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Neue Schweizer Kernkraftwerke ohne massive staatliche Risikoabsicherung nicht wettbewerbsfähig, AKW’s zu teuer.

Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke (KKW), Gegenvorschlag des Bundesrates zur «Blackout-Initiative».
9. Juli 2026 durch
stromzeit.ch
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Neue Schweizer Kernkraftwerke ohne massive staatliche Risikoabsicherung nicht wettbewerbsfähig, AKW’s zu teuer.

09.07.2026


Kernkraft in der Schweiz: Eine techno-ökonomische Analyse zur zukünftigen Energieversorgung.

Die Debatte um die schweizerische Energiepolitik hat am 29. Juni 2026 durch eine umfassende Studie von 19 Expertinnen und Experten der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts (PSI) eine neue wissenschaftliche Grundlage erhalten. Inmitten politischer Diskussionen über die Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke (KKW) und den Gegenvorschlag des Bundesrates zur sogenannten «Blackout-Initiative» liefert die Analyse detaillierte Einblicke unter welchen Bedingungen neue Reaktoren einen Beitrag zur Schweizer Stromversorgung leisten könnten.

1. Wirtschaftliche Ausgangslage: Wettbewerbsfähigkeit unter aktuellen Bedingungen.

Die zentrale Erkenntnis der Studie ist eindeutig: Unter den heutigen finanzpolitischen und marktlichen Bedingungen sind neue Kernkraftwerke in der Schweiz nicht wettbewerbsfähig.

  • Fehlende Subventionen: Während erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Wind im Rahmen des Ausbauziels von 45 Terawattstunden (TWh) staatlich gefördert werden, existiert für die Kernkraft derzeit keine vergleichbare Unterstützung.
  • Hohe Finanzierungskosten: Die marktüblichen Kapitalkosten für neue Kernkraftprojekte liegen aktuell bei etwa 8 Prozent. Ohne staatliche Risikoabsicherung bleibt die Kernenergie selbst bei moderaten Baukosten zu teuer, um sich gegenüber anderen Technologien durchzusetzen.
2. Die drei Säulen der Rentabilität.

Damit neue KKW in einem zukünftigen Schweizer Energiesystem wirtschaftlich rentabel betrieben werden könnten, müssten laut den Modellrechnungen drei wesentliche Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:

I. Staatliche Förderung.

Die öffentliche Hand müsste entscheiden, die Kernkraft in ähnlicher Weise wie erneuerbare Energien zu unterstützen. Dies könnte beispielsweise bedeuten, Kernkraftprojekte in die nationalen Ausbauziele und Förderinstrumente zu integrieren.

II. Politische Risikoabsicherung.

Der Staat müsste Massnahmen ergreifen, um die Kapitalkosten von den marktüblichen 8 Prozent auf etwa 5 Prozent zu senken. Dies entspricht dem Zinssatz anderer CO2-freier Grossanlagen. Mögliche Instrumente hierfür wären:

  • Staatliche Bürgschaften für Kredite.
  • Garantierte Festpreise, sogenannte «Contracts for Difference».
III. Begrenzung der Baukosten.

Die Baukosten sind der entscheidende Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Während aktuelle Projekte in Europa und den USA (sogenannte «First-of-a-Kind»-Projekte) Kosten von rund 12’000 CHF pro Kilowatt (kW) installierter Leistung verursachen, müssten diese für eine Schweizer Rentabilität deutlich sinken.

  • Bei 12’000 CHF/kW ist eine Investition selbst mit staatlicher Hilfe in den meisten Modellen nicht mehr wirtschaftlich.
  • Wirtschaftlichkeit tritt ein, wenn die Kosten auf etwa 8’000 CHF/kW begrenzt werden können.
  • Bei sehr günstigen Kosten von 5’000 CHF/kW prognostizieren die Modelle einen Zubau von 2,6 bis 4,9 Gigawatt (GW) an neuer Kernkraftkapazität.

Zum Vergleich: Ein Kraftwerk in der Grössenordnung des heutigen KKW Gösgen würde bei den notwendigen 8’000 CHF/kW rund 8 Milliarden Franken kosten.

3. Netto-Null-Ziel und das Energiesystem 2050.

Die Studie betont, dass die Schweiz ihr Ziel einer klimaneutralen Energieversorgung (Netto-Null) auch ohne neue Kernkraftwerke erreichen kann.

Ein System ohne neue Kernkraft.

In diesem Szenario bilden Wasserkraft und Photovoltaik mit einem Anteil von rund drei Vierteln das Rückgrat der Versorgung. Die Solarenergie allein würde zwischen 36 und 43 TWh liefern, was etwa 50 Prozent des Bedarfs im Jahr 2050 deckt. Ergänzt wird dieses System durch Windkraft, Biomasse und verschiedene Speichertechnologien wie Pumpspeicher, Batterien sowie chemische Speicher (Wasserstoff und Methan).

Technische Integration von KKW.

Technisch gesehen sind neue KKW mit einem System, das auf Solar- und Wasserkraft basiert, vereinbar. Selbst wenn neue Kernkraftwerke gebaut würden, bliebe der massive Ausbau der Photovoltaik und die Nutzung der Wasserkraft essenziell für die Stromversorgung.

4. Die Problematik der Winterstromversorgung.

Ein häufiges Argument für die Kernkraft ist die Sicherung der Versorgung im Winter. Die Modelle der ETH und des PSI zeigen hier ein differenziertes Bild:

  • Reduktion der Importe: Neue Kernkraftwerke könnten die Netto-Stromimporte im Winter verringern, und zwar je nach Modell um 1 bis 6 TWh. Das entspricht etwa 3 bis 20 Prozent der heutigen Winterstromerzeugung.
  • Keine vollständige Autarkie: Auch mit neuen KKW kann die Schweiz im Winter nicht vollständig auf Stromimporte verzichten. Ein effizienter Stromhandel mit den Nachbarländern bleibt für die Systemstabilität und Flexibilität unerlässlich.

Ein praktisches Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit unterstreicht die Importabhängigkeit: Während einer Revision des KKW Gösgen zwischen Oktober 2025 und März 2026 musste die Schweiz netto rund 7 TWh Strom importieren.

5. Methodik und wissenschaftlicher Anspruch.

Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf vier unterschiedlichen Energiemodellen, die von 19 Expertinnen und Experten genutzt wurden. Da jedes Modell auf unterschiedlichen Annahmen beruht, gelten jene Ergebnisse als besonders belastbar, bei denen alle Modelle in dieselbe Richtung weisen.

Die beteiligten Institutionen, die ETH Zürich und das PSI, betonen ausdrücklich, dass die Studie kein Plädoyer für oder gegen die Kernenergie darstellt. Das Ziel war es, eine wissenschaftliche Grundlage für eine Entscheidung zu liefern, die letztlich eine gesellschaftliche und politische sein wird.


Illustration © stromzeit.ch*


Fazit.

Neue Kernkraftwerke sind für das Erreichen der Schweizer Klimaziele nicht zwingend notwendig, könnten aber bei erheblicher staatlicher Unterstützung und sinkenden Baukosten einen Beitrag zur Reduktion von Winterimporten leisten. Die ökonomische Hürde bleibt jedoch hoch und erfordert weitreichende politische Weichenstellungen.


Weitere Artikel zu Schweizer Kernkraftwerken.


17.06.2026

Braucht es neue Schweizer AKWs? 

Nationalrat bremst Rösti’s AKW-Plan: Finanzierung muss zuerst geklärt sein. Am 15. Juni 2026 erlebte das Schweizer Bundeshaus eine historische Weichenstellung in der Energiepolitik. Nach einer fast zehnstündigen „Monsterdebatte“ mit 99 Einzelrednern entschied der Nationalrat knapp, den Plan von Energieminister Albert Rösti zur Aufhebung des AKW-Neubauverbots vorerst zu stoppen. Mit einem hauchdünnen Resultat von 100 zu 97 Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde das Geschäft zur Überarbeitung an den Bundesrat zurückgewiesen.

Schweizer AKW's: Hohe Kosten, ungeklärte Finanzierung, Verzö​gerung der Energiewende, extrem lange Bauzeit, Projektlaufzeit-Verzögerungen, technische Probleme, mehr Atommüll, Budgetüberschreitungen.


Braucht es neue Schweizer AKWs? 



Europäische und Schweizer Kernkraftwerke.

Massive Kosten-Überschreitungen, technische Probleme, lange Projektlaufzeiten und extreme Zeitverzögerungen.

Warum nur will die Schweizer Regierung zwei neue Kernkraftwerke bauen? Hat man in der Schweiz tatsächlich den Eindruck, man könne es besser als alle anderen Staaten in Europa? Will die Schweizer Regierung ernsthaft dreissig Jahre warten, bis wir mehr Atomstrom haben oder im schlimmsten Fall ein Milliardengrab riskieren?

Beispiele: Hinkley Point C (GBR), Flamanville (FRA), Mochovce 3 (SVK), Olkiluoto 3 (FIN), Paks II (HUN), Cernavoda (ROU).

Europäische Kernkraftwerke.


Warum sind die Baukosten in Europa aktuell so hoch?

Die aktuell hohen Baukosten für neue Kernkraftwerke in Europa lassen sich laut den Quellen vor allem auf folgende Faktoren zurückführen:

  • Status als Erstanlagen: Ein Hauptgrund für die hohen Preise von rund 12’000 CHF pro Kilowatt installierter Leistung ist, dass es sich bei den jüngsten Projekten in Europa und den USA um sogenannte „First-of-a-Kind-Projekte“ handelt. Da diese Anlagen als erste ihrer Art gebaut werden, fehlen oft eingespielte Prozesse und Erfahrungswerte.
  • Kostenüberschreitungen: In Europa gibt es eine Handvoll Neubauprojekte, die laut Experten „deutlich aus dem Ruder gelaufen“ sind. Diese Verzögerungen und Komplikationen während der Bauphase führen zu massiven Steigerungen der Gesamtkosten.
  • Fehlende Lerneffekte: Wettbewerbsfähig wird die Kernenergie in der Schweiz (und Europa) erst dann, wenn Hersteller aus diesen vergangenen Kostenüberschreitungen Lehren ziehen können. Das Ziel wäre, die Kosten für Folgeanlagen auf etwa 8’000 CHF pro kW zu begrenzen.

Interessanterweise wird in den Quellen darauf hingewiesen, dass die Situation im nicht europäischen Ausland teilweise anders aussieht; dort gibt es Projekte, bei denen die Baukosten deutlich günstiger ausgefallen sind.

 

Wie beeinflussen neue AKW die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter?

Neue Kernkraftwerke (KKW) könnten die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten im Winter zwar verringern, aber nicht vollständig beseitigen.

Hier sind die Details zu den Auswirkungen laut der Studie der ETH Zürich und des PSI:

  • Reduktion der Importe: Die Modellrechnungen zeigen, dass die Netto-Stromimporte im Winter durch neue KKW um insgesamt 1 bis 6 Terawattstunden (TWh) sinken könnten.
  • Einordnung der Menge: Diese Verringerung entspricht etwa 3 bis 20 Prozent der heutigen Stromerzeugung in den Wintermonaten zwischen Oktober und März.
  • Fortbestehende Importabhängigkeit: Trotz neuer Anlagen käme die Schweiz im Winter nicht ganz ohne Importe aus. Auch im Jahr 2050 wäre das Land im Winter – genau wie heute – auf Netto-Importe angewiesen. In einem Szenario ohne neue Kernkraft würden diese Importe je nach Modell zwischen 5,4 TWh und 12,4 TWh liegen.
  • Notwendigkeit des Stromhandels: Für die Flexibilität und Stabilität des Energiesystems bleibt ein effizienter Stromhandel mit den Nachbarländern auch beim Bau neuer KKW unerlässlich.
  • Zusammenspiel mit Erneuerbaren: Selbst mit neuen Kernkraftwerken ist der massive Ausbau der Photovoltaik weiterhin notwendig, da Wasserkraft und Solarenergie in den meisten Modellen das Rückgrat der künftigen Versorgung bilden.

 

Welche Rolle spielt die Photovoltaik im Vergleich zur Kernkraft?

In der zukünftigen Energieversorgung der Schweiz spielt die Photovoltaik eine dominante Hauptrolle, während die Kernkraft als eine optionale Ergänzung betrachtet wird.

Hier ist der detaillierte Vergleich der Rollen gemäss den Quellen:

  • Das Rückgrat des Systems: Unabhängig davon, ob neue Kernkraftwerke (KKW) gebaut werden oder nicht, bilden die Photovoltaik und die Wasserkraft zusammen das Rückgrat der künftigen Stromversorgung. Sie machen in den Modellen rund drei Viertel der gesamten Versorgung aus.
  • Anteil am Stromverbrauch: In einem Szenario ohne neue Kernkraftwerke liefert die Solarenergie zwischen 36 und 43 TWh Strom. Damit würde die Photovoltaik allein etwa 50 Prozent des gesamten Schweizer Strombedarfs im Jahr 2050 decken.
  • Notwendigkeit vs. Ersetzbarkeit:
    • Die Schweiz kann ihre Klimaziele (Netto-Null) allein mit Photovoltaik, Wasserkraft, anderen Erneuerbaren und Speichern erreichen; neue Kernkraftwerke sind dafür nicht zwingend notwendig.
    • Umgekehrt ist der Ausbau der Photovoltaik auch dann unerlässlich, wenn neue Kernkraftwerke gebaut würden.
  • Wirtschaftliche Verdrängung: In den Modellrechnungen zeigt sich eine direkte Konkurrenz: Sollten die Baukosten für neue KKW steigen (z. B. von 5’000 auf 8’000 CHF/kW), wird der eigentlich geplante Atomstrom in den Modellen primär durch einen noch stärkeren Ausbau der Photovoltaik ersetzt.
  • Förderung und Akzeptanz: Für den Ausbau der Photovoltaik und anderer erneuerbarer Energien existieren bereits gesetzliche Grundlagen und Ausbauziele (45 TWh), die von der Schweizer Bevölkerung im Jahr 2024 angenommen wurden. Für die Kernkraft hingegen müsste eine solche staatliche Unterstützung erst noch politisch beschlossen werden, um sie wettbewerbsfähig zu machen.

Die Photovoltaik ist als gesetzte Säule der Energiestrategie 2050 fest eingeplant, während neue Kernkraftwerke lediglich als eine Option erscheinen, die unter bestimmten wirtschaftlichen Bedingungen die Winterabhängigkeit von Importen reduzieren könnte.

Welche Rolle spielt Wasserkraft im Vergleich zur Kernkraft?

In der zukünftigen Energieversorgung der Schweiz nimmt die Wasserkraft eine fundamentale und unverzichtbare Rolle ein, während die Kernkraft als eine ökonomisch abhängige Option betrachtet wird.

Der direkte Vergleich der Rollen lässt sich in folgende Punkte unterteilen:

  • Das Rückgrat der Versorgung: Zusammen mit der Photovoltaik bildet die Wasserkraft das zentrale Rückgrat des Schweizer Energiesystems. In Szenarien ohne neue Kernkraftwerke decken diese beiden Quellen gemeinsam rund drei Viertel der gesamten Stromversorgung ab.
  • Systemrelevanz und Netto-Null: Die Quellen betonen, dass die Schweiz ihre Klimaziele (Netto-Null) allein mit der Kombination aus Wasserkraft, Solarenergie, weiteren erneuerbaren Energien und Speichern erreichen kann. Neue Kernkraftwerke sind für dieses Ziel nicht zwingend notwendig, während die Wasserkraft bereits eine gesetzte und akzeptierte Säule darstellt.
  • Technische Integration: Neue Kernkraftwerke wären technisch durchaus mit einem System vereinbar, das primär auf Wasser- und Solarkraft fusst. In den meisten Modellrechnungen bleibt die Wasserkraft jedoch auch dann die tragende Säule, wenn neue Reaktoren zugebaut würden.
  • Speicherfunktion und Stabilität: Die Wasserkraft trägt massgeblich zur Systemstabilität bei, insbesondere durch Pumpspeicherkraftwerke, die als wichtige Speichertechnologie das System ergänzen.
  • Politische und gesetzliche Basis: Für den Erhalt und Ausbau der Wasserkraft sowie anderer Erneuerbarer hat die Schweizer Bevölkerung bereits 2024 die gesetzlichen Grundlagen akzeptiert. Im Gegensatz dazu ist die Rolle neuer Kernkraftwerke politisch noch umstritten und würde erhebliche neue staatliche Fördermassnahmen und Risikoabsicherungen erfordern, um wettbewerbsfähig zu sein.

Die Wasserkraft ist ein fest eingeplanter Kernbestandteil der Energiestrategie 2050, während die Kernkraft lediglich eine potenzielle Ergänzung darstellt, die unter bestimmten wirtschaftlichen Voraussetzungen die Importabhängigkeit im Winter weiter reduzieren könnte.

 

Welche Speichertechnologien könnten Kernkraftwerke im Winter ersetzen?

Gemäss der Studie der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts (PSI) ist es möglich, das Netto-Null-Ziel ohne neue Kernkraftwerke zu erreichen, wobei Speichertechnologien zusammen mit erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle spielen.

Speichertechnologien als Ersatz für Kernkraft.

In einem künftigen Schweizer Energiesystem, das auf den Bau neuer Kernkraftwerke verzichtet, würden laut den Modellrechnungen folgende Speichertechnologien zum Einsatz kommen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten:

  • Pumpspeicherkraftwerke: Diese gelten als bewährte Technologie zur Speicherung grosser Strommengen und zur Stabilisierung des Netzes.
  • Chemische Speicher (Power-to-Gas): Hierbei wird überschüssiger Strom (etwa aus der Photovoltaik im Sommer) in Wasserstoff und Methan umgewandelt, um die Energie für die verbrauchsstarken Wintermonate nutzbar zu machen.
  • Batteriespeicher: Diese dienen vor allem der kurzfristigen Speicherung und dem Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz.
  • Können Speicher die Kernkraft im Winter vollständig ersetzen?

Die Quellen liefern hierzu ein differenziertes Bild:

1.     Erreichbarkeit der Klimaziele: Ja, die Schweiz kann ihre Energieversorgung bis 2050 so umbauen, dass sie CO2-frei und ohne neue Kernkraftwerke funktioniert. Das System würde dann massgeblich auf dem Ausbau der Photovoltaik (die etwa 50 % des Bedarfs deckt) und der Wasserkraft basieren, ergänzt durch die genannten Speicher sowie Windkraft und Biomasse.

2.     Abhängigkeit von Importen: Auch mit einem massiven Ausbau von Speichern und erneuerbaren Energien bliebe die Schweiz im Winter auf Stromimporte angewiesen. In einem System ohne neue Kernkraft lägen die Netto-Importe im Winter je nach Modell zwischen 5,4 TWh und 12,4 TWh.

3.     Die Rolle der Kernkraft als Alternative: Neue Kernkraftwerke könnten diese Winterimportabhängigkeit zwar um 1 bis 6 TWh verringern, sie aber ebenfalls nicht vollständig beseitigen.

Fazit: 

Speichertechnologien sind in Kombination mit einem starken Ausbau der Photovoltaik und Wasserkraft technisch dazu in der Lage, die Rolle neuer Kernkraftwerke im Rahmen der Netto-Null-Strategie zu übernehmen. Allerdings erfordert ein solches System ohne Kernkraft eine höhere Importmenge im Winter und einen funktionierenden, effizienten Stromhandel mit dem Ausland, um die Stabilität zu garantieren. Für den erfolgreichen Ausbau dieser Speicher- und Erzeugungstechnologien ist zudem eine staatliche Unterstützung notwendig, für welche die Schweizer Stimmbevölkerung bereits 2024 die gesetzlichen Grundlagen geschaffen hat.

Wie sieht der Energiemix im Jahr 2050 ohne Kernkraft aus?

In einem Schweizer Energiesystem ohne neue Kernkraftwerke im Jahr 2050 bilden Wasserkraft und Photovoltaik das zentrale Rückgrat der Versorgung. Gemäss der Studie der ETH Zürich und des PSI kann die Schweiz ihr Netto-Null-Ziel allein mit bestehenden und geplanten Technologien erreichen.


Illustration © stromzeit.ch*

Der Energiemix ohne Kernkraft setzt sich laut den Quellen wie folgt zusammen:

  • Photovoltaik (Solarenergie): Sie nimmt eine dominante Rolle ein und liefert je nach Modell zwischen 36 und 43 TWh Strom. Dies würde etwa 50 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs im Jahr 2050 abdecken.
  • Wasserkraft: Zusammen mit der Solarenergie macht sie rund drei Viertel der gesamten Stromversorgung aus.
  • Ergänzende erneuerbare Energien: Der Mix wird durch Windkraft und Biomasse vervollständigt.
  • Speichertechnologien: Zur Sicherung der Systemstabilität und Überbrückung von Engpässen werden verschiedene Speicher eingesetzt:
    • Pumpspeicherkraftwerke.
    • Chemische Speicher zur Umwandlung von Strom in Wasserstoff und Methan.
    • Batteriespeicher.
  • Winterstromimporte: Die Schweiz bleibt auch in diesem Szenario im Winter auf Netto-Importe angewiesen. Ohne Kernkraft würden diese Importe je nach Modell zwischen 5,4 TWh und 12,4 TWh liegen. Ein effizienter Stromhandel mit dem Ausland ist daher für die Stabilität des Systems ohne Kernkraft entscheidend.

Um diesen Technologiemix und die notwendigen Speicherziele zu erreichen, ist jedoch eine staatliche Unterstützung erforderlich, für welche die Schweizer Stimmbevölkerung bereits im Jahr 2024 die gesetzlichen Grundlagen geschaffen hat.

 

Wie viel Windkraft wird für den Mix 2050 benötigt?

Die Quellen nennen keinen spezifischen Terawattstunden-Wert (TWh) für den Anteil der Windkraft im Jahr 2050, beschreiben jedoch deren Rolle im zukünftigen Energiemix wie folgt:

  • Teil des Ausbauziels: Windkraft ist zusammen mit der Photovoltaik Teil des gesetzlich verankerten Ausbauziels von 45 TWh für erneuerbare Energien.
  • Ergänzende Funktion: In einem Szenario ohne neue Kernkraftwerke bilden Wasserkraft und Photovoltaik das „Rückgrat“ der Versorgung (ca. drei Viertel des Stroms). Die Windkraft wird dabei explizit als ergänzende Technologie neben Biomasse und Speichern aufgeführt.
  • Ersatzrolle bei hohen KKW-Kosten: Sollten die Baukosten für neue Kernkraftwerke steigen, wird der entfallende Atomstrom primär durch Photovoltaik und zu einem deutlich geringeren Teil auch durch Windkraft ersetzt.

Die Windkraft ist als notwendige Ergänzung eingeplant ist, um die Klimaziele zu erreichen, ihr quantitativer Beitrag im Vergleich zur dominierenden Photovoltaik (die allein 36 bis 43 TWh liefern soll) jedoch als wesentlich geringer eingestuft wird.

 

Was ist der Vorteil eines effizienten Stromhandels mit Nachbarländern und warum ist der Stromhandel mit dem Ausland weiterhin so wichtig?

Ein effizienter Stromhandel mit den Nachbarländern bietet mehrere zentrale Vorteile und bleibt gemäss der Studie der ETH Zürich und des PSI für die Schweizer Energieversorgung aus folgenden Gründen unerlässlich:

  • Gewährleistung der Systemstabilität: Ein funktionierender Austausch mit dem Ausland ist entscheidend, um die Stabilität des Stromnetzes zu garantieren, insbesondere in einem System, das verstärkt auf erneuerbaren Energien ohne neue Kernkraftwerke basiert.
  • Sicherung der Systemflexibilität: Der Handel ist notwendig, um die nötige Flexibilität im Energiesystem aufrechtzuerhalten. Dies erlaubt es, Schwankungen in der Produktion und im Verbrauch effizient auszugleichen.
  • Bezahlbarkeit des Energiesystems: Ein effizienter grenzüberschreitender Handel trägt massgeblich dazu bei, dass das Schweizer Energiesystem bezahlbar bleibt.
  • Abdeckung des Winterbedarfs: Die Schweiz wird auch im Jahr 2050 im Winter auf Netto-Stromimporte angewiesen sein, genau wie es heute der Fall ist. Selbst wenn neue Kernkraftwerke gebaut würden, könnten diese die Importabhängigkeit im Winter zwar verringern, aber niemals vollständig beseitigen.
  • Unabhängigkeit von der Technologie-Wahl: Der Stromhandel ist gemäss den Experten sowohl in einem Szenario mit neuen Kernkraftwerken als auch in einem System ohne Kernkraft eine zwingende Voraussetzung für die Versorgungssicherheit.

Wie wichtig dieser Import ist, zeigt das Beispiel aus dem Winterhalbjahr 2025/2026: Während einer Revision des KKW Gösgen musste die Schweiz netto rund 7 TWh Strom importieren, um die Versorgung sicherzustellen.


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Quellenverzeichnis (Juli 2026).

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Quellen·01.07.2026
Studie_Kernkraft_ETHZ-PSI_Medienmitteilung_DE.pdf

Eine aktuelle Studie der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts untersucht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz. Die Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass solche Projekte unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht wettbewerbsfähig sind und nur durch massive staatliche Subventionen sowie Risikoabsicherungen rentabel würden. Obwohl neue Reaktoren technisch in das Energiesystem integrierbar wären und die Stromimporte im Winter reduzieren könnten, bleibt die Erreichung der Klimaziele auch allein durch den Ausbau erneuerbarer Energien möglich. Die Experten betonen dabei, dass insbesondere die hohen Baukosten in Europa ein entscheidendes Hindernis für die wirtschaftliche Attraktivität der Kernenergie darstellen. Letztlich dient die Analyse als wissenschaftliche Grundlage für die politische Debatte über die zukünftige Schweizer Energiestrategie. Ein effizienter grenzüberschreitender Stromhandel bleibt laut der Studie ohnehin für jede Szenariovariante unverzichtbar.

 

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