Atomkraft zu teuer: Wind- und Sonnenenergiesysteme viel günstiger, Netzausbau, Smart Meter, Grossbatteriespeicher.
10.2.2026
Die deutsche Energiewende: Zwischen Windkraft-Ausbau, Netzproblematik und innovativen Speicherlösungen.
Die deutsche Energielandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während erneuerbare Energien bereits über die Hälfte des deutschen Bruttostromverbrauchs decken – wobei die Windkraft allein etwa ein Drittel beisteuert –, wird die Debatte über den richtigen Weg zur Klimaneutralität hitzig geführt. Die Diskussion umfasst dabei nicht nur die Erzeugungsarten wie Wind- versus Atomkraft, sondern zunehmend auch die hohen Kosten des Netzausbaus und die notwendige Wärmewende.
Windkraft versus Atomkraft: Eine wirtschaftliche Analyse.
In der politischen Diskussion, insbesondere seitens der AFD und Teilen der CDU, wird immer wieder eine Rückkehr zur Kernkraft gefordert. Die Argumente der Befürworter stützen sich oft auf den geringen Flächenverbrauch und vermeintlich niedrigere Kosten im Vergleich zum „hochsubventionierten“ grünen Strom.
Die wirtschaftliche Realität stellt sich laut Experten jedoch anders dar:
- Subventionen: Ein Großteil der aktuellen Subventionssummen für Erneuerbare sind „Altlasten“ für Anlagen, die vor 10 bis 20 Jahren mit hohen Einspeisevergütungen gebaut wurden. Heutige Wind- und Solaranlagen sind hingegen weitgehend wettbewerbsfähig und könnten theoretisch ohne staatliche Förderung auskommen.
- Baukosten: Kernkraftwerke sind in der Errichtung extrem teuer und komplex. Während die Stromerzeugung bei bereits stehenden Anlagen durch günstiges Uran rentabel sein kann, macht der langwierige und teure Neubau die Technologie im Vergleich zu fast allen anderen Energieträgern unwirtschaftlich.
- Langzeitkosten: Die Entsorgung des Atommülls verursacht Kosten in Milliardenhöhe, deren Klärung nach wie vor aussteht. Deutsche Betreiber lehnen den Neubau von Kernkraftwerken daher aus geschäftlichen Interessen ab, sofern der Staat nicht sämtliche Risiken übernimmt.
Warum gilt Atomkraft trotz günstiger Brennstoffe als teuerste Energieform?
Obwohl die Brennstoffe für die Kernkraft – insbesondere Uran – vergleichsweise kostengünstig sind und der Betrieb eines bereits bestehenden Kraftwerks dadurch rentabel erscheinen kann, gilt Atomkraft in der Gesamtbetrachtung als eine der teuersten Energieformen. Dies liegt laut den Quellen vor allem an den extremen Investitionskosten, der technischen Komplexität und den ungeklärten Langzeitkosten.
Immense Baukosten und Komplexität.
Der Hauptgrund für die hohen Kosten ist der Bau der Anlagen selbst. Atomkraftwerke sind „unfassbar teuer“ in der Errichtung:
- Mangelnde Standardisierung: Anders als bei Solaranlagen, die durch Massenproduktion günstig geworden sind, ist jedes Atomkraftwerk ein hochkomplexes Einzelprojekt. Die Anlagen müssen je nach Standort individuell geplant werden – beispielsweise erfordern Kraftwerke in Japan andere Sicherheitsvorkehrungen als Anlagen in Frankreich, die wiederum auf Flusskühlung angewiesen sind.
- Wirtschaftlicher Vergleich: Dieser immense finanzielle Aufwand führt dazu, dass die Erzeugung von Atomstrom letztlich so teuer ist wie fast keine andere verfügbare Technologie.
Ungeklärte Langzeitkosten und Entsorgung.
Ein weiterer massiver Kostenblock entsteht erst Jahrzehnte nach der eigentlichen Stromproduktion:
- Endlagerung: Die Kosten für die Lagerung des Atommülls gehen in die Milliardenhöhe. In Deutschland ist die Frage der Endlagerung zudem bis heute inhaltlich und finanziell ungeklärt.
- Rückbau: Auch der Rückbau der Anlagen nach Ende ihrer Laufzeit verursacht enorme Kosten, die in der wirtschaftlichen Gesamtbilanz berücksichtigt werden müssen.
Fehlende Wirtschaftlichkeit für private Betreiber.
Die hohen finanziellen Risiken führen dazu, dass sich der Neubau von Kernkraftwerken unter marktwirtschaftlichen Bedingungen kaum realisieren lässt:
- Ablehnung durch Unternehmen: Die potenziellen Betreiber in Deutschland lehnen den Neubau von Kernkraftwerken aus rein geschäftlichen Interessen ab.
- Staatsrisiko: Ein wirtschaftlicher Betrieb wird von den Unternehmen nur dann als möglich erachtet, wenn der Staat sämtliche Risiken übernimmt. Ohne massive staatliche Garantien und Risikoübernahmen ist die Technologie für private Investoren nicht tragbar.
Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren.
Im Gegensatz zur Atomkraft haben sich die Kosten für erneuerbare Energien drastisch reduziert:
- Sinkende Kosten: Wind- und Sonnenenergiesysteme sind heute so weit entwickelt, dass sie laut Experten des ifo-Instituts bereits wettbewerbsfähig sind und theoretisch sogar ohne Subventionen gebaut werden könnten.
- Systemkosten: Während die Kernkraft zentral und starr ist, ermöglichen moderne Ansätze (wie dezentrale Speicher und Smart Meter) eine kosteneffiziente Steuerung des Strombedarfs, was die Kernkraft als unflexible Großtechnologie wirtschaftlich weiter ins Abseits drängt.
Die günstigen Brennstoffkosten der Kernkraft werden durch die exorbitanten Kosten für den Bau, die individuelle Planung und die jahrtausendelangen Folgekosten für den Atommüll mehr als wettgemacht.
Der Netzausbau: Notwendigkeit oder Überdimensionierung?
Ein zentraler Streitpunkt der Energiewende ist der Ausbau der Stromnetze. Geplant sind rund 20.000 Kilometer neue Überland-Stromtrassen, was Kosten von bis zu 732 Milliarden Euro verursachen könnte. Kritiker wie der BUND bemängeln, dass dieser Ausbau massiv überdimensioniert sei und die Natur unnötig schädige.
Wissenschaftler der Universitäten Paderborn und Aachen argumentieren, dass das Stromnetz aktuell im Mittel nur zu etwa 15 % ausgelastet ist. Durch den gezielten Einsatz von Stromspeichern ließe sich die bestehende Infrastruktur deutlich effizienter nutzen. Batterien können „Shifting“ betreiben – also Strom aufnehmen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn Stunden später bei Bedarf wieder abgeben. Dies verbessert die Stromqualität und könnte den teuren Netzausbau in weiten Teilen überflüssig machen.
Das Versäumnis der Digitalisierung: Smart Meter als Nadelöhr.
Ein Grund für die schleppende Integration dezentraler Lösungen ist die verschleppte Digitalisierung. Seit 2007 wurde der flächendeckende Einsatz von Smart Mietern (digitalen Stromzählern) politisch verzögert. Während andere Länder wie Belgien (Flandern) bereits virtuelle Kraftwerke nutzen, bei denen Tausende Haushalte ihre Speicher koppeln, sind in Deutschland erst 1,5 % der Haushalte mit dieser Technik ausgestattet. Dies führt dazu, dass günstige erneuerbare Energien durch hohe Netzentgelte künstlich verteuert werden.
Wie können Speicher und Smart Meter den teuren Netzausbau reduzieren?
Der Einsatz von Stromspeichern und Smart Metern bietet ein erhebliches Potenzial, den massiven und teuren Ausbau des Stromnetzes, der auf bis zu 732 Milliarden Euro geschätzt wird, deutlich zu reduzieren. Laut den Quellen liegt der Schlüssel darin, die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen und Energie dezentral zu verwalten.
Diese Technologien können den Netzausbau minimieren:
Effizientere Nutzung der vorhandenen Netze.
Das aktuelle Stromnetz ist im Mittel nur zu etwa 15 % ausgelastet. Netzbetreiber bauen das Netz bisher „überdimensioniert“ aus, um extreme Lastspitzen abpuffern zu können:
- Zeitliche Verteilung: Während ein Netz Energie im Raum verteilt, verteilt ein Speicher Energie in der Zeit.
- Shifting: Batterien können große Strommengen auffangen, wenn sie nicht benötigt werden (z. B. bei starkem Wind oder Sonnenschein), und sie Stunden später wieder abgeben, wenn der Bedarf steigt. Durch diese „Vergleichmäßigung“ werden Spannungsspitzen abgefangen, was die Stromqualität verbessert und es ermöglicht, deutlich mehr Energie über das bestehende Netz zu transportieren, ohne es physisch erweitern zu müssen.
Smart Meter als digitale Steuerungseinheit.
Smart Meter (digitale Stromzähler) sind die notwendige technische Basis, um Speicher überhaupt netzdienlich steuern zu können:
- Intelligente Steuerung: Sie ermöglichen eine sinnvolle Kommunikation zwischen Erzeugern, Speichern und Verbrauchern. Ohne diese digitale Basis kann kein lokaler Stromhandel stattfinden und Batterien können nicht effizient auf Netzschwankungen reagieren.
- Versäumnisse in Deutschland: In Deutschland sind bisher nur 1,5 % der Haushalte mit Smart Metern ausgestattet, während andere Länder wie Belgien (Flandern) diese Technik bereits nutzen, um die Strompreise niedrig zu halten und das Netz zu entlasten.
Dezentralität und "Virtual Power Plants".
Durch die Vernetzung privater Heimspeicher zu einem virtuellen Kraftwerk kann lokal deutlich mehr erneuerbare Energie genutzt werden:
- Beispiel Flandern: Dort sind tausende Haushalte vernetzt, wodurch bis zu siebenmal mehr erneuerbare Energie zur Verfügung steht – und das ganz ohne Netzausbau.
- Bottom-up-Planung: Wenn Energie dort verbraucht und gespeichert wird, wo sie erzeugt wird (z. B. auf dem eigenen Dach), muss sie nicht über weite Strecken durch teure Trassen transportiert werden. Experten fordern daher eine Abkehr von der „Top-down-Planung“ hin zu einem zellularen Ansatz, bei dem kaum noch Netzausbau notwendig wäre.
Einsparungspotenzial.
Wissenschaftliche Szenarien zeigen, dass bei einem konsequenten Ausbau von Vor-Ort-Lösungen (Solar, Wind und Speicher) auf einen Teil der milliardenschweren Trassenprojekte verzichtet werden könnte. In der Stadt Wunsiedel beispielsweise führt dieser Mix aus Digitalisierung und Speichern bereits heute zu einem Strompreis, der 25 % unter dem deutschen Durchschnitt liegt, da die Sektoren Industrie, Heizen und Mobilität intelligent gekoppelt sind.
Speicher glätten die Lastspitzen und Smart Meter liefern dafür die nötige digitale Intelligenz. Dadurch wird das bestehende Netz besser ausgelastet, was den Bau zehntausender Kilometer neuer Leitungen und damit verbundene Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe sowie massive Eingriffe in die Natur vermeiden könnte.
Wie viel Geld könnte man durch Speicher im Stromnetz sparen?
Durch den gezielten Einsatz von Stromspeichern ließen sich laut den Quellen immense Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe einsparen, da der geplante, massive Ausbau der Stromnetze in weiten Teilen überflüssig würde.
Einsparungen bei den Infrastrukturkosten.
Der aktuell geplante Ausbau des Stromnetzes gilt als das größte und teuerste Infrastrukturprojekt in der Geschichte Deutschlands:
- Gesamtkosten des Netzausbaus: Die geplanten 20.000 Kilometer Überland-Stromtrassen werden auf Kosten von rund 300 Milliarden Euro geschätzt. Zieht man die notwendigen lokalen Verteilnetze hinzu, steigen die kalkulierten Gesamtkosten sogar auf bis zu 732 Milliarden Euro.
- Einsparungspotenzial: Kritiker wie der BUND und Wissenschaftler argumentieren, dass der Einsatz von Speichern diesen Ausbau massiv reduzieren könnte, was „Hunderte von Milliarden Euro“ einsparen würde. Experten bestätigen, dass durch eine dezentrale Strategie mit Speichern auf einen Teil der geplanten Trassen verzichtet werden kann.
Vermeidung steigender Netzentgelte für Verbraucher.
Die hohen Investitionen in das Netz werden direkt auf die Stromkunden umgelegt:
- Verdreifachung der Entgelte: Ohne eine Kurskorrektur hin zu mehr Speichern könnten sich die Netzentgelte für Haushalte in den nächsten 20 Jahren fast verdreifachen.
- Kostenvorteil durch Dezentralität: Speicher ermöglichen es, Energie vor Ort zu verbrauchen. Das Beispiel Wunsiedel zeigt, dass ein solches System, das auf lokale Erzeugung und Speicherung setzt, einen Strompreis ermöglicht, der 25 % unter dem deutschen Durchschnitt liegt.
Effizienzsteigerung der vorhandenen Infrastruktur.
Ein Großteil der Kosten entsteht, weil Netze bisher für seltene „Extremspitzen“ überdimensioniert werden:
- Bessere Auslastung: Das aktuelle Verteilnetz ist im Mittel nur zu etwa 15 % ausgelastet.
- Kapazitätsgewinn: Durch Speicher, die Energie zeitlich verschieben („Shifting“), könnte unter idealen Bedingungen bis zu siebenmal mehr Energie über das bestehende Netz transportiert werden, ohne dass ein teurer Ausbau nötig wäre.
Volkswirtschaftlicher Nutzen.
Zusätzlich zu den direkten Baukosten spart der Einsatz von Speichern dem Staatshaushalt enorme Kosten, da weniger Eingriffe in die Natur und den Wald (über zehntausende Kilometer) notwendig sind, was wiederum langwierige Planungs- und Entschädigungsprozesse reduziert.
Speicher verlagern die Notwendigkeit für den Netzausbau von der räumlichen Verteilung auf eine zeitliche Verteilung. Dies ermöglicht es, das vorhandene Netz effizienter zu nutzen und somit Investitionen von über 300 Milliarden Euro (bis hin zu 732 Milliarden Euro) drastisch zu reduzieren.
Welche Rolle spielt die Sektorenkopplung für niedrigere Energiepreise?
Die Sektorenkopplung – also die intelligente Vernetzung der Bereiche Strom, Wärme, Industrie und Mobilität – spielt eine entscheidende Rolle bei der Senkung der Energiepreise, da sie teure Infrastrukturprojekte vermeidet und die Effizienz des Gesamtsystems steigert. Laut den Quellen lässt sich durch diesen Ansatz das Problem der schwankenden Energieerzeugung lösen und gleichzeitig die finanzielle Belastung für die Verbraucher massiv reduzieren.
Vermeidung von milliardenschweren Netzausbaukosten.
Einer der größten Kostentreiber der aktuellen Energiewende ist der Ausbau der Stromnetze, der Schätzungen zufolge zwischen 300 und 732 Milliarden Euro kosten könnte:
- Dezentralität statt Ferntransport: Experten argumentieren, dass bei einem sektorübergreifenden Denken viele dieser teuren Stromtrassen gar nicht notwendig wären.
- Lokale Nutzung: Wenn Energie dort verbraucht, gespeichert und zwischen den Sektoren (z. B. Strom zu Wärme) umgewandelt wird, wo sie entsteht, entfällt die Notwendigkeit, riesige Energiemengen über tausende Kilometer zu transportieren. Dies verhindert eine drohende Verdreifachung der Netzentgelte für private Haushalte in den nächsten 20 Jahren.
Kostenvorteile durch den "Bottom-up"-Ansatz: Das Beispiel Wunsiedel.
Die Stadt Wunsiedel dient als praktisches Vorbild dafür, wie Sektorenkopplung die Preise direkt senkt:
- Effiziente Vernetzung: Durch die Kopplung von Industrie, Heizen und Mobilität sowie ein digitalisiertes Stromnetz nutzt die Region siebenmal mehr erneuerbare Energie als der Durchschnitt.
- Preisreduktion: Das Ergebnis dieser intelligenten Planung "von unten nach oben" (Bottom-up) ist ein Strompreis, der 25 % unter dem deutschen Durchschnitt liegt. Da die Energie vor Ort erzeugt und verbraucht wird, sinken sowohl die Kosten als auch die CO2-Emissionen.
Senkung der Heizkosten durch saisonale Wärmekopplung.
Sektorenkopplung bedeutet auch, überschüssigen grünen Strom oder industrielle Abwärme für den Wärmesektor nutzbar zu machen:
- Power-to-Heat und Abwärmenutzung: In Meldorf wird beispielsweise Abwärme aus einer Druckerei und einer Biogasanlage in einen riesigen Erdbeckenspeicher geleitet. Zukünftig sollen auch Wind- und Solarenergie genutzt werden, um das Wasser im Speicher zu erwärmen.
- Wirtschaftlichkeit: Diese intelligente Steuerung über eine zentrale "Energiezentrale" führt dazu, dass die jährlichen CO2-Emissionen sinken und gleichzeitig die Heizkosten verringert werden.
Erhöhung der Systemeffizienz.
Ein wesentlicher Grund für hohe Preise ist die geringe Auslastung der bestehenden Netze, die im Mittel nur bei etwa 15 % liegt:
- Vergleichmäßigung: Sektorenkopplung in Verbindung mit Speichern ermöglicht eine "Vergleichmäßigung" des Energieflusses. Batterien und Wärmespeicher fangen Spitzen ab und stellen die Energie dann zur Verfügung, wenn der Bedarf in einem anderen Sektor (z. B. Wärme oder Industrie) steigt.
- Bessere Netzauslastung: Unter idealen Bedingungen könnte durch diese Flexibilität bis zu siebenmal mehr Energie über das bestehende Netz transportiert werden, was zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur hinfällig macht.
Erfolgsmodell Dezentralität: Das Beispiel Wunsiedel.
Dass eine Energiewende „Bottom-up“ (von unten nach oben) funktioniert, zeigt die bayerische Stadt Wunsiedel. Durch ein digitalisiertes Stromnetz, den Einsatz von Batterien und die Sektorenkopplung (Industrie, Heizen, Mobilität) nutzt die Region siebenmal mehr erneuerbare Energie als der Durchschnitt. Das Ergebnis ist ein Strompreis, der 25 % unter dem deutschen Durchschnitt liegt. Experten sehen darin eine „Blaupause“: Wenn Energie vor Ort erzeugt, verbraucht und gespeichert wird, entfällt ein Großteil des teuren Transportbedarfs.
Wie viel günstiger ist der lokale Strompreis in Wunsiedel?
In der bayerischen Stadt Wunsiedel liegt der lokale Strompreis 25 % unter dem deutschen Durchschnitt.
Dieser Preisvorteil wird in den Quellen auf ein spezielles Konzept der Energiewende zurückgeführt, das als „Blaupause“ für andere Regionen dienen kann. Die wesentlichen Faktoren für diesen günstigen Strompreis sind:
- Dezentrale Planung („Bottom-up“): Anstatt Energie über weite Strecken durch teure Trassen zu transportieren, wird in Wunsiedel die Energie direkt vor Ort erzeugt, verbraucht und gespeichert. Dies spart sowohl CO2 als auch die hohen Kosten für den Netzausbau ein.
- Hoher Anteil an Erneuerbaren: Die Region nutzt siebenmal mehr erneuerbare Energie als der Durchschnitt und produziert insgesamt dreimal mehr Strom, als sie selbst benötigt.
- Digitalisierung und Sektorenkopplung: Durch digitalisierte Stromnetze und den Einsatz von Batterien werden die Bereiche Industrie, Heizen und Mobilität sektorübergreifend miteinander verknüpft, was die Effizienz des Gesamtsystems steigert.
Damit profitieren rund 80.000 Menschen in der Region von einem Energiesystem, das durch die Nutzung lokaler Ressourcen und intelligenter Steuerung die Systemkosten massiv senkt.
Die Wärmewende: Saisonale Speicher für den Winter.
Neben dem Stromsektor ist die Wärmeversorgung die größte Herausforderung. Da grüne Energie vor allem im Sommer im Überfluss vorhanden ist, die Heizwärme aber im Winter benötigt wird, sind saisonale Speicher essenziell.
In Meldorf (Schleswig-Holstein) wurde der erste deutsche Erdbeckenspeicher nach dänischem Vorbild errichtet:
- Funktionsweise: Ein 11 Meter tiefes Becken mit 45 Millionen Litern Wasser wird im Sommer durch Abwärme oder erneuerbare Energien auf bis zu 85 °C aufgeheizt. Dank einer massiven Dämmung kann diese Wärme bis in den Winter hinein für das Fernwärmenetz gespeichert werden.
- Potenzial: Bis zum Jahr 2050 könnten laut Wissenschaftlern rund 30 % des jährlichen Wärmebedarfs in Deutschland durch etwa 5.000 solcher Erdbeckenspeicher gedeckt werden, was die nationale Unabhängigkeit massiv stärken würde.
Wie funktionieren Erdbeckenspeicher als Lösung für die Wärmeversorgung im Winter?
Erdbeckenspeicher fungieren als saisonale Wärmespeicher, die das zeitliche Auseinanderklaffen von Energieangebot und Wärmebedarf überbrücken sollen. Da grüne Energie vor allem im Sommer im Überfluss vorhanden ist, die Heizwärme jedoch im Winter benötigt wird, dienen diese Speicher dazu, sommerliche Wärme für die kalte Jahreszeit „einzulagern“.
Die Funktionsweise und Bedeutung dieser Technologie lassen sich anhand der folgenden Punkte im Detail beschreiben:
Technische Konstruktion und Speicherkapazität.
Ein Erdbeckenspeicher besteht im Wesentlichen aus einer massiven, in die Erde gegrabenen Grube, die als Warmwasserspeicher dient:
- Dimensionen: Das Pilotprojekt im schleswig-holsteinischen Meldorf hat beispielsweise eine Tiefe von 11 Metern und Seitenlängen von 75 Metern.
- Volumen: Mit einem Fassungsvermögen von rund 45 Millionen Litern Wasser entspricht dies etwa dem Inhalt von 15 Schwimmbecken.
- Isolierung: Damit die Wärme über Monate erhalten bleibt, ist das Becken mit einer speziellen Hochtemperaturdichtungsbahn ausgekleidet und verfügt über einen massiven, gedämmten Deckel, der schwimmend auf dem Wasser verlegt wird. Dies ermöglicht es, die Wassertemperatur konstant auf etwa 85 °C zu halten.
Beladung und Entnahme (Saisonale Verschiebung).
Der Speicher arbeitet in einem jährlichen Zyklus:
- Sommer (Beladungsphase): Überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne oder industrielle Abwärme wird genutzt, um das Wasser im Becken aufzuheizen. In Meldorf wird aktuell noch Abwärme einer Druckerei und einer Biogasanlage genutzt, künftig sollen jedoch verstärkt Wind- und Solarkraft das Wasser erwärmen.
- Winter (Entnahmephase): Sobald die Heizperiode beginnt, wird das heiße Wasser über ein Fernwärmenetz zu den Gebäuden geleitet. Allein der Speicher in Meldorf kann im ersten Ausbauschritt 55 Gebäude mit insgesamt 1.500 Megawattstunden Energie für Heizung und Warmwasser versorgen.
Steuerung und Sektorenkopplung.
Das Herzstück solcher Anlagen ist eine intelligente Energiezentrale, die verschiedene Wärmequellen koordiniert. Sie entscheidet flexibel, ob die verfügbare Wärme direkt in das Netz eingespeist oder zur späteren Verwendung in den Erdbeckenspeicher geleitet wird. Dieser Ansatz wird als Blaupause für eine erfolgreiche Wärmewende betrachtet, da er die Sektoren Energieerzeugung und Heizen effizient koppelt.
Nationales Potenzial und Ausblick
Wissenschaftler sehen in dieser Technologie nach dänischem Vorbild eine zentrale Lösung für die deutsche Energieunabhängigkeit.
- Bedarfsdeckung: Bis zum Jahr 2050 könnten rund 30 % des jährlichen Wärmebedarfs in Deutschland durch Erdbeckenspeicher gedeckt werden.
- Notwendiger Ausbau: Um dieses Ziel zu erreichen und etwa 220.000 Gigawattstunden Wärme zu speichern, müssten deutschlandweit rund 5.000 solcher Speicher errichtet werden.
Erdbeckenspeicherermöglichen,die fluktuierende grüne Energie des Sommers in Form von Wärme verlustarm bis in den Winter zu retten, was das Energiesystem flexibler und unabhängiger von fossilen Brennstoffen macht.
Fazit und Ausblick.
Trotz politischer Gegenwindes ist das Ziel, bis 2030 etwa 80 % des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken realistisch. Die Rahmenbedingungen für Wind- und Solarkraft wurden zuletzt verbessert, was sich in Rekordzahlen bei Ausschreibungen widerspiegelt.
Die Energiewende wird von Experten nicht nur als ökologische Notwendigkeit, sondern als eines der größten „Friedensprojekte der Menschheitsgeschichte“ bezeichnet, da sie zu globaler Unabhängigkeit und lokaler Wertschöpfung führt. Für einen wirtschaftlichen Erfolg muss Deutschland jedoch den Fokus weg vom rein überdimensionierten Netzausbau hin zu dezentralen Speichern, digitaler Steuerung und sektorenübergreifenden Wärmelösungen verschieben.
Übersichtsseiten mit Inhaltsverzeichnissen.
Das Schweizer Stromnetz der Zukunft.





























