Energiewende Schweiz: PV-Ausbau, Flexibilität, Speicher, saisonaler Ausgleich, Netzausbau, Sanierung, Strompreisentwicklung.
13.02.2026
I. Historische Entwicklungen des Energieverbrauchs.
Die Analyse der Energieverbrauchsdaten in der Schweiz offenbart überraschende Trends der letzten zehn Jahre.
1.1 Rückgang des Endenergieverbrauchs trotz Bevölkerungswachstum.
Entgegen der Intuition vieler hat der Energieverbrauch in der Schweiz in den letzten zehn Jahren abgenommen, obwohl die Bevölkerung im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gestiegen ist. Dieser Rückgang ist primär auf massive Effizienzsteigerungen im Gebäudebereich zurückzuführen.
Der Gesamtenergieverbrauch vor allem durch den Verbrauch von Erdöl-Brennstoffen, insbesondere Heizöl, stieg rasant nach dem Zweiten Weltkrieg an. Die Erdölkrise in den 1970er Jahren führte jedoch zu Top-down-Massnahmen, bei denen die Schweiz ein Verbot für schlechte Gebäude aussprach und bessere Isolierung forderte. Als Folge sank der Energieverbrauch in Gebäuden seit den 1970er Jahren fast linear bis heute. Allerdings könnten jüngste politische Entscheidungen, wie die Abschaffung des Eigenmietwerts, der ein grosser Anreiz für Sanierungen war, und die Diskussion über die Abschaffung des Gebäudeprogramms, diesen Trend gefährden.
Im Bereich der Mobilität wurde hingegen bisher weniger erreicht. Obwohl die COVID-19-Pandemie kurzzeitig zu einem Knick führte, stieg der Energieverbrauch durch das Autofahren (grösstenteils Benzin) danach wieder an. Die massive Reduktion des gesamten Endenergieverbrauchs ist vor allem dem Rückgang der Brennstoffe, insbesondere Heizöl, zu verdanken.
1.2 Konstanz und Effizienz im Stromverbrauch.
Im Gegensatz zum Gesamtenergieverbrauch blieb der Stromverbrauch in den letzten zehn Jahren etwa gleich, trotz des Bevölkerungswachstums und der Zunahme von Elektroautos, Wärmepumpen, Handys und Laptops.
Diese Konstanz ist auf eine gesteigerte Effizienz im Stromeinsatz zurückzuführen, etwa durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung und bessere Prozesse. Die Stromproduktion seit 1950 zeigte in den 1970er Jahren den Zubau der Kernkraft zur bereits bestehenden Wasser- und Pumpspeicherkraft. Die einzige Technologie, die in den letzten zehn Jahren massgeblich ausgebaut wurde, ist die Photovoltaik (PV), wenngleich ihr Anteil am Gesamtenergiemix noch nicht riesig ist, so ist ihr Wachstum doch signifikant.
1.3 Wandel der Importabhängigkeit.
Ein weiterer wichtiger Trend ist die massive Abnahme der Importabhängigkeit von Energie in den letzten zehn Jahren.
Historisch gesehen importierte die Schweiz zeitweise fast 80 bis 90% ihrer Energie, was nach der Erdölkrise als drastische Abhängigkeit erkannt wurde. Aktuell importiert die Schweiz etwa zwei Drittel ihres Energiebedarfs. Trotz des Rückgangs bleibt alles, was fossil ist – Erdgas und Erdöl – importiert.
II. Der Weg zur Netto-Null 2050.
Um das vom Souverän bestätigte Ziel zu erreichen, bis 2050 Netto-Null-Klimagase auszustossen, muss eine tiefgreifende Transformation erfolgen.
2.1 Das Netto-Null-Ziel und die Notwendigkeit der Defossilisierung.
Das Netto-Null-Ziel bedeutet, dass die verbleibenden Emissionen (zum Beispiel in der Landwirtschaft) bis 2050 durch negative Emissionstechnologien kompensiert werden müssen. Im Energiebereich impliziert das Ziel jedoch, dass praktisch keine fossilen Brennstoffe mehr verwendet werden dürfen, also kein Benzin, Erdgas oder Erdöl. Nischenanwendungen mögen verbleiben, aber grundsätzlich muss der Verbrauch verschwinden.
Die ETH Zürich erstellt hierfür Szenarien (Wenn-dann-Analysen, keine Prognosen), die aufzeigen, was technisch möglich und ökonomisch sinnvoll ist, um möglichst günstig zum Ziel zu gelangen.
2.2 Szenarien für 2050: Erhöhter Strombedarf und Importreduktion.
In einem modellierten Szenario für 2050, das Netto-Null-Emissionen anstrebt, verändert sich der Energiemix drastisch:
- Gebäudebereich: Es gibt keine CO2-Emissionen mehr, d.h., es darf kein Erdöl oder Erdgas mehr verbrannt werden.
- Verkehr: Fossile Energieträger bleiben hier nur noch für den Flugverkehr relevant (importiertes Kerosin), da aktuell keine Technologie gesehen wird, die Langstreckenflüge bis 2050 dekarbonisieren kann.
- Gase: Erdgas spielt in diesem Szenario eine Rolle, da Gaskraftwerke zur Systemstabilisierung benötigt würden. Biogas spielt insbesondere in der Industrie, etwa bei Hochtemperaturanwendungen, eine stärkere Rolle.
- Stromverbrauch: Der Stromverbrauch wird in diesem Szenario ab den 2030er und 2040er Jahren leicht ansteigen.
Die Importabhängigkeit wird im Szenario 2050 massiv stärker reduziert als 2023. Während 2010 die grauen Balken (fossile und importierte Energie) dominant waren, sind sie im Netto-Null-Szenario minimal. Zwar wird in manchen techno-ökonomischen Szenarien ein gewisser Netto-Stromimport über das Jahr als sinnvoll erachtet, doch der Gesamtanteil an Importen wäre im Vergleich zu 2010 stark reduziert.
Die Stromproduktion 2050 stützt sich primär auf die Wasserkraft und massiv ausgebaute Photovoltaik.
2.3 Schlüsseltechnologien: Effizienz und Elektrifizierung.
Die Transformation wird durch zwei zentrale Aspekte ermöglicht: die massive Effizienzsteigerung und die Elektrifizierung von Sektoren.
Die Reduktion des Energieverbrauchs erfolgt, obwohl das Szenario von weiterem Bevölkerungswachstum und mehr gefahrenen Kilometern ausgeht. Der Trick dahinter ist die Umwandlung hin zu effizienten Technologien:
- Wärme: Wärmepumpen ersetzen Heizöl/Erdgas, wodurch der Energieanteil, der früher für Heizstoffe nötig war, massiv reduziert und durch einen kleineren Anteil Strom abgedeckt wird. Rein technologisch ist die Umstellung auf Wärmepumpen sehr viel sinnvoller und über die Lebenszeit der Technologie sogar günstiger, trotz höherer Anfangsinvestitionen.
- Mobilität: Ein grosser Teil des Verbrauchs von Diesel und Benzin wird durch Elektromobilität ersetzt. Elektroautos sind um ein Vielfaches effizienter als Verbrennungsmotoren. Diese Transition findet bereits in anderen Märkten (wie China und Norwegen) mit unglaublicher Geschwindigkeit statt. In Norwegen sind seit diesem Jahr 100% der Neuwagen elektrisch, und die gesamte Flotte wird voraussichtlich in etwa 10 Jahren ersetzt sein.
Die beiden Schlüsseltechnologien, mengenmässig betrachtet, sind die Elektromobilität und die Wärmepumpe.
III. Versorgungssicherheit und das europäische System.
Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist in der Schweiz komplex, da das Land bei Erdgas und Erdöl zu 100% vom Ausland abhängig ist. Auch bei der Stromversorgung besteht eine technische Abhängigkeit vom Ausland, die für die Systemstabilität von entscheidender Bedeutung ist.
3.1 Die Notwendigkeit der internationalen Vernetzung.
Das europäische Stromsystem ist stabil, weil es eng vermascht ist. Wenn in der Schweiz ein Kernkraftwerk ungeplant ausfällt, hat das Land allein nicht die Kapazität, innerhalb von Sekunden die gleiche Menge Strom ins Netz einzuspeisen. Dieser Ausgleich erfolgt automatisch aus dem Ausland. Das gesamte System funktioniert so, dass alle Kraftwerke in ganz Europa geringfügig hochfahren, wenn ein grosses Kraftwerk ausfällt.
Das europäische Stromnetz wurde historisch stets als europäisches Netz gedacht und gebaut, weshalb auf den Karten kaum Landesgrenzen erkennbar sind. Die Schweiz, obwohl klein, ist das Land mit den meisten grenzüberschreitenden Leitungen. Diese internationale Vernetzung wurde ursprünglich aus Gründen der Versorgungssicherheit geschaffen, um bei Ausfall von alpinen Wasserkraftwerken Austausch mit Deutschland und Frankreich zu ermöglichen.
Die stärkere Vernetzung und der effiziente Austausch im europäischen System führen zu einer höheren Versorgungssicherheit. Die Märkte bieten Knappheitssignale, sodass bei europaweiter Stromknappheit der Preis steigt, was es für Schweizer Wasserkraftwerke attraktiv macht, Strom zu exportieren. Dies geschieht auch im Winter, wenn die Schweiz zwar netto importiert, aber stundenweise massiv exportiert, insbesondere wenn in Europa wenig Wind- und Sonnenstrom verfügbar ist.
3.2 Wandel des Netzparadigmas.
Die alte Welt der Stromversorgung war durch grosse Kraftwerke (Kernkraft, Wasser, Fossil) gekennzeichnet, die Strom unidirektional über das Hochspannungsnetz und dann über Transformatoren ins Verteilnetz zu den Verbrauchern lieferten.
Die neue Welt ist fundamental anders:
- Dezentralisierung: In Europa gibt es viel mehr Windenergie, und in der Schweiz zunehmend viel mehr Photovoltaik im Verteilnetz.
- Bidirektionalität: Die neue Welt beinhaltet Elektromobilität und kleinere dezentrale Anlagen, was den Stromfluss in beide Richtungen bis hinauf zum Übertragungsnetz bedingt.
- Diese Vermaschung ist vorteilhaft für den Austausch, stellt Netzbetreiber wie Swissgrid aber auch vor grosse Herausforderungen, da Netze ausgebaut werden müssen.
3.3 Anforderungen an Flexibilität und Intelligenz.
Die zentrale Herausforderung in der neuen Welt ist die Flexibilität. Der Variabilität durch Wind und PV muss Flexibilität entgegengesetzt werden.
Intelligente Steuerung im Verteilnetz kann den Netzausbau minimieren. Zum Beispiel sollten Elektromobile idealerweise dann geladen werden, wenn viel Sonne vorhanden ist und der Stromverbrauch niedrig ist, etwa am Wochenende, und nicht nachts, wenn wenig PV-Strom verfügbar ist. Da E-Mobile Reichweiten von 400 bis 600 km haben und der tägliche Fahrbedarf gering ist, reicht es meist, ein- bis zweimal pro Woche zu laden.
Daten aus der Praxis, wie im September 2023, zeigen, dass Photovoltaik und Wasserkraft bereits sehr gut zusammenspielen können. PV-Spitzen treten über Mittag auf, während die Wasserkraft in den Morgen- und Abendstunden einspringen kann.
IV. Das europäische Stromnetz – die grösste Maschine der Welt.
Im Zusammenhang mit der Transformation des Schweizer Energiebereichs ist es von zentraler Bedeutung zu wissen, was beim Ausbau des europäischen Stromnetzes ansteht: denn die Schweiz ist in das europäische Stromnetz eingebettet.
Auch in Europa und insbesondere in Deutschland geht es um den Massiven Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Grossspeichern. Der Ausbau von Grossspeichern wird durch fundamentale Marktmechanismen getrieben, insbesondere durch die rasante Entwicklung der Photovoltaik (PV):
- Preisschwankungen: Der massive PV-Ausbau führt zu Zeiten, in denen es sehr viel Solarstrom gibt (insbesondere mittags), was die Strompreise drückt – teils sogar in den negativen Bereich (man muss Geld mitbringen, um Strom einzuspeisen). In anderen Zeiten (nachts oder bei Windstille) ist Strom hingegen sehr teuer.
- Arbitrage-Geschäft: Batteriespeicher sind ein perfektes Geschäftsfeld, um Strom zu kaufen, wenn er sehr kostengünstig oder negativ ist, und ihn zu verkaufen, wenn die Nachfrage hoch und der Strom teuer ist.
- Sinkende Kosten: Die Rentabilität wird durch extrem sinkende Kosten für Batteriespeicher begünstigt. Diese werden bereits für 65 US-Dollar pro Kilowattstunde angeboten, was ihren Bau oft ohne staatliche Förderung rentabel macht.
- Eigenverbrauchstrend: Auch im privaten Sektor steigt der Eigenverbrauch von PV-Betreibern stark an (in Deutschland 2024 auf 17 % der gesamten Solarstromerzeugung). Dieser Trend wird durch hohe Strompreise und den Einbau von Wärmepumpen und E-Autos verstärkt. In der Schweiz verfügen bereits sechs von sieben PV-Anlagen über einen integrierten Batteriespeicher (86 % im Jahr 2025).
4.1 Netzstabilität: Die grösste Maschine der Welt und die Rolle der Leistungselektronik.
Die Integration fluktuierender erneuerbarer Energien stellt die Stabilität des europäischen Verbundnetzes, das als die grösste Maschine der Welt bezeichnet wird, vor grosse technische Herausforderungen.
Die Herausforderung der Trägheit.
Das europäische Verbundnetz, das 400 Millionen Menschen versorgt, wird durch die Frequenz von 50 Hz stabil gehalten, die als der Herzschlag dieser Maschine gilt:
- Historische Stabilität: Traditionell sorgten riesige rotierende Generatoren in Kohle-, Gas-, Wasser- und Atomkraftwerken für die Netzstabilität. Diese grossen Massen (Synchron-Generatoren) besitzen eine hohe mechanische Trägheit, die dafür sorgt, dass sie Schwankungen (wie kurzfristige Fehler oder den Ausfall eines Kraftwerks) standhalten und die Frequenz stabil halten – sie sind kaum abzubremsen.
- Der Verlust der Balance: Erneuerbare Energien liefern zwar ordentlich Power. Wenn jedoch konventionelle Kraftwerke "herausgedrückt" werden, geht diese Trägheit verloren.
- Fahrrad-Analogie: Die Energiewende wird mit dem Fahrradfahren verglichen: Man kann den Fahrer mit dicken Oberschenkeln austauschen (die Power liefern), aber das Wichtigste ist, balancieren zu können. Die Erneuerbaren müssen erst lernen, das Netz zu balancieren.
Leistungselektronik als technologische Lösung.
Die Lösung zur Wiederherstellung der Balance liegt in der Leistungselektronik (Power Electronics):
- Ersatz der Trägheit: Forschung zielt darauf ab, das gleiche Verhalten, das grosse, rotierende Generatoren zeigen, durch Leistungselektronik (Stromrichter) und Regelung zu erzeugen. Theoretisch könnte jede Batterie und jeder Solarpark mit dieser Leistungselektronik ausgestattet werden.
- Das „Schweizer Taschenmesser“: Batterien, die mit der richtigen Leistungselektronik ausgestattet sind, werden zum "Schweizer Taschenmesser für die Energiewende". Sie können nicht nur Energie speichern und abgeben, sondern auch grosse Kraftwerke ersetzen, die Stromqualität verbessern, die Netzfrequenz stabilisieren, und die Basis für Inselnetze legen.
- Die Technologie dahinter: Die Leistungselektronik basiert auf Halbleiterleistungsmodulen, kleinen Chips, die den Strom im Mikrosekundenbereich zerhacken und wieder zusammensetzen. Jedes Elektron, das von einer Solaranlage oder Windkraftanlage erzeugt wird, flitzt zigfach durch diese Chips.
- Blindleistung: Ein entscheidender Faktor für die Netzstabilität ist die Blindleistung. Sie wird mit dem Luftdruck im Stromnetz verglichen: Sie liefert keine nutzbare Arbeit (kein Licht, keine Wärme), ist aber notwendig, um die Spannung auf dem richtigen Niveau zu halten, damit die Wirkleistung fliessen kann. Leistungsmodule wie STATCOMs (Leistungselektronik zur Blindleistungskompensation) können diese stabilisierende Blindleistung zur Verfügung stellen.
Resilienz und Systemstabilität.
Die Dezentralisierung durch netzbildende Speicher hat auch geopolitische Vorteile:
- Robuste Systeme: Wenn Millionen kleiner oder grosser Speicher überall stehen und netzbildend sind, wird das gesamte Stromsystem robuster und resilienter.
- Schutz vor Angriffen: Anstatt 20 oder 50 grosse, leicht angreifbare Kraftwerke zu haben, müsste ein Angreifer „Millionen von Raketen“ einsetzen, um ein dezentrales System komplett lahmzulegen.
V. Entwicklung der Strompreise: Welchen Einfluss haben Erneuerbare Energien wie Wind und Photovoltaik?
Der Einfluss von erneuerbaren Energien (Wind und PV) auf die Strompreise ist ein komplexes Zusammenspiel aus sehr niedrigen Erzeugungskosten einerseits und systembedingten Herausforderungen andererseits. Erneuerbare Energien sind zwar die günstigste Form der Stromerzeugung. Aber aufgrund des Marktdesigns und der Infrastruktur kommen sie noch nicht vollständig bei den Endkunden an.
Niedrige Erzeugungskosten (LCOE).
Photovoltaik- und Windenergieanlagen produzieren Strom zu extrem geringen Kosten, da sie keine Brennstoffkosten haben. Die sogenannten Stromgestehungskosten (LCOE) liegen für PV-Freiflächenanlagen und Windkraft in Deutschland etwa zwischen 4 und 6 Cent pro Kilowattstunde. Im Gegensatz dazu sind neue fossile Kraftwerke (Kohle, Gas) oder Kernkraftwerke deutlich teurer in der Erzeugung.
Das Merit-Order-Prinzip.
Trotz der günstigen Erzeugung wird der Preis an der Strombörse durch das Merit-Order-Prinzip bestimmt. Dabei werden die Kraftwerke nach ihren Grenzkosten (den Kosten für die jeweils nächste produzierte Einheit) sortiert:
- Erneuerbare Energien stehen aufgrund ihrer minimalen Grenzkosten ganz am Anfang der Kette.
- Der Marktpreis für alle Anbieter wird jedoch durch das teuerste Kraftwerk festgelegt, das noch benötigt wird, um den Bedarf zu decken (das Grenzkraftwerk).
- Meist sind dies Gaskraftwerke (Reservegaskraftwerke). Wenn der Gaspreis hoch ist, bleibt der Strompreis für alle hoch, auch wenn ein Großteil des Stroms günstig aus Wind und Sonne stammt. Die Erneuerbaren verdienen in diesen Phasen sehr gut, senken den Preis für den Endkunden aber nicht unmittelbar.
Volatilität und negative Preise.
Da Wind und Sonne wetterabhängig sind, schwankt die Stromproduktion stark:
- Bei einem Überangebot (z. B. viel Sonne am Mittag) kann der Preis massiv sinken, sogar in den negativen Bereich. In diesen Phasen ist der Strom "nichts wert", da er nicht gespeichert werden kann.
- Bei einer sogenannten Dunkelflaute (wenig Wind und Sonne) müssen wiederum teure fossile Kraftwerke einspringen, was die Preise nach oben treibt.
Netzstabilität und Redispatch-Kosten.
Ein wesentlicher preistreibender Faktor ist das fehlende Stromnetz:
- Windanlagen werden abgeschaltet während teure Gaskraftwerke hochgefahren werden müssen, um das Netz stabil zu halten.
- Diese Kosten sehr hoch und werden über die Netzentgelte auf die Strompreise der Endkunden umgelegt.
Systemstromgestehungskosten.
Diese beinhalten die Kosten für den notwendigen Netzausbau, Stromspeicher und Maßnahmen zum Ausgleich der Volatilität. Diese Systemkosten sind bei erneuerbaren Energien höher als im alten System mit Großkraftwerken und machen einen erheblichen Teil des Endkundenpreises aus.
VI. Notwendige Massnahmen.
Um die Blackout-Gefahr zu vermeiden und die Dekarbonisierung zu vollziehen, sind konkrete, koordinierte Schritte erforderlich.
6.1 Strategien für den Ausbau und die Speicherung.
Die Schweiz muss auf vier Säulen setzen:
- Massiver Ausbau der Photovoltaik (PV): PV ist in den letzten Jahren so günstig geworden, dass sich ein starker Zubau auf allen sinnvollen Gebäuden lohnt. Auch Freiflächen-PV (Agri-PV), die in der Schweiz seit Januar unter gewissen Hürden erlaubt ist und sogar die Effektivität der Landwirtschaft (z.B. bei Beeren) erhöhen kann, sollte gefördert werden. Alpine PV ist technisch sinnvoll, aber momentan teuer und mit Fragen des Landschaftsschutzes verbunden.
- Flexibilität und Speicher: Batteriespeicher müssen in grossem Stil zugebaut werden, ebenso wie die Steuerung von Elektromobilität und Wärmepumpen. Speicher werden als alternativlos für ein CO2-neutrales Stromsystem angesehen und sind daher „systemdienlich“. Das Stromnetz muss deshalb so ausgebaut werden, dass sie diesen systemdienlichen Komponenten dient, anstatt von ihnen „bedient“ zu werden. Für den Anschluss eines Grossspeichers ist in der Regel der Bau eines kleinen Umspannwerks oder die Erweiterung bestehender Umspannwerke erforderlich. Laut einem Gutachten aus dem Jahr 2025 überwiegt die Kostenentlastung für die Netze durch den Speicherbetrieb bereits jetzt. Speicher können den Lastfluss reduzieren und dadurch Redispatch-Kosten verhindern. Redispatchkosten sind Teil der Netzkosten. Grossbatteriespeicher verursachen in der Summe keine zusätzlichen Kosten für die Netzbetreiber und die Netzkunden.
- Saisonaler Ausgleich mit dem Ausland: Der internationale Austausch und die gegenseitige Unterstützung mit den Nachbarländern sollten genutzt werden. Angesichts der geografischen Lage inmitten Europas ist ein gutes Auskommen mit der EU technisch zwingend erforderlich.
- Netzausbau und Sanierung: Das Netz muss ausgebaut und fit für die Zukunft gemacht werden. Zudem müssen die CO2-Emissionen weiter gesenkt und Biogas ausgebaut werden, während die Gebäudesanierung fortgesetzt wird.
6.2 Machbarkeit und politischer Wille.
Die Energiewende ist möglich und bezahlbar ist. Sie ist jedoch nicht einfach. Es funktioniert nicht, sich zurückzulehnen und auf eine zukünftige Wundertechnologie zu hoffen. Widerstand gegen alle notwendigen Massnahmen (kein Wind, keine PV, keine Kernenergie bis 2045/50, kein gutes Abkommen mit der EU) ist kontraproduktiv. Die Gesellschaft muss sich auf einen klaren Kurs einigen, denn Investoren benötigen ein klares Ziel, wie es beispielsweise China oder Norwegen gezeigt haben.
Das Schweizer Stromnetz der Zukunft.
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Quellenverzeichnis (Januar 2026).
https://www.youtube.com/watch?v=BYKJrq-W7ZQ
https://m.youtube.com/watch?v=9xvpHnuo2I4
https://m.youtube.com/watch?v=Q6Py5vnRJMw











