Alpine Solaranlage APV Sidenplangg im Bau: Beitrag zur Schweizer Winterstromproduktion seit November 2025.
09.03.2026
Die APV Sidenplangg AG hat im Urner Schächental die erste alpine Photovoltaikanlage der Zentralschweiz erfolgreich in Betrieb genommen. Das Projekt wurde in einer beeindruckend kurzen Planungszeit realisiert und nutzt die vorteilhaften Bedingungen im Hochgebirge, um besonders im Winter effizient Strom zu erzeugen. Durch die reflektierende Schneedecke und die intensivere Sonneneinstrahlung in der Höhe liefert die Anlage deutlich höhere Erträge während der kalten Jahreszeit als vergleichbare Installationen im Flachland. Nach dem vollständigen Ausbau bis zum Jahr 2028 soll das Kraftwerk jährlich etwa 2.800 Haushalte mit nachhaltiger Energie versorgen. Neben der ökologischen Stromproduktion stärkt das Vorhaben die regionale Wirtschaft im Kanton Uri, indem lokale Betriebe beauftragt und qualifizierte Arbeitsplätze gesichert werden. Damit markiert die Anlage einen bedeutenden Meilenstein für die regionale Energiewende und erfüllt bereits frühzeitig nationale Zielvorgaben.

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Meilenstein in den Urner Alpen: Alpine Solaranlage Sidenplangg speist ersten Strom ins Netz.
Der Ausbau der alpinen Photovoltaik in der Zentralschweiz hat einen bedeutenden Erfolg erzielt. Auf der Sidenplangg im Urner Schächental wurde im November 2025 ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die erste alpine Solaranlage der Region hat den Betrieb aufgenommen und speist seither erfolgreich Strom ins Netz ein.
Erfolgreicher Start und Etappenziel erreicht.
Am feierlichen Termin des offiziellen Spatenstichs am 2. Juli nahmen Vertreter der beteiligten Unternehmen sowie des Urner Regierungsrats, der Korporation Uri und des Gemeinderats von Spiringen teil. Die intensiven Bauarbeiten begannen bereits im Frühling. Die Erschliessung der Energieableitung startete am 14. April, gefolgt vom Baubeginn des Solarfeldes am 1. Mai 2025. Dank des zügigen Baufortschritts konnten bis zum Wintereinbruch 13 Prozent der vorgesehenen Gesamtleistung in Betrieb genommen werden. Damit übertrifft das Projekt die Vorgaben des Bundesamtes für Energie im Rahmen des sogenannten „Solarexpress“, der eine Inbetriebnahme von mindestens zehn Prozent bis Ende 2025 fordert, um von vollen Fördergeldern zu profitieren.
Herausfordernde Bauphase im Hochalpinen Gelände.
Die Baustelle auf einer Höhe von 1.800 bis 2.000 Metern über Meer stellt höchste Anforderungen an Mensch und Material. Da das Gelände steil und unwegsam ist, kam für den Transport der Solarpanels und der schweren Modultische teilweise ein Helikopter zum Einsatz. Ein kritischer Moment im Herbst war die rechtzeitige Anlieferung der Transformatoren und der Schaltanlage vor dem ersten grossen Wetterwechsel, was Ende September erfolgreich gelang.
Besonders vorteilhaft für das Projekt ist die Nutzung bereits bestehender Infrastruktur: Die Anlage wird auf einer Fläche errichtet, die bereits durch Lawinenverbauungen geprägt ist, und kann eine vorhandene Erschliessungsstrasse sowie eine nahegelegene Trafostation nutzen.

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Robuste Solartische.
Die Herstellung stabiler und robuster Solartische und die Montage im alpinen Gebiet erfolgt mittels einer Kombination aus industrieller Fertigung, digitaler Planung und spezieller Verankerungstechnik.
Modulares System und industrielle Vorfertigung.
Die Solartische werden industriell gefertigt, um eine gleichbleibend hohe Qualität und Effizienz zu gewährleisten:
- Stahlkonstruktion: Für die Stabilität werden grosse Mengen an Material verbaut.
- Vormontage: Um die Montagezeit im schwierigen Gelände zu verkürzen, werden die Solarmodule bereits im Tal industriell auf der Sekundärstruktur (dem oberen Teil des Tisches) vormontiert.
- Serienfertigung: Die Robustheit wird durch eine stetige Weiterentwicklung gesteigert.
Innovative Verankerung ohne Beton.
Ein wesentliches Merkmal für die Stabilität im steilen Gelände ist die Verankerung:
- Mikropfähle: Die Tische werden in der Regel mit vier Pfählen im Boden verankert. Dafür sind pro Tisch mehrere Bohrungen notwendig.
- Hilfsanker: In instabilem Gelände kommen zusätzliche Hilfsanker zum Einsatz, um die Statik zu sichern.
- Minimalinvasiv: Ein grosser Vorteil dieser Methode ist, dass kein Aushub und kein Beton für die Tische erforderlich sind, was die Umwelt schont und die Logistik vereinfacht.
Digitale Absicherung.
Um sicherzustellen, dass jeder Tisch den extremen Wind- und Schneelasten standhält, wird ein durchgängiges digitales Modell genutzt:
- Detailplanung: Jeder Tisch wird präzise in einem digitalen 3D-Modell geplant, das die unebene Bodenbeschaffenheit (Hügel, Rinnen, Dolen) berücksichtigt.
- Simulationen: Mithilfe numerischer Simulationen werden die Windlasten und die zu erwartenden Schneeablagerungen für jede spezifische Tischkonstellation im Voraus berechnet. Dies ermöglicht eine präzise Dimensionierung, die sowohl Kosten spart als auch die Widerstandsfähigkeit gegen Schneedruck erhöht.
Verwendung alpintauglicher Komponenten.
Nicht jedes Standard-Solarmodul ist für die Alpen geeignet. Die Tische werden mit speziellen alpintauglichen PV-Modulen bestückt, um auch das vom Schnee reflektierte Licht zu nutzen. Zudem müssen die elektrotechnischen Komponenten wie Transformatoren und Schaltanlagen robust genug für die extremen Wetterlagen auf bis zu 2.000 Metern Höhe sein.
Welches sind die grössten technischen Hürden im hochalpinen Gelände?
Der Bau und Betrieb von Solaranlagen im hochalpinen Gelände bringt spezifische technische Herausforderungen mit sich, die weit über die Anforderungen im Flachland hinausgehen.

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Extreme Naturgefahren und Wetterbedingungen:
- Schneelast und Schneedruck: Während Schnee durch Reflexion den Ertrag steigert, stellt er eine mechanische Belastung dar. Aber nicht das Bedecken der Panels von oben (der Schnee rutscht wieder ab), sondern das Anwachsen der Schneemassen vom Boden her kann ein Problem sein.
- Windlasten: In exponierten Höhenlagen wirken enorme Windkräfte auf die Segelflächen der Solartische. Die Konstruktionen müssen so dimensioniert sein, dass sie diesen Lasten standhalten, ohne die Kosten durch Überdimensionierung explodieren zu lassen.
- Kaltes Klima: Die extremen Temperaturen erfordern den Einsatz spezieller alpintauglicher PV-Module und elektrotechnischer Komponenten, da Standardmaterialien den Bedingungen oft nicht gewachsen sind.
Topographie und Logistik.
- Unwegsames Gelände: Standorte wie die Sidenplangg sind geprägt von steilem, steinigem und unstetigem Gelände mit Rinnen, Hügeln und Dolen. Dies erschwert nicht nur die Installation, sondern macht den Einsatz von Helikoptern für den Materialtransport auf den letzten Höhenmetern oft unumgänglich.
- Kurze Zeitfenster: Bauarbeiten sind meist nur unmittelbar nach der Schneeschmelze bis zum nächsten Wintereinbruch (ca. Mai bis Oktober) möglich. Wetterumschwünge können Baupläne jederzeit unterbrechen.
Hochpräzise Planung und Engineering.
Aufgrund der unregelmässigen Bodenbeschaffenheit ist eine Standardplanung unmöglich. Jeder Tisch muss individuell geplant und mit Attributen für die Fertigung und Bohrung versehen werden.
Minimalinvasive Verankerung: Um die empfindliche alpine Vegetation zu schützen, die sich nur sehr langsam regeneriert, wird oft auf Mikropfähle ohne Beton und Aushub gesetzt. Dies erfordert tausende präzise Bohrungen im felsigen Untergrund.
Alpine Photovoltaikanlage Sidenplangg – Projektstand August 2025
Alpine Photovoltaikanlage Sidenplangg - Projektstand September 2025
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Warum ist die Winterproduktion in den Bergen so viel höher?
Alpine Photovoltaikanlagen produzieren im Winterhalbjahr etwa dreimal mehr Energie als vergleichbare Anlagen im Flachland. Dieser signifikante Unterschied lässt sich auf mehrere physikalische und meteorologische Faktoren zurückführen:
- Intensivere Sonneneinstrahlung: In hohen Lagen (über 1.600 m ü. M.) ist die Atmosphäre dünner, wodurch die Sonnenstrahlung weniger stark abgeschwächt wird. Zudem liegen diese Regionen im Winter oft über der Nebelgrenze und sind deutlich seltener von Bewölkung betroffen als das Mittelland.
- Reflexion durch Schnee (Albedo-Effekt): Die weisse Schneeoberfläche reflektiert das Sonnenlicht stark. Dies führt dazu, dass insbesondere bifaziale (beidseitig aktive) Module auch über ihre Rückseite zusätzlich Strom produzieren können.
- Temperatur-Wirkungsgrad: Photovoltaikmodule arbeiten bei tiefen Temperaturen effizienter. Die kalte Bergluft erhöht somit den Wirkungsgrad der Anlage im Vergleich zu wärmeren Standorten.
- Optimale Ausrichtung: In alpinen Projekten werden die Panels oft steiler aufgestellt oder sogar vertikal montiert. Dies ist ideal, um den tiefen Sonnenstand im Winter auszunutzen, während gleichzeitig verhindert wird, dass Schnee auf den Modulen liegen bleibt.
Dünne Atmosphäre und höhere Stromerzeugung.
Die dünnere Atmosphäre in hochalpinen Lagen ist einer der Hauptgründe für die hohe Effizienz und die gesteigerte Stromerzeugung von alpinen Photovoltaikanlagen:
- Geringere Filterwirkung: Da die Atmosphäre in der Höhe dünner ist, wird die einfallende Sonnenstrahlung auf ihrem Weg zum Boden weniger stark abgeschwächt oder gestreut.
- Intensivere Sonneneinstrahlung: Infolgedessen trifft eine intensivere Strahlung direkt auf die Solarmodule, was die Energieausbeute pro Quadratmeter im Vergleich zum Flachland deutlich erhöht.
- Winterstrom-Vorteil: Besonders im Winterhalbjahr, wenn die Sonne flacher steht und im Mittelland oft durch dicke Luftschichten oder Nebel gedämpft wird, profitieren Anlagen in der Höhe (über 1.600 m ü. M.) von dieser klaren und „durchlässigen“ Atmosphäre.
Durch diese Kombination erreichen Anlagen wie jene auf der Sidenplangg einen Winteranteil von fast 50 Prozent ihrer gesamten Jahresproduktion.

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Ausblick: Winterpause und Vollausbau.
Mit dem Einzug des Winters ruhen die Arbeiten vor Ort vorübergehend. Sobald die Schneeschmelze im Frühling 2026 abgeschlossen ist, werden die Bauarbeiten fortgesetzt. Der vollständige Projektabschluss und die Inbetriebnahme der gesamten Anlage mit einer Leistung von 8 Megawatt ist für Ende 2028 geplant.
Nach ihrer Fertigstellung soll die Anlage jährlich rund 12,5 Gigawattstunden Strom produzieren, was dem Bedarf von etwa 2.800 Haushalten entspricht. Ein zentraler Aspekt ist dabei die hohe Winterproduktion: Fast 50 Prozent der Energie werden im Winterhalbjahr erzeugt, da die Sonneneinstrahlung in der Höhe intensiver ist und der Schnee das Licht zusätzlich auf die Rückseite der bifazialen Module reflektiert.
Wirtschaftlicher Impuls für die Region.
Das 40-Millionen-Franken-Projekt ist nicht nur ein technischer Vorreiter, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Kanton Uri. Rund 75 Prozent der Investitionskosten – etwa 31 Millionen Franken – verbleiben in Form von Aufträgen bei lokalen Industrie- und Gewerbebetrieben. Diese starke regionale Verankerung und die frühzeitige Einbindung der Bevölkerung von Spiringen, die das Projekt mit einer deutlichen Mehrheit von 70 Prozent an der Urne annahm, gelten als Hauptgründe für die erfolgreiche und schnelle Umsetzung. Die Stadt Winterthur gab am 12. Dezember 2025 bekannt, dass die sie künftig auch Strom von der Anlage Sidenplangg im Kanton Uri beziehen wird. Der Vertrag für Vertrag für alpinen Solarstrom hat eine Laufzeit von zwanzig Jahren. Die Stadt Winterthur ist über ihre Stadtwerke zu 10 % an der Firma Aventron beteiligt, welche wiederum mit 90 % die Hauptaktionärin der Anlage Sidenplangg ist.
Wie profitieren lokale Unternehmen konkret von dem Bauprojekt?
Lokale Unternehmen profitieren von Bauprojekten wie der Solaranlage Sidenplangg vor allem durch eine hohe regionale Wertschöpfung, die sich in konkreten Aufträgen und der Sicherung von Arbeitsplätzen niederschlägt:
- Direkte finanzielle Wertschöpfung: Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 40 Millionen Franken verbleiben etwa 75 Prozent (ca. 31 Millionen Franken) in Form von Aufträgen direkt bei Urner Industrie- und Gewerbebetrieben im Kanton.
- Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen: Solche Grossprojekte tragen dazu bei, hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region zu schaffen und langfristig zu sichern. Dies betrifft verschiedene Phasen des Projekts:
- Planung und Projektleitung: Lokale Unternehmen wie energieUri sind federführend in der Entwicklung und Leitung des Vorhabens.
- Realisierung und Bau: Regionale Betriebe erhalten Aufträge für die eigentlichen Bauarbeiten am Solarfeld und der Energieableitung.
- Zukünftiger Betrieb: Auch nach der Fertigstellung profitieren lokale Firmen vom laufenden Unterhalt, dem Betrieb und der Energiebewirtschaftung der Anlage.
- Hohe Inland-Wertschöpfung bei Stahlbauern: Da bei alpinen Projekten nur etwa 5 Prozent der Kosten auf die (meist in China gefertigten) Solarmodule entfallen, bleibt der überwiegende Rest der Investitionen bei den Unternehmen und Stahlbauern im Inland.
Insgesamt wird das Projekt Sidenplangg daher als wichtiger wirtschaftlicher Impulsgeber für das lokale Gewerbe im Kanton Uri angesehen.
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Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Bilder/Videos: © energieUri AG.
Mit herzlichen Dank an energieUri AG für die Unterstützung und das Bildmaterial.
Quellenverzeichnis (Februar 2026).
https://www.apv-sidenplangg.ch/projekt
https://www.apv-sidenplangg.ch/alpine-photovoltaik
https://www.apv-sidenplangg.ch/zeitplan
https://www.apv-sidenplangg.ch/news/projektstand-video-apv-sidenplangg
https://www.apv-sidenplangg.ch/news/erste-zentralschweizer-alpine-solaranlage-speist-strom-ins-netz
https://www.apv-sidenplangg.ch/news/projektstand-video-apv-sidenplangg-1
https://www.apv-sidenplangg.ch/news/srf-beitrge-ber-apv-sidenplangg
Alpine Photovoltaikanlage Sidenplangg – Projektstand August 2025
https://www.youtube.com/watch?v=Pg8t35LPOcM
Alpine Photovoltaikanlage Sidenplangg - Projektstand September 2025
https://www.youtube.com/watch?v=OquSEOW-gC4













