COP30 Weltklimakonferenz Brasilien, Bilanz 1,5-Grad-Ziel, Kipppunkte, Waldschutz, Elektrifizierung, CO2-Abscheidung und -Bepreisung.
Inhaltsverzeichnis.
EU ETS Emissionshandel.
Männer, die die Welt verbrennen.
COP30 Fazit.
Updates während der COP30.
Vorgeschichte des 30. Klimagipfels COP30 in Belém.
30. UN-Klimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien.
Wie sieht die Bilanz des 1,5-Grad-Ziels im Detail aus?
Welches sind die Kipppunkte Kampf gegen den Klimawandel?
Wie gross ist der Einfluss der Trump Administration gegen Klimaschutz und was ist die neue Ära der Konfrontation.
Welches sind die Inhalte der Waldschutz-Initiative (TFFF)?
Welches sind Bill Gates’ Hauptaussagen um den Konflikt um die Klimanarrative?
Welche erneuerbare Technologien gibt es im Kampf gegen den Klimawandel?
Was ist die Rolle Deutschlands und der Optimismus durch Technologie?
Welches sind die Gründe für Optimismus: Der Boom der Erneuerbaren, Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, sind heute oft wirtschaftlicher als fossile Brennstoffe.
Wie sieht die Klimafinanzierung aus und welche Anpassungen soll es geben?
Welche Massnahmen sollen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren umgesetzt werden?
Welches sind die grössten Risiken, welche die Umsetzung der Massnahmen gefährden?
Die Weltklimakonferenzen (COP) und die globalen Herausforderungen.
EU ETS Emissionshandel.
16.12.2025
Der Emissionshandel (ETS) trägt zur Prävention weiterer Konflikte bei, indem er direkt die Grundursache vieler zukünftiger globaler Konflikte – die Klimakrise – adressiert und gleichzeitig die gesellschaftliche Handlungsfähigkeit durch klare, marktwirtschaftliche Mechanismen stärkt. Mehr zu diesem Thema:
Energiezukunft: Förderung Innovationen für die Energiewende und Zukunftsgestaltung mit EU ETS Emissionshandel. Energieinnovation: zentrale Herausforderungen aus Klima, Kriegen, Krisen und Konflikten.
EU ETS Emissionshandel.
Männer, die die Welt verbrennen.
8.12.2025
Cop30: welches sind die Männer, die die Welt verbrennen? Christian Stöcker über das fossile Zeitalter. Die Lobby der fossilen Konzerne wie Donald Trump, Wladimir Putin, Mohammed bin Salman oder Charles Koch.
Im Zentrum der Diskussion steht der Widerstand einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Autokraten, Ölmilliardären und fossilen Konzernen (wie Donald Trump, Wladimir Putin, Mohammed bin Salman oder Charles Koch), deren Hauptinteresse darin liegt, ihr hochprofitables Geschäftsmodell, das täglich etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn generiert, aufrechtzuerhalten.
COP30 Fazit.
6.12.2025
Warum die Energiewende eine Denkwende ist – das fossile Zeitalter geht zu Ende und wir schauen zu. Die Denkwende: Energie sei nicht länger als Problem zu denken, sondern als Potenzial zu sehen.
Allianz gegen Öl und Gas: 80 Staaten fordern das fossile Ende. Warum redet hier bei uns niemand Klartext über Öl, Gas und Kohle? Die COP30 in Belém verdeutlichte, dass die Energiewende eine Denkwende erfordert, da der Übergang vom fossilen Zeitalter nicht nur an politischen Blockaden, sondern auch an einem veralteten Denkparadigma scheitert.
Warum die Energiewende eine Denkwende ist.
Updates während der COP30.
15.11.2025
COP30, erneuerbarer Strom, Solar-, Windenergie, Batterien, Stromnetze, nachhaltige Kraftstoffe.
COP30 Agenda, Energiesektor, erneuerbarer Strom, Solar-, Windenergie, Batterien, Stromnetze, nachhaltige Kraftstoffe. UNISA kündigt Investitionen in saubere Energie in Höhe von über 1 Billion Dollar bis 2030 an.
1. Kontext und Dringlichkeit der COP 30.
Die COP 30 in Belém wird von Brasilien als „COP der Wahrheit“ bezeichnet, da die Wissenschaft darauf hinweist, dass eine temporäre Überschreitung des 1,5°C-Ziels spätestens Anfang der 2030er Jahre unvermeidlich ist. Präsident Lula da Silva definierte die COP 30 als „COP der Umsetzung“ und der „Lösungen“. Die Welt muss sofort, schnell und umfassend handeln, um die Überschreitung so klein, kurz und sicher wie möglich zu halten. Der Prozess wird vom Geist des „Mutirão“ (gemeinschaftliches Handeln) geleitet.
2. Verhandlungen und Agenda.
Die Agenda wurde erst spät in der Nacht vor Arbeitsbeginn mit einer „fantastischen Einigung“ angenommen. Vier umstrittene Agendapunkte, die von Parteien (LMDC, AOSIS, EU) vorgeschlagen wurden, werden in Präsidentschaftskonsultationen behandelt, um einen Konsens zu finden. Diese Themen umfassen die Umsetzung von Artikel 9 Absatz 1 (Finanzierungspflicht der Industrieländer), den Umgang mit klimabezogenen unilateralen Handelsmassnahmen, die Reaktion auf den NDC-Synthesebericht (Ambitionslücke) und die Berichterstattung über Transparenzberichte (BTRs). Trotz starker Meinungsverschiedenheiten berichten die Teilnehmer von einem „gesunden Dialog“ und einem „sicheren Raum“ zur gemeinsamen Entwicklung von Lösungen.
3. Ambition und Klimaziele.
Erste Erfolge des Pariser Abkommens sind sichtbar: Die globale Kurve der Emissionen knickt zum ersten Mal nach unten. Die neuesten National Festgelegten Beiträge (NDCs) werden die Emissionen bis 2035 um 12 % reduzieren. Dennoch sind diese Fortschritte „nicht annähernd genug“. Selbst bei vollständiger Umsetzung steuern die NDCs auf einen Pfad deutlich über 2°C globaler Erwärmung zu. Es wird ein kühner und glaubwürdiger Reaktionsplan zur Schliessung der Ambitionslücke gefordert.
4. Klimafinanzierung und Investitionen.
Die COP 29 legte das Baku Finance Goal fest, welches vorsieht, mindestens 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bis 2035 zu mobilisieren. Das Endziel ist die Hochskalierung auf 1,3 Billionen US-Dollar aus allen Quellen. Die EU hat für 2024 31,8 Milliarden Euro an öffentlicher und 11 Milliarden Euro an privater Klimafinanzierung zugesagt. Die Anpassungsfinanzierung (Adaptation Finance) muss skaliert werden, und entwickelte Länder müssen ihre Zusage erfüllen, bis Ende dieses Jahres 40 Milliarden US-Dollar bereitzustellen. Der Loss and Damage Fund (Fonds für Verluste und Schäden) wird begrüsst, und eine rasche Kapitalisierung wird gefordert.
5. Energiesektor und Wende.
Die Energiewende ist der Wirtschaftstrend des Jahrhunderts. Solar- und Windenergie sind in 90 % der Welt die kostengünstigsten Energiequellen und haben Investitionen in fossile Brennstoffe (2:1) übertroffen. China und Indien spielen eine wichtige Rolle, indem sie Technologie skalieren und die Preise für Solarenergie und Batterien senken.
Wichtige Initiativen der Aktionsagenda umfassen:
- Die Belém-Erklärung zur globalen grünen Industrialisierung zur Beschleunigung der Dekarbonisierung der Industrie.
- Einen Pakt von 23 Ländern zur Vervierfachung nachhaltiger Kraftstoffe.
- Die Notwendigkeit einer langfristigen, ganzheitlichen Netzplanung und der Straffung von Genehmigungsverfahren zur Beschleunigung der Lösungen für Netze und Speicher.
6. Informationelle Integrität und ACE.
Informationelle Integrität (verfügbare, zuverlässige Informationen) wird als grundlegend für den Fortschritt beim Klimaschutz angesehen. Die Erosion dieser Integrität und die Klimakrise sind gefährlich miteinander verflochten. Über 40 % der Weltbevölkerung waren online Klimafehlinformationen ausgesetzt. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Global Initiative for Information Integrity on Climate Change von UN, UNESCO und Brasilien auf dem G20-Gipfel 2024 ins Leben gerufen und von 12 Ländern befürwortet. Action for Climate Empowerment (ACE) wird als Werkzeugkasten zur Schaffung informierter und engagierter Gesellschaften betrachtet, der sechs Elemente umfasst, darunter Bildung, öffentliches Bewusstsein und Zugang zu verlässlichen Informationen.
7. Inklusion und die Rolle des Globalen Südens.
Die Wahl Beléms (Amazonasgebiet) ist eine „Feier der indigenen Völker“. Die COP 30 gilt als die inklusivste COP für indigene Völker, mit etwa 900 akkreditierten indigenen Teilnehmern. Entwicklungsländer müssen soziale, wirtschaftliche und Klima-Agenden gleichzeitig bewältigen und würden enorm mehr tun, wenn sie finanzielle Ressourcen hätten. Länder wie Somalia, die weniger als 0,019 % der Emissionen verursachen, zählen zu den drei am stärksten betroffenen Ländern. Deutschland unterstützt die brasilianische Waldschutzinitiative „Tropical Forest Forever Fund (TFF)“ mit einem „nennenswerten Beitrag“.
(Solar-, Windenergie, Batterien, Stromnetze, nachhaltige Kraftstoffe).
15.11.2025
COP30 Klimagerechtigkeit.
COP30 Klimagerechtigkeit, 1% der Menschheit emittiert mehr Kohlendioxid als die ärmsten 66%. Die 77 Millionen reichsten Menschen der Welt verursachen 16% der Treibhausgasemissionen.
14.11.2025
Energiebereich ist Schwerpunkt der Aktionsagenda der COP30.
I. Beschleunigung der Energiewende und Finanzierung.
Der Schwerpunkt der Aktionsagenda auf dieser COP liegt auf dem Energiebereich, da hier die meisten Initiativen aus der Vergangenheit zusammengeführt werden konnten, um Blockaden zu beseitigen und Maßnahmen zu beschleunigen.
1. Verpflichtungen von UNISA (Saubere Energieinfrastruktur).
Die UNISA (eine Organisation im Bereich Infrastruktur) hob die erreichten Fortschritte, aber auch die verbleibenden großen Finanzierungslücken hervor:
- Investitionsziel: Die kumulativen Investitionen in saubere Energieinfrastruktur seit der Gründung von UNISA werden bis 2030 1 Billion US-Dollar übersteigen.
- Erreichung des Tripling-Ziels: Diese Politik soll dazu beitragen, dass UNISA-Mitglieder auf dem besten Weg sind, die auf der COP 28 vereinbarte Verdreifachung der Kapazitäten erneuerbarer Energien bis 2030 zu erreichen.
- Finanzierungslücke: Trotz der 1 Billion US-Dollar an Investitionen ist dieser Betrag bei Weitem nicht ausreichend. Er entspricht weniger als einem Zehntel der Gesamtinvestitionen, die notwendig sind, um die globalen Energiewendeziele zu erreichen.
- Unterstützung für Finanzierungsprinzipien: Da UNISA die Investitionen nicht allein tragen kann, unterstützt die Organisation die Präsidentschaft und die High-Level Champions bei der Gewinnung von Unterstützung für die Grid Financing Principles, die im September in New York lanciert wurden, um weitere Investitionen zu erschließen.
- Herausforderungen in Entwicklungsländern: Entwicklungsländer stehen weiterhin vor Barrieren beim Zugang zu Finanzmitteln für ihre Netze. Der Fortschritt konzentriert sich derzeit zu stark auf Asien, Europa und Nordamerika, was dringend geändert werden muss.
2. Fahrplan und Empfehlungen für Netze und Speicherung.
UNISA wird in Kürze ihren globalen Fortschrittsbericht über das auf der COP 29 festgelegte Versprechen zu Energie- und Speichernetzen veröffentlichen. Dieser Bericht wird klare Empfehlungen enthalten, um schnellere Fortschritte zu ermöglichen:
- Regulierung: Regulierungsbehörden müssen vorausschauende Investitionen ermöglichen und den Entwicklern in der Lieferkette längerfristige Planungssicherheit bieten.
- Langfristige Planung: Es ist eine ganzheitliche, viel längerfristige Netzplanung erforderlich, die sich an den Bedürfnissen des Energiesystems von 2050 orientiert.
- Prozesse: Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen gestrafft werden.
- Optimierung: Es ist ein viel stärkerer Fokus auf Flexibilität bei Netzen, Erzeugung und Speicherung sowie eine größere Optimierung der bestehenden Kapazitäten erforderlich.
3. Schlüsselbereiche der COP 30 Aktionsagenda.
Die Aktionsagenda baut auf bereits bestehenden Initiativen auf:
- Industrie-Dekarbonisierung: Initiativen wie die Bain-Erklärung zur globalen grünen Industrialisierung bringen die ITA (COP 28) und die Breakthrough Agenda (COP 26) zusammen. Sie sollen die Dekarbonisierung der Industrie durch die Zusammenarbeit von Privatsektor und Regulierungsbehörden beschleunigen.
- Netze und Speicherung: Hier steht die Green Grids Initiative im Mittelpunkt, die einen Plan zur Beschleunigung von Lösungen vorantreibt.
- Nachhaltige Kraftstoffe: Dies ist ein relativ neues Thema auf der COP-Agenda. Es wurde eine Verpflichtung zur Vervierfachung (four-fold increase) nachhaltiger Kraftstoffe in die Agenda aufgenommen. Bislang haben 23 Länder diese Vervierfachung unterstützt, darunter Brasilien, Kanada, Chile, Indien, Japan, die Malediven, Mexiko, die Niederlande und Sambia. Ein Plan zur Beschleunigung von Lösungen beinhaltet Maßnahmen zur Schaffung von Nachfrage, transparente Kohlenstoffbilanzierung, Infrastrukturentwicklung und Handel.
- Energieeffizienz: Dies ist ein weiteres großes Thema, das heute hervorgehoben wird, unterstützt durch die Initiative Sustainable Energy for All.
- Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Initiativen wie BOGA und Kofi werden ebenfalls Ergebnisse zu ihrem Fortschritt bekannt geben.
II. Die entscheidende Rolle der politischen Führung.
Die Wichtigkeit der politischen Richtung für private Investitionen wurde stark betont:
- Klarheit ist essenziell: Eine klare Energiepolitik ist absolut entscheidend, um festzulegen, wohin der Privatsektor seine Investitionen lenkt. Energie ist ein zentrales politisches Thema, da Stromausfälle sofort die Wähler betreffen.
- Ziele und Planung: Regierungen müssen Ziele festlegen und insbesondere Pläne dafür aufzeigen, wo sie Investitionen sehen wollen. Wenn man alles dem Markt überlässt, entstehen Probleme.
- Langfristige Sicherheit: Klare politische Steuerung und Pläne ermöglichen vorausschauende Investitionen. Da die Lieferketten lange dauern und große Anlagen wie Offshore-Windparks Jahre in der Planung (nahezu ein Jahrzehnt) und im Bau (vier Jahre) beanspruchen, schafft politischer Wille das richtige Umfeld, um Investitionen kosteneffektiv für die Öffentlichkeit zu realisieren und letztendlich niedrige Tarife zu gewährleisten.
III. Interne Herausforderungen und Proteste.
Die brasilianische Präsidentschaft musste auf Fragen zu internen Abläufen und den Protesten Indigener Völker antworten:
- Umgang mit der UN: Die Präsidentschaft bestätigte, dass sie einen Brief der UN erhalten hatte, der einige Punkte der Organisation kritisierte. Die Kommunikation mit der UN sei "fließend", man reagiere auf die Briefe, handle bei einigen Fragen und arbeite weiter zusammen.
- Proteste Indigener Völker: Nach zwei größeren Störungen innerhalb von vier Tagen wurde die Kritik thematisiert, dass sich indigene Völker nicht ausreichend gestärkt fühlten.
- Reaktion der Präsidentschaft: Die Präsidentschaft betonte, der Grund, warum die COP in der Amazonas-Region stattfinde, sei gerade, um die Indigenen zu hören. Ministerin Sonia Guajara leite den "Circle of the People".
- Inklusivität: Es wurde argumentiert, dass diese COP die inklusivste COP für indigene Völker sei, mit etwa 900 akkreditierten Personen (im Vergleich zu etwa 300 bei früheren COPs). Die Manifestationen seien legitim, man führe einen Dialog über ihre Forderungen, die sowohl die COP-Prozesse als auch nationale Politiken betreffen.
- Sicherheit und Protokolle: Bezüglich der erhöhten Sicherheitspräsenz wurde erklärt, dass die Präsidentschaft die Protokolle für Sicherheit und Proteste befolgt, die zwischen den Vereinten Nationen und der brasilianischen Regierung vereinbart wurden. Proteste seien Teil der Demokratie, und solange alle die Protokolle einhielten, werde alles gut laufen.
14.11.2025
Globale Klimaziele und COP30.
Erneuerbare Energien sind stark gewachsen.
COP30, Treibhausgasemissionen auf Rekordniveau, globale Energie Revolution, Investitionen in saubere Energie. Erneuerbare Energien sind stark gewachsen und liefern nun 40 Prozent des weltweiten Stroms.
Die globale Klimasituation ist von einem Paradoxon geprägt: Einerseits schreitet die technologische Energiewende mit hoher Geschwindigkeit voran, andererseits steigen die Emissionen weiter an, was das Erreichen kritischer Klimaziele bedroht. Die COP30 in Belém, Brasilien, muss als „COP der Umsetzung“ diesen Graben schließen.
I. Globaler Status: Kritische Bilanz
Trotz des Pariser Abkommens ist die Welt an einem kritischen Punkt angelangt.
- Erwärmung und Budget: Die globale Durchschnittstemperatur lag von Januar bis August 2025 bereits 1,42 °C über dem vorindustriellen Niveau. Die UN hält ein Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze für „unvermeidlich“. Der weltweite CO2-Ausstoß wird 2025 voraussichtlich um 1,1 Prozent steigen, und das verbleibende CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel wird bei Fortsetzung des aktuellen Niveaus noch vor 2030 aufgebraucht sein.
- Auswirkungen: Die Treibhausgasemissionen liegen mittlerweile 65 Prozent über dem Niveau von 1990. Die Folgen des Klimawandels haben in den letzten zehn Jahren 250 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.
II. Die Dynamik der Energiewende
Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von einer „Revolution im Energiesektor“.
- Erfolge bei Sauberen Energien: Erneuerbare Energien liefern mittlerweile 40 Prozent des weltweiten Stroms. Die Solarkapazität verdoppelt sich alle drei Jahre, und Investitionen in saubere Energie sind inzwischen doppelt so hoch wie in fossile Brennstoffe.
- Peak Fossile: Die Nachfrage nach Öl und Kohle wird laut dem Stated Policies Scenario (STEPS) spätestens bis 2030 ihren Höhepunkt erreichen.
III. Der Auftrag für die COP30 und Finanzierung
Das World Resources Institute (WRI) schlägt fünf Maßnahmen vor. Am dringendsten ist ein glaubwürdiges Finanzpaket:
- Finanzierungsziel (NCQG): Industrieländer müssen sich darauf einigen, bis 2035 jährlich mindestens 300 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, um ein Gesamtziel von 1,3 Billionen US-Dollar zu erreichen.
- Sektorale Ziele: Kurzfristig muss die Verdreifachung erneuerbarer Energien und die Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030 erfolgen.
IV. Regionale und Politische Kontraste
- China-Paradox: China ist der größte Emittent (13,12 Gigatonnen CO2 in 2024), aber auch der heimliche Treiber der globalen Wende. Die chinesischen Emissionen stagnieren oder fallen seit 18 Monaten, angetrieben durch den massiven Ausbau von Solar- und Windkraft und E-Mobilität, was eine globale „Exportwirkung“ für günstige Klimatechnologien entfaltet.
- USA: Die Vereinigten Staaten schicken keine Delegation zur COP30, nachdem sie sich vom Pariser Konsens verabschiedet haben.
- Deutschland/EU: Die EU strebt eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 90 Prozent bis 2040 an. Deutschland gerät in die Kritik, weil es seine traditionelle Vorreiterrolle aufgibt und sich bei konkreten finanziellen Zusagen für internationale Initiativen, wie Brasiliens Tropical Forest Forever Facility (TFFF), zurückhält.
COP30, Treibhausgasemissionen auf Rekordniveau.
14.11.2025
Der "COP der Städte".
I. Die zentrale Rolle subnationaler Regierungen (Städte und Staaten)
Die Sprecher betonten wiederholt die Notwendigkeit, subnationale Regierungen in den Mittelpunkt der Klimadiskussionen zu stellen, da sie entscheidend für die Erreichung der globalen Klimaziele sind:
- Der "COP der Städte": Es wurde argumentiert, dass die aktuelle Konferenz – angesichts des Standorts – die "COP der Städte" sein muss, da nur so die von den nationalen Führern gesetzten Ziele erreicht werden können.
- Emissionsherkunft und Bevölkerung: 80 % der Emissionen des Planeten stammen aus Städten, und bis 2050 werden 70 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Daher müsse die Stadt im Zentrum der Diskussion stehen.
- Vertrauen und Ergebnisse: Das Vertrauen in lokale Führungskräfte (Gouverneure, Bürgermeister) ist oft höher als das Vertrauen in nationale Führungskräfte. Wenn nationale Führer zurücktreten, verstärken Bürgermeister und Gouverneure ihre Bemühungen. Die Ergebnisse Kaliforniens zeigen, dass Wirtschaftswachstum und Emissionsreduzierung Hand in Hand gehen können: Seit 2000 wurden die Treibhausgase um 21 % reduziert, während das BIP um 81 % gewachsen ist.
II. Konkrete Maßnahmen und Ankündigungen.
Der Tag war von zahlreichen Ankündigungen und der Betonung der Implementierung geprägt:
- Städtische Führung (CHAMP): Es gab ein wichtiges Treffen unter der Führung der brasilianischen und deutschen Regierungen zur CHAMP-Koalition, welche die Führungsrolle der Städte verdeutlicht.
- "Beat the Heat"-Kampagne: Im Rahmen des Implementierungstages sprachen mehr als 185 Städte über konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung extremer Hitze, darunter Pflanzung von Bäumen, Kühlzusagen und Finanzierung.
- Wasserinvestitionen: Es wurde die Ankündigung von Investitionsprogrammen für Wasser in Lateinamerika und der Karibik mit 20 Milliarden US-Dollar für Klimaresilienz und Wassersicherheit bis 2030 bekannt gegeben.
- Abfallwirtschaft: Die Kampagne zur Einführung des "no organic waste" (jetzt)-Plans wurde gestartet, um Lösungen für organische Abfälle zu beschleunigen, was für viele Entwicklungsländer wichtig ist.
- Jahresbericht: Das Jahrbuch 2025 zur globalen Klimaaktion der Climate Champions soll veröffentlicht werden.
III. Schlüsselherausforderungen und Forderungen.
Zwei zentrale Themen dominierten die Forderungen subnationaler Akteure: Finanzierung und Governance.
A. Finanzierung (Funding).
Die Verfügbarkeit von Mitteln auf subnationaler Ebene wurde als das wichtigste zu behandelnde Thema bei der COP30 hervorgehoben:
- Es gibt Studien, die zeigen, dass nur 10 % bis 20 % der Mittel aus Klimafonds die Städte und Kommunen erreichen.
- Ohne diese Mittel können die subnationalen Gebietskörperschaften die notwendigen Arbeiten zur Widerstandsfähigkeit und Anpassung nicht durchführen, wie zum Beispiel die Makro-Entwässerung (um Überschwemmungen zu verhindern, wie in Hugenus, Brasilien), die Hangbefestigung (gegen Erdrutsche), die Dekarbonisierung von Fahrzeugflotten oder die ordnungsgemäße Entsorgung von Abwasser.
B. Governance und Dialog.
Die lokalen Regierungen (LGMA) forderten eine stärkere institutionelle Verankerung im UN-Klimaprozess:
- Sie verlangen einen "permanenten Mechanismus" innerhalb des UNFCCC-Prozesses, der einen ständigen Dialog mit der LGMA-Wählerschaft ermöglicht.
- Dieser Mechanismus soll es ihnen ermöglichen, ihre Aktionen, Angebote und Forderungen nach Ressourcen für die Umsetzung der nationalen Klimapläne (NDCs) auf globaler Ebene vorzubringen.
- Es wurde gefordert, dass mehr Länder die CH-Erklärung unterzeichnen, da die subnationalen Führer die Prioritäten festlegen sollten, um Ziele zu erreichen, und nicht die Zentralregierungen.
IV. Die US-amerikanische Perspektive und Kaliforniens Führung.
Gouverneur Gavin Newsom aus Kalifornien lieferte eine starke Einschätzung der US-Klimapolitik und stellte die Führungsrolle seines Staates heraus:
- Abgrenzung zur Bundesregierung: Newsom bezeichnete die Haltung der Trump-Administration als "eine Gräueltat" und "eine Schande", da sie jede Verantwortung und Führung im Klimabereich aufgegeben habe. Er betonte, dass Kalifornien ein stabiler und zuverlässiger Partner für kohlenstoffarmes grünes Wachstum sei.
- Wirtschaftliche Macht: Kalifornien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Newsom betonte, dass der Wettbewerb nicht um elektrische Energie, sondern um wirtschaftliche Macht gehe.
- Pionierrolle: Kalifornien hat 23 % seiner Energie aus sauberer Energie bezogen und an neun von zehn Tagen in diesem Jahr zeitweise 100 % saubere Energie genutzt. Es wurden zukunftsweisende Programme wie das "Cap and Invest"-Programm bis 2045 verlängert.
- Sprache und Framing: Er forderte die Demokraten und die globale Gemeinschaft auf, den Klimawandel als Kosten-des-Lebens-Problem (Cost of Living Issue) und als Wirtschaftsthema neu zu definieren, da abstrakte Begriffe wie 1,5 Grad Celsius bei Wählern oft nicht verfangen.
- Konflikt mit Trump: Newsom erklärte, dass Trumps Pläne, neue Öl- und Gasbohrungen vor der Küste Kaliforniens zuzulassen, "von Anfang an zum Scheitern verurteilt" seien ("dead on arrival"). Er kritisierte zudem Trumps Versuche, die Rechte Kaliforniens gemäß dem Clean Air Act zu eliminieren.
V. Stand der Verhandlungen.
- Die Verhandlungen über die vier Hauptthemen waren sehr intensiv. Ein Treffen am Vortag, das für zwei Stunden angesetzt war, dauerte vier Stunden, und die Gespräche setzten sich fort.
- Die Diskussionen über die "gerechte Transition" (Just Transition) haben begonnen und führten zu sehr soliden und konkreten Vorschlägen für das weitere Vorgehen.
- Konsultationen zur Agenda-Arbeitsgruppe fanden ebenfalls statt.
14.11.2025
Zentrale Bedenken zur Klimafinanzierung.
Im Rahmen der Diskussion wurde eine wichtige Frage von Swamia Sarkcar aus Indien gestellt. Die Frage bezog sich auf die Finanzierung und darauf, was der COP-Prozess tun kann, um sicherzustellen, dass die Klimafonds, die den Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden, nicht zu einer weiteren Schuldenfalle werden.
Der Stand der Verhandlungen und die Stimmung.
Der Sprecher äußerte die Hoffnung, dass die Verhandlungen am 21. enden werden, und betonte, dass große Anstrengungen unternommen werden, dieses Ziel zu erreichen.
Es gibt starke Anzeichen dafür, dass der Prozess von den Parteien vorangetrieben wird, und die Parteien seien sehr konstruktiv gewesen. Der Sprecher hob hervor, dass eine sehr gute Stimmung unter den Parteien herrscht und es auch einen sehr guten Austausch mit den Beobachtern gab. Gestern (vor der Aufnahme) hätten sehr interessante Diskussionen stattgefunden.
Insgesamt herrscht die klare Auffassung, dass alle Anwesenden der Welt zeigen wollen, dass Multilateralismus funktioniert und dass alle gemeinsam daran arbeiten, dies zu beweisen. Der Sprecher ist der Meinung, dass man sich in die richtige Richtung bewegt.
Wichtige Klarstellung zum Fahrplan.
Ein wesentlicher Punkt der Diskussion war die Klarstellung eines Missverständnisses bezüglich der für Samstag angesetzten Gespräche.
Es gab offenbar einige Personen, die annahmen, dass es bei der ersten Frage um den möglichen Fahrplan für fossile Brennstoffe ginge, den Präsident Lula erwähnt hatte.
Der Sprecher stellte jedoch klar, dass die Samstagsdiskussion sich tatsächlich auf den Fahrplan zu 1,3 Billionen US-Dollar bezieht. Dieser Fahrplan, bekannt als der „Baku to Bain 1.3 trillion road map“, wurde in der Woche zuvor von Minister Babayev und dem Sprecher veröffentlicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fokus der aktuellen Gespräche neben der positiven Stimmung und dem Wunsch, den Erfolg des Multilateralismus zu demonstrieren, auf der Lösung der Frage der Klimafinanzierung ohne Schaffung neuer Schuldenfallen liegt, wobei der konkrete Fahrplan von Baku nach Bain im Zentrum der kommenden Beratungen steht.
14.11.2025
Kanada: 392 Millionen Dollar für Klimaprojekte.
COP30-Klimakonferenz, Kanada: 392 Millionen Dollar für internationale Klimaprojekte und Entwicklungsprojekte. Kanadas Regierung argumentiert: Klimaschutzmassnahmen und wirtschaftlicher Wohlstand gehen Hand in Hand.
Kanada: 392 Millionen Dollar für Klimaprojekte.
14.11.2025
COP30 und Schweizer Klimapolitik.
COP30, Schweizer Uhren ticken langsamer als die Geschwindigkeit des Klimawandels, trotz Gletschersterben und Rekordhitze. Wissenschaftliche Ursachen und Gewissheit: Klimaveränderungen sind auf den Menschen zurückzuführen.
COP30 und Schweizer Klimapolitik.
13.11.2025
Chinas Aufstieg zur globalen Klima-Macht.
COP30, Chinas Aufstieg zur globalen Klima-Macht, die CeanTec Revolution, Erneuerbare, Elektrifizierung, USA Handelskrieg. Die Führungsrolle China’s ist nicht nur technologisch und industriell, sondern zunehmend auch geopolitisch relevant.
1. Chinas Technologische Dominanz und der "Business Case".
China hat die Führung bei der globalen Energiewende übernommen und seine Dominanz lange vor der COP 30 gefestigt. Für China ist der Klimaschutz primär ein "Business Case" und eine Zukunftsbranche, die eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft ist. Das Land bricht kontinuierlich seine eigenen Rekorde beim Ausbau erneuerbarer Energien:
- Produktion und Geschwindigkeit: China produziert über 60 % der weltweit massengefertigten grünen Technologien. Im Jahr 2024 fertigte China 92 % der weltweiten Solarmodule und 82 % der Windturbinen.
- Wachstum: China schuf in nur sechs Monaten doppelt so viel Solarkraftkapazität, wie Deutschland in 25 Jahren erreicht hat. Der Wert der chinesischen Exporte sauberer Energien im ersten Halbjahr 2024 war 50 % höher als die US-amerikanischen Öl- und Gasexporte.
2. Geopolitische Abhängigkeit und Hebelwirkung.
Die frühe und aggressive Investitionsstrategie Chinas hat das Land in eine strategische Vormachtstellung gebracht. Dies führt zu einer potenziell gefährlichen Abhängigkeit des Westens:
- Europäische Abhängigkeit: Europa und Deutschland haben es versäumt, ihre eigene Solarindustrie zu schützen, weshalb der Westen heute zu fast 100 % von China bei Solarpaneelen abhängig ist. Diese Situation stellt eine neue Energiesicherheitskrise und einen Verlust technologischer Souveränität für Europa dar.
- Geopolitischer Zwang: China nutzt seine Dominanz gezielt als geopolitischen Hebel. Als Reaktion auf westliche Beschränkungen nutzte China seine Kontrolle über die physische Produktion (wie im Nexperia-Konflikt, der die europäische Automobilindustrie traf) und seine nahezu 90%ige Dominanz bei der Veredelung Seltener Erden, um den niederländischen Hochtechnologiesektor (ASML) zu bedrohen.
3. Das China-Paradoxon: Emissionen und Kohle.
Trotz seiner Führungsrolle bei Klimalösungen steht China vor erheblichen Herausforderungen:
- Grösster Emittent: China ist der weltweit grösste CO2-Emittent und für etwa ein Drittel der globalen Emissionen verantwortlich.
- Unambitionierte Ziele: Das offizielle Ziel Chinas ist die Klimaneutralität erst bis 2060. Die zugesagte Emissionsreduktion bis 2035 (7 % bis 10 % gegenüber dem Höchststand) wird international als unzureichend kritisiert, um das 1,5°C-Ziel zu erreichen.
- Kohleausbau: Das sogenannte "Kohle-Paradoxon" beschreibt, dass Kohle immer noch etwa 55 % der gesamten Stromerzeugung ausmacht, und China im ersten Halbjahr fast 50 GW neuer Kohlekraftwerkskapazität in Betrieb genommen hat – das schnellste Tempo seit 2010.
Chinas Aufstieg zur globalen Klima-Macht.
13.11.2025
COP30 Gavin Newsom, Brückenbauer aus Kalifornien: neues Denkmodell und wirtschaftlicher Fokus.
COP30 Gavin Newsom, Kalifornien: neues Denkmodell, Erneuerbare, Elektrifizierung, Energiewende und Klimaschutz. Brückenbauer Newsom: statt abstrakte Umweltziele - konkrete wirtschaftliche Macht, Lebenshaltungskosten und Prosperität.
Gouverneur Newsom wirbt für ein komplett neues Denkmodell im Klimaschutz, das den Fokus von abstrakten Umweltzielen auf konkrete wirtschaftliche Macht, Lebenshaltungskosten und Prosperität verlagert. Die zentrale Botschaft lautet, dass Klimaschutz als "cost of living issue" (Thema der Lebenshaltungskosten) positioniert und die Debatte von "electric power" auf "economic power" umformuliert werden muss.
Kalifornien als Beweisstück für Erfolg Kalifornien, die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt, dient als Nachweis dafür, dass Wirtschaftswachstum und CO2-Reduktion Hand in Hand gehen können. Der Bundesstaat hat seine Treibhausgasemissionen seit 2000 um 21 % gesenkt, während das BIP um 81 % stieg:
- Der Staat bezieht bereits zwei Drittel (67 %) seiner Energie aus sauberen Quellen.
- Kalifornien verfügt über siebenmal mehr grüne Energie-Jobs als Arbeitsplätze im Bereich fossiler Brennstoffe.
- Klare, langfristige Regulatorien, wie die Verlängerung des Cap-and-Invest-Programms bis 2045 und das ZEV-Mandat (100 % emissionsfreie Neuwagenverkäufe bis 2035), bieten Planungssicherheit und ziehen Investitionen an.
Geopolitischer Wettkampf und Kritik an der US-Regierung Die Abwesenheit der US-Bundesregierung unter Donald Trump bei der COP30 wird von Newsom scharf kritisiert, der Trump als das "polluted heart of the climate crisis" (verschmutzte Herz der Klimakrise) bezeichnet. Newsom sieht Trumps Politik als "own goal" (Eigentor), das die globale Wettbewerbsfähigkeit der USA gefährdet.
Newsom betont, dass die USA "aufwachen" müssen, um den wirtschaftlichen Wettlauf gegen China nicht zu verlieren. China dominiert bereits massiv die globale Fertigung und Produktion von Solartechnik (88 % der weltweiten Produktion) und Batterien. Trotz der nationalen Blockade führen subnationale Akteure (wie Kalifornien) den Fortschritt an und bleiben stabile internationale Partner.
COP30 Gavin Newsom, Kalifornien: neues Denkmodell.
12.11.2025
Führung Globaler Süden (BRICS).
COP30 Belém, Brasilien: EU Green Deal, Führung Globaler Süden (BRICS), NCQG-Ziele, Klimakompensationen mit Carbon Offsets. Prognostizierte Erderwärmung von 2,8°C bis zum Ende des Jahrhunderts (Vereinte Nationen).
Der komplexe Zustand des internationalen Klimaregimes anlässlich der COP30 in Belém, Brasilien und die Führungsfrage, Klimafinanzierung und Klimagerechtigkeit.
1. Aktueller Kontext und Krisenlage.
Die Klimakonferenz COP 30 in Belém markiert das zehnjährige Jubiläum des Pariser Abkommens. Die Zuversicht, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, ist geschwunden. Setzt man die gegenwärtigen Massnahmen fort, prognostizieren die Vereinten Nationen eine Erderwärmung von 2,8°C bis zum Ende des Jahrhunderts. Die Bilanz des Abkommens ist gemischt, und es besteht eine riesige Ambitionslücke bei den national festgelegten Beiträgen (NDCs).
2. Fragmentierte Führung im Klimaschutz.
Die Führung ist momentan aufgeteilt und nicht eindeutig verteilt:
- Vertragliche Führung: Industrieländer sind vertraglich verpflichtet voranzugehen und Klimamittel bereitzustellen.
- Technologische Führung: China gilt als Supermacht in erschwinglichen erneuerbaren Energien und ist Vorbild für den Globalen Süden.
- Politischer Rückzug: Die USA sind als grösster historischer Emittent erneut aus dem Klimaabkommen ausgestiegen und gelten als der grösste Petrostaat der Welt. Eine starke Europäische Union (EU), deren Green Deal historisch den Klimapfad verbesserte, wird als notwendig erachtet, kämpft aber mit einem Rechtsruck und Mängeln in der Ambition.
Neue Dynamik: Brasilien versucht, als Gastgeber einen Multilateralismus des Globalen Südens (BRICS, G77) zu etablieren, der Wirtschaft und Armutsbekämpfung fokussiert.
Zivilgesellschaft und Gerechtigkeit: Die vitalsten Impulse kommen oft aus der Zivilgesellschaft und den Ländern des Globalen Südens, die den Druck aufrechterhalten.
3. Enttäuschung über das neue Klimafinanzierungsziel (NCQG) Das NCQG (New Collective Quantified Goal) ersetzt ab 2025 das alte 100-Milliarden-Dollar-Ziel.
Quantität: Es sieht 300 Milliarden USD jährlich ab 2035 vor. Dies wird als grosse Enttäuschung betrachtet, da die Bedarfe bereits in Billionenhöhe geschätzt werden und allein die Finanzierungslücke für die Anpassung höher ist als das gesamte NCQG-Ziel.
Qualität: Es gibt keine klare Zusage für mehrheitlich öffentliche, zuschussbasierte und neue zusätzliche Mittel. Stattdessen wird auf Kreditaufnahme und die Hebelung von Privatkapital gesetzt, was für unrentable, aber notwendige Bereiche wie Anpassung oder Verluste und Schäden (Loss and Damage) ungeeignet ist.
4. Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH).
Ein potenziell bahnbrechender Faktor ist das Rechtsgutachten des IGH vom Juli. Obwohl nicht rechtsbindend, erhöht es den moralischen und juristischen Druck auf die Staaten:
- Verpflichtungen: Das Gutachten stellt klar, dass Staaten rechtlich verpflichtet sind, Klimaschutz zu betreiben und dass NDCs nicht freiwillig sind.
- Klimagerechtigkeit: Es bringt zentrale Themen wie Haftung, Wiedergutmachung und Reparationen in den Raum.
- Fossile Brennstoffe: Es macht deutlich, dass die fortgesetzte Subventionierung fossiler Brennstoffe und die Vergabe von Explorationslizenzen gegen internationales Recht verstossen.
5. Die Gefahr von Klimakompensationen.
Der Fokus auf marktbasierte Lösungen wie Klimakompensationen (Carbon Offsets) wird kritisiert. Experten bezeichnen diese als "Etikettenschwindel" und "moderner Ablasshandel". Es besteht die Sorge, dass der Kauf dieser Zertifikate auf das NCQG angerechnet wird, wodurch keine zusätzlichen Klimamittel ("Hot Climate Finance") für den Globalen Süden generiert werden.
Die Führung im Klimaschutz gleicht momentan einem Orchester, in dem der Dirigent (die Industrieländer) abgelenkt ist, während China, der Globale Süden und die Zivilgesellschaft mit voller Kraft versuchen, die Musik am Laufen zu halten.
Führung Globaler Süden (BRICS).
12.11.2025
TFFF, IMO und US-Druck auf die EU.
COP30 Weltklimakonferenz Brasilien, TFFFF und Blended Finance Modell, IMO und US-Druck auf die EU. Neue Nationally Determined Contributions (NDCs) mit Zielen für 2035.
Die alarmierenden wissenschaftlichen Fakten und der massive Widerstand gegen den Klimaschutz.
I. Agenda und Ziele der COP30.
Die COP30, die in Belém am Amazonas stattfindet, hat das Ziel, das globale Klimadiplomatieprojekt am Leben zu erhalten. Sie knüpft an das Pariser Abkommen von vor zehn Jahren an, das die Staatengemeinschaft verpflichtete, die Erderwärmung deutlich unter 2°C zu halten und 1,5°C anzustreben.
Die konkrete Agenda umfasst drei Hauptpunkte:
1. Neue NDCs: Staaten sollen turnusgemäss neue, ambitioniertere Emissionsminderungsbeiträge (Nationally Determined Contributions – NDCs) einreichen, diesmal mit Zielen für das Jahr 2035.
2. Klimafinanzierung: Die Konkretisierung des Ziels, bis 2030 rund 1,35 Billionen Dollar für den Klimaschutz im Globalen Süden zu mobilisieren.
3. Fossiler Ausstieg: Die Operationalisierung des Ausstiegs aus fossiler Energie.
II. Wissenschaftliche Dringlichkeit und technologischer Fortschritt.
Die Konferenz findet vor dem Hintergrund einer dramatischen Klimakrise statt:
- Tipping Points: Die wissenschaftlichen Befunde deuten darauf hin, dass die Welt kurz vor entscheidenden Tipping Points steht, die katastrophale Veränderungen auslösen könnten.
- 1,5°C Überschreitung: Im Jahr 2024 wurde erstmals beobachtet, dass die globale Erderwärmung an einem Tag 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau überschritten hat.
Trotz dieser Dringlichkeit gibt es positive Entwicklungen: Saubere Energiequellen (Erneuerbare Energien) sind mittlerweile billiger zu haben als jede bisher dagewesene Form der Elektrifizierung. Dies gilt beispielsweise als die billigste Methode, um über 600 Millionen Menschen in Afrika erstmals mit Strom zu versorgen (Kombination aus Solarpanelen und Batterien aus China).
III. Widerstand und Sabotage des Klimaschutzes.
Der Fortschritt wird durch einen komplexen Widerstand gehemmt, der in drei Dimensionen auftritt:
1. Fossile Industrien: Der Kampf von etablierten Interessen, wie der Verbrennerindustrie, die sich gegen die entschiedene Zukunft batteriegetriebener Elektrofahrzeuge wehren.
2. Militanter Ideologischer Widerstand (USA): Hauptsächlich getragen von der Trump-Administration in den USA, die eine bewusste Sabotage der Energiewende und einen militanten Rollback der Klimapolitik verfolgt.
3. Materielle Zwänge: Die Verschiebung oder Lockerung von Massnahmen in Europa, Kanada und Brasilien aufgrund von Rezession, hohen Zinsen oder Lebenshaltungskosten.
Ein bezeichnendes Beispiel für den militanten US-Widerstand ist der Vorfall bei der International Maritime Organization (IMO), wo die USA, Saudi-Arabien und Russland ein Abkommen zur Emissionsminderung im Schiffsverkehr (der 2 % der globalen Emissionen ausmacht) blockierten. Die Amerikaner sollen dabei "mafiös" vorgegangen sein und technischen Delegierten aus vulnerablen afrikanischen Staaten mit persönlichen Sanktionen gedroht haben, um ein Veto zu erzwingen.
IV. Die Tropical Forest Forever Facility (TFFF).
Brasilien hat die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) vorgeschlagen, ein innovatives Finanzierungsinstrument zum Schutz der Regenwälder:
- Ziel: Die TFFF soll Anreize (z. B. 4 USD pro Jahr pro Hektar) schaffen, um etwa eine Milliarde Hektar bestehender Regenwälder zu bewahren.
- Finanzierung (Blended Finance): Um die jährlich benötigten Subventionen von 4 Milliarden USD dauerhaft zu erwirtschaften, soll ein stehender Fonds mit einem Volumen von 125 Milliarden USD etabliert werden. Dafür sollen 25 Milliarden USD öffentlicher Gelder 100 Milliarden USD privates Kapital mobilisieren.
- Kritik: Dieses Blended Finance Modell wird kritisch gesehen, da das öffentliche Geld als erste Versicherungsschicht dient. Dies führt zu einer Sozialisierung der Risiken (durch die Staaten) und einer Privatisierung der Gewinne (für die Privatanleger), was als Armutszeugnis der Politik interpretiert wird, die 4 Milliarden USD nicht direkt aufbringen könne.
TFFF, IMO und US-Druck auf die EU.
12.11.2025
Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung.
COP30 Weltklimakonferenz – Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung, Energiekrise, Geopolitik und Strukturwandel. Strukturelle Abhängigkeiten als Sicherheitsrisiko, geopolitische Zwänge und die Strategie der Elektrifizierung.
Notwendige Neuausrichtung Deutschlands.
Robert Habeck erstellt eine tiefgehende Analyse zur notwendigen Neuausrichtung Deutschlands angesichts der globalen Klimakrise, geopolitischen Zwänge und strukturellen Behäbigkeit. Die zentralen Themen sind die Elektrifizierungsstrategie und die Forderung nach einem fundamentalen Strukturwandel.
I. Die Elektrifizierung als zentrale Strategie.
Robert Habeck, der nach seinem Ausscheiden aus der Exekutive in einem dänischen Think Tank arbeitet, plädiert dafür, dass Deutschland und Europa sich neu erfinden müssen, indem sie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überwinden.
Die Elektrifizierung ist der Schlüssel zur Unabhängigkeit und Sicherheit:
- Sicherheitsgewinn: Die Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels (Elektrifizierung) entspricht exakt der Strategie, die für die geopolitische Unabhängigkeit erforderlich ist.
- Abhängigkeitsrisiko: Deutschland gibt jährlich 80 Milliarden Euro für fossile Energien aus, die an Akteure fliessen, die nicht immer wohlwollend gegenüber Europa eingestellt sind und im Grunde nicht subventioniert werden sollten.
- Heimische Quelle: Im Gegensatz zu Gas- oder Öllieferungen (selbst US-LNG schafft Abhängigkeiten) kann Strom in Europa selbst erzeugt werden ("unser Strom"), und die Leitungen können innerhalb Europas gebaut werden. Eine stärkere Elektrifizierung (E-Autos, elektrische Heizung, Industrie) macht das Land unabhängiger vom Erpressungspotenzial.
- Existenzielle Bedeutung: Habeck argumentiert, dass beim Klimaschutz nicht nur das Klima geschützt wird, sondern "Freiheit, liberale Demokratie" und die Möglichkeit menschlichen Lebens in der Zukunft.
II. Ökonomie, Markt und Rentabilität
Die Wende zur Elektrifizierung ist nicht nur sicherheitspolitisch geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll:
- Kostenvorteil: Erneuerbare Energien (EE) sind zur günstigsten Technik geworden, um den Energiehunger von Ländern zu stillen. Habeck nennt China als Beispiel, das massiv EE ausbaut, weil es die günstigste Technik ist, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
- Weltmarktorientierung: Deutschland muss für den Weltmarkt produzieren, da die Konzentration auf die Produktion für 80 Millionen Deutsche das "sicherste Rezept zur Verarmung" wäre. Der Weltmarkt tendiert klar zu EE, Speicherformen, digitaler Technik und flexiblen Systemen.
- Nutzen für Verbraucher: Die Elektrifizierung muss durch flexible Systeme (z. B. Smart Meter) dazu dienen, Kostenvorteile zu erzielen, indem Strom dann verbraucht oder Batterien dann geladen werden, wenn die Preise sehr günstig sind.
III. Strukturelle Herausforderungen und Neuerfindung.
Der grösste Bremsklotz ist die strukturelle Behäbigkeit ("Vorsorge-Paradox"):
- Der Nachteil des Erfolgs: Für ein reiches, industriell entwickeltes Land ist es komplizierter, eine gutlaufende Industrie zu verändern, da der Ballast bestehender Fliessbänder (z. B. in der Automobilindustrie) überwunden werden muss.
- Forderung nach Innovation: Deutschland muss sich "neu erfinden". Dies bedeutet, neue Technik zu erfinden, statt nur das Bestehende "noch ein bisschen besser" zu machen. Es gilt, Zukunftstechnologien wie Wärmepumpen und batteriebetriebene Antriebe im eigenen Land voranzubringen und zu beherrschen.
- Smart Meter Desaster: Ein konkretes Beispiel für die Behäbigkeit ist der langsame Rollout der Smart Meter, behindert durch langwierige Zertifizierungen und behördliches "Fingerhakeln".
IV. Politische Kommunikation.
Politiker müssen die Stärke haben, das Richtige zu tun, auch wenn es nicht populär ist, und Wähler sollten weitsichtig wählen. Habeck kritisiert die "Tribünenpolitik", die künstliche Gegensätze sucht. Die politische Aufgabe im Krisenmodus (wie beim GEG/Heizungshammer) läuft auseinander, wenn die notwendigen Entscheidungen getroffen werden müssen, nachdem die akute Krise (Gaskrise 2022/2023) gefühlt überstanden ist.
Die strategische Elektrifizierung ist ein Doppelgewinn: Sie schützt das Klima und sichert gleichzeitig die geopolitische Unabhängigkeit Deutschlands, erfordert jedoch mutige, unpopuläre Entscheidungen und eine radikale strukturelle Neuerfindung in Wirtschaft und Politik.
Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung.
11.11.2025
Vorgeschichte des 30. Klimagipfels COP30 in Belém.
I. Organisatorischer und Historischer Rahmen.
Die COP30 (Conference of the Parties) ist der 30. Klimagipfel und findet in Belém an der Mündung des Amazonas Flusses in Brasilien statt. Sie setzt die Tradition der globalen Klimadiplomatie fort, die begann, als die Länder 1992 das UN-Klimaabkommen unterzeichneten.
Die Konferenz findet etwa zehn Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens (2015) statt, in dem sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt hat, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C und idealerweise auf 1,5 °C zu begrenzen. Das Kernstück dieses Abkommens sind die sogenannten Nationally Determined Contributions (NDCs), die alle fünf Jahre aktualisiert werden sollen, um eine Steigerungsspirale der Ambitionen zu erzeugen.
II. Zentrale Mandate und Ziele in Belém.
Im Fünfjahresrhythmus der NDCs geht es in Belém darum, folgende Schlüsselziele zu verfolgen:
- Neue NDCs: Die neuen nationalen oder regional übergreifenden Emissionsminderungsziele für den Rhythmus bis 2035 müssen eingesammelt werden.
- Klimafinanzierung: Es soll das in Baku vage formulierte Ziel konkretisiert werden, bis 2030 1,35 Billionen Dollar für den Klimaschutz im globalen Süden zusammenzubekommen.
- Fossiler Ausstieg: Die Operationalisierung des Ausstieges aus der fossilen Energie ist ein Hauptthema. Dieser Ausstieg wurde erstmals vor zwei Jahren in Dubai beschlossen. (Die erste Erwähnung fossiler Brennstoffe überhaupt in einem COP-Beschluss, nämlich in Glasgow, war noch stark umstritten).
Die Tatsache, dass die Konferenz überhaupt stattfindet, gilt als wichtig, um dieses Generationenprojekt, das bis in die 90er Jahre zurückreicht, angesichts der Machtpolitik Donald Trumps am Leben zu erhalten.
III. Aktuelle Klimakrise und Politische Herausforderungen.
Die COP30 findet vor dem Hintergrund einer sich dramatisch verschärfenden Klimakrise und zunehmender politischer Rückzugsgefechte statt:
- Wissenschaftliche Dringlichkeit: Die wissenschaftlichen Befunde werden immer dramatischer, und es besteht die reale Gefahr, in relativ kurzer Frist eine Reihe von katastrophalen sogenannten "Tipping Points" auszulösen.
- Extremwetter: Kürzlich gab es Extremwetterereignisse (wie den Harry Kane Melissa). Im Jahr 2024 wurde erstmals an einem einzigen Tag die Erderwärmung von 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau überschritten.
- Widerstand gegen die Klimaagenda: Es gibt einen sichtbaren Rückzug, bei dem Regierungen, Finanzinstitutionen und Wirtschaftsvertreter Ambitionen und Umweltstandards blockieren oder schwächen. Dieser Widerstand hat mehrere Dimensionen:
- Rückhaltskampf von Industrien: Beispielsweise die Verbrennerindustrie, die den Kampf um die Zukunft des Automobilbaus (hin zu batteriegetriebenen E-Fahrzeugen) verloren sieht.
- Ideologischer Widerstand: Hochgradig ideologische Sabotage der Energiewende, vor allem von der Trump Administration in den USA.
- Druck durch materielle Zwänge: Wenn es hart auf hart kommt (hohe Lebenshaltungskosten, Rezessionsdrohung), werden Entscheidungen gegen den Klimaschutz getroffen oder Massnahmen verschoben.
IV. Geopolitische Spannungen und der Widerstand der USA.
Das politische Klima ist besonders schwierig, da die Machtpolitik der USA die globale Klimazusammenarbeit aktiv stört:
- Absage Trumps: Obwohl der brasilianische Präsident Lula möglicherweise erleichtert ist, hat Donald Trump seine Teilnahme an der COP in Belém abgesagt.
- Torpedoierung internationaler Abkommen: Die USA haben erst kürzlich ein globales Abkommen zu den Emissionen in der Schifffahrt, das von der International Maritime Organization (IMO) in London verhandelt wurde, torpediert.
- Aggressive Diplomatie: Dies wurde als ideologischer Widerstand der Trump-Administration gewertet. Im Zuge dieser Verhandlungen setzten die USA Machtmittel ein und drohten technischen Delegierten, vor allem aus vulnerablen afrikanischen Staaten, mit persönlichen Sanktionen, sollten sie nicht den amerikanischen Interessen entsprechend abstimmen. Dies wurde als "Erpressung" und "terroristisch" beschrieben.
V. Die Agenda Brasiliens (Waldschutz).
Ein zentrales Thema in Belém ist der Schutz der Wälder, insbesondere des Amazonas. Das Gastgeberland Brasilien hat ein grosses Interesse daran, für den Aufwand des Regenwaldschutzes honoriert zu werden:
Innovative Finanzierung der Regenwälder, das Modell basiert auf Blended Finance:
- TFFF (Tropical Forest Forever Facility): Brasilien hat das innovative Finanzierungsinstrument TFFF vorgeschlagen, um den Regenwaldschutz zu honorieren und zu stabilisieren.
- Ziel der TFFF: Die Idee ist, Gemeinschaften und Menschen dafür finanziell zu belohnen, die bestehenden etwa eine Milliarde Hektar Regenwälder zu hüten und zu bewahren.
- Finanzierungskonzept: Um die benötigten jährlichen Subventionen von 4 Milliarden USD zu sichern, soll ein stehender "Forever" Fonds etabliert werden. Dieser Fonds nutzt 25 Milliarden USD aus der öffentlichen Kasse, um 100 Milliarden USD auf dem privaten Markt zu mobilisieren. Diese Struktur des sogenannten Blended Finance soll Gewinne erwirtschaften, die dann die Subventionen für den Waldschutz finanzieren.
Der Gipfel in Belém findet somit in der Spannung zwischen der wachsenden physischen Dringlichkeit der Klimakrise und den zunehmend aggressiven ideologischen und materiellen Widerständen auf der globalen politischen Bühne statt.
Dieses Konstrukt wird als Armutszeugnis der Politik gesehen, da es zeigt, dass man der Politik nicht mehr zutraut, die geringe Summe von 4 Milliarden Dollar direkt zu mobilisieren. Kritisch wird angemerkt, dass dieses Modell eine Sozialisierung der Risiken (durch die öffentlichen 25 Mrd. USD) und eine Privatisierung der Gewinne darstellt, da das öffentliche Geld als erste Versicherungsschicht dient.
VI. Ziele und Kontext des Gipfels:
Vor 10 Jahren wurde das Pariser Klimaabkommen verabschiedet, mit dem sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtete, die globale Erwärmung deutlich unter 2°C zu halten und Anstrengungen für eine Begrenzung auf 1,5°C zu unternehmen. Die Staaten definierten damals eigenständig ihre Emissionsminderungsbeiträge (NDCs), die alle fünf Jahre aktualisiert werden sollen.
Die COP30 zielt darauf ab, diese neuen Nationally Determined Contributions (NDCs) für das Jahr 2035 einzusammeln. Die Nationally Determined Contributions (NDCs) sind ein zentraler Pfeiler des Pariser Klimaabkommens von 2015. Sie stellen die eigenständigen Emissionsminderungsbeiträge dar, welche alle Staaten – sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer – definieren und einreichen sollen.
Was die NDCs für das Jahr 2035 betrifft, so sind dies die neuen, national oder regional übergreifenden Emissionsminderungsziele.
Kontext und Zyklus.
Periodische Aktualisierung: Die ursprüngliche Idee hinter den NDCs war die Schaffung einer sogenannten Steigerungsspirale. Durch die periodische Aktualisierung alle fünf Jahre sollten sich immer höhere Ambitionen entwickeln.
- COP30 in Belém: Die COP30 in Belém ist der Zeitpunkt im Fünfjahresrhythmus, an dem es darum geht, diese neuen NDCs für den Zielhorizont 2035 einzusammeln.
- Zielsetzung: Diese Ziele sind entscheidend, um das übergeordnete Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, nämlich die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C und idealerweise auf 1,5 °C zu begrenzen.
Die NDCs für 2035 werden also die konkreten Pläne und Zusagen der einzelnen Länder festlegen, wie sie ihre Emissionen in den kommenden zehn Jahren bis 2035 reduzieren wollen. Dies ist der Rahmen, in dem beispielsweise die EU-Umweltminister in Brüssel darüber verhandeln mussten, wie Europas Beitrag zum globalen Klimaschutz aussehen soll.
Konkretisierung des in Baku vage formulierten Ziels.
Weitere zentrale Punkte sind die Konkretisierung eines in Baku vage formulierten Ziels, bis 2030 etwa 1,35 Billionen Dollar für den Klimaschutz im globalen Süden zu mobilisieren, sowie die Operationalisierung des Ausstieges aus der fossilen Energie, der erstmals in Dubai beschlossen wurde. Worum geht es im Detail bei der Konkretisierung eines in Baku vage formulierten Ziels, bis 2030 etwa 1,35 Billionen Dollar für den Klimaschutz im globalen Süden zu mobilisieren?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt auf der Agenda der COP30 in Belém, denn es betrifft die Konkretisierung der Klimafinanzierung für den globalen Süden. Hier ist eine Aufschlüsselung, worum es im Detail bei der Mobilisierung von 1,35 Billionen US-Dollar bis 2030 für den Klimaschutz in Entwicklungsländern geht:
1. Das Ziel und sein Ursprung.
- Vages Ziel: Das Ziel, bis 2030 etwa 1,35 Billionen US-Dollar für den Klimaschutz im globalen Süden zusammenzubekommen, wurde zuvor in Baku nur vage formuliert.
- Agenda der COP30: Bei der COP30 geht es darum, dieses vage formulierte Ziel nun zu konkretisieren.
2. Der Kontext der Klimafinanzierung.
Obwohl die Quellen dieses spezifische Ziel nicht weiter im Detail ausführen, beleuchten sie den allgemeinen Kontext, in dem solche Finanzierungsbemühungen stattfinden, und die Herausforderungen, die damit verbunden sind (siehe das Beispiel der TFFF):
A. Die Notwendigkeit der Finanzierung:
Mangelnde Mobilisierung: Die Quellen deuten darauf hin, dass es der Politik anscheinend nicht mehr zugetraut wird, benötigte Summen (wie die 4 Milliarden USD jährlich für den Regenwaldschutz) direkt zu mobilisieren. Daher müssen innovative und elaborierte Konstruktionen wie der stehende, entpolitisierte Tropical Forest Forever Facility (TFFF) Fonds erdacht werden.
Verlagerung der Verantwortung: Solche Konstruktionen können als ein Armutszeugnis für die Politik interpretiert werden.
B. Innovative Finanzierungsmodelle (Blended Finance):
Die Diskussion um die TFFF bietet einen Einblick in die Art der „innovativen Finanzierungsinstrumente“, die derzeit diskutiert werden, um grosse Summen zu mobilisieren und die Konkretisierung von Zielen wie den 1,35 Billionen USD zu ermöglichen:
- Hebelwirkung: Oft wird das sogenannte Blended Finance Modell verwendet. Dieses Modell basiert darauf, dass öffentliches Kapital (in einem anderen Beispiel 25 Milliarden USD) eingesetzt wird, um ein Vielfaches an privatem Kapital (z.B. 100 Milliarden USD) vom Markt zu mobilisieren, was zu einem grossen Gesamtinvestitionsvolumen (z.B. 125 Milliarden USD) führt.
- Risikotransfer: Bei diesem Modell dienen die öffentlichen Gelder als vorbeugende Versicherung oder "Derisking" für die privaten Investoren. Das bedeutet, die öffentlichen Kassen sind als Erste dran, um Verluste zu tragen, falls die Anlage nicht rentiert (Sozialisierung der Risiken), während private Investoren die Gewinne erhalten (Privatisierung der Gewinne).
3. Die Herausforderung der Konkretisierung
Die Konkretisierung der 1,35 Billionen USD beinhaltet somit wahrscheinlich die Verhandlung, wie diese Mittel strukturiert werden sollen:
Sollen sie grösstenteils durch traditionelle Staatshilfen oder Kredite aufgebracht werden?
Oder sollen sie über hochkomplexe, marktbasierte und gehebelte Fonds (wie die TFFF, die aus einer Marge von Anlagen im Finanzmarkt Gewinne schöpft) gesichert werden?
Ein weiterer Aspekt der Konkretisierung ist die Verteilung der Risiken zwischen den zahlenden Industriestaaten und den profitierenden privaten Finanzakteuren. Wenn Risiken sich materialisieren (zum Beispiel bei einem nächsten Finanzcrash oder wenn Anlagen wie Anleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern nicht zutreffen), stellt sich die Frage, wer die Verluste trägt.
Die Konkretisierung des Ziels in Belém erfordert also, die vage genannte Summe mit konkreten Mechanismen und klaren Risikoverteilungen zu hinterlegen.
Klimakrise und Widerstände:
Obwohl die Klimakrise immer dramatischere Ausmasse annimmt und wissenschaftliche Befunde auf die Gefahr entscheidender Tipping Points hinweisen, sind saubere Energiequellen (z.B. die Kombination aus Solarpanelen und Batterien aus China) mittlerweile billiger als jede bisher dagewesene Form der Elektrifizierung.
Dennoch regt sich Widerstand gegen den Klimaschutz, der in drei Dimensionen unterteilt wird: 1) der Rückhaltskampf bestimmter Industrien (z.B. die Verbrennerindustrie); 2) ein hochgradig ideologischer Widerstand (insbesondere durch die Trump Administration); und 3) die Verschiebung oder Lockerung von Massnahmen unter dem Druck materieller Zwänge (wie drohende Rezession oder hohe Zinsraten).
Der Faktor USA und militanter Widerstand:
Die aggressive, ideologische Anti-Ökologie-Politik der Trump-Administration zielt auf einen Rollback (Rücknahme) der Klimapolitik ab.
Ein bezeichnender Fall dieses Widerstands zeigte sich, als die USA kürzlich, teils zusammen mit Saudi-Arabien und Russland, ein globales Abkommen zur Emissionsminderung im internationalen Schiffsverkehr bei der International Maritime Organization (IMO) torpedierten.
Dabei sollen die Amerikaner mit massiver persönlicher Druckausübung und Erpressung vorgegangen sein und Delegierten vulnerabler afrikanischer Staaten mit persönlichen Sanktionen gedroht haben, falls sie nicht im Sinne der US-Interessen abstimmten. Es sei mittlerweile klar, dass man entweder Mittel des Gegendrucks entwickeln müsse, oder zum Opfer werde.
TFFFF, IMO und US-Druck auf die EU.
COP30 Weltklimakonferenz Brasilien, TFFFF und Blended Finance Modell, IMO und US-Druck auf die EU. Neue Nationally Determined Contributions (NDCs) mit Zielen für 2035.
TFFFF, IMO und US-Druck auf die EU.
9.11.2025
30. UN-Klimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien.
Die 30. UN-Klimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien, ist ein zentrales Ereignis im globalen Klimaschutz und findet vom 10. bis 21. November 2025 statt. Die Konferenz markiert das zehnjährige Jubiläum des historischen Pariser Klimaabkommens von 2015.
I. Rahmen, Ort und globale Klimasituation.
Der symbolträchtige Austragungsort.
Die Wahl der Amazonas-Metropole Belém als Austragungsort ist bewusst symbolisch gewählt. Belém gilt als das „Tor zum Amazonas“ und steht repräsentativ für globale Ungleichheit und die Bedeutung des Waldschutzes. Der Amazonas-Regenwald ist eine globale CO2-Senke und ein Hotspot der Artenvielfalt, steht jedoch kurz vor einem Kipppunkt, bei dem weite Teile austrocknen könnten, wenn 20 bis 25 Prozent der Waldfläche zerstört sind.

Brasiliens Präsident Lula da Silva hat die COP30 zur „COP der Wahrheit“ ausgerufen und möchte das brasilianische Konzept des „Mutirão“ (gemeinschaftliche und kollektive Anstrengung) in den Mittelpunkt stellen.
Trotz der symbolischen Bedeutung gab es Kritik am Gastgeberland: Einerseits wegen der unzureichenden Infrastruktur und extrem hohen Übernachtungskosten, die die Teilnahme von Vertretern des Globalen Südens erschweren. Für die erwarteten etwa 50.000 Teilnehmenden mussten zwei Kreuzfahrtschiffe als temporäre Hotels gechartert werden. Zudem wird Brasiliens Klimaglaubwürdigkeit infrage gestellt, da die Regierung einerseits Fortschritte beim Stopp der Entwaldung macht, aber gleichzeitig plant, die Förderung fossiler Brennstoffe auszuweiten, um der viertgrösste Ölproduzent der Welt zu werden.
Die Bilanz des 1,5-Grad-Ziels.
Die Bilanz des internationalen Klimaschutzes ist ernüchternd. Das Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wurde faktisch verfehlt:
- Im Jahr 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur bereits 1,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
- Laut UN-Generalsekretär António Guterres ist ein vorübergehendes Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze spätestens ab Anfang der 2030er Jahre unvermeidlich.
- Derzeit steuert die Welt mit den bereits umgesetzten Politiken auf eine Erwärmung von 2,8 °C bis zum Ende des Jahrhunderts zu.
- Der globale Ausstoss an Treibhausgasen erreichte 2024 mit 53,2 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten einen neuen Rekordwert.
II. Zentrale Verhandlungspunkte der COP30.
Im Fokus der COP30 stehen vor allem die neuen nationalen Klimaziele, die Klimafinanzierung und der Schutz der Wälder.
1. Nationale Klimaschutzbeiträge (NDCs).
Alle Vertragsstaaten des Pariser Abkommens sind verpflichtet, ihre nationalen Klimaziele (NDCs) alle fünf Jahre zu verschärfen und neue Ziele für 2035 einzureichen:
Bis Ende September 2025 wurden jedoch nur von 64 Staaten plus der EU neue NDCs eingereicht, was lediglich 30 Prozent der globalen Emissionen abdeckt.
Selbst wenn alle eingereichten NDCs vollständig umgesetzt würden, würden die Emissionen bis 2035 nur um 17 Prozent gegenüber 2019 sinken. Um auf einem mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen Pfad zu sein, wären aber Reduktionen von 60 Prozent notwendig.
- EU-Ziele: Die EU legte kurz vor der COP30 ihr Ziel für 2040 fest (90 % Reduktion gegenüber 1990). Dieses Ziel wird jedoch kritisiert, da es "Schlupflöcher" enthält: Bis zu fünf Prozentpunkte der Reduktion dürfen durch den Kauf von Klimagutschriften in Drittstaaten erfolgen. Zudem wurde der Start des Emissionshandels (ETS2) für Gebäude und Verkehr um ein Jahr auf 2028 verschoben. Kritiker sehen dies als klaren Rückschritt, der dringend benötigte Investitionen in europäische Dekarbonisierung verzögert.
- China und Deutschland: China, der mit Abstand grösste Emittent (30 % des globalen Ausstosses), reichte sein NDC mit einem Ziel von 7 bis 10 Prozent Emissionsreduktion bis 2035 gegenüber dem Höchststand ein. Deutschland, das grösste Emittentenland innerhalb der EU, unterstützt die internationalen Bemühungen und betont die Bedeutung von Innovation und Technologie. Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass vor allem Länder mit hohem Treibhausgas-Ausstoss ambitionierte Ziele festlegen.
2. Klimafinanzierung und Anpassung.
Die Finanzierung des globalen Klimaschutzes ist ein zentraler Streitpunkt:
- Die Entwicklungsländer fordern mehr finanzielle Unterstützung von den Industriestaaten.
- Das auf der COP29 (Baku) beschlossene neue Klimafinanzierungsziel von 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2035 für Entwicklungsländer liegt weit unter dem geschätzten jährlichen Bedarf von 1000 Milliarden Dollar.
- Die „Baku to Belém Roadmap to 1.3 T“ zielt auf die Mobilisierung von 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr ab 2035 aus öffentlichen und privaten Quellen ab.
- Die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels, die durch zunehmende Extremwetterereignisse notwendig wird, ist ein weiterer Schwerpunkt. Ziel ist es, die Messbarkeit von Anpassungsfortschritten zu verbessern (Global Goal on Adaptation). Experten betonen, dass gezielte Anpassungsinvestitionen langfristig enorme wirtschaftliche Vorteile bringen.
3. Waldschutz-Initiative (TFFF).
Die brasilianische Präsidentschaft lancierte die Tropical Forest Forever Facility (TFFF), einen Fonds zum Schutz der weltweiten Tropenwälder:
- Die Grundidee ist, Länder, die intakten Tropenwald bewahren, finanziell zu belohnen.
- Das Ziel ist eine Gesamtausstattung von 125 Milliarden US-Dollar durch öffentliches Kapital und private Investitionen.
- Zum Start wurden bereits Zusagen von über 5,5 Milliarden US-Dollar eingebracht, darunter 3 Milliarden von Norwegen und je 1 Milliarde von Brasilien und Indonesien.
- Deutschland unterstützt den Fonds und wird einen „namhaften Betrag“ beisteuern.
III. Geopolitische Einflüsse und zentrale Kontroversen.
Die COP30 findet in einem geopolitisch angespannten Umfeld statt.
Der Einfluss Trumps und die neue Ära der Konfrontation.
US-Präsident Donald Trump, dessen Land der zweitgrösste Emittent nach China ist, nimmt nicht an der COP30 teil. Trump hat den Wiederausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen eingeleitet (wirksam ab Januar 2026) und das Vertrauen der Weltgemeinschaft massiv erschüttert:
Experten befürchten, dass die USA trotzdem destruktiv wirken und Koalitionen für fossile Energien bilden könnten. Als Gegenbewegung senden über 100 Vertreter von US-Bundesstaaten und Gemeinden, angeführt vom Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, ein klares Signal für den Klimaschutz. Einige Beobachter sehen in Trumps offenem Kampf gegen die Energiewende den Beginn einer neuen Ära der Konfrontation in der Klimapolitik, in der das Pariser Abkommen, das auf Konsens setzte, an seine Grenzen stösst.
Bill Gates und der Konflikt um die Klimanarrative.
Unmittelbar vor der COP30 sorgte Bill Gates mit einem Memo für Aufsehen, in dem er einen „strategischen Schwenk“ in der Klimastrategie forderte:
Er stellte drei Thesen auf: Klimawandel ist ernst, aber nicht das „Ende der Zivilisation“; Temperaturziele (wie 1,5 °C) sind nicht die besten Massstäbe; und globale Gesundheit und Wohlstand sind der beste Schutz gegen den Klimawandel.
Gates’ starker Tech-Optimismus und sein Fokus auf technologische Lösungen wie CO2-Abscheidung oder kleine modulare Reaktoren stossen bei einigen Wissenschaftlern auf Frustration. Sie warnen, dass diese „Techno-Fixes“ von bewährten Emissionsminderungen ablenken könnten.
Gates’ Memo wurde von Klimaskeptikern missbräuchlich als Bestätigung ihrer Ansicht gefeiert. Gates selbst bekräftigte jedoch, dass jedes Zehntelgrad Erwärmung, das verhindert wird, „äusserst vorteilhaft“ sei. Die Gates Foundation kündigte auf der COP30 eine $1,4 Milliarden Investition zur Anpassung von Kleinbauern in Afrika und Südasien an extreme Wetterbedingungen an.
IV. Die Rolle Deutschlands und Optimismus durch Technologie.
Bundeskanzler Friedrich Merz nimmt am Vorfeld-Gipfel teil, um das Engagement Deutschlands für den Klimaschutz zu unterstreichen. Er betonte, dass Deutschland auf Innovation und Technologie setze, da die Wirtschaft nicht das Problem, sondern der Schlüssel zur Lösung sei. Er hob die Rolle der CO2-Bepreisung als marktwirtschaftliches Instrument hervor und kündigte die Unterstützung für den TFFF-Fonds an.
Merz’ Ansatz zielt auf Pragmatismus und soziale Akzeptanz ab, um die Gesellschaften nicht zu überfordern und eine Abkehr der Wähler von der Klimapolitik zu verhindern. Kritiker werfen der Bundesregierung jedoch vor, zu wenig Tempo zu machen und sich zu sehr auf fossile Übergangslösungen (wie „H2-ready“ Gaskraftwerke) zu konzentrieren.
Trotz der politischen Herausforderungen und der Tatsache, dass die Weltgemeinschaft beim 1,5-Grad-Ziel im Rückstand ist, gibt es Gründe für Optimismus:
- Der Boom der Erneuerbaren: Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, sind heute oft wirtschaftlicher als fossile Brennstoffe.
- China als Treiber: China treibt den Ausbau von Solar- und Windkraft mit enormem Tempo voran und lässt damit die Geschwindigkeit der internationalen Verhandlungen oft nebensächlich erscheinen.
- Speichertechnologie: Die Kosten für Batteriespeicher sind seit 2010 um fast 90 Prozent gesunken, was die technische Machbarkeit eines nahezu ausschliesslich auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems belegt.
Die COP30 in Belém ist somit ein entscheidender Test, ob die internationale Gemeinschaft in der Lage ist, die bestehenden Umsetzungslücken zwischen ambitionierten Zielen und konkreten Massnahmen zu schliessen, insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und bröckelnder internationaler Zusammenarbeit.
Wie sieht die Bilanz des 1,5-Grad-Ziels im Detail aus?
Das ist eine sehr wichtige Frage, denn die Bilanz des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens bildet den dringenden Hintergrund für alle Verhandlungen auf der COP30 in Belém. Trotz ernüchterndem Bild gibt es eine positive Sicht: der globale hat Klimaschutz die schlimmstmögliche Entwicklung zu einem Teil abgewendet.

Bilanz des 1,5-Grad-Ziels.
1. Aktueller Stand der Erwärmung.
Das Pariser Klimaabkommen von 2015 verpflichtete die Staaten, die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter 2 Grad Celsius, idealerweise auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen.
Die Realität sieht jedoch wie folgt aus:
- Bereits überschritten: Im Jahr 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur bereits 1,6 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau.
- Die mittlere Erderwärmung betrug laut Weltmeteorologieorganisation (WMO) im Jahresmittel 2024 (von Januar bis August) bereits plus 1,55 Grad Celsius.
- Gescheitert: UN-Generalsekretär António Guterres erklärte im Vorfeld der COP30, die Staatengemeinschaft sei "daran gescheitert", die Erderwärmung unter dem wichtigen 1,5-Grad-Limit zu halten. Er sprach von einem "moralischen Versagen und tödlicher Fahrlässigkeit".
- Unvermeidliches Überschreiten: Die Wissenschaft prognostiziert, dass ein vorübergehendes Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze spätestens ab Anfang der 2030er Jahre unvermeidlich ist.
2. Die Projektionen und die Lücke (Emissions Gap).
Die Fortschritte der Staatengemeinschaft sind kollektiv nicht ausreichend, um das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten.
Trajektorie bei aktuellen Politiken.
Wenn die Welt lediglich die aktuell umgesetzten Politiken beibehält, steuert sie laut Berichten der Vereinten Nationen (UNEP) auf eine Erwärmung von 2,8 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Im Vergleich dazu steuerte die Welt vor der Verabschiedung des Pariser Abkommens noch auf einen Temperaturanstieg von knapp unter 4 Grad Celsius zu.
Trajektorie mit allen Zusagen (NDCs).
Die Staaten müssen alle fünf Jahre neue, ambitionierte nationale Klimaziele (NDCs) vorlegen. Die kollektive Wirkung der bisherigen und neu eingereichten NDCs ist jedoch bei Weitem unzureichend:
- UNEPS Report: Dem Emissions Gap Report 2025 des UN-Umweltprogramms zufolge steuert die Erde selbst bei vollständiger Umsetzung aller gegenwärtigen Klimaschutzzusagen (NDCs), die bis September 2025 eingereicht wurden, auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zu. Wenn man nur die bis zu diesem Zeitpunkt beschlossenen Massnahmen berücksichtigt, würde der Anstieg sogar 3,1 Grad betragen.
- NDC-Lücke: Um auf einem mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen Pfad zu sein, wären Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen von 60 Prozent bis 2035 gegenüber 2019 nötig. Für das 1,5-Grad-Ziel müssten die Staaten der Erde gemeinsam die jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 42 Prozent senken, verglichen mit 2019.
- Tatsächliche Reduktion: Die bis Ende September 2025 eingereichten NDCs von 64 Staaten plus der EU, die 30 Prozent der globalen Emissionen abdecken, würden bei vollständiger Umsetzung jedoch nur zu einer Senkung der Emissionen um 17 Prozent bis 2035 gegenüber 2019 führen.
3. Konsequenzen der Nichterreichung und Dringlichkeit.
Die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze bleibt entscheidend, da es sich um eine "rote Linie für die Menschheit" handelt:
- Jedes Zehntelgrad zählt: Jedes Zehntelgrad vermiedene Erwärmung ist "äusserst vorteilhaft" und "entscheidend". UN-Generalsekretär Guterres warnte, dass jedes Zehntelgrad, das darüber hinausgeht, mehr Hunger, mehr Vertreibung und mehr Verluste bedeute.
- Anpassung wird zur Notwendigkeit: Zunehmende Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen machen deutlich, dass die reine Emissionsreduktion nicht mehr ausreicht, sondern die Anpassung an die Folgen des Klimawandels immer wichtiger wird.
- Kipppunkte: Ein weiterer alarmierender Faktor ist die Dringlichkeit der Kipppunkte ("Tipping Points") im Klimasystem. Neuere Forschung zeigt, dass diese kritischen Schwellenwerte, deren Erreichen sich selbstverstärkende Effekte auslösen würde, immer früher eintreten, als bei der Entwicklung der aktuellen Klimaregularien angenommen.
4. Positive Entwicklungen und relative Erfolge.
Obwohl das 1,5-Grad-Ziel in Gefahr ist, zeigen die Quellen auch, dass der internationale Klimaschutz Erfolge erzielt hat:
- Kurswechsel: Die Reaktion der Welt auf den Klimawandel hat die Trajektorie der globalen Erwärmung bereits verändert. Hätte es die UN-Klimakonferenzen nicht gegeben, wäre die Erderwärmung möglicherweise bei 6 Grad Celsius.
- Wirtschaftlicher Wandel: Erneuerbare Energien sind heute oft wirtschaftlicher als fossile Brennstoffe. Beispielsweise waren 91 Prozent der 2024 neu in Betrieb genommenen Wind- und Solarprojekte günstiger als die günstigste verfügbare Alternative fossiler Brennstoffe.
- Technologie-Boom: Der Ausbau von Solar- und Windkraft, insbesondere in China, schreitet mit enormem Tempo voran. Die Kosten für Batteriespeicher sind seit 2010 um fast 90 Prozent gesunken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bilanz des 1,5-Grad-Ziels zeigt, dass die internationalen Vereinbarungen zwar einen katastrophalen Pfad (von 4°C oder mehr) abgewendet haben, aber die Umsetzungslücke (Emissions Gap) zwischen den vereinbarten Zielen und den realen Massnahmen so gross ist, dass die kritische 1,5-Grad-Grenze bereits überschritten wurde und ein längerfristiges Überschreiten fast unvermeidlich scheint.
Welches sind die Kipppunkte Kampf gegen den Klimawandel?
Die sogenannten Kipppunkte ("Tipping Points") verdeutlichen die Dringlichkeit des globalen Handelns und stehen im direkten Zusammenhang mit dem Ort der COP30 in Belém, dem Tor zum Amazonas. Die Analyse der Kipppunkte beschreibt, dass die Welt sich nicht nur in einem Wettlauf gegen die Emissionen befindet, sondern auch gegen unumkehrbare systemische Veränderungen.

1. Definition und erhöhte Dringlichkeit.
Kipppunkte sind kritische Schwellenwerte im Klimasystem, deren Überschreiten einen selbstverstärkenden Effekt auf den Klimawandel hätte:
- Verfrühtes Eintreten: Was die Dringlichkeit massiv erhöht, ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass diese kritischen Schwellenwerte immer früher eintreten, als dies bei der Entwicklung der aktuellen Klimaregularien angenommen wurde.
- Der Forscher Friedrich Bohn betont, dass dies grosse Sorgen bereitet, da die Dringlichkeit trotz der Entwicklung in die richtige Richtung weiterhin sehr, sehr hoch ist, weil die Welt nicht schnell genug ist.
- Ein erster Kipppunkt im Klimasystem ist laut Pessimismus-Berichten bereits erreicht.
2. Der Amazonas-Regenwald als kritischer Kipppunkt.
Der Amazonas, der symbolträchtige Ort der COP30, wird als "Lunge der Erde" und als weltweiter Kohlenstoffspeicher bezeichnet. Er ist der Fokus der internationalen Aufmerksamkeit, da er kurz davorsteht, einen Kipppunkt zu überschreiten:
- Die Funktion des Amazonas: Tropenwälder speichern die Hälfte des weltweit in Bäumen gespeicherten Kohlenstoffs. Der Amazonas-Regenwald speichert rund 73 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und fungiert damit als entscheidender, natürlicher Klimaschützer.
- Die kritische Schwelle: Experten schätzen, dass das Ökosystem einen Kipppunkt überschreiten könnte, wenn ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Waldfläche erreicht wird.
Aktueller Zustand: Bereits rund 17 Prozent der Waldfläche sind zerstört.
- Irreversible Folgen: Wenn der Amazonas diesen Kipppunkt überschreitet, könnte dies dazu führen, dass grosse Teile des Regenwaldes vertrocknen. Die schlimmstmögliche Folge wäre, dass der Amazonas kein CO2 mehr aufnimmt, sondern selbst CO2 emittiert.
Präsident Lula warnte, dass die Auswirkungen weltweit zu spüren sein werden, wenn die Zerstörung der Wälder einen nicht mehr umkehrbaren Punkt erreicht. Die Folgen für die Klimakrise wären fataler denn je.
3. Das Konzept des "Positiven Kipppunktes".
Im Gegensatz zu den negativen Kipppunkten, die das Klima in einen sich selbst verstärkenden gefährlichen Zustand treiben, gibt es auch die Hoffnung auf positive Kipppunkte im Kampf gegen die Krise:
Experten sehen das neue Energiesystem und den Boom der erneuerbaren Energien als einen solchen positiven Kipppunkt.
Diese positive Entwicklung basiert darauf, dass erneuerbare Energien (wie Solar- und Windkraft) bereits heute oft wirtschaftlicher sind als fossile Brennstoffe, was das Potenzial hat, eine Trendwende herbeizuführen und den positiven Wandel zu beschleunigen.
Wie gross ist der Einfluss der Trump Administration gegen Klimaschutz und was ist die neue Ära der Konfrontation.
Der Einfluss der Trump-Administration – selbst in Abwesenheit des Präsidenten bei der COP30 – wird als massiv und zutiefst störend für die globalen Klimaverhandlungen beschrieben.

Hier ist eine detaillierte Analyse des Einflusses der Trump-Administration und der daraus resultierenden "neuen Ära der Konfrontation":
I. Der massive Einfluss und die Anti-Klimapolitik der Trump-Administration.
Der Einfluss der Trump-Administration auf die Klimapolitik wird als "fatal" und als eine massive Erschütterung des Vertrauens der Weltgemeinschaft bewertet.
1. Wiederausstieg aus dem Pariser Abkommen:
US-Präsident Donald Trump wird an der COP30 in Belém nicht teilnehmen. Dennoch beeinflusst er die Verhandlungen massiv.
Trump hatte den Wiederausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen direkt nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 besiegelt.
Dieser formelle Austritt der USA wird im Januar 2026 wirksam.
Trump hatte den Klimawandel bereits im September 2025 bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung als „weltweit grössten Betrug aller Zeiten“ bezeichnet.
2. Destruktive Folgen der Politik:
Die USA sind nach China der zweitgrösste Emittent weltweit und stehen für rund zwölf Prozent der globalen Emissionen.
Experten befürchten, dass diese Emissionen nun "nicht so weit runtergehen, wie wir es für das Weltklima bräuchten".
Die Anti-Klimapolitik der Trump-Regierung wird als fatal bezeichnet, da die USA sich „überhaupt nicht mehr an der Klimafinanzierung beteiligen“ und die Energiewende und den Aufbau grüner Industriesysteme in anderen Ländern „nicht länger unterstützen“.
Trump hat in seiner zweiten Amtszeit angekündigt, die massiven Ausbeutung fossiler Energieträger wie Erdöl und Erdgas zu forcieren, unter dem Motto: „Drill, baby, drill!“.
Er bekämpft erneuerbare Energien offen und hat „Wind- und Solar-Projekte verbietet“.
Selbst in Trumps erster Amtszeit (2017 bis 2021) hatten die USA dem Pariser Vertrag bereits den Rücken gekehrt.
3. Gefahren für die COP30:
Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn die USA, obwohl sie keine hochrangigen Vertreter schicken, „destruktiv wirken“.
Dies könnte geschehen, indem sie „hinter den Kulissen der Klimakonferenz Druck machten auf bestehende Klimaschutzinstrumente“ oder die Konferenz in Belém „nutzen würden, um Koalitionen für fossile Energien zu bilden“.
II. Die "Neue Ära der Konfrontation"
Trumps aggressive Vorgehensweise wird als Beginn einer „neuen Ära der Klimapolitik: Eine Ära der Konfrontation“ beschreiben.
1. Scheitern des Konsensprinzips:
Das Pariser Abkommen von 2015 beruhte auf dem Prinzip des Konsenses und darauf, dass sich die Staaten gegenseitig unter Druck setzen, ihre Versprechen zu halten.
Das Abkommen war jedoch „nicht dafür ausgelegt“, dass der zweitgrösste Emittent der Welt Klimaschutz nicht nur ignoriert (wie in Trumps erster Amtszeit), „sondern aktiv angreift, wie in seiner zweiten“.
2. Der IMO-Putsch als Wendepunkt:
Ein Beispiel für diese neue Konfrontationspolitik war das Scheitern einer globalen Einigung auf einen CO2-Preis für Schiffstreibstoffe in der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) im Oktober 2025:
63 Länder hatten den Vorschlag unterstützt, aber die Öl-Staaten und die USA stimmten dagegen.
Donald Trump drohte mit Vergeltungsmassnahmen (wie Zöllen, Visa-Einschränkungen und Einreiseverboten) gegen IMO-Länder, sollten die neuen Klimaregeln beschlossen werden.
Infolge dieser Drohungen schlug Saudi-Arabien eine Verschiebung der Abstimmung vor, die einer Ablehnung gleichkam. Die Autoren bezeichnen dies als „IMO-Putsch“, der die Idee des Pariser Abkommens, dass alle zusammenarbeiten müssen, „versenkt“ hat.
3. Der Konflikt um die Narrative (Bill Gates):
Trumps Einfluss zeigt sich auch darin, wie er versuchte, die Äusserungen von Bill Gates im Vorfeld der COP30 zu instrumentalisieren.
Gates forderte in seinem Memo einen „strategischen Schwenk“ in der Klimastrategie, indem er sagte, der Klimawandel sei zwar ernst, aber „nicht das endgültige ‚Ende der Zivilisation‘“.
Klimaskeptiker, einschliesslich US-Präsident Donald Trump, feierten Gates’ Memo fälschlicherweise als Bestätigung ihrer Ansicht.
Trump behauptete, er (und „WIR!“) hätten „gerade den Krieg gegen den Klimawandel-Schwindel gewonnen“ und Gates habe „endlich zugegeben, dass er in der Sache völlig FALSCH lag“.
Obwohl Gates diese Behauptungen ausdrücklich als falsch zurückwies und weiterhin ambitiöse Dekarbonisierung unterstützte, nutzten Skeptiker sein Framing, dass der Klimawandel „nicht der Weltuntergang“ sei, um die Klimapolitik als unnötig abzutun.
III. Die Gegenbewegung und der China-Weg.
Als direkte Reaktion auf Trumps Politik formieren sich Allianzen, die ihm entgegenwirken wollen:
- Zersplitterte USA: Die USA treten nicht geschlossen auf. Über einhundert Vertreter von US-Bundesstaaten und Gemeinden nehmen als „America is all in“ an der COP30 teil.
- Diese Gruppe repräsentiert rund zwei Drittel der US-Bevölkerung und drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts der USA.
- Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, inszeniert sich als Anti-Trump und setzt sich für Klimaneutralität bis 2045 ein. Diese Aktionen tragen international zur Vertrauensbildung bei.
- Der China-Weg: Der China-Weg wird als Gegenpol zur rückwärtsgewandten Politik Trumps gesehen. China treibt den Ausbau von Solar- und Windkraft massiv voran und befeuert damit den globalen Greentech-Boom.
Experten gehen davon aus, dass sich Länder nun entscheiden müssen, ob sie sich „eher in Richtung Trump orientieren, der rückwärtsgewandt ist, auf die Bremse tritt und an der Vergangenheit festhält? Oder wollen sie sich mehr in Richtung China orientieren, die aus meiner Sicht tatsächlich in Richtung Klimaschutz gehen?“.
Die Konfrontations-Ära ist letztlich ein heftiger Angriff auf das fossile Energiesystem, das sich durch den Boom der erneuerbaren Energien ernsthaft bedroht sieht und durch Trumps Politik versucht, die Energiewende aktiv anzugreifen und zu verlangsamen.
Welches sind die Inhalte der Waldschutz-Initiative (TFFF)?
Es ist sehr aufschlussreich, sich die Details dieser Initiative anzusehen, da der Waldschutz aufgrund des Austragungsortes Belém, dem Tor zum Amazonas, ein Schwerpunkt der COP30 ist.

Die Initiative zum Waldschutz, die von der brasilianischen Präsidentschaft lanciert wurde, trägt den offiziellen Namen Tropical Forests Forever Facility (TFFF). Hier sind die zentralen Inhalte und Ziele der TFFF, basierend auf den vorliegenden Quellen:
1. Grundidee und Zielsetzung.
Die TFFF ist ein Fonds, der zum weltweiten Schutz von Tropenwäldern eingerichtet wurde:
- Belohnung für Erhalt: Die Grundidee besteht darin, Länder (und indigene Völker/Gemeinden), die intakte tropische Wälder bewahren, finanziell zu belohnen.
- Wirtschaftlicher Anreiz: Der Fonds soll wirtschaftliche Anreize für den Waldschutz und gegen dessen Abholzung setzen, indem er zeigt, dass Wälder mehr wert sind, wenn sie stehen, als wenn sie abgeholzt werden.
- Kompensation: Die Gewinne, die der Fonds erwirtschaftet, sollen regelmässig an Tropenwaldländer ausgeschüttet werden, wenn diese ihre Entwaldungs- und Waldzerstörungsraten reduzieren.
2. Finanzierung und Umfang des Fonds.
Die Initiative strebt ein hohes Gesamtvolumen an, das sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Mitteln stammen soll:
- Gesamtziel: Die gemeinsame Zielhöhe aus öffentlichem Kapital und privaten Investitionen liegt bei 125 Milliarden US-Dollar.
- Anfängliche Ausstattung: Langfristig soll der Fonds auf 125 Milliarden US-Dollar anwachsen. Zum Start wurden bereits Zusagen von über 5,5 Milliarden US-Dollar eingebracht.
- Beiträge: Zu den Ländern, die ihre Unterstützung und Beiträge zugesagt oder bekundet haben, gehören:
- Brasilien: Eine Milliarde US-Dollar.
- Norwegen: Rund drei Milliarden Dollar.
- Indonesien: Eine Milliarde US-Dollar.
- Frankreich: Rund 600 Millionen US-Dollar (oder 500 Millionen Euro).
- Deutschland: Deutschland unterstützt den Fonds ebenfalls und wird einen „namhaften Betrag“ beisteuern.
3. Funktionsweise und Begünstigte.
Der Fonds soll nach einem Investitions- und Gewinnverteilungsmodell funktionieren:
- Investitionsmodell: Der Fonds investiert Geld und erwirtschaftet damit Gewinne (Renditen privater Investitionen). Mit diesen Gewinnen sollen dann jene Tropenländer belohnt werden, die ihre Regenwälder schützen.
- Direktzahlungen: Die Einnahmen (Gewinne/Renditen) werden als Direktzahlungen an die Länder, indigenen Völker und Gemeinden geleistet, deren Wälder erfasst sind.
- Bedingungen: Die Zahlungen erfolgen unter der Bedingung, dass diese Länder ihre Abholzungsraten auf ein Minimum beschränken und dies auch in Zukunft beibehalten; andernfalls setzen die Zahlungen aus.
- Vorteile: Der Fonds wäre der erste Mechanismus weltweit, der für die Bewahrung intakten Tropenwaldes – und damit auch für die Artenvielfalt und das Klima – eine finanzielle Belohnung bereitstellt.
- Unterstützung für Indigene: Der Fonds soll langfristig mindestens ein Fünftel der Mittel direkt an indigene und lokale Gemeinschaften weiterleiten.
4. Kritik und offene Fragen.
Trotz der positiven Ankündigungen gibt es Bedenken hinsichtlich der Umsetzung und Wirksamkeit:
- Integrität und Finanzmodell: Es müssen noch offene Fragen zur Integrität des Fonds und dessen Finanzmodell gelöst werden.
- Zusätzlichkeit der Mittel: Es muss sichergestellt werden, dass die öffentlich mobilisierten Gelder für den Fonds zusätzlich fliessen und nicht mit anderer Klimafinanzierung verrechnet werden, wodurch diese geschmälert würde.
- Wirksamkeit: Manche Experten mahnen zur Vorsicht vor zu grossen Erwartungen und stellen infrage, wie gross die Auszahlungen am Ende sein werden und wie stark die Anreize wirken. Aus ökonomischer Sicht wird argumentiert, dass allein Geld die Abholzung nicht stoppen werde.
- Ablenkung: Die Initiative darf den Fokus nicht von anderen wichtigen Waldschutzinstrumenten ablenken.
Der Fonds wurde kurz vor Beginn des eigentlichen Gipfels in Belém gestartet. Die BRICS-Staaten hatten bereits im Juli 2025 ihre Unterstützung zur Einrichtung dieses Regenwald-Klima-Fonds auf der COP30 beschlossen.
Welches sind Bill Gates’ Hauptaussagen um den Konflikt um die Klimanarrative?
Bill Gates hat mit seinem Memo kurz vor der COP30 eine intensive Debatte über die Kommunikations- und Handlungsstrategie im Klimaschutz ausgelöst.

Sein langes Memo wird als „narrative grenade“ (narrative Granate) bezeichnet, die den Diskurs der Klimapolitik aufgewühlt hat. Hier sind Bill Gates' Hauptaussagen, die den Kern des Konflikts um die Klimanarrative bilden:
I. Die "Drei harten Wahrheiten" (Thesen).
Das zentrale Element von Gates' Memo ist die Aufforderung an Klimaverhandlungsführer, „drei harte Wahrheiten“ („three truths“) zu berücksichtigen.
1. Klimawandel ist ernst, aber nicht das „Ende der Zivilisation“.
Gates positioniert den Klimawandel als ein „ernstes Problem“, warnt aber davor, ihn als das unvermeidliche „Ende der Zivilisation“ zu framen:
Er kritisiert die „doomsday view“ (Weltuntergangssicht), die besagt, dass eine „kataklysmische Klimaänderung die Zivilisation vernichten wird“.
Stattdessen argumentiert er, dass „Menschen für die absehbare Zukunft an den meisten Orten der Erde leben und gedeihen können“.
Gates betonte, dass der Klimawandel „ernsthafte Konsequenzen haben wird – insbesondere für Menschen in den ärmsten Ländern“.
Er bekräftigt zudem, dass „jedes Zehntelgrad Erwärmung, das wir verhindern, äusserst vorteilhaft ist“ („hugely beneficial“), da ein stabiles Klima es einfacher macht, das Leben der Menschen zu verbessern.
2. Temperaturziele sind nicht die besten Messgrössen.
Gates argumentiert, dass Temperaturziele wie das im Pariser Abkommen festgelegte 1,5-Grad-Limit „nicht die besten Kennzahlen“ („not the best goalposts“) seien, um den Fortschritt des Klimaschutzes zu messen.
3. Gesundheit und Wohlstand sind der beste Schutz.
Die beste Verteidigung der Menschheit gegen den Klimawandel sei die Verfolgung von globaler Gesundheit und wirtschaftlichem Wohlstand:
Er betont die Notwendigkeit, extreme Armut durch Verbesserungen in der Landwirtschaft und der Gesundheitsversorgung zu reduzieren.
Gates postuliert, dass technologische Innovationen (wie Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und Batteriespeicher) die Kohlenstoffintensität der globalen Wirtschaft bereits reduzieren und dass weitere bedeutende Innovationen durch gesunde und wirtschaftlich entwickelte Gesellschaften vorangetrieben werden.
II. Implizite Forderung: Fokus auf Technologie und Anpassung.
Zwei Aspekte fallen in Gates' Aufsatz besonders auf, die seinen starken Technologie-Optimismus widerspiegeln:
- Technologischer Wandel: Gates' Erklärungen sind von einem starken Glauben an technologische Lösungen unterfüttert. Er sieht technologische Innovationen – wie CO2-Abscheidung (Carbon Capture) oder kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors) – als den Schlüssel zur Lösung der Krise.
- Priorisierung der Investitionen: Gates kritisiert, dass Geld und Aufmerksamkeit für den Klimaschutz „zu weniger effektiven Projekten“ gelenkt würden, und zwar weg von Bemühungen, die eine grössere Wirkung auf die Lebensbedingungen der Menschen haben (nämlich die Eliminierung von Treibhausgasemissionen und die Reduzierung extremer Armut).
Seine Stiftung, die Gates Foundation, untermauerte diese Vision auf der COP30, indem sie eine Investition von 1,4 Milliarden US-Dollar für die Klimaanpassung von Kleinbauern in Subsahara-Afrika und Südasien ankündigte. Dies sollte die Widerstandsfähigkeit der Landwirte gegen extremes Wetter stärken.
III. Der daraus resultierende Konflikt (Klimanarrative).
Das Memo führte zu einer kommunikativen Mobilmachung und einem Diskurs-Spektakel, das zwei gegensätzliche Reaktionen hervorrief:
1. Jubel bei Klimaskeptikern und Trumps Missbrauch.
Klimaskeptiker und -kontrarianten nahmen Gates' Framing, der Klimawandel sei „nicht das Ende der Welt“, als Bestätigung ihrer Rhetorik:
Donald Trump nutzte das Memo umgehend, um die Klimadebatte anzugreifen, indem er fälschlicherweise behauptete: „Ich (WIR!) haben gerade den Krieg gegen den Klima-Schwindel gewonnen. Bill Gates hat endlich zugegeben, dass er in der Sache völlig FALSCH lag“.
Diese Reaktion rührt daher, dass Gates' Framing mit der langjährigen skeptischen Rhetorik übereinstimmt, die besagt, dass die Mainstream-Klimawissenschaft auf Angst setze, um politisch motivierte Veränderungen zu rechtfertigen.
Gates' Klarstellung: Diese Interpretation ist falsch. Gates wies Trumps Behauptung zurück und bekräftigte seine Unterstützung für eine ambitionierte Dekarbonisierung und das Ziel der Netto-Null-Emissionen.
2. Frustration bei Klimawissenschaftlern.
Einige Wissenschaftler zeigten sich frustriert und warfen Gates „fatale Irrtümer“ vor. Die Kritik konzentrierte sich auf:
- Ablenkung durch „Techno-Fixes“: Klimaforscher wie Michael E. Mann warnten, dass die übermässige Betonung von „Technik als Lösung“ (wie CO2-Abscheidung oder kleine modulare Reaktoren) „zu einer gefährlichen Strasse führt“. Solche Ansätze könnten von bewährten Minderungsstrategien ablenken und als „Pflaster“ für den Planeten dienen, während sie weiterhin „Deckung für das Weiterführen des Verbrennens fossiler Brennstoffe“ bieten.
- Falsche Gegenüberstellung von Armut und Klima: Experten widersprachen Gates’ These, Klimaschutz und Armutsbekämpfung stünden im Gegensatz zueinander. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hielt den Zielkonflikt für falsch, da „der ungebremste Klimawandel Schäden verursacht, die die Erfolge bei der Armutsbekämpfung zunichtemachen“.
Gates' Memo legte offen, wie sensibel die Klimapolitik auf das Framing reagiert und wie dieselbe Botschaft für völlig unterschiedliche politische Projekte instrumentalisiert werden kann.
Welche erneuerbare Technologien gibt es im Kampf gegen den Klimawandel?
Innovation und Technologie sind der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise und sehen im Boom der erneuerbaren Energien einen der grössten Gründe für Optimismus, da sie das Potenzial haben, eine Trendwende herbeizuführen.

Die Technologien im Kampf gegen den Klimawandel lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen, von der reinen Energieerzeugung bis hin zur Systemstabilität und Anpassung:
I. Primäre erneuerbare Energiequellen.
Die Transformation des Energiesektors hin zu erneuerbaren Quellen gilt als eine der grössten Stellschrauben im globalen Klimaschutz.
1. Solarenergie (Solar Power):
- Die Solarenergie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle aller Zeiten.
- Ihre installierte Leistung verdoppelt sich etwa alle zwei bis drei Jahre.
- Die Preise für Solar-Module sind seit 2010 um mehr als 90 Prozent gesunken.
- Solarstrom ist heute oft der günstigste Strom.
- In sonnenreichen Regionen der Erde kann Solarstrom bereits für etwa einen Cent pro Kilowattstunde produziert werden.
2. Windenergie (Wind Power):
- Die Windenergie wächst ebenfalls kontinuierlich.
- Wind- und Solarprojekte sind in 91 Prozent der Fälle bei Neubetrieb heutzutage günstiger als die günstigste Alternative aus fossilen Brennstoffen.
3. Weitere erneuerbare Quellen:
- Zu den wachsenden erneuerbaren Energiequellen gehören auch Wasserkraft, Bioenergie und Geothermie.
- Brasilien selbst, der Gastgeber der COP30, gewinnt bereits 90 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien, einschliesslich Wasserkraft, Sonne und Wind.
- Die Schweiz setzt sich auf der COP30 dafür ein, dass die Staaten die Empfehlungen der COP28 weiterverfolgen, namentlich die Verdreifachung der erneuerbaren Energien und die Verdoppelung der Energieeffizienz bis 2030.
II. Schlüsseltechnologien für Systemstabilität und Elektrifizierung.
Günstiger grüner Strom allein reicht nicht aus; entscheidend ist die Speicherung, um ein stabiles Energiesystem zu gewährleisten.
1. Batteriespeicher (Battery Storage):
- Die Kosten für Batteriespeicher sind seit 2010 um fast 90 Prozent gefallen.
- Speicher sind entscheidend dafür, dass ein Energiesystem, das nahezu ausschliesslich auf erneuerbare Energien setzt, technisch machbar und günstiger ist.
- Sie helfen, Strom dann bereitzustellen, wenn er gebraucht wird – und nicht nur bei Sonnenschein.
- Grossspeicher werden zunehmend in Deutschland und international eingesetzt, um das Stromnetz zu stabilisieren und Blackouts zu verhindern. Allein in China addieren sich Batteriespeicher auf über 100 Gigawatt Leistung.
2. Wasserstoff (Hydrogen):
- Grüner Wasserstoff wird als zentrale Brückentechnologie auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung angesehen.
- Die Bundesregierung plant den Bau von H2-ready Gaskraftwerken, die später auf klimafreundlichen Wasserstoff umgestellt werden sollen.
- Allerdings unterliegt die Produktion von „grünem“ Wasserstoff strengen EU-Kriterien (RFNBO-Kriterien), die Zusätzlichkeit (neue Anlagen), zeitliche Korrelation und geografische Korrelation der Stromerzeugung vorschreiben, um die Klimaneutralität sicherzustellen.
3. Elektrifizierung und E-Mobilität:
- Der weltweite Stromverbrauch steigt, weil Autos zukünftig mit Strom fahren und die Industrie ihre Prozesse elektrifizieren soll.
- Elektroautos bieten zudem Potenzial als Speicher für das Stromnetz.
III. Dekarbonisierung in spezifischen Sektoren.
1. CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS):
- Verfahren zur Abscheidung von CO2 während der Industrieproduktion oder direkt aus der Luft, um es danach zu speichern (Direct Air Capture).
- Deutschland hat im Bundestag ein entsprechendes Gesetz zur Abscheidung und Speicherung von CO2 verabschiedet.
- Bundeskanzler Merz propagiert diese Technologie, um am Ende auch etwas für die Umwelt zu tun.
2. Nachhaltige Flugkraftstoffe:
◦ Die EU plant, die Produktion von synthetischem grünem Kerosin (Sustainable Aviation Fuel, SAF), das mit Strom erzeugt wird, massiv zu fördern, um die Klimaziele im Flugverkehr zu erreichen.
IV. Innovationen zur Klimaanpassung (Adaptation).
Technologische Lösungen umfassen auch Innovationen, die Gesellschaften widerstandsfähiger gegen die bereits spürbaren Klimafolgen machen:
- Klima-resistente Pflanzen und Vieh: Züchtung von Sorten, die Dürre, Hitze und neu auftretenden Schädlingen standhalten und gleichzeitig Erträge und Nährwert verbessern.
- Digitale Beratungsdienste: Mobile Apps und SMS-Dienste, die Kleinbauern aktuelle und massgeschneiderte Wettervorhersagen und Informationen für Anbauentscheidungen liefern.
- Innovationen für die Bodengesundheit: Ansätze zur Wiederherstellung degradierter Böden zur Steigerung der Produktivität und Reduzierung von Emissionen.
- Die verfügbaren Technologien sind vielfältig und zeigen, dass die Menschheit Lösungen für viele Probleme der Klimakrise kennt. Der entscheidende Kampf liegt nun in der Beschleunigung dieser positiven Entwicklung und in der Umsetzung auf breiter Front.
Was ist die Rolle Deutschlands und der Optimismus durch Technologie?
Die Rolle Deutschlands und die Hoffnung, die auf technologischem Fortschritt liegt, sind zentrale Themen an der COP30. Deutschlands Rolle primär durch Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Betonung des Technologie-Optimismus, auch wenn dieser Ansatz von Kritikern hinterfragt wird.

I. Die Rolle Deutschlands (Bundeskanzler Merz).
Deutschland wird auf der COP30, die vom 10. bis 21. November 2025 in Belém stattfindet, durch Bundeskanzler Friedrich Merz beim vorausgehenden Gipfeltreffen von Staats- und Regierungschefs (6. und 7. November) vertreten. Merz betonte, dass Deutschland mit seiner Reise zeigen wolle, dass der Klimaschutz ein zentrales Anliegen der Bundesregierung sei. Seine Rolle und seine Botschaft können wie folgt zusammengefasst werden:
1. Technologie und Wirtschaft als Schlüssel zur Lösung.
Merz positioniert die Wirtschaft nicht als Problem, sondern als Schlüssel zur Lösung des Klimawandels. Er setzt auf Innovation und Technologie, um den Klimawandel erfolgreich einzudämmen.
- Marktwirtschaftliche Instrumente: Ein zentraler Baustein auf diesem Weg ist für ihn die Bepreisung von CO2 als marktwirtschaftliches und effizientes Instrument.
- Technologie-Offenheit: Der Weg der Transformation sei vollständig Technologie-offen. Er betonte, dass Deutschland Technologien wie die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS), für die der Deutsche Bundestag ein Gesetz verabschiedet hat, mitbringe, um "am Ende auch was für die Umwelt zu tun".
- Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand: Merz legt Wert darauf, dass Klimaschutz mit Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften und sozialer Akzeptanz verbunden werden muss, um langfristigen Wohlstand zu sichern.
2. Soziale Akzeptanz und Pragmatismus.
Merz' Ansatz wird als extrem pragmatische Realpolitik interpretiert, bei der die soziale Akzeptanz eine entscheidende Rolle spielt:
- Vermeidung von Überforderung: Er ist der Ansicht, dass die Gesellschaften nicht überfordert werden dürfen. Die Haltung sei, dass die Menschen nicht das Gefühl bekommen dürften, dass ihnen ihr Heizungskeller wichtiger sei als der Regenwald.
- Kein De-Growth: Merz lehnt die Idee des "De-Growth" (kein Wachstum) ab. Wachstum sei für ihn der Kernpunkt des Ganzen, und er versucht, Wachstum mit Nachhaltigkeit zu verbinden.
3. Konkrete internationale Verpflichtungen.
Deutschland bekräftigt seine finanziellen Verpflichtungen und seine Unterstützung für wichtige Initiativen:
- Finanzierung: Deutschland steuerte 2024 rund 6 Milliarden Euro an öffentlicher Klimafinanzierung bei, wobei inklusive mobilisierter privater Mittel sogar fast das Doppelte erzielt wurde. Merz betonte: "Auf Deutschland ist Verlass".
- •Waldschutz-Fonds (TFFF): Deutschland unterstützt die von Brasilien initiierte Tropical Forest Forever Facility (TFFF). Merz kündigte an, dass Deutschland einen "namhaften Betrag" zum Gelingen dieser Initiative beisteuern werde.
Kritik an Deutschlands Rolle.
Kritiker, wie Umweltorganisationen und Experten, werfen der Bundesregierung unter Merz jedoch vor, "zu wenig Tempo" und "Rückschritte" zu machen:
- Fossile Kompromisse: Es wird bemängelt, dass Deutschland "weitreichende und überbordende Gaskapazitäten" schaffen wolle und sich zu sehr auf "fossile Übergangslösungen" konzentriere, anstatt konsequent in erneuerbare Energien zu investieren.
- Löchrige EU-Ziele: Die Bundesregierung hat das entschärfte EU-Klimaziel für 2040 (mit "Schlupflöchern" durch Zertifikate aus Drittstaaten) unterstützt.
- Wasserstoff-Dilemma: Der Plan der Merz-Regierung, Gaskraftwerke "H2-ready" zu bauen, wird durch strenge EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff (RFNBO-Kriterien) erschwert. Diese Regeln verteuern die Wasserstoffproduktion in Deutschland um bis zu 20 Prozent und drohen, Verzögerungen beim Erdgas-Ausstieg zu verursachen.
II. Der Optimismus durch Technologie.
Trotz der ernüchternden globalen Bilanz und der politischen Herausforderungen sehen die Quellen im technologischen Fortschritt und der Energiewende den grössten Grund für Optimismus und das Potenzial für eine Trendwende.
1. Die wirtschaftliche Überlegenheit erneuerbarer Energien:
- Kostenentwicklung: Erneuerbare Energien sind inzwischen oft wirtschaftlicher als fossile. Solar- und Windstrom sind heute die günstigsten Energiequellen der Welt.
- Wachstum: Solarenergie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle aller Zeiten. Die Preise für Solarmodule sind seit 2010 um mehr als 90 Prozent gesunken.
- Boom-Beweis: Im Jahr 2024 waren 91 Prozent der neu in Betrieb genommenen Wind- und Solarprojekte günstiger als die günstigste verfügbare Alternative fossiler Brennstoffe.
2. Speichertechnologie und Machbarkeit:
- Systemstabilität: Ein entscheidender Trend ist der Rückgang der Kosten für Batteriespeicher, die seit 2010 um fast 90 Prozent gefallen sind.
- Technische Machbarkeit: Es gibt immer mehr Belege dafür, dass ein Energiesystem, das nahezu ausschliesslich auf erneuerbare Energien setzt, technisch machbar und zudem günstiger ist. Batteriegrossspeicher helfen, das Stromnetz zu stabilisieren und Blackouts zu verhindern.
3. Greentech als Wirtschaftsmotor Deutschlands:
- Wachstumstreiber: Grüne Technologien (Greentech) sind längst das industrielle Rückgrat Deutschlands und wachsen schneller als die Gesamtwirtschaft.
- Wertschöpfung und Jobs: Der deutsche Greentech-Sektor erwirtschaftet über 314 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung (fast neun Prozent der Wirtschaftsleistung) und schafft Millionen von Arbeitsplätzen.
- Export: Clean Tech "made in Germany" macht bereits mehr als acht Prozent der deutschen Exporte aus.
- Standortfrage: Die Energiewende wird nicht mehr als Kostenfrage, sondern als Standortfrage betrachtet, wobei grüne Wertschöpfung Kostenvorteile und Zukunftsmärkte sichert.
4. Positive Kipppunkte:
Einige Experten sehen in dem neuen Energiesystem und dem Boom der erneuerbaren Energien einen positiven Kipppunkt. Die Geschwindigkeit des Klimaschutzes überholt in manchen Bereichen bereits die der internationalen Verhandlungen.
Zusammenfassend verfolgt Deutschland eine Rolle, in der Klimaschutz und Wirtschaft Hand in Hand gehen sollen, wobei die Technologie als entscheidender Hebel und Wachstumsfaktor gesehen wird, um die Transformation mit sozialer Akzeptanz zu realisieren. Der Optimismus stützt sich dabei stark auf die unaufhaltsame Dynamik des Greentech-Booms und die ökonomischen Vorteile von Wind- und Solarenergie.
Die Debatte über die Zukunft der deutschen Industrie wird im Spannungsfeld des Klimaschutzes geführt.
I. Kontext und Dringlichkeit des Klimaschutzes.
Die Diskussion findet zu einem kritischen Zeitpunkt für das Weltklima statt. Im vergangenen Jahr wurden die höchsten Temperaturen und die höchsten CO2-Emissionen seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Trotz dieser alarmierenden Entwicklungen ist der Klimaschutz in der Prioritätenliste von Bürgern und Politik zurückgefallen, unter anderem aufgrund der schwächelnden Wirtschaft.
II. Die Deutsche Industrie in der Krise.
Die deutsche Industrie steht vor großen Herausforderungen; seit 2019 sind rund 150.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.
1. Die Bedeutung der Chemiebranche.
Die Chemiebranche (die auch die Pharmaindustrie umfasst) ist gemessen an den Beschäftigten die zweitgrößte Branche in Deutschland:
- Fundamentale Wichtigkeit: Die Produkte der Chemieunternehmen bilden oft die Grundlage für andere Unternehmen und stehen am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. Sie ist von eminenter Bedeutung für den Wirtschaftsstandort insgesamt.
- Gefahren der Abwanderung: Bei einer Verlagerung der Produktion ins Ausland drohen viele Arbeitsplatzverluste, wegbrechende Steuereinnahmen und eine unangenehme Abhängigkeit von Importen aus Asien oder Amerika. Ein Wegbrechen einzelner Bausteine in der Chemieindustrie, insbesondere an sogenannten Verbundsstandorten, kann einen Dominoeffekt mit enormen Auswirkungen auf das gesamte Konstrukt auslösen.
2. Ursachen der Krise.
Die Probleme der Branche sind größtenteils durch die Kosten im Energie- und Klimabereich bedingt:
- Hohe Kosten und Wettbewerb: Die Branche leidet unter hohen Stromkosten und sinkenden Aufträgen. Gleichzeitig ist sie mit billigeren Chemieprodukten aus China konfrontiert und hat im Vergleich zu den USA (die weniger Handelsschranken bieten) Nachteile. Die Auslastung liegt aktuell bei nur 70 %, während erst ab etwa 80 % profitabel gearbeitet werden kann.
- Bürokratie und Infrastruktur: Der Verband der chemischen Industrie (VCI) nennt Bürokratie, Investitionen in die Infrastruktur und die Schuldenbremse als größere Probleme als die Energiepreise oder den Klimaschutz selbst.
- Die Dekarbonisierungs-Zwickmühle: Die Industrie fühlt sich in die Zange genommen. Sie muss ihre Anlagen elektrifizieren, benötigt dafür aber günstigen Strom, der aktuell zu teuer ist, um einen positiven "Business Case" zu schaffen. Gleichzeitig drohen hohe CO2-Kosten, wenn die Umstellung auf neue, klimafreundliche Verfahren (wie wasserstoffbasierte Prozesse) nicht schnell genug gelingt.
III. Die Debatte um den Emissionshandel (ETS).
Der Emissionshandel der EU ist seit 20 Jahren in Kraft und gilt als extrem erfolgreich, besonders im Energiesektor, wo Emissionen halbiert wurden:
- Bisherige Entlastung: Die energieintensive Industrie wurde bisher weitgehend von den Klimaschutzkosten entlastet, da sie kostenlose Emissionszertifikate erhielt, um einen Wettbewerbsnachteil (Carbon Leakage) gegenüber ausländischen Anbietern zu vermeiden.
- Die Verschärfung: Ab 2026 soll die kostenlose Zuteilung stark eingeschränkt werden, was die Branche vor enorme finanzielle Herausforderungen stellt. Einige Industriemanager (z. B. Christian Kulmann von Evonik) fordern daher eine Radikalreform oder sogar die Abschaffung der CO2-Gebühr.
- Der Konsens zur Anpassung: Viele Akteure, darunter der VCI, betonen, dass der Emissionshandel nicht abgeschafft werden dürfe. Stattdessen sei eine Anpassung erforderlich, um auf die veränderten Realitäten zu reagieren.
- Forderung nach mehr Zeit: Die Industrie argumentiert, dass die Voraussetzungen für die Dekarbonisierung (z. B. Netzausbau, Verfügbarkeit von günstigem Ökostrom und Wasserstoffpipelines) langsamer voranschreiten als erhofft. Die Forderung der Branche, die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten nicht so schnell abzuschmelzen, wird auch von den EU-Umweltministern als vernünftiger Vorschlag unterstützt.
IV. Lösungsansätze und Instrumente.
Diskutiert wurden verschiedene Wege, um die Industrie in dieser Transformationsphase zu unterstützen:
- Industriestrompreis: Die Idee eines Industriestrompreises soll die akuten Kosten senken. Allerdings wird er von Experten eher als „Trostpflaster“ angesehen, da er strukturell nichts an den hohen deutschen Stromkosten ändert. Die EU-Kommission knüpft strenge Bedingungen daran (z. B. Befristung auf drei Jahre; nur für die Hälfte der Strommenge; Investition der Hälfte des Rabattes in Effizienz).
- Strompreiskompensation (SPK): Dieses existierende Instrument entlastet energieintensive Unternehmen, indem es die indirekte Belastung durch den CO2-Preis, der im Strompreis enthalten ist, kompensiert.
- Wasserstoffstrategie: Die Umstellung auf grünen Wasserstoff ist essenziell, läuft aber langsamer als geplant. Die Preise sind höher, und der Infrastrukturausbau stockt. Es wird kritisiert, dass unpragmatische und bürokratische Vorgaben der EU (z. B. der sogenannte „Demeter Wasserstoff“, der nur Strom aus zusätzlichen Anlagen zulässt) die Produktion unnötig verteuern und Investitionen verzögern.
- Nachfrageimpulse: Durch öffentliche Aufträge (z. B. Deutsche Bahn, Autobahn GmbH) könnte die öffentliche Hand Märkte für grüne Produkte schaffen (z. B. grünen Stahl), was wiederum die Preise durch Skalierung senken würde.
- Klimazoll (CBAM): Dieser Klimazoll soll in der EU eingeführt werden, um Importe aus Ländern, die keinen CO2-Preis zahlen, zu belegen und somit die heimische, klimafreundlich produzierende Industrie vor Wettbewerbsnachteilen zu schützen. Derzeit gilt er in der Chemieindustrie jedoch nur für Düngemittel.
V. Die Rolle Deutschlands und der EU.
Obwohl die EU nur für etwa 6 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist (Deutschland allein an neunter Stelle), ist das Argument, sich weniger anzustrengen, laut Experten grundfalsch:
- Vorbildfunktion: Als hochentwickeltes Industrieland muss die EU zeigen, dass es möglich ist, klimaneutral zu werden, ohne die Wirtschaft zu ruinieren. Gelingt dies, könnte die EU als Vorbild für große Emittenten wie China und die USA dienen.
- Sicherheits- und Wirtschaftspolitik: Ein schneller Schwenk zu erneuerbaren Energien reduziert die Abhängigkeit von fossilen Importen aus autokratischen Systemen (wie Russland und Saudi-Arabien) und hält die jährlich für fossile Energien ausgegebenen 400 Milliarden Euro in Europa.
- Soziale Gerechtigkeit: Die Politik wird dafür kritisiert, nicht ausreichend für Dämpfung und Kostensenkung bei privaten Haushalten gesorgt zu haben, insbesondere bei sozial schwachen Bürgern. Wichtige Instrumente wie das Klimageld wurden bisher nicht umgesetzt.
- Die Herausforderung besteht darin, die Dekarbonisierung mit demokratischen Mitteln umzusetzen und einen Verteilungskampf zu verhindern, indem alle Akteure bereit sind, einen Preis für die Sicherung der Zukunft zu zahlen.
Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung.
COP30 Weltklimakonferenz – Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung, Energiekrise, Geopolitik und Strukturwandel. Strukturelle Abhängigkeiten als Sicherheitsrisiko, geopolitische Zwänge und die Strategie der Elektrifizierung.
Deutschlands Neuausrichtung, Elektrifizierung.
Welches sind die Gründe für Optimismus: Der Boom der Erneuerbaren, Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, sind heute oft wirtschaftlicher als fossile Brennstoffe.
Die dynamische Entwicklung der erneuerbaren Energien und ihre zunehmende Wirtschaftlichkeit sind tatsächlich die zentralen Gründe für Optimismus im Kampf gegen die Klimakrise.

Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung, welche Faktoren diesen Optimismus begründen, basierend auf den vorliegenden Informationen:
I. Die ökonomische Überlegenheit erneuerbarer Energien.
Die wichtigste Quelle für Optimismus ist, dass der Klimaschutz durch erneuerbare Energien von einer moralischen oder politischen Notwendigkeit immer mehr zu einer ökonomischen Notwendigkeit wird:
- Wirtschaftlicher Vorteil: Erneuerbare Energien sind inzwischen oft wirtschaftlicher als fossile Brennstoffe.
- Wettbewerbsfähigkeit: Im Jahr 2024 waren 91 Prozent der neu in Betrieb genommenen Wind- und Solarprojekte günstiger als die günstigste verfügbare Alternative fossiler Brennstoffe.
- Solarstrom ist der günstigste Strom: Insbesondere die Solarenergie ist zum günstigsten Strom geworden. In sonnenreichen Regionen der Erde kann Solarstrom bereits für etwa einen Cent pro Kilowattstunde produziert werden. Selbst in nordeuropäischen Ländern, die weniger Sonneneinstrahlung aufweisen, kann Strom aus Wind oder Sonne bereits ab etwa vier Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden.
II. Der Boom und die Preisentwicklung.
Der Boom bei den erneuerbaren Technologien, vor allem Solar, übertrifft oft die Geschwindigkeit der internationalen politischen Verhandlungen:
- Schnellstes Wachstum: Solarenergie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle aller Zeiten.
- Kontinuierliche Verdopplung: Die installierte Leistung von Solarenergie verdoppelt sich etwa alle zwei bis drei Jahre.
- Massiver Preissturz: Die Preise für Solarmodule sind seit 2010 um mehr als 90 Prozent gesunken.
- Dieser Erfolg im Energiebereich wird als der „Mutmacher Nummer eins“ bezeichnet, da erneuerbare Energien jedes Jahr mit noch geringeren Kosten und noch schnellerem Ausbau überraschen.
UN-Generalsekretär António Guterres betonte, dass eine Revolution hin zu sauberer Energie begonnen habe und Solar- und Windenergie heute die günstigsten Energiequellen seien
III. Positive Dynamik durch Technologie und Systemwandel.
Ein zweiter entscheidender Trend, der diesen Optimismus untermauert, ist der technologische Fortschritt bei der Speicherung und die Entstehung eines neuen Energiesystems:
1. Günstige Speichertechnologie:
Die Kosten für Batteriespeicher sind seit 2010 um fast 90 Prozent gefallen. Dies ist entscheidend, da günstiger grüner Strom allein nicht ausreicht, sondern ein stabiles Energiesystem die Energie dann bereitstellen muss, wenn sie gebraucht wird.
2. Technische Machbarkeit:
Es gibt immer mehr Belege dafür, dass ein Energiesystem, das nahezu ausschliesslich auf erneuerbare Energien setzt, technisch machbar und zudem günstiger ist.
3. Positive Kipppunkte:
Einige Experten sehen im neuen Energiesystem einen positiven Kipppunkt, der das Potenzial hat, eine Trendwende im Kampf gegen den Klimawandel herbeizuführen.
IV. China als Motor des Wandels.
Der Boom der Erneuerbaren wird massgeblich von China vorangetrieben, was die globale Energiewende beschleunigt und Optimismus weckt:
China trieb 2024 den Ausbau von Solar- und Windkraft mit enormem Tempo voran und schaltete viermal so viel Leistung aus Solaranlagen und sechsmal so viel aus Windrädern ans Netz wie die EU.
Dieses Tempo überholt das der internationalen Verhandlungen. Der chinesische Erneuerbaren-Turbo lässt den Kampf gegen die Erderhitzung gewinnbarer erscheinen als je zuvor.
Die ökonomische Realität, dass erneuerbare Energien billiger und sicherer sind, motiviert auch Länder des Globalen Südens, die fossile Ära zu überspringen. Beispielsweise wurde in Ländern wie Pakistan deutlich, dass Solar- und Windenergie weit sicherer und oft billiger sind als fossile Importe, wodurch sie unabhängig werden.
Der Optimismus rührt also nicht nur von den Zielen her, sondern von der harten ökonomischen Realität, dass saubere Energie heute die intelligentere und günstigere Wahl ist.
Wie sieht die Klimafinanzierung aus und welche Anpassungen soll es geben?

Die Klimafinanzierung ist ein sehr wichtiger und zentraler Themenkomplex der COP30, denn die Klimafinanzierung und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind die Hauptstreitpunkte zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Hier ist eine detaillierte Zusammenfassung der Klimafinanzierung und der geplanten Anpassungsstrategien:
I. Internationale Klimafinanzierung.
Die Finanzierung des globalen Klimaschutzes ist eines der „brennenden Themen“ der COP30.
1. Das neue Klimafinanzierungsziel (NCQG).
Nachdem die Industriestaaten das ursprüngliche Ziel von $100 Milliarden US-Dollar pro Jahr (versprochen ab 2020 in Kopenhagen 2009) nicht rechtzeitig erreicht hatten, wurde auf der COP29 in Baku ein neues, höheres Finanzierungsziel festgelegt:
- Mindestziel: Die Vertragsstaaten einigten sich auf ein neues Finanzierungsziel von 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2035. Dieses Geld soll für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern bereitgestellt werden.
- Kritik am Ziel: Dieses beschlossene Ziel wird als unbefriedigend und weit unter dem Bedarf liegend kritisiert. Die ärmsten Länder des Globalen Südens bräuchten jährlich 1.000 Milliarden US-Dollar (1 Billion) um ihre Emissionen zu reduzieren und ihre wirtschaftliche Entwicklung klimagerecht voranzutreiben.
- Langfristige Roadmap: Parallel dazu wurde die „Baku to Belém Roadmap to 1.3 T“ initiiert. Das Ziel dieser Roadmap ist die Mobilisierung von 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr ab 2035 aus öffentlichen und privaten Quellen. Dieses Ziel muss auf der COP30 weiter konkretisiert werden, indem die Länder definieren, wie die zusätzlich notwendigen Finanzquellen erschlossen werden können.
2. Rolle und Forderungen.
Die Finanzierung ist eine ökonomische und moralische Notwendigkeit:
- Forderungen des Globalen Südens: Stark vom Klimawandel betroffene und weniger wohlhabende Staaten kritisierten die beschlossenen Klimahilfen als zu gering und zu unverbindlich. Die Entwicklungsländer verlangen mehr finanzielle Unterstützung von den Industriestaaten.
- Prinzip der Verursacher: Es wird gefordert, dass die Klimafinanzierung nach dem Verursacherprinzip erfolgt und grosse Verschmutzer wie fossile Konzerne ihren fairen Beitrag leisten.
- Zuschüsse statt Schulden: Um die Schuldenlast des Globalen Südens nicht weiter zu verschärfen, wird gefordert, dass zusätzliche Mittel vor allem in Form von Zuschüssen bereitgestellt werden.
- Schweizer Engagement: Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass die internationalen Investitionen in den Klimaschutz gestärkt und die Wirtschaft aktiver einbezogen wird.
3. Deutsche Beteiligung.
Deutschland betonte seine Verlässlichkeit bei der Klimafinanzierung:
- Im Jahr 2024 steuerte Deutschland rund 6 Milliarden Euro an öffentlicher Klimafinanzierung bei.
- Inklusive mobilisierter privater Mittel war es sogar fast das Doppelte.
- Bundeskanzler Merz erklärte: „Auf Deutschland ist Verlass“.
- Trotzdem wird befürchtet, dass aufgrund der Haushaltsplanungen der neuen Regierung an der Finanzierung der Zukunftsfähigkeit gespart werden soll.
II. Klimaanpassung (Adaptation).
Die Anpassung an die wachsenden Auswirkungen des Klimawandels ist ein zentrales Thema bei der COP30 und eine Priorität der brasilianischen Präsidentschaft.
1. Global Goal on Adaptation (GGA).
Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse (wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen) reicht die reine Emissionsreduktion nicht mehr aus:
- Ziel: Die Verhandlungen auf der COP30 zielen darauf ab, das Arbeitsprogramm zu den Indikatoren zur Messung des Fortschritts bei Klimaanpassungsmassnahmen abzuschliessen. Dies ist Teil des sogenannten Global Goal on Adaptation.
- Regionale Vulnerabilität: Besonders im Amazonasgebiet, wo indigene und ländliche Gemeinschaften von Entwaldung und Wetterextremen betroffen sind, soll die COP30 Wege aufzeigen, wie vulnerable Regionen widerstandsfähiger gemacht werden können.
2. Der immense Finanzbedarf für Anpassung.
Der globale Bedarf an Anpassungsfinanzierung ist extrem hoch:
- Finanzierungslücke: Der Finanzmittelbedarf der Entwicklungsländer zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist laut dem Emissions Gap Report 2025 12- bis 14-mal so hoch wie die tatsächlich zugesagten Investitionen der Industrieländer.
- Forderungen: Der Globale Süden fordert die Verdreifachung der Klimafinanzierung für Klimaanpassung.
3. Wirtschaftliche und Soziale Notwendigkeit der Anpassung.
Experten betonen, dass Anpassung nicht nur eine moralische oder entwicklungspolitische, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist:
- Steigerung des BIP: Forschung der Weltbank zeigt, dass gezielte Anpassungsinvestitionen das Bruttoinlandsprodukt (BIP), insbesondere in kleinen Inselentwicklungsstaaten, bis 2050 um bis zu 15 Prozentpunkte steigern könnten.
- Sozialer und Ökonomischer Nutzen: Das World Resources Institute schätzt, dass jeder in Klimaanpassung investierte Dollar mehr als $10 an sozialen und wirtschaftlichen Vorteilen innerhalb eines Jahrzehnts erbringt.
- Armutsbekämpfung: Ohne stärkere Investitionen in die Anpassung werden Klimaschocks die Ernährungssicherheit gefährden und die Erfolge bei der Armutsbekämpfung zunichtemachen. Anpassungsinvestitionen haben das Potenzial, 175 Millionen Menschen aus extremer Armut zu holen.
4. Konkrete Anpassungsinitiativen (Gates Foundation).
Die Gates Foundation kündigte auf der COP30 eine konkrete Investition zur Anpassung an, die die Priorität von lokal getriebenen Lösungen unterstreicht:
- Investitionsvolumen: Eine vierjährige Investition in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar wurde angekündigt, um die Klimaanpassung voranzutreiben und Kleinbauern bei der Stärkung ihrer Widerstandsfähigkeit gegen die Erwärmung zu unterstützen.
- Zielgruppen und Regionen: Das Geld soll Kleinbauern in Subsahara-Afrika und Südasien zugutekommen, die am stärksten von Dürren, Überschwemmungen und steigenden Temperaturen betroffen sind.
- Innovationsbereiche: Die Investition unterstützt bewährte, bäuerlich geführte Innovationen, darunter:
- Digitale Beratungsdienste: Mobile Apps und SMS, die zeitnahe, massgeschneiderte Informationen für Anbauentscheidungen liefern.
- Klimaresistente Pflanzen und Vieh: Sorten, die Dürre, Hitze und neuen Schädlingen standhalten und gleichzeitig Erträge und Nährwert verbessern.
- Bodengesundheits-Innovationen: Ansätze zur Wiederherstellung von degradiertem Land zur Steigerung der Produktivität und Reduzierung von Emissionen.
Die Anpassung und die Klimafinanzierung spiegeln das Dilemma wider, das auf der COP30 gelöst werden muss: Wie kann die Welt die Lücke zwischen dem enormen Bedarf und den tatsächlich fliessenden Mitteln schliessen, insbesondere um jene zu unterstützen, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben.
Welche Massnahmen sollen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren umgesetzt werden?
Basierend auf dem Zeithorizont von den nächsten zehn bis zwanzig Jahren (also grob bis 2035 und 2045) lassen sich mehrere dringende und spezifische Massnahmen identifizieren, die umgesetzt oder beschleunigt werden sollen.

Viele dieser Massnahmen zielen darauf ab, die immense Lücke zwischen den aktuellen Anstrengungen und dem notwendigen Pfad zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu schliessen.
I. Emissionsminderung (Mitigation) und globale Ausstiegspläne.
Im Zentrum stehen der Ausstieg aus fossilen Energieträgern und die massive Beschleunigung der Energiewende, hauptsächlich bis zum Zieljahr 2030 und 2035.
1. Vorgaben aus der COP28 (Bis 2030).
Die Schweiz setzt sich auf der COP30 dafür ein, dass die Staaten die Empfehlungen der COP28 (Dubai 2023) weiterverfolgen:
- Verdreifachung der erneuerbaren Energien bis 2030.
- Verdoppelung der Energieeffizienz bis 2030.
- Weltweiter Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis 2050.
UN-Generalsekretär Guterres forderte einen radikalen Kurswechsel, bei dem keine neuen Kohlekraftwerke und keine neuen Öl- und Gasprojekte mehr genehmigt werden dürfen.
2. Nationale Klimaschutzbeiträge (NDCs) bis 2035.
Alle Staaten sind im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet, ambitionierte neue nationale Klimaziele (NDCs) für 2035 einzureichen und wirksame Massnahmen zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen zu ergreifen:
- Notwendige Reduktionen: Um auf einem mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen Pfad zu sein, wären Reduktionen der Treibhausgasemissionen von 60 Prozent bis 2035 gegenüber 2019 nötig.
- Forderung: Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass alle Länder, vor allem diejenigen mit grossem Treibhausgas-Ausstoss, ambitionierte neue Verminderungsziele einreichen.
- Lückenschluss: Die COP30 soll einen klaren Plan hervorbringen, wie die Länder gemeinsam die Lücke zwischen den eingereichten und den notwendigen nationalen Zielen schliessen können.
3. Sektorspezifische Dekarbonisierung.
Luftfahrt: Die EU plant eine massive Förderung der Produktion von synthetischem grünem Kerosin (SAF), um die Klimaschutzziele im Flugverkehr zu erreichen.
- Bereits ab 2025 müssen zwei Prozent des benötigten Flugbenzins mit nachhaltigem Kerosin gedeckt werden.
- Diese Quote soll schrittweise bis auf 70 Prozent im Jahr 2050 erhöht werden.
II. Finanzierung, Gerechtigkeit und Waldschutz.
Besonders in den nächsten zehn Jahren müssen finanzielle Zusagen konkretisiert und umgesetzt werden, um die Lücke zwischen Nord und Süd zu schliessen.
1. Klimafinanzierung (bis 2035).
Die Lücke zwischen Bedarf und Zusagen ist enorm, und Massnahmen müssen ergriffen werden, um die Finanzierung zu skalieren:
- Skalierung auf 1,3 Billionen US-Dollar: Die „Baku to Belém Roadmap to 1.3 T“ muss konkretisiert werden, um jährlich 1,3 Billionen US-Dollar ab 2035 aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz und Anpassung zu mobilisieren.
- Zusätzliche Mittel: Die COP30 sollte bestenfalls einen Aktionsplan mit konkreten Zwischenschritten liefern, wie die 1,3 Billionen US-Dollar erreicht werden.
- Zuschüsse: Es ist entscheidend, dass die zusätzlich notwendigen Mittel, besonders für den Globalen Süden, vor allem in Form von Zuschüssen bereitgestellt werden, um die Schuldenlast zu vermeiden.
- Verursacherprinzip: Es ist notwendig, dass grosse Verschmutzer wie fossile Konzerne ihren fairen Beitrag zur Klimafinanzierung leisten.
- Steuern: Eine dringende Forderung der Zivilgesellschaft ist die Einführung progressiver Steuern auf Einkommen, Vermögen, Übergewinne, Finanztransaktionen und Luxusgüter, einschliesslich Aufschlägen für Klimaschäden.
2. Waldschutz und indigene Rechte.
Der Schutz der Wälder ist ein Eckpfeiler des Klimaschutzes und der biologischen Vielfalt:
- TFFF: Der von Brasilien initiierte Fonds Tropical Forest Forever Facility (TFFF) soll auf den Weg gebracht werden. Ziel ist es, bis zu 125 Milliarden US-Dollar durch öffentliches Kapital und private Investitionen zu mobilisieren, um Länder für den Erhalt intakter Tropenwälder zu belohnen.
- Stopp der Entwaldung: Es wird gefordert, dass die weltweite Entwaldung bis 2030 komplett gestoppt wird.
- Unterstützung Indigener: Es braucht verlässliche und faire Finanzierungsinstrumente, wobei das Geld direkt den indigenen Gemeinschaften zugutekommen sollte, die die Wälder schützen.
3. Anpassung (Adaptation).
Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird immer wichtiger.
- Messbarkeit: Die Verhandlungen auf der COP30 zielen auf den Abschluss des Arbeitsprogramms zu Indikatoren zur Messung des Fortschritts bei Klimaanpassungsmassnahmen (Global Goal on Adaptation) ab.
- Verdreifachung der Mittel: Der Globale Süden fordert die Verdreifung der Klimafinanzierung für Klimaanpassung.
- Konkrete Innovationsbereiche: Investitionen sollen in lokal getriebene Anpassungslösungen fliessen, wie die Erweiterung des Zugangs zu:
- Klimaresistenten Pflanzen und Vieh.
- Digitalen Beratungsdiensten (Wettervorhersagen, Pflanzentscheidungen).
- Innovationen für die Bodengesundheit.
III. Systemische und technologische Weichenstellungen.
Die nächsten Jahre erfordern Investitionen, die auf die langfristige Transformation bis 2045 (Klimaneutralitätsziel Deutschlands) abzielen:
- CO2-Bepreisung: Die Bepreisung von CO2 soll als marktwirtschaftliches und effizientes Instrument in der Transformation dienen.
- Umsetzung des Emissionshandels (ETS2): Der Emissionshandel ETS2 für Brennstoffe im Gebäude- und Verkehrsbereich muss umgesetzt werden, um diese Sektoren schrittweise zu verteuern und Investitionen in saubere Heizungen und E-Mobilität attraktiver zu machen.
- Technologie-Einsatz: Die Nutzung von Technologien wie der Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS), für die Deutschland ein Gesetz verabschiedet hat, soll eine immer wichtigere Rolle spielen.
- Verzahnung von Klima- und Naturschutz: Es muss darauf gedrängt werden, dass die grossen Umweltabkommen zu Klima, Biodiversität und Böden besser miteinander verzahnt werden, um Synergien zu nutzen.
- Sozial gerechter Übergang (JTWP): Das Arbeitsprogramm zum gerechten Übergang (Just Transition Work Program – JTWP) muss konkretisiert werden, um eine sozial gerechte Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen sicherzustellen. Dies soll insbesondere die Bevölkerungsgruppen einbeziehen, die von der Transformation (z.B. der Energiewende) besonders betroffen sind.
Welches sind die grössten Risiken, welche die Umsetzung der Massnahmen gefährden?
Die Wirksamkeit der auf der COP30 beschlossenen Massnahmen hängt davon ab, ob die globalen und nationalen Risiken, die der Umsetzung im Wege stehen, überwunden werden können.

Es gibt mehrere grundlegende Risiken und Bedrohungen, welche die ambitionierte und schnelle Umsetzung von Klimaschutzmassnahmen gefährden:
I. Politische und geopolitische Blockaden.
Die grösste Gefahr geht von der bröckelnden internationalen Zusammenarbeit und einem Rückfall in die fossile Politik aus, was zu einer „neuen Ära der Konfrontation“ führt:
- Der "Trump-Faktor" und die Anti-Klimapolitik der USA: Der Wiederausstieg der USA, des zweitgrössten Emittenten, aus dem Pariser Klimaabkommen, der im Januar 2026 wirksam wird, erschüttert das Vertrauen der Weltgemeinschaft massiv.
- Zerstörerische Wirkung: Es besteht die Gefahr, dass die USA „destruktiv wirken“ und die Konferenz in Belém nutzen, um „Koalitionen für fossile Energien zu bilden“.
- Angriff auf Klimaschutz: US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, fossile Energieträger massiv zu fördern („Drill, baby, drill!“) und Wind- und Solar-Projekte aktiv zu verbieten.
- Wegfall der Finanzierung: Die USA beteiligen sich „überhaupt nicht mehr an der Klimafinanzierung“ und unterstützen die Energiewende in anderen Ländern nicht länger.
- Widersprüchliches Handeln der Gastgeber und grosser Emittenten: Selbst das Gastgeberland Brasilien gerät in die Kritik, da es einerseits den Waldschutz betont, aber gleichzeitig plant, die Förderung fossiler Brennstoffe auszuweiten, um der viertgrösste Ölproduzent der Welt zu werden. Solche Widersprüche existieren in vielen Ländern, einschliesslich der Europäischen Union.
- Scheitern des Konsensprinzips: Das Pariser Abkommen basierte auf Konsens, war aber „nicht dafür ausgelegt“, dass der zweitgrösste Emittent Klimaschutz „aktiv angreift“. Dies führt zu einer „Ära der Konfrontation“.
- Geopolitische Prioritäten: Weltweit drängen Kriege und geopolitische Spannungen das Thema Klimaschutz in den Hintergrund. Eine globale Studie zeigt, dass nationale Energiesicherheit und Resilienz als staatliche Ziele des Infrastrukturwandels die globale Klimakooperation als Priorität ablösen.
II. Mangelnde Ambition und Umsetzungslücken:
Trotz vieler Ziele besteht weiterhin eine immense Kluft zwischen den politischen Versprechen und den tatsächlichen, umgesetzten Massnahmen:
- Unzureichende NDCs: Die kollektiven nationalen Klimaziele (NDCs), die bisher eingereicht wurden, sind kollektiv gesehen zu niedrig. Selbst wenn alle Ziele vollständig umgesetzt würden, steuert die Welt auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 °C zu, während für das 1,5-Grad-Ziel deutlich drastischere Reduktionen nötig wären.
- "Schlupflöcher" und Verwässerung: Die Abschwächung der EU-Klimaziele für 2040 durch die Möglichkeit, bis zu fünf Prozentpunkte der Reduktion durch den Kauf von Klimagutschriften in Drittstaaten zu kompensieren, gilt als gefährlicher Rückschritt und „gefährliche Abschwächung“. Kritiker warnen, dass dies dringende Investitionen in die europäische Industrie abziehen würde.
- Verzögerte Massnahmen: Die Verschiebung des Starts des Emissionshandels (ETS2) für Gebäude und Verkehr in der EU von 2027 auf 2028, sowie der Fokus auf „fossile Übergangslösungen“ wie Gaskraftwerke, verzögert den dringend notwendigen Klimaschutz.
- Lobbyismus und finanzielle Blockaden: UNO-Generalsekretär Guterres kritisierte, dass enorme staatliche Subventionen in die Öl-, Gas- und Kohleindustrie fliessen und „Milliarden für Lobbyarbeit ausgegeben werden, die Öffentlichkeit getäuscht und Fortschritt blockiert wird“.
III. Ökonomische und soziale Risiken.
Die Umsetzung wird durch Bedenken hinsichtlich der Finanzierbarkeit und der sozialen Gerechtigkeit erschwert:
- Finanzierungslücke: Das neue Klimafinanzierungsziel von $300 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2035 liegt weit unter dem geschätzten jährlichen Bedarf von $1.000 Milliarden US-Dollar des Globalen Südens. Der Finanzmittelbedarf der Entwicklungsländer zur Anpassung ist 12- bis 14-mal höher als die zugesagten Investitionen der Industrieländer. Ohne eine Schliessung dieser Lücke ist eine klimagerechte Entwicklung nicht möglich.
- Gefahr der sozialen Überforderung: Die Umsetzung ambitionierter Klimapolitiken, wie die CO2-Bepreisung, birgt das Risiko der „gesellschaftlichen Akzeptanz“. Politiker befürchten, dass die Gesellschaften „nicht überfordert werden dürfen“. Die Angst vor steigenden Kosten (z.B. für Sprit oder Heizung) könnte Wähler zu radikaleren Parteien treiben, die den Klimaschutz ablehnen.
- Tech-Optimismus als Ablenkung: Gates' Betonung von „Techno-Fixes“ wie CO2-Abscheidung (CCS) oder kleinen modularen Reaktoren kann nach Ansicht von Klimawissenschaftlern von bewährten Minderungsstrategien ablenken und „Deckung für das Weiterführen des Verbrennens fossiler Brennstoffe“ bieten.
- Hohe Kosten neuer Technologien: Im Bereich des grünen Wasserstoffs drohen bürokratische EU-Regeln (RFNBO-Kriterien) die Kosten in Deutschland um bis zu 20 Prozent zu erhöhen, was die Transformation erschwert und Verzögerungen beim Erdgas-Ausstieg riskiert.
IV. Unumkehrbare ökologische Risiken.
Die Dringlichkeit wird durch das Risiko der Kipppunkte weiter verschärft, die bei nicht ausreichender Geschwindigkeit der Umsetzung zu katastrophalen, selbstverstärkenden Effekten führen:
- Kipppunkte des Erdsystems: Die Tipping Points sind das Einzige, was Waldökologe Friedrich Bohn „grosse Sorgen“ bereitet. Die neueste Forschung zeigt, dass diese Schwellenwerte, deren Erreichen einen selbstverstärkenden Effekt auf den Klimawandel hätte, immer früher eintreten als angenommen.
- Amazonas-Kipppunkt: Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes steht kurz vor einem kritischen Punkt. Wenn ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Waldfläche erreicht wird, könnte das Ökosystem kollabieren und kein CO2 mehr aufnehmen, sondern selbst emittieren. Dies würde die Folgen für die Klimakrise „fataler denn je“ machen.
- Mangelndes Tempo: Die Dringlichkeit steigt, weil die Welt sich „nicht schnell genug“ in die richtige Richtung entwickelt.
Die Weltklimakonferenzen (COP) und die globalen Herausforderungen.
Forumdemokratie: Die Weltklimakonferenz COP.
Der Klimawandel ist das bestimmende Thema unserer Zeit. Jeden Tag engagieren sich mehr und mehr Menschen für den Klimaschutz. Kein Land der Welt kann seine Aufgaben noch national denken oder lösen. Der Klimaschutz ist eine davon. Die Bühne dafür: die alljährlich stattfindende Weltklimakonferenz – kurz: COP. Jahr für Jahr treffen sich Delegierte aus fast 200 Staaten, um über Emissionen, Geld und Verantwortung zu verhandeln. Doch wie viel politische Wirkung haben diese Treffen wirklich? Sind die Klimakonferenzen ein Motor für internationale Zusammenarbeit – oder eher ein Symbol für ihre Grenzen?
Moderatorin Michaela Kolster diskutiert mit ihren Gästen:
- Prof. Mojib Latif, Klimaforscher
- Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
- Prof. Manfred Görtemaker, Historiker Universität Potsdam
- Prof. Harald Welzer, Sozialwissenschaftler
I. Einordnung und Kontext der Weltklimakonferenz (COP).
Die Welt steht vor globalen Herausforderungen, die kein Land mehr national lösen kann; der Klimaschutz ist eine davon. Die COP dient als jährliche Bühne für Verhandlungen über Emissionen, Geld und Verantwortung zwischen Delegierten aus fast 200 Staaten. Obwohl die Konferenz einst wissenschaftlich begann, ist sie heute ein diplomatisches Kräftemessen.
Grundhaltung zur Klimapolitik:
Klima und Klimaschutz sind keine konjunkturellen Themen oder Stimmungen, sondern eine globale Überlebensherausforderung, die nur gemeinsam gelöst werden kann.
Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter betonte, dass der Multilateralismus wirkt und das Pariser Abkommen (2015) einen Rückfall verhindert hat. In Deutschland sei der Klimaschutz sogar in der Verfassung festgeschrieben.
II. Die Zyklische Natur der Aufmerksamkeit und Verdrängung.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für Klimafragen verläuft wellenförmig. Momente hoher Relevanz, wie die Veröffentlichung von Al Gores Eine unbequeme Wahrheit (2007) oder der Erfolg von Fridays for Future und den Grünen bei früheren Europawahlen, wurden regelmäßig durch akute Krisen (Finanzkrise 2008, Corona, Ukraine-Krieg) verdrängt.
Gründe für Verdrängung und Klimaleugnung:
- Langfristige Themen wie Klima oder Artensterben fallen hinter dringendere, kurzfristige Probleme zurück.
- Professor Welzer hob hervor, dass es massive wirtschaftliche Interessen gibt, Klimaschutz einzuschränken oder zu verhindern. Politische Bewegungen in die richtige Richtung werden über lange Zeiträume hinweg unterminiert.
- Die Klimaleugnung speist sich aus irrationalen Sichtweisen (ähnlich wie Verschwörungstheorien) und manifesten wirtschaftlichen Interessen.
- Es wurde versäumt, den Umbau hin zur Nachhaltigkeit als positives, gesamtgesellschaftliches Modernisierungsprojekt zu vermitteln, das auch die Lebensqualität verbessert (z. B. mehr Stadtbäume).
III. Historische Entwicklung und Meilensteine.
Das Thema Umweltpolitik begann historisch mit dem Bericht des Club of Rome (1972/73) über die Grenzen des Wachstums, der zunächst die Begrenztheit der Ressourcen in den Vordergrund stellte.
Wichtige Konferenzen und Abkommen:
- 1979: Erste Weltklimakonferenz, bei der der Fokus auf die Schädigung des Klimas durch den Gebrauch falscher Ressourcen gelenkt wurde.
- 1992 (Rio): Der Gipfel führte zur Verabschiedung der Klimakonvention.
- 1995 (COP 1, Berlin): Die erste COP fand statt. Damals erklärte Bundesumweltministerin Angela Merkel, Deutschland werde eine Vorreiterrolle unter den Industriestaaten bei der Emissionsreduzierung einnehmen.
- 1997 (Kyoto): Das Kyoto-Protokoll legte verbindliche Minderungszahlen fest, wurde aber nie von den USA ratifiziert.
- 2015 (Paris): Das Pariser Klimaabkommen und die Agenda 2030 (Nachhaltigkeitsagenda) wurden beschlossen. Seit Kyoto und insbesondere seit Paris begegnen sich Industrie- und Entwicklungsländer bei der COP auf gleicher Augenhöhe.
- Rolle Deutschlands: Deutschland nimmt traditionell eine führende Rolle ein. Es hat seine Emissionen in den vergangenen 20 Jahren um 30% (oder sogar über 40% seit 1990, laut Prof. Latif) reduziert. Allerdings sind diese Fortschritte, gemessen am weltweiten Ausstoß (Deutschland etwa 1,5 bis 1,9%), global gesehen bedeutungslos, was zu einer Skepsis gegenüber der Politik führen kann.
IV. Wissenschaftliche Realität und Pariser Ziele.
Der anthropogene, also menschengemachte, Klimawandel ist wissenschaftlich seit Langem belegt.
Misserfolg bei der Umsetzung: Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse ist es der Welt bisher nicht gelungen, vom Wissen zum Handeln überzugehen. Die weltweiten Emissionen sind selbst nach dem Pariser Abkommen 2015 weiter gestiegen und erreichten im letzten Jahr einen neuen historischen Höchststand.
Kumulative Emissionen und Zielverfehlung:
Professor Latif konstatierte, dass die Pariser Klimaziele gerissen werden und die Welt die 2°C-Grenze überschreiten wird, da das Klimasystem träge ist und die Treibhausgase nicht verschwinden.
Die derzeitige Erwärmung ist das Resultat der kumulativen Emissionen der letzten Jahrzehnte. Demnach sind die Industrieländer hauptverantwortlich für die globale Erwärmung, obwohl China inzwischen der größte jährliche Emittent ist.
Prognosen liegen bei 2,3°C bis 2,8°C bis zum Ende des Jahrhunderts, und man könnte sogar über 3°C landen.
Professor Latif relativierte, dass die Fixierung auf exakte Zahlen (wie 1,5°C) unwissenschaftlich sei; die Welt würde mit den entsprechenden Anpassungsmaßnahmen auch bei 2,3°C noch lebenswert sein.
V. Geopolitik, Verantwortung und Interessenkonflikte.
Die Klimarahmenkonvention unterscheidet zwischen Verursachern und Geschädigten.
Hauptverursacher:
China ist für ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Zusammen mit den USA und Indien sind diese drei Länder für mehr als die Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes zuständig.
Das Kernproblem ist, dass Macht und wirtschaftliche Interessen den eigentlichen Zielen des Klimaschutzes entgegenstehen.
USA und Geopolitik:
Die USA tun sich generell schwer mit internationalen Abkommen (Gerichtshof, Menschenrechte, Klima), weil sie sich nicht „gängeln“ lassen wollen und Autonomie beanspruchen. Trotz der nationalen Haltung sind die Emissionen in den USA seit 2005 gesunken.
Aufstrebende Länder:
Aufstrebende Länder wie Indien wollen sich entwickeln. Die Industrieländer müssen diese Länder dabei unterstützen, einen Technologiesprung zu machen und nicht den fossilen Weg der Industrialisierung zu wiederholen, sondern direkt auf erneuerbare Energien zu setzen.
Das Wachstumsproblem: Der "Fetisch des Wachstums" ist nicht überlebbar, da der gesamte wirtschaftliche Stoffwechsel immer weiter vergrößert wird, was die Erfolge erneuerbarer Energien zunichtemacht. Laut Studien-Updates zu den Grenzen des Wachstums werden die Kosten zur Behebung der Umweltschäden größer als der durch das Fortsetzen der Politik erzielte wirtschaftliche Gewinn.
VI. Angstnarrative und Zukünftige Strategien.
Die Debatte wird von Angstnarrativen auf beiden Seiten bestimmt: Einerseits die Furcht vor dem Scheitern des Klimas (die zu Verzweiflung und Aktionen wie denen der Letzten Generation führt), andererseits die Angst vor dem ökonomischen Zusammenbruch und dem Verlust von Arbeitsplätzen.
Pragmatismus und „No Regret“-Strategien:
Es sollte eine pragmatische Lösung gefunden werden, die nicht ideologisch ist.
Professor Latif befürwortete die „No Regret“-Strategie (Strategie, die in jedem Fall richtig ist, unabhängig vom Klimaausgang), wie die Förderung erneuerbarer Energien. Diese verbessern die Energiesicherheit (als Reaktion auf die Ölkrisen und den Ukraine-Krieg) und sind ökonomisch sinnvoll.
Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter betonte, dass Deutschland innovative Technologien fördern müsse und faire Wettbewerbsbedingungen (z.B. durch einen Carbon Leakage-Schutz) schaffen müsse, um die heimische Industrie zu schützen. Der Greentech-Sektor in Deutschland verzeichnete zuletzt ein hohes Wirtschaftswachstum.
VII. Ausblick auf die COP 30 und die Rolle der Demokratie.
Da Abschlusserklärungen der UNO-Veranstaltungen einstimmig beschlossen werden müssen, führen sie oft nur zum kleinsten gemeinsamen Nenner.
Bedeutung der COP trotz Kritik: Professor Latif ist kritisch, da die COPs das globale Emissionsziel verfehlt haben, hält sie aber für unerlässlich:
- Sie lenken die Aufmerksamkeit in krisenhaften Zeiten immer wieder auf das Thema Klima.
- Sie sind die einzige Veranstaltung, bei der die Länder des globalen Südens (z. B. vom Untergang bedrohte Inselstaaten wie Tuvalu) Gehör finden.
- Sie entwickeln sich zu einer Technologiemesse für saubere Alternativen.
Ziele Deutschlands für COP 30 (Belém): Deutschland setzt sich für den Zusammenhalt der Weltgemeinschaft ein. Strategisch unterstützt Deutschland vor allem Nature-Based Solutions (naturbasierte Lösungen), wie den Erhalt von Regenwäldern (in Zusammenarbeit mit Brasilien), um die natürlichen Klimasenken zu stärken und die Artenvielfalt zu schützen. Auch die Methanreduktion gilt als leicht zu erreichende Maßnahme (Low Hanging Fruit).
Professor Welzer hob als potenziell innovativen Aspekt der kommenden Verhandlungen die Einrichtung der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) hervor. Dieser Fonds soll privates Kapital mobilisieren, um Länder zu belohnen, die auf die Abholzung von Wäldern verzichten – eine Strategie, die einen großen Effekt durch die Vermeidung von Schäden erzielen kann.
Die Diskussion machte deutlich, dass der Klimaschutz untrennbar mit der politischen Stabilität verbunden ist. Die Bemühungen, das Klima zu retten, dürfen nicht dazu führen, dass die Demokratie verloren geht. Die Herausforderung besteht darin, notwendige Anpassungen nicht nur destruktiv (z.B. Rückkehr zum Imperialismus), sondern konstruktiv (z.B. Deichbau, Schwammstädte) zu denken.
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