Zum Inhalt springen

Braucht es neue Schweizer AKWs? Nationalrat bremst Rösti’s AKW-Plan: Finanzierung muss zuerst geklärt sein.

Hohe Kosten, ungeklärte Finanzierung, Verzö​gerung der Energiewende, extrem lange Bauzeit, Projektlaufzeit-Verzögerungen, technische Probleme, mehr Atommüll, Budgetüberschreitungen.

Braucht es neue Schweizer AKWs? Nationalrat bremst Rösti’s AKW-Plan: Finanzierung muss zuerst geklärt sein. 

17.06.2026

Hohe Kosten, ungeklärte Finanzierung, Verzögerung der Energiewende.


Die Rückkehr der Atomdebatte: Der Nationalrat bremst den AKW-Plan des Bundesrates.

Am 15. Juni 2026 erlebte das Schweizer Bundeshaus eine historische Weichenstellung in der Energiepolitik. Nach einer fast zehnstündigen „Monsterdebatte“ mit 99 Einzelrednern entschied der Nationalrat knapp, den Plan von Energieminister Albert Rösti zur Aufhebung des AKW-Neubauverbots vorerst zu stoppen. Mit einem hauchdünnen Resultat von 100 zu 97 Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde das Geschäft zur Überarbeitung an den Bundesrat zurückgewiesen.

1. Die parlamentarische Ausgangslage und das Abstimmungsdrama.

Obwohl die grosse Kammer grundsätzlich auf den indirekten Gegenvorschlag zur sogenannten „Blackout-Initiative“ eintrat (mit 111 zu 88 Stimmen), scheiterte die Vorlage an einem Rückweisungsantrag der Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder.

Ein Kampf um jede Stimme.

Die Bedeutung der Abstimmung spiegelte sich in der physischen Präsenz der Abgeordneten wider:

  • Der jurassische SVP-Nationalrat Thomas Stettler erschien trotz einer Operation im Saal und lagerte sein Bein auf einer Getränkeharasse, um seine Stimme abzugeben.
  • Die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy kam trotz teilweiser Krankschreibung nach einer Operation ins Bundeshaus.
  • Das Zünglein an der Waage war die Mitte-Fraktion. Während sie beim Eintreten auf das Geschäft noch mit den rechten Parteien (SVP und FDP) paktierte, verhalf sie dem Rückweisungsantrag zusammen mit SP, Grünen und GLP zur Mehrheit.
2. Der Kern des Streits: Die Finanzierungsfrage.

Der Hauptgrund für die Rückweisung ist die ungeklärte Finanzierung künftiger Atomkraftwerke. Die Mehrheit des Nationalrats verlangt vom Bundesrat, erst aufzuzeigen, wie solche Milliardenprojekte finanziert werden sollen, bevor das gesetzliche Verbot fällt.

Positionen zur Finanzierung:

  • Priska Wismer-Felder (Mitte): Sie fordert „Ehrlichkeit“ darüber, aus welcher Quelle neue AKW finanziert werden müssten. Ohne klare Regelung dürfe nichts vorangehen.
  • Albert Rösti (SVP): Der Energieminister argumentierte, dass eine präzise Finanzierungsplanung ohne konkretes Projekt „keinen Sinn“ mache. Er schätzt die Kosten je nach Bauzeit aktuell auf 4 bis 13 Milliarden Franken. Als mögliches Modell nannte er in einem Interview eine „gleitende Marktprämie“, bei der der Staat einen Mindestpreis garantiert.
  • Kritiker (SP/Grüne): Sie warnen davor, dass staatlich subventionierte AKW die Wasserkraft – das „Rückgrat der Schweizer Stromversorgung“ – aus dem Markt drängen und Investitionen in Erneuerbare verunsichern könnten. Stefan Müller-Altermatt bezeichnete AKW gar als „ruinös teuer“.
3. Die Argumente für ein AKW-Comeback.

Energieminister Rösti und die Vertreter von SVP und FDP betonten die veränderte Weltlage seit der Abstimmung über die Energiestrategie 2050 im Jahr 2017.

  • Versorgungssicherheit: Rund 30 Prozent des Schweizer Strommixes stammen derzeit aus Kernkraft. Rösti warnte, dass der Ausbau der Erneuerbaren (der „Solarexpress“) in der Realität eher einem „Bummelzug“ gleiche und die Ausbauziele in weiter Ferne lägen.
  • Technologieoffenheit: Es gehe darum, sich eine Option für die Zeit nach 2050 offenzuhalten, falls die erneuerbaren Energien nicht ausreichen.
  • Geopolitik und Dekarbonisierung: Angesichts geopolitischer Unsicherheiten (wie dem Konflikt im Iran) und des Ziels der Dekarbonisierung dürfe die Schweiz nicht vorschnell auf eine klimaschonende Technologie verzichten. In Paris habe ein internationaler Konsens geherrscht, dass Kernenergie die Basis für Wohlstand und stabile Preise sei.
4. Die „Blackout-Initiative“ als Auslöser.

Die aktuelle Debatte wurde durch die Volksinitiative „Jederzeit Strom für alle (Blackout-Stopp-Initiative)“ lanciert. Diese verlangt, dass die Stromversorgung jederzeit sichergestellt sein muss und alle klimaschonenden Arten der Stromerzeugung – explizit auch die Kernenergie – zulässig sein sollen.

Der Bundesrat lehnt die Initiative zwar ab, nutzt sie aber, um mit einem indirekten Gegenvorschlag das Neubauverbot im Kernenergiegesetz ersatzlos zu streichen. Immerhin konnte der Nationalrat den Zeitdruck etwas mindern, indem er die Behandlungsfrist für die Initiative um ein Jahr verlängerte.

5. Ausblick: Wie geht es weiter?

Das Geschäft geht nun zurück in den Ständerat, der bereits am 16. Juni 2026 darüber berät.

  • Sollte der Ständerat die Rückweisung ablehnen, kommt das Geschäft noch in der laufenden Session zurück in den Nationalrat.
  • Hält der Nationalrat an der Rückweisung fest, muss der Bundesrat den Entwurf überarbeiten, was das Projekt massiv verzögern könnte – möglicherweise bis ins Jahr 2027.

Unabhängig von den parlamentarischen Manövern scheint eines sicher: Das letzte Wort im „Atomstreit“ wird am Ende das Stimmvolk haben, sei es über die Initiative oder ein Referendum gegen die Gesetzesänderung. Umfragen zeigen bereits jetzt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung der Kernkraft gegenüber wieder offener eingestellt ist, sofern sie die Versorgungssicherheit garantiert.

Wie begründete Albert Rösti die Notwendigkeit eines AKW-Comebacks in der Debatte?

Energieminister Albert Rösti begründete die Notwendigkeit einer Rückkehr zur Kernenergie in der Schweiz im Rahmen der Debatte mit einer Kombination aus sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und ökologischen Argumenten. Sein „flammendes Plädoyer“ vor dem Nationalrat stützte sich auf folgende Kernpunkte:

  • Versorgungssicherheit und Mangel an Alternativen: Rösti hob hervor, dass derzeit rund 30 Prozent des Schweizer Strommixes aus Kernkraft stammen. Er stellte die rhetorische Frage, woher dieser Strom sonst kommen solle, wenn man auf diese Technologie verzichte. Ohne Kernkraft blieben als Alternativen lediglich Stromimporte oder der Bau von Gaskraftwerken.
  • Langsamer Ausbau der erneuerbaren Energien: Ein zentrales Argument war, dass der Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarkraft deutlich langsamer vorankomme als ursprünglich geplant. Das gesetzte Ausbauziel liege noch in weiter Ferne. Rösti betonte, dass man sich für den Fall wappnen müsse, dass die erneuerbaren Energien allein nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.
  • Veränderte Weltlage seit 2017: Rösti argumentierte, dass die Schweiz seit der Abstimmung über die Energiestrategie 2050 „in einer anderen Welt angekommen“ sei. Er verwies auf zwei seither eingetretene Energiekrisen, einen massiv steigenden Strombedarf sowie geopolitische Unsicherheiten und Spannungen (wie etwa den Konflikt im Iran), die eine Neubeurteilung der Lage notwendig machten.
  • Strategische Bedeutung für Wohlstand und Unabhängigkeit: Unter Verweis auf einen internationalen Nuklear-Kongress in Paris erklärte er, es bestehe ein globaler Konsens, dass Kernenergie eine strategische Grundlage für Wohlstand, stabile Strompreise sowie die nationale Souveränität und Unabhängigkeit sei. Die Schweiz dürfe daher nicht vorschnell auf diese Option verzichten.
  • Technologieoffenheit und Dekarbonisierung: Er betonte, dass es nicht um ein „Entweder-oder“ zwischen Erneuerbaren und Kernkraft gehe, sondern um ein „Sowohl-als-auch“. Die Aufhebung des Neubauverbots diene der technologischen Offenheit und sei ein notwendiger Beitrag zur Dekarbonisierung, um die Klimaziele zu erreichen.
  • Zentralität für Wirtschaft und Alltag: Rösti wies Kritik scharf zurück und mahnte die Gegner, nicht so zu tun, als ob die Kernkraft für das tägliche Leben und die Wirtschaft nicht zentral wäre. Er bezeichnete die Schlussfolgerung, er wolle den Erneuerbaren schaden, als „abenteuerlich“ und versicherte, er sei der Letzte, der deren Ausbau blockieren wolle.  

Rösti sah in der Kernkraft ein entscheidendes Sicherheitsnetz für die langfristige Stromversorgung ab etwa 2050, falls die bisherigen Strategien nicht die gewünschten Ergebnisse liefern.

Warum hat der Nationalrat den AKW-Vorschlag von Albert Rösti zurückgewiesen?

Der Nationalrat hat den Vorschlag von Energieminister Albert Rösti zur Aufhebung des AKW-Neubauverbots am 15. Juni 2026 vor allem deshalb zurückgewiesen, weil die Finanzierung künftiger Kernkraftwerke völlig ungeklärt ist.

Hier sind die detaillierten Gründe für diesen Entscheid:

  • Forderung nach finanzieller Transparenz: Der entscheidende Rückweisungsantrag stammte von der Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder. Sie verlangte, dass der Bundesrat erst aufzeigen müsse, wie solche Milliardenprojekte finanziert werden sollen und welche finanziellen Folgen die Aufhebung des Verbots hätte, bevor das Gesetz geändert wird.
  • Rolle der Mitte-Fraktion: Die Mitte fungierte als Zünglein an der Waage. Während sie grundsätzlich auf das Geschäft eintrat, stimmte die Mehrheit der Fraktion (25 Mitglieder) zusammen mit der SP, den Grünen und den Grünliberalen für die Rückweisung, um einen „Marschhalt“ zu erzwingen.
  • Kritik an den Kosten: Gegner aus dem linken Lager bezeichneten neue AKW als „ruinös teuer“ und warnten davor, dass sie nur mit massiven staatlichen Subventionen realisierbar wären. Zudem wurde befürchtet, dass diese Investitionen die Wasserkraft – das heutige Rückgrat der Schweizer Stromversorgung – schwächen und Investitionen in erneuerbare Energien verunsichern könnten.
  • Unzureichende Antworten des Bundesrates: Albert Rösti argumentierte zwar, dass eine detaillierte Finanzplanung ohne ein konkretes Projekt (Standort, Reaktortyp) keinen Sinn mache und Schätzungen aktuell zwischen 4 bis 13 Milliarden Franken lägen. Diese Antwort genügte der knappen Mehrheit des Rates jedoch nicht; sie forderte mehr „Ehrlichkeit“ über die potenziellen Geldquellen.

Der Entscheid fiel äusserst knapp mit 100 zu 97 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Damit muss der Bundesrat die Vorlage nun überarbeiten und die finanziellen Aspekte vertieft klären, sofern der Ständerat dieser Rückweisung ebenfalls zustimmt.

 

Wie begründen Befürworter und Gegner die Zukunft der Kernkraft in der Schweiz?

In der Debatte um die Zukunft der Kernkraft in der Schweiz stehen sich fundamentale Argumente bezüglich Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz gegenüber. Während die Befürworter die Kernenergie als unverzichtbare Ergänzung für eine unabhängige Stromversorgung sehen, warnen die Gegner vor massiven Kosten und einer Blockade der Energiewende.


Illustration © stromzeit.ch*


Argumente der Befürworter.

Die Befürworter, angeführt von Energieminister Albert Rösti sowie Vertretern von SVP und FDP, begründen die Notwendigkeit neuer Kernkraftwerke (AKW) wie folgt:

  • Versorgungssicherheit und Grundlast: Kernkraft liefert derzeit rund 30 % des Schweizer Strommixes. Da der Ausbau der erneuerbaren Energien (Wind, Wasser, alpine Solarprojekte) laut Befürwortern viel zu langsam voranschreitet – oft als „Bummelzug“ im Vergleich zum benötigten „Solarexpress“ bezeichnet –, dürfe man auf die grundlastfähige Kernenergie nicht verzichten.
  • Geopolitische Lage und Unabhängigkeit: Seit der Abstimmung über die Energiestrategie 2050 im Jahr 2017 habe sich die Weltlage durch Energiekrisen und geopolitische Spannungen (z. B. Konflikte im Iran) drastisch verändert. Neue AKW könnten helfen, die Abhängigkeit von teuren Stromimporten, wie sie etwa Deutschland nach dem Atomausstieg erleben musste, zu verringern.
  • Technologieoffenheit für Klimaziele: Im Sinne der Dekarbonisierung müsse die Schweiz technologieoffen bleiben. Kernkraft wird als „klimaschonende“ Art der Stromerzeugung betrachtet, die für den Erhalt von Wohlstand und stabilen Preisen strategisch wichtig sei, was auch einem internationalen Trend (z. B. in den USA oder der EU) entspreche.
  • Option für die Zukunft: Es gehe nicht um ein sofortiges Projekt, sondern darum, die gesetzliche Option für neue AKW ab ca. 2050 offenzuhalten, falls die Erneuerbaren nicht ausreichen.
Argumente der Gegner.

Die Gegner, primär aus den Reihen der SP, Grüne und GLP sowie Teilen der Mitte, führen folgende Gegenargumente an:

  • Hohe Kosten und ungeklärte Finanzierung: Kritiker bezeichnen neue AKW als „ruinös teuer“. Da die Kosten auf 4 bis 13 Milliarden Franken geschätzt werden, forderte der Nationalrat vor einer Gesetzesänderung erst Klarheit über die Finanzierung, um einen „finanziellen Blindflug“ zu verhindern.
  • Gefährdung der Wasserkraft: Es wird befürchtet, dass staatlich subventionierte AKW die Wasserkraft – das „Rückgrat der Schweizer Stromversorgung“ – aus dem Markt drängen und somit die Versorgungssicherheit eher gefährden als stützen könnten.
  • Verzögerung der Energiewende: Die bloße Diskussion über neue AKW verunsichere Investoren im Bereich der erneuerbaren Energien. Zudem kämen neue Reaktoren angesichts der langen Planungs- und Bauzeiten schlicht zu spät, um die aktuellen Energieprobleme zu lösen.
  • Demokratische Legitimation: Es wird darauf verwiesen, dass das Stimmvolk bereits 2017 den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen hat. Zudem werden neue Abhängigkeiten kritisiert, etwa beim Uranimport aus Russland.

Die Befürworter sehen die Kernkraft als Sicherheitsnetz für eine wachsende Stromlücke betrachten, während die Gegner sie als ökonomisches Risiko und Hindernis für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Welche Finanzierungsmodelle für neue AKW werden aktuell in der Schweiz diskutiert?

In der aktuellen Debatte um neue Kernkraftwerke (AKW) in der Schweiz ist die Finanzierung einer der am heftigsten umstrittenen Punkte. 


Illustration © stromzeit.ch*

Während der Bundesrat konkrete Modelle erst bei Vorliegen eines realen Projekts festlegen möchte, werden in den Quellen bereits erste Ansätze und die damit verbundenen politischen Forderungen genannt:

  • Gleitende Marktprämie: Energieminister Albert Rösti nannte dieses Modell als eine konkrete Möglichkeit. Hierbei garantiert der Staat einen bestimmten Abnahmepreis. Liegt der Marktpreis unter diesem Wert, gleicht der Staat die Differenz aus; liegt er darüber, zahlt das Betreiberunternehmen die Gewinne in einen staatlichen Fonds zurück. Dieses Modell wird in der Schweiz bereits zur Förderung erneuerbarer Energien, wie etwa der Wasserkraft, eingesetzt.
  • Staatliche Mitfinanzierung: Es wird diskutiert, ob und in welcher Form sich der Bund finanziell am Bau beteiligen würde. Bisher hat der Bundesrat in seinem Gegenvorschlag zur „Blackout-Initiative“ jedoch bewusst offen gelassen, wie eine solche staatliche Co-Finanzierung konkret ausgestaltet sein könnte.
  • Kritik an Subventionen: Gegner der Kernkraft (insbesondere von SP und Grünen) warnen davor, dass neue AKW ohne massive staatliche Subventionen nicht wirtschaftlich seien. Sie befürchten, dass solche Subventionen andere Energieträger, wie die Wasserkraft, aus dem Markt drängen könnten.
  • Forderung nach vollständiger Klärung: Die Mehrheit des Nationalrats hat das Geschäft am 15. Juni 2026 gerade deshalb an den Bundesrat zurückgewiesen, weil sie eine ausgearbeitete Finanzierungsgrundlage verlangt. Man fordert „Ehrlichkeit“ darüber, aus welchen Quellen (Steuergelder, Strompreise oder privates Kapital) die geschätzten Kosten von 4 bis 13 Milliarden Franken pro Kraftwerk gedeckt werden sollen.

Ausser der gleitenden Marktprämie liegen noch keine detaillierten Modelle vor. Der Bundesrat vertritt den Standpunkt, dass eine seriöse Finanzierungsplanung erst möglich ist, wenn ein konkreter Standort, Betreiber und Reaktortyp feststehen.

 

Was sind die nächsten Schritte im Ständerat nach der Rückweisung?

Nachdem der Nationalrat am 15. Juni 2026 die Vorlage zur Aufhebung des AKW-Neubauverbots überraschend an den Bundesrat zurückgewiesen hat, sind die nächsten Schritte im Ständerat bereits eng getaktet:

  • Sitzung der Energiekommission: Die zuständige Kommission des Ständerats trifft sich bereits am Dienstagmorgen (16. Juni 2026) zu einer Sitzung, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
  • Behandlung im Plenum: Unmittelbar danach ist das Geschäft noch für denselben Dienstag im Plenum des Ständerats traktandiert. Die kleine Kammer muss nun entscheiden, ob sie sich dem Nationalrat anschliesst und die Vorlage ebenfalls zur Überarbeitung an den Bundesrat zurückweist oder ob sie die Rückweisung ablehnt.
  • Wahrscheinlicher Ausgang: Es wird erwartet, dass der Ständerat die Rückweisung ablehnen wird, da die AKW-Befürworter dort in der Überzahl sind und die Kammer dem Gegenvorschlag bereits in der Frühlingssession zugestimmt hatte.
  • Rückkehr in den Nationalrat: Sollte der Ständerat die Rückweisung ablehnen, geht das Geschäft umgehend zurück in den Nationalrat. Die grosse Kammer müsste dann noch in der laufenden Session – die am Freitag endet – ein zweites Mal darüber abstimmen.
  • Konsequenz bei Beharren: Falls der Nationalrat auch bei der zweiten Abstimmung an der Rückweisung festhält, ist der Bundesrat endgültig gezwungen, „über die Bücher zu gehen“ und die Vorlage inklusive der geforderten Finanzierungsdetails neu auszuarbeiten.

Durch eine bereits beschlossene Fristverlängerung für die Blackout-Initiative hat das Parlament nun ein zusätzliches Jahr Zeit gewonnen, um die Vorlage fertig zu beraten, was den unmittelbaren Zeitdruck etwas mindert.

 

Warum wird vor 2030 kein konkretes AKW-Projekt erwartet?

Vor den 2030er-Jahren wird kein konkretes AKW-Projekt erwartet, weil sich die aktuelle politische Debatte ausschliesslich um die gesetzlichen Rahmenbedingungen und nicht um die Umsetzung spezifischer Bauvorhaben dreht.

Hier sind die detaillierten Gründe, warum konkrete Projekte noch in weiter Ferne liegen:

  • Fokus auf die Aufhebung des Technologieverbots: Energieminister Albert Rösti betonte in der Debatte, dass es derzeit nicht um konkrete Projekte gehe, sondern primär um den strategischen Entscheid, ob die Erstellung neuer Kernkraftwerke in der Schweiz gesetzlich überhaupt wieder möglich sein soll. Das aktuelle Ziel ist die Streichung des 2017 beschlossenen Neubauverbots im Kernenergiegesetz.
  • Fehlende Projektdaten: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es weder definierte Standorte noch feststehende Betreiber oder einen konkreten Reaktortyp. Ohne diese Grundlagen kann laut Rösti auch keine exakte Finanzierungsplanung oder Kostenschätzung vorgenommen werden.
  • Lange Planungs- und Realisierungshorizonte: Die Quellen weisen darauf hin, dass selbst bei einer Aufhebung des Verbots erst für die Zeit ab ca. 2050 mit der tatsächlichen Inbetriebnahme eines neuen Kraftwerks zu rechnen wäre.
  • Politischer Prozess und Verzögerungen: Die Rückweisung des Geschäfts durch den Nationalrat zur Klärung der Finanzierungsfragen sorgt für eine zusätzliche „Zusatzschleife“, die das Vorhaben zeitlich weiter nach hinten verschiebt. Zudem wird das letzte Wort ohnehin beim Stimmvolk liegen, was den Prozess weiter in die Länge zieht.
  • Priorisierung des Langzeitbetriebs: Aktuell liegt der Fokus der Behörden und Unternehmen zunächst auf dem Langzeitbetrieb der bestehenden Werke (wie Leibstadt und Gösgen) und dem Bericht dazu, bevor Neubauten konkret geplant werden.

Die 2030er-Jahre werden als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Diskussion über konkrete Details genannt, da erst dann die rechtlichen Weichen gestellt sein könnten und der Bedarf für die Zeit nach 2050 klarer absehbar wird.

 

Warum warnt die SP vor einer Schwächung der Wasserkraft?

Die SP warnt vor einer Schwächung der Wasserkraft, da sie den Bau neuer Kernkraftwerke (AKW) als direkte Bedrohung für die Marktstellung und Investitionssicherheit dieser Energiequelle sieht. Laut der SP-Nationalrätin Nadine Masshardt würde bereits die blosse Option neuer AKW die Märkte verunsichern und dadurch Investitionen in neue erneuerbare Energien sowie in die Wasserkraft behindern.

Die wesentlichen Gründe für diese Warnung sind:

  • Verdrängung durch Subventionen: Die SP befürchtet, dass neue AKW nur mit massiven staatlichen Subventionen betrieben werden könnten. Diese staatliche Unterstützung würde dazu führen, dass die Kernkraft die Wasserkraft, die derzeit als „Rückgrat der Schweizer Stromversorgung“ gilt, aus dem Markt drängt.
  • Gefahr für die Versorgungssicherheit: Eine Schwächung der Wasserkraft hätte laut Masshardt „drastische Konsequenzen“ für die Schweizer Versorgungssicherheit.
  • Wirtschaftliche Risiken: Aus Sicht von Gegnern wie dem Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, der in dieser Argumentation mit der SP übereinstimmt, sind AKW zudem „ruinös teuer“ und kämen angesichts der langen Planungszeiten zu spät, um aktuelle Energieprobleme zu lösen.

Die SP sieht in der Förderung der Kernkraft ein finanzielles und strategisches Risiko, das die etablierte und klimafreundliche Wasserkraft zugunsten einer teuren und unsicheren Technologie schwächen würde.



Anmerkung stromzeit.ch


In Anbetracht der von AXPO vorgeschlagenen Projektlaufzeit von mindestens 29 Jahren werden die neuen Kernkraftwerke keinen Beitrag zur Energiewende bis 2050 leisten können. Bis 2050 müssen also so oder so die Erneuerbaren massiv ausgebaut werden. Denn vor 2025 wird kein neues AKW am Netz sein.

Es ist zu befürchten, dass auch die 12 Milliarden Schweizerfranken, die von der AXPO berechnet wurden, niemals reichen und die neuen AKWs in der Schweiz zu Milliardengräbern werden (siehe Artikel: "Axpo Energy Reports-Szenarien"). Alle neuen europäischen AKWs haben zwei bis drei Mal so hohe Kosten wie ursprünglich veranschlagt.

Es ist unwahrscheinlich, das neue Kernkraftwerke in der Schweiz besser, schneller und kostengünstiger gebaut werden können wie im restlichen Europa (siehe Artikel: "EU AKW’s: Massive Kosten-Überschreitungen").

Auch bezüglich Technologie ist ein Neubau von AKWs dringend zu hinterfragen: wer weiss aus heutiger Sicht, ob nicht vielleicht bereits in 10 Jahren technologische Innovationen verfügbar sind, die neuen AKWs massiv überlegen sind. Ein Projektabbruch wäre fatal und würde viele Milliarden in den Sand setzen.

Deshalb erscheint die Debatte um neue AKWs absurd, denn es geht nicht nur um die Finanzierung, sondern in erster Linie um die Sinnhaftigkeit - und diese ist massiv in Frage gestellt. Siehe: Weitere Artikel unten.

Weitere Artikel.


EU AKW’s: Massive Kosten-Überschreitungen.

Technische Probleme, lange Projektlaufzeiten und extreme Zeitverzögerungen, z.B.: Hinkley Point C (GBR), Flamanville (FRA), Mochovce 3 (SVK), Olkiluoto 3 (FIN), Paks II (HUN), Cernavoda (ROU).

EU AKW’s: Massive Kosten-Überschreitungen.


Zurück zur Kernkraft? 

Kostenvergleich AKW-Strom 0.30 bis 0.40 CHF/KWh, Gas 0.35 CHF/KWh, Solar und Wind nur 0.09 CHF/KWh. Rückbau, Endlagerung und Unfallkosten sind nicht eingerechnet! AKW's verteuern den Strompreis erheblich.

Zurück zur Kernkraft? 


Axpo Energy Reports-Szenarien.

Schweizer Energiepolitik: Winterstrom mit Wind-, Solar- und Gas- versus Kernenergie. Schweizer Energiemix aus Wasserkraft, Erneuerbare und Gas überzeugt, zwei neue Kernkraftwerke haben es schwer.

Axpo Energy Reports-Szenarien.


Atomkraft zu teuer.

Wind- und Sonnenenergiesysteme viel günstiger, Netzausbau, Smart Meter, Grossbatteriespeicher. Erneuerbare Energien heute marktfähig und kosteneffizienter als teure Atomneubauten.

Atomkraft zu teuer.


Energiepolitik Schweiz.

Elektrizität, Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Wasserstoff, Erdöl, Erdgas, Biogas, Kernkraft. Die Energierevolution: erneuerbare Energien sind weltweit im Vormarsch, wie steht es mit der Schweiz?

Energiepolitik Schweiz.


Energiewende mit erneuerbaren Energien.

Neues Energiesystem mit grünem Strom - ohne staatliche Subventionen machbar. Im Vergleich zu Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken brauchen erneuerbaren Energien keine Subventionen.

Energiewende mit erneuerbaren Energien.



SWEET: 
«SWiss Energy research for the Energy Transition».

 CROSS 

Die Elektrifizierung der Wirtschaft.

Strom hat eine grosse Zukunft - dank innovativen Technologien.



Themen


Sind Sie an spezifischen Themen interessiert?

Highlights


Suchen Sie besonders herausragende Blogbeiträge?

Neuste Artikel


Suchen Sie die laufend neuesten Blogbeiträge?

Innovationen


Interessiert an den neuesten Innovationen?

E-Autos, Solarmodule, Batterien, Energiepolitik.

Beste
E-Autos.

Vergleich Modelle nach Reichweiten, Effizienz, Batterie, Software, Preis etc.

Beste Solar Module.

Bewertung, Leistung, Zuverlässigkeit, Preis-Leistung, TOPCon, HTJ, BC, Bifacial, PERC, Perowskit. 

Beste Batterien.

Batterietechnik, Zellchemien, Trockenbeschichtung, Energiedichte, stationäre Energiespeicher, Netzstabilität. 

Energiepolitik.

Energiepolitik Schweiz: Elektrizität, Photovoltaik, Wind, Wasserkraft, Wasserstoff, Erdöl, Erdgas, Biogas, Kernkraft. 

Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.

In diesem Artikel geht es um die aktuelle politische Debatte in der Schweiz bezüglich der Aufhebung des Neubauverbots für Atomkraftwerke. Der Nationalrat hat den Gegenvorschlag des Bundesrates zur sogenannten „Blackout-Initiative“ vorerst gestoppt und das Geschäft zur Überarbeitung zurückgewiesen. Eine knappe Mehrheit fordert von Energieminister Albert Rösti detailliertere Informationen zur zukünftigen Finanzierung und den potenziellen Kosten neuer Reaktoren. Während Befürworter von SVP und FDP die Kernkraft als essenziell für die Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung betrachten, warnen linke und grüne Parteien vor finanziellen Risiken und einer Schwächung der erneuerbaren Energien. Trotz des Widerstands im Nationalrat hält der Ständerat am Pro-Kernkraft-Kurs fest, was zu weiteren parlamentarischen Auseinandersetzungen führt. Letztlich wird erwartet, dass das Stimmvolk über die langfristige technologische Ausrichtung der Schweizer Energiepolitik entscheiden muss.

 

Illustration © stromzeit.ch* NotebookLM:

Die Weiterverwendung einzelner Illustrationen erfordert eine explizite Bewilligung von stromzeit.ch.

 

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen
EU AKW’s: Massive Kosten-Überschreitungen, technische Probleme, lange Projektlaufzeiten und extreme Zeitverzögerungen.
z.B.: Hinkley Point C (GBR), Flamanville (FRA), Mochovce 3 (SVK), Olkiluoto 3 (FIN), Paks II (HUN), Cernavoda (ROU).