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Besuch der alpinen PV Grossanlage Sedrun Solar am Coulm Val auf 2100 M.ü.M., 19,3 MWp, 29 GWh.

34'000 Module, 19.3 MWp, 29 GWh, grüner Sommer- und Winter-Strom für 6'500 Haushalte, Winterstromanteil 47 %.
19. August 2026 durch
stromzeit.ch

Besuch der alpinen PV Grossanlage Sedrun Solar am Coulm Val auf 2100 M.ü.M., 19,3 MWp, 29 GWh. 

19.08.2026.

Alpine Gross-Solaranlage Sedrun Solar.

Das Projekt Sedrun Solar in der Bündner Surselva (Gemeinde Tujetsch) ist ein wegweisendes Vorhaben der Schweizer Energiewende und gilt als die erste alpine Photovoltaik-Grossanlage des Landes, die im Rahmen des sogenannten „Solarexpress“ bewilligt wurde. Die Anlage entsteht auf einer Höhe zwischen 1'950 und 2'100 m ü. M. im Gebiet Scharinas / Cuolm Val und nutzt die dortigen optimalen Bedingungen für die Solarstromproduktion.

Bautafel bei Milez

Bautafel bei Milez (*Fotos©).

Projektüberblick und Bedeutung.

Die Realisierung erfolgt durch die Sedrun Solar AG, ein Joint Venture der lokalen Energia Alpina und der Aventron AG. Ein entscheidender Vorteil des Standorts ist die hohe Effizienz im Winter: Alpine Solaranlagen produzieren in dieser Zeit vier- bis fünfmal mehr Strom als Anlagen im Flachland. Dies liegt an der intensiveren Sonneneinstrahlung in der Höhe, der häufigen Nebelfreiheit und dem Albedo-Effekt, bei dem der Schnee das Licht reflektiert. Die Anlage leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Schliessung der Schweizer Winterstromlücke.

Technische Daten und Kennzahlen:

Merkmal
Detail / Wert

Standort

Tujetsch (GR), Scharinas / Cuolm Val

Höhenlage

1'950 bis 2'100 m ü. M.

Gesamtleistung

19,3 Megawatt Peak (MWp)

Jahresproduktion

ca. 29 Gigawattstunden (GWh)

Winterstromanteil

ca. 47 % der Jahresproduktion

Versorgung

Strom für ca. 6'500 Haushalte

Fläche

ca. 330'000 m² (entspricht ca. 46 Fussballfeldern)

Anzahl Modultische

5'700 (Typ ALPIN QUATTRO®)

Anzahl PV-Module

34'200 (hochleistungsfähig, bifazial)

Netzinfrastruktur

6 Trafo-Stationen, 67 Wechselrichter (à 350 kW)

Investitionskosten

ca. 87 Mio. CHF (Subventionen bis zu 59 Mio. CHF)

Mindestbetriebsdauer

60 Jahre


Technologische Innovationen und Bau.

Der Bau im hochalpinen Gelände stellt enorme Anforderungen an Logistik und Technik. Da das Gelände uneben ist und Hindernisse wie Rinnen oder Dolen aufweist, wurde die gesamte Anlage mittels eines digitalen Zwillings (3D-Modell) geplant. Jeder der 5'700 Modultische wurde einzeln positioniert und an die topographischen Gegebenheiten angepasst.

  • Spezialmaschinen: Für die Fundamente im steilen Gelände wurden spezielle Bohrgeräte wie „Muntaniala“ (ca. 4 Tonnen schwer) und die digital gesteuerte „Jalla“ entwickelt.
  • Modultisch-Konstruktion: Die Tische werden mittels Mikropfählen ohne Betonfundamente 2 bis 5 Meter tief im Boden verankert. Die Module sind in einer Höhe von 3 bis 4,5 Metern montiert, was den Betrieb bei hoher Schneelage sichert und die Fortführung der Sommerbeweidung ermöglicht.
  • Logistik: Der Materialtransport erfolgt generell per Transportseilbahn ab Tschamut, die Tischmontage und Feinverteilung dann per Helikopter ab Installationsplatz Berg.
Ökologie und gesellschaftliche Akzeptanz.

Obwohl das Projekt ausserhalb nationaler Schutzzonen liegt, wird grosser Wert auf den Umweltschutz gelegt. Sensible Bereiche wie Flachmoore und Orchideenflächen wurden in der Planung ausgespart. Ein wissenschaftliches Monitoring begleitet die Entwicklung der Biodiversität. Die lokale Bevölkerung von Tujetsch unterstützt das Projekt breit und stimmte der Baugenehmigung im August 2023 einstimmig zu.

Zeitplan.

Nach dem Spatenstich im August 2024 schreitet die Realisierung in Etappen voran. Bis Ende 2025 müssen gemäss den Vorgaben des Solarexpresses mindestens 10 % der Leistung am Netz sein. Die vollständige Inbetriebnahme der gesamten Anlage ist für Ende 2028 vorgesehen.

Besuch der alpinen PV-Grossanlage Sedrun Solar.

04.08.2026.

Ausgangspunkt für den Besuch der alpinen PV-Grossanlage war das Dorf Sedrun auf etwa 1450 Meter über Meer. Von hier aus ging es mit dem Auto weiter Richtung Oberalppass bis zum kleinen Bergdorf Tschamut, welches sich romantisch auf einem kleinen Hügel in der Morgensonne präsentierte. An der Via Uaul Tschamut, unterhalb der Bahnstation Tschamut-Selva gibt es einen kleinen, öffentlichen Parkplatz. Dort kann man das Fahrzeug stehen lassen und auf das mitgebrachte E-Bike wechseln.

Von hier aus ging es auf der geteerten Via Uaul Tschamut leicht bis mittel ansteigend durch den steilen Bergwald hoch bis zur Naturstrasse Via Val Val auf etwa 1'900 M.üM. Der Aufstieg bis hier war mit dem e-Bike problemlos. Blickt man zwischen den Bäumen hindurch auf die gegenüberliegende Talseite, geniesst man einen herrlichen Blick auf die imposante Staumauer des Lai da Curnera Stausees bis zum Piz Fuorcla (2'911 M.ü.M) und den Piz Tanelin (2'847 M.ü.M) im Hintergrund.

Staumauer des Lai da Curnera

Herrlicher Blick auf die imposante Staumauer des Lai da Curnera Stausees bis zum Piz Fuorcla (2'911 M.ü.M) und den Piz Tanelin (2'847 M.ü.M) im Hintergrund (*Fotos©).

Die Naturstrasse Via Val Val führ dann weiter in nordöstlicher Richtung und auf gleicher Höhe bis zur Alpsiedlung unterhalb der Bergstation Milez. Hier findet man eine anschaulich grosse Informationstafel mit wertvollen Detailinformationen über die sich im Bau befindliche alpine Solaranlage (siehe oben).

Alp bei der Bergstation Milez auf 1877 M.ü.M

Alp bei der Bergstation Milez auf 1877 M.ü.M, von hier beginnt der steile Aufstieg (*Fotos©).

Von der Alp führt eine steilere Naturstrasse, die Via Cuolm Val, die steilen Hügel hoch. Noch ist die alpine Solaranlage nicht sichtbar. Erreicht man die Höhe von etwa 2'000 M.ü.M., bietet sich nach links blickend einen ersten Eindruck der imposanten Solaranlage mit den ersten Solartischen, die sich nach Süden in der Sonne entgegenstrecken.

alpine Solaranlage Sedrun Solar

Erster Blick von Osten her auf die alpine Solaranlage Sedrun Solar (*Fotos©).

Auf Höhe Talstation des Skilifts Tegia Gronda

Auf Höhe Talstation des Skilifts Tegia Gronda (*Fotos©).

Kühe der nahegelegenen Alp weiden innerhalb der alpinen Solaranlage

Die Kühe der nahegelegenen Alp weiden innerhalb der alpinen Solaranlage (*Fotos©).

Im Hintergrund sieht man auf der gegenüberliegenden Talseite wieder die Staumauer des Lai da Curnera und dank der Höhe erblickt man nun auch das hellblaue Wasser des Stausees.

Blick nach Süden zum Lai da Curnera

Blick nach Süden zum Lai da Curnera (*Fotos©).

Weiter geht es die Via Cuolm Val steil nach oben und je höher man kommt, um so mehr hat man Einblick in die alpine PV-Anlage. Etwa auf 2'050 M.ü.M gibt es ein Alphütte mit Viehwirtschaft. Interessant zu sehen war, wie die Kühe innerhalb der Solaranlage und unterhalb der riesigen Solartische weideten und sich in den Schatten der mächtigen Konstruktionen begaben. Die Kühe hatten sich mit den Konstruktionen der Solartische bereits vertraut gemacht und fühlten sich sichtlich wohl im Schatten, zumindest hatte man diesen Eindruck.


Gesamtansicht des steilen Hangs mit hunderten von Solartischen

Gesamtansicht des steilen Hangs mit hunderten von Solartischen (*Fotos©).

Die Kühe bewegen sich frei in der Anlage

Die Kühe bewegen sich frei in der Anlage (*Fotos©).

Die Kühe suchen beim Weiden den Schatten der Solartische

Die Kühe suchen beim Weiden den Schatten der Solartische (*Fotos©).

Die Kühe fühlen sich im Schatten der Anlage sichtlich wohl,

Die Kühe fühlen sich im Schatten der Anlage sichtlich wohl (*Fotos©).

Ein weiterer Blick von hier oben nach Süden

Ein weiterer Blick von hier oben nach Süden (*Fotos©).

Der Strasse und dem Steilhang entlang hoch hinauf bis zur Montageplattform

Der Strasse und dem Steilhang entlang hoch hinauf bis zur Materialplattform (*Fotos©).

Die Naturstrasse Via Cuolm Val führt hoch bis zur Materialplattform oberhalb der alpinen Solaranlage auf etwa 2'150 M.ü.M. Von hier aus gelangt man zu Fuss oder mit dem Mountainbike über steinige Bergwege bis zum Oberalppass. Für den Baustellenbesuch war hier jedoch Endstation. Von hier oben blickt man von hinten an die Solartische, die sich in einer der Sonne ausgerichteten Reihe gegen den Himmel strecken.

Imposanter Einblick in die Solartische mit Blick nach Südwesten

Imposanter Einblick in die Solartische mit Blick nach Südwesten (*Fotos©).

Fast zuoberst angekommen, mit Blick auf den Crispalt Pign

Fast zuoberst angekommen, mit Blick auf den Crispalt Pign (*Fotos©).

Montage mit Mikropfählen ohne Betonfundamente im Steilhang

Montage mit Mikropfählen ohne Betonfundamente im Steilhang (*Fotos©).

Verkabelung der Solartische

Verkabelung der Solartische (*Fotos©).


Eine Transportbahn führt hier hoch zur Materialplattform. Mit dieser Transportbahn, deren Talstation auf einer Talsohle unterhalb des Dorfes Tschamut gelegen ist, werden sämtliche benötigten Materialien befördert. Die Rahmen mit den PV-Modulen werden bereits vollständig montiert nach Tschamut geliefert und von dort mit der Transportseilbahn nach Cuolm Val transportiert. Anschliessend werden sie per Helikopter auf die Unterkonstruktion der Tische montiert.

An der Bergstation der Transportbahn, unterhalb Cuolm Val, befindet sich die Montageplattform

An der Bergstation der Transportbahn, unterhalb Cuolm Val, befindet sich die Materialplattform (*Fotos©).

Vorbereitete Rahmen für die Montage

Vorbereitete Rahmen mit den PV-Modulen für die Montage an Solartischen (*Fotos©).

Nördlich und hoch oberhalb der alpinen Solaranlage blick man zum Crispalt Pign (2'787 M.ü.M) mit der Seilbanhn-Bergstation Cuolm Val und den Crispalt (3'076 M.ü.M.), einem fast dolomitenänhlichen Bergmassiv mit imposanter Felsformation. 

Crispalt Pign und Piz Giuv 3096 m-ü-M

Crispalt Pign und Piz Giuv 3096 m-ü-M (*Fotos©).

Die dolomitenähnliche Felsformation des Crispalt Pign

Die dolomitenähnliche Felsformation des Schneehünerstock (Kt. Uri) im Skigebiet. (*Fotos©).

Das Betreten der Baustelle ist nicht erlaubt. Daran kann man sich gut halten, denn die gesamte Anlage ist mit einem Drahtzaun umgeben und gut markiert.

Um die Montage der Solartisch präzise vorzunehmen, wird das steile Gelände als vorbereitende Arbeit genau vermessen. Kabelkanäle werden in den Untergrund verlegt und es werden mit Hilfe von speziellen Baumaschinen Bohrungen in das steile Gelände vorgenommen. Vor der Montage der Solartische werden Eisenstangen in diese Bohrlöcher als Verankerung getrieben, an deren oberem Ende Eisensockel geschweisst werden. Diese Sockel verfügen über eine spezielle Montagevorrichtung, an der die langen Beine der Solartische verschraubt werden. Beeindruckend ist auch, wie die Montagearbeiter in luftiger Höhe an den meterhohen Solartischen die Verkabelung vornehmen. 

Kabelrollen mit vielen Kilometern Kabeln für die Verkabelung

Kabelrollen mit vielen Kilometern Kabeln für die Verkabelung (*Fotos©).

Blick von unten durch die Lawinenverbauungen zur alpinen Solaranlage

Die alpine Solaranlage zieht sich am Steilhang hinauf bis zum Cuolm Val (*Fotos©).

Hier erlebt man, wie mächtig die alpine PV Grossanlage am Steilhang tront

Mächtige Solartische der alpine PV Grossanlage am Steilhang (*Fotos©).

Verankerungen im Steilhang

Es ist absolut erstaunlich, wie viele einzelne Bohrungen in diesem unwegsamen Gelände vorgenommen werden mussten, um diese grosse Anzahl von Solartischen zu fixieren (*Fotos©).

Mikropfähle ohne Betonfundamente von unten

Mikropfähle ohne Betonfundamente (*Fotos©).

Die Solaranlage ist nach oben hin noch nicht fertig gebaut

Die Solaranlage ist nach oben hin noch im Bau. (*Fotos©).

Ein letzter Blick von unten an die Wand aus Solarpaneelen

Ein letzter, imposanter Blick an die Wand aus Solarpaneelen (*Fotos©).

Ein Blick von oben zur Transportbahn, hoch über der Via Alpsu, die sich zum Oberalppass schlängelt

Ein Blick von oben zur Transportbahn, hoch über der Via Alpsu, die sich zum Oberalppass schlängelt (*Fotos©).

Die Transportbahn hoch über der Talsohle von Tschamut

Die Transportbahn hoch über der Talsohle von Tschamut (*Fotos©).

Die gesamte Anlage ist noch nicht fertig gebaut und dennoch erstreckt sie sich bereits über eine grosse Distanz am Südhang entlang und überwindet einen Höhenunterschied an diesen Steilhängen von mindesten 100 Höhenmetern. Sehr beeindruckend. Man darf gespannt sein, wie sich die Anlage präsentiert, wenn sie einmal fertig gebaut ist.

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Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.


Quellenverzeichnis (August 2026).

 
Diverse Artikel in www.stromzeit.ch.

Das Großprojekt Sedrun Solar markiert den Bau der ersten alpinen Photovoltaik-Anlage dieser Größenordnung in der Schweiz und zielt darauf ab, die Winterstromlücke durch nachhaltige Energieproduktion zu schließen. Auf über 2.000 Metern Höhe nutzt die Anlage die intensive Sonneneinstrahlung und Schneereflektion, um jährlich rund 29 Gigawattstunden grünen Strom für 6.500 Haushalte zu generieren. Die technische Umsetzung erfolgt mittels bifazialer Module, die auf speziellen Tischkonstruktionen montiert werden, um den extremen alpinen Wetterbedingungen sowie hohen Schneelasten standzuhalten. Trotz der anspruchsvollen Logistik und Bauweise wird besonderer Wert auf die ökologische Verträglichkeit und den Schutz lokaler Biotope gelegt, während die Flächen weiterhin als Sommerweiden nutzbar bleiben. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Energia Alpina und der Aventron AG wird die schrittweise Inbetriebnahme vorangetrieben, wobei die volle Leistungsfähigkeit des Solarparks für das Jahr 2028 geplant ist. Das Vorhaben genießt breite Unterstützung in der Bevölkerung und gilt als wegweisendes Pionierprojekt für die Schweizer Energiewende im Hochgebirge.

Bruno Giordano fotografierte die alpine Solaranlage im Bau von ausserhalb der gekennzeichneten Grenzmarkierungen mit einem 600mm Teleobjektiv am 04.08.2026.

*Fotos© Bruno Giordano

Besten Dank an Energia Alpina und Sedrun Solar AG für die Freigabe des Artikels.