Treuhänderische Pflicht (Fiduciary Duty) von Investoren bei Klimarisiken und Fehlinvestitionen in fossile Märkte.
24.04.2026
Finanzmärkte werden zunehmend durch die Einordnung des Klimawandels als materielles und systemisches Finanzrisiko auf die damit verbundenen Gefahren aufmerksam gemacht. Ein zentraler Mechanismus hierbei ist die Diskussion um die treuhänderische Pflicht (Fiduciary Duty) von Investoren, wie sie in einem Bericht der „Netzero Lawyers Alliance“ dargelegt wird. Der Verzicht auf fossile Expansionen trotz staatlicher Genehmigung wird als notwendige Zukunftssicherung und Erfüllung der treuhänderischen Sorgfaltspflicht gewertet. Klimaschutz ist aus Sicht der Finanzmärkte kein rein ökologisches Thema, sondern eine notwendige Risikomanagement-Strategie zur Sicherung der globalen Finanzstabilität.
Aufmerksamkeit für Klimarisiken in den Finanzmärkten.
Wie diese Sensibilisierung erfolgt und welche Konsequenzen bei Missachtung drohen:
- Systemische Risiken: Klimarisiken werden als „System-Level-Risiken“ begriffen, die über einzelne Vermögenswerte hinaus das gesamte Portfolio und die Realwirtschaft betreffen. Dazu gehören physische Schäden durch Wetterextreme, Übergangsrisiken (Transition Risks) und Haftungsrisiken.
- Fünf Handlungsprinzipien: Der Bericht schlägt vor, dass Investoren keine neuen fossilen Projekte finanzieren, Klimarisiken (wie Stranded Assets) vollständig in Renditeberechnungen einbeziehen, in Klimaschutz investieren, aktives Stewardship (Stimmrechte nutzen) betreiben und sich für eine wirksame Klimapolitik einsetzen sollten.
- Strukturelle Unterschätzung: Aktuell werden Klimarisiken oft noch unterschätzt, da Märkte einer Kurzfristlogik folgen, Kipppunkte in Modellen vernachlässigen oder im sogenannten „Gefangenendilemma“ verharren, bei dem jeder darauf wartet, dass ein anderer den ersten Schritt macht.
Konsequenzen bei Fehlinformationen und Missachtung.
Wenn Klimarisiken ignoriert oder durch Fehlinformationen in fossilen Märkten verschleiert werden, ergeben sich weitreichende Konsequenzen:
- Pflichtverletzung: Das Ignorieren von systemischen Rückkopplungen des Klimawandels kann als eine Verletzung der treuhänderischen Sorgfalts- und Loyalitätspflicht gewertet werden, da Investoren verpflichtet sind, im besten Interesse ihrer Begünstigten zu handeln.
- Massive Vermögensverluste: In einem „Business as usual“-Szenario (ca. 3 Grad Erwärmung) wird vor potenziellen Vermögensverlusten von über 40 % gewarnt. Dies betrifft direkt die Renditen von Renten, Lebensversicherungen und Pensionskassen.
- Haftungs- und Rechtsrisiken: Es entstehen explizite Haftungs- und Litigationsrisiken für Treuhänder, die absehbare und finanzrelevante Klimarisiken nicht ausreichend berücksichtigen.
- Finanzielle Instabilität: Langfristig droht eine Destabilisierung des gesamten Finanzsystems, da die Realwirtschaft (Infrastruktur, Lieferketten, Gesundheit) durch den ungebremsten Klimawandel geschädigt wird.
Klimaschutz ist aus Sicht des Risikomanagements keine politische Entscheidung, sondern eine finanzielle Pflicht, um die Zukunftssicherung der Anleger zu gewährleisten.
Welche Rolle spielen Finanzmärkte und Treuhandpflichten beim Klimaschutz?
Finanzmärkte und treuhänderische Pflichten (Fiduciary Duties) spielen eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz, da sie als mächtiger Hebel fungieren können, um die Energiewende massiv zu beschleunigen oder auszubremsen.

Treuhandpflichten als Verpflichtung zum Klimaschutz.
Ein zentraler Bericht der „Netzero Lawyers Alliance“ legt dar, dass Klimaschutz für Investoren keine rein politische Entscheidung, sondern eine finanzielle Pflicht ist.
- Materielles Risiko: Das Klimarisiko wird mittlerweile als materielles und systemisches Finanzrisiko eingestuft.
- Pflichtverletzung: Wer absehbare Klimarisiken ignoriert, verletzt seine treuhänderische Sorgfalts- und Loyalitätspflicht, da er nicht im besten Interesse der Begünstigten handelt.
- Fünf Handlungsprinzipien: Investoren sollten keine neuen fossilen Projekte finanzieren, Klimarisiken (wie Stranded Assets) vollständig einpreisen, in den Klimaschutz investieren, aktives Stewardship (Stimmrechte nutzen) betreiben und eine wirksame Klimapolitik unterstützen.
Finanzmärkte als Hebel (Leverage).
Finanzmärkte sind nicht nur ein Spiegel der Wirtschaft, sondern ein aktiver Hebel für Veränderungen:
- Kapitalkosten: Wenn grosse Anleger die Finanzierung fossiler Expansionen einstellen, steigen dort die Kapitalkosten, während saubere Technologien wettbewerbsfähiger werden.
- Unternehmensstrategie: Über Stewardship und Transitionspläne können Investoren direkt Einfluss auf die Strategien von Unternehmen ausüben.
- Beschleunigungseffekt: Die konsequente Umsteuerung von Kapital wird als „riesiger Beschleunigungshebel“ für die Energiewende bezeichnet.
Risikomanagement und Systemstabilität.
Das Ignorieren des Klimawandels führt zu einer kollektiven Selbstschädigung des Marktes:
- Systemlevel-Risiken: Klimaschäden betreffen nicht nur einzelne Anlagen, sondern das gesamte Portfolio und die Realwirtschaft (Infrastruktur, Lieferketten, Gesundheit).
- Vermögensverluste: In einem „Business as usual“-Szenario (ca. 3 Grad Erwärmung) drohen potenzielle Vermögensverluste von über 40 %, was direkt die Renditen von Renten und Lebensversicherungen gefährdet.
- Modellkritik: Es wird kritisiert, dass viele aktuelle Finanzmodelle Klimarisiken strukturell unterschätzen, da sie Kipppunkte und kaskadierte Effekte oft unzureichend abbilden.
Das Gefangenendilemma überwinden.
Aktuell verharren viele Akteure in einem sogenannten „Climate Prisoners Dilemma“: Einzelne Massnahmen erscheinen wirkungslos, solange andere weiter in Fossiles investieren. Die Neudefinition der Treuhandpflichten kann hier als Koordinationsmechanismus dienen, um dieses Dilemma zu brechen und Investoren kollektiv zu risikoreduzierendem Handeln zu bewegen.
Warum werden Klimarisiken in Finanzmodellen oft strukturell unterschätzt?
Klimarisiken werden in aktuellen Finanzmodellen aus mehreren Gründen strukturell unterschätzt, was laut den Quellen zu einer gefährlichen Fehlbewertung führt. Die wesentlichen Faktoren dafür sind:
Typische Marktverzerrungen.
Es gibt drei zentrale Verzerrungen, die dazu führen, dass Risiken nicht angemessen abgebildet werden:
- Kurzfristlogik: Finanzmärkte tendieren dazu, langfristige Schäden sehr stark zu diskontieren, wodurch sie in der aktuellen Bewertung fast verschwinden.
- Scheinpräzision: Risiken, die sich leicht in Zahlen fassen lassen (wie der CO2-Preis), werden in Modellen übergewichtet. Schwieriger zu quantifizierende Faktoren wie Kipppunkte (Tipping Points), kaskadierende Effekte oder der Rückzug von Versicherungen aus bestimmten Sektoren werden hingegen unterschätzt.
- Gefangenendilemma: Da viele Investoren darauf warten, dass andere den ersten Schritt machen, investieren sie weiterhin in fossile Geschäftsmodelle, was das kollektive Risiko immer weiter vergrössert.
Defizite in den verwendeten Modellen.
Kritisiert wird insbesondere die Orientierung an veralteten oder unzureichenden Klimamodellen:
- Glatte Schadensfunktionen: Sogenannte „Integrated Assessment Modelle“ (wie das DICE-Modell) arbeiten oft mit zu linearen oder „glatten“ Schadensfunktionen, die die tatsächliche Dynamik des Klimawandels nicht abbilden.
- Vernachlässigung von Extremrisiken: Diese Modelle können Kipppunkte und sogenannte Tail-Risiken (extreme, aber folgenschwere Ereignisse) nur unzureichend integrieren.
- Falsche Sicherheit: Die Modelle behandeln den Klimawandel oft als ein fein regulierbares Kosten-Nutzen-Problem, anstatt ihn als Risikomanagement unter Unsicherheit mit potenziell irreversiblen Schäden zu begreifen.
Fehlende Berücksichtigung systemischer Effekte.
In der Praxis findet häufig eine rein assetspezifische Rechnung statt, bei der nur die Risiken für ein einzelnes Projekt (z. B. Preisrisiken oder Stranded Assets) betrachtet werden. Dabei werden jedoch die portfolio-weiten Spillover-Effekte ignoriert: Jedes neue fossile Projekt verstärkt den Klimawandel und schädigt dadurch die Realwirtschaft – etwa durch Zerstörung von Infrastruktur oder Unterbrechung von Lieferketten – was letztlich alle Anlagen im Portfolio trifft.
Diese Faktoren führen zu einer „trügerischen Optimierung“, bei der die tatsächliche Gefahr für die Finanzstabilität und die Renditen (z. B. von Renten und Lebensversicherungen) massiv verkannt wird.
Was ist der Unterschied zwischen physischen Risiken und Übergangsrisiken?
Basierend auf den Quellen lassen sich physische Risiken und Übergangsrisiken (Transition Risks) als zwei zentrale Kategorien von Klimarisiken unterscheiden, die beide als sogenannte System-Level-Risiken das gesamte Finanzsystem und die Realwirtschaft betreffen.
Physische Risiken (Physische Schäden).
Diese Risiken beziehen sich auf die direkten materiellen und physikalischen Auswirkungen, die durch die Erderwärmung und extreme Wetterereignisse verursacht werden.
- Konkrete Beispiele: Dazu gehören Ereignisse wie Überschwemmungen, Waldbrände und die Zerstörung von Infrastruktur.
- Betroffene Bereiche: Sie schädigen unmittelbar die Realwirtschaft, indem sie Lieferketten unterbrechen, die Landwirtschaft beeinträchtigen oder Auswirkungen auf die Gesundheit haben.
- Besonderheit: Physische Risiken umfassen auch Kipppunkte (Tipping Points) und Kaskadeneffekte, die zu plötzlichen Systemschocks führen können. Diese Risiken sind laut den Quellen „nicht weg-diversifizierbar“.
Übergangsrisiken (Transition Risks).
Diese Risiken entstehen durch den gesellschaftlichen, rechtlichen und technologischen Wandel hin zu einer dekarbonisierten Wirtschaft.
- Regulatorik und CO2-Preise: Ein zentrales Beispiel ist die CO2-Bepreisung, wie der ab 2027 greifende EU ETS2 für Gebäude und Verkehr, der fossile Energieträger massiv verteuern wird. Auch Gesetze wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) oder EU-Richtlinien (wie die EPBD) schaffen neue Rahmenbedingungen, die bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzen.
- Stranded Assets: Ein wesentliches Übergangsrisiko ist das Entstehen von wertlos gewordenen Vermögenswerten (Stranded Assets). Dies betrifft zum Beispiel Investitionen in neue Öl- oder Gasfelder sowie fossile Heizungstechnik, die durch strengere Klimavorgaben vorzeitig unrentabel werden.
- Marktwahrnehmung: Übergangsrisiken lassen sich oft leichter in Zahlen fassen (z. B. CO2-Preis), was in Finanzmodellen manchmal zu einer „Scheinpräzision“ führt, während physische Extremrisiken eher unterschätzt werden.
Zusammenwirken der Risiken.
Beide Risikoarten hängen eng zusammen: Wenn Investoren Übergangsrisiken ignorieren und weiterhin in fossile Projekte investieren, erhöht dies kollektiv die Wahrscheinlichkeit für massive physische Schäden in der Zukunft. In einem „Business as usual“-Szenario (ca. 3 Grad Erwärmung) wird vor einem potenziellen Vermögensverlust von über 40 % gewarnt, während die Verluste bei einer konsequenten Dekarbonisierung deutlich geringer ausfallen würden.
Was sind die Gefahren der Altmaier-Delle für Solar-Investitionen?
Die sogenannte „Altmaier-Delle“ dient als warnendes historisches Beispiel für die negativen Folgen abrupt gestoppter oder gekürzter Förderungen im Bereich der Solarenergie.
Die zentralen Gefahren einer solchen Entwicklung für Solar-Investitionen sind:
- Destabilisierung ganzer Industriezweige: In der Vergangenheit haben schnelle Förderkürzungen dazu geführt, dass bereits etablierte Industriezweige destabilisiert wurden.
- Massive Investitionsabbrüche: Wenn Fördermedien wie die Einspeisevergütung oder die Solarförderung in einer Phase mit extrem hohem Ausbaubedarf abrupt verändert werden, riskieren die Märkte den Abbruch laufender und geplanter Investitionsprojekte.
- Unaufholbare Ausbaulücken: Da die Solarenergie aktuell der wichtigste Wachstumstreiber ist, um das Ziel von 80 % erneuerbaren Energien bis 2030 zu erreichen, würde ein erneutes Ausbremsen eine Lücke reissen, die kaum noch aufzuholen wäre.
- Verlust von Planungssicherheit: Ähnlich wie beim Gebäudeenergiegesetz (GEG) führt das „Hin und Her“ in der politischen Diskussion zu einer Verunsicherung des Marktes, was energiepolitisch als kontraproduktiv eingestuft wird.
Können Investoren fossile Investitionen durch staatliche Genehmigungen rechtfertigen?
Investoren können fossile Investitionen nicht allein durch staatliche Genehmigungen rechtfertigen, da dies ihre grundlegenden treuhänderischen Pflichten (Fiduciary Duties) verletzen kann.
Warum staatliche Genehmigungen kein Freibrief für fossile Investitionen sind:
- Vorrang der Treuhandpflicht: Investoren sind rechtlich verpflichtet, im besten Interesse ihrer Begünstigten (z. B. Renten- und Versicherungskunden) zu handeln. Da das Klimarisiko inzwischen als materielles und systemisches Finanzrisiko eingestuft wird, stellt das Ignorieren dieser Risiken eine Pflichtverletzung dar – unabhängig davon, ob ein Projekt staatlich genehmigt ist oder nicht.
- Risikomanagement statt Politik: Klimaschutz wird in diesem Kontext nicht als politische Entscheidung, sondern als eine finanzielle Pflicht im Rahmen des Risikomanagements begriffen. Wenn ein Projekt zwar genehmigt ist, aber das Systemrisiko erhöht oder die Wahrscheinlichkeit von Stranded Assets (wertlos werdenden Vermögenswerten) steigert, ist der Verzicht auf die Finanzierung aus ökonomischer Sicht rational.
- Kollektive Selbstschädigung: Auch wenn ein fossiles Investment kurzfristig profitabel erscheint, führt es kollektiv zu massiven Schäden an der Realwirtschaft und destabilisiert das System, in dem Finanzmärkte operieren. Investoren dürfen das System, auf dem ihr Erfolg basiert, nicht durch ihre Handlungen gefährden.
- Portfolio-weite Effekte: Staatliche Genehmigungen für Einzelprojekte berücksichtigen oft nicht die Spillover-Effekte auf das gesamte Portfolio eines Investors. Jede zusätzliche fossile Finanzierung verstärkt den Klimawandel und schädigt damit Infrastruktur, Lieferketten und die Gesundheit – Faktoren, die letztlich die Renditen aller Anlagen im Portfolio mindern.
Investoren entscheiden selbst, was sie finanzieren. Der Verzicht auf fossile Expansionen trotz staatlicher Genehmigung wird als notwendige Zukunftssicherung und Erfüllung der treuhänderischen Sorgfaltspflicht gewertet.
Was sind die Unterschiede zwischen Outside-In und Inside-Out Risiken?
Die Unterscheidung zwischen Outside-In- und Inside-Out-Risiken ist ein zentraler Bestandteil des Berichts der „Netzero Lawyers Alliance“ zur Neudefinition treuhänderischer Pflichten im Finanzsektor.
Outside-In-Risiken (Risiko für das Portfolio).
Dieser Begriff beschreibt die klassischen finanziellen Risiken, die durch den Klimawandel von aussen auf ein Investmentportfolio einwirken.
- Fokus: Wie gefährdet der Klimawandel den Wert der Anlagen?
- Beispiele: Dazu gehören physische Schäden an Assets (z. B. durch Waldbrände oder Überschwemmungen), Übergangsrisiken wie die CO2-Bepreisung oder das Risiko von „Stranded Assets“, also Vermögenswerten, die durch neue Klimagesetze wertlos werden.
- Ziel: Der Investor möchte primär sein eigenes Kapital vor klimabedingten Verlusten schützen.
Inside-Out-Risiken (Wirkung des Portfolios auf das Klima).
Dieser Begriff beschreibt die Auswirkungen, die ein Portfolio bzw. die finanzierten Projekte auf das Klima und die Umwelt haben:
- Fokus: Wie trägt die Anlagetätigkeit zur Erderwärmung bei?
- Beispiel: Wenn ein Investor ein neues Öl- oder Gasfeld finanziert, ist dies eine Inside-Out-Wirkung, da dieses Projekt zusätzliche Emissionen verursacht und damit den globalen Klimawandel vorantreibt.
- Bisherige Sichtweise: In der Vergangenheit wurde dies oft als rein ethische oder politische Frage betrachtet, die nicht zwingend Teil der finanziellen Sorgfaltspflicht war.
Der entscheidende Zusammenhang: Systemische Rückkopplung.
Die Quellen betonen, dass diese beiden Perspektiven nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürfen, da sie eine systemische Rückkopplung erzeugen:
- Kollektive Selbstschädigung: Jedes Inside-Out-Handeln (z. B. die Finanzierung fossiler Expansion) verstärkt den Klimawandel.
- Spillover-Effekte: Dieser verstärkte Klimawandel führt wiederum zu massiven Outside-In-Risiken für das gesamte Portfolio, da die Schäden an der Realwirtschaft (Infrastruktur, Lieferketten, Gesundheit) die Renditen aller Anlagen mindern.
- Pflichtverletzung: Wer diese Rückkopplungen ignoriert, begeht laut dem Bericht eine Pflichtverletzung, da er durch sein Handeln das System destabilisiert, in dem er operiert, und somit langfristig die Interessen der Begünstigten (z. B. Rentenempfänger) schädigt.
Treuhänder müssen heute beide Richtungen mitdenken, da das Klimarisiko ein „System-Level-Risiko“ ist, das nicht einfach durch Diversifikation innerhalb eines Portfolios aufgelöst werden kann.
Welche ökonomischen Annahmen kippen bei einem 3-Grad-Szenario?
In einem 3-Grad-Szenario (oft als „Business as usual“-Pfad bezeichnet) geraten fundamentale ökonomische Annahmen ins Wanken, da der Klimawandel in diesem Bereich keine linearen Schäden mehr verursacht, sondern in Systemschocks übergeht.
Folgende zentrale ökonomische Annahmen und Pfeiler „kippen“ in einem solchen Szenario:
- Produktivität: Die Annahme einer stabilen oder wachsenden Produktivität ist nicht mehr haltbar, wenn klimatische Extremereignisse die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigen.
- Lieferketten: Globale und lokale Lieferketten, die auf stabilen klimatischen und infrastrukturellen Bedingungen basieren, kollabieren oder werden durch Kaskadeneffekte unzuverlässig.
- Versicherbarkeit: Eine der kritischsten Annahmen ist die Versicherbarkeit von Assets. In einem 3-Grad-Szenario können Risiken so gross und unvorhersehbar werden, dass Versicherungen sich aus ganzen Sektoren oder Regionen zurückziehen, was die wirtschaftliche Stabilität untergräbt,.
- Infrastrukturverfügbarkeit: Die physische Integrität und Verfügbarkeit notwendiger Infrastruktur (Energie, Verkehr, Gebäude) kann durch gehäufte Extremwetterereignisse nicht mehr garantiert werden.
Warum diese Annahmen versagen.
Herkömmliche Finanzmodelle (wie Integrated Assessment Modelle) unterschätzen diese Risiken oft, da sie mit zu „glatten“ Schadensfunktionen arbeiten. In der Realität führen jedoch Kipppunkte und Kaskadeneffekte dazu, dass die Schäden sprunghaft ansteigen.
Dies führt zu massiven finanziellen Konsequenzen:
In einem solchen Szenario wird mit einem potenziellen Vermögensverlust von über 40 % (Net Present Value) gerechnet.
Das Problem wird nicht mehr als „fein regulierbares Kosten-Nutzen-Problem“ wahrgenommen, sondern als ein Risikomanagement unter massiver Unsicherheit mit potenziell irreversiblen Schäden.
Ein 3-Grad-Szenario entzieht die Basis für stabiles Wirtschaften, da die physischen Klimarisiken die Realwirtschaft so stark schädigen, dass die darauf aufbauenden Finanzmärkte und Renditeerwartungen (z. B. für Renten und Versicherungen) nicht mehr erfüllbar sind.
Welche Gefahren entstehen durch sogenannte Stranded Assets für das Finanzsystem?
Stranded Assets (entwertete Vermögenswerte) stellen eine erhebliche Gefahr für das Finanzsystem dar, da sie das Potenzial haben, massive Vermögensverluste auszulösen und die Stabilität von Anlageformen wie Renten und Versicherungen zu untergraben.
Spezifischen Gefahren, die durch Stranded Assets entstehen.
Direkte finanzielle Verluste (ROI).
Stranded Assets sind Vermögenswerte, die aufgrund regulatorischer Änderungen, technologischer Fortschritte oder physikalischer Klimafolgen vorzeitig ihren wirtschaftlichen Wert verlieren:
- Fehlkalkulation: Wenn Investoren Klimarisiken und das Risiko einer vorzeitigen Entwertung nicht vollständig in ihre Renditeberechnungen (Return on Investment) einbeziehen, drohen plötzliche und unvorhergesehene Wertminderungen.
- Beispiel Heizungssektor: Wer heute noch in fossile Heiztechnik investiert, geht ein hohes Preisrisiko ein, da europäische Gesetze wie der EU ETS2 (CO2-Preis für Gebäude ab 2027) und die Gebäuderichtlinie (EPBD) diese Anlagen wirtschaftlich unattraktiv machen und somit „stranden“ lassen können.
Systemische Spillover-Effekte.
Eine der grössten Gefahren liegt darin, dass Stranded Assets nicht isoliert betrachtet werden können:
- Portfolio-weite Schäden: Jedes zusätzliche fossile Projekt, das finanziert wird, verstärkt den Klimawandel. Dies führt zu physischen Schäden an der Realwirtschaft (z. B. Infrastruktur, Lieferketten, Landwirtschaft), was wiederum den Wert unzähliger anderer Anlagen im Portfolio mindert.
- Nicht-diversifizierbare Risiken: Da der Klimawandel ein „System-Level-Risiko“ ist, können diese Verluste nicht durch Streuung des Portfolios (Diversifikation) vermieden werden.
Gefahr für die allgemeine Finanzstabilität.
Stranded Assets betreffen nicht nur Grossinvestoren, sondern haben direkte Auswirkungen auf die breite Bevölkerung:
- Renten und Versicherungen: Da das Kapital von Bürgern massiv in Renten, Lebensversicherungen und Pensionskassen steckt, gefährden wertlos werdende fossile Anlagen direkt die Stabilität dieser Systeme und die Höhe der späteren Auszahlungen.
- Massive Vermögensverluste: In einem Szenario ohne konsequenten Klimaschutz (Business as usual) wird vor einem potenziellen Vermögensverlust von über 40 % gewarnt, was durch das Platzen von „fossilen Blasen“ und die Entwertung von Assets ausgelöst werden kann.
Strukturelle Unterschätzung durch Marktakteure.
Die Gefahr wird dadurch verschärft, dass die Kapitalmärkte diese Risiken aktuell strukturell unterschätzen:
- Kurzfristlogik: Märkte tendieren dazu, langfristige Entwertungsrisiken zu ignorieren.
- Trügerische Sicherheit: Die Orientierung an veralteten Klimamodellen erzeugt eine „trügerische Optimierung“, die das Risiko von Systemschocks und plötzlichen Entwertungen (Tail Risks) unzureichend abbildet.
Stranded Assets können wie ein „Sprengsatz“ im Finanzsystem wirken: Wenn der Übergang zur klimaneutralen Wirtschaft zu langsam oder unkoordiniert erfolgt, drohen abrupte Preiskorrekturen und kaskadierende Verluste, die die gesamte wirtschaftliche Stabilität gefährden.
Welche 3 Verzerrungen führen zur Unterschätzung von Klimarisiken?
Es gibt drei typische Verzerrungen, die dazu führen, dass Klimarisiken an den Kapitalmärkten aktuell strukturell unterschätzt werden:
- Kurzfristlogik: Finanzmärkte tendieren dazu, langfristige Schäden sehr stark zu diskontieren. Durch diese Fokusverschiebung auf kurzfristige Renditen werden die massiven, aber zeitlich weiter entfernten Folgen des Klimawandels in aktuellen Bewertungen kaum angemessen berücksichtigt.
- Scheinpräzision: Risiken, die sich leicht in Zahlen ausdrücken lassen – wie etwa ein konkreter CO2-Preis –, werden in Finanzmodellen oft übergewichtet. Im Gegenzug werden komplexere, schwerer zu quantifizierende Gefahren wie Kipppunkte (Tipping Points), Kaskadeneffekte oder der Rückzug von Versicherungen aus bestimmten Sektoren unterschätzt, obwohl diese systementscheidend sein können.
- Gefangenendilemma: Da viele Investoren darauf warten, dass andere den ersten Schritt machen, verharren sie in fossilen Geschäftsmodellen. Dieses kollektive Zögern führt dazu, dass das Gesamtrisiko für das Finanzsystem immer weiter anwächst.
Diese führen Verzerrungen dazu, dass die bequeme Annahme, man agiere lediglich als passiver Marktteilnehmer („Marketaker“), die tatsächliche Gefahr für die Finanzstabilität verdeckt. Dies ist besonders kritisch, da bei einer Erwärmung um 3 Grad Celsius potenzielle Vermögensverluste von über 40 % drohen.
Welche Kritik gibt es am Integrated Assessment Modell?
Das Integrated Assessment Modell (IAM) wird, wie beispielsweise das bekannte DICE-Modell, massiv kritisiert, da es die tatsächlichen Risiken des Klimawandels unzureichend abbildet.
Die zentrale Kritik umfasst folgende Punkte:
- Glatte Schadensfunktionen: Die Modelle arbeiten oft mit viel zu „glatten“ Schadensfunktionen. Das bedeutet, sie gehen von linearen Entwicklungen aus und vernachlässigen, dass Klimaschäden sprunghaft und unvorhersehbar ansteigen können.
- Mangelnde Berücksichtigung von Extremrisiken: Kipppunkte (Tipping Points), Kaskadeneffekte und sogenannte Tail-Risks (seltene, aber katastrophale Ereignisse) werden in diesen Modellen nur unzureichend dargestellt.
- Hohe Diskontierung: Durch eine oft hohe Diskontierung werden Schäden, die erst in der Zukunft auftreten, in der heutigen Berechnung stark abgewertet, was die Dringlichkeit des Handelns verschleiert.
- Trügerische Optimierung: Die Modelle erzeugen laut Claudia Kemfert eine „trügerische Optimierung“. Sie lassen den Klimawandel wie ein „fein regulierbares Kosten-Nutzen-Problem“ für Politik und Finanzmärkte erscheinen, anstatt ihn als das zu behandeln, was er ist: ein Risikomanagement unter massiver Unsicherheit mit potenziell irreversiblen Schäden.
- Historische Abweichungen: Ein Rückblick auf frühere Modellrechnungen zeigt eine hohe Abweichung zwischen den damaligen Szenarien und den tatsächlich eingetretenen Entwicklungen, was die Zuverlässigkeit dieser veralteten Modelle in Frage stellt.
Die Quellen warnen vor einer falschen Sicherheit, die durch diese Modelle suggeriert wird, da sie die Komplexität und die systemischen Gefahren der atmosphärischen Physik nicht angemessen erfassen.
Was genau ist das Climate Prisoners Dilemma für Investoren?
Das „Climate Prisoners Dilemma“ (Klima-Gefangenendilemma) beschreibt eine Situation auf den Finanzmärkten, in der Investoren in einer Art kollektiven Lähmung verharren, obwohl ein Umsteuern für alle Beteiligten langfristig wirtschaftlich rationaler wäre.
Zentralen Merkmale dieses Dilemmas:
- Das Verhalten als „Marketaker“: Investoren nehmen oft eine passive Rolle ein und warten darauf, dass andere den ersten Schritt machen. Einzelne, ambitionierte Klimaschutzmassnahmen erscheinen dem einzelnen Investor wirkungslos oder sogar wettbewerbsschädigend, solange der Rest des Marktes nicht mitzieht.
- Kurzfristige Profitabilität vs. kollektive Selbstschädigung: Auf kurze Sicht erscheint das Investment in fossile Geschäftsmodelle profitabel. Wenn jedoch die Mehrheit der Investoren so handelt, führt dies zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Das Pariser Klimaziel wird verfehlt, was systemische Risiken wie Kipppunkte und Kaskadeneffekte auslöst. Dieses kollektive Verhalten wird in den Quellen als „kollektive Selbstschädigung“ bezeichnet, da die daraus resultierenden Klimaschäden letztlich alle Portfolios und die gesamte Realwirtschaft massiv treffen.
- Strukturelle Unterschätzung: Das Dilemma wird dadurch verschärft, dass Märkte einer Kurzfristlogik folgen und langfristige Schäden stark diskontieren. Das Risiko wird so lange ignoriert, bis es zu spät ist, um gegenzusteuern.
- Massive Vermögensverluste: Die Folge dieses Dilemmas ist in einem „Business as usual“-Szenario (ca. 3 Grad Erwärmung) ein potenzieller Vermögensverlust von über 40 %.
- Lösungsansatz: Um dieses Dilemma zu durchbrechen, schlägt der Bericht der „Netzero Lawyers Alliance“ vor, die treuhänderische Pflicht (Fiduciary Duty) als Koordinationsmechanismus zu nutzen. Wenn Klimaschutz als finanzielle Pflicht zur Risikominimierung begriffen wird, sind Investoren verpflichtet, kollektiv zu handeln, um das System, in dem sie operieren, nicht zu destabilisieren.
Was sind Stranded Assets und warum sind sie ein Risiko?
Stranded Assets sind Vermögenswerte, die vorzeitig ihren wirtschaftlichen Wert verlieren oder unrentabel werden, noch bevor ihre ursprüngliche wirtschaftliche Lebensdauer abgelaufen ist. In den Quellen werden sie im Zusammenhang mit Investitionen in fossile Geschäftsmodelle (wie neue Öl- und Gasfelder) sowie fossiler Heizungstechnik (Gas- und Ölheizungen) thematisiert.
Die Risiken von Stranded Assets lassen sich in drei Ebenen unterteilen:
- Direktes finanzielles Risiko (Einzelprojekte): Wenn Investoren Klimarisiken wie die künftige Regulierung oder steigende CO2-Preise nicht vollständig in ihre Kalkulationen (Return on Investment) einbeziehen, drohen massive Wertverluste. Wer beispielsweise heute noch auf fossile Heiztechnik setzt, geht aufgrund des ab 2027 greifenden europäischen Emissionshandels (EU ETS2) ein steigendes Preisrisiko ein, da fossile Brennstoffe deutlich teurer werden.
- Systemisches Risiko (Portfolio-Ebene): Stranded Assets sind Teil eines grösseren Problems. Jedes zusätzliche fossile Projekt verstärkt den Klimawandel, was wiederum physische Schäden an der Realwirtschaft (z. B. Infrastruktur, Lieferketten, Landwirtschaft und Gesundheit) verursacht. Da Finanzanlagen letztlich in diese Realwirtschaft investiert sind, schädigt ein Investor durch fossile Projekte indirekt auch alle anderen Anlagen in seinem Portfolio. Dieses Risiko wird als „nicht weg-diversifizierbar“ beschrieben.
- Risiko für die Allgemeinheit: Da das Geld der Bürger massiv in Renten, Lebensversicherungen und Pensionskassen steckt, gefährden Stranded Assets direkt die finanzielle Stabilität und die Renditen dieser Altersvorsorgesysteme. Ein langfristiger Investor, der weiter in fossile Expansionen investiert, schädigt laut den Quellen letztlich seine eigenen Begünstigten, die auf stabile Versicherungsleistungen angewiesen sind.
Das Risiko von Stranded Assets ist so gross, dass in einem „Business as usual“-Szenario (ca. 3 Grad Erwärmung) potenzielle Vermögensverluste von über 40 % drohen, während konsequenter Klimaschutz diese Verluste deutlich verringern würde.
Wie unterscheiden sich physische Klimarisiken von Haftungsrisiken für Investoren?
Physische Klimarisiken und Haftungsrisiken unterscheiden sich grundlegend in ihrer Natur und ihrer Entstehung, obwohl beide laut den Quellen als systemische Finanzrisiken (System-Level-Risiken) eingestuft werden, die das gesamte Portfolio eines Investors betreffen können.
Physische Klimarisiken.
Diese Risiken beziehen sich auf die direkten materiellen Schäden, die durch die Erderwärmung und extreme Wetterereignisse verursacht werden:
- Konkrete Beispiele: Dazu zählen Überschwemmungen, Waldbrände und die Zerstörung von Infrastruktur.
- Auswirkungen: Sie treffen unmittelbar die Realwirtschaft, indem sie Lieferketten unterbrechen, die Landwirtschaft schädigen oder die Gesundheit beeinträchtigen. Diese Schäden mindern direkt den Wert und die Produktivität von Anlagen und sind laut den Quellen „nicht weg-diversifizierbar“.
Haftungsrisiken (und Litigationsrisiken).
Haftungsrisiken beziehen sich auf die rechtlichen Konsequenzen, denen Investoren und Treuhänder ausgesetzt sind, wenn sie Klimarisiken missachten:
- Verletzung der Treuhandpflicht: Da das Klimarisiko heute als hinreichend materiell absehbar und finanzrelevant gilt, wird das Ignorieren dieser Risiken als eine Verletzung der treuhänderischen Sorgfalts- und Loyalitätspflicht (Fiduciary Duty) gewertet.
- Rechtliche Folgen: Investoren riskieren Klagen (Litigation), wenn sie nicht im besten Interesse der Begünstigten – also der Menschen, deren Geld in Renten oder Lebensversicherungen steckt – handeln. Ein Investor, der beispielsweise weiterhin in neue fossile Projekte investiert, schädigt langfristig seine eigenen Begünstigten und kann dafür rechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Während physische Risiken die Greifbarkeit von Schäden an der Umwelt und Infrastruktur betreffen, adressieren Haftungsrisiken das rechtliche Versagen von Verantwortlichen, diese absehbaren finanziellen Gefahren im Risikomanagement zu berücksichtigen. Beide Risiken tragen dazu bei, dass in einem „Business as usual“-Szenario potenzielle Vermögensverluste von über 40 % drohen.
Welche juristischen Hebel bietet der UK Companies Act?
Der UK Companies Act wird im Bericht der „Netzero Lawyers Alliance“ als eine der juristischen Grundlagen herangezogen, um die treuhänderischen Pflichten von Investoren im Kontext des Klimawandels neu zu definieren.

Folgende Hebel und Argumente werden genannt:
- Klassische Sorgfalts- und Loyalitätspflichten: Der UK Companies Act enthält spezifische Paragraphen und wird durch Rechtsprechung gestützt, die sich auf die grundlegenden Pflichten von Treuhändern beziehen. Diese verpflichten Investoren, im besten Interesse der Begünstigten zu handeln.
- Materielle Vorhersehbarkeit: Ein zentraler Hebel ist die Einordnung, dass systemische Klimarisiken inzwischen hinreichend materiell absehbar und finanzrelevant sind. Da diese Risiken als finanzielle Fakten gelten, müssen sie im Rahmen der gesetzlichen Sorgfaltspflichten zwingend berücksichtigt werden.
- Vermeidung von Pflichtverletzungen: Der Verweis auf den UK Companies Act dient dazu, deutlich zu machen, dass das Ignorieren von systemischen Rückkopplungen des Klimawandels eine juristische Pflichtverletzung darstellen kann. Investoren sind demnach nicht nur berechtigt, sondern rechtlich verpflichtet, aktiv zur Begrenzung von Klimarisiken beizutragen.
- Durchbrechen des „Marketaker“-Status: Diese juristischen Hebel unterstützen den Übergang weg von einer passiven Rolle als blosser Marktteilnehmer (Marketaker) hin zu einem Akteur, der durch Active Stewardship und kollektives Handeln Systemrisiken reduziert.
Der UK Companies Act bietet laut dem Bericht die rechtliche Handhabe, Klimaschutz nicht als politische Entscheidung, sondern als zwingendes Risikomanagement innerhalb der bestehenden Treuhand-Logik einzufordern.
Wie hoch sind die Vermögensverluste bei 3 Grad Erwärmung?
In einem Szenario mit einer durchschnittlichen Erderwärmung von 3 Grad Celsius ist mit einem potenziellen Vermögensverlust von über 40 % zu rechnen:
- Plausibilität als Warnsignal: Die Quellen bezeichnen diese Grössenordnung für Verluste beim Barwert (Net Present Value) als plausibel und sieht darin ein wichtiges Warnsignal.
- Systemische Risiken: Diese massiven Verluste resultieren nicht nur aus linearen Schäden, sondern vor allem aus Kipppunkten, Kaskadeneffekten und Systemschocks.
- Ökonomische Folgen: Solche Entwicklungen können grundlegende ökonomische Faktoren wie die Produktivität, Lieferketten, Infrastrukturverfügbarkeit und sogar die Versicherbarkeit von Anlagen zerstören.
- Vergleich zu Klimaschutz: Die Quellen betonen, dass die Verluste bei einer konsequenten Klimapolitik und Dekarbonisierung deutlich geringer ausfallen würden.
Diese Verluste betreffen nicht nur Grossinvestoren, sondern direkt die Renditen von Renten, Lebensversicherungen und Pensionskassen, da diese Gelder in den Kapitalmärkten angelegt sind.
Wie hängen Klimaschäden und die Finanzstabilität zusammen?
Der Zusammenhang zwischen Klimaschäden und der Finanzstabilität ist systemisch und materiell, da Klimarisiken die gesamte Realwirtschaft und damit die Grundlage der Finanzmärkte betreffen:
- System-Level-Risiken: Klimawandel erzeugt Risiken, die über einzelne Vermögenswerte hinausgehen und das gesamte Portfolio betreffen. Dazu gehören physische Schäden (z. B. durch Überschwemmungen oder Waldbrände), Übergangsrisiken und Haftungsrisiken. Diese Risiken sind für Investoren nicht „weg-diversifizierbar“, da sie das gesamte System betreffen.
- Schäden an der Realwirtschaft: Jedes zusätzliche fossile Projekt verstärkt den Klimawandel und schädigt dadurch Infrastruktur, Lieferketten, Landwirtschaft und die Gesundheit. Da Finanzanlagen letztlich in diese Realwirtschaft investiert sind, führen diese Schäden zu sinkenden Renditen und gefährden die Stabilität von Anlageformen.
- Gefahr für Renten und Versicherungen: Das Geld von Bürgern steckt in Renten, Lebensversicherungen und Pensionskassen. Wenn Klimaschäden die Realwirtschaft treffen, beeinträchtigt dies direkt die Beiträge, die Auszahlungssicherheit und im Extremfall die gesamte Finanzstabilität. Ein langfristiger Investor, der weiter in fossile Projekte investiert, schädigt somit letztlich seine eigenen Begünstigten.
- Zusammenbruch ökonomischer Annahmen: Bei einer Erwärmung von 3 Grad drohen Vermögensverluste von über 40 %. In solchen Szenarien könnten grundlegende ökonomische Annahmen wie Produktivität, Lieferketten und die Versicherbarkeit von Anlagen aufgrund von Kipppunkten und Systemschocks kollabieren.
- Destabilisierung des Systems: Finanzmärkte dürfen das System, in dem sie operieren, nicht destabilisieren. Das Ignorieren von Klimarisiken erzeugt systemische Rückkopplungen, die als Verletzung der treuhänderischen Pflicht gewertet werden können, da sie die langfristige Zukunftssicherung gefährden.
Klimaschutz ist aus Sicht der Finanzmärkte kein rein ökologisches Thema, sondern eine notwendige Risikomanagement-Strategie zur Sicherung der globalen Finanzstabilität.
Welche 5 Handlungsprinzipien sollten Investoren laut Bericht befolgen?
Laut dem Bericht der „Netzero Lawyers Alliance“ zur nachhaltigen Treuhandpflicht gibt es fünf zentrale Handlungsprinzipien, die Investoren befolgen sollten, um ihren Verpflichtungen nachzukommen und Systemrisiken zu minimieren:
- Keine Finanzierung fossiler Projekte: Investoren sollten keine neuen fossilen Projekte oder „unabgemilderte“ (unabated) fossile Vorhaben mehr finanzieren.
- Vollständige Einbeziehung von Klimarisiken: Bei der Berechnung der Kapitalrentabilität (Return on Investment) müssen Klimarisiken umfassend berücksichtigt werden. Dazu zählen insbesondere physische Risiken (z. B. durch Wetterextreme), das Risiko von Stranded Assets (wertlos gewordene Vermögenswerte) sowie potenzielle Haftungsrisiken.
- Investition in Klimaschutz: Es sollte gezielt in den Klimaschutz sowie in die ökologische Transition (Umstellung der Wirtschaft) investiert werden.
- Active Stewardship: Investoren sollen ihre Rolle aktiv wahrnehmen, indem sie Engagement zeigen, ihre Stimmrechte ausüben und kollektives Handeln praktizieren.
- Unterstützung politischer Rahmenbedingungen: Investoren sollten sich für eine wirksame Klimapolitik einsetzen (Advocacy), um Risiken zu reduzieren und faire Wettbewerbsbedingungen (ein sogenanntes „Level Playing Field“) zu schaffen.
Diese Prinzipien stützen sich auf die juristische Einordnung, dass systemische Klimarisiken inzwischen hinreichend materiell absehbar und finanzrelevant sind, sodass ein Ignorieren dieser Risiken eine Verletzung der treuhänderischen Sorgfalts- und Loyalitätspflicht darstellen kann.
Warum gelten Klimaschäden als Verletzung der treuhänderischen Sorgfaltspflicht?
Klimaschäden gelten als Verletzung der treuhänderischen Sorgfaltspflicht (Fiduciary Duty), da das Klimarisiko inzwischen als materielles und systemisches Finanzrisiko eingestuft wird. Treuhänder sind rechtlich dazu verpflichtet, im besten Interesse ihrer Begünstigten zu handeln – also jener Menschen, deren Vermögen in Renten, Lebensversicherungen oder Pensionskassen angelegt ist.
Gründe für diese juristische und ökonomische Einordnung:
- Absehbarkeit und Finanzrelevanz: Systemische Klimarisiken sind mittlerweile hinreichend materiell absehbar und finanzrelevant. Wer diese Risiken bei Investitionsentscheidungen ignoriert, verletzt die klassischen Sorgfalts- und Loyalitätspflichten, da er die Zukunftssicherung der Anleger gefährdet.
- Schädigung der Realwirtschaft: Jedes neue fossile Projekt verstärkt den Klimawandel und damit die physischen Schäden an der Realwirtschaft (z. B. durch Zerstörung von Infrastruktur, Unterbrechung von Lieferketten oder Beeinträchtigung der Gesundheit). Da die Portfolios der Investoren in eben diese Realwirtschaft investiert sind, führt die Finanzierung fossiler Expansionen letztlich zu sinkenden Renditen und instabilen Beiträgen für die Begünstigten.
- Kollektive Selbstschädigung: Ein Investor, der weiterhin in fossile Projekte investiert, handelt laut den Quellen gegen sein eigenes langfristiges Interesse. Dieses Verhalten erhöht die Wahrscheinlichkeit massiver Systemschocks, die alle Portfolios treffen können, was als „kollektive Selbstschädigung“ bezeichnet wird.
- Systemische Rückkopplungen: Treuhänder müssen sowohl das Risiko des Klimas für das Portfolio (Outside-In) als auch die Auswirkungen des Portfolios auf das Klima (Inside-Out) berücksichtigen. Das Ignorieren dieser systemischen Rückkopplungen erzeugt eine trügerische Sicherheit und stellt eine explizite Pflichtverletzung dar.
Zusammenfassend ist Klimaschutz aus dieser Perspektive keine politische Ideologie, sondern eine notwendige Risikomanagement-Strategie, um die treuhänderische Pflicht zur langfristigen Vermögenssicherung zu erfüllen.
Was ist der EU ETS2?
Der EU ETS2 ist ein neuer europäischer Emissionsrechtehandel, der ab dem Jahr 2027 speziell für die Sektoren Gebäude und Verkehr eingeführt wird:
- Europaweite CO2-Bepreisung: Durch den EU ETS2 wird der Ausstoss von CO2 beim Heizen mit fossilen Brennstoffen (wie Gas und Öl) europaweit bepreist.
- Preissteigerungen: Da derzeit eine erhebliche Emissionsminderungslücke besteht, zeigen viele Studien, dass der CO2-Preis sprunghaft ansteigen wird.
- Höhere Kosten für fossile Heizungen: Infolgedessen werden Gas- und Ölheizungen deutlich teurer.
- Steigendes Preisrisiko: Wer heute noch auf fossile Heizungstechnik setzt, geht laut den Quellen ein erhebliches und steigendes Preisrisiko ein, da die Kosten für fossile Brennstoffe durch die europäische CO2-Logik massiv zunehmen werden.
Der EU ETS2 sorgt dafür, dass fossiles Heizen durch die Verknappung und Bepreisung von Emissionsrechten wirtschaftlich unattraktiver wird, um den Hochlauf erneuerbarer Wärme zu erzwingen.
Wie können Investoren durch Active Stewardship Einfluss auf Unternehmen nehmen?
Investoren können durch Active Stewardship (aktive treuhänderische Verantwortung) einen massiven Hebel in Bewegung setzen, um die Energiewende zu beschleunigen und Unternehmen zu einer nachhaltigeren Strategie zu bewegen.
Laut den Quellen erfolgt diese Einflussnahme primär über folgende Wege:
- Engagement: Investoren treten in den direkten Dialog mit Unternehmen, um auf eine Reduzierung systemischer Klimarisiken hinzuwirken.
- Ausübung von Stimmrechten: Aktionäre nutzen ihre Stimmrechte bei Hauptversammlungen, um Einfluss auf die Unternehmensstrategie zu nehmen,.
- Kollektives Handeln: Durch den Zusammenschluss mehrerer Investoren kann das sogenannte „Climate Prisoners Dilemma“ durchbrochen werden. Wenn Anleger gemeinsam handeln, können sie Standards setzen, die für einzelne Akteure allein schwer durchsetzbar wären,.
- Einfluss auf Transitionspläne und Budgets: Über Stewardship-Prozesse können Investoren direkt über Transitionspläne und die Verteilung von Investitionsbudgets mitentscheiden oder diese in Richtung Risikoreduktion verschieben.
Entscheidend für den Erfolg von Active Stewardship ist dabei laut den Quellen, dass es nicht nur um eine hübsche Kategorisierung des Portfolios geht (Vermeidung von Greenwashing), sondern darum, ob das Handeln real dazu beiträgt, systemische Risiken zu senken. Wenn grosse Anleger konsequent umsteuern, erhöhen sie die Kapitalkosten für fossile Expansionen, während saubere Technologien wirtschaftlich gewinnen.
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Disclaimer / Abgrenzung
Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.
Quellenverzeichnis (März 2026)
Wie wir mit Vollgas die Energiewende ausbremsen.
https://www.youtube.com/watch?v=YRqDLT6ozBQ&t=1259s


























