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Wichtigste Energieträger der Stromproduktion: Photovoltaik, Windkraft, Speicherung als Schlüssel.

Transformation der Energieversorgung – Technologische Innovation, Infrastruktur und Marktentwicklung.

Wichtigste Energieträger der Stromproduktion: Photovoltaik, Windkraft, Speicherung als Schlüssel.

05.01.2026

Energiewende Deutschland.

Aktueller Stand der Energiewende in Deutschland, die Rolle innovativer Speichertechnologien, die kritischen Herausforderungen des Netzausbaus sowie die jüngsten Entwicklungen im Strommarkt.


I. Status und Transformation des deutschen Energiemixes.

Die Energiewende in Deutschland zeigt signifikante Fortschritte, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien (EE). Der Energiemix hat sich seit 2005 kontinuierlich von fossilen und nuklearen hin zu sauberen Quellen verschoben.

1. Rekordanteile Erneuerbarer Energien.

Im Jahr 2024 speisten erneuerbare Quellen bereits 54 Prozent des in Deutschland verbrauchten Bruttostroms in die Netze ein. Die positive Entwicklung setzte sich fort: Im dritten Quartal 2025 stammte der in Deutschland erzeugte Strom zu zwei Dritteln (64,1 Prozent) aus erneuerbaren Quellen, was einen Höchststand für diesen Zeitraum darstellt.

Die wichtigsten Energieträger in der Stromproduktion im dritten Quartal 2025 waren:

  • Windkraft: 26,8 Prozent (wichtigster Energieträger).
  • Photovoltaik (PV): 24,1 Prozent (zweitwichtigster Energieträger).

Besonders die Solarenergie verzeichnete mit einem Zuwachs von 18,6 Prozent die höchste Steigerung in der Stromproduktion im vergangenen Jahr, was den konsequenten Ausbau in diesem Sektor belegt. Auch Wasserkraft (+13,3 Prozent) und Offshore-Wind (+9,4 Prozent) trugen massgeblich zum Rekordanteil bei.

2. Konventionelle Energie und Versorgungssicherheit.

Parallel zum EE-Boom verlieren konventionelle Energieträger weiter an Bedeutung:

  • Die Stromproduktion aus Braunkohle sank um neun Prozent.
  • Die Stromproduktion aus Steinkohle sank sogar um 30 Prozent.
  • Kohle ist zwar weiterhin der drittwichtigste Energieträger, macht aber nur noch ein Fünftel (20,6 Prozent) der Gesamtmenge aus.

Um die sogenannte gesicherte Leistung aufrechtzuerhalten, die durch den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 verloren geht, hat die Bundesregierung den Neubau von Gaskraftwerken beschlossen. Diese sollen die Stromversorgung sichern, wenn Wind und Sonne zu wenig liefern.

II. Speicherung als Schlüssel zur Flexibilisierung und Kostensenkung.

Da erneuerbare Energiequellen keine konstante Leistung liefern, sind Zwischenspeicher für eine stabile Versorgung dringend notwendig. Experten sehen Speicher als entscheidendes Instrument, um den Netzausbau zu reduzieren und Kosten einzusparen.

1. Innovationen bei Flussbatterien.

Flussbatterien (Redox-Flow-Batterien) werden hauptsächlich als grossskalige, stationäre Energiespeicher eingesetzt. Ihre Hauptaufgabe ist, Schwankungen bei erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie auszugleichen, um so die Netzstabilität zu sichern und Lastspitzen zu kappen. Flussbatterien können große Energiemengen über lange Zeiträume speichern, sind modular sowie langlebig. Sie füllen die Lücke zwischen kurzfristigen Li-Ionen-Akkus und langfristigen Speicherlösungen wie Wasserstoff, da Kapazität und Leistung separat skalierbar sind. 

Die steigende Nachfrage nach Energiespeichersystemen wird durch innovative Technologien adressiert. Das Schweizer Start-up Unbound Potential arbeitet an einer neuen Art von Flussbatterien. Herkömmliche Flussbatterien benötigen eine Membran zur Trennung der Stoffe (wie Lithium). Die Technologie von Unbound Potential soll ohne Membran funktionieren und dadurch deutlich einfacher und günstiger zu produzieren sein.

Die Vorteile dieser membranlosen Technologie liegen in der Skalierbarkeit:

  • Sie benötigt anstatt etwa 200 Einzelteile nur zwei Hauptkomponenten und wenige kleinere Komponenten.
  • Die Herstellung der Komponenten ist mit bestehender Infrastruktur leicht möglich.
  • Das Unternehmen sieht sich als erstes und einziges Unternehmen, das membranlose Flussbatterien im industriellen Massstab konstruiert hat.

Die erste Pilotanlage soll Mitte 2026 in Betrieb gehen. Zielmärkte sind grosse Energieerzeuger, Energieinfrastrukturdienstleister und Unternehmen mit enorm hohem Energieverbrauch, wie beispielsweise KI-Rechenzentren. Der US-Konzern Amazon hat bereits Interesse bekundet und plant, die Technologie in einem Pilotprojekt für die Elektrifizierung von Logistikdienstleistungen zu testen.

2. Batteriespeicher und Digitalisierungsdefizite.

Batteriespeicher ermöglichen das Shifting (Verteilung von Energie in der Zeit) und das Bereitstellen von Regelenergie (Spitzenausgleich in Sekundenschnelle). Dies verbessert die Stromqualität und die Netzeffizienz erheblich. Wissenschaftliche Szenarien zeigen, dass Milliarden gespart und auf einen Teil der geplanten Netze verzichtet werden könnten, wenn dezentral ausgebaut und Speicher genutzt würden.

Ein wesentliches Hindernis für die effektive Nutzung der Speichertechnologie ist die verschlafene Digitalisierung in Deutschland. Es mangelt an der flächendeckenden Einführung von Smart Metern (digitalen Stromzählern), die für eine sinnvolle Steuerung der Batteriespeicher essenziell sind. 18 Jahre nach der ursprünglichen Entscheidung sind nur 1,5 Prozent der deutschen Haushalte damit ausgestattet.

3. Saisonale Wärmespeicherung.

Neben der Stromversorgung ist die Wärmeversorgung eine grosse Herausforderung. Zur saisonalen Einlagerung von überschüssiger grüner Energie, die hauptsächlich im Sommer anfällt, bieten Erdbeckenspeicher eine Lösung. In Meldorf (Schleswig-Holstein) wird der erste deutsche Erdbeckensaisonal-Wärmespeicher gebaut, der bis zu 45 Millionen Liter fassen kann. Wissenschaftler prognostizieren, dass bis 2050 rund 30 Prozent des jährlich benötigten Wärmebedarfs (etwa 220.000 Gigawattstunden) durch den Bau von mindestens 5000 Erdbeckenspeichern in Deutschland gedeckt werden könnten.

III. Infrastrukturkosten, Kernkraftdebatte und Marktanpassung.


1. Die finanzielle Belastung des Netzausbaus.

Der geplante Netzausbau, der etwa 20.000 Kilometer Überlandstromtrassen vorsieht, gilt als das grösste und teuerste Infrastrukturprojekt der deutschen Geschichte. Die geschätzten Gesamtkosten, inklusive der lokalen Verteilnetze, belaufen sich auf bis zu 732 Milliarden Euro. Die hohen Investitionen führen dazu, dass sich die Netzentgelte für Haushalte in den kommenden 20 Jahren fast verdreifachen könnten.

Experten fordern daher eine Kurskorrektur hin zu einem Bottom-up-Ansatz (dezentrale Versorgung), um die überdimensionierten Planungen zu korrigieren.

2. Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Die Diskussion um die Energieversorgung bleibt stark politisiert. Kritiker, wie die AFD, plädieren für die Rückkehr zur Kernkraft. Im Kostenvergleich sind Wind- und Solaranlagen heute bereits wettbewerbsfähig und könnten ohne Subventionen gebaut werden. Der Neubau von Atomkraftwerken wird aufgrund der Komplexität und der Notwendigkeit ungeklärter, jahrzehntelanger Entlagerung als „unfassbar teuer“ bewertet. Potenzielle Betreiber haben einen Neubau in Deutschland ausgeschlossen, es sei denn, der Staat übernimmt alle Risiken.

Die Politik muss das aktuelle Strommarktdesign anpassen. Derzeit lohnt sich der Bau eines Speichers für Windparkbetreiber kaum. Experten fordern die Vergütung von Kombipaketen, die Solarenergie, Windenergie und dezentrale Speicher einschliessen.

Die Notwendigkeit einer Transformation hin zu billiger Energie wurde auch von Finanzminister Markus Marterbauer hervorgehoben, der betonte, dass erneuerbare Energie „uns langfristig reich machen“ werde und Investitionen in Windkraft und Pumpspeicherkraftwerke notwendig seien, um mehr Angebot zu schaffen.

IV. Dynamik der Endkundenmärkte und Preisentwicklung.

Die Endkundenmärkte für Strom und Gas stabilisierten sich nach den Turbulenzen der Energiekrise 2022/2023.

1. Anbieterwechsel und Wettbewerb.

Die Marktaufsicht sieht seit über einem Jahrzehnt keinen Anbieter mehr als marktbeherrschend an. Im Jahr 2024 gab es Rekorde beim Anbieterwechsel:

  • Rund 7,1 Millionen Stromkunden wechselten ihren Anbieter (eine Zunahme von 18 Prozent).
  • Im Gasmarkt erreichten die Wechsel mit 2,3 Millionen Haushalten ebenfalls einen Rekord.

Infolgedessen sank der Anteil der Kunden in der teureren Grundversorgung deutlich: im Strombereich auf rund 22 Prozent und im Gassektor auf nur etwa 16 Prozent.

2. Tarife und Preisentwicklung.

Im Frühjahr 2025 zahlten Haushaltskunden im Durchschnitt 40,1 Cent/kWh für Strom, was etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr war. Der Gaspreis sank ebenfalls leicht.

Eine wichtige Entwicklung ist die seit 2025 geltende Pflicht für Stromlieferanten, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Dies stärkt die Bedeutung flexibler, verbrauchsnaher Produkte und führt die Kunden näher an das Geschehen der Strombörse heran.

 

Fazit.

Die deutsche Energieversorgung macht rasche Fortschritte bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Um jedoch die immensen Kosten des Netzausbaus zu beherrschen und das volle Potenzial auszuschöpfen, sind tiefgreifende systemische Reformen erforderlich, insbesondere die forcierte Digitalisierung (Smart Meter) und die Anpassung des Marktdesigns zur besseren Integration von dezentralen Batteriespeichern und innovativen Technologien wie den membranlosen Flussbatterie.

Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.



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