Alpen-Regelbatterie Pumpspeicher-Grimsel 4: reversible Turbinen, 168 MW, zwei Wasserstollen 1'200 Metern, Durchmesser 6 Meter.
02.06.2026
Das Projekt Grimsel 4: Ein Meilenstein für die Schweizer Energiewende.
Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) realisieren mit dem Projekt Grimsel 4 ein bedeutendes Infrastrukturvorhaben im Berner Oberland. Dieses neue unterirdische Pumpspeicherkraftwerk zwischen dem Grimselsee und dem Räterichsbodensee wird oft als „riesige Batterie“ bezeichnet und soll die Flexibilität sowie die Versorgungssicherheit des Schweizer Stromnetzes nachhaltig stärken.

1. Projekthintergrund und strategische Bedeutung.
Der Verwaltungsrat der KWO hat im März 2026 den Investitionsentscheid über rund 300 Millionen Franken für den Bau von Grimsel 4 gefällt. Das Kernziel des Projekts ist es, den Betrieb der gesamten KWO-Anlagen flexibler zu gestalten und den Wasserhaushalt zwischen den beiden bestehenden Speicherseen zu optimieren.
Schliessung einer systemischen Lücke.
Im komplexen Kraftwerkssystem der KWO besteht derzeit ein Engpass zwischen dem Grimselsee und dem Räterichsbodensee. Während die Anlagen oberhalb (Oberaar–Grimselsee) bis zu 100 m³/s und unterhalb (Räterichsbodensee–Handeck–Innertkirchen) rund 70 m³/s verarbeiten können, beträgt der Wassernachschub durch das bestehende Kraftwerk Grimsel 1 lediglich 28 m³/s. Grimsel 4 schliesst diese Lücke, indem es die Kapazität zwischen den beiden Seen um 70 m³/s erweitert und so die gesamte Kraftwerkskaskade effizienter aufeinander abstimmt.
2. Technische Spezifikationen und Funktionsweise.
Das Herzstück von Grimsel 4 bilden zwei reversible Pumpturbinen. Diese Maschinen sind in der Lage, sowohl Wasser zur Stromproduktion zu turbinieren als auch Wasser bei einem Energieüberschuss im Netz wieder in den höher gelegenen Grimselsee hochzupumpen:
- Leistung: Jede der zwei Maschinen verfügt über eine Maximalleistung von 84 Megawatt:
- Wassermenge: Die Ausbauwassermenge beträgt je 35 m³ pro Sekunde.
- Flexibilität durch Frequenzumrichter: Ein sogenannter Vollumrichter ermöglicht es, die Drehzahl der Maschinen zu verändern. Dadurch kann die Leistung im Pumpbetrieb stufenlos angepasst werden, was eine präzise Reaktion auf Schwankungen im Stromnetz erlaubt.
- Regelenergie: Das Werk kann sowohl primäre als auch sekundäre Regelenergie produzieren, was für die Stabilität des Hochspannungsnetzes essenziell ist.
3. Bauprojekt und Zeitplan.
Ein wesentliches Merkmal von Grimsel 4 ist die vollständig unterirdische Bauweise. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Einstauflächen und keine längerfristig sichtbaren Bauwerke in der alpinen Landschaft.
Wichtige Bauphasen.
Die Bauarbeiten sollen ganzjährig durchgeführt werden und erstrecken sich über einen Zeitraum von fast sechs Jahren:
- Juni 2026: Offizieller Baubeginn.
- Anfang 2028: Beginn des Ausbruchs der unterirdischen Kraftwerkszentrale.
- Februar 2032: Geplante Inbetriebnahme des Kraftwerks.
Bauliche Komponenten.
Die Anlage umfasst mehrere unterirdische Bauwerke:
- Eine Kavernenzentrale im Felsinnern (ca. 76 x 24 x 42 Meter).
- Einen Erschliessungsstollen mit einer Länge von rund 1'800 Metern.
- Zwei Rohrsysteme bzw. Wasserstollen mit einer Länge von ca. 1'200 Metern und einem Durchmesser von 6 Metern.
- Ein oberwasserseitiges Einlaufbauwerk, das bereits während einer Seespiegelabsenkung im Winter 2024/2025 vorbereitend erstellt wurde.
4. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen.
Die Finanzierung von 300 Millionen Franken wird von den Aktionären der KWO getragen. Die Besitzverhältnisse der KWO teilen sich wie folgt auf:
- BKW Energie AG: 50 %
- Industrielle Werke Basel (IWB): 16,7 %
- Energie Wasser Bern (ewb): 16,7 %
- Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz): 16,7 %
Die Amortisationsvereinbarung.
Ein kritischer Punkt für den Investitionsentscheid war die Laufzeit der Konzessionen. Die aktuelle Gesamtkonzession der KWO läuft Ende 2041 aus, während sich die Investition erst über einen Zeitraum von rund 46 Jahren rechnet. Um das finanzielle Risiko für die Aktionäre abzusichern, hat der Grosse Rat des Kantons Bern eine Amortisationsvereinbarung genehmigt. Diese regelt die Entschädigung durch den Kanton, falls das Kraftwerk bei einem allfälligen Heimfall vorzeitig übernommen wird.
5. Beitrag zur Energiewende.
In einem Stromsystem, das zunehmend von unregelmässig produzierenden Solar- und Windkraftanlagen geprägt ist, wird die kurzfristig abrufbare Flexibilität von Pumpspeicherwerken immer wichtiger. Grimsel 4 fungiert als Puffer: Es nimmt überschüssigen Strom (z.B. bei starker Sonneneinstrahlung am Mittag) auf, indem es Wasser hochpumpt, und liefert bei hoher Nachfrage oder geringer Produktion anderer Erneuerbarer sofort Energie durch Turbinieren.

Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und den Verzicht auf neue Staumauern gilt das Projekt als ökologisch vorteilhaft und geniesst eine breite Akzeptanz. Es kombiniert technologischen Fortschritt mit dem Schutz der alpinen Umwelt.
Die unterirdische Batterie der Alpen:

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Welche ökologischen Vorteile bietet die vollständig unterirdische Bauweise?
Die vollständig unterirdische Bauweise des Projekts Grimsel 4 bietet wesentliche ökologische Vorteile, da sie den Eingriff in die alpine Umwelt auf ein Minimum reduziert:
- Schutz des Landschaftsbildes: Da sämtliche Neuanlagen – einschliesslich der Kraftwerkszentrale, der Rohrsysteme und der Zugangsstollen – im Felsinnern erstellt werden, entstehen keine längerfristig sichtbaren Bauwerke. Das Projekt fügt sich somit nahtlos in die bestehende Gebirgslandschaft ein, ohne das Panorama zu beeinträchtigen.
- Kein zusätzlicher Flächenverbrauch: Ein entscheidender ökologischer Aspekt ist, dass durch das Bauvorhaben keine zusätzlichen Einstauflächen entstehen. Es müssen also keine neuen Gebiete für Wasserbecken geflutet oder durch oberirdische Grossbauten dauerhaft versiegelt werden.
- Schonung der Wasserressourcen: Mit dem Kraftwerk wird kein zusätzliches Wasser gefasst. Es nutzt ausschliesslich das bereits in den bestehenden Speicherseen (Grimselsee und Räterichsbodensee) vorhandene Wasservolumen effizienter aus.
- Minimale Auswirkungen auf die Umwelt: Der Einfluss auf Landschaft und Natur wird in den Quellen als minimal eingestuft. Da keine neuen Flächen durch Bauwerke beeinträchtigt werden, wird die Umweltverträglichkeit des Projekts unterstrichen, was wiederum zu einer breiten Akzeptanz des Vorhabens führt.
- Nutzung bestehender Infrastruktur: Das Projekt nutzt bereits vorhandene Erschliessungs- und Versorgungsanlagen (wie den Zugang ab Gersteneck), wodurch der Bedarf an neuen, umweltbelastenden Zugangswegen im Hochgebirge entfällt.
Die unterirdische Konzeption ermöglicht einen raschen und verantwortungsvollen Ausbau der Wasserkraft, der die nationale Versorgungssicherheit stärkt, ohne die sensible alpine Flora und Fauna massgeblich zu belasten.
Warum ist das Projekt Grimsel 4 für das Schweizer Stromnetz wichtig?

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Das Projekt Grimsel 4 ist aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung für das Schweizer Stromnetz:
- Schliessung einer systemischen Lücke: Im aktuellen Kraftwerkssystem der KWO besteht zwischen dem Grimselsee und dem Räterichsbodensee ein Engpass. Während die Systeme ober- und unterhalb Kapazitäten von bis zu 100 m³/s bzw. 70 m³/s verarbeiten können, liegt der Wassernachschub zwischen diesen beiden Seen derzeit nur bei 28 m³/s. Grimsel 4 schliesst diese Lücke und ermöglicht eine effizientere Abstimmung der gesamten Kraftwerkskaskade.
- Ausgleich volatiler Energien: Mit dem Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen nimmt die Schwankung in der Stromproduktion zu. Grimsel 4 fungiert als „riesige Batterie“, die überschüssige Energie aufnimmt (indem Wasser hochgepumpt wird) und bei Bedarf sofort wieder Strom produziert. Dies ist entscheidend, um das Gleichgewicht im Stromsystem zu halten.
- Netzstabilität und Regelenergie: Das Werk ist in der Lage, sowohl primäre als auch sekundäre Regelenergie bereitzustellen. Diese Leistungen sind essenziell für die Stabilität des Hoch- und Höchstspannungsnetzes, um Netzzusammenbrüche zu verhindern.
- Höchste Flexibilität durch Technologie: Dank eines sogenannten Vollumrichters (Frequenzumrichter) kann die Drehzahl der Maschinen verändert werden. Dies erlaubt es, die Leistung im Pumpbetrieb stufenlos anzupassen und die Produktion präzise auf die aktuelle Stromnachfrage auszurichten.
- Stärkung der Versorgungssicherheit: Durch die Erhöhung der Speicherkapazität und die schnelle Reaktionsfähigkeit auf Netzschwankungen trägt das Projekt massgeblich zur Versorgungssicherheit im Kanton Bern und der gesamten Schweiz bei.
- Kurze Reaktionszeiten: Aufgrund der äusserst kurzen Triebwasserwege lässt sich die Anlage sehr flexibel nutzen und kann innert Minuten auf Veränderungen im Energiesystem reagieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Grimsel 4 durch seine Funktion als flexibler Speicher und Stabilisator ein Schlüsselprojekt für das Gelingen der Energiewende in der Schweiz darstellt.
Kennzahlen zum Projekt Grimsel 4 in der Übersicht.
Finanzielle und zeitliche Eckpunkte:
Merkmal |
Wert |
|
Investitionskosten |
Rund 300 Millionen CHF |
|
Baubeginn |
Juni 2026 |
|
Beginn Kavernenausbruch |
Anfang 2028 |
|
Geplante Inbetriebnahme |
Februar 2032 |
|
Abschreibungsdauer |
Ca. 46 Jahre |
Technische Leistungsdaten:
Merkmal |
Wert |
|
Anzahl Maschinen |
2 reversible Pumpturbinen |
|
Installierte Leistung |
2 × 84 MW (Total 168 MW) |
|
Ausbauwassermenge |
Je 35 m³/s (Total 70 m³/s zusätzlich) |
|
Fall- bzw. Förderhöhe |
83 m bis 174 m (bis 197 m nach Grimselsee-Vergrösserung) |
|
Regelbereich |
–100 % bis +100 % (hydraulischer Kurzschluss) |
|
Besonderheit |
Vollumrichter zur stufenlosen Leistungsanpassung |
Bauliche Dimensionen (unterirdisch):
Anlage |
Spezifikationen |
|
Kraftwerkszentrale |
Ca. 76 m (L) × 24 m (B) × 42 m (H) |
|
Erschliessungsstollen |
Länge ca. 1'800 m |
|
Wasserstollen |
Länge ca. 1'200 m, Durchmesser ca. 6 m |
Das Projekt nutzt die bestehende Infrastruktur und benötigt durch die vollständig unterirdische Bauweise keine zusätzlichen Einstauflächen in der Landschaft.
Welche technischen Besonderheiten und Bauphasen kennzeichnen das unterirdische Kraftwerk?
Das unterirdische Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 4 zeichnet sich durch eine hochmoderne technologische Ausstattung sowie eine bauliche Umsetzung aus, die vollständig in die alpine Felslandschaft integriert ist.
Technische Besonderheiten.
Die technische Konzeption von Grimsel 4 ist darauf ausgelegt, maximale Flexibilität für das Schweizer Stromnetz zu bieten:
- Reversible Pumpturbinen: Das Kraftwerk wird mit zwei Maschinengruppen ausgestattet, die sowohl Strom produzieren (turbinieren) als auch Wasser zur Speicherung hochpumpen können. Jede dieser Einheiten verfügt über eine installierte Leistung von 84 Megawatt, was einer Gesamtleistung von 168 MW entspricht.
- Vollumrichter-Technologie: Ein zentrales Merkmal ist der Einsatz von Frequenzumrichtern. Diese ermöglichen es, die Drehzahl der Maschinen variabel zu steuern. Dadurch kann die Leistung im Pumpbetrieb stufenlos angepasst und der Turbinenbetrieb wirkungsgradoptimiert gefahren werden, um präzise auf Schwankungen im Stromnetz zu reagieren:
- Regelungsbereich und Kapazität: Die Anlage weist einen Regelbereich von -100 % bis +100 % auf (hydraulischer Kurzschluss). Jede Pumpturbine kann pro Sekunde 35 Kubikmeter Wasser bewegen. Die nutzbare Fall- bzw. Förderhöhe liegt zwischen 83 und 174 Metern (nach einer geplanten Vergrösserung des Grimselsees bis zu 197 Meter).
- Systemische Lückenschliessung: Technisch gesehen schliesst Grimsel 4 einen Engpass im KWO-System. Während die Kapazitäten ober- und unterhalb bei 70 bis 100 m³/s liegen, konnten zwischen Grimselsee und Räterichsbodensee bisher nur 28 m³/s verarbeitet werden; Grimsel 4 erweitert diese Kapazität um zusätzliche 70 m³/s.
Bauphasen und zeitlicher Ablauf.
Der Bau von Grimsel 4 ist als mehrjähriges Grossprojekt konzipiert, das grösstenteils unterirdisch realisiert wird:
- Vorbereitende Arbeiten (Winter 2024/2025): Während einer Seespiegelabsenkung im Rahmen des Ersatzneubaus der Spitallamm-Staumauer wurde das Einlaufbauwerk für Grimsel 4 bereits im Voraus erstellt.
- Offizieller Baubeginn (Juni 2026): Nach dem Investitionsentscheid im März 2026 starten die Hauptarbeiten im Sommer 2026.
- Kavernenausbruch (Anfang 2028): Ein entscheidender Meilenstein ist der Beginn des Ausbruchs der Kraftwerkszentrale im Felsinnern zwischen den beiden Seen.
- Ganzjähriger Bau: Die Bauarbeiten werden über den gesamten Zeitraum hinweg auch im Winter fortgeführt.
- Inbetriebnahme (Februar 2032): Die geplante Fertigstellung und Aufnahme des Betriebs ist für Anfang 2032 vorgesehen.
Bauliche Komponenten und Infrastruktur.
Das gesamte Kraftwerk wird ohne zusätzliche Einstauflächen oder dauerhaft sichtbare oberirdische Bauwerke realisiert. Die unterirdische Infrastruktur umfasst:
- Kavernenzentrale: Eine Felshalle mit den Massen von ca. 76 x 24 x 42 Metern.
- Erschliessungsstollen: Ein Zugangsweg mit einer Länge von rund 1'800 Metern.
- Wasserstollen: Zwei Rohrsysteme (ober- und unterwasserseitiges Triebwassersystem) mit einer Länge von insgesamt ca. 1'200 Metern und einem Durchmesser von etwa 6 Metern.
- Weitere Anlagenteile: Ein Vertikalschacht (Schrägschacht), eine Drosselklappenkammer sowie spezifische Ein- und Auslaufbauwerke.
Durch die Nutzung kurzer Triebwasserwege und die Einbindung in bestehende KWO-Infrastrukturen (wie Versorgungsanlagen ab Gersteneck) kann das Projekt besonders effizient und landschaftsschonend umgesetzt werden.
Welche Rolle spielt der Vollumrichter für die Stabilität des Netzes?

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Der Vollumrichter (auch Frequenzumrichter genannt) spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität des Netzes, da er dem Kraftwerk Grimsel 4 eine hohe technologische Flexibilität verleiht. Seine Funktionen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Stufenlose Leistungsanpassung im Pumpbetrieb: Der Umrichter ermöglicht es, die Drehzahl der Maschinengruppe variabel zu verändern. Dadurch kann die Leistungsaufnahme im Pumpbetrieb stufenlos an den aktuellen Energieüberschuss im Netz angepasst werden, anstatt nur mit einer fixen Last zu fahren.
- Bereitstellung von Regelenergie: Durch den Einsatz dieser Technologie kann das Kraftwerk sowohl primäre als auch sekundäre Regelenergie produzieren. Diese Leistungen sind essenziell für die Stabilität des Hoch- und Höchstspannungsnetzes, um Schwankungen zwischen Produktion und Verbrauch unmittelbar auszugleichen.
- Reaktion auf Netzschwankungen: Da die Produktion durch den Umrichter präzise an die Stromnachfrage angepasst werden kann, ist das Kraftwerk in der Lage, äusserst flexibel auf Schwankungen im Stromnetz zu reagieren. Dies ist besonders wichtig, um die zunehmend volatile Produktion aus Solar- und Windanlagen auszubalancieren.
- Effizienz im Turbinenbetrieb: Neben den Vorteilen beim Pumpen sorgt der Vollumrichter auch dafür, dass die Maschinen im Turbinenbetrieb wirkungsgradoptimiert laufen, was die Effizienz der Stromerzeugung bei hoher Nachfrage steigert.
Der Vollumrichter fungiert als technisches Herzstück, das Grimsel 4 befähigt, als schnell reagierender Stabilisator im Schweizer Stromsystem zu agieren.
Wie genau funktioniert der hydraulische Kurzschluss bei diesen Pumpturbinen?
Der hydraulische Kurzschluss bei den Pumpturbinen von Grimsel 4 ist eine technische Betriebsart, die eine außergewöhnliche Flexibilität bei der Netzregulierung ermöglicht. Die Funktionsweise lässt sich wie folgt beschreiben:
- Erweiterter Regelbereich: Durch den hydraulischen Kurzschluss wird ein extrem breiter Regelbereich von -100 % bis +100 % abgedeckt. Das bedeutet, das Kraftwerk kann das gesamte Spektrum von maximalem Energiebezug (Pumpen) bis hin zur maximalen Energieerzeugung (Turbinieren) nahtlos bedienen.
- Zusammenspiel mit dem Vollumrichter: Ermöglicht wird diese präzise Steuerung durch den Einsatz eines sogenannten Vollumrichters (Frequenzumrichters). Dieser erlaubt es, die Drehzahl der Pumpturbinen variabel zu verändern.
- Stufenlose Leistungsanpassung: Während herkömmliche Pumpen oft nur mit einer fixen Leistung betrieben werden können, erlaubt die Kombination aus reversiblen Pumpturbinen und dem Umrichter, die Leistung im Pumpbetrieb stufenlos anzupassen. Dies ist entscheidend, um auf die volatile Produktion von Solar- und Windanlagen zu reagieren.
- Netzstabilität: In dieser Betriebsart kann das Kraftwerk hocheffizient primäre und sekundäre Regelenergie bereitstellen. Es fungiert somit als schnell reagierender Puffer, der Überschüsse im Netz sofort aufnehmen oder Defizite ausgleichen kann, was für die Stabilität des Höchstspannungsnetzes essenziell ist.
Der hydraulische Kurzschluss beschreibt bei diesem Projekt die Fähigkeit des Systems, dank modernster Steuerungstechnik die Pumpleistung so variabel zu regeln, dass sie jederzeit exakt dem aktuellen Überschuss im Stromnetz entspricht.
Wie hängen die Grimselsee-Vergrösserung und Grimsel 4 zusammen?
Die Projekte Grimsel 4 und die Grimselsee-Vergrösserung sind zwei zentrale, aber funktional unterschiedliche Pfeiler in der Ausbaustrategie der Kraftwerke Oberhasli (KWO). Ihr Zusammenhang lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
- Ergänzende Funktionen für die Energiewende: Während Grimsel 4 primär als kurzfristig abrufbare „Batterie“ dient, um die Flexibilität im Netz zu erhöhen und Schwankungen auszugleichen, zielt die Vergrösserung des Grimselsees (zusammen mit dem Trift-Projekt) darauf ab, die Speicherkapazität für die Produktion von Winterstrom massgeblich zu erhöhen.
- Technische Leistungssteigerung: Die Vergrösserung des Sees hat einen direkten Einfluss auf die technische Leistungsfähigkeit von Grimsel 4. Der Fall- bzw. Förderhöhenbereich der Pumpturbinen liegt aktuell zwischen 83 m und 174 m; nach der geplanten Vergrösserung des Grimselsees wird dieser Bereich auf 197 m ansteigen.
- Bauliche Synergien: Bei der Realisierung gab es bereits eine enge Verzahnung. Während der Absenkung des Grimselsees im Winter 2024/2025 – die im Rahmen des Projekts „Ersatz Staumauer Spitallamm“ erfolgte – wurde das Einlaufbauwerk für Grimsel 4 bereits vorbereitend erstellt. Diese Vorarbeit ermöglichte eine raschere und kosteneffizientere Umsetzung des Kraftwerksprojekts.
- Systemische Optimierung: Beide Vorhaben nutzen den Grimselsee als zentralen Speicher. Grimsel 4 schliesst dabei eine systemische Lücke zwischen dem Grimselsee und dem Räterichsbodensee, um das Wasser zwischen diesen beiden Becken effizienter und flexibler bewirtschaften zu können.
Grimsel 4 optimiert die kurzfristige Nutzung des Wassers zur Netzstabilität, während die See-Vergrösserung die langfristige Bevorratung von Energie für die Wintermonate sicherstellt.
Wie hängen das Projekt Trift und die Grimselsee-Vergrösserung damit zusammen?
Das Projekt Grimsel 4 bildet zusammen mit dem geplanten Trift-Stausee und der Grimselsee-Vergrösserung die zentralen Säulen der aktuellen Ausbaustrategie der Kraftwerke Oberhasli (KWO). Ihr Zusammenhang lässt sich in funktionaler, technischer und baulicher Hinsicht beschreiben:
- Ergänzung von Flexibilität und Kapazität: Während Grimsel 4 die Speicherwerke als „riesige Batterie“ kurzfristig leistungsfähiger macht und für die nötige Flexibilität im Netz sorgt, zielen der Trift-Stausee und die Vergrösserung des Grimselsees darauf ab, die Kapazität für die Produktion von Winterstrom massgeblich zu erhöhen.
- Technische Leistungssteigerung: Die Vergrösserung des Grimselsees hat eine direkte Auswirkung auf die technischen Parameter von Grimsel 4. Der Fall- bzw. Förderhöhenbereich der neuen Pumpturbinen liegt aktuell zwischen 83 m und 174 m; nach der Realisierung der See-Vergrösserung wird dieser Bereich auf 197 Meter ansteigen.
- Bauliche Synergien: Es gibt enge zeitliche und logistische Verknüpfungen. Im Rahmen des Projekts zum Ersatz der Spitallamm-Staumauer am Grimselsee wurde der See im Winter 2024/2025 abgesenkt. Diese Gelegenheit wurde genutzt, um das Einlaufbauwerk für Grimsel 4 bereits vorab zu erstellen, was die Umsetzung des neuen Kraftwerks rascher und kosteneffizienter macht.
- Systemische Optimierung: Gemeinsam dienen diese Projekte dazu, die gesamte Kraftwerkskaskade der KWO besser aufeinander abzustimmen. Grimsel 4 schliesst dabei eine spezifische Lücke im Wasserhaushalt zwischen Grimselsee und Räterichsbodensee, während die anderen Projekte das Gesamtvolumen der verfügbaren Energie erhöhen.
Grimsel 4 sichert die Netzstabilität und kurzfristige Flexibilität, während Trift und die See-Vergrösserung die langfristige Energiebevorratung für den Winter stärken.
Wie funktioniert die Amortisationsvereinbarung mit dem Kanton Bern?
Die Amortisationsvereinbarung mit dem Kanton Bern ist eine zentrale wirtschaftliche Absicherung für das Projekt Grimsel 4. Sie funktioniert nach folgendem Prinzip:
- Lange Abschreibungsdauer vs. kurze Konzessionslaufzeit: Die Investition von rund 300 Millionen Franken in Grimsel 4 rechnet sich für die Kraftwerke Oberhasli (KWO) nur, wenn sie über einen Zeitraum von etwa 46 Jahren abgeschrieben werden kann. Die aktuelle Gesamtkonzession der KWO läuft jedoch bereits Ende 2041 aus.
- Schutz bei Heimfall: Falls der Kanton Bern nach Ablauf der Konzession von seinem Heimfallrecht Gebrauch macht – das Kraftwerk also vorzeitig übernimmt –, verpflichtet sich der Kanton durch die Vereinbarung, der KWO den noch nicht abgeschriebenen Teil der Investition zu bezahlen.
- Investitionssicherheit: Diese Regelung schützt die Investitionen der Aktionäre (BKW, ewz, ewb, IWB) auch bei einem allfälligen Heimfall. Ohne diese Vereinbarung hätten die Aktionäre den Bauentscheid vermutlich erst nach einer Konzessionserneuerung fällen können.
- Gültigkeit: Sollte die Konzession für die Wassernutzung nach 2041 erneut an die KWO vergeben werden, wird die Amortisationsvereinbarung obsolet.
- Politischer Status: Der bernische Grosse Rat hat diese Vereinbarung in der Frühlingssession 2026 genehmigt, um den Ausbau der Wasserkraft und die Planungssicherheit zu unterstützen.
Die Vereinbarung stellt sicher, dass die KWO trotz der unsicheren Konzessionslage nach 2041 nicht auf den Restkosten der Anlage sitzen bleibt, was den sofortigen Investitionsentscheid überhaupt erst ermöglichte.
Wie ist die Finanzierung und die Eigentümerstruktur der KWO geregelt?
Die Eigentümerstruktur der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) ist seit ihrer Gründung im Jahr 1925 fest geregelt und teilt sich auf vier öffentlich-rechtliche Partner auf, welche auch die Finanzierung von Grossprojekten wie Grimsel 4 tragen.
Eigentümerstruktur der KWO.
Die Beteiligungsverhältnisse präsentieren sich wie folgt:
- BKW Energie AG: Hält 50 % der Anteile am Unternehmen.
- Industrielle Werke Basel (IWB): Hält 16,6 % (bzw. ein Sechstel).
- Energie Wasser Bern (ewb): Hält 16,6 % (bzw. ein Sechstel).
- Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz): Hält ebenfalls 16,6 % (bzw. ein Sechstel).
Die drei Stadtwerke Basel, Bern und Zürich teilen sich somit die zweite Hälfte des Unternehmens zu gleichen Teilen.
Finanzierung des Projekts Grimsel 4.
Die Finanzierung für das neue Pumpspeicherkraftwerk ist durch folgende Eckpunkte gekennzeichnet:
- Investitionssumme: Der Verwaltungsrat der KWO hat einen Investitionsentscheid über rund 300 Millionen Franken gefällt.
- Rolle der Aktionäre: Die Stadt Zürich sowie die BKW als grösste Aktionärin haben das Projekt massgeblich vorangetrieben und unterstützen den Bau als wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Flexibilität des Stromnetzes.
- Wirtschaftliche Absicherung: Ein zentrales Element der Finanzierung ist die Amortisationsvereinbarung mit dem Kanton Bern. Da sich die Investition über etwa 46 Jahre amortisieren muss, die aktuelle Konzession aber bereits Ende 2041 ausläuft, sichert diese Vereinbarung die Investitionen der Aktionäre ab. Falls der Kanton das Kraftwerk bei Konzessionsablauf vorzeitig übernimmt (Heimfall), muss er der KWO den noch nicht abgeschriebenen Teil der Investition bezahlen.
Diese Struktur ermöglicht es der KWO, trotz der langen Abschreibungsdauer und der auslaufenden Konzessionen, langfristige Infrastrukturprojekte ohne finanzielles Risiko für die Eigentümer bei einem allfälligen Heimfall zu realisieren.
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Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quellenverzeichnis (April 2026).
In diesem Artikel geht es um den beschlossenen Bau des neuen Pumpspeicherkraftwerks Grimsel 4, für das die Kraftwerke Oberhasli (KWO) rund 300 Millionen Franken investieren. Das Projekt sieht vor, zwischen dem Grimselsee und dem Räterichsbodensee eine vollständig unterirdische Anlage zu errichten, um die Flexibilität der Schweizer Stromversorgung deutlich zu erhöhen. Ab Juni 2026 sollen die mehrjährigen Bauarbeiten beginnen, wobei zwei leistungsstarke Pumpturbinen künftig Produktionsschwankungen von Wind- und Solarenergie ausgleichen werden. Durch die technische Verbindung der beiden Seen wird ein bestehender Engpass beseitigt, was eine effizientere Nutzung der vorhandenen Wasserkraftreserven ermöglicht. Da sämtliche Installationen im Berginneren realisiert werden, bleibt das geschützte Landschaftsbild der Alpen nahezu unberührt. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Kraftwerks ist nach derzeitigem Planungsstand für den Februar 2032 vorgesehen.
Diverse Quellen (Zeitungsberichte).
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