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Pionierprojekt alpine Solaranlage NalpSolar im Bau: Beitrag zur Schliessung der Winterstromlücke.

Fortsetzung der Arbeiten an der Energieableitung März 2026, Inbetriebnahme (100 %) Dezember 2028.

Pionierprojekt alpine Solaranlage NalpSolar im Bau: Beitrag zur Schliessung der Winterstromlücke. 

05.03.2026

Alpines Photovoltaik-Grossprojekt NalpSolar.

NalpSolar ist ein wegweisendes alpines Photovoltaik-Grossprojekt der Axpo, das in der Bündner Gemeinde Tujetsch realisiert wird. Die Anlage entsteht auf rund 2'000 Metern über Meer in unmittelbarer Nähe des bestehenden Stausees Lai da Nalps. Als Teil der strategischen Säule zum Ausbau erneuerbarer Energien wird das Projekt im Rahmen des eidgenössischen „Solarexpress“ umgesetzt. Die SBB wird die gesamte Energie über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten abnehmen, um den Bahnverkehr mit erneuerbarem Strom zu versorgen. 

Technische Eckdaten und Wirtschaftlichkeit:
  • Leistung: Die installierte Kapazität beträgt rund 8 Megawatt (MWp).
  • Energieproduktion: Jährlich sollen knapp 11 Gigawattstunden (GWh) Strom erzeugt werden, was dem Bedarf von über 2'000 Haushalten entspricht.
  • Winterstrom-Anteil: Ein entscheidender Vorteil ist die hohe Produktion in den Wintermonaten (ca. 40 % der Jahresproduktion), bedingt durch die Höhenlage, geringere Bewölkung und die Reflexion durch Schnee.
  • Investitionsvolumen: Die Kosten belaufen sich auf ca. 50 Millionen CHF.
  • Abnahme: Die SBB übernimmt den produzierten Strom über einen Zeitraum von 20 Jahren für die Bahnstromversorgung.

Technikhaus NalpSolar (Bild: © AXPO).

Zeitplan und Meilensteine.

Der Baustatus von NalpSolar stellt sich im Februar 2026 wie folgt dar:

  • Baubeginn: März 2025.
  • Teilinbetriebnahme: Die ersten 10 % der Kapazität wurden (entsprechend den Vorgaben des „Solarexpress“) planmässig im Oktober 2025 ans Netz angeschlossen. Hierfür wurden über 150 Solartische errichtet.
  • Installierte Infrastruktur: Im Rahmen dieser ersten Phase wurden über 150 Solartische errichtet und mit jeweils zehn Photovoltaik-Modulen bestückt. Zudem wurde ein Technikgebäude mit den notwendigen Komponenten in Betrieb genommen.
  • Aktuelle Phase (Februar 2026): Laut Zeitplan ruhen die Arbeiten im Perimeter (dem eigentlichen Baugelände) in den Wintermonaten meist aufgrund der Witterung; Arbeiten im Gelände sind primär für das Zeitfenster von Mai bis Oktober vorgesehen. Für den März 2026 ist die Fortsetzung der Arbeiten an der Energieableitung geplant.
  • Gesamtprojektziel: Die Anlage befindet sich in einem mehrjährigen Bauprozess. Die vollständige Inbetriebnahme (100 %) ist für Dezember 2028 vorgesehen
  • Vollendung: Die vollständige Inbetriebnahme der Anlage ist für Dezember 2028 vorgesehen.

Solartische NalpSolar (Bild: © AXPO).

Strategische Bedeutung und Herausforderungen.

NalpSolar dient als Lernprojekt, um technologische und wirtschaftliche Erkenntnisse für zukünftige Solargrossprojekte im hochalpinen Raum zu gewinnen:

  • Technische Herausforderungen: Anspruchsvolle Logistik, extrem kurze Zeitfenster für Bauarbeiten, hohe Schneelasten sowie Wind- und Korrosionsbeständigkeit erfordern robuste Komponenten und eine präzise Planung.

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen bekräftigt Axpo mit NalpSolar ihr Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft in der Schweiz. Das Projekt leistet einen direkten Beitrag zur Schliessung der Winterstromlücke und dient als technisches Vorzeigebeispiel für die Skalierung alpiner Photovoltaik.

Welche speziellen Solarmodule wurden für die rauhen Bedingungen am Berg angefertigt?

Für das Projekt NalpSolar und ähnliche alpine Anlagen werden spezielle alpintaugliche Photovoltaik-Module verwendet, da herkömmliche, konventionell verfügbare Module den extremen Bedingungen im Hochgebirge nicht zwingend gewachsen sind.

Die für NalpSolar eingesetzten Module zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

  • Hersteller: Die über 150 bereits errichteten Solartische der Anlage wurden mit Modulen von CKW, einer Tochtergesellschaft der Axpo, bestückt.
  • Widerstandsfähigkeit gegen Naturgewalten: Die Module und Komponenten müssen für extrem hohe Schnee- und Eislasten sowie eine erhöhte Sturmresistenz ausgelegt sein.
  • Korrosionsbeständigkeit: Aufgrund der exponierten Lage auf rund 2'000 Metern über Meer bestehen erhöhte Anforderungen an die Korrosionsresistenz der Bauteile.
  • Robuste Bauweise: Allgemein werden „robuste Komponenten“ eingesetzt, um den mechanischen Belastungen durch Windlasten und Schneedruck standzuhalten, die im Flachland in dieser Intensität nicht auftreten.

Es wird betont, dass die Wahl der richtigen Module entscheidend für einen langfristig wirtschaftlichen und stabilen Kraftwerksbetrieb ist und um die Reflexion durch den Schnee optimal zu nutzen sowie das Ablaufen von Schnee zu erleichtern.

Stausee Lai da Nalps (Bild: © AXPO).

Welche logistischen Hürden entstehen beim Bau auf 2'000 Metern Höhe?

Der Bau einer alpinen Solaranlage wie NalpSolar auf 2'000 Metern Höhe ist mit erheblichen logistischen Herausforderungen verbunden, die sich stark von Projekten im Flachland unterscheiden. Die Quellen nennen folgende spezifische Hürden:

  • Extrem kurze Zeitfenster für Bauarbeiten: Die Bauphase im eigentlichen Gelände (Perimeter) ist aufgrund der Witterung und der Schneelage meist auf die Monate Mai bis Oktober beschränkt. Bevor die Arbeiten im Frühjahr überhaupt beginnen können, muss oft erst die Zufahrtsstrasse aufwendig von Schnee befreit werden.
  • Eingeschränkte Erreichbarkeit und Platzmangel: Das Platzangebot im Bauperimeter ist oft sehr beengt. Bei NalpSolar herrscht zudem ein Fahrverbot für Externe, und es stehen keine öffentlichen Parkplätze am Stausee zur Verfügung. Transportfahrten sind zeitlich streng reglementiert (z. B. zwischen 06:00 und 18:00 Uhr).
  • Enorme Materialmengen und Transportlogistik: Trotz der schwierigen Zugänglichkeit müssen gewaltige Materialmengen bewegt werden. Für alpine Grossprojekte werden tausende Tonnen Stahl für die Unterkonstruktionen und Anker sowie hunderte Tonnen für die Solarmodule benötigt. Dies erfordert eine präzise Arbeitsvorbereitung, um beispielsweise Helikopterrotationen für Bauabschnitte effizient zu planen.
  • Anspruchsvolle Topografie: Das Gelände im Hochgebirge ist „unstetig“ und von Rinnen, Hügeln oder Dolen geprägt. Dies macht den Einsatz von hochpräzisen digitalen 3D-Geländemodellen in der Planung zwingend erforderlich, da eine herkömmliche Materialvorbereitung sonst kaum möglich wäre.
  • Komplexität der Verankerung: Der Boden im Hochgebirge erfordert aufwendige Bohrungen für Mikropfähle und Hilfsanker, um die Statik gegen extreme Wind- und Schneelasten zu sichern. Allein für die bisherigen Teilprojekte der Partner waren rund 9'400 Bohrungen notwendig.
  • Arbeitssicherheit und Umweltschutz: Die hohen Anforderungen an die Arbeitssicherheit müssen bereits in der Standardplanung berücksichtigt werden. Zudem ist die alpine Vegetation sehr empfindlich und erholt sich nur langsam, weshalb minimalinvasive Eingriffe bei der Verankerung gefordert sind.

Die Logistik auf dieser Höhe erfordert eine konsequente Digitalisierung und Industrialisierung der Prozesse, um die Effizienz trotz der widrigen Bedingungen sicherzustellen.


Weitere Informationen:

Alpine Solaranlage NalpSolar, Tujetsch GR.

8 MWp, 11 GWh pro Jahr, 40% Winterstrom - für 2’000 Haushalte. Photovoltaikanlage mit rund 15'000 Solarmodulen, 10 Hektaren, ca. 2’000 m über Meer.

Alpine Solaranlage NalpSolar, Tujetsch GR.


Übersicht Alpine Solaranlagen in der Schweiz.

Hier finden Sie einen Überblick zu allen alpinen Solaranlagen in der Schweiz. Ein Beitrag zur Stromsicherheit und zur Schliessung der Winterlücke mit grünem Strom. Diese Photovoltaik-Megaprojekte befinden sich in hochgelegenen Berggebieten der Schweiz. Liste der verschiedenen Standorte mit groben Angaben zur Leistung und mit Angaben zur Realisation oder zum Projektstand:

Übersicht Alpine Solaranlagen in der Schweiz.


Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.


Bilder: © AXPO.
Mit herzlichen Dank an AXPO für die Unterstützung und das Bildmaterial.


Quellenverzeichnis (Februar 2026).


250206_MM_NalpSolar_DE.pdf

251021_MM_NalpSolar_Einspeisung_DE.pdf

https://www.axpo.com/ch/de/energie/produktion-und-verteilung/solarenergie/nalpsolar.html

https://www.youtube.com/watch?v=-yiDll_5l94

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