Während des Winters 2022/2023 herrschte eine reale Gaskrise (mit dunklen Innenstädten, 18°C in Ministerien, Diskussion über Duschdauer), die eine Krisenpolitik (wie das anfängliche GEG zur Vermeidung neuer Gasheizungen) erforderlich machte. Putin hatte den Gashahn erst im September 2022 abgedreht; hätte er dies im März getan, wäre Deutschland nicht durch den Winter gekommen.
Die öffentliche Wahrnehmung hatte sich jedoch gedreht, als das GEG im Februar 2023 öffentlich wurde: Der milde Winter war überstanden, und die schlimmsten Szenarien waren nicht eingetreten. Die zentrale politische Aufgabe – die Notwendigkeiten so zu erklären, dass die Öffentlichkeit sie mitträgt – war auseinandergelaufen.
5.2. Der Wunsch nach einem positiven, verbindenden Narrativ.
Habeck beschreibt, dass ihn rückblickend die „Tribünenpolitik“ am meisten anstrengte, bei der künstliche Gegensätze gesucht werden. Obwohl Politiker sich vor und nach Talkshows nett verhalten, wird während der Sendung der Konflikt gesucht, was der Entscheidungsfindung nicht hilft, da die strukturelle Logik auf Konflikt angelegt ist.
Er wünscht sich ein Narrativ, bei dem die demokratische Mitte mehr verbindet als trennt, um weniger verführbar durch Populismus zu sein. Die Politik muss die innere Stärke besitzen, das Richtige zu tun, auch wenn es unpopulär ist, und Bürger sollten nicht nur für den Tag, sondern für die nächsten fünf bis zehn Jahre wählen.
6. Persönliche Veränderung und Ausblick.
Habecks persönliche Energiequelle als Minister war sein Purpose. Er empfand es als „wahnsinniges Privileg“, Verantwortung zu übernehmen und seine Überzeugungen zu realisieren.
Seine grösste Veränderung nach dem Ausscheiden aus der Exekutive ist das Ablegen des ständigen Entscheidungsdrucks und die Befreiung vom Zwang, immer sagen zu müssen, wie es geht. Er erlebt, dass sein Leben momentan „frei“ ist, was ihm die Möglichkeit gibt, neue Ansätze im politischen Denken zu suchen und zu finden.
Habeck hat derzeit keinen konkreten Plan, was als Nächstes kommt („Ich weiss es nicht“). Er sieht dies als einen grossen politischen Gewinn, da er nach Jahren der konkreten Planung wieder „Luft unter die Flügel“ bekommt und nicht nur wiederholt, was er bereits wusste. Inspirationen findet Habeck oft in der Literatur (wie Harry Potter oder Pippi Langstrumpf). Im Alltag wird er jedoch stark von persönlichen Begegnungen und Menschen bezaubert und geleitet, wie das Beispiel einer älteren Kundin (Frau Mende/Rosi), die enthusiastisch eine Wärmepumpe in ihr Haus einbaute, zeigt.
Warum muss sich Deutschland neu erfinden? I Podcastpremiere mit Robert Habeck.
Besten Dank an den Kanal 1KOMMA5° @1komma5.
COP30 Weltklimakonferenz in Belém, Brasilien.
COP30 Weltklimakonferenz Brasilien, Bilanz 1,5-Grad-Ziel, Kipppunkte, Waldschutz, Elektrifizierung, CO2-Abscheidung und -Bepreisung. Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wurde faktisch verfehlt.
Alpine Solaranlagen im Bau und Ausbau.
Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quelle:
Besten Dank an den Kanal 1KOMMA5° @1komma5.
© Warum muss sich Deutschland neu erfinden? I Podcastpremiere mit Robert Habeck
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=lYFWv8NbYjY







