Batterien statt AKWs: Energiemix, Erneuerbare, Stromspeicher, Netzausbau und Digitalisierung, Smart Meter.
23.12.2025
Die massiven Kosten und Herausforderungen des geplanten Netzausbaus sowie die Rolle von Speichern und der Dezentralisierung als Schlüssel zur kosteneffizienten und unabhängigen Energieversorgung werden in Deutschland aktuell heftig diskutiert.
I. Aktueller Energiemix und die Kernkraftdebatte.
1. Stand der Erneuerbaren Energien (EE).
Die Windkraft ist ein Hauptbestandteil der deutschen Stromversorgung. Aktuell decken Windkraftanlagen etwa ein Drittel des deutschen Strombedarfs. Gemeinsam mit weiteren erneuerbaren Energien wie Solar-, Biogas- und Wasserkraft stammte im vergangenen Jahr bereits über die Hälfte des Stroms aus regenerativen Quellen. Trotz dieses Fortschritts sinken die nationalen Emissionen weiterhin zu langsam.
Ein Ziel der früheren Bundesregierung sah vor, dass die Erneuerbaren Energien bis 2030 80% des Strombedarfs decken sollen. Dieses Ziel gilt momentan als realistisch, insbesondere aufgrund des hohen Zuwachses bei der Solarenergie. Bei der Windenergie gab es kürzlich die meisten Ausschreibungen in der Geschichte, was auf verbesserte Rahmenbedingungen zurückzuführen ist, darunter die verstärkte Ausweisung von Flächen durch Bundesländer, grössere juristische Klarheit und Bemühungen um Bürokratieabbau. Allerdings muss der Ausbau der Windenergie noch beschleunigt werden, da einzelne Bundesländer (wie Bayern) durch Abstandsregeln den Prozess behindern.
2. Politische Haltung und Kostenvergleich: Windkraft vs. Kernkraft.
Die Diskussion um die Energieversorgung ist stark politisiert. Populisten stehen den Erneuerbaren Energien ablehnend gegenüber. Die AFD plädiert für die Rückkehr zur Kernkraft, die Abschaffung von Verboten für fossile Energieträger und die Streichung von Subventionen für Wind und Solar. Kritiker des aktuellen Systems monieren, dass Windturbinen derzeit gebaut würden, weil der Staat sie subventioniert, was zu Markt- und Wettbewerbsverzerrungen führe.
Kosten und Subventionen:
Die staatlichen Förderungen für erneuerbare Energien in Europa hatten in den vergangenen Jahren einen grossen Anteil an den Gesamtkosten, wobei die Tendenz mittlerweile sinkt. Der Grossteil der Subventionssumme bei den Erneuerbaren besteht aus sogenannten "Altlasten"; dies sind Anlagen, die vor 10 bis 20 Jahren mit recht hohen, über 20 Jahre laufenden Einspeisevergütungen gebaut wurden. Laut Expertenmeinung sind Wind- und Solaranlagen heute bereits wettbewerbsfähig und könnten ohne Subventionen gebaut werden.
Wirtschaftlichkeit der Kernkraft:
Atomkraft wird oft als platzsparend, klimafreundlich und günstiger als hochsubventionierter "grüner" Strom dargestellt. Obwohl das Uran als Brennstoff relativ günstig ist, ist der Neubau eines Atomkraftwerks "unfassbar teuer".
Atomkraftwerke sind äusserst komplex, sehr gross und müssen an verschiedenen Standorten (z.B. in Japan, Deutschland oder Frankreich) unterschiedlich gebaut werden. Die enormen Baukosten führen dazu, dass Atomstrom im Endeffekt so teuer ist wie kaum eine andere verfügbare Technologie.
Zudem verursachen Kernkraftwerke auch Jahrzehnte nach ihrer Nutzung noch Milliardenkosten, etwa für die bisher ungeklärte Entlagerung.
Aus Geschäftsinteresse haben potenzielle Betreiber in Deutschland den Neubau von Kernkraftwerken bereits unisono ausgeschlossen, es sei denn, der Staat würde sämtliche Risiken übernehmen.
II. Die Herausforderung des Netzausbaus und die Rolle der Digitalisierung.
1. Ausmass und Kosten des geplanten Netzausbaus.
Der derzeitige Netzausbau stellt den grössten Kostentreiber im Energiesystem dar und ist das grösste und teuerste Infrastrukturprojekt der deutschen Geschichte. Geplant sind etwa 20.000 Kilometer Überlandstromtrassen, was etwa der anderthalbfachen Länge des deutschen Autobahnnetzes entspricht.
Die Universität Köln schätzt die Kosten für diese Trassen auf 300 Milliarden Euro; rechnet man die kleinen lokalen Verteilnetze hinzu, ergeben sich Kosten von bis zu 732 Milliarden Euro.
2. Kritik an der Überdimensionierung und Kostenfolgen.
Es besteht der Verdacht, dass der Netzausbau überdimensioniert ist. Der BUND kritisiert die immensen Kosten und den starken Eingriff in die Natur, der durch die notwendigen Bodenarbeiten entsteht.
Die Folge dieser hohen Investitionen tragen die Verbraucher: Die Universität Köln hat berechnet, dass sich die Netzentgelte für Haushalte in den kommenden 20 Jahren aufgrund des Netzausbaus fast verdreifachen könnten. Dadurch wird die eigentlich günstige erneuerbare Energie für den Endverbraucher teurer.
3. Dezentralisierung und Speicher als Alternative.
Experten fordern dringend eine Kurskorrektur weg vom überdimensionierten Netzausbau hin zu einer dezentralen Energieversorgung vor Ort. Wissenschaftliche Szenarien zeigen, dass auf einen Teil der derzeit geplanten Netze verzichtet und Milliarden gespart werden könnten, wenn dezentral überall in Deutschland Solar- und Windenergie ausgebaut und Speicher genutzt würden.
Die Vorteile von Batteriespeichern: Stromspeicher können den Netzausbau wesentlich reduzieren und immense Kosten einsparen. Batteriespeicher sind die bessere Lösung, da sie Netzausbau vereinfachen und beschleunigen. Zudem werden die Speicherkosten immer günstiger:
Zeitliche Verteilung:
Ein Stromnetz verteilt Energie im Raum, während ein Speicher Energie in der Zeit verteilt. Batterien können grosse Strommengen aufnehmen, wenn der Strom nicht benötigt wird, und Stunden später zur Verfügung stellen (sogenanntes Shifting).
Netzqualität und Effizienz:
Batteriespeicher können in Sekundenschnelle Spannungsspitzen auffangen und zurückspeisen (Regelenergie), was die Stromqualität verbessert. Durch die verbesserte Qualität kann deutlich mehr erneuerbare Energie transportiert werden.
Auslastung:
Das Stromnetz ist im Verteilnetz heute im Mittel nur zu etwa 15% ausgelastet. Dies bedeutet, dass unter idealen Bedingungen sieben Mal mehr Energie über das bestehende Netz transportiert werden könnte, bevor ein Netzausbau nötig wird.
4. Digitale Hemmnisse und Marktanpassungen.
Trotz der vorhandenen Technik und des enormen Einsparpotenzials kann Deutschland diese Vorteile nicht voll ausschöpfen. Die deutsche Planung erfolgt oft "Top-down" (von oben nach unten), während Experten einen "Bottom-up"-Ansatz (von unten nach oben) fordern: Jede Energiemenge, die lokal erzeugt, verbraucht und gespeichert werden kann, muss nicht transportiert werden, wodurch Kosten und CO2 gespart werden.
Ein entscheidendes Hindernis ist die verschlafene Digitalisierung. Es fehlt an Regeln, digitaler Technik und vor allem an Smart Metern (digitalen Stromzählern), die für eine sinnvolle Steuerung der Batteriespeicher notwendig sind. Obwohl die Entscheidung zum flächendeckenden Ausrollen der Smart Meter im Jahr 2007 getroffen wurde, sind 18 Jahre später nur 1,5% der deutschen Haushalte damit ausgestattet.
Um die Integration von Speichern zu fördern, müsste das aktuelle Strommarktdesign angepasst werden, da sich derzeit der Bau eines Speichers für Windparkbetreiber kaum lohnt, da sie den gleichen Preis für Strom erhalten, unabhängig davon, ob er bei hohem oder geringem Bedarf ins Netz eingespeist wird. Es müssten Kombipakete vergütet werden, die Solarenergie, Windenergie und dezentrale Speicher einschliessen.
Ein erfolgreiches Beispiel für die dezentrale Energiewende ist die Stadt Wunsiedel, die als Blaupause dient. Dort wird dreimal mehr Strom erzeugt, als die Region benötigt, und siebenmal mehr erneuerbare Energie genutzt als anderswo. Der Strompreis liegt 25% unter dem deutschen Durchschnitt.
III. Sektorübergreifende Lösungen: Die Speicherung von Wärmeenergie.
1. Die Herausforderung der Wärmeversorgung.
Die zweite grosse Herausforderung neben dem Strombedarf ist die Wärmeversorgung, die vor allem im Winter benötigt wird. Überschüssige grüne Energie fällt jedoch hauptsächlich im Sommer an.
2. Erdbeckenspeicher als Lösung.
Eine mögliche Lösung sind Erdbeckenspeicher, die Wärme aus grüner Energie monatelang saisonal einlagern können.
In Meldorf (Schleswig-Holstein) wird der erste deutsche Erdbeckensaisonal-Wärmespeicher gebaut. Das Becken, das 45 Millionen Liter fassen kann (etwa 15 Schwimmbecken), soll die Temperatur konstant auf etwa 85° Celsius halten. Der Speicher soll einmal Energie für Heizung und Warmwasser für 55 Gebäude liefern. Aktuell wird die Wärme noch von einer benachbarten Biogasanlage und der Abwärme einer Druckerei bezogen. Zukünftig ist geplant, dass Wind und Sonne das Wasser erwärmen.
3. Potenzial und Ausblick.
Erdbeckenspeicher können jedoch nur ein Puzzleteil sein, und es müssen verschiedene Technologien eingesetzt werden.
Wissenschaftler prognostizieren, dass bis zum Jahr 2050 rund 30% des jährlich benötigten Wärmebedarfs (etwa 220.000 Gigawattstunden) durch Erdbeckenspeicher gedeckt werden könnten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten in Deutschland mindestens 5000 Erdbeckenspeicher gebaut werden, was die Unabhängigkeit und Flexibilität des Landes stärken würde.
IV. Energiewende - eines der grössten Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte.
Die Energiewende wird als eines der grössten Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte betrachtet, da sie Unabhängigkeit und Flexibilität gewährleistet.
Obwohl Deutschland bei den erneuerbaren Technologien wettbewerbsfähig geworden ist, muss das Land dringend eine Kurskorrektur vornehmen. Die vor Jahren oder Jahrzehnten getroffenen Planungen für den Netzausbau hinken der rasanten Entwicklung der Speichertechnologien und deren Kostensenkung hinterher. Eine Umstellung auf einen flexibleren, dezentralen Planungsrahmen, die Integration von Speichern und die flächendeckende Einführung von Smart Metern sind notwendig, um die Systemkosten zu senken und die eigentlich günstigen erneuerbaren Energien effektiv zu nutzen. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Ausbau trägt zwar Früchte, doch ohne die Anpassung des Energiemarktdesigns und der Netzinfrastruktur wird das volle Potenzial der neuen Technologien nicht ausgeschöpft werden können.
Windkraft und andere Erneuerbare Energien stehen oft in der Kritik. Viele fordern die Rückkehr zur Atomkraft. Welche Energiequelle bietet langfristig die bessere Lösung für eine nachhaltige Zukunft?
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Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quellenverzeichnis (Dezember 2025)
Windkraft vs. Atomkraft: Was ist wirtschaftlicher? | 3sat NANO
https://www.youtube.com/watch?v=VF0S_rv4qiY&t=1065s





