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VSE-Index Schweizer Winterstrom: Versorgungssicherheit, Kern-, Solar-, Windenergie, Speicherung, Eigenverbrauch, Lastmanagement.

Sicherung der Winterstromversorgung Netzausbau, Stromabkommen, drohende Versorgungslücke, Ausbau viel zu langsam.

VSE-Index Schweizer Winterstrom: Versorgungssicherheit, Kern-, Solar-, Windenergie, Speicherung, Eigenverbrauch, Lastmanagement.

04.02.2026

Welche Faktoren gefährden die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz bis zum Jahr 2050?


Die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz bis zum Jahr 2050 wird durch eine Kombination aus steigender Nachfrage, dem Wegfall bewährter Produktionskapazitäten und strukturellen sowie politischen Hürden gefährdet. Laut dem erstmals 2026 veröffentlichten VSE Stromversorgungs-Index erreicht die Schweiz für das Jahr 2050 nur 69 von 100 Punkten, was als besorgniserregend und „ungenügend“ eingestuft wird.

Faktoren, welche die Versorgungssicherheit laut den Quellen gefährden:

 

1. Massive Zunahme der Stromnachfrage.

Obwohl die Effizienz pro Person steigt, wird der Gesamtverbrauch durch die Dekarbonisierung und neue technologische Entwicklungen deutlich zunehmen:

  • Elektromobilität: Der Umstieg auf E-Fahrzeuge benötigt erhebliche Mengen an zusätzlichem Strom.
  • Wärmepumpen: Der Ersatz fossiler Heizungen durch elektrische Wärmepumpen erhöht die Last, insbesondere im Winter.
  • Rechenzentren (KI): Neue Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz führen zu einem wesentlich höheren Verbrauch, der von bisherigen Prognosen des Bundes oft unterschätzt wurde.
2. Der Ausstieg aus der Kernenergie.

Ab 2040 führt die voraussichtliche Stilllegung der verbleibenden Schweizer Kernkraftwerke zu einer massiven Verschlechterung der Versorgungslage. Ab 2045 ist im Winter mit einem Mehrbedarf von rund 50 Prozent zusätzlicher Produktion zu rechnen, um den Wegfall dieser zuverlässigen Grundlast zu kompensieren.

Welche Rolle spielen Kernkraftwerke für die Schweizer Winterstrom-Versorgungssicherheit?

Kernkraftwerke spielen eine zentrale Rolle für die Schweizer Stromversorgung, insbesondere während der kritischen Wintermonate, in denen die inländische Produktion aus anderen Quellen begrenzt ist. Ihr geplanter Wegfall ist einer der Hauptgründe für die prognostizierten Engpässe in der Mitte des Jahrhunderts.

Zukünftige Rolle der Kernkraft: Aktueller Beitrag zur Versorgung.

In den vergangenen Jahren produzierten die Kernkraftwerke durchschnittlich knapp 40 % des in der Schweiz verbrauchten Stroms. Besonders im Winterhalbjahr leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur stabilen und CO2-armen Grundversorgung, da sie wetterunabhängig und planbar Strom liefern, während die Wasserkraft saisonal bedingt weniger produziert.

Kernenergie im VSE Stromversorgungs-Index.

Die Bedeutung der Kernkraft wird durch die Entwicklung des Stromversorgungs-Indexes verdeutlicht:

  • Verschlechterung ab 2040: Der Index sinkt von 82 Punkten (2035) auf lediglich 69 Punkte im Jahr 2050. Dieser drastische Rückgang wird primär auf den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie bei gleichzeitig steigender Stromnachfrage zurückgeführt.
  • Produktionslücke ab 2045: Mit der voraussichtlichen Stilllegung der beiden letzten Kernkraftwerke wird ab 2045 im Winter mit einem Mehrbedarf von rund 50 % zusätzlicher Produktion gerechnet.
  • Importabhängigkeit: Ohne die Kernkraftwerke müsste die Schweiz massiv mehr Strom importieren. Da Importe in Mangellagen jedoch unsicher sind, gefährdet der Wegfall der nuklearen Grundlast die Unabhängigkeit der Schweizer Versorgung.
Strategische Empfehlungen.

Aufgrund der drohenden Versorgungslücke werden folgende Massnahmen diskutiert:

  • Langzeitbetrieb: Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) empfiehlt, Vorbereitungen für den Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zu treffen. In den Szenarien des Indexes wird davon ausgegangen, dass die Anlagen so lange am Netz bleiben, wie es sicherheitstechnisch möglich ist.
  • Diskussion um Neubauten: Obwohl politisch (z. B. durch die Blackout-Initiative) die Aufhebung des Neubauverbots diskutiert wird, weist der VSE darauf hin, dass neue Kernkraftwerke die Versorgungssicherheit bis 2050 kaum beeinflussen würden. Angesichts der Erfahrungswerte würde der Bau eines neuen Kernkraftwerks deutlich länger als 20 Jahre dauern.
  • Erneuerbare als Ersatz: Windkraft wird als eine der wichtigsten Technologien angesehen, um den wegfallenden einheimischen Atomstrom im Winter zu ersetzen, da sie zwei Drittel ihres Ertrags im Winterhalbjahr liefert.

Kernkraftwerke bilden derzeit das Rückgrat der winterlichen Grundlast und ihr schrittweiser Rückzug das grösste Risiko für die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz darstellt, sofern kein adäquater Ersatz durch neue Produktionskapazitäten geschaffen wird.


3. Die „Winterlücke“ bei erneuerbaren Energien.

Der Ausbau von Anlagen, die speziell im kritischen Winterhalbjahr Strom liefern, verläuft viel zu langsam:

  • Stockende Grossprojekte: Der Ausbau von Windkraft, alpiner Photovoltaik und Wasserkraft bleibt weit hinter den gesetzlichen Zielen zurück.
  • Windenergie-Defizit: Um die Ziele zu erreichen, wären rund 600 Windturbinen nötig; derzeit liegen jedoch nur Projekte für etwa 200 vor, von denen aufgrund von Widerständen vermutlich nur die Hälfte realisiert wird.
  • Photovoltaik-Limitierung: Solarstrom auf Dächern liefert zwar im Sommer Überschüsse, kann aber im Winter nur einen begrenzten Beitrag zur Versorgung leisten.
Wie können Sommerüberschüsse aus Photovoltaik sinnvoll für den Winter gespeichert werden?

Die Speicherung von Sommerüberschüssen aus Photovoltaik (PV) für den Winter ist eine der zentralen Herausforderungen der Schweizer Energiestrategie. In den Quellen werden verschiedene Ansätze und Technologien genannt, um diese Energie zeitlich zu verschieben oder sinnvoll zu nutzen:

3.1 Saisonale Wasserkraft-Speicherseen.

Das wichtigste Instrument für die saisonale Verschiebung von Energie sind die Speicherseen der Wasserkraft.

  • Funktionsweise: Die Speicherseen fungieren als riesige Batterien, indem sie Wasser (und damit potenzielle Energie) aus den niederschlagsreichen Sommermonaten für die Stromproduktion im Winter zurückhalten.
  • Kapazität: Derzeit leisten diese Speicher mit einem Inhalt von rund 9 TWh einen wesentlichen Beitrag zur Winterproduktion.
  • Ausbauziele: Der Bund plant einen weiteren Zubau von 2 TWh steuerbarer Leistung bis 2040, wobei laut den Quellen aktuell jedoch nur die Realisierung von rund 1 TWh als realistisch eingeschätzt wird.
3.2 Dezentrale Speicher und der „virtuelle Speichersee“.

Obwohl Batterien und Elektroautos oft als Kurzzeitspeicher dienen, werden sie in den Quellen als Teil einer umfassenden Speicherlösung betrachtet:

  • Batterien und E-Autos: Dezentrale Lösungen wie stationäre Batterien oder das Be- und Entladen von E-Autos (bidirektionales Laden) können helfen, PV-Überschüsse zwischenzuspeichern und die Flexibilität im Netz zu erhöhen.
  • Vernetzung: Durch die intelligente Steuerung dieser dezentralen Einheiten kann ein „virtueller Speichersee“ entstehen, der zur Stabilisierung des Systems beiträgt.
3.3 Optimierung des Eigenverbrauchs und intelligente Steuerung.

Um die massiven Sommerüberschüsse (bis zu 40 %) zu bewältigen, sind regulatorische und technische Anpassungen notwendig:

  • Eigenverbrauch: Durch entsprechende Preisanreize soll der Eigenverbrauch vor Ort optimiert werden, um die Netze zu entlasten.
  • Lastmanagement: Digitale Steuerungssysteme und intelligentes Lastmanagement sind erforderlich, um den Verbrauch zeitlich mit der Produktion abzustimmen.
3.4 Export und Abregelung.

Wenn die inländischen Speicherkapazitäten erschöpft sind, sieht das Zielbild zwei weitere Wege vor:

  • Stromabkommen und Export: Überschüsse im Sommer können nach Möglichkeit exportiert werden, wofür ein Stromabkommen mit der EU zur Sicherung der Exportwege entscheidend ist.
  • Abregelung: Ein Teil des überschüssigen Stroms muss im Sommer unter Umständen abgeregelt werden, um die Kosten für den Netzausbau zu begrenzen und die Verteilnetze zu schützen.

Ergänzende Strategie: Windkraft statt Langzeitspeicherung.

Ein massiver Ausbau der Windkraft kann die Notwendigkeit für die Speicherung von Sommer-PV-Strom verringern. Da Windräder zwei Drittel ihres Stroms im Winter produzieren (der „Wintertrumpf“), ergänzen sie die Solarstromproduktion optimal und verringern die Lücke, die sonst durch gespeicherten Sommerstrom gefüllt werden müsste. Die Wasserkraft derzeit das einzige in den Quellen detailliert beschriebene System zur grossskaligen saisonalen Speicherung, während dezentrale Batterielösungen und intelligentes Management die kurz- bis mittelfristige Flexibilität sicherstellen sollen.

3.5 Fehlende Flexibilität und Speicherkapazitäten.

Der Indikator für Flexibilität schneidet mit nur 52 Punkten am schlechtesten ab:

  • Saisonale Speicher: Der Bund strebt einen Zubau von 2 TWh bis 2040 an, doch realistisch ist derzeit nur etwa 1 TWh.
  • Verzögerte Wasserkraftprojekte: Von den 16 am „Runden Tisch“ beschlossenen Projekten wird voraussichtlich nur die Hälfte zeitgerecht realisiert.
  • Dezentrale Lösungen: Potenzielle Puffer wie Batterien oder das bidirektionale Laden von E-Autos sind in den aktuellen Planungsmodellen noch kaum abgebildet.
3.6 Fehlendes Stromabkommen und Netzprobleme.

Die Netzinfrastruktur stellt ein erhebliches Risiko dar (Indikator „Netz“: 57 Punkte):

  • Begrenzte Importmöglichkeiten: Ohne ein Stromabkommen mit der EU ist die Schweiz von der 70%-Regel ausgeschlossen, was die Grenzkapazitäten für Importe in Mangellagen massiv einschränkt.
  • Langsamer Netzausbau: Rund die Hälfte aller Übertragungsnetz-Projekte ist verzögert. Langwierige Bewilligungsverfahren und Einsprachen bremsen den notwendigen Umbau des Netzes für die Energiewende.
3.7 Gesellschaftliche und politische Hürden.

Ein Hauptproblem ist die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung für Grossprojekte (insbesondere Windkraft) und die daraus resultierenden langen Verfahrensdauern von oft über 10 Jahren pro Projekt. Ohne gesellschaftlich tragfähige Lösungen zur Deckung des Winterstrombedarfs bleibt der Zielwert von 100 Punkten im Index unerreichbar.

 

Wie ergänzen sich verschiedene erneuerbare Technologien zur Sicherung der kritischen Winterstromversorgung?

Die Sicherung der Stromversorgung im kritischen Winterhalbjahr basiert auf dem synergetischen Zusammenspiel verschiedener Technologien, die ihre jeweiligen saisonalen Stärken und Schwächen gegenseitig ausgleichen. Während die Schweiz im Sommer oft Überschüsse erzielt, entsteht im Winter eine Produktionslücke, die durch einen gezielten Mix geschlossen werden muss.

Die Technologien ergänzen sich dabei wie folgt:

Windenergie als der „Wintertrumpf“.

Die Windkraft gilt als die ideale Ergänzung zu Solar- und Wasserstrom, da ihr Produktionsprofil entgegengesetzt zu diesen verläuft:

  • Saisonales Profil: Rund zwei Drittel der Windstromproduktion fallen im Winterhalbjahr an. Dies liegt an den in diesen Monaten häufigeren und stärkeren Winden.
  • Bedarfsdeckung: Genau in dieser Zeit ist der Bedarf an Heizenergie (für Wärmepumpen) und Beleuchtung am höchsten.
  • Substitution: Windstrom kann im Winter direkt klimaschädliche Stromimporte aus Kohle- oder Atomkraftwerken ersetzen.
Wasserkraft als saisonaler Speicher und Grundlast.

Wasserkraft ist zwar die tragende Säule der Schweizer Versorgung, stösst aber im Winter an physikalische Grenzen:

  • Produktionsrückgang: Im Winter führen Gewässer weniger Wasser, da Niederschläge als Schnee gebunden bleiben und tiefere Temperaturen den Abfluss verringern.
  • Speicherfunktion: Speicherseen mit einem Inhalt von rund 9 TWh leisten einen wesentlichen Beitrag, indem sie Energie vom wasserreichen Sommer in den Winter retten.
  • Ausbaubedarf: Der VSE-Index zeigt jedoch, dass der Ausbau saisonaler Speicher derzeit stockt; statt der angestrebten 2 TWh Zubau bis 2040 ist aktuell nur rund 1 TWh realistisch.
Photovoltaik: Sommerüberschuss vs. alpine Winterproduktion.

Solarstrom liefert derzeit die schnellsten Zubauraten, hat aber eine ausgeprägte saisonale Schieflage:

  • Dachanlagen: PV-Anlagen auf Dächern produzieren im Winter aufgrund kürzerer Tage und weniger Tageslicht nur begrenzt Strom. Dies führt im Sommer zu Überschüssen von bis zu 40 %, die exportiert oder gespeichert werden müssen.
  • PV-Alpin: Alpine Solaranlagen sind hingegen konsequent auf die Winterproduktion ausgerichtet, da sie über dem Nebel und durch Reflexionen im Schnee auch im Winter hohe Erträge liefern könnten. Ihr Ausbau verläuft laut den Quellen jedoch schleppend.
Effizienzsteigerung durch Wärmepumpen (Sektorenkopplung).

Die erneuerbare Stromproduktion wird durch hocheffiziente Anwendungen im Wärmesektor ergänzt, um den Gesamtbedarf zu senken:

  • Hebeleffekt: Eine moderne Wärmepumpe kann aus 1 Kilowattstunde Windstrom bis zu 4 Kilowattstunden Wärme erzeugen.
  • Qualitätssicherung: Durch den Einsatz des Wärmepumpen-System-Moduls (WPSM) wird sichergestellt, dass die Komponenten so optimal aufeinander abgestimmt sind, dass der Stromverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen weiter sinkt. Dies entlastet das Stromnetz gerade in der Hochlastphase im Winter.

Das Zielbild für 2050 sieht vor, dass die Windkraft die winterliche Lücke der Solarenergie füllt, während die Wasserkraft durch ihre Speicherseen die nötige Flexibilität bietet. Da der VSE-Index für 2050 jedoch nur 69 von 100 Punkten erreicht, wird deutlich, dass dieser Mix aktuell noch nicht im notwendigen Tempo ausgebaut wird, um den Wegfall der Kernkraft (ab ca. 2040) und die steigende Nachfrage durch Elektromobilität vollständig zu kompensieren.


Kann Solarstrom die Winterlücke der Wasserkraft füllen?

Solarstrom allein kann die Winterlücke der Wasserkraft nicht vollständig füllen, da beide Technologien ein ähnliches saisonales Profil aufweisen und im Winter weniger produzieren. Während die Wasserkraft im Winter aufgrund tieferer Temperaturen und Schneefall weniger Wasser führt, liefern herkömmliche Photovoltaik-Anlagen (PV) wegen der kürzeren Tage und des geringeren Tageslichts deutlich weniger Strom.

Rolle des Solarstroms bei der Schliessung der Winterlücke:
  • Saisonale Einschränkung: Standard-PV-Anlagen auf Dächern und an Infrastrukturen liefern im Winter nur einen beschränkten Beitrag zur Versorgung, was dazu führt, dass die gesetzlichen Ziele der Winterstromproduktion derzeit deutlich verfehlt werden.
  • Potenzial von Alpin-Solar: Alpine Photovoltaik-Anlagen (PV-Alpin) könnten einen wichtigeren Beitrag leisten, da sie konsequent auf die Winterproduktion ausgerichtet sind, jedoch verläuft deren Ausbau laut den Quellen aktuell schleppend.
  • Die Notwendigkeit der Windkraft: In den Quellen wird die Windenergie als der entscheidende „Wintertrumpf“ bezeichnet, da sie im Gegensatz zu Solar- und Wasserstrom zwei Drittel ihrer Produktion im Winterhalbjahr generiert und somit die Lücke der anderen Technologien füllt.
  • Kontroverse Einschätzungen: Während der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) betont, dass allein mit Solarstrom im Mittelland keine Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, bezeichnen Akteure wie Jürg Grossen (GLP/Swissolar) den Index als zu pessimistisch. Er argumentiert, dass die Photovoltaik bereits heute schneller zusätzlichen Winterstrom liefert als jede andere Technologie und fast die Hälfte der vom Bundesrat geforderten zusätzlichen 5 Terawattstunden für das Winterhalbjahr abdeckt.
  • Zusammenwirken der Technologien: Das Zielbild für eine sichere Versorgung im Jahr 2050 sieht vor, dass die Winterstromproduktion durch einen gezielten Mix aus Wasserkraft, Windkraft und winteroptimierter Photovoltaik (PV-Alpin) gesichert wird.

Der VSE-Index Schweizer Winterstrom.


Die kritische Lage der Schweizer Stromversorgung: Der VSE-Index.

Die Schweiz steht vor einer erheblichen Herausforderung, ihre gesetzlichen Versorgungsziele zu erreichen. Der erstmals 2026 veröffentlichte VSE Stromversorgungs-Index dient als Frühwarnsystem und zeigt auf, dass der Versorgungsgrad bis zum Jahr 2050 auf lediglich 69 von 100 Punkten sinken könnte. Besonders das kritische Winterhalbjahr bereitet Sorgen, da hier die größten Versorgungslücken drohen.

Der Index stützt sich auf fünf zentrale Indikatoren, von denen derzeit keiner auf dem notwendigen Zielkurs ist:

  • Stromnachfrage (86 Punkte): Der Verbrauch steigt durch Elektromobilität und neue Anwendungen wie Rechenzentren (KI) stärker als erwartet.
  • Erneuerbare Energien (83 Punkte): Der Ausbau von Grossprojekten wie Wind- und Wasserkraft verläuft schleppend.
  • Flexibilität (52 Punkte): Saisonale Speicherprojekte kommen nur langsam voran; statt der angestrebten 2 TWh bis 2040 ist derzeit nur etwa 1 TWh realistisch.
  • Zusätzliche Stromproduktion (63 Punkte): Ab 2040 entsteht ein massiver Mehrbedarf, der durch Windkraft, Gaskraftwerke oder den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken gedeckt werden müsste.
  • Netz (57 Punkte): Der Netzausbau ist zu langsam, und ohne ein Stromabkommen mit der EU sind die Grenzkapazitäten für Importe nicht gesichert.
Wie wird der Index verrechnet? 

Der VSE Stromversorgungs-Index wird als jährliches Frühwarnsystem erhoben, um den erwarteten Versorgungsgrad der Schweiz im Hinblick auf die gesetzlichen Ziele bis zum Jahr 2050 zu messen. Die Berechnung basiert auf einem Zielwert von 100 Punkten, der das Idealbild einer sicheren, klimaneutralen Stromversorgung darstellt. Da die grössten Herausforderungen in der kalten Jahreszeit liegen, legt der Index seinen Fokus auf das kritische Winterhalbjahr.

Berechnungsgrundlage und Methodik.

Der Index setzt sich aus fünf zentralen Indikatoren zusammen, die den Fortschritt in verschiedenen Bereichen der Energiewirtschaft bewerten:

  1. Stromnachfrage: Misst, ob der Verbrauch im Einklang mit den Effizienzzielen steht.
  2. Erneuerbare Energien: Bewertet den Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarkraft, insbesondere deren Winterproduktion.
  3. Flexibilität: Beurteilt die Verfügbarkeit von Speichern (z. B. saisonale Speicherseen).
  4. Zusätzliche Stromproduktion: Misst den Bedarf an ergänzenden Kapazitäten (z. B. Gaskraftwerke oder Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken) nach dem Atomausstieg.
  5. Netz: Bewertet den Fortschritt beim Netzausbau und die Verfügbarkeit von Grenzkapazitäten für Importe.
Übersicht der Indexwerte.

Die folgende Tabelle zeigt die prognostizierten Werte für die Jahre 2035 und 2050. Ein Wert von 100 würde bedeuten, dass das Ziel erreicht ist; Werte darunter deuten auf eine zunehmende Versorgungslücke hin.

Indikator
Wert 2035
Wert 2050

VSE Stromversorgungs-Index (Gesamt)

82

69

1. Stromnachfrage

(k.A.)

86

2. Erneuerbare Energien

(k.A.)

83

3. Flexibilität (Saisonale Speicher)

(k.A.)

52

4. Zusätzliche Stromproduktion

(k.A.)

68

5. Netz (Gesamt)

(k.A.)

57

Subindikator: Verfügbarkeit Grenzkapazitäten

(k.A.)

41

Subindikator: Übertragungsnetz

(k.A.)

73

Einordnung der Ergebnisse:
  • Gesamtwert (69 Punkte): Dieser Wert für das Jahr 2050 wird vom VSE als „besorgniserregend“ eingestuft und liegt im „roten Bereich“. In Schulnoten ausgedrückt entspräche dies einem „Ungenügend“.
  • Grösste Schwachstelle (Flexibilität - 52 Punkte): Saisonale Speicherprojekte kommen nur schleppend voran. Statt der angestrebten 2 TWh Zubau bis 2040 sind aktuell nur rund 1 TWh realistisch.
  • Netz und Importe (41 Punkte bei Grenzkapazitäten): Ohne ein Stromabkommen mit der EU ist die Schweiz von der 70%-Regel (Handel zwischen EU-Mitgliedstaaten) ausgeschlossen, was die Importmöglichkeiten im Winter massiv einschränkt.
  • Stromnachfrage (86 Punkte): Obwohl die Effizienz steigt, wird der Index durch den Mehrbedarf für Elektromobilität und Rechenzentren (KI) nach unten gezogen.

 

Was genau bedeutet das Stromabkommen für die Grenzkapazitäten?

Ein Stromabkommen mit der EU ist für die Schweiz von zentraler Bedeutung, da es die rechtliche und technische Grundlage dafür bildet, die für den Stromhandel notwendigen Grenzkapazitäten vollumfänglich nutzen zu können.

Die wichtigsten Punkte im Detail:
  • Die 70%-Regel der EU: Innerhalb der EU gilt die Vorschrift, dass die Mitgliedstaaten 70 % ihrer kritischen Netzelemente – wozu auch die Grenzkapazitäten gehören – für den Stromhandel zwischen den EU-Ländern reserviert halten müssen. Ohne ein Stromabkommen gilt die Schweiz als Drittland und ist von dieser Regelung ausgeschlossen. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Kapazitäten für Stromflüsse in die Schweiz deutlich reduziert werden können, um den EU-internen Handel vorrangig zu bedienen.
  • Sicherung der Importe im Winter: Ohne das Abkommen sind die Stromimporte und -exporte über die Landesgrenzen hinweg limitiert. Da die Schweiz im Winter auf Importe angewiesen ist, um Versorgungslücken zu schliessen, führt das Fehlen eines Abkommens dazu, dass die Versorgungssicherheit kritisch bleibt. In Mangellagen könnten die Nachbarländer aufgrund ihrer eigenen Bedarfe die Exporte in die Schweiz einschränken, sofern keine vertragliche Absicherung besteht.
  • Technische Netzstabilität: Ein Ausschluss vom europäischen Strommarkt ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein technisches Problem. Ohne die koordinierte Nutzung der Grenzkapazitäten wird die Netzstabilität der Schweiz gefährdet, da ungeplante Stromflüsse das Netz belasten können.
  • Aktuelle Bewertung im Versorgungs-Index: Die Dringlichkeit eines Abkommens zeigt sich im VSE Stromversorgungs-Index. Der Subindikator für die Verfügbarkeit der Grenzkapazitäten liegt ohne Abkommen bei nur 41 Punkten. Ein Abschluss des Abkommens würde diesen Wert massiv verbessern, da es der Schweiz nicht nur die aktuellen Kapazitäten sichert, sondern durch neue Leitungen in den Nachbarländern die Nutzbarkeit der Kapazitäten im Vergleich zu heute sogar erhöhen würde.

Das Stromabkommen stellt sicher, dass die Schweiz nicht vom europäischen Binnenmarkt isoliert wird und somit physisch Zugriff auf die für die Winterversorgung notwendigen Übertragungskapazitäten behält.

Warum ist das Stromabkommen mit der EU so entscheidend?

Ein Stromabkommen mit der EU ist für die Schweiz vor allem deshalb entscheidend, weil es die rechtliche Grundlage für die Teilhabe am europäischen Strommarkt bildet und damit die physische Verfügbarkeit von Importkapazitäten sichert. Ohne dieses Abkommen droht der Schweiz eine technische und regulatorische Isolation, die insbesondere im Winter die Versorgungssicherheit gefährdet.

Die zentralen Gründe für die Dringlichkeit eines Abkommens sind: 

Die „70-Prozent-Regel“ der EU.
  • Dies ist der technisch wichtigste Aspekt: Innerhalb der EU gilt die Vorschrift, dass die Mitgliedstaaten 70 % ihrer grenzüberschreitenden Leitungskapazitäten (kritische Netzelemente) für den Stromhandel untereinander reserviert halten müssen:
  • Status als Drittland: Ohne Stromabkommen gilt die Schweiz als Drittland und ist von dieser Regelung ausgeschlossen.
  • Folge: Es ist davon auszugehen, dass die Kapazitäten für Stromflüsse in die Schweiz massiv reduziert werden, um den EU-internen Handel vorrangig zu bedienen. Ein Abkommen würde die Nutzung dieser Grenzkapazitäten rechtlich absichern.
Sicherung der Winterstromversorgung.

Die Schweiz ist im Winterhalbjahr zwingend auf Stromimporte angewiesen, um die geringere inländische Produktion auszugleichen:

  • Importlimitierung: Ohne Abkommen sind Importe und Exporte über die Landesgrenzen hinweg limitiert.
  • Risiko in Mangellagen: In Zeiten allgemeiner Knappheit in Europa könnten Nachbarländer ihre Exporte in die Schweiz einschränken, da keine vertragliche Verpflichtung zur Bereitstellung von Kapazitäten besteht.
Technische Netzstabilität.

Ein Stromabkommen ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern eine technische Notwendigkeit:

  • Marktausschluss: Ohne Abkommen wird die Schweiz zunehmend vom europäischen Strommarkt ausgeschlossen, was zu ungeplanten Stromflüssen führen kann.
  • Systemstabilität: Dieser Ausschluss gefährdet die Netzstabilität der Schweiz, da die Koordination mit den europäischen Netzbetreibern erschwert wird.
Positive Auswirkung auf den Stromversorgungs-Index.

Die Bedeutung des Abkommens spiegelt sich direkt in den Kennzahlen des VSE Stromversorgungs-Index wider:

  • Der Subindikator für die Verfügbarkeit der Grenzkapazitäten liegt aktuell bei nur 41 von 100 Punkten.
  • Ein Abschluss des Abkommens würde diesen Wert laut den Quellen deutlich verbessern. Zudem würden neue Leitungen in den Nachbarländern die Nutzbarkeit der Kapazitäten im Vergleich zu heute sogar erhöhen.
Wirtschaftliche und strategische Vorteile.

Ein Abkommen würde es der Schweiz ermöglichen, Sommerüberschüsse (insbesondere aus Photovoltaik) effizient zu exportieren und damit die Kosten des Gesamtsystems zu optimieren. Zudem fordert die Branche eine „schlanke innerstaatliche Ausgestaltung“ des Abkommens ohne unnötige zusätzliche nationale Vorschriften („Swiss Finish“), um die Vorteile voll auszuschöpfen. Ein Stromabkommen bewahrt die Schweiz davor, in einem zunehmend integrierten europäischen Stromnetz zur „elektrischen Insel“ mit eingeschränkten Handlungsoptionen zu werden.

 

Welche Rolle spielen Gas- und Reservekraftwerke in Notlagen?

Gas- und Reservekraftwerke spielen eine spezifische und komplementäre Rolle bei der Absicherung der Schweizer Energieversorgung, insbesondere im Hinblick auf das kritische Winterhalbjahr. Während erneuerbare Energien ausgebaut werden, dienen diese Kraftwerkstypen als notwendige Absicherung gegen unvorhergesehene Engpässe und strukturelle Defizite.

Rolle von Reservekraftwerken.

Reservekraftwerke sind in der nationalen Strategie explizit für absolute Notlagen und kurzfristige Versorgungsengpässe vorgesehen. Sie fungieren als letzte Sicherheitsinstanz, wenn alle anderen Marktmechanismen und Produktionsquellen nicht ausreichen, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Gaskraftwerke (insbesondere moderne Gaskombikraftwerke) werden als flexible, bedarfsgerechte Anlagen betrachtet, die eine stabilisierende Funktion im Energiesystem übernehmen. Ihre Bedeutung wird laut den Quellen in den kommenden Jahrzehnten aus folgenden Gründen zunehmen:

  • Kompensation des Kernenergie-Ausstiegs: Ab dem Jahr 2040, wenn die voraussichtliche Stilllegung der letzten Schweizer Kernkraftwerke eine grosse Produktionslücke hinterlässt, werden Gaskraftwerke als Option für die notwendige zusätzliche inländische Stromproduktion angeführt. Im Winter wird dann mit einem Mehrbedarf von rund 50 % zusätzlicher Produktion gerechnet.
  • Absicherung bei geringer erneuerbarer Produktion: Sie dienen als Backup für Zeiten, in denen Photovoltaik- oder Windkraftanlagen witterungsbedingt zu wenig Strom liefern.
  • Alternative bei stockendem Speicherausbau: Da der Ausbau saisonaler Wasserkraft-Speicherprojekte derzeit nur schleppend vorankommt, gelten steuerbare thermische Kraftwerke (wie Gaskraftwerke) als die wesentliche technische Alternative, um die benötigte Flexibilität im Stromnetz bereitzustellen.
  • Erhöhung der Unabhängigkeit: Um den Importrichtwert nicht zu verletzen und die Abhängigkeit von Nachbarländern in Mangellagen zu begrenzen, sind zusätzliche inländische Kapazitäten wie Gaskraftwerke Teil der Handlungsempfehlungen des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE).

Diese Kraftwerke im Zielbild 2050 fungieren als strategische Reserve und komplementäre Kapazität, um die Versorgungssicherheit auch dann zu garantieren, wenn die gesetzten Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien oder Speichern nicht rechtzeitig erreicht werden.

 

Warum wird die Flexibilität der Speicher so niedrig bewertet?

Die niedrige Bewertung des Indikators „Flexibilität“ im VSE Stromversorgungs-Index – mit lediglich 52 von 100 Punkten für das Jahr 2050 – ist vor allem auf den schleppenden Fortschritt bei den saisonalen Speicherprojekten zurückzuführen:

  • Massive Zielverfehlung bei Speicherkapazitäten: Der Bund hat sich das gesetzliche Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 zusätzliche 2 TWh an steuerbarer, erneuerbarer Energie durch Wasserkraftprojekte zu schaffen, um Energie vom Sommer in das kritische Winterhalbjahr zu retten. Nach aktuellem Stand der Quellen ist jedoch nur der Zubau von etwa 1 TWh realistisch, was lediglich der Hälfte des angestrebten Ziels entspricht.
  • Verzögerungen bei Grosswasserkraftwerken: Die am „Runden Tisch Wasserkraft“ besiegelten 16 Projekte kommen nur mühsam voran. Es besteht die Befürchtung, dass aufgrund politischer oder gesellschaftlicher Hürden viele dieser Projekte nicht oder nur stark verzögert umgesetzt werden können.
  • Fokus auf das Winterhalbjahr: Da der Index seinen Schwerpunkt auf die Winterversorgung legt, wiegt das Fehlen von Langzeitspeichern besonders schwer. Während im Sommer durch Photovoltaik oft Überschüsse von bis zu 40 % entstehen, fehlt es an der nötigen Flexibilität, diesen Strom effizient für den Winter zu speichern.
  • Fehlende Preisanreize: Die Quellen weisen darauf hin, dass derzeit noch die notwendigen Preissignale fehlen, um Investitionen in Flexibilitätslösungen wirtschaftlich attraktiv zu machen.
  • Noch nicht berücksichtigte Potenziale: Ein Teil der niedrigen Bewertung rührt auch daher, dass bestimmte moderne Flexibilitätsformen im aktuellen Index noch nicht vollumfänglich abgebildet sind. Ein Subindikator für kurzfristige Flexibilitäten (wie Batterien, bidirektionales Laden von E-Autos oder die gezielte Abregelung von PV-Anlagen) muss erst noch entwickelt werden.
  • Alternative Massnahmen: Sollten die Projekte für neue Wasserkraftwerke weiterhin stocken, müssten laut den Quellen als Alternative steuerbare thermische Kraftwerke (z. B. Gaskraftwerke) eingesetzt werden, um die notwendige Flexibilität im Netz zu gewährleisten. Ohne diese Flexibilitäten bleibt die Versorgungssicherheit im Winter laut dem VSE „besorgniserregend“.

 

Können E-Autos tatsächlich als Stromspeicher im Winter dienen?

Das Potenzial von Elektroautos als Stromspeicher – das sogenannte bidirektionale Laden (Be- und Entladen) – wird als eine vielversprechende, aber in offiziellen Modellen noch nicht voll integrierte Technologie beschrieben.

Wie E-Autos zur Speicherung und Flexibilität im Winter beitragen können:

Das Konzept des „virtuellen Speichersees“.

Experten wie Jürg Grossen (GLP) kritisieren, dass der aktuelle Stromversorgungs-Index des VSE dezentrale Lösungen wie Batterien oder das bidirektionale Laden von E-Autos noch kaum berücksichtigt. Die Vision ist der Aufbau eines „virtuellen Speichersees“ aus Elektrofahrzeugen, die helfen können, das Netz zu stabilisieren und Energie zwischenzuspeichern.

Technischer Stand und Wirtschaftlichkeit.

Die Technologie für das bidirektionale Laden steht laut den Quellen kurz vor dem Durchbruch in der breiten Masse:

  • Preissenkung: Während entsprechende Ladestationen früher bis zu 15.000 Franken kosteten, sinken die Preise nun deutlich.
  • Fahrzeugverfügbarkeit: Es kommen zunehmend Fahrzeuge auf den Markt, die diese Funktion explizit unterstützen und somit als Puffer dienen können.
Rolle in der Versorgungsstrategie.

Obwohl E-Autos als wichtiges Instrument für die kurzfristige Flexibilität angesehen werden, gibt es bei ihrer Einordnung in die nationale Versorgungsstrategie noch Unterschiede:

  • Fehlende Abbildung im Index: Der VSE-Index bewertet die Flexibilität derzeit nur mit 52 von 100 Punkten, da er sich primär auf saisonale Speicher (wie grosse Wasserkraft-Speicherseen) konzentriert. Ein spezifischer Subindikator für kurzfristige Flexibilitäten, der auch die E-Mobilität umfasst, muss erst noch entwickelt werden.
  • Intelligentes Lastmanagement: E-Autos werden als Teil eines notwendigen digitalen Steuerungssystems betrachtet, um Verbrauchsspitzen zu glätten und die Stromnachfrage flexibler zu gestalten.
  • Winterrelevanz: Da E-Autos einen sehr hohen Wirkungsgrad von über 90 % haben, ist ihre Kopplung mit dem Stromsektor (Sektorenkopplung) besonders effizient. In Kombination mit Windenergie, die zwei Drittel ihres Ertrags im Winter liefert, könnten sie theoretisch dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Importen gerade in der kalten Jahreszeit zu verringern.

E-Autos sind technisch in der Lage, als Speicher zu dienen, ihr Potenzial zur Absicherung der Schweizer Winterstromversorgung jedoch derzeit noch durch fehlende Berücksichtigung in der Planung und die noch laufende Markteinführung entsprechender Fahrzeuge und Ladestationen begrenzt ist.


Können E-Autos auch die Stromnetze bei Spitzenlasten entlasten?

Elektroautos können durch intelligentes Lastmanagement und technologische Ansätze wie das bidirektionale Laden (Be- und Entladen) einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der Stromnetze bei Spitzenlasten leisten:

  • Glättung von Verbrauchsspitzen: Um die Stromnachfrage, die durch die Dekarbonisierung und neue Anwendungen wie Rechenzentren (KI) massiv ansteigt, bewältigen zu können, sind digitale Steuerungssysteme notwendig. Diese Systeme ermöglichen ein intelligentes Lastmanagement, um den Verbrauch zu optimieren und gezielt Spitzen im Netz zu glätten.
  • Der „virtuelle Speichersee“: Durch das bidirektionale Laden können Elektroautos als dezentrale Speicher genutzt werden, die Strom nicht nur beziehen, sondern bei hoher Netzlast auch wieder zurückspeisen. Dies ermöglicht den Aufbau eines sogenannten „virtuellen Speichersees“, der kurzfristige Flexibilität im Energiesystem bietet.
  • Technologischer Durchbruch: Während die notwendigen Ladestationen früher sehr teuer waren (bis zu 15.000 Franken), sinken die Preise derzeit deutlich, und immer mehr Fahrzeuge unterstützen diese Funktion explizit.
  • Kurzfristige Flexibilität: Im Rahmen des VSE-Stromversorgungs-Indexes wird die Elektromobilität als ein wichtiger Teilbereich für kurzfristige Flexibilitäten betrachtet (neben Batterien und der Abregelung von Photovoltaik-Anlagen), um das Netz stabil zu halten.
  • Notwendigkeit für das Zielbild 2050: Das angestrebte Zielbild für eine sichere Stromversorgung im Jahr 2050 sieht vor, dass die Nachfrage der Elektromobilität durch moderne Netze und intelligent gemanagte Verbrauchsspitzen effizient gedeckt wird.

Trotz dieses Potenzials wird in den Quellen kritisiert, dass dezentrale Lösungen wie das Be- und Entladen von E-Autos im aktuellen VSE Stromversorgungs-Index noch kaum abgebildet sind. Dies trägt unter anderem dazu bei, dass der Bereich „Flexibilität“ derzeit mit nur 52 von 100 Punkten sehr niedrig bewertet wird. Ein spezifischer Subindikator für diese kurzfristigen Flexibilitätslösungen befindet sich laut den Quellen erst in der Entwicklung. 

Welche Kosten fallen für bidirektionale Ladestationen aktuell an?

Aktuell befinden sich die Kosten für bidirektionale Ladestationen in einer Phase des deutlichen Rückgangs, nachdem sie über lange Zeit bei bis zu 15'000 Franken lagen:

  • Preistrend: Während der Preis von 15'000 Franken die Technologie lange Zeit unattraktiv machte, sinken die Preise nun, was den Durchbruch für die breite Masse einleitet. Ein exakter aktueller Durchschnittspreis wird in den Quellen nicht genannt, jedoch wird der Trend als entscheidend für die Wirtschaftlichkeit markiert.
  • Marktentwicklung: Parallel zu den sinkenden Kosten für die Infrastruktur kommen zunehmend Fahrzeuge auf den Markt, die das bidirektionale Laden explizit unterstützen.
  • Bedeutung für das Energiesystem: Die Senkung der Anschaffungskosten wird als Schlüssel betrachtet, um private E-Autos als dezentrale Speicher in einem „virtuellen Speichersee“ zu nutzen. Dies könnte helfen, die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter zu verringern.

Kritiker wie Jürg Grossen (GLP) weisen darauf hin, dass diese sinkenden Kosten und die daraus resultierenden dezentralen Möglichkeiten (wie Batterien und Be-/Entladen von E-Autos) im aktuellen Stromversorgungs-Index noch nicht angemessen abgebildet sind.

 

Windenergie: Der strategische Pfeiler für den Winter.

Die Windenergie gilt als optimale Ergänzung zu Solar- und Wasserstrom, da zwei Drittel der Produktion im Winterhalbjahr anfallen – genau dann, wenn der Bedarf am höchsten und die Erzeugung aus anderen Quellen am geringsten ist. 

Regionales Potenzial und nationale Bedeutung.

Obwohl die Schweiz im europäischen Vergleich bei der Windenergie ein Schlusslicht ist (nur 37 Anlagen Ende 2019 gegenüber über 1300 in Österreich), bieten Standorte wie der Jura, das Rhonetal oder hochalpine Regionen wie der Gütsch verlässliche Erträge. Eine einzige moderne Grossanlage kann den Strombedarf für ein Dorf mit ca. 4500 Einwohnern decken.

Ökobilanz und Mythen-Check.

Die Quellen räumen mit häufigen Vorurteilen gegenüber Windkraftanlagen auf:

  • Ökobilanz: Windenergie ist nach der Wasserkraft die ökologischste Form der Stromgewinnung. Die „graue Energie“ für Herstellung und Bau ist bereits nach 6 Monaten Betriebszeit kompensiert.
  • Lärm und Infraschall: Dank moderner Technik (z. B. „Kämme“ an den Flügeln) sind Anlagen sehr leise. Der erzeugte Infraschall liegt weit unter der menschlichen Wahrnehmungsgrenze und hat laut wissenschaftlichen Studien keine Auswirkungen auf die Gesundheit.
  • Vögel und Fledermäuse: Studien zeigen, dass Windparks Vögel kaum beeinträchtigen; so sterben pro Anlage jährlich nur etwa 20 Vögel, während Katzen und Glasfassaden Millionen Opfer fordern.
  • Immobilienpreise: Untersuchungen von Wüest Partner im Auftrag des Bundes belegen, dass es keine Wertminderungen bei Immobilien in der Nähe von Windparks gibt.
  • Rückbau: Anlagen hinterlassen keine bleibenden Spuren. 80 bis 90 % der Materialien sind recycelbar, und der Boden ist nach dem Abbau wieder zu 100 % landwirtschaftlich nutzbar.
Ausbau der Windenergie in der Schweiz.

Der Ausbau der Windenergie in der Schweiz wird durch eine Kombination aus langwierigen Verfahren, rechtlichen Hürden und gesellschaftlichem Widerstand gebremst, während das realistische Potenzial weit hinter den gesetzten Zielen zurückbleibt.

Hindernisse beim Ausbau der Windenergie.

Der Hauptgrund für das langsame Vorankommen ist der komplexe und langwierige demokratische Prozess. Ein Windparkprojekt muss zahlreiche Stufen durchlaufen:

  • Mehrstufige Planung: Zuerst legen die Kantone Standorte im Richtplan fest, die vom Bund genehmigt werden müssen. Danach folgen die Detailplanung, eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und schliesslich der Entscheid der Gemeinde über die Baubewilligung.
  • Einsprachen und Verfahrensdauer: Aufgrund von Einsprachen durch Anwohner oder Verbände dauert es von den ersten Planungsschritten bis zum tatsächlichen Bau eines Windparks im Durchschnitt über 10 Jahre. In manchen Fällen wird sogar von einer Zeitspanne von bis zu 20 Jahren berichtet.
  • Gesellschaftlicher Widerstand: Obwohl über 80 % der Abstimmungen zu konkreten Projekten auf Gemeindeebene positiv ausfallen, gibt es laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) erheblichen Widerstand von Windenergieskeptikern. Dies führt dazu, dass viele Projekte blockiert werden oder gar nicht erst zur Umsetzung gelangen.
  • Stockende Bewilligungsverfahren: Der VSE stellt fest, dass die Bewilligungsverfahren generell zu langsam verlaufen, was den Ausbau von Grossprojekten massiv behindert.
Realistisches Potenzial für die nächsten Jahre.

Obwohl die Windenergie als entscheidender „Wintertrumpf“ gilt – da sie zwei Drittel ihres Ertrags im Winterhalbjahr liefert – klafft zwischen den Zielen und der Realität eine grosse Lücke:

  • Gesetzliche Ziele vs. Realität: Das Ziel des Bundes für die Winterstromproduktion aus Windkraft liegt bei 4000 GWh (4 TWh), wofür etwa 600 Windanlagen nötig wären.
  • Aktueller Projektstand: Derzeit liegen jedoch nur Projekte für rund 200 Windturbinen vor.
  • Realistische Einschätzung: Experten des VSE befürchten, dass aufgrund des grossen Widerstands und der langsamen Verfahren in absehbarer Zeit nur etwa die Hälfte der gemeldeten Projekte, also rund 100 Anlagen, tatsächlich realisiert werden kann.
  • Bedeutung moderner Anlagen: Eine einzige moderne Grossanlage kann theoretisch genug Strom für ein Dorf mit 4500 Einwohnern oder 2500 Elektroautos produzieren. Dennoch bleibt der Indikator für erneuerbare Energien im aktuellen Stromversorgungs-Index mit 83 Punkten deutlich unter dem Zielpfad, da der Ausbau von Grossprojekten wie der Windkraft weiterhin stockt.

Das technische Potenzial (bis zu 20 % des Winterstrombedarfs) ist zwar vorhanden, die realistische Umsetzung in den nächsten zehn Jahren jedoch durch die Verfahrensdauer von über einem Jahrzehnt und die mangelnde Akzeptanz für die notwendige Anzahl an Anlagen (600 Turbinen) stark limitiert bleibt.


Effizienz im Gebäudebereich: Das Wärmepumpen-System-Modul (WPSM).

Um die Abhängigkeit von fossilen Energien zu senken, ist der Umstieg auf Wärmepumpen zentral. Eine Wärmepumpe kann aus 1 kWh Strom bis zu 4 kWh Wärme erzeugen.

Ein Standard für Qualität und Effizienz.

Das Wärmepumpen-System-Modul (WPSM) ist der neue Schweizer Standard für Anlagen bis 15 kW Heizleistung. Es betrachtet die Heizung nicht als Gruppe von Einzelkomponenten, sondern als abgestimmtes Gesamtsystem.

Vorteile für Hausbesitzer:
  • Höhere Energieeffizienz: WPSM-zertifizierte Anlagen senken den Stromverbrauch deutlich. Über die Lebensdauer gerechnet, heizt man im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen rund zwei Jahre „gratis“.
  • Sicherheit: Der Installateur gibt eine schriftliche Leistungsgarantie ab.
  • Fördergelder: In den meisten Kantonen ist das WPSM Bedingung für den Erhalt von Förderbeiträgen beim Ersatz fossiler Heizungen.
  • Vorteile für Installateure:
  • Transparenz: Klare Abläufe und Zuständigkeiten zwischen Lieferanten und Installateuren reduzieren Schnittstellenprobleme.
  • Image: Durch die garantierte Qualität entstehen zufriedene Kunden und weniger Notfalleinsätze nach der Inbetriebnahme.

 

Synergien: Windkraft, Elektromobilität und Wärme.


Die enge Verknüpfung der Sektoren. 

Die Energiestrategie 2050 sieht vor, 4,3 Milliarden Kilowattstunden Windstrom zu produzieren, was theoretisch jährlich 1,1 Millionen Elektroautos versorgen könnte. Ein Elektroauto weist einen Wirkungsgrad von über 90 % auf, während Benzinmotoren in der Praxis oft nur zwischen 15 % und 27 % erreichen.

Warum ist die Sektorenkopplung so wichtig?

Die Sektorenkopplung – also die Vernetzung der Bereiche Strom, Wärme und Mobilität – ist ein zentraler Pfeiler für das Erreichen der Schweizer Klimaziele und die Sicherstellung der Energieversorgung. Ihre Bedeutung lässt sich in folgende Hauptaspekte unterteilen:

  • Dekarbonisierung und Klimaschutz: Die Schweiz hat sich im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet, ihre CO2-Emissionen massiv zu senken; ab 2050 soll das Land unter dem Strich kein CO2 mehr ausstossen. Da ein Grossteil der Emissionen im Heizungsbereich (fossile Brennstoffe) und im Individualverkehr entsteht, ist die Elektrifizierung dieser Sektoren der wichtigste Hebel zur Reduktion:
  • Mobilität: Ein Elektroauto weist einen Wirkungsgrad von über 90 % auf, während Verbrennungsmotoren in der Praxis oft nur zwischen 15 % und 27 % erreichen. Würden beispielsweise 1,1 Millionen Autos mit Windstrom betrieben, könnten jährlich 2,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden – das entspricht 25 % der Emissionen aller Schweizer Autos.
  • Wärme: Fast jedes zweite Haus in der Schweiz wird noch mit Öl geheizt. Der Umstieg auf Wärmepumpen ist entscheidend, da diese massgeblich zur CO2-Reduktion beitragen.
Massive Steigerung der Energieeffizienz.

Die Sektorenkopplung ermöglicht es, Energie wesentlich effizienter zu nutzen, da elektrische Anwendungen oft ein Vielfaches der eingesetzten Energie als Nutzen zurückgeben:

  • Wärmepumpen: Eine Wärmepumpe kann aus nur 1 Kilowattstunde Strom bis zu 4 Kilowattstunden Wärme erzeugen. Durch Standards wie das Wärmepumpen-System-Modul (WPSM) wird diese Effizienz durch optimal abgestimmte Komponenten weiter gesteigert.
  • Wirtschaftlichkeit: Durch die Kopplung der Sektoren und den Einsatz effizienter Technologien kann ein Hausbesitzer über die Lebensdauer einer Anlage hinweg im Vergleich zu herkömmlichen Systemen rund zwei Jahre „gratis“ heizen.
Synergien mit erneuerbaren Energien (Der Wintertrumpf).

Die Sektorenkopplung funktioniert nur dann krisenfest, wenn genügend Strom vorhanden ist, wenn er gebraucht wird – insbesondere im Winter:

  • Windenergie als Partner: Da zwei Drittel der Windstromproduktion im Winter anfallen, ist sie die ideale Ergänzung für den dann hohen Bedarf an Heizenergie (Wärmepumpen) und Beleuchtung.
  • Versorgungssicherheit: Die Kopplung hilft, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu senken. Derzeit gibt die Schweiz monatlich rund eine Milliarde Franken für den Import fossiler Energien aus; durch die Nutzung einheimischer erneuerbarer Energien in der Mobilität und Wärme bleibt dieses Geld im Land.
Herausforderungen und Netzausbau.

Trotz der Vorteile führt die Sektorenkopplung zu einem deutlichen Anstieg der Stromnachfrage. Der VSE Stromversorgungs-Index zeigt auf, dass vor allem die Elektromobilität und neue Anwendungen wie Rechenzentren den Verbrauch stärker steigen lassen als bisher erwartet. Dies macht einen beschleunigten Ausbau der inländischen Produktion sowie eine Modernisierung der Stromnetze und den Einsatz intelligenter Lastmanagementsysteme zwingend erforderlich, um Verbrauchsspitzen abzufangen.

Die Sektorenkopplung die Voraussetzung dafür, die Energiewende von einer reinen Stromwende zu einer umfassenden CO2-freien Energieversorgung zu führen, während gleichzeitig die Effizienz gesteigert und die Auslandabhängigkeit reduziert wird. Die Sektorenkopplung verknüpft die Bereiche Mobilität, Wärme und Stromerzeugung, um die Effizienz zu steigern und CO2-Emissionen zu senken. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen aus den Quellen zusammen, die das Potenzial und die Effizienz dieser Vernetzung verdeutlichen:

Bereich
Kennzahl, Wert
Bedeutung, Erläuterung

Effizienz Mobilität

> 90 % Wirkungsgrad

Wirkungsgrad eines Elektroautos im Vergleich zu nur 15–27 % bei Verbrennungsmotoren in der Praxis.

Effizienz Wärme

1 : 4

Eine Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom bis zu 4 kWh Wärme.

CO2-Reduktion

2,8 Mio. Tonnen / Jahr

Mögliche Ersparnis, wenn 1,1 Mio. Elektroautos mit Windstrom betrieben würden (entspricht 25 % der Emissionen aller Schweizer Autos).

Windkraft & Mobilität

2500 Elektroautos

Anzahl der E-Autos (bei 15'000 km/Jahr), die eine einzige moderne Windenergieanlage versorgen kann.

Windkraft & Wärme

2/3 Winterproduktion

Anteil des Windstroms, der im Winterhalbjahr anfällt und somit direkt für den hohen Heizbedarf (Wärmepumpen) bereitsteht.

Wirtschaftlichkeit

1 Mrd. CHF / Monat

Betrag, den die Schweiz monatlich für den Import fossiler Energien ausgibt; Sektorenkopplung reduziert diese Auslandabhängigkeit.

Qualitätsgewinn (WPSM)

2 Jahre „gratis“ heizen

Energiekosteneinsparung über die Lebensdauer einer Wärmepumpe mit System-Modul im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen.

Potenzial Heizungsersatz

**~ 50 %**

Fast jedes zweite Haus in der Schweiz wird noch mit fossilem Heizöl beheizt und bietet Potenzial für die Kopplung mit dem Stromsektor.

Ergänzende Erkenntnisse zur Sektorenkopplung:
  • Synergie von Wind und Wärme: Die Windenergie ist die ideale Ergänzung für die Sektorenkopplung im Wärmebereich, da sie genau dann am meisten produziert (Winter), wenn Wärmepumpen die höchste Last bewältigen müssen.
  • Systemstandard WPSM: Bei der Kopplung von Strom und Wärme ist die Qualität der Schnittstellen entscheidend. Das Wärmepumpen-System-Modul (WPSM) stellt sicher, dass die Komponenten (Wärmequelle, Umwälzpumpe, Steuerung etc.) optimal aufeinander abgestimmt sind, um den Stromverbrauch weiter zu minimieren.
  • Herausforderung Stromnetz: Die zunehmende Kopplung durch Elektromobilität und Wärmepumpen führt laut dem VSE-Index zu einer deutlich steigenden Stromnachfrage, die den Ausbau der inländischen Produktion und der Netze (Indikator „Netz“ derzeit bei nur 57 Punkten) zwingend erforderlich macht.

Die Erreichung der Klimaziele und die Sicherung der Winterstromversorgung erfordern ein koordiniertes Vorgehen: den massiven Ausbau der Windkraft als Wintertrumpf, die Steigerung der Effizienz durch Standards wie das WPSM und die rasche Modernisierung der Netzinfrastruktur inklusive internationaler Abkommen.

Welche politischen und technischen Maßnahmen sind für eine stabile zukünftige Energieinfrastruktur notwendig?

Für eine stabile zukünftige Energieinfrastruktur, insbesondere zur Sicherung der kritischen Winterversorgung, ist ein Bündel aus eng aufeinander abgestimmten politischen und technischen Maßnahmen zwingend erforderlich. Da der aktuelle Versorgungs-Index für 2050 nur 69 von 100 Punkten erreicht, besteht dringender Handlungsbedarf, um eine drohende Versorgungslücke zu schliessen.

Die notwendigen Maßnahmen im Überblick:


Politische Maßnahmen.
  • Abschluss eines Stromabkommens mit der EU: Dies gilt als entscheidend, um die Grenzkapazitäten für den Stromhandel rechtlich abzusichern und die Schweiz vor einer technischen Isolation vom europäischen Binnenmarkt zu bewahren. Dabei wird eine „schlanke innerstaatliche Ausgestaltung“ ohne unnötige nationale Sonderregeln empfohlen.
  • Beschleunigung der Bewilligungsverfahren: Die Verfahrensdauern für Grossprojekte (insbesondere Windkraft und Speicherseen) müssen drastisch verkürzt werden, da diese derzeit oft über 10 Jahre in Anspruch nehmen.
  • Verabschiedung des „Netzexpress“: Das Parlament muss gesetzliche Grundlagen schaffen, um den Umbau und Ausbau der Stromnetze auf allen Ebenen (inklusive Verteilnetz) zu vereinfachen und zu beschleunigen.
  • Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz: Bund und Branche müssen verstärkt daran arbeiten, die Akzeptanz für Windenergieanlagen und neue Wasserkraftprojekte in der Bevölkerung zu erhöhen, da Widerstände den Ausbau massiv bremsen.
  • Schaffung von Investitionsanreizen: Es braucht klare Preissignale, um Anreize für notwendige Investitionen in Flexibilitätslösungen und Speichertechnologien zu schaffen.
Technische Maßnahmen.
  • Massiver Ausbau der Winterproduktion:
    • Windkraft: Sie gilt als „Wintertrumpf“, da zwei Drittel ihrer Produktion im Winterhalbjahr anfallen.
    • Alpine Photovoltaik: PV-Anlagen müssen konsequent auf die Winterproduktion (über dem Nebel) ausgerichtet werden.
    • Wasserkraft: Neben grossen Speicherkraftwerken ist auch der Ausbau kleiner und mittlerer Anlagen erforderlich.
  • Ausbau saisonaler Speicher: Um Energie vom Sommer in den Winter zu retten, müssen die Kapazitäten der Speicherseen erweitert werden (Ziel: Zubau von 2 TWh bis 2040).
  • Modernisierung der Netze: Das Übertragungs- und Verteilnetz muss modernisiert werden, um die steigende Nachfrage durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Rechenzentren (KI) bewältigen zu können.
  • Intelligentes Lastmanagement: Digitale Steuerungssysteme sind notwendig, um den Verbrauch zu optimieren und Verbrauchsspitzen gezielt zu glätten.
  • Nutzung dezentraler Flexibilität: Technologien wie Batterien oder das bidirektionale Laden von E-Autos sollten als „virtueller Speichersee“ in das System integriert werden.
  • Bereitstellung ergänzender Kapazitäten: Als Absicherung für Zeiten geringer erneuerbarer Produktion müssen Optionen wie der Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke oder der Bau von flexiblen Gaskombikraftwerken bereitstehen.
  • Effizienzstandards bei der Wärme: Der Einsatz von Qualitätsstandards wie dem Wärmepumpen-System-Modul (WPSM) stellt sicher, dass Anlagen hocheffizient arbeiten und den Stromverbrauch im Gebäude-Sektor minimieren.
Die Stabilität der Infrastruktur erfordert eine Abkehr vom bisherigen Ausbautempo: Ohne eine deutliche Beschleunigung bei Produktion, Speichern und Netzen droht die Energiewende laut Experten zu einer Versorgungskrise zu werden.


Weitere Informationen:

Energiewende mit erneuerbaren Energien.

Neues Energiesystem mit grünem Strom - ohne staatliche Subventionen machbar. Im Vergleich zu Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken brauchen erneuerbaren Energien keine Subventionen.

Energiewende mit erneuerbaren Energien.


Energiepolitik Schweiz.

Elektrizität, Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Wasserstoff, Erdöl, Erdgas, Biogas, Kernkraft. Die Energierevolution: erneuerbare Energien sind weltweit im Vormarsch, wie steht es mit der Schweiz?

Energiepolitik Schweiz.



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