Energiewende: Grossbatteriespeicher, Sektorkopplung, effiziente Energienutzung, grüne Stromproduktion und Flexibilität.
12.12.2025
Zentrale Themen der Energiewende.
Die zentrale Themen der Energiewende sind:
- Geopolitischer Kontext
- Speichersysteme
- Marktdesign
Dieser Bericht strukturiert die vorliegenden Informationen zu den aktuellen Entwicklungen der Energiewende, wobei der Fokus auf Grossspeicherprojekten, dezentralen Initiativen, der Sektorkopplung sowie den strategischen und geopolitischen Rahmenbedingungen in Europa liegt.
I. Einleitung und Geopolitischer Kontext der Energieversorgung.
Die politische Debatte und die öffentliche Wahrnehmung der Energiefrage haben sich seit Anfang 2022 stark verschoben, wobei die Sicherheitsfrage die Thematik des Klimaschutzes in den Hintergrund gedrängt hat. Energie wird heute als Waffe angesehen, wie im Konflikt Russlands mit Europa deutlich wurde.
1. Geopolitische Notwendigkeit der Wettbewerbsfähigkeit.
Inmitten dieser sogenannten Zeitenwende, die eine Rückkehr der Geopolitik und den Wettbewerb mit autoritären Regierungen bedeutet, muss Europa seine Werte – Frieden und Demokratie – erhalten. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist dabei nicht nur für den Wohlstand entscheidend, sondern auch, um die europäischen Prinzipien der Machtbegrenzung und -teilung in der Zukunft zu sichern. Die Infrastruktur selbst steht unter scharfen Angriffen, was eine ständige Gefahr für die Energiesicherheit darstellt.
2. Investitionsbedarf und strategische Ausrichtung.
Laut dem Dragi Report muss Europa jährlich über die nächsten Dekaden 800 Milliarden Euro investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, wovon schätzungsweise 300 Milliarden Euro pro Jahr in das Energiesystem fliessen müssen. Die Antwort auf diese Herausforderung muss die Investition in das Neue sein, um Europa nicht zu einem "technischen Museum" werden zu lassen. Die globalen Investitionen der letzten zehn Jahre zeigen klare Trends: Starke Zuwächse verzeichnen Erneuerbare Energien, Netze und Speicherung, Energieeffizienz und Elektrifizierung, während Investitionen in Öl, Gas und Kohle zurückgehen.
Die Gesamthöhe der jährlichen Investitionen an, die laut dem Draghi Report ins Energiesystem fliessen müssen, enthalten noch keine spezifische Aufschlüsselung dieser Summe in einzelne Unterkategorien (wie z. B. Netzausbau, Speicherung oder erneuerbare Energien).
Die Information aus dem Draghi Report, basierend auf einer groben Schätzung, betrifft die Investition in das Energiesystem als Ganzes, um Europas politische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Kategorie der Investition |
Jährliche Investition (über die nächsten Dekaden) |
Grundlage |
|
Gesamtes Energiesystem |
300 Milliarden Euro |
Draghi Report (grobe Schätzung), um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. |
Kontext:
Diese 300 Milliarden Euro pro Jahr sind Teil der insgesamt geschätzten 800 Milliarden Euro, die Europa jährlich in den kommenden Dekaden investieren muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Antwort auf diese Herausforderung muss in das Neue gerichtet sein.
Obwohl die Draghi-Zahl nicht weiter unterteilt wird, zeigen globale Investitionstrends der letzten zehn Jahre, wohin "das Neue" investiert wird, nämlich in:
- Erneuerbare Energien (Renewables)
- Netze und Speicherung (Grid and Storage)
- Energieeffizienz
- Elektrifizierung
II. Die Rolle von Speichersystemen und Flexibilität.
Die Speicherung ist ein zentrales Element der Energiewende, da erneuerbare Quellen (Sonne, Wind) nicht konstant Energie liefern. Speichersysteme sind notwendig, um das Stromsystem zu stabilisieren, indem Produktion und Verbrauch im Einklang gehalten werden.
Warum ist die Speicherung ist ein zentrales Element der Energiewende?
Die Speicherung ist aus mehreren zentralen Gründen ein unverzichtbares Element der Energiewende:
1. Ausgleich der volatilen Erzeugung Erneuerbarer Energien.
Erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind liefern keine konstante Leistung:
- Unregelmässige Produktion: Strom aus Solaranlagen wird nur produziert, wenn die Sonne scheint, und Strom aus Windkraftanlagen nur, wenn Wind weht.
- Stabilitätsbedarf: Damit das Stromsystem als Ganzes funktionieren kann, müssen Produktion und Verbrauch im Einklang stehen. Dies wird durch die fluktuierende Einspeisung erneuerbarer Energien zunehmend schwieriger.
- Speicher als Puffer: Batteriesysteme können den Strom speichern, wenn viel Sonnenenergie produziert wird (z. B. mittags), und ihn dann wieder zur Verfügung stellen, wenn die Kunden ihn benötigen (z. B. nach dem Eindunkeln).
2. Erhöhung der Systemflexibilität und Versorgungssicherheit.
Speichersysteme tragen massgeblich zur Stabilisierung des gesamten Energiesystems bei und erhöhen die notwendige Flexibilität der Stromproduktion:
- Kurzzeitausgleich: Batterien dienen primär als Kurzzeitspeicher, die den Strom über den Tag-Nacht-Verlauf verteilen können.
- Netzstabilisierung: Ein Gemeindespeicher könnte beispielsweise Kapazitäten zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen, indem er bei hohem Angebot und tiefer Nachfrage sofort Strom speichert und bei umgekehrter Lage in das Netz abgibt.
- Vermeidung von Netzüberlastung und teurem Ausbau: Wenn bei Spitzenproduktionszeiten (aktuell erst an wenigen Sommertagen über Mittag) nicht sofort nutzbarer Solarstrom ins Netz eingespeist werden müsste, würde der Netzausbau mit zunehmender Solarenergie sehr teuer. Speichermöglichkeiten sind notwendig, um dieses Problem zu lösen.
3. Wirtschaftlichkeit und Effizienzsteigerung.
Die Integration von Speichern, insbesondere grossen, erhöht die Wirtschaftlichkeit der dezentralen Energiewende:
- Wirtschaftliche Vorteile grosser Speicher: Das Verhältnis zwischen Investitionskosten und Nutzen fällt positiver aus, je grösser der Speicher ist. Beispielsweise sind die Kosten für eine gespeicherte Kilowattstunde bei einem grossen Gemeindespeicher (ca. 5,8 Rappen) deutlich geringer als bei einem kleinen privaten Speicher (ca. 22 Rappen ohne Förderung).
- Flexibilität als Geschäftsfeld: Die Bundesnetzagentur erwartet einen massiven Anstieg an flexiblen Lasten (dazu zählen Speicher, E-Mobilität, Wärmepumpen etc.), von 30 Gigawatt (GW) im Jahr 2030 auf 60 bis 70 GW im Jahr 2035. Diese Flexibilität ist die entscheidende Frage und definiert die zukünftigen Geschäftsfelder und Investitionsfälle.
4. Notwendigkeit in der Sektorkopplung.
Speicher sind essenziell für die intelligente Vernetzung verschiedenster Komponenten der Energieproduktion und -nutzung (Sektorkopplung).
- Integration im System: In Pilotprojekten zur Sektorkopplung, wie dem Suissetec Campus in Lostorf, werden Strom und Wärme in grossen Wassertanks und Batterien gespeichert und bei Bedarf abgegeben. Die Komponenten (wie Wärmepumpe, Blockheiz-Kraftwerk, PV-Anlage) werden intelligent gesteuert, um die Energie effizient zu nutzen.
- Umgang mit Überschussenergie: Konventionelle Standorte eignen sich gut für Batteriespeicher und Sektorkopplung, da dort meist eine Wärmesenke (Fernwärmenetz) und Stromanschlüsse vorhanden sind, um sorgfältig und effizient mit Überschussenergie umzugehen.
- Zusammenfassend: Ohne Speichersysteme, die die unregelmässig anfallende Solarenergie und Windenergie zwischenpuffern, ist es unklar, woher die mittelfristig benötigten Speicherkapazitäten für die Energiewende kommen sollen. Speicherung ermöglicht es, Angebot und Nachfrage trotz der fluktuierenden Erzeugung im Einklang zu halten.
1. Grossbatteriespeicher in der Schweiz und Österreich.
a) Projekt Gurtnellen (Kanton Uri, Schweiz):
Energie Uri und Axpo bauen in der Gemeinde Gurtnellen zwei Grossbatteriespeicher, die zu den grössten der Schweiz und zum grössten der Zentralschweiz zählen werden.
- Leistung und Kapazität: Die Anlagen haben Leistungen von 50 Megawatt (MW) bzw. 8.6 MW. Die grössere Anlage der Axpo kann maximal 100 Megawattstunden (MWh) speichern. Dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von durchschnittlich 22 Vierpersonen-Haushalten.
- Ziele und Standort: Der Grossspeicher soll die Flexibilität der Stromproduktion erhöhen und zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Gurtnellen wurde aufgrund der Konvergenz dreier Stromnetze als optimaler Standort identifiziert: das regionale Netz (Energie Uri), das überregionale Netz (Axpo, für die Nordostschweiz) und ein Unterwerk der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid.
- Zeitplan und Finanzierung: Die Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte 2026 geplant. Finanziert werden die Anlagen jeweils von Energie Uri und der Axpo.
b) Projekte der EVN in Österreich:
Die EVN plant, Speicherkapazitäten auszubauen. Am konventionellen Kraftwerkstandort Theiss wird die nächste Batterie mit 70 MW Leistung und voraussichtlich 140 MWh Speicherkapazität installiert, um das System zu skalieren. Solche konventionellen Standorte eignen sich aufgrund der vorhandenen Infrastruktur (Kühlwasser, Stromanschlüsse) und der meist vorhandenen Wärmesenke (Fernwärmenetz) ideal für Sektorkopplung und Speichersysteme.
2. Dezentrale und lokale Speicherlösungen.
In Gemeinden wie Niederweningen (ZH) wird die Einführung eines neuen Solar-Förderprogramms in Betracht gezogen, das Solaranlagen nur noch in Kombination mit einer Batterie fördert.
- Gemeinde-Grossspeicher-Konzept: Die Gemeinde erwägt einen Grossspeicher in der Grösse eines Schiffscontainers, der überschüssigen Solarstrom für die gesamte Bevölkerung speichern könnte.
- Wirtschaftlichkeit: Die Wirtschaftlichkeit steigt mit der Grösse des Speichers. Ein Gemeindespeicher mit einer Kapazität von 2400 Kilowattstunden (kWh) würde Investitionskosten von rund 850’000 Franken verursachen, wobei die Kosten für eine gespeicherte Kilowattstunde 5,8 Rappen betragen. Im Vergleich dazu kostet eine gespeicherte Kilowattstunde bei einem kleinen Privatspeicher (20 kWh, 14’000 CHF) ohne Förderung rund 22 Rappen.
- Nutzen: Die Gemeinde könnte bei Übernahme der Investitionskosten jährlich rund 50’000 Franken zurückgewinnen, indem sie Speicherkapazitäten zur Stabilisierung des Stromnetzes zur Verfügung stellt.
- Organisation und Herausforderungen: Die Organisation wird komplexer, je grösser der Speicher ist. Für die lokale Speicherung und Nutzung von Solarstrom ist die Gründung eines Zusammenschlusses zu einer Lokalen Energiegenossenschaft (LEG) nötig, was durch das Anfang 2026 in Kraft tretende Stromgesetz ermöglicht wird.
- Zukünftige Strategie: Die konsultative Abstimmung in Niederweningen sprach sich dafür aus, die Gemeindespeicher-Lösung in Kombination mit einem Schwarmspeicher (virtuell vernetzte, zentral gesteuerte Speicher) zu konkretisieren.
3. Innovative Speichertechnologien.
Das Schweizer Start-up Unbound Potential arbeitet an einer neuen Art von membranlosen Flussbatterien, die im industriellen Massstab konstruiert werden. Diese Technologie benötigt anstelle von etwa 200 Einzelteilen nur zwei Hauptkomponenten und ist somit deutlich einfacher und günstiger zu produzieren und leichter skalierbar. Das Unternehmen adressiert damit das zentrale Problem, dass unklar ist, woher die benötigten Speicherkapazitäten für die Energiewende mittelfristig kommen sollen. Unbound Potential sammelte in einer ersten Finanzierungsrunde mehr als 14 Millionen Euro ein. Die erste Pilotanlage soll Mitte 2026 in Betrieb gehen.
III. Sektorkopplung und Effiziente Energienutzung.
Sektorkopplung beinhaltet die intelligente Kombination, Vernetzung und Steuerung verschiedenster Komponenten zur Energieproduktion und -nutzung (Wärme, Strom, Wasserstoff aus Abfall, Holz, Sonne, Gas), um die Energie höchst effizient zu nutzen. Die Sektorkopplung ist ein zentraler Baustein der Energiewende und stellt die intelligenteste Form der effizienten Energienutzung dar, indem sie verschiedene Energieformen (Strom, Wärme, Gas, Wasserstoff) und deren Erzeuger miteinander vernetzt und steuert.
I. Definition und Mechanismus der Sektorkopplung.
Sektorkopplung beschreibt die intelligente Kombination, Vernetzung und Steuerung verschiedenster Komponenten zur Energieproduktion und -nutzung.
1. Gekoppelte Energieformen: Energie kann aus unterschiedlichen Quellen stammen (wie Kehricht, Holzschnitzel, Sonnenenergie oder Gas) und in verschiedene Endformen (Wärme, Strom oder Wasserstoff) umgewandelt werden.
2. Ziel der Effizienz: Durch diese Vernetzung soll die in den Komponenten enthaltene Energie höchst effizient genutzt werden.
3. Technologischer Anspruch: Die hierbei verwendeten Komponenten, wie sie in Modellprojekten zum Einsatz kommen, sind oft handelsüblich und stellen keine „Raketentechnologie“ dar; ihre Effizienz resultiert aus der sinnvollen Zusammenstellung und intelligenten Steuerung.
II. Modellprojekte zur Demonstration der Sektorkopplung.
Obwohl die Sektorkopplung in der Schweiz noch zu wenig angewendet wird, existieren mehrere Leuchtturmprojekte, die ihre Funktionsweise und das Potenzial zur effizienten Nutzung demonstrieren:
1. Der Suissetec Campus Lostorf (Gebäudetechnik).
Das neue Ausbildungszentrum für Gebäudetechnik in Lostorf (Solothurn) dient als Leuchtturmprojekt für die Sektorkopplung auf Gebäudeebene:
- Energieerzeugung: Das Gebäude nutzt Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach und an der Fassade.
- Herzstück Hybridbox: Im Keller befindet sich die Energiezentrale, deren Herzstück die sogenannte Hybridbox ist. Diese Box enthält eine zentrale Wärmepumpe sowie ein Blockheiz-Kraftwerk (BHKW).
- Betrieb und Produkte: Das BHKW wird mit Biogas angetrieben und produziert gleichzeitig Strom und Wärme (für Warmwasser oder zum Heizen).
- Speicherung: Um die Energie bei Bedarf abzugeben, werden Strom und Wärme in einer grossen Batterie (fast so gross wie ein Schiffscontainer auf dem Parkplatz) und in grossen Wassertanks gespeichert.
- Resultat: Durch die intelligente Steuerung kann der Suissetec-Campus effizient und vollständig mit einheimischer erneuerbarer Energie betrieben werden.
2. CKW-Anlage in Schüpfheim (Regionale Kreislaufwirtschaft).
Dieses Beispiel aus der Zentralschweiz zeigt, wie Sektorkopplung auch die Abfall- und Holzwirtschaft einbezieht.
- Energiequelle: Regionales Holz und Holzabfälle aus einem nahegelegenen Holzverarbeitungsbetrieb werden in einem BHKW zur Produktion von Strom und Wärme genutzt.
- CO₂-Bindung: Ergänzend betreibt die Anlage eine Pyrolyse-Anlage, in der Pflanzenkohle für die Zementindustrie hergestellt wird. Durch diesen Prozess wird das anfallende CO₂ dauerhaft gebunden.
3. CO₂-neutrale Arealentwicklung Sitter Valley (St. Gallen).
Im Industrie- und Gewerbeareal Sitter Valley wird die bestehende Ölfeuerung schrittweise ausser Betrieb genommen und durch eine moderne, CO₂-neutrale Energieversorgung ersetzt:
- Kombinierte Technologien: Die St. Galler Stadtwerke (sgsw) bauen eine Energieerzeugungsanlage, die einen Holzpelletkessel mit einer reversiblen Luft/Wasser-Wärmepumpe kombiniert.
- Effiziente Nutzung: Die Pelletheizung kommt in den Wintermonaten zum Einsatz, während die Wärmepumpe in der Übergangszeit die Wärmeversorgung übernimmt und im Sommer für die nötige Kühlung sorgt.
- Infrastruktur: Eine neue Trafostation und geplante Photovoltaikanlagen sichern ergänzend die Stromversorgung des gesamten Areals.
III. Notwendigkeit von Sektorkopplung für die Systemstabilität.
Die effiziente Nutzung und Steuerung von Energie durch Sektorkopplung ist entscheidend, um mit der Zunahme fluktuierender erneuerbarer Energien umzugehen:
Umgang mit Überschussenergie: Sektorkopplung und Speichersysteme sind notwendig, um mit Überschussenergie sorgfältig und effizient umzugehen.
Renaissance konventioneller Standorte: Konventionelle Kraftwerksstandorte eignen sich hervorragend für die Sektorkopplung, da sie alle Voraussetzungen dafür mitbringen. Sie verfügen über Kühlwasser und Stromanschlüsse auf höheren Spannungsebenen und bieten oft eine Wärmesenke (z. B. ein Fernwärmenetz). Dort können Power-to-Heat-Anlagen und grosse Fernwärmespeicher zur Optimierung und Systemskalierung genutzt werden.
Intelligenz im System: Der Netzbetreiber EVN investiert stark in Intelligenz im System, da die Netze technisch bis zur letzten Erzeugungsanlage ausgereizt werden müssen. Durch Flexibilitätsprojekte wird versucht, die Kunden zu steuern und mit flexiblen Netzzugängen zu arbeiten.
IV. Politische Hürden.
Trotz ihres Potenzials, rasch mehr Strom und Wärme zu erzeugen, und der Tatsache, dass Sektorkopplungsanlagen nur sehr wenig staatliche Unterstützung benötigen würden, hat das Parlament in der Schweiz die Förderung dieser Anlagen abgelehnt.
1. Modellprojekte und Technologie.
a) Suissetec Campus Lostorf (Schweiz):
Dieses Leuchtturmprojekt demonstriert die Sektorkopplung auf Gebäudeebene. Die Energiezentrale beinhaltet eine sogenannte Hybridbox mit einer zentralen Wärmepumpe und einem Blockheiz-Kraftwerk (BHKW), das mit Biogas betrieben wird und Strom sowie Wärme erzeugt. Ergänzt wird das System durch Photovoltaik auf Dach und Fassade, eine grosse Batterie und Wassertanks zur Speicherung von Strom und Wärme. Diese Komponenten sind handelsüblich und ihre Effizienz ergibt sich aus der intelligenten Steuerung.
b) CKW-Anlage in Schüpfheim (Zentralschweiz):
Hier wird regionales Holz und Holzabfall in einem BHKW zur Produktion von Strom und Wärme verwendet. Zusätzlich betreibt die Anlage eine Pyrolyse-Anlage, die Pflanzenkohle für die Zementindustrie herstellt und dabei CO₂ dauerhaft bindet.
c) Sitter Valley St. Gallen (Arealentwicklung):
Das Industrie- und Gewerbeareal Sitter Valley erhält eine CO₂-neutrale Energieversorgung. Die St.Galler Stadtwerke (sgsw) setzen dabei auf die Ablösung der bestehenden Ölfeuerung durch eine moderne Energieerzeugungsanlage, die einen Holzpelletkessel und eine reversible Luft/Wasser-Wärmepumpe kombiniert. Die Pelletheizung kommt in den Wintermonaten zum Einsatz, während die Wärmepumpe in der Übergangszeit die Wärmeversorgung und im Sommer die Kühlung sicherstellt. Die sgsw planen und betreiben die Anlage, wobei die erste Wärmelieferung für den Winter 2026/2027 erwartet wird.
2. Politische und Finanzielle Hürden.
Obwohl Sektorkopplung als wichtiger Baustein der Energiewende gilt und nur wenig staatliche Unterstützung benötigen würde, um rasch mehr Strom und Wärme zu erzeugen, hat das Parlament in der Schweiz die Förderung solcher Anlagen abgelehnt.
V. Entwicklung der Märkte und Strategische Herausforderungen in Europa.
Die Energiewende in Deutschland zeigt signifikante Fortschritte, stellt aber neue Herausforderungen an die Netzstabilität, das Marktdesign und die Finanzierung.
1. Stromproduktion und Flexibilität.
a) Fortschritte bei erneuerbaren Energien in Deutschland:
Im dritten Quartal 2025 stammte der in Deutschland erzeugte Strom zu zwei Dritteln (64,1 Prozent) aus erneuerbaren Quellen, ein Höchststand für diesen Zeitraum. Wichtigster Energieträger war die Windkraft (26,8 Prozent), gefolgt von der Photovoltaik (24,1 Prozent). Die konventionelle Stromerzeugung, insbesondere aus Kohle, ist stark gesunken (Kohleanteil sank von 36,2% in Q3 2022 auf 20,6% in Q3 2025).
b) Zukünftiger Bedarf an flexiblen Lasten:
Die entscheidende Frage für die Energiezukunft liegt in der Bereitstellung flexibler Lasten (Speicher, E-Mobilität, Wärmepumpen, Power-to-X). Die Bundesnetzagentur erwartet einen massiven Anstieg an flexiblen Lasten von 30 Gigawatt (GW) im Jahr 2030 auf 60 bis 70 GW im Jahr 2035. Diese Anforderungen definieren die zukünftigen Geschäftsfelder und Investitionsfälle.
c) Wasserstoffstrategie:
Global gesehen zeigen Indikatoren einen starken Trend hin zur Elektrolyse (grüner Wasserstoff). Im Gegensatz zur Debatte, die in Deutschland stark den Bau von Gaskraftwerken thematisiert, ist der Business Case für Elektrolyse weltweit führend. Europa ist bei den Elektrolyse-Projekten momentan ganz vorne.
2. Optimierung des Marktdesigns und Finanzierung.
a) Ineffizienzen durch falsche Preissignale: Das aktuelle deutsche Strommarktdesign (einheitliche Preiszone) führt zu erheblichen Effizienzverlusten, da die Preissignale aufgrund von Leitungsengpässen nicht richtig wirken. Dies führt dazu, dass im Norden Strom abgeregelt und vergütet wird, während im Süden teure Gaskraftwerke hochgefahren und ebenfalls vergütet werden. Experten fordern daher eine Diskussion über die Differenzierung der Preise, um Angebot und Nachfrage wieder optimal durch Preissignale in Übereinstimmung zu bringen und damit hohe Kosten zu vermeiden.
b) Finanzierung der Netzinfrastruktur:
Für die Energiewende müssen die Verteilnetze und Übertragungsnetze massiv ausgebaut und digitalisiert werden, wobei die höchsten Investitionen in den nächsten 10 Jahren bis 2037 erwartet werden. Da die Investoren eine Rendite von 8 bis 10% erwarten, was hohe Netzentgelte für Kunden und Industrie bedeuten würde, muss über alternative Finanzierungsmodelle nachgedacht werden.
Rolle öffentlicher Banken:
Öffentliche Banken (wie KfW, EIB) könnten als Reservebanken oder Versicherer dienen, um Projekte abzusichern, wodurch das Risiko für private Investoren und somit die Kosten gesenkt würden.
Lastenstreckung:
Es wird vorgeschlagen, die jetzt notwendigen Investitionslasten zeitlich zu strecken (ähnlich einem Amortisationskonto für Wasserstoff), damit die Netzentgelte für die Kunden konstant niedrig gehalten werden können.
Die Frage der Bezahlbarkeit der Energieversorgung ist somit untrennbar mit der politischen Sicherheit und der Notwendigkeit verbunden, die Märkte so zu organisieren, dass private Investitionen in das notwendige „Neue“ gelenkt werden.
Siehe auch:
Energiewende mit erneuerbaren Energien.
Energiewende mit erneuerbaren Energien – neues Energiesystem mit grünem Strom - ohne staatliche Subventionen machbar. Im Vergleich zu Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken brauchen erneuerbaren Energien keine Subventionen.
Energiewende mit erneuerbaren Energien.
Disclaimer / Abgrenzung
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