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Schweiz - Übersicht aktuelle Solar-Gross-Projekte, Freiflächenanlagen, Agri-Photovoltaik, Carports.

Installation, Empfehlungen für ähnliche Vorhaben, Genehmigungsverfahren, Akzeptanz.

Schweiz - Übersicht aktuelle Solar-Gross-Projekte, Freiflächenanlagen, Agri-Photovoltaik, Carports.

 

19.11.2025

Verschiedene aktuelle Solar-Gross-Projekte in der Schweiz, die innovative Ansätze zur Energiegewinnung nutzen, indem sie bestehende Infrastrukturen mehrfach verwenden. Es werden spezifische Projekte vorgestellt, darunter Freiflächenanlagen in einem Steinbruch und auf Raffinerieflächen, Agri-Photovoltaik auf Himbeerplantagen, und Solaranlagen auf einer Staumauer, einer Parkplatzüberdachung sowie einer Autobahnüberdachung. Jede Fallstudie beinhaltet technische Details, eine Beschreibung der Installation und Empfehlungen für ähnliche Vorhaben, die oft die Genehmigungsverfahren und die Akzeptanz in der Bevölkerung thematisieren. Die Projekte zeigen, dass Solarenergie nicht nur auf Dächern, sondern auch auf bereits genutzten oder degradierten Flächen effizient erzeugt werden kann.

I. Die grössten und leistungsstärksten Solaranlagen der Schweiz.


A. Solaranlage Onnens VD (Dachanlage, ehemals grösste der Schweiz).

Dieses Projekt befindet sich in Onnens VD am südlichen Ende des Neuenburger Sees, auf den Dächern riesiger Lagergebäude, insbesondere denen von Philip Morris, einem ehemaligen Zigarettenlager. Die Anlage galt lange Zeit als die grösste Photovoltaikanlage der Schweiz:

  • Inbetriebnahme: Die Anlage wurde im Dezember 2016 ans Stromnetz angeschlossen.
  • Technische Details: Die installierte Leistung beträgt 8,3 Megawatt (MW) oder 8,3 MWp. Die Modulfläche ist 55.000 Quadratmeter gross, oder 49.000 m², was etwa sieben bis acht Fussballfeldern entspricht. Insgesamt sind 30.000 bis 35.000 (oder 31.000) Solarpanels verbaut. Alleine das Hauptgebäude hat eine Dachlänge von 450 Metern.
  • Produktion und Nutzen: Die Anlage liefert jährlich rund 8 Millionen bis 8,8 Millionen kWh Sonnenstrom und versorgt rechnerisch 2.000 bis 2.300 Haushalte.
  • Besonderheiten: Die Installation erforderte besonders leichte Panels und eine spezielle Montagetechnik. Die Solarauslastung in der Gemeinde Onnens beträgt dank dieser Anlage 61,4 Prozent, was weit über dem landesweiten Schnitt von knapp unter zehn Prozent liegt. Die Region ist für ihre Sonnigkeit bekannt.
  • Eigentum und Betrieb: Entwickelt und gebaut wurde die Anlage von dem Solarspezialisten Soleol SA aus Estavayer-le-Lac. Sie gehört der Chasseral Solar AG (wobei Birseck Solar AG 80 % und Swiss Solar City AG 20 % hält). Im Jahr 2017/2018 wurde die Anlage von Aventron und UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland (über die gemeinsame Tochtergesellschaft Birseck Solar) sowie Swiss Solar City übernommen. Das Dach ist für 25 Jahre gemietet.
B. Freiflächenanlage Raffinerie Cressier NE (Leistungsstärkste Freiflächenanlage).

Dieses Projekt wurde von der VARO Energy Group und Groupe E gemeinsam entwickelt und gebaut. Es befindet sich in Cressier NE auf einer Randfläche des Produktionszentrums der einzigen Erdölraffinerie der Schweiz:

  • Status und Inbetriebnahme: Die Anlage gilt als die leistungsstärkste Freiflächen-Solaranlage der Schweiz. Sie wurde am 8. September 2023 offiziell eingeweiht.
  • Technische Details: Die installierte Leistung beträgt 7,8 MW oder 7,7 MW. Die geschätzte jährliche Erzeugungskapazität liegt bei 8,4 GWh (oder 8,4 Millionen kWh), was dem Jahresverbrauch von etwa 2.000 Haushalten entspricht. Die Anlage besteht aus 19.000 Photovoltaik-Paneelen und bedeckt eine Grundfläche von 47.000 m² (Modulfläche ca. 36.634 m²).
  • Nutzung: Die erzeugte Energie wird hauptsächlich vor Ort in der Raffinerie verbraucht. In Zeiten der Spitzenproduktion kann die Anlage mehr als 60 Prozent des Strombedarfs der Raffinerie decken.
  • Kosten: Die Investitionen beliefen sich auf 6,5 Millionen Franken.
  • Forschung und Innovation: Die Solaranlage beinhaltet einen speziellen Bereich (etwa 5 % der Fläche), der mit innovativen Panels für den technischen Fortschritt ausgestattet ist. Diese wurden vom CSEM (Schweizer Technologie-Innovationszentrum) entwickelt. Das CSEM testet hier variable Konfigurationen und Technologien zur Ermittlung optimaler Stromproduktion und geringerer Wartungskosten.
  • Umweltaspekte: Die Anlage wurde in der Industriezone erstellt. Es wurden Massnahmen zum Schutz von Vögeln und Säugetieren geplant, und das Gelände bleibt für Wildtiere zugänglich.
C. Fernwärmenetz Entre-Deux-Lacs (Ergänzung zu Cressier).

Parallel zur Inbetriebnahme der Freiflächen-Solaranlage in Cressier wurde eine Fernwärmeanlage eingeweiht:

  • Funktion: Das Netz fängt die überschüssige Wärme (Restwärme) aus dem Betrieb der Raffinerie Cressier auf und nutzt diese.
  • Zweck: Es versorgt die umliegenden Gemeinden.
  • Anschlussgebiete: Zu den in naher Zukunft angeschlossenen Gemeinden gehören Cornaux und Cressier, während La Tène, St-Blaise und Hauterive im Laufe der Zeit folgen sollen.
  • Auswirkung: Durch den Ersatz Tausender von gas- oder ölbefeuerten Heizungsanlagen soll eine Reduzierung der CO2-Emissionen von etwa 15 bis 19 kt CO2 pro Jahr erzielt werden.

II. Solare Carport-Grossprojekte in der Schweiz.

Drei realisierte Grossprojekte für Solar Carports, welche die vorhandene Parkplatzinfrastruktur zur Energieerzeugung nutzen.

A. Solar Carport Courgenay (JU).
  • Status: Derzeit der grösste Solarcarport der Schweiz.
  • Standort: Gemeinde Courgenay, Kanton Jura.
  • Nutzung: Überdacht mehrere tausend Fahrzeuge des Automobilistikunternehmens Gefco.
  • Technische Details: Die Anlage verfügt über 23.000 Solarpanels und erzeugt einen jährlichen Output von 6,7 GWh Strom.
  • Verbrauch: Dies könnte den Energiebedarf von etwa 1.550 Haushalten decken. Ein kleinerer Teil des Stroms wird vor Ort zum Laden der importierten Elektrofahrzeuge von Gefco genutzt. Der Grossteil wird von der BKW unter dem Produkt «Energy Green» für Private vermarktet.
  • Beteiligte: Die Energieversorgerinnen EJD und BKW sind beteiligt.
  • Umweltaspekt: Das Projekt beinhaltet auch die Sammlung und Wiederverwertung von Regenwasser.
B. Solar Carport Jakobsbad (AI).
  • Standort: Jakobsbad, Appenzell.
  • Besonderheiten: Die Anlage nutzt ein leichtes Solarfaltdach mit Modulen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Sie gilt als erste mit einem Faltdach überspannte Parkfläche weltweit.
  • Vorteile der Konstruktion: Das Faltdach halbiert die Materialmenge und garantiert Winterstrom durch Schneefreiheit. Leichte Panels ermöglichen weite Stützabstände von bis zu 28 Metern, wodurch die Parkfläche flexibel, auch für Lastwagen, nutzbar bleibt.
  • Wirtschaftlichkeit: Da der Eigenverbrauch vor Ort gering ist, werden Teile der Anlage an Interessierte verpachtet.
C. Solare Parkplatzüberdachung Migros Chablais Centre, Aigle (VD).
  • Standort: Aigle VD, in einer Zone für wirtschaftliche Aktivitäten.
  • Inbetriebnahme: Dezember 2018.
  • Beteiligte: Romande Energie, Migros Genossenschaftsbund, Berset Ingénieurs. Realisiert als Contracting-Projekt von Romande Energie.
  • Technische Details: Installierte Leistung: 1594 kW; Jährliche Stromproduktion: 1800 MWh; Modulfläche: 9487 m².
  • Besonderheiten: Es werden bifaziale Solarmodule verwendet. Diese Module wandeln neben der Einstrahlung auf die Vorderseite auch die Rückstrahlung auf die Hinterseite in elektrischen Strom um, was zu höherem Ertrag auf gleicher Fläche führt. Es handelt sich um eine Mehrfachnutzung der bestehenden Fläche.
  • Nutzung: Mehr als die Hälfte des Stroms wird von den umliegenden Einkaufsläden verbraucht. Die Anlage liefert 46 Prozent des Strombedarfs des Einkaufszentrums.

III. Weitere Solar-Grossprojekte und Spezialanwendungen.

Weitere innovative Projekte, die bestehende Infrastrukturen oder spezielle Flächen nutzen.

A. Freiflächenanlage im Steinbruch Calinis, Felsberg GR.
  • Standort: Felsberg GR, in einem ehemaligen Steinbruch.
  • Inbetriebnahme: 2020.
  • Technische Details: Installierte Leistung: 1500 kW; Jährliche Stromproduktion: 1600 MWh; Modulfläche: 7400 m².
  • Beschreibung: Das Projekt entstand auf einer Böschung mit 30° Hangneigung, die mit Aushubmaterial aufgeschüttet wurde, da der Steinbruch nach einem Bergsturz 2001 geschlossen werden musste und nicht anderweitig verwendet werden durfte. Die Solarmodule sind 1 Meter über dem Boden installiert, um die Vernetzung von Flora und Fauna mit der Umgebung zu gewährleisten.
  • Planungsaspekt: Die Parzelle wurde einer eigens geschaffenen «Zone für Sonnenenergieanlagen» zugewiesen. Die Anlage liegt am Rande eines belasteten Standorts und in der Gefahrenzone 1 (Naturgefahren).
B. Agri-Photovoltaik-Pilotanlage, Aesch LU.
  • Standort: Aesch LU.
  • Inbetriebnahme: 1. Juni 2023.
  • Beteiligte: bioschmid gmbh Gelfingen, Agroscope Conthey, Insolight, CKW, Bundesamt für Energie.
  • Technische Details: Installierte Leistung: 160 kW; Jährliche Stromproduktion: 200 MWh; Modulfläche: 1680 m².
  • Beschreibung: Dies ist die erste kommerzielle Agri-PV-Anlage der Schweiz mit dem von Insolight entwickelten System («Insolagrin»). Die Agri-Photovoltaik (Agri-PV) dient der gleichzeitigen Produktion von Strom und dem Schutz landwirtschaftlicher Kulturen (hier: Himbeerplantage) vor Witterung.
  • Besonderheiten: Das System nutzt eine dynamische Beschattung. Nur 40 % der Modulfläche sind mit Solarzellen belegt, die restlichen 60 % sind transparent. Die Anlage wurde in der Landwirtschaftszone erstellt.
C. Staumaueranlage Albigna Solar, Bergell GR.
  • Standort: Vicosoprano, Bregaglia GR, an der Albigna-Staumauer.
  • Inbetriebnahme: September 2020.
  • Beteiligte: Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz).
  • Technische Details: Installierte Leistung: 0,410 kW; Jährliche Stromproduktion: 0,500 MWh; Modulfläche: 2176 m².
  • Beschreibung: Die Anlage wurde im Rahmen der bestehenden Wasserrechtskonzession als Mehrfachnutzung der Staumauer im Nichtbaugebiet realisiert. Sie wurde ohne Sondernutzungsplanung errichtet. Ewz-Kunden können sich finanziell beteiligen.
  • D. Autobahnüberdachung, Stansstad NW
  • Standort: Stansstad NW, auf einer bestehenden Autobahnüberdachung der A2.
  • Inbetriebnahme: 2017.
  • Beteiligte: Alpnach-Sonnenstrom AG, BE Netz AG; Grundeigentümerin ist das Bundesamt für Strassen (ASTRA).
  • Technische Details: Installierte Leistung: 841 kW; Jährliche Stromproduktion: 750 MWh; Modulfläche: 4300 m².
  • Beschreibung: Die PV-Anlage nutzt eine 8900 m² grosse Fläche der Autobahnüberdachung, die ursprünglich 2011 zur Lärmreduktion gebaut wurde. Dies stellt eine effiziente Mehrfachnutzung bestehender Strukturen dar, ohne zusätzliche Eingriffe in die Umwelt oder Landschaft.
E. Altgass Umspannwerk, Baar ZG.
  • Standort: Baar ZG, beim Umspannwerk Altgass.
  • Inbetriebnahme: November 2020.
  • Beteiligte: Axpo.
  • Technische Details: Installierte Leistung: 0,3315 MWp; Jährliche Stromproduktion: 0,300 GWh; Modulfläche: 1750 m².
  • Beschreibung: Die Anlage wurde als Einfachnutzung auf einer freien Fläche, hauptsächlich in der Landwirtschaftszone (Nichtbaugebiet), realisiert. Sie wurde ohne spezifische planerische Grundlagen realisiert, da sie funktional an einen bereits für die Energieversorgung genutzten Standort (Umspannwerk) gebunden ist, wodurch keine wesentliche Mehrbelastung der Umwelt entsteht.
F. Innovative Farb- und Fassaden-PV.
  • Château d’Auvernier NE: Aufgrund des Denkmalschutzes wurden Solarpanels in der traditionellen Ockerfarbe des Schlossdachs entwickelt, um die Ziegel auf dem Schuppen zu ersetzen. Obwohl farbige Panels teurer sind und weniger Strom erzeugen, ermöglichen sie die Nutzung der Solartechnologie, wo schwarze Panels verboten wären. Laure-Emmanuelle Perret, die wissenschaftliche Expertin, half bei dieser Entwicklung.
  • Marin Centre (Neuenburg): Bei diesem Einkaufszentrum wird die gesamte Fassade durch Solarpanels ersetzt und mit 4.000 Modulen auf dem Dach kombiniert, um Energie zu generieren, die dem Jahresverbrauch von 200 Einfamilienhäusern entspricht.
  • Laténium (Hauterive NE): Eine Kunstinstallation aus bedruckten Solarpanels (Wand aus Holzpflöcken der Pfahlbauer) erzeugt gleichzeitig die Energie für die Beleuchtung der archäologischen Ausstellung.

IV. Zukünftige und diskutierte Grossprojekte.

  • Verschiedene zukünftige Projekte sollen die aktuellen Rekordhalter bald übertreffen.
  • Flughafen Bern-Belp: Hier soll in den nächsten Jahren die grösste Solaranlage der Schweiz entstehen. Die geplante Fläche beträgt 250.000 Quadratmeter.
  • Alpine Grossprojekte: Projekte wie in Grengiols oder Gondo werden diskutiert. Das Projekt Grengiols wird als gigantisch beschrieben und soll eine Fläche von 700 Fussballfeldern umfassen.
  • Aventron Projekt: Aventron, das bereits die Onnens-Anlage besitzt, verfolgt unter anderem ein Projekt mit 10 MWp (Megawatt Peak), welches die Leistung der Onnens-Anlage (8,3 MWp) übertreffen würde. 

Welche rechtlichen und planerischen Herausforderungen ergeben sich bei der Realisierung dieser Grossprojekte?

Die Realisierung von Solar-Grossprojekten in der Schweiz ist eng an rechtliche, planerische und standortspezifische Herausforderungen geknüpft, insbesondere wenn die Anlagen nicht auf bereits versiegelten Dachflächen, sondern in der Landschaft (Freifläche, Landwirtschaftszone oder Infrastruktur) entstehen.

I. Raumplanungsrechtliche Restriktionen und Zonierung.

Das schweizerische Planungsrecht ist der Hauptfaktor, der die Realisierung von Freiflächenanlagen (Greenfield-Projekten) erschwert.

1. Verbot der Freiflächenanlagen.

Grundsätzlich ist der Bau von Freiflächenanlagen auf der «grünen Wiese» in der Schweiz bisher nicht erlaubt. Dies erfordert spezielle planerische Lösungen oder die Nutzung bereits belasteter Standorte.

2. Zeitintensive Zonenplanänderungen.

Die Erstellung neuer Solaranlagen ausserhalb von Bauzonen, selbst auf stark veränderten Flächen wie ehemaligen Steinbrüchen (z. B. Felsberg GR), erfordert oft die Zuweisung der Parzelle zu einer eigens geschaffenen «Zone für Sonnenenergieanlagen».

Dieser Weg ist zeitintensiv. Es müssen unterschiedliche rechtliche Verfahrensschritte durchlaufen werden, darunter die Mitwirkung der Bevölkerung, die Zustimmung der verantwortlichen Gemeinwesen, allfällige Richtplanänderungen und mögliche Rechtsmittelverfahren.

3. Standortbindung und funktionale Verknüpfung.

Projekte auf Flächen im Nichtbaugebiet (z. B. Landwirtschaftszone) können nur realisiert werden, wenn sie eine funktionale Verknüpfung zu einem bereits bestehenden, für die Energieversorgung genutzten Standort aufweisen.

Zum Beispiel konnte die PV-Anlage beim Umspannwerk Altgass (Baar ZG) ohne spezifische planerische Grundlagen (Richtplan, Nutzungspläne) in der Landwirtschaftszone realisiert werden, da sie an das bestehende Umspannwerk gebunden ist und somit keine wesentliche Mehrbelastung der Umwelt entsteht.

4. Nutzung von Industriezonen.

Freiflächenanlagen in Industrie- und Gewerbezonen (wie die Anlage in Cressier NE) können meist ohne grössere Auflagen bewilligt werden.

Die Herausforderung hierbei sind jedoch oft die hohen Bodenpreise, die den Bau solcher Anlagen nur in Ausnahmefällen zulassen. Daher werden typischerweise nicht anders nutzbare Restflächen oder Reservezonen verwendet.

II. Spezifische Herausforderungen bei Agri-Photovoltaik (Agri-PV).

Projekte, die Landwirtschaft und Stromerzeugung kombinieren, müssen eine doppelte Hürde überwinden, da sie im Spannungsfeld zwischen Energieerzeugung, Landschaftsschutz und landwirtschaftlicher Produktion stehen.

1. Ausschluss in der Landwirtschaftszone.

Agri-PV-Anlagen sind in der Landwirtschaftszone faktisch ausgeschlossen.

Sie sind gemäss der eidgenössischen Raumplanungs-Verordnung (Art. 32c RPV) nur dann bewilligungsfähig, wenn sie:

  • in wenig empfindlichen Gebieten Vorteile für die landwirtschaftliche Produktion bewirken.
  • oder entsprechenden Versuchs- und Forschungszwecken dienen.
2. Nachweis des landwirtschaftlichen Vorteils.

Die Anforderung, dass die Anlage Vorteile für die landwirtschaftliche Produktion bringen muss, ist zentral. Nach heutigem Kenntnisstand sind diese Vorteile praktisch nur für Beerenkulturen nachweisbar.

3. Verlust von Direktzahlungen.

Bauern, die Agri-PV-Anlagen auf ihrem Land betreiben, erhalten für die fragliche Fläche keine Direktzahlungen.

4. Wirtschaftlichkeit.

Agri-PV-Anlagen haben aufgrund der Mehrkosten für die Aufständerung Schwierigkeiten, mit herkömmlichen Freiflächenanlagen wettzuhalten, solange die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen rechtlich nicht klar geregelt ist.

III. Herausforderungen bei der Nutzung bestehender Infrastruktur.

Obwohl die Nutzung bestehender Dächer und Infrastrukturen als weniger konfliktträchtig gilt, ergeben sich dennoch Hürden in städtischen Gebieten und bei speziellen Bauwerken.

1. Denkmalschutz in Stadtgebieten.

In vielen Schweizer Städten stehen zahlreiche Gebäude unter Denkmalschutz (in Bern beispielsweise mehr als die Hälfte). In diesen Fällen sind Solarpanels oft verboten.

Dies trägt massgeblich zur niedrigen Solarauslastung in den Städten bei (z. B. Zürich 3,2%, Bern 3,7%).

Lösungsansatz: Um den Denkmalschutz zu umgehen, müssen spezielle farbige Panels entwickelt werden (z. B. Ockerfarbe für das Château d’Auvernier NE), welche jedoch teurer sind und weniger Strom erzeugen als schwarze Panels.

2. Planungsrecht bei Mehrfachnutzung.

Die Mehrfachnutzung von Parkplatzüberdachungen lässt sich grundsätzlich in der Regel nur in Bauzonen realisieren (z. B. in der Zone für wirtschaftliche Aktivitäten in Aigle VD, wo das Projekt ohne weitere Planungsverfahren errichtet werden konnte).

3. Besondere Förderungsvoraussetzungen.

Anlagen an Staumauern oder schwimmend auf der Wasserfläche (wie Albigna Solar) erreichen die für Art. 71a Abs. 2 EnG erforderliche minimale Jahresproduktion von 10 GWh nicht. Folglich können sie nicht von der erhöhten Förderung profitieren, die für solche Grossanlagen vorgesehen ist.

IV. Akzeptanz und Politische Debatten.

Zukünftige, gigantische Grossprojekte in sensiblen Gebieten stossen auf Akzeptanzprobleme.

Die Diskussion um sehr grosse Projekte in der Natur, wie das alpine Projekt in Grengiols, das 700 Fussballfelder umfassen soll, wird von Experten als «verrückt» bezeichnet.

Es besteht die Forderung, zuerst alle verfügbaren Dächer zu nutzen, bevor Seen oder Alpen verbaut werden. Dies zeigt den politischen und gesellschaftlichen Konflikt zwischen dem dringenden Ausbau der Solarenergie und dem Landschaftsschutz.

Welche unterschiedlichen Standorttypen in der Schweiz werden für Photovoltaik-Grossprojekte genutzt?

Die Realisierung von Photovoltaik-Grossprojekten in der Schweiz basiert auf der Mehrfachnutzung bestehender Flächen und Infrastrukturen, da der Bau von Freiflächenanlagen auf der «grünen Wiese» bislang nicht gestattet ist.

Die verwendeten Standorttypen lassen sich in folgende Kategorien unterteilen:

I. Gebäude und Dächer (Die grössten Dachanlagen).

Großflächige Dächer von Industrie-, Lager- oder Gewerbegebäuden stellen den traditionell wichtigsten Standorttyp für PV-Großprojekte dar.

Riesige Lagerhallen und Industriedächer: Die ehemals größte Solaranlage der Schweiz befindet sich in Onnens VD am Neuenburger See. Sie ist auf den Dächern riesiger Lagergebäude (insbesondere denen von Philip Morris, einem ehemaligen Zigarettenlager) installiert. Das Hauptgebäude allein hat eine Dachlänge von 450 Metern.

Fassaden und architektonische Integration: Auch Fassaden und spezielle Dachziegel werden für Grossprojekte genutzt.

  • Beispielsweise wurde die gesamte Fassade des Einkaufszentrums Marin Centre in Neuenburg durch Solarpanels ersetzt und mit 4.000 Modulen auf dem Dach kombiniert.
  • An Orten mit Denkmalschutz (wie dem Château d’Auvernier NE) werden farbige Solarpanels verwendet, die traditionelle Dachziegel auf Schuppen ersetzen.
II. Versiegelte Flächen und Verkehrsinfrastruktur.

Vorhandene, versiegelte oder bereits stark belastete Flächen werden zur Mehrfachnutzung verwendet, um zusätzliche Landinanspruchnahme zu vermeiden.

1. Parkplätze und Carports.

Dieser Typus nutzt unbedeckte Parkflächen zur Energieerzeugung und wird meist in Bauzonen realisiert.

Solar Carports: Grossprojekte existieren unter anderem in Courgenay JU (überdacht mehrere tausend Fahrzeuge des Unternehmens Gefco) und in Aigle VD (solare Parkplatzüberdachung des Migros Chablais Centre, in einer Zone für wirtschaftliche Aktivitäten/Industriezone).

Spezialkonstruktionen: Die Anlage in Jakobsbad AI nutzt ein leichtes Solarfaltdach, was sie zur ersten mit einem Faltdach überspannten Parkfläche weltweit macht.

2. Industriezonen und Raffinerie-Randflächen (Freifläche).

Diese Standorte erlauben den Bau großer Freiflächenanlagen, da sie bereits industriell genutzt werden.

Raffineriegelände: Die leistungsstärkste Freiflächensolaranlage der Schweiz befindet sich in Cressier NE auf einer Fläche von 47.000 m² Industriegelände. Der Standort liegt auf einer Randfläche des Produktionszentrums der einzigen Erdölraffinerie der Schweiz. Die Anlage wurde in der Industriezone erstellt.

3. Verkehrs- und Lärmschutzbauwerke.

Autobahnüberdachungen: Ein Projekt in Stansstad NW nutzt eine bereits bestehende Autobahnüberdachung der A2, die ursprünglich zur Lärmreduktion gebaut wurde. Dies stellt eine effiziente Mehrfachnutzung dar. Die Fläche gehört hier zum «übrigen Gemeindegebiet».

III. Spezialstandorte in der Landschaft (Nicht-Baugebiet).

Diese Standorte werden genutzt, wenn sie entweder einen landwirtschaftlichen Vorteil bieten oder eine funktionale Verknüpfung zu bestehender Energieinfrastruktur aufweisen.

1. Landwirtschaftliche Flächen (Agri-Photovoltaik).

Agri-PV-Anlagen kombinieren Landwirtschaft und Stromproduktion.

Beerenkulturen: Die erste kommerzielle Agri-PV-Anlage der Schweiz (Pilotprojekt) wurde in Aesch LU über einer Himbeerplantage errichtet. Solche Anlagen werden in der Landwirtschaftszone erstellt.

2. Energieinfrastruktur (Funktionale Verknüpfung).

Anlagen, die funktional an bestehende Energieanlagen gebunden sind, können im Nichtbaugebiet realisiert werden, um eine Mehrbelastung zu vermeiden.

Umspannwerke: Beim Umspannwerk Altgass in Baar ZG wurde eine Freiflächenanlage auf einer freien Fläche, hauptsächlich in der Landwirtschaftszone (Nichtbaugebiet), realisiert. Die Nähe zum bestehenden Umspannwerk (Erschliessung) ermöglichte dies.

Staumauern und Stauseen: Die Albigna Solar Anlage in Vicosoprano GR nutzt die Staumauer (ein Absperrbauwerk) zur PV-Installation. Solche Projekte gelten als Mehrfachnutzung eines bestehenden Eingriffs im sonstigen Gemeindegebiet/Nichtbaugebiet. Experten empfehlen auch die Nutzung von Wasseroberflächen (schwimmende PV-Anlagen auf Stauseen) oder Landflächen in der unmittelbaren Umgebung von Staumauern, wo bereits Leitungen und Zufahrtsstrassen vorhanden sind (Erschliessung).

3. Rekultivierte/Stark veränderte Flächen.

Steinbrüche/Böschungen: Das Projekt im Steinbruch Calinis in Felsberg GR entstand auf einer Böschung mit 30° Hangneigung in einem ehemaligen Steinbruch, der nicht anderweitig verwendet werden durfte. Für dieses Projekt musste eine eigens geschaffene «Zone für Sonnenenergieanlagen» zugewiesen werden.

IV. Zukünftige Standorte.

Für die zukünftige PV-Entwicklung werden weitere, sehr große Standorte in Betracht gezogen:

Flughafengelände: Beim Flughafen Bern-Belp soll in den nächsten Jahren die größte Solaranlage der Schweiz auf einer Fläche von 250.000 Quadratmetern entstehen.

Alpen und Berggebiete: Gigantische alpine Projekte in Bergdörfern wie Grengiols (geplant auf der Fläche von 700 Fussballfeldern) und Gondo werden diskutiert.

Wie tragen diese vielfältigen Solaranlagenprojekte zur Maximierung der Flächennutzung in der Schweiz bei?

Die vielfältigen Solaranlagenprojekte in der Schweiz tragen massgeblich zur Maximierung der Flächennutzung bei, indem sie das Hauptproblem der begrenzten und rechtlich geschützten Freiflächen umgehen. Die Strategie liegt in der Mehrfachnutzung bereits existierender oder stark beanspruchter Infrastrukturen und Flächen, anstatt neue, unberührte Landschaften zu versiegeln.

Diese Maximierung der Flächennutzung manifestiert sich in folgenden Schlüsselbereichen:

I. Nutzung vorhandener Gebäude und Dachflächen.

Der effizienteste und ökologisch am wenigsten invasive Weg zur Flächenmaximierung ist die Nutzung der reichlich vorhandenen Dach- und Fassadenflächen.

Grossflächige Industriedächer: Projekte nutzen die riesigen, oft ungenutzten Dachflächen großer Lager- und Industriegebäude. Das beste Beispiel ist die Anlage in Onnens VD, die lange als die größte Solaranlage der Schweiz galt. Hier wurden 31.000 bis 35.000 Panels auf einer Dachfläche von 49.000 m² bis 55.000 m² installiert, was der Größe von sieben bis acht Fussballfeldern entspricht. Das Hauptgebäude allein hat eine Dachlänge von 450 Metern.

Fassadenintegration: Die PV-Technologie wird direkt in die Gebäudehülle integriert, wodurch die Fläche vertikal genutzt wird. Im Marin Centre (Neuenburg) wurde die gesamte Fassade durch Solarpanels ersetzt, ergänzt durch 4.000 Module auf dem Dach.

Überwindung des Denkmalschutzes: Selbst wenn Denkmalschutz herkömmliche schwarze Panels verbietet (was in Städten oft der Fall ist), ermöglichen innovative, farblich angepasste Solarpanels (z. B. in Ockerfarbe beim Château d’Auvernier NE) die Nutzung historisch geschützter Flächen.

II. Doppelte Nutzung von Infrastrukturflächen.

Versiegelte oder für Verkehr und Gewerbe genutzte Flächen werden überbaut, um eine effiziente Mehrfachnutzung zu gewährleisten.

Parkplatzüberdachungen (Solar Carports): Es wird das enorme Potenzial von Parkplätzen genutzt, deren Fläche in der Schweiz Berechnungen zufolge der des halben Vierwaldstättersees entspricht.

Projekte wie in Aigle VD (Migros Chablais Centre) und Courgenay JU (Gefco) demonstrieren die Mehrfachnutzung bestehender Flächen in Bauzonen. In Aigle liefert die Überdachung 46 % des Strombedarfs des Einkaufszentrums.

Die Wirtschaftlichkeit dieser Carports wird durch einen hohen Eigenverbrauchsanteil erhöht, der oft durch Ladestationen für die Elektromobilität gewährleistet wird.

Verkehrsbauwerke: Bestehende Lärmschutzbauwerke des Bundes, wie die Autobahnüberdachung in Stansstad NW, werden zur Stromerzeugung nachgerüstet. Diese Nutzung stellt eine effiziente Mehrfachnutzung dar, da keine weiteren Eingriffe in die Umwelt oder Landschaft riskiert werden müssen.

III. Co-Nutzung von Industrie- und Energiearealen.

Flächen, die bereits industriell beansprucht oder für die Energieversorgung reserviert sind, können zur PV-Erzeugung genutzt werden.

Freiflächen in Industriezonen: Freiflächenanlagen können auf Randflächen von Industriegebieten realisiert werden. Die leistungsstärkste Freiflächensolaranlage der Schweiz in Cressier NE nutzt 47.000 m² des Industriegeländes der einzigen Erdölraffinerie der Schweiz. Die Anlage wurde explizit in der Industriezone erstellt und nutzt nicht anders nutzbare Restflächen oder Reservezonen.

Anbindung an bestehende Energieanlagen: Projekte können auf freien Flächen im Nichtbaugebiet realisiert werden, wenn eine funktionale Verknüpfung zum bereits energienutzten Standort besteht. Die Anlage beim Umspannwerk Altgass in Baar ZG in der Landwirtschaftszone profitiert davon, dass bereits eine Erschliessung (Strassen und Leitungen) existiert, wodurch es zu keiner wesentlichen Mehrbelastung der Umwelt kommt.

Nutzung von Staumauern: Die Anlage Albigna Solar im Bergell GR demonstriert die Mehrfachnutzung der Staumauer (ein Absperrbauwerk) im sonstigen Gemeindegebiet. Da bereits ein Eingriff in die Natur vorgenommen wurde, führt die Verknüpfung mit einer Solaranlage zu keiner nennenswerten Mehrbelastung. Experten sehen auch Potenzial in der Nutzung der Wasseroberflächen von Stauseen sowie Landflächen in der unmittelbaren Umgebung, wo Erschließung bereits vorhanden ist.

IV. Doppelernte durch Agri-Photovoltaik (Agri-PV).

Agri-Photovoltaik trägt zur Maximierung der Flächennutzung bei, indem sie landwirtschaftliche Produktion und Solarstromerzeugung auf derselben Fläche gleichzeitig ermöglicht.

Gleichzeitige Produktion und Schutz: Agri-PV-Anlagen, wie die Pilotanlage in Aesch LU über einer Himbeerplantage, produzieren Strom und schützen gleichzeitig die landwirtschaftlichen Kulturen vor Witterung.

Doppelte Ernte auf derselben Fläche: Bei Agri-PV-Anlagen wachsen am Boden Beeren, Gemüse oder Obst, während PV-Module darüber Strom erzeugen. Dies umgeht das Problem, dass herkömmliche Freiflächenanlagen in der Schweiz auf der grünen Wiese grundsätzlich nicht erlaubt sind. Schätzungen sehen das Potenzial der Agri-PV in der Schweiz bei 10 bis 18 TWh pro Jahr.

Die konsequente Anwendung dieser Mehrfachnutzungs-Strategien ist für die Schweiz unerlässlich, um das Ziel zu erreichen, bis 2050 rund 40 Prozent des Strombedarfs durch Solarstrom zu decken und die Energiewende voranzutreiben.

 

 

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