Cop30: welches sind die Männer, die die Welt verbrennen? Christian Stöcker über das fossile Zeitalter.
8.12.2025
Kurze Zusammenfassung.
Der Konflikt und die Desinformation der Fossilindustrie.
Im Zentrum der Diskussion steht der Widerstand einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Autokraten, Ölmilliardären und fossilen Konzernen (wie Donald Trump, Wladimir Putin, Mohammed bin Salman oder Charles Koch), deren Hauptinteresse darin liegt, ihr hochprofitables Geschäftsmodell, das täglich etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn generiert, aufrechtzuerhalten.
Diese Akteure nutzen seit Jahrzehnten massive, gut finanzierte Strukturen (darunter Think Tanks wie das Atlas Network) zur Beeinflussung der Öffentlichkeit und der Politik. Die Strategie hat sich von der direkten Leugnung der Klimakrise hin zur Verbreitung von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Gegenmassnahmen verschoben. Gängige Narrative umfassen Behauptungen, Elektroautos seien nicht besser für das Klima, Wärmepumpen funktionierten im Altbau nicht, oder erneuerbare Energien seien zu teuer und würden das Stromnetz destabilisieren.
Ein zentrales Argument ist, dass fossile Brennstoffe durch Subventionen künstlich billig gehalten werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzte die expliziten Subventionen weltweit im Jahr 2022 auf 1,3 Billionen Dollar, was in diesem Jahr die durchschnittlichen Gewinne der Branche überstieg.
Die Quellen thematisieren zudem das Konzept der Petromaskulinität, das eine empirisch nachweisbare Verknüpfung zwischen marktradikalen, sozialdarwinistischen Einstellungen, einer gewissen Frauenfeindlichkeit und einer starken Begeisterung für fossile Brennstoffe beschreibt.

Die Realität der Energiewende.
Trotz der Desinformation findet eine globale Energierevolution statt, die durch exponentielles, also sich stetig beschleunigendes Wachstum, in den Bereichen Photovoltaik, Windenergie, Elektromobilität und Batteriespeicher gekennzeichnet ist:
- Im Jahr 2024 waren 92,5% der weltweit neu installierten Kapazität zur Stromerzeugung erneuerbar.
- Erneuerbare Energien sind mittlerweile die billigste Form der Energiebereitstellung.
- Der globale Markt für Verbrennungsmotoren schrumpft seit 2017.
- Die Transformation hin zu einer elektrifizierten Welt gilt als unaufhaltsam. Expertenprognosen unterschätzen dieses schnelle Wachstum oft, da die Menschen kognitive Probleme im Umgang mit exponentiellem Wachstum haben (Exponential-Growth-Bias).
Psychologische und gesellschaftliche Hürden.
Die Desinformation ist so erfolgreich, weil Menschen dazu neigen, ihr Verhalten und ihre Einstellungen ungern zu ändern, und dissonante Informationen (die den eigenen Annahmen widersprechen) zu ignorieren (kognitive Dissonanz). Die positiven Entwicklungen und Fakten dringen in der Öffentlichkeit kaum durch.
Dennoch zeigen Studien, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (z. B. 80% der Deutschen) prinzipiell die Energiewende für wichtig oder sehr wichtig hält. Die grösste Herausforderung bleibt, diese schweigende Mehrheit zu mobilisieren und den faktenbasierten Diskurs gegen die Desinformation zu stärken.
Christian Stöcker über den entscheidenden Kampf um die Zukunft der Menschheit.
Die Thesen von Christian Stöcker, die massgeblich in seinem Buch Männer, die die Welt verbrennen: Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit dargelegt werden, bilden eine umfassende Analyse des globalen Konflikts um die Energiewende. Sie reichen von der Identifikation der Hauptakteure und ihrer Motivationen über die Mechanismen der Desinformation bis hin zur empirischen Feststellung einer unaufhaltsamen, exponentiellen globalen Revolution im Energiesektor.
I. Der zentrale Konflikt: Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit.
Stöcker sieht den aktuellen Zustand nicht als eine Reihe unzusammenhängender Debatten, sondern als den „entscheidenden Kampf um die Zukunft der Menschheit“. Die Klimakrise und die damit verbundene Notwendigkeit der Energiewende sind der wahre und zentrale politische Grundkonflikt des gesamten Planeten.
Existenzielle Bedrohung.
Die Menschheit befindet sich auf einem Kurs, der katastrophale Schäden anrichten und die menschliche Zivilisation zerstören könnte. Aktuelle Daten zeigen, dass die Erwärmung schneller voranschreitet als prognostiziert, wobei bereits sieben von acht planetaren Grenzen überschritten wurden. Die existenzielle Bedrohung der Menschheit durch die Klimakrise wird als zentraler und entscheidender Konflikt des gesamten Planeten eingestuft. Die Menschheit befindet sich auf einem Kurs, der katastrophale Schäden anrichten und die menschliche Zivilisation zerstören könnte.

Die Schwere der Bedrohung, unmittelbare und akute Gefahren.
Überschreitung planetarer Grenzen: Aktuelle Berichte zeigen, dass bereits sieben von acht planetaren Grenzen überschritten wurden.
- Beschleunigte Erwärmung: Die Erwärmung schreitet schneller voran, als selbst die Klimaforschung prognostiziert hatte, und die 1,5-Grad-Marke wurde bereits überschritten. Prognosen deuten darauf hin, dass wir bis 2050 eher auf 3°C Erwärmung zusteuern.
- Extreme Wetterereignisse: Die Welt erlebt eine Zunahme an permanenten Extremwetterkatastrophen. Diese Ereignisse umfassen mörderische Überschwemmungen, Hitzewellen, extreme Hurrikane und Mega-Brände.
- Lebensbedrohliche Zustände: In Ländern wie Pakistan führen hohe Temperaturen (bis zu 45°C) und Luftfeuchtigkeit bereits zu lebensbedrohlichen Bedingungen. Bei einer Feuchtkugeltemperatur von über 35°C kann ein menschlicher Körper nur wenige Stunden überleben.
Bedrohung durch die fossile Industrie.
Die Bedrohung wird massgeblich durch das Festhalten an fossilen Brennstoffen und die damit verbundene Desinformation verstärkt:
- Unbewohnbarkeit des Planeten: Das erklärte Ziel des saudischen Ölministers, jedes Molekül Kohlenwasserstoff aus dem Boden zu holen, würde den Planeten unbewohnbar machen, wenn es erreicht wird.
- Organisierte Desinformation: Die Bedrohungslage wird durch eine seit 50 Jahren aktive, mit Milliarden finanzierte Desinformationsindustrie verschärft. Diese Strukturen (wie Think Tanks und Lobbyorganisationen) arbeiten aktiv daran, den faktenbasierten Diskurs zu verzerren und wirksame Gegenmassnahmen zu verhindern.
- Finanzielle Interessen: Die fossile Industrie (Petrostaaten und Konzerne) erwirtschaftet täglich etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn, wodurch sie ein enormes Interesse am Machterhalt hat.
Politische und gesellschaftliche Hürden.
Die Unfähigkeit, angemessen auf diese existenzielle Bedrohung zu reagieren, liegt auch in politischen und kognitiven Hindernissen begründet:
- Wissenschaftsfeindlichkeit in der Politik: Die "offene aggressive Dummheit" und Unvernunft gewinnen an Einfluss. Parteien, die Wissenschaftsfeindlichkeit (Wissenschaftsherabsetzung) als Teil ihres Programms betrachten, setzen das gigantische Risiko der Klimakrise als Mittel zum Machterhalt ein.
- Verzerrtes Weltbild: Die politische Debatte findet in einer "Parallelrealität" statt, da die positiven Entwicklungen und die Dringlichkeit der Lage in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind.
- Kognitive Dissonanz: Menschen neigen dazu, Verhaltensänderungen abzulehnen und dissonante Informationen (die der eigenen Weltsicht widersprechen) zu ignorieren, was die Verbreitung von Desinformation vereinfacht.
Trotz der ernsten Lage betonen die Quellen, dass es auch Grund zur Hoffnung gibt, da die globale Energiewende durch exponentielles Wachstum in den Bereichen erneuerbare Energien, Batterien und E-Mobilität bereits unaufhaltsam im Gange ist. Die entscheidende Frage ist, ob diese Transformation schnell genug erfolgt, um die schlimmsten Auswirkungen der Krise abzuwenden.
Historische Verantwortung.
Die Notwendigkeit zur Umstellung ergibt sich aus einer 200 bis 250 Jahre andauernden Epoche, in der der Mensch begann, ausgegrabenen Kohlenstoff zu verbrennen. Deutschland ist hierbei historisch (kumulativ) der viertgröste Verursacher von Emissionen weltweit. Die historische Verantwortung des Westens ergibt sich aus der kumulativen Rolle bei der Entstehung der Klimakrise und der ökonomischen Dominanz, die durch die Nutzung fossiler Brennstoffe erreicht wurde.
1. Ursprung der Verantwortung: Die Fossile Ära.
Der Ursprung des Problems liegt in einer 200 bis 250 Jahre andauernden Epoche, in der der Mensch begann, ausgegrabenen Kohlenstoff zu verbrennen. Diese industriell geführte Ära brachte den westlichen Industrienationen enormen wirtschaftlichen Erfolg.
Profiteure des Fortschritts.
Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt profitierten die Bewohner westlicher Industrienationen am stärksten von diesem Erfolg und Boom, der durch fossile Brennstoffe angetrieben wurde,. Die Männer in diesen Gesellschaften zählen zu den grössten Gewinnern dieses 200 Jahre erfolgreichen fossilen Zeitalters und haben dadurch am meisten zu verlieren:
- Historischer Beitrag (Kumulative Emissionen): Deutschland wird explizit als einer der Hauptverursacher der Krise genannt, basierend auf den Emissionen, die sich über die Zeit angesammelt haben (kumulativ). Deutschland steht bei den historischen, verbrennungsbedingten Emissionen an vierter Stelle weltweit, nur übertroffen von den USA, China und Russland,.
2. Regulatorische und Wirtschaftliche Hebel.
Als eine der grössten Volkswirtschaften trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, da seine politischen und regulatorischen Entscheidungen globale Auswirkungen haben:
- Der Globale Hebel: Deutschland, als drittgrösste Volkswirtschaft der Welt, hat durch seine Regulierung eine globale Energierevolution in Gang gesetzt,.
- Erfolg des EEG: Die deutsche Regulierung (insbesondere das Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG) wird als „grösster regulatorischer Erfolg der letzten 25 Jahre“ bezeichnet, da sie den globalen Markt für erneuerbare Energien in Bewegung setzte und das heute beobachtete exponentielle Wachstum sowie den Preisverfall von Solar- und Windenergie ermöglichte,,,.
3. Fortgesetzte Marktverzerrung durch Subventionen.
Die historische Verantwortung wird durch die Tatsache verstärkt, dass westliche Staaten und Industrien das fossile Geschäftsmodell weiterhin durch massive Subventionen aufrechterhalten, obwohl es ökonomisch nicht mehr überlegen ist:
- Finanzierung der Katastrophe: Die fossile Industrie ist die am höchsten subventionierte Industrie in der Geschichte der Menschheit,,. Im Jahr 2022 wurden weltweit 1,3 Billionen Dollar an expliziten Subventionen (Steuergeldern) für fossile Brennstoffe bereitgestellt,,,.
- Auswirkungen auf den Markt: Diese Subventionen stellen eine „unfassbare Marktverzerrung“ dar,, da sie die am Markt längst billigeren erneuerbaren Energien künstlich behindern,. Die angemessene Bepreisung der negativen Externalitäten (Klimaschäden und andere Kosten) wäre die logischste systemische Massnahme, um diesen Zustand zu beenden, wird aber politisch nicht umgesetzt.
Die Verantwortung des Westens liegt demnach in der historischen Ursache der Krise, dem ökonomischen Gewinn, der daraus gezogen wurde, und der fortgesetzten Verzerrung des Energiemarktes, die notwendige Veränderungen verzögert.
Geopolitische Dimension.
Die Beseitigung der fossilen Brennstoffe ist geopolitisch wünschenswert, da sie die Macht autokratischer und krimineller Akteure untergräbt. Die Abhängigkeit von diesen Staaten (z.B. Russland, dessen Staatshaushalt zu 33% bis 40% von Öl und Gas abhängt) macht sie finanziell und militärisch verwundbar, sobald der Absatzmarkt wegbricht.
Die geopolitische Dimension ist primär durch die existenzielle Bedrohung der Geschäftsmodelle von Petrostaaten und fossilen Konzernen sowie durch die Rolle wichtiger Akteure gekennzeichnet.
I. Die finanzielle Macht der Antagonisten.
Der Kern des geopolitischen Konflikts liegt in den gigantischen Profiten und der Subventionierung der fossilen Industrie, die von einer kleinen Gruppe von Akteuren verteidigt werden:
- Täglicher Gewinn: Die fossile Industrie (Petrostaaten und Ölkonzerne) erzielt seit 50 Jahren (gerechnet von 1970 bis 2020) einen durchschnittlichen Gewinn von 3 Milliarden Dollar pro Tag. Dies entspricht einem jährlichen Durchschnittsgewinn von ungefähr 1 Billion Dollar (1.000 Milliarden US-Dollar).
- Subventionierung der Industrie: Trotz dieser enormen Gewinne wird die fossile Industrie massiv subventioniert, was eine „unfassbare Marktverzerrung“ darstellt.
- Explizite Subventionen: Im Jahr 2022 beliefen sich die expliziten (direkten Steuergelder) Subventionen weltweit auf 1,3 Billionen Dollar (1.300 Milliarden Dollar). Diese Summe übersteigt den langjährigen Durchschnittsgewinn der Branche.
- Implizite Subventionen: Die impliziten Subventionen (einschliesslich nicht eingepreister Umweltschäden, wie Klimaschäden) lagen 2022 laut IWF bei insgesamt 7 Billionen Dollar oder nach anderen Berechnungen sogar zwischen 7 und 35 Billionen Dollar pro Jahr.
Geopolitische Abhängigkeiten und Risiken.
Die Abhängigkeit vieler Nationen von fossilen Brennstoffen stärkt die Macht autokratischer Regime:
- Russlands Abhängigkeit: Etwa ein Drittel bis 40% des russischen Staatshaushalts besteht aus Einnahmen aus Öl und Gas. Wenn Russland kein Öl und Gas mehr verkauft, wäre Wladimir Putin „pleite“ und könnte keinen Krieg mehr führen.
- Der Fall Donald Trump: Donald Trump wird als „Mann des Öls“ und das „letzte Aufgebot der amerikanischen Ölbranche“ bezeichnet. Die Achse des Öls erstreckt sich von Russland über Saudi-Arabien bis in die USA.
- Ölpreis als Waffe: Fällt der Ölpreis unter 55 Dollar pro Barrel, kann Wladimir Putin seinen Krieg nicht mehr finanzieren.
- Importabhängigkeit Europas: Europa importiert über 50% seines gesamten Primärenergiebedarfs. Die Europäer tun gut daran, sich so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von Autokraten wie Putin, Mohammed bin Salman (Saudi-Arabien) und dem Emir von Katar (der die Hamas finanziert) zu befreien.
Wie gross ist die Abhängigkeit Europa’s und der Schweiz von fossilen Brennstoffen?
Die Abhängigkeit Europas von fossilen Brennstoffen ist erheblich und stellt eine grosse geopolitische und ökonomische Schwachstelle dar.
Abhängigkeit Europas.
Europa wird als starker Importeur von fossilen Brennstoffen identifiziert:
Auf einer Darstellung der globalen Abhängigkeit von fossilen Importen erscheint Europa „knallrot“, da es zu den Regionen gehört, deren Primärenergiebedarf zu mehr als 50 % importiert wird.
Die Europäer tun gut daran, sich „so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von den Männern, die die Welt verbrennen, zu befreien“.
Diese Abhängigkeit bedeutet, dass europäische Gelder an Autokraten fliessen und deren Geschäftsmodelle sichern. Die fossile Industrie besteht aus „sehr unsympathischen Leute[n]“, wie Wladimir Putin, dessen Geschäftsmodell von Öl und Gas abhängt, dem Emir von Katar, der die Hamas finanziert, oder Mohammed bin Salman, der Journalisten zersägen lässt.
Ein Drittel bis zu 40 % des russischen Staatshaushalts bestehen aus Öl- und Gaseinnahmen. Würde Russland kein Öl und Gas mehr verkaufen, wäre Wladimir Putin pleite und könnte seinen Krieg nicht mehr finanzieren.
Die Umstellung auf „Electric Europe“ (Elektrifizierung und erneuerbare Energien) ist die effektivste Strategie, um die Absatzmärkte dieser Autokraten auszutrocknen.
Situation der Schweiz.
Die Schweiz ist geografisch und ökonomisch Teil Europas, das insgesamt als starker Importeur fossiler Energien gilt.
Der Widerstand der Petrostaaten gegen die Energiewende.
Die Petrostaaten versuchen aktiv, die globale Energiewende zu verlangsamen, da sie ihre Geschäftsmodelle als existenziell bedroht ansehen:
Sabotage der COP-Konferenzen: Bei der Weltklimakonferenz (COP) in Abu Dhabi versuchten Saudi-Arabien und die OPEC, zwei entscheidende Punkte aus dem Abschlussdokument zu entfernen:
1. Die Formulierung, dass die Welt „weg von Öl und Gas“ müsse.
2. Das Bekenntnis, die Kapazität für erneuerbare Energien bis 2030 weltweit zu verdreifachen.
Wettlauf um den Markt: Länder wie Saudi-Arabien wollen das „letzte Molekül Kohlenwasserstoff noch aus der Erde holen“. Ihr Ziel ist es, den Übergang so langsam wie möglich zu gestalten, um ihre Ressourcen noch verkaufen zu können.

Die Unaufhaltsamkeit der Transformation.
Trotz der Widerstände und der Desinformation läuft eine globale Energiewende, die sich der geopolitischen Kontrolle entzieht, da sie ökonomisch unschlagbar ist:
- Erneuerbare Energien als Standard: Im Jahr 2024 waren 92,5% der weltweit neu installierten Kapazität zur Stromerzeugung erneuerbar.
- Marktwirtschaftliche Dynamik: Die Schwellenländer (Emerging Markets) bauen erneuerbare Energien in „atemberaubendem Tempo“ aus, da Photovoltaik und Batteriespeicher die billigste Form der Energieversorgung sind. Beispielsweise wurden in Pakistan (das Kohlekraftwerke mit 44 GW Kapazität im Netz hat) im Jahr 2024 etwa 17 bis 22 GW Solar-Kapazität ohne Subventionen auf eigene Rechnung installiert.
- China als globaler Treiber: China ist der grösste Treiber der Lösung und hat die gesamte Wertschöpfungskette für erneuerbare Energien massiv ausgebaut. China hat mehr erneuerbare Energien zugebaut als der gesamte Rest der Welt zusammen. Wenn die chinesischen Emissionen (die Gesamtemissionen) bereits 2024 schrumpfen, wäre das eine sehr gute Nachricht für die Welt.
II. Die Antagonisten und ihre monetären Interessen.
Die Hauptakteure, die diesen Konflikt befeuern – die „Männer, die die Welt verbrennen“ – sind eine kleine, aber extrem finanzstarke Gruppe.
Identifizierung der Hauptakteure.
Zu diesen Akteuren zählen Autokraten und Staatsoberhäupter von Petrostaaten wie Wladimir Putin, Mohammed bin Salman (Saudi-Arabien), die Herrscher von Katar sowie US-Milliardäre wie Charles Koch und Politiker wie Donald Trump. Donald Trump wird als der „Mann des Öls“ und das „letzte Aufgebot der amerikanischen Ölbranche“ betrachtet.
Die Identifizierung der Hauptakteure nach Name, Funktion und Machtpotenzial.
Die Identifizierung der Hauptakteure (Antagonisten) umfasst autokratische Herrscher, finanzstarke Konzerne und einflussreiche politische Akteure, deren gemeinsames Ziel der Erhalt ihres hochprofitablen Geschäftsmodells ist.
Die fossile Industrie (Petrostaaten und Ölkonzerne) generiert im Durchschnitt etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn pro Tag und ist die am höchsten subventionierte Industrie in der Geschichte der Menschheit.
Hier sind die wichtigsten Hauptakteure, ihre Funktion/Rolle und ihr Machtpotenzial, gestützt auf die Quellen:
I. Staatsoberhäupter und Autokraten.
Name |
Funktion, Rolle |
Machtpotenzial, Strategie |
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Donald Trump |
US-Präsident (Kandidat/Ehemaliger), „Mann des Öls“ und das „letzte Aufgebot der amerikanischen Ölbranche“. |
Er schubst die komplette Welt in ein Stadium der Instabilität, hauptsache es wird weiter Geld mit Öl und Gas verdient. Seine Wahl wäre die grösste Katastrophe für den Planeten, da er den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen plant und Klimaregulierungen zurückdrehen würde. |
|
Wladimir Putin |
Autokratischer Herrscher des Petrostaates Russland. |
Russland kann keinen Krieg mehr führen, wenn es kein Öl und Gas mehr verkauft, da ein Drittel bis 40% des Staatshaushalts aus diesen Einnahmen bestehen. Wenn der Ölpreis unter 55 Dollar pro Barrel fällt, kann er seinen Krieg nicht mehr finanzieren. Er ist ein zentraler Akteur in der „Achse des Öls“. |
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Mohammed bin Salman |
Saudischer Prinz/Ölminister, Petrostaat-Führer. |
Er lässt Journalisten ermorden und zersägen. Sein erklärtes Ziel, „jedes Molekül Kohlenwasserstoff“ aus der Erde zu holen, würde den Planeten unbewohnbar machen. Er sabotiert aktiv globale Klimaabkommen, indem er versuchte, die Verdreifachung erneuerbarer Energien bis 2030 aus den Abschlüssen der COP herauszuhalten. |
|
Emir von Qatar (Katar) |
Petrostaat-Führer. |
Gehört zur Riege der kriminellen Autokraten und wird explizit genannt, da sein Regime die Hamas finanziert. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen würde seine Macht untergraben. |
II. Finanzielle und Unternehmensakteure.
Name |
Funktion, Rolle |
Machtpotenzial, Strategie |
|
Charles Koch |
Ölmilliardär und privater Ölunternehmer, einer der grössten Finanziers von Klimadesinformation. |
Sein Privatvermögen wird auf 57 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er finanziert seit den 1970er Jahren systematisch Politikbeeinflussung und Politiker. Er verhinderte 2009/2010 mit seinem Geld und organisierten Strukturen (z. B. Americans for Prosperity) die Einführung eines CO2-Preises in den USA. |
|
KKR (Cravis Colberg Roberts) |
Private Equity Firma, einer der grössten Fossilinvestoren. |
Das Unternehmen hat 9 Milliarden Dollar in LNG Assets (Flüssiggas) investiert. KKR ist massgeblich an der Aufrechterhaltung des Gasgeschäfts in Deutschland interessiert, da ihm zu 35% der Springer-Verlag (unter anderem die Bild-Zeitung) gehört, der Desinformation in grossem Stil betreibt. |
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Rex Tillerson |
Ehemaliger CEO des Ölkonzerns Exon Mobil. |
Wurde von Donald Trump direkt nach dessen Amtsantritt 2017 zum ersten Aussenminister der USA ernannt, was die enge Verbindung zwischen Trump und der Ölindustrie verdeutlicht. Exon wusste bereits in den 1980er Jahren aus eigenen Klimamodellen, dass ihr Geschäftsmodell den Planeten aufheizt, steckte aber seitdem Milliarden in Desinformation. |
III. Lobbyisten und Medienakteure.
Name |
Funktion, Rolle |
Machtpotenzial, Strategie |
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Frank Schäffler |
FDP-Politiker und Geschäftsführer des Prometheos Instituts. |
Er gilt als wirkmächtigster Paladin der amerikanischen Öl- und Gasindustrie in Deutschland. Er ist Mitglied im Atlas Network, einem Zusammenschluss libertärer Think Tanks, die aggressives pro-fossiles Lobbying betreiben. Er platzierte Narrative wie „Klimakleber sind Terroristen“ im bundesdeutschen Diskurs. |
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Rupert Murdock |
Medienmogul, Gründer des Fox News Netzwerks. |
Fox News dient als Agitationswerkzeug zur Verbreitung von Desinformation und zur Unterstützung klimawandelleugnender Akteure. |
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Matthias Döpfner |
Herausgeber des Springer-Verlags. |
Er hat sich in SMS als Befürworter des Klimawandels geäussert, da „Warmzeiten immer Zeiten“ seien, in denen die Menschheit erfolgreich war – eine Aussage, die absolut keine Ahnung von der Materie beweist, da es seit Existenz der Menschheit noch nie so warm war. |
Gigantische Gewinne.
Die fossile Industrie (Petrostaaten und Ölkonzerne) generiert seit 1970 bis 2020 im Durchschnitt etwa 1 Billion US-Dollar Gewinn pro Jahr. Dies entspricht einem Gewinn von ungefähr 3 Milliarden US-Dollar pro Tag. Die gigantischen Gewinne der fossilen Industrie – bestehend aus Petrostaaten und Ölkonzernen – stellen das finanzielle Zentrum des Konflikts um die Energiewende dar. Die Quellen liefern detaillierte Zahlen, die die immense Profitabilität dieser Branche im Laufe der Jahrzehnte belegen und im krassen Gegensatz zu den massiven Subventionen stehen, die sie erhält.
Langfristige Gewinne (1970–2020).
Die fossile Industrie hat über einen Zeitraum von 50 Jahren hinweg enorme Gewinne erzielt:
- Von 1970 bis 2020 betrug der durchschnittliche jährliche Gewinn (nicht Umsatz) aller Ölkonzerne und Petrostaaten zusammen ungefähr 1 Billion US-Dollar (1.000 Milliarden, präziser: 1,03 Billionen Dollar).
- Dieser durchschnittliche Jahresgewinn entspricht etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn pro Tag, 365 Tage im Jahr, und das seit über 50 Jahren.
- Die Gewinne dieser Branche waren in den letzten 20 Jahren (seit dem Kyoto-Protokoll) sogar noch höher als im langfristigen Durchschnitt.
Gewinne im Vergleich zu Subventionen.
Die Quellen heben hervor, dass das Geschäftsmodell der fossilen Brennstoffe nur aufgrund der historisch beispiellosen Subventionierung aufrechterhalten werden kann.
Explizite Subventionen (Steuergelder):
- Im Jahr 2022 beliefen sich die expliziten (direkten) Subventionen für fossile Brennstoffe weltweit auf 1,3 Billionen Dollar (1.300 Milliarden Dollar).
- Diese Summe überstieg damit den langfristigen durchschnittlichen Jahresgewinn der Branche.
- Auch im Jahr 2023 betrugen die expliziten Subventionen laut Internationaler Energieagentur (IEA) immer noch etwa 1,1 Billionen Dollar (1.100 Milliarden).
- Implizite Subventionen (Kosten externer Schäden):
- Unter Berücksichtigung der impliziten Subventionen (z. B. entgangene Steuern und nicht eingepreiste Schäden) summierten sich die Subventionen im Jahr 2022 auf insgesamt 7 Billionen Dollar (7.000 Milliarden Dollar).
- Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzte die expliziten und impliziten Subventionen (basierend auf moderaten CO2-Preisen) im Jahr 2022 auf etwa 7 Billionen Dollar.
- Wenn man die tatsächlichen Kosten der Klimaschäden zugrunde legt (die nicht eingepreist werden), könnten sich die nicht eingepreisten Schäden auf 7 bis 35 Billionen Dollar pro Jahr belaufen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Branche, die im langjährigen Mittel 1 Billion Dollar Gewinn pro Jahr machte, in den Jahren 2022 und 2023 in aufeinanderfolgenden Jahren jeweils über 1 Billion Dollar an direkten Steuergeldern als Subventionen erhielt.
Investitionen in die Gegenwart.
Trotz dieser Verzerrung des Marktes fliessen die Investitionen verstärkt in saubere Energien:
- Im Jahr 2024 wurden doppelt so viel Geld in "Elektrotech" (erneuerbare Energien, Speicher, E-Mobilität) investiert als in fossile Brennstoffe.
- Weltweit werden derzeit 2 Billionen Dollar pro Jahr in saubere Energie, Speicher, Elektromobilität und Netze investiert. Dies steht im Gegensatz zu den 1,3 Billionen Dollar expliziten Subventionen für fossile Brennstoffe in einem einzigen Jahr.
Marktverzerrung durch Subventionen.
Das Geschäftsmodell der fossilen Industrie ist nicht mehr profitabel, da es die am höchsten subventionierte Industrie in der Geschichte der Menschheit ist:
- Explizite Subventionen: Im Jahr 2022 betrugen die expliziten (direkten Steuergelder) Subventionen weltweit 1,3 Billionen Dollar. Diese Summe übersteigt den langjährigen Durchschnittsgewinn der Branche.
- Implizite Subventionen: Wenn nicht eingepreiste Schäden (Klimaschäden) und Steuererleichterungen (z.B. Dieselprivileg) berücksichtigt werden, belaufen sich die impliziten Subventionen auf 7 bis 35 Billionen US-Dollar pro Jahr.
Die Marktverzerrung durch Subventionen in die fossile Industrie ist immens und stellt die am höchsten subventionierte Industrie in der Geschichte der Menschheit dar. Diese Verzerrung hält das Geschäftsmodell der fossilen Industrie künstlich am Leben und verhindert, dass der Markt die günstigeren erneuerbaren Energien vollumfänglich annimmt.
I. Ausmass und Zahlen der Marktverzerrung.
Die Groteske der Marktverzerrung wird durch den Vergleich von Gewinnen und Subventionszahlungen deutlich:
- Durchschnittlicher Gewinn: Zwischen 1970 und 2020 erwirtschaftete die fossile Industrie (Petrostaaten und Konzerne) im Schnitt einen Gewinn von ungefähr 1 Billion US-Dollar (1.000 Milliarden Dollar) pro Jahr. Dies entspricht einem Gewinn von etwa 3 Milliarden Dollar pro Tag.
- Explizite Subventionen (Steuergelder): Trotz dieser Gewinne erhielt die Branche massive explizite Subventionen. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) betrugen die expliziten (direkten Steuergelder) Subventionen weltweit im Jahr 2022 1,3 Billionen Dollar. Diese expliziten Subventionen überstiegen in diesem Jahr den langfristigen Durchschnittsgewinn der Branche. Im Jahr 2023 lagen die expliziten Subventionen immer noch bei etwa 1,1 Billionen Dollar.
- Implizite Subventionen (Nicht eingepreiste Kosten): Die impliziten Subventionen sind weitaus höher, da sie die Kosten einschliessen, die der Markt nicht an den Verursacher weitergibt. Der IWF schätzte die Gesamtsubventionen (explizit und implizit) im Jahr 2022 auf 7 Billionen Dollar. Die tatsächlichen Schäden (negative Externalitäten) durch fossile Brennstoffe werden, je nach Berechnungsgrundlage, sogar auf 7 bis 35 Billionen Dollar pro Jahr geschätzt.
Diese Marktverzerrung führt dazu, dass das Geschäftsmodell der fossilen Industrie als „höchst subventionierte Industrie“ in der Geschichte der Menschheit bezeichnet wird. Ohne dieses Subventionsniveau wäre es möglich, „auch mit schimmligem Brot sehr reich zu werden“.
II. Funktionsweise der Subventionen.
Die Subventionen funktionieren über zwei Hauptmechanismen, die die Kosten für fossile Brennstoffe künstlich niedrig halten:
1. Explizite Subventionen (Direkte Steuergelder).
Dies sind direkte Zahlungen oder Massnahmen, die den Endpreis für die Verbraucher senken und so den Markt beeinflussen:
- Preisstützung: Direkte staatliche Ausgaben, um fossile Brennstoffe billiger zu machen. Beispiele hierfür sind der Tankrabatt oder die Gaspreisbremse in Deutschland.
- Staatliche Förderung: Subventionen werden auch in Petrostaaten (wie Saudi-Arabien oder Katar) massiv eingesetzt, um den Preis für Benzin oder Gas im Inland niedrig zu halten.
2. Implizite Subventionen (Nicht eingepreiste Kosten und Steuererleichterungen).
Diese indirekten Subventionen entstehen dadurch, dass die Industrie nicht für die von ihr verursachten Schäden aufkommen muss und spezielle Steuervergünstigungen geniesst:
- Vergesellschaftung der Kosten (Negative Externalitäten): Dies ist die grösste Form der Subvention. Die Schäden, die durch den Klimawandel und die Umweltverschmutzung entstehen (z. B. Extremwetterkatastrophen, Ernteausfälle, Gesundheitskosten), werden nicht in den Preis des Produkts eingepreist, sondern von der Allgemeinheit getragen.
Würden diese Schäden angemessen bepreist, wäre dies die logischste systemische Massnahme. Das Umweltbundesamt schätzt, dass eine Tonne CO2 Schäden im Wert von 800 bis 900 Euro verursacht.
- Steuerliche Begünstigungen: Die Nichterhebung von Steuern, die eigentlich fällig wären, wirkt wie eine Subvention. Beispiele hierfür sind das Dieselprivileg in Deutschland oder die fehlende Kerosinsteuer in Europa.
Die strategische Verlagerung der Verantwortung für die Klimakrise auf das Individuum (z.B. durch die Popularisierung des CO2-Fussabdruck-Rechners durch BP) ist eine strategische Kommunikationsmassnahme der Ölindustrie, die dazu dient, die systemischen Probleme (wie die Subventionen) aus dem Fokus zu rücken.

III. Die Desinformation als strategische Waffe.
Die Aufrechterhaltung dieses Geschäftsmodells wird durch eine seit Jahrzehnten strategisch geführte Desinformationsindustrie gesichert.
Organisierte Strukturen.
Diese Industrie wurde seit den 1970er/1980er Jahren mit Milliarden von Dollar finanziert und umfasst Think Tanks (z.B. das Atlas Network), Pseudo-NGOs und gekaufte Wissenschaftler. Die Organisationen und Akteure, nach denen Sie fragen – Think Tanks, Pseudo-NGOs und gekaufte Wissenschaftler – bilden die gigantische, mit Milliarden finanzierte Struktur zur Beeinflussung der Öffentlichkeit und der Politik, die von der fossilen Industrie seit Jahrzehnten aufgebaut wurde. Diese Strukturen dienen dem einfachen, aber existenziellen Ziel, das hochprofitable Geschäftsmodell der fossilen Brennstoffe aufrechtzuerhalten, das im Durchschnitt etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn pro Tag generiert.
Die Desinformationsstrategie dieser Netzwerke hat sich über die Jahre entwickelt, behält aber ihren strategischen Kern bei.
Strategische Entwicklung der Desinformation.
Ursprünglich bestand die Strategie darin, die Existenz der menschengemachten Klimakrise direkt zu leugnen oder Zweifel daran zu streuen. Die Ölkonzerne selbst, wie Exxon Mobil, wussten bereits seit den frühen 1980er Jahren aus eigenen Klimamodellen, dass ihr Geschäftsmodell zur Erwärmung des Planeten beiträgt, investierten aber trotzdem Milliarden in die Desinformation.
Nachdem die Klimakrise globaler Konsens wurde (spätestens mit dem Pariser Klimaabkommen 2015), verlagerte sich die Taktik hin zur Verbreitung von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Gegenmassnahmen. Gängige Narrative, die von diesen Strukturen in Umlauf gebracht werden, sind:
- Elektroautos seien nicht besser für das Klima.
- Wärmepumpen funktionierten nicht im Altbau oder seien zu teuer.
- Erneuerbare Energien seien unzuverlässig und würden das Stromnetz instabil machen.
Das Atlas Network und Libertäre Think Tanks.
Das Atlas Network wird in den Quellen als ein zentraler internationaler Zusammenschluss libertärer (marktradikaler) Think Tanks und Stiftungen identifiziert.
- Zweck: Das Netzwerk ist dafür bekannt, aggressives pro-fossiles Lobbying zu betreiben und stand in der Vergangenheit an der Seite von Industrien (wie der Tabakindustrie und der Fossilindustrie), deren Geschäftsmodelle grosse Schäden anrichten.
- Historische Narrative: Das Narrativ, dass Umweltaktivisten Terroristen seien, stammt aus den 1970er Jahren und wurde seither in libertären Think Tanks des Atlas Netzwerks gepflegt und verbreitet.
Beispiele für Think Tanks:
- Das Prometheus Institut des FDP-Politikers Frank Schäffler ist Mitglied des Atlas Network und pflegt beste Beziehungen zu anderen amerikanischen libertären Think Tanks.
- Das Cato Institut in den USA wird als ein Knotenpunkt der organisierten, wissenschaftlich verbremten Klimawandelleugnung genannt.
- Weitere erwähnte Think Tanks sind das Heartland Institut und die Heritage Foundation.
Die Finanzierung und ihre Hauptakteure.
Diese Desinformationsstrukturen werden durch ein Netzwerk von Milliardären und Konzernen finanziert, die ein direktes Interesse am Status quo haben:
- Charles Koch: Der Ölmilliardär mit einem Privatvermögen von 57 Milliarden US-Dollar ist einer der grössten Finanziers von Klimadesinformation. Er finanzierte Strukturen, die gezielt Politiker beeinflussten und beispielsweise die Einführung eines CO2-Preises in den USA im Jahr 2009/2010 verhinderten.
- K.K.R. (Cravis Colberg Roberts): Diese Private-Equity-Firma, die selbst grosse Investitionen in fossile Assets (Flüssiggas, LNG) tätigte, war bis vor Kurzem zu 35% am Springer-Verlag (u.a. Bild-Zeitung und Die Welt) beteiligt. Dies ermöglichte eine kampagnenhafte und aktive pro-fossile Agitation in der deutschen Medienlandschaft.
Die Rolle gekaufter Wissenschaftler und Pseudo-NGOs.
Die Desinformationsindustrie nutzt bezahlte Experten und vermeintliche Bürgerinitiativen, um wissenschaftlichen Konsens zu untergraben:
- Pseudowissenschaftler: Im Zuge der Desinformationskampagnen wurden Milliarden in die Finanzierung von "Pseudo-Wissenschaftlern" und "gekauften Wissenschaftlern" gesteckt. Diese Akteure verbreiten in den Medien gezielt falsche Informationen und Mythen, beispielsweise über Elektroautos oder Wärmepumpen.
- Pseudo-Grassroots-Organisationen: Ein Beispiel ist Americans for Prosperity, eine Organisation, die von Charles Koch finanziert wurde, um als scheinbare Bürgerinitiative gegen Klimaschutzmassnahmen zu protestieren und Politiker unter Druck zu setzen, die diese befürworteten.
- Verlagerung der Verantwortung: Die Ölindustrie (z.B. BP) hat strategisch die Verantwortung für die Klimakrise auf das Individuum verlagert, indem sie den CO2-Fussabdruck-Rechner popularisierte, was als strategische Kommunikationsmassnahme dient, um von den systemischen Problemen und den fossilen Grosskonzernen abzulenken.
Strategischer Wandel.
Die Taktik verlagerte sich von der direkten Leugnung der menschengemachten Klimakrise (eine Position, die selbst Ölkonzerne global nicht mehr halten) hin zur Verbreitung von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Gegenmassnahmen.
Die Positionen der Akteure, die die Energiewende behindern, sind in zwei Phasen unterteilt, wobei die zweite Phase den aktuellen strategischen Schwerpunkt der fossilen Industrie darstellt. Die zentrale Motivation dieser Akteure (die „Männer, die die Welt verbrennen“) ist die Aufrechterhaltung eines Geschäftsmodells, das im Durchschnitt 3 Milliarden Dollar Gewinn pro Tag generiert.
I. Positionen der direkten Leugnung der menschengemachten Klimakrise.
Die direkte Leugnung der Klimakrise war die dominante Strategie in den 1980er und 1990er Jahren. Obwohl diese Position von den meisten grossen fossilen Konzernen und Organisationen mittlerweile aufgegeben wurde, da die Existenz der menschengemachten Krise globaler Konsens ist, wird sie von bestimmten Gruppen und Netzwerken weiterhin verbreitet:
- Leugnung des Problems: Die Behauptung, es gäbe keine menschengemachte Klimakrise.
- Zweifelsäen am Kausalzusammenhang: Die Methode, Zweifel am wissenschaftlichen Konsens über den Zusammenhang zwischen CO2 und der Erwärmung zu säen und zu verbreiten.
- Relativierung der Verantwortung: Die These, dass der Anteil des Menschen an der Klimaveränderung eine andere Frage sei, wird auch 2023 noch von hochrangigen Akteuren vertreten.
- Verschleierung der Faktenlage: Die zugrunde liegende Lüge in dieser Phase war, dass es keinen Zusammenhang zwischen CO2 und Erwärmung gäbe. (Tatsächlich wussten Konzerne wie Exxon Mobile bereits seit den 1980er Jahren aus eigenen Modellen, dass ihr Geschäftsmodell den Planeten aufheizt, steckten aber dennoch Milliarden in Desinformation).
II. Positionen des Zweifels an der Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Gegenmassnahmen.
Dies ist die aktuelle, verstärkt verfolgte Strategie der Desinformationsindustrie. Die Taktik zielt darauf ab, die Menschen davon abzuhalten, ihr Verhalten oder ihre Einstellungen zu ändern, indem ihnen vermittelt wird, dass Massnahmen keinen Sinn ergeben, zu teuer sind oder ohnehin scheitern.
1. Falsche Narrative zur Wirtschaftlichkeit und Skalierung.
Die zentralen Argumente in diesem Bereich sind darauf ausgerichtet, die ökonomische Überlegenheit der fossilen Brennstoffe zu behaupten und die Kosten der Transformation zu übertreiben:
- Übermässige Subventionierung der Erneuerbaren: Erneuerbare Energien (EE) seien viel zu stark subventioniert und stellten ein „Milliardengrab“ dar, während fossile Brennstoffe angeblich nicht subventioniert würden.
- Kosten der Energiewende: Der Klimaschutz sei zu teuer und führe zu einer wirtschaftlichen Belastung.
- Kleiner Beitrag Deutschlands: Deutschland sei zu klein, um etwas auszurichten. Es sei nur für 2% der Emissionen verantwortlich, weshalb keine Massnahmen nötig seien.
- Deutscher Alleingang: Die Behauptung, Deutschland verfolge bei der Energiewende einen Alleingang, ist ein gängiges Narrativ.
2. Falsche Narrative zur Technologie und Infrastruktur.
Diese Narrative zielen darauf ab, Zweifel an der technischen Machbarkeit der Alternativen zu streuen:
- Instabilität des Stromnetzes: Erneuerbare Energien seien unzuverlässig und würden das Stromnetz instabil machen, was zu Blackouts führen könne.
- Wärmepumpen funktionieren nicht: Es wird behauptet, dass Wärmepumpen in Altbauten nicht funktionieren oder extrem teuer seien (es kursierten Preise von 150.000 € oder 300.000 €).
- E-Autos sind nicht besser: Elektroautos (E-Autos) seien nicht besser für das Klima als effiziente Dieselmotoren.
- Batterie-Mythen: Batterien könnten nicht gut recycelt werden, oder der Rohstoffabbau für Lithium und Kobalt sei übermässig zerstörerisch.
- Brandgefahr: Die Behauptung, Elektroautos würden ständig brennen.
3. Propagierte Pseudo-Lösungen und Verzögerungstaktiken.
Ein weiterer Pfeiler der Desinformation ist die Propagierung von Lösungen, die in Wirklichkeit dazu dienen, das fossile Zeitalter zu verlängern:
- Atomkraft-Renaissance: Die „Renaissance der Atomkraft“ wird propagiert. (Obwohl Atomkraftwerke den teuersten Strom Europas produzieren und Investitionen in EE und Speicher Atomkraft um ein Vielfaches übersteigen).
- E-Fuels und Wasserstoff-Heizungen: E-Fuels werden als tolle Lösung verkauft. Das Heizen mit Wasserstoff (Wasserstoffheizungen) wird beworben, obwohl dies faktisch kompletter Bullshit ist und H2-Ready-Heizungen weiterhin fast ausschliesslich Methangas verbrennen.
- Carbon Capture and Storage (CCS): Das Märchen, man könne das CO2 einfach aus der Atmosphäre holen (Direct Air Capture), dient als Begründung dafür, dass man weiterhin alles verbrennen könne.
- Aussicht auf Scheitern: Die Behauptung, dass „es eh alles nichts nützt“ und die Bemühungen sinnlos sind, führt zu Frustration und Passivität in der Bevölkerung.
Gängige Desinformationsnarrative:
- Energiewende: Erneuerbare Energien seien zu teuer, unzuverlässig und würden das Stromnetz instabil machen. Die „Renaissance der Atomkraft“ wird propagiert, obwohl die Investitionen und die globale Wachstumsrate das Gegenteil zeigen.
- Heizung: Behauptungen, Wärmepumpen funktionierten nicht in Altbauten oder seien extrem teuer (bis zu 300.000 Euro). Dies dient dazu, den Absatzmarkt für Gasheizungen zu schützen.
- Mobilität: Elektroautos seien nicht besser für das Klima als effiziente Diesel, oder Batterien könnten nicht recycelt werden. Tatsächlich brennen Verbrennungsmotoren 6- bis 25-mal häufiger als E-Autos.
- Politische Waffen: Narrative wie E-Fuels oder Heizen mit Wasserstoff werden als Ablenkung und zur Verlängerung fossiler Geschäftsmodelle eingesetzt.
Die Desinformationsnarrative im Kampf um die Energiewende und den Klimaschutz haben sich strategisch entwickelt und werden von einer gigantischen, mit Milliarden finanzierten Struktur zur Beeinflussung der Öffentlichkeit verbreitet. Die Narrative lassen sich in zwei Hauptphasen unterteilen und in spezifische thematische Bereiche gliedern:
Phase der direkten Leugnung (Historisch).
Diese Strategie war vor allem in den 1980er und 1990er Jahren dominant:
- Leugnung des Kausalzusammenhangs: Es wurde behauptet, es gäbe keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Ausstoss von CO2 und der Erwärmung des Planeten. (Dabei wussten Konzerne wie Exxon Mobile schon in den frühen 1980er Jahren aus eigenen Klimamodellen, dass ihr Geschäftsmodell zur Erwärmung führen würde).
- Status Quo: Diese Position ist heute weitgehend globaler Konsens; selbst Ölkonzerne leugnen die Existenz der menschengemachten Klimakrise nicht mehr offen.
Phase des Zweifels an der Sinnhaftigkeit von Gegenmassnahmen (Aktuell).
Seit den frühen 2000er Jahren, verstärkt nach dem Aufkommen von Bewegungen wie Fridays for Future, konzentriert sich die Desinformation darauf, Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit von Gegenmassnahmen zu säen. Die neue Lüge besagt, dass wir ohnehin nichts tun könnten (es hilft eh alles nichts).
A. Narrative zur Wirtschaftlichkeit und Skalierung.
Diese Argumente zielen darauf ab, den Eindruck zu erwecken, der Klimaschutz sei ein unverhältnismässiger Kostenfaktor und ein "deutscher Alleingang".
Narrativ |
Detail und Absicht |
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Erneuerbare sind zu teuer |
Erneuerbare Energien (EE) würden viel zu stark subventioniert und seien ein „Milliardengrab“. Dies verschleiert, dass die fossile Industrie selbst die am höchsten subventionierte Industrie in der Geschichte der Menschheit ist. |
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Klimaschutz als Belastung |
Es wird behauptet, dass Klimaschutz zu teuer sei und zu wirtschaftlicher Belastung führe, während die Kosten der Klimakrise selbst (negative Externalitäten) verschwiegen werden. |
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Deutscher Alleingang |
Das Narrativ besagt, Deutschland sei zu klein (nur 2 % der Emissionen) und agiere im Alleingang, weshalb Massnahmen keinen Sinn hätten. |
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Bevölkerungswachstum in Afrika |
Das Bevölkerungswachstum in Afrika sei das grösste Problem für den Klimawandel. Dieses Argument lenkt von der Verantwortung der G20-Staaten ab, die für 81 % der Emissionen verantwortlich sind. |
B. Narrative zur Technologie und Infrastruktur (Fokus: Elektrifizierung).
Diese Narrative dienen dazu, die technischen Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu diskreditieren.
Thema |
Narrativ |
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Wärmepumpen |
Wärmepumpen funktionierten nicht in Altbauten oder seien extrem teuer (bis zu 300.000 €). Die Debatte wurde als „Heizhammer“ politisiert. |
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E-Mobilität |
Elektroautos seien nicht besser für das Klima als effiziente Diesel. Es kursiert das Gerücht, E-Autos würden dauernd brennen, obwohl Verbrenner 6- bis 25-mal häufiger brennen. |
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Batterien/Rohstoffe |
Batterien könnten nicht gut recycelt werden. Auch wird über den „Raubbau an der Natur“ (Lithium, Kobalt) im Zusammenhang mit Batterien gesprochen, während der weitaus grössere Metallabbau für herkömmliche Autos ignoriert wird. |
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Stromnetz |
Erneuerbare Energien (EE) seien unzuverlässig (Flatterstrom, Dunkelflaute) und würden das Stromnetz instabil machen. |
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Sonstiges |
Windräder würden Infraschall erzeugen. Stromleitungen erzeugten Elektrosmog. |
C. Pseudo-Lösungen und Verzögerungstaktiken.
Diese Narrative bieten scheinbare Alternativen, die das fossile Geschäftsmodell in Wirklichkeit verlängern:
Renaissance der Atomkraft: Die Kernkraft wird als saubere und notwendige Energiequelle propagiert. Tatsächlich ist Atomstrom oft der teuerste Strom in Europa, und der Zubau an EE-Kapazität ist um ein Vielfaches höher.
Heizen mit Wasserstoff/E-Fuels: E-Fuels werden als „tolle Lösung“ für den Verbrennungsmotor propagiert. Wasserstoffheizungen werden beworben, obwohl H2-Ready-Heizungen faktisch zu 93 % Methangas verbrennen und Wasserstoff hochflüchtig ist ("kompletter Bullshit").
Carbon Capture and Storage (CCS): Das „Märchen“ der Direct Air Capture (DAC) als Begründung, warum weiter fossile Brennstoffe verbrannt werden könnten. Dies ignoriert die extrem hohen Kosten und die Notwendigkeit, DAC-Kapazitäten bis 2050 um das 100.000-fache zu steigern.
D. Psychologische und Gesellschaftliche Narrative.
Diese Narrative zielen auf die kognitiven und emotionalen Schwachstellen der Bevölkerung ab:
- Individualisierung der Verantwortung: Die Ölindustrie (z. B. BP) hat strategisch die Verantwortung für die Krise auf das Individuum verlagert, etwa durch die Popularisierung des CO2-Fussabdruck-Rechners. Dies dient als Ablenkung von den systemischen Problemen und Lobby-Strukturen.
- Dämonisierung von Aktivisten: Umweltaktivisten und die letzte Generation werden gezielt als „Terroristen“ verurteilt. Dieser Topos wurde bereits in den 1970er Jahren in libertären Think Tanks (z. B. dem Atlas Network) etabliert und durch Politiker wie Frank Schäffler in den Diskurs eingespeist.
- Petromaskulinität: Dieses Konzept beschreibt die empirisch nachweisbare Korrelation zwischen marktradikalen, sozialdarwinistischen Einstellungen, Frauenfeindlichkeit und der Begeisterung für fossile Brennstoffe (z. B. röhrende Motoren). Es wird durch popkulturelle
- Indoktrination (z. B. Filme wie Ein Colt für alle Fälle oder Zurück in die Zukunft) verstärkt, die das Verbrenner-Auto als Symbol für Freiheit und Selbstermächtigung etablierte.
- Wissenschaftsfeindlichkeit: Populistische Parteien nutzen Wissenschaftsherabsetzung als Mittel zum Machtgewinn oder Machterhalt, um das gigantische Risiko der Klimakrise kleinzureden. Dies wird auch von Politikern (wie Jens Spahn oder Hubert Aiwanger) verwendet, um Halbwahrheiten und Unsinn zu verbreiten.
Die Rolle der Medien.
Die Desinformationskampagnen werden durch bestimmte Medienhäuser (wie den Springer-Verlag, der teilweise KKR gehört – einem grossen Fossilinvestor) massiv unterstützt. Journalistisches Versagen trägt dazu bei, dass diese falschen Narrative unwidersprochen bleiben und der faktenbasierte Diskurs auf einem „erschreckend niedrigen Niveau“ stattfindet.
Die Psychologische Verankerung des Widerstands.
Die Wirksamkeit der Desinformation beruht auf psychologischen Mechanismen. Stöcker, der selbst Psychologe ist, analysiert diese tiefgreifenden kognitiven Hindernisse. Die Desinformationskampagnen durch bestimmte Medienhäuser stellen einen zentralen Pfeiler der Strategie der fossilen Industrie dar, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und wirksame Gegenmassnahmen gegen die Klimakrise zu verhindern. Diese Netzwerke sind gigantische, mit Milliarden finanzierte Strukturen zur Beeinflussung der Öffentlichkeit.
Im Folgenden werden die identifizierten Medienhäuser und ihre Mechanismen detailliert aufgeführt:
- Der Springer-Verlag (Bild und Die Welt). Der Springer-Verlag, zu dem Publikationen wie die Bild-Zeitung und Die Welt gehören, wird in den Quellen klar dem Lager der aktiven Desinformation zugeordnet:
Finanzielle und strategische Verflechtungen.
- KKR-Beteiligung: Der Springer-Verlag gehörte bis vor kurzem zu 35% KKR (Cravis Colberg Roberts), einer Private Equity Firma, die als einer der grössten Fossilinvestoren im Private Equity Bereich gilt.
- Interessenkonflikt: KKR hat in den letzten Jahren 9 Milliarden Dollar in LNG Assets (Flüssiggas) investiert. Dies bedeutet, dass das Unternehmen ein extrem grosses Interesse daran hat, dass in Deutschland weiterhin Gas verbrannt wird. Die journalistische Arbeit des Springer-Verlags wird damit als pro-fossile Agitation betrachtet.
- Herausgeber-Position: Matthias Döpfner, Herausgeber des Springer-Verlags, hat in privaten Nachrichten zum Ausdruck gebracht, dass er den Klimawandel befürworte, da Warmzeiten immer Zeiten menschlichen Erfolgs gewesen seien. Eine solche Aussage zeugt von „absolut keiner Ahnung von der Materie“, da die aktuelle Warmzeit die heisseste in der Geschichte der Menschheit ist, seit es Menschen gibt.
Kampagnen und Narrative.
Der Springer-Verlag unterstützte die Desinformation in Deutschland „in kampagnenhafter Weise“ und „pseudojournalistisch“:
- Heizhammer-Kampagne: Die Bild-Zeitung machte hunderte von Texten allein zum Thema Wärmepumpe. Sie prägte den Kampfbegriff „Heizhammer“ nach der Veröffentlichung des geleakten Gesetzentwurfs, obwohl dieser medial zerpflückte Entwurf mit dem tatsächlichen Inhalt „eigentlich nichts zu tun“ hatte.
- Propaganda für Pseudo-Lösungen: In einer Talkshow verbreitete Jens Spahn (Union) die Behauptung, man könne mit Photovoltaik Wasserstoff erzeugen und diesen dann in Gasheizungen verbrennen. Die Bild-Zeitung bezeichnete diesen „absoluten Bullshit“ – eine fiktive Technologie, die es nirgendwo gibt – am nächsten Tag als „vernünftigsten Vorschlag“ des Abends.
- Die Welt und die Petromaskulinität: Die Welt veröffentlichte einen Artikel, der die zentrale These enthielt, die Wärmepumpe sei die „letzte Entfremdung des Menschen vom Feuer“. Dies spielt mit dem popkulturellen Topos, der die Verbrennungstechnologie als männliches Symbol für Freiheit und Selbstermächtigung etabliert hat. Stefan Aust, der Herausgeber der Welt, äusserte sich noch 2023 skeptisch zur Rolle des Menschen beim Klimawandel.
US-Medien und die „Achse des Öls“.
Auch in den USA tragen grosse Medienimperien aktiv zur Desinformation bei und festigen die politische Polarisierung:
- Fox News (Rupert Murdoch): Das Fox News Netzwerk, gegründet von Rupert Murdoch, wurde von Anfang an als ein „Agitationswerkzeug“ betrieben, das Desinformation und Klimawandelleugnung verbreitete. Fox News trug dazu bei, dass das Lügen über wissenschaftliche Fakten zum Standard der Republikaner wurde.
- Lokale Medien (Gezielter Kauf): Im Zuge von Kampagnen zur Verhinderung des Ausbaus erneuerbarer Energien in den USA kauften finanzstarke Akteure wie Charles Koch lokale Zeitungen auf, um sie in Organe umzuwandeln, die gezielte Photovoltaik-Desinformation verbreiten (z. B. Unsinn wie „Solarzellen töten Vögel“).
Generelles Medienversagen und Diskursniveau.
Die Desinformationskampagnen haben auch deshalb Erfolg, weil der faktenbasierte Diskurs in Deutschland oft auf einem „erschreckend niedrigen Niveau“ stattfindet:
- Reproduktion von Bullshit: Journalistische Akteure reproduzieren Desinformation, die in Talkshows geäussert wird, in ihren Publikationen.
- Mangelnde Vorbereitung: In Talkshows werden gewählte Politiker eingeladen, die „kompletten Bullshit“ erzählen, ohne dass die Moderatoren oder Redaktionen ausreichend vorbereitet sind, um dies live zu widerlegen.
- Ausblenden positiver Fakten: Die Medienlandschaft in Deutschland versagt flächendeckend darin, die spektakulär guten Nachrichten über die Energiewende zu vermitteln. So wissen die meisten Menschen nicht, dass 92,5% der weltweit zugebauten Kapazität zur Stromerzeugung im Jahr 2024 erneuerbar war. Das Narrativ der „Klimamüdigkeit“ ist eine Metadesinformation, die von der Realität entkoppelt ist, da eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (über 80 %) die Energiewende befürwortet.
- Gezielte Kampagnen gegen Einzelpersonen: Desinformationsnetzwerke nutzen Medien, um Kampagnen gegen Personen zu fahren, die unbequeme Wahrheiten aussprechen, wie etwa Hunderte von Artikeln gegen Robert Habeck in kurzer Zeit. Oder sie versuchen, glaubwürdige Experten wie Claudia Kämpfert zu diskreditieren, indem sie sie in Berichten deutscher Zeitungen als „umstritten“ darstellen.
Das Lügen über wissenschaftliche Fakten wurde in den USA bereits in den 1980er Jahren zum Standard der Republikaner, was sich auf Themen wie sauren Regen und das Ozonloch bezog, bevor es sich auf die Klimakrise verlagerte. Die Desinformationsstrategien, die heute in deutschen Medien zu finden sind (z.B. Dämonisierung von Aktivisten), sind oft 50 Jahre alte Narrative, die in libertären Think Tanks entwickelt wurden.
Kognitive Dissonanz.
Menschen neigen dazu, ihr Verhalten und ihre Einstellungen ungern zu ändern (Standardmodus). Informationen, die dem eigenen Weltbild widersprechen (dissonante Informationen), werden ignoriert, während bestätigende Informationen (konsonante Informationen) aufgewertet werden. Die kognitive Dissonanz beschreibt aus psychologischer Sicht einen unangenehmen Zustand oder einen „Missklang im Kopf“, der entsteht, wenn das, was eine Person weiss, im Widerspruch zu ihren eigenen Einstellungen oder ihrem Verhalten steht. Die Existenz der Klimakrise und die Notwendigkeit, das eigene Verhalten zu ändern, erzeugt bei vielen Menschen eine solche Dissonanz, die sie instinktiv versuchen zu reduzieren.
Der Mensch tendiert im Standardmodus dazu, das eigene Verhalten und die eigenen Einstellungen ungern zu ändern. Um das unangenehme Gefühl der Dissonanz zu verringern, werden Informationen, die dem eigenen Weltbild widersprechen (dissonante Informationen), ignoriert oder aktiv abgewertet.
Die Strategien, mit denen dissonante Informationen ausgeblendet werden, sind detailliert:
1. Aufwertung konsonanter Informationen (Bestätigungsfehler).
Menschen neigen dazu, Informationen aufzuwerten und hervorzuheben, die ihre bereits bestehende Vorstellung von der Welt oder ihr Verhalten bestätigen (Confirmation Bias):
- Beispiel für Dissonanzreduktion: Wenn jemand weiterhin fossile Brennstoffe nutzt, aber die Klimakrise als Problem kennt, werden Narrative wie „Elektroautos seien nicht besser fürs Klima als effiziente Diesel“ bereitwillig aufgenommen und weitererzählt, weil sie zum eigenen Weltbild passen und eine Verhaltensänderung nicht erforderlich machen.
- Anekdotische Evidenz: Ein Raucher, der weiss, dass Rauchen schädlich ist, reduziert die Dissonanz, indem er einen Raucher kennt, der trotz Rauchen 90 Jahre alt wurde.
2. Abwertung der dissonanten Informationen und ihrer Überbringer.
Die dissonanten Informationen selbst und die Personen, die diese unangenehmen Nachrichten überbringen, werden abgewertet oder diskreditiert. Dies ist eine der effektivsten Methoden zur Abwehr der Dissonanz:
- Dämonisierung von Klimaaktivisten: Der Hass und die flächendeckende Verurteilung von Klimaaktivisten (wie der „Letzten Generation“) als „Terroristen“ ist eine Form des Abwehrverhaltens, die durch die Dissonanz ausgelöst wird. Die Aktivisten weisen auf die extreme Bedrohlichkeit der menschengemachten Klimakrise hin, was eine starke Abwehrhaltung bei den Adressaten provoziert.
- Diskreditierung von Experten: Auch Journalisten oder Wissenschaftler, die die Wahrheit sagen, werden Opfer von Kampagnen und in Berichten oft als „umstritten“ dargestellt, um ihre Botschaft zu devaluieren.
3. Strategische Ausnutzung durch die fossile Industrie.
Die fossile Desinformationsindustrie nutzt diesen psychologischen Mechanismus seit Jahrzehnten systematisch aus, um ihre Geschäftsmodelle zu schützen:
- Verlagerung der Verantwortung: Die Ölindustrie hat die Verantwortung für die Klimakrise strategisch auf das Individuum verlagert (z.B. durch die Popularisierung des CO2-Fussabdruck-Rechners), wodurch die Menschen dazu gebracht werden, sich selbst zu verurteilen und die systemischen Probleme (wie Subventionen) zu ignorieren.
- Abwehr von Verhaltensänderungen: Die Desinformationsindustrie hat den Eindruck vermittelt, dass jede notwendige Veränderung zuerst persönliche Einschränkungen bedeutet und schlecht ist (z.B. „du müsstest dein Verhalten ändern und das ist schlecht“), was ein sehr effektiver Mechanismus ist, um die Leute davon abzuhalten, sich zu engagieren oder ihr Verhalten zu ändern.
- Verbreitung von Pseudo-Fakten: Die fossile Industrie produziert aktiv neue „Lügen“ (z.B. Mythen über Wärmepumpen, E-Autos oder Atomkraft), die leichter zu verkaufen sind als die alte Lüge der Klimaleugnung. Wer diese Pseudo-Fakten glaubt, reduziert die Dissonanz, da er sich einreden kann, dass die Gegenmassnahmen ohnehin sinnlos sind und er den Status quo beibehalten kann.
Die kognitive Dissonanz erklärt, warum trotz überwältigender Faktenlage zur Gefahr der Klimakrise und zur Effizienz der erneuerbaren Energien, die Öffentlichkeit in Deutschland ein völlig verzerrtes Bild von der Realität hat.
Individualisierung der Verantwortung.
Die Ölindustrie (z.B. BP) hat strategisch die Verantwortung auf das Individuum verlagert, indem sie den CO2-Fussabdruck-Rechner popularisierte. Dies führt dazu, dass Menschen sich lieber aus der politischen Debatte zurückziehen.
Welche Konsequenzen hat die Individualisierung der Verantwortung, die strategisch Verlagerung der Verantwortung auf das Individuum?
Die Individualisierung der Verantwortung, also die strategische Verlagerung der Verantwortung für die Klimakrise auf das Individuum, ist eine strategische Kommunikationsmassnahme der fossilen Industrie.
Diese Strategie wurde unter anderem durch BP (British Petroleum) vor vielen Jahren mit der Veröffentlichung des CO2-Fussabdruck-Rechners initiiert und popularisiert.
Die Konsequenzen dieser Verlagerung sind vielschichtig:
1. Ablenkung von systemischen Problemen.
Die Hauptkonsequenz der Individualisierung ist die Ablenkung von der tatsächlichen, systemischen Verantwortung:
Der Fokus wird von den systemischen Problemen und den fossilen Grosskonzernen weggelenkt.
Die Verlagerung der Verantwortung soll die fossilen Konzerne in den Hintergrund rücken, obwohl gerade 100 Unternehmen für über 71 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.
Insbesondere die Superreichen (die obersten 1 %) sind für mehr als doppelt so viele Treibhausgasemissionen verantwortlich wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, doch der Diskurs konzentriert sich auf den Konsum des Einzelnen.
2. Psychologische Konsequenzen (Dissonanz und Passivität).
Die Strategie nutzt die menschliche Psychologie, um Verhaltensänderungen zu verhindern und Passivität zu fördern:
- Verdrängung: Die individuelle Verantwortung trägt dazu bei, dass Menschen die Klimakrise als so unangenehm empfinden, dass sie sich lieber nicht damit auseinandersetzen, was zu einer „Verdrängungsgesellschaft“ führt.
- Abwehr von Veränderungen: Es wird sehr effektiv der Eindruck vermittelt, dass eine notwendige Veränderung bedeutet, dass die Bürger „als erstes du dich ändern“ müssten und zwar in einer Weise, die sie nicht wollen. Dies dient als effektiver Mechanismus, um die Leute davon abzuhalten, sich zu engagieren oder ihr Verhalten zu ändern.
- Kognitive Dissonanz: Die Strategie ermöglicht es den Menschen, ihre kognitive Dissonanz zu reduzieren, indem sie sich einreden, dass Gegenmassnahmen sinnlos sind.
- Unwirksamkeit des Tugendhafthandels: Die Verlagerung der Verantwortung auf das Individuum bedeutet, dass die notwendigen systemischen Änderungen nicht durch individuelle Tugendhaftigkeit herbeigeführt werden.
3. Gesellschaftliche Spaltung und Schuldzuweisung.
Die Individualisierung verlagert den gesellschaftlichen Konflikt vom systemischen Kampf hin zur gegenseitigen Schuldzuweisung:
- Gegenseitige Schuldzuweisung: Im Diskurs wird der Finger aufeinander gezeigt, etwa mit der Frage, wer noch ein in Plastik verpackte Gurke kauft oder Auto fährt, was die gesellschaftliche Spaltung verstärkt.
- Zerstörung des Zusammenhalts: Angst wird als „grösste Instrument“ genutzt, um Menschen zu lenken und gesellschaftliche Spaltung herbeizuführen.
- Schutz der fossilen Akteure: Werden Menschen dazu gebracht, zu glauben, sie selbst seien die Hauptschuldigen, schützt dies die systematischen Strukturen und die Akteure, die in den höchsten Chefetagen sitzen, vor der Verantwortung.
Petromaskulinität.
Dieses Konzept beschreibt die empirisch nachweisbare Korrelation zwischen marktradikalen, sozialdarwinistischen Einstellungen, Misogynie und einer starken Begeisterung für fossile Brennstoffe (z.B. röhrende Motoren). Diese Haltung ist besonders bei Männern verbreitet, die historisch zu den grössten Profiteuren des fossilen Zeitalters gehören. Populärkulturelle Indoktrination (z.B. durch Filme und Fernsehserien der 80er Jahre wie Ein Colt für alle Fälle oder Zurück in die Zukunft) hat das Auto als Symbol für Freiheit und Selbstermächtigung etabliert.
Wieso unterliegen vor allem Männer der Petromaskulinität?
Die tief verwurzelte Anziehungskraft und Verankerung von Männern in der Petromaskulinität lässt sich durch eine Kombination aus historischem ökonomischem Vorteil, tiefenpsychologischen Mechanismen und jahrzehntelanger popkultureller Indoktrination erklären.
Dieses Konzept beschreibt eine empirisch nachweisbare Korrelation, die insbesondere bei Männern zu beobachten ist, die marktradikale, sozialdarwinistische Einstellungen mit einer Begeisterung für fossile Brennstoffe und oft auch mit Misogynie (Frauenfeindlichkeit) verbinden.
I. Ökonomisches Privileg und Verlustangst.
Einer der Hauptgründe für die starke Verankerung dieses Konzepts liegt in den historischen Vorteilen, die Männer aus dem fossilen Zeitalter zogen:
- Grösste Profiteure: Männer, insbesondere mittelalte weisse Männer in westlichen Industrienationen, gelten als die grössten Gewinner der letzten 200 Jahre industrieller, fossil angetriebener Entwicklung und des Patriarchats.
- Füllhorn des Zeitalters: Das Füllhorn des fossilen Zeitalters hat die Profiteure des Patriarchats am meisten mit Geschenken überschüttet.
- Machtstrukturen: Autokratische Regime, die fast ausschliesslich vom Verkauf fossiler Brennstoffe leben (wie Wladimir Putin, Mohammed bin Salman, der Emir von Katar), werden in der Regel von Männern geführt, die sich auf reaktionäre gesellschaftspolitische Haltungen einigen können.
- Bedrohte Macht: Da diese Männer am meisten vom Status quo profitiert haben, sehen sie das Ende des fossilen Zeitalters und die damit verbundene Transformation als existenzielle Bedrohung ihres Geschäftsmodells, ihrer Macht und ihres Status.
II. Ideologische und Psychologische Mechanismen.
Die Petromaskulinität bündelt bestimmte Ideologien und psychologische Abwehrmechanismen, die das Festhalten an fossilen Brennstoffen erleichtern:
- Sozialdarwinistische Haltung: Psychologische Studien belegen, dass diese Begeisterung für fossile Brennstoffe oft mit einer sozialdarwinistischen Grundhaltung einhergeht,. Diese Haltung beinhaltet den Glauben an das Recht des Stärkeren, dass der Markt alles regelt und dass ein Wohlfahrtsstaat ein Zeichen von Schwäche ist.
- Wissenschaftliche Verblendung: Diese Männer sind oft überzeugt, besonders klug und informiert in Klimafragen zu sein, und leugnen oder verharmlosen die Klimakrise.
- Abwertung der Alternative: Erneuerbare Energien werden diskreditiert, indem sie mit Attributen belegt werden, die als "unmännlich" gelten, wie etwa der Begriff "Flatterstrom".
III. Popkulturelle Indoktrination und Symbolik.
Die affektive Bindung an fossile Brennstoffe wird massgeblich durch die Kultur gefördert, die den Verbrennungsmotor als Symbol für männliche Freiheit und Macht etabliert hat:
- Freiheitssymbol: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind jahrzehntelang durch brutale Marketingmacht und popkulturelle Indoktrination als Symbole für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstermächtigung in das Bewusstsein der Menschen gedrungen,,.
- Männliche Ich-Erweiterung: Bei Männern dient dies als "männliche Ich-Erweiterung" und als Statussymbol,.
- Der röhrende Motor: Ein röhrender Motor oder ein lautes Auto wird als "männlich und sexy" stilisiert und kann dazu dienen, "über andere Defizite hinweg [zu] täuschen",,. Dies zeigt sich auch in Phänomenen wie "Fridays for Hubraum", das als Gegenbewegung zu Fridays for Future entstand.
- Romantisierung des Feuers: Es besteht eine tief verwurzelte Assoziation von "Feuer gleich gut". Diese uralte Assoziation wird von der fossilen Industrie ausgenutzt, indem die Gasheizung oder der Verbrennungsmotor romantisiert werden, während die Wärmepumpe als „die letzte Entfremdung des Menschen vom Feuer“ dargestellt wird,,.
- Mediale Prägung: Fernsehserien (Ein Colt für alle Fälle) und Filme (Zurück in die Zukunft) trugen dazu bei, den Pickup Truck (Vorläufer des SUV) als unantastbares Statussymbol und "dritte Hauptfigur" in den popkulturellen Mainstream zu bringen,,,.
Exponential Growth Bias.
Experten und die breite Öffentlichkeit sind kognitiv schlecht darin, exponentielles Wachstum weiterzudenken. Dies führt dazu, dass Prognosen von Fachexperten (z.B. der IEA) das Wachstum erneuerbarer Energien konsequent unterschätzen. Wieso sind Experten und die breite Öffentlichkeit kognitiv schlecht darin, exponentielles Wachstum (Exponential Growth Bias) weiterzudenken?
Die kognitive Schwierigkeit von Experten und der breiten Öffentlichkeit, exponentielles Wachstum vorauszudenken, wird als Exponential Growth Bias bezeichnet. Dieses Phänomen erklärt, warum Menschen die Geschwindigkeit und das Ausmass von Entwicklungen wie dem Ausbau erneuerbarer Energien oder der Elektromobilität regelmässig unterschätzen.
Der psychologische Mechanismus.
Die mangelnde Fähigkeit, exponentielles Wachstum zu erfassen, ist tief in den kognitiven Mechanismen des Menschen verwurzelt:
- Linearer Denkfehler (Linearer Proxy): Der Hauptgrund für die kognitive Schwäche liegt darin, dass Menschen intuitiv dazu neigen, einen linearen Prozess als Ersatz (Proxy) für einen exponentiellen Prozess zu verwenden. Ein linearer Proxy für exponentielles Wachstum ist jedoch extrem schlecht und führt zu miserablen Vorhersagen.
- Widerstand gegen Veränderung: Psychologisch gesehen ist der Mensch im „Standardmodus“ darauf eingestellt, sein Verhalten oder seine Einstellungen ungern zu ändern. Die exponentielle Veränderungsrate erzeugt eine Bedrohung für das bestehende Weltbild, was die Tendenz verstärkt, die schnelle Entwicklung nicht wahrhaben zu wollen.
- Die Überraschung am Ende: Am Anfang eines exponentiellen Prozesses erscheinen die Schritte langsam, aber die späteren Verdopplungen werden riesig. Diese Sprünge sind so gross, dass sie sich nicht mehr quantitativ, sondern wie eine qualitative Veränderung anfühlen.
- Zu hohes Selbstvertrauen: Obwohl Menschen notorisch schlecht darin sind, exponentielles Wachstum vorauszudenken, sind sie gleichzeitig übermässig selbstsicher bei Aufgaben, die dieses Wachstum betreffen.
Ein klassisches Beispiel zur Veranschaulichung des Fehlers ist die Seerosen-Aufgabe: Wenn Seerosen ihre Fläche auf einem Teich jeden Tag verdoppeln und der Teich nach 48 Tagen vollständig bedeckt ist, glauben viele fälschlicherweise, er sei nach 24 Tagen zur Hälfte bedeckt. Die korrekte Antwort (47 Tage) zeigt, wie schnell die Verdopplung am Ende erfolgt und wie schlecht unser Gehirn diesen Prozess intuitiv verarbeiten kann.
Versagen von Experten und Organisationen.
Dieser Bias betrifft nicht nur Laien, sondern auch Fachexperten und grosse Organisationen, was zu systematischer Unterschätzung führt:
- Regelmässige Fehlprognosen der IEA: Die Internationale Energieagentur (IEA) liefert ein prominentes Beispiel. Sie ist zwar gut im Zusammentragen aktueller Zahlen, aber „sensationell schlecht“ in Prognosen.
- Der "Treppenwitz": Die IEA erstellt jedes Jahr neue Prognosen für den Ausbau der Photovoltaik, in denen sie annimmt, dass die exponentielle Kurve „jetzt aufhört“ und linear weitergeht. Jedes Jahr wird diese Prognose von der tatsächlichen exponentiell wachsenden Kurve „ungebremst durchschlagen“. Dieses wiederholte, systematische Versagen wird als „Treppenwitz“ im Bereich der Prognosen bezeichnet.
- Betroffene Bereiche: Die Expertenprognosen liegen in allen Bereichen, in denen exponentielles Wachstum stattfindet, falsch. Dazu gehören Photovoltaik, Windenergie, Batteriespeicher und Elektromobilität.
IV. Die Globale Energiewende: Die unaufhaltsame Transformation.
Trotz aller Widerstände und Desinformation ist die Transformation hin zu einer elektrifizierten Welt unaufhaltsam und beschleunigt sich exponentiell.

Stöcker liefert hierzu klare, oft unbekannte Fakten:
- Dominanz der Erneuerbaren: Erneuerbare Energien sind die billigste Form der Energieerzeugung weltweit. Der Markt hat sich längst entschieden.
- Zubau-Statistiken: Im Jahr 2024 waren 92,5% der weltweit neu installierten Kapazität zur Stromerzeugung erneuerbar.
- Exponentielles Wachstum: Die Haupttechnologien wachsen exponentiell (werden immer schneller):
- Batteriespeicher: Wachsen mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate (CAGR) von 68% am schnellsten. Die Preise sind dramatisch gefallen (von 2.400 USD/kWh in 2010 auf unter 100 USD).
- Photovoltaik (Solar): Wächst mit 28% CAGR.
- Windenergie: Wächst mit 14% CAGR.
- E-Mobilität: Der globale Markt für Verbrennungsmotoren schrumpft seit 2017. E-Mobilität wächst exponentiell. E-Autos (mit niedrigem Schwerpunkt und schneller Beschleunigung) werden als die besseren Autos empfunden.
- Globale Vorreiter: Länder des globalen Südens (Emerging Markets) bauen erneuerbare Energien in atemberaubendem Tempo aus, da sie günstiger sind und eine Unabhängigkeit von maroden fossilen Netzen ermöglichen. Dies gilt etwa für Pakistan und Subsahara-Afrika.
V. Der Weg nach vorne: Beschleunigung und Faktentransfusion.
Der Übergang ist zwar unvermeidlich, aber zu langsam, um die Klimaziele zu erreichen. Stöcker leitet daraus Handlungsmaximen ab:
- Faktentransfusion und Prebunking: Die grösste Herausforderung ist die Information. Die Öffentlichkeit braucht eine „massive Fakten Infusion“. Stöcker plädiert für Prebunking (Leute präventiv über Desinformationsstrategien aufklären).
- Politische Korrektur: Demokratische Politiker müssen aufhören, Desinformation zu verbreiten (etwa zu E-Fuels oder Wärmepumpen).
- Systemische Hebel (Internalisierung der Kosten): Die logischste und wichtigste systemische Massnahme ist die angemessene Bepreisung der negativen Externalitäten (Schäden) fossiler Brennstoffe. Solange dies nicht geschieht, bleibt der Markt grotesk verzerrt.
- Beschleunigung der Infrastruktur: Regulatorische Erleichterungen sind notwendig, um das bereits bestehende exponentielle Wachstum von Batteriespeichern im Stromnetz zu beschleunigen. Grossspeicher werden zur Senkung der Netzentgelte beitragen.
- Stärkung des Fakten-Diskurses: Medien und Talkshows müssen den faktenbasierten Diskurs durch live Fact-Checks und intensive Recherche stärken, insbesondere gegen die seit Jahrzehnten organisierten Lobby-Netzwerke.
- Mobilisierung der Mehrheit: Studien zeigen, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (z.B. 80% der Deutschen halten die Energiewende für wichtig oder sehr wichtig) die Transformation befürwortet, obwohl das öffentliche Bild verzerrt ist. Ziel muss es sein, diese „schweigende Mehrheit“ zu mobilisieren und ihr ein Gefühl der Selbstwirksamkeit (Self-efficacy) zu vermitteln. Dies kann durch lokales Engagement (z.B. Bürgerenergieprojekte, Solaranlagen auf Schulen) gefördert werden.
- Optimismus: Stöcker vertritt die These, dass die guten Kräfte technologisch und ökonomisch bereits gewonnen haben. Die entscheidende Frage ist, ob die fossilen Akteure schnell genug „aus dem Weg gehen“ oder von den ökonomischen Realitäten überholt werden.
Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
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Quellenverzeichnis (November 2025)
https://m.youtube.com/watch?v=yOekjenFZJo&pp=0gcJCSMKAYcqIYzv
https://m.youtube.com/watch?v=yOekjenFZJo&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=nYd_7cEkY1M&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=i2SyNclvoEU&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=aZGbUzlqiAU&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy0gcJCSIKAYcqIYzv
https://m.youtube.com/watch?v=nUmt8F8Ly6M&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=jrBN_19-mrY&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=DCuz9vv7nQI&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=U6V22IWppT8&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=R4xJMtxAt_M&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
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https://m.youtube.com/watch?v=aZGbUzlqiAU&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
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https://m.youtube.com/watch?v=z8i3HCo6XW8&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=ZOfsa9gdA2I&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=7BKzY3EZKmU&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=jrBN_19-mrY&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy
https://m.youtube.com/watch?v=w2qdVmF9du4&pp=ygUSY2hyaXN0aWFuIHN0w7Zja2Vy


















