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Alpine PV-Grossanlage Madrisa Solar im Bau: 3170 Solartische, 20'000 Module, 17 GWh/Jahr, über 40% Winterstrom.

Erstes alpines Solarkraftwerk im Rahmen der nationalen „Solarexpress“-Offensive das Strom in‘s Netz einspeist.

Alpine PV-Grossanlage Madrisa Solar im Bau: 3170 Solartische, 20'000 Module, 17 GWh/Jahr, über 40% Winterstrom. 

20.03.2026

Die Realisierung der Energiewende in der Schweiz stützt sich massgeblich auf die Erschliessung neuer Energiequellen in verschiedenen Regionen, wobei insbesondere der alpine Raum eine zentrale Rolle spielt. Das Projekt Madrisa Solar in Klosters im Gebiet Züg auf rund 2000 m ü. M. gilt als Meilenstein, da es als erstes alpines Solarkraftwerk im Rahmen des Schweizer "Solarexpress" Strom ins Netz eingespeist hat (Teilinbetriebnahme im September 2025).

Welche Rolle spielt Madrisa Solar für die Schweizer Energiewende?

Das Projekt Madrisa Solar nimmt eine zentrale Pionier- und Vorbildrolle in der Schweizer Energiewende ein, da es als erstes alpines Solarkraftwerk im Rahmen der nationalen „Solarexpress“-Offensive Strom in das Netz einspeist. Die Anlage befindet sich auf rund 2000 m ü. M. im Gebiet Züg oberhalb von Klosters und ist durch ihre Lage über der Nebelgrenze konsequent auf die Gewinnung von wertvollem Winterstrom ausgelegt.

Bild: © Madrisa Solar AG.

Beitrag zur Versorgungssicherheit und Winterstromlücke.

Die Bedeutung für die Energiewende liegt primär in der Reduktion der Winterstromlücke:

  • Hoher Winterertrag: Im Endausbau soll das Kraftwerk jährlich ca. 17 GWh produzieren, wovon über 40 % im Winterhalbjahr (Oktober bis März) anfallen.
  • Standortvorteile: In dieser Höhe profitieren die rund 20.000 bifazialen Module von einer höheren Strahlungsintensität, kühlen Temperaturen und Reflexionen durch den Schnee (Albedo-Effekt), was die Effizienz im Vergleich zu Anlagen im Flachland deutlich steigert.
  • Meilenstein: Die erfolgreiche Teilinbetriebnahme im September 2025 gilt als Beweis für die technische Machbarkeit alpiner Grossanlagen unter dem Solarexpress-Gesetz.

Soziopolitische Modellfunktion und Akzeptanz.

Madrisa Solar dient als wichtiges Referenzobjekt für die gesellschaftliche Akzeptanz erneuerbarer Energien in Bergregionen.

  • Lokale Eigentümerschaft: Die Madrisa Solar AG gehört zu je einem Drittel der Gemeinde Klosters, der Repower und der EKZ. Diese paritätische Beteiligung hat das Vertrauen der Bevölkerung gestärkt und war entscheidend für die positive Abstimmung im Oktober 2023.
  • Überwindung von Widerständen: Forschungsergebnisse aus dem EDGE-Programm zeigen, dass Projekte oft an lokaler Opposition scheitern, wenn sie als rein externe, profitorientierte Vorhaben wahrgenommen werden. Madrisa Solar beweist, dass durch Einbezug lokaler Akteure die „Vetospieler-Logik“ zugunsten eines kollektiven Nutzens überwunden werden kann.

Technologische und wirtschaftliche Impulse.

Das Projekt fungiert zudem als Treiber für Innovation und regionale Wirtschaft:

  • Regionale Wertschöpfung: Bei der Planung und Umsetzung werden vorwiegend regional ansässige Unternehmen berücksichtigt, wodurch die Wertschöpfung zu einem grossen Teil in der Schweiz bleibt.
  • Technische Innovation: Der Bau erforderte spezialisierte Lösungen für das unwegsame Gelände, wie den Einsatz von 3D-Geländemodellen und mobilen, wendigen Bohrlafetten (z. B. Mounty BL90), um die rund 3.170 Solartische minimalinvasiv zu verankern.
  • Direkte Nutzung: Ein Teil des produzierten Stroms wird unmittelbar vor Ort für den Betrieb der Klosters-Madrisa Bergbahnen verwendet, was ein Beispiel für dezentrale Energieversorgung und die Dekarbonisierung des Tourismussektors darstellt.

Madrisa Solar ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie technische Herausforderungen im Hochgebirge und politische Hürden durch Kooperation und innovative Planung gelöst werden können, um die nationalen Klimaziele zu erreichen:

  • 12 MW (MVA) Produktionsleistung (AC)      
  • 11 MWp Installierte Leistung (DC)      
  • 17 GWh Jahresproduktion, davon über 40% Winterstrom (Okt bis März)
  • ca. 3170 Solartische     
  • ca. 20'000 mit je 580 Wp bifaziale Module       
  • Standort: Gebiet Züg, 2000 Meter über Meer
  • Bruttofläche: ca. 150'000 Quadratmeter
  • Gesamthöhe Solartische: ca. 5,6 m
  • Gesamtinvestition: ca. 70 Millionen Franken
  • Bauzeit: Juni 2025 bis Ende 2027

Technische Herausforderungen beim Bau.

Der Bau von Photovoltaikanlagen im Hochgebirge, wie beispielsweise bei Madrisa Solar, ist mit technischen und logistischen Hürden verbunden, die weit über die Anforderungen im Flachland hinausgehen. Das Gelände ist oft unwegsam und weist Rinnen, Hügel oder Dolen auf.

Technische und bauliche Herausforderungen:
  • Extreme Lasten: Die Konstruktionen müssen massiven Wind- und Schneelasten standhalten. 
  • Logistik: Grosse Materialmengen müssen oft per Helikopter oder über schmale Zufahrtsstrassen transportiert werden.
  • Minimalinvasive Verankerung um die empfindliche alpine Vegetation zu schützen.
  • Standardisierung: Eine industrielle Fertigung und die Verwendung standardisierter Komponenten sind entscheidend für die Kosteneffizienz. 
Logistik und Transport.

Der Transport von Material in unwegsames Gelände auf 2000 m ü. M. ist aufwendig:

  • Massentransport: Für Grossprojekte müssen Stahl und tausende Solarmodule bewegt werden.
  • Helikoptereinsatz: Da viele Standorte nicht über LKW-taugliche Strassen erreichbar sind, erfolgt der Transport häufig per Lastenhubschrauber. Dies erfordert eine präzise Taktung und ist stark wetterabhängig.
Extreme Umweltbedingungen.

Die Anlagen sind Kräften ausgesetzt, die im Mittelland kaum vorkommen:

  • Wind- und Schneelasten: Die Unterkonstruktionen müssen so massiv gebaut sein, dass sie enormem Winddruck und dem Gewicht von Metern an Neuschnee standhalten.
  • Schneestau: Ein spezifisches Problem ist der Aufbau von Schnee von unten her.
Topographie und digitale Planung.

Das Gelände im Hochgebirge ist selten eben und oft von Rinnen, Hügeln oder geologischen Besonderheiten wie Dolen (Erdsenken) geprägt:

  • 3D-Modellierung: Um die optimale Platzierung der Solartische zu finden, wird ein digitaler Zwilling des Geländes erstellt. Dies erlaubt es, die Neigung und Ausrichtung jedes einzelnen Tisches vorab am Computer zu simulieren.
  • Bodenbeschaffenheit: Der Untergrund kann variieren, was die Verankerung erschwert.
Minimalinvasive Bauweise und Umweltschutz.

Da alpine Regionen ökologisch sensibel sind, muss der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten werden:

  • Spezialbohrgeräte: Zum Einsatz kommen mobile und wendige Bohrlafetten wie die Mounty BL90, die sich im steilen Gelände bewegen können und nur punktuelle Löcher für die Fundamente bohren .
  • Verzicht auf Beton: Stahlpfosten werden direkt in den Fels oder Boden gebohrt und verankert, um auf grossflächige Betonfundamente zu verzichten und den Rückbau am Ende der Laufzeit zu erleichtern.
Industrialisierung und Standardisierung.

Um die Kosten für solche Projekte zu senken, ist eine industrielle Fertigung notwendig:

  • Vorfabrikation: Komponenten wie Solartische werden so standardisiert, dass sie vor Ort schnell montiert werden können.
  • Schweizer Wertschöpfung: Interessanterweise bleiben etwa 95 % der Wertschöpfung bei diesen Projekten im Land, da spezialisierter Stahlbau und die Montage meist von regionalen Firmen durchgeführt werden .
Wie funktionieren die Bohrungen mit der Mounty BL90?

Die Bohrungen mit der Mounty BL90 sind ein zentraler technischer Bestandteil beim Bau von Madrisa Solar. Das System wurde speziell für die extremen Anforderungen im Hochgebirge entwickelt, wobei der Fokus auf Präzision, Geschwindigkeit und dem Schutz der Umwelt liegt.

Eigenschaften der Mounty BL90:
  • Tragbarkeit und Wendigkeit: Die Mounty BL90 ist eine tragbare und wendige Bohrlafette, die speziell für unwegsames Gelände konzipiert wurde. Ihre flexible Manövrierfähigkeit erlaubt den Einsatz an Standorten, die für herkömmliche schwere Maschinen unzugänglich wären.
  • Effizienz im Hochgebirge: Da in diesen Höhenlagen jede Minute zählt (beispielsweise aufgrund wetterbedingter Zeitfenster), ist das System auf kurze Transportwege und eine zeitsparende Installation ausgelegt.
  • Einsatzbeispiel Madrisa Solar: Die Bauunternehmung Vetsch Klosters setzte für die Verankerung der rund 3.170 Solartische auf Madrisa gleichzeitig drei Mounty BL90-Lafetten ein, um den straffen Bauzeitplan einzuhalten.
Madrisa Solar im Bau.


Bohrungen mit Mounty® BL90. © Lumesa SA, https://www.youtube.com/@LumesaSA


© Fixit 532 Ankermörtel | Transport auf Helipalette für das Solarkraftwerk Madrisa Solar.
https://www.youtube.com/@FixitAG

Welche Umweltschutzmassnahmen werden beim Bohren im Gebirge beachtet?

  • Standortwahl in bereits genutzten Gebieten: Projekte wie Madrisa Solar werden bewusst in Landschaften platziert, die bereits durch bestehende Infrastrukturen (wie Skigebiete) „belastet“ bzw. vorgeprägt sind. Dies schont unberührte Naturräume.
  • Ökologische Ersatzmassnahmen: Um die projektbedingten Eingriffe zu kompensieren, werden gemäss dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) Ersatzmassnahmen im regionalen Umfeld umgesetzt. 
  • Umweltbaubegleitung: Während der Umsetzung wird der Bau professionell durch eine Umweltbaubegleitung überwacht, um sicherzustellen, dass die Schutzvorschriften vor Ort eingehalten werden.
Technische Umsetzung der Bohrungen und die wichtigsten Schutzmassnahmen.

Beim Bohren und Verankern von alpinen Solaranlagen im Gebirge werden verschiedene Massnahmen ergriffen, um die empfindliche Umwelt zu schützen und den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten:

  • Mikropfähle und Anker: Um die Solartische stabil im alpinen Untergrund zu befestigen, werden die Bohrungen für sogenannte Mikropfähle genutzt. In besonders steilem Gelände werden zusätzlich Hilfsanker gesetzt, um die statische Sicherheit zu gewährleisten. Allein beim Projekt Madrisa Solar wurden auf diese Weise bisher rund 9.400 Bohrungen durchgeführt.
  • Datenbasierte Präzision: Der Bohrprozess wird durch eine konsequente Digitalisierung unterstützt. Die Baustelle erhält die exakten Daten für die Bohrungen aus digitalen Geländemodellen (3D-Modellen), was eine präzise Platzierung der Tische ermöglicht.
  • Minimalinvasive Bauweise: Da sich die alpine Vegetation nur sehr langsam erholt, ist das Bohrverfahren darauf ausgelegt, nur punktuelle und minimale Eingriffe in den Boden vorzunehmen. Durch den Verzicht auf grossflächige Fundamente bleibt der Boden weitgehend unberührt.

Vorteile von Solaranlagen in hochalpiner Lage.

Solaranlagen in hochalpinen Lagen bieten gegenüber Anlagen im Flachland signifikante Vorteile, insbesondere im Hinblick auf die Versorgungssicherheit im Winter. 

Bild: © Madrisa Solar AG.

Hoher Ertrag im Winterhalbjahr (Schliessung der Winterstromlücke).

Der entscheidende Vorteil alpiner Photovoltaik (PV) ist ihre überdurchschnittliche Stromproduktion in den Wintermonaten, wenn der Bedarf in der Schweiz am höchsten ist:

  • Produktionsanteil: Während Anlagen im Mittelland im Winter oft unter Nebel leiden, produzieren alpine Anlagen über 40 % ihres Stroms im Winterhalbjahr (Oktober bis März).
  • Lage über der Nebelgrenze: Da die Standorte meist auf rund 2000 m ü. M. liegen, befinden sie sich oft über der winterlichen Nebeldecke des Mittellandes und profitieren von ungetrübtem Sonnenschein.
Physikalische und klimatische Standortvorteile.

Mehrere Umweltfaktoren begünstigen die Effizienz von Solarzellen in der Höhe:

  • Höhere Strahlungsintensität: In der dünneren Atmosphäre ist die Sonneneinstrahlung intensiver als in tieferen Lagen.
  • Albedo-Effekt: Die Reflexion der Sonnenstrahlung durch den Schnee erhöht die Lichtausbeute massiv. Dieser Effekt ist besonders bei steil aufgestellten Panels zwischen November und Januar sehr ausgeprägt.
  • Temperaturvorteil: Photovoltaik-Module arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter. Die alpine Kälte steigert somit die Leistungsfähigkeit der Zellen im Vergleich zu heissen Sommertagen im Flachland.

Der Albedo-Effekt bezeichnet in der alpinen Photovoltaik die Reflexion der einfallenden Sonnenstrahlung durch die Schneeoberfläche. Während herkömmliche Böden einen grossen Teil des Lichts absorbieren, wirkt eine geschlossene Schneedecke wie ein natürlicher Spiegel, der das Licht zurückwirft:

  • Zusätzliche Lichtausbeute: Wenn die reflektierte Strahlung auf die Solarpanels trifft, erhöht sich die gesamte Lichtmenge, die zur Stromerzeugung genutzt werden kann, erheblich. Dieser Effekt ist einer der Hauptgründe, warum alpine Anlagen im Winter überproportional viel Strom produzieren.
  • Vorteil steiler Aufstellung: Analysen an Versuchsanlagen haben gezeigt, dass der Schneeeffekt insbesondere bei steil aufgestellten Panels sehr gross ist. In den Monaten November bis Januar ist dieser Beitrag zur Stromproduktion am ausgeprägtesten.
  • Einsatz bifazialer Module: Um den Albedo-Effekt optimal zu nutzen, werden in Projekten wie Madrisa Solar sogenannte bifaziale (beidseitige) Solarmodule eingesetzt. Diese können das Licht nicht nur auf der Vorderseite (direkte Einstrahlung), sondern auch auf der Rückseite (reflektiertes Licht vom Schnee) in elektrische Energie umwandeln.
  • Zusammenspiel mit anderen Faktoren: Der Albedo-Effekt wirkt synergetisch mit der dünneren Atmosphäre in der Höhe und den niedrigen Temperaturen, welche die Effizienz der Solarzellen zusätzlich steigern.
  • Bedeutung für die Winterstromlücke: Dank dieser physikalischen Vorteile können alpine Kraftwerke über 40 % ihrer Jahresproduktion im Winterhalbjahr erzielen, während Anlagen im Schweizer Mittelland in dieser Zeit oft unter Nebel und geringer Strahlung leiden.

Der Albedo-Effekt ist somit eine technologische Schlüsselkomponente, um die Winterstromversorgung der Schweiz durch alpine Solarenergie effizient zu sichern.

Synergien und Infrastrukturnutzung.

Alpine Solaranlagen lassen sich oft vorteilhaft in bestehende Strukturen integrieren:

  • Direkte Nutzung vor Ort: Projekte wie Madrisa Solar nutzen die Energie direkt für den Betrieb von Bergbahnanlagen, was die lokale Energiebilanz verbessert.
  • Vorhandene Erschliessung: Durch die Platzierung in bereits touristisch genutzten Gebieten ist oft schon ein Grossteil der benötigten Netz-Infrastruktur vorhanden, was den Aufwand für den Netzausbau verringert.
  • Optimale Kombination: In Verbindung mit Wasserkraft und präzisen Wettervorhersagen können alpine PV-Anlagen helfen, teure Stromimporte im Winter massiv zu reduzieren.
Sozioökonomische Vorteile.

Die Realisierung solcher Projekte fördert die regionale Wirtschaft und Akzeptanz:

Regionale Wertschöpfung: Etwa 95 % der Wertschöpfung (Stahlbau, Montage, Planung) bleiben in der Schweiz, da vorwiegend lokale und regionale Unternehmen beauftragt werden.

Partner im Projekt Madrisa Solar.

Das Projekt Madrisa Solar wird von der Madrisa Solar AG getragen, an der drei Partner zu gleichen Teilen beteiligt sind. Hinter diesem Zusammenschluss stehen strategische, wirtschaftliche und ökologische Ziele, die eng mit der nationalen Energiestrategie verknüpft sind.

Die Partner und ihre Beteiligungen. An der Madrisa Solar AG sind die folgenden drei Akteure mit jeweils einem Drittel beteiligt:

  • Repower AG: Ein bündnerisches Energieunternehmen.
  • Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ): Eines der grössten Energieunternehmen der Schweiz.
  • Gemeinde Klosters: Die Standortgemeinde des Projekts.
Übergreifende Ziele des Projekts.

Das Hauptziel der Kooperation ist die Realisierung eines Pionierprojekts im Rahmen des eidgenössischen „Solarexpress“:

  • Schliessung der Winterstromlücke: Die Anlage ist konsequent darauf ausgelegt, über 40 % ihrer Produktion im Winterhalbjahr zu generieren, wenn der Bedarf in der Schweiz am höchsten ist.
  • Sicherung der Stromversorgung: Mit einer erwarteten Jahresproduktion von rund 17 GWh leistet das Kraftwerk einen Beitrag zu einer nachhaltigen und sicheren Stromversorgung mit erneuerbarem Schweizer Strom.
  • Landschaftsschonende Nutzung: Die Anlage wird in einem Gebiet realisiert, das bereits durch das Skigebiet touristisch geprägt ist, um unberührte Naturräume zu schonen.
Spezifische Ziele der einzelnen Partner.

Gemeinde Klosters

Für die Gemeinde Klosters steht neben der ökologischen Verantwortung die regionale Wertschöpfung im Vordergrund:

  • Lokale Stromnutzung: Ein Teil der Energie wird direkt vor Ort für den Betrieb der Klosters-Madrisa Bergbahnen verwendet, was den Tourismussektor nachhaltiger macht.
  • Wirtschaftsförderung: Die Gemeinde legte Wert darauf, dass Planungs- und Bauaufträge vorwiegend an regional ansässige Unternehmen vergeben wurden.
  • Vorbildfunktion: Die Gemeinde möchte als „Energiestadt“ ein Leuchtturmprojekt für alpine Solarenergie etablieren.
Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ).

Die EKZ verfolgen primär versorgungstechnische und wirtschaftliche Ziele:

  • Deckung des Eigenbedarfs: Da die EKZ im Gegensatz zu Repower zu wenig eigene Energie produzieren, um ihre Kunden vollständig zu versorgen, dient die Beteiligung der langfristigen Energiebeschaffung.
  • Preisstabilität: Durch die Abnahme des Stroms aus Madrisa reduziert die EKZ Preisrisiken an den internationalen Energiebörsen.
Repower AG.

Repower bringt vor allem technisches Know-how und Managementkapazitäten in das Projekt ein:

  • Umsetzung der Energiestrategie: Als Leiter von Produktion und Netz sieht Repower den Bau als wichtigen Meilenstein für die nationale Solaroffensive.
  • Keine direkte Abnahme: Da Repower bereits über genügend eigene erneuerbare Kraftwerke verfügt, wird der Strom nicht selbst genutzt, sondern an die EKZ und die Bergbahnen abgegeben.
Strategische Bedeutung der Partnerschaft.

Die Zusammensetzung der Partner hat zudem eine wesentliche soziopolitische Komponente. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Beteiligung lokaler Akteure (wie der Gemeinde und regionaler Versorger) das Vertrauen der Bevölkerung massiv stärkt. Dies war ein entscheidender Faktor für die positive Abstimmung der Stimmbevölkerung von Klosters im Oktober 2023, ohne die das Projekt nicht hätte realisiert werden können.

Forschungsprogramm SWEET EDGE.

Im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms SWEET EDGE wird untersucht, wie die Energiewende in Städten, auf dem Land und in den Alpen technisch und gesellschaftlich umgesetzt werden kann. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf alpinen Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen), die aufgrund ihrer spezifischen Standortvorteile einen wesentlichen Beitrag zur Schliessung der sogenannten Winterstromlücke leisten sollen.

Alpine Photovoltaik in der Schweiz: Technologische, sozio-politische und bauliche Meilensteine der Energiewende.

Die technowissenschaftliche Perspektive und das Winterpotenzial.

Alpine PV-Anlagen zeichnen sich durch eine überproportional hohe Stromproduktion in den Wintermonaten aus. Dies liegt an mehreren Faktoren:

  • Höhere Strahlungsintensität: In Hochlagen ist die Atmosphäre dünner und die Trübung durch Wolken oder Nebel geringer als im Mittelland.
  • Albedo-Effekt: Die Reflexion der Sonnenstrahlung durch den Schnee erhöht die Lichtausbeute auf den Modulen erheblich. Insbesondere bei steil aufgestellten Panels ist dieser Effekt zwischen November und Januar sehr ausgeprägt.
  • Temperaturvorteile: Die Leistungsfähigkeit von Solarzellen steigt bei niedrigen Temperaturen, wie sie in den Bergen herrschen.

Ein Szenario für das Jahr 2050 zeigt, dass zur Erreichung der Klimaziele und zur Minimierung von Stromimporten eine grossflächige Installation von PV-Anlagen über der Nebelgrenze ideal wäre. Durch die optimale Kombination mit der Wasserkraft und eine präzise Wettervorhersage könnten Importspitzen deutlich reduziert werden. Um die Ertragsprognosen zu verbessern, wurden im Projekt EDGE Emulatoren auf Basis von Machine Learning entwickelt, die Satellitendaten nutzen, um das Strahlungsangebot im Hochalpinraum exakt zu berechnen und dabei zwischen Schnee und Wolken zu unterscheiden.

Sozio-politische Aspekte und lokale Akzeptanz.

Trotz des technischen Potenzials scheitern viele alpine Solarprojekte an der mangelnden Unterstützung in den betroffenen Gemeinden. Schätzungen zufolge liegt die Misserfolgsrate bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte aller Projekte. Die Forschung von Isabel Stadelmann zeigt, dass die Akzeptanz von zwei wesentlichen Logiken beeinflusst wird:

  • Logik des kollektiven Handelns: Hierbei werden die Anlagen als notwendiges Gut für die Erreichung nationaler Klimaziele wahrgenommen.
  • Vetospielerlogik: Diese tritt ein, wenn lokale oder individuelle Interessen (z. B. Beeinträchtigung des Landschaftsbildes) überwiegen und Gemeinden von ihrem direkten demokratischen Vetorecht Gebrauch machen.
Erfolgsfaktoren für eine höhere Zustimmung sind laut SWEET EDGE:
  1. Lokale Eigentümerschaft: Wenn die Gemeinde oder lokale Energieversorger mitbeteiligt sind (z. B. durch eine Drittelbeteiligung wie bei Madrisa Solar), steigt das Vertrauen und die Wahrscheinlichkeit einer Annahme des Projekts deutlich.
  2. Abstimmungsverfahren: In Gemeinden, die öffentlich (per Handheben) über ein Projekt abstimmen, ist die Zustimmung oft höher als bei geheimen Abstimmungen, sofern eine grundsätzliche Bereitschaft zum Ausbau erneuerbarer Energien vorhanden ist. Dies wird auf deliberative Prozesse zurückgeführt, bei denen das Gemeinwohl stärker im Fokus steht.
  3. Planung, Bau und industrielle Herausforderungen.


Portrait Alpine Solaranlage Klosters Madrisa Solar.

Alpine Solaranlage Klosters Madrisa Solar, 17 GWh grünen (Winter-) Strom für 3’500 Haushalte. Bifaziale Solarmodule auf über 2’000 Metern Höhe halten Wind und Wetter Stand.

Portrait Madrisa Solar.


«Solarexpress».

Aktueller Stand beim Ausbau der alpinen Solaranlagen Schweiz, Förderziele deutlich verfehlt. Hochalpine Photovoltaik-Grossanlagen: geplante, realisierte, verworfene oder abgebrochene Projekte.

«Solarexpress».


Übersicht Alpine Solaranlagen in der Schweiz.

Beitrag zur Stromsicherheit und zur Schliessung der Winterlücke mit grünem Strom - eine Übersicht. Die Photovoltaik-Megaprojekte in hochgelegenen Berggebieten der Schweiz.

Alpine Solaranlagen in der Schweiz.

SWEET: 
«SWiss Energy research for the Energy Transition».

 CROSS 

Disclaimer / Abgrenzung

Stromzeit.ch übernimmt keine Garantie und Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in diesem Bericht enthaltenen Texte, Massangaben und Aussagen.


Besten Dank an Madrisa Solar AG und EKZ für die Unterstützung und das Bildmaterial.
Bilder: © Madrisa Solar AG.


Quellenverzeichnis (Februar 2026).

https://www.ekz.ch/de/ueber-ekz/unternehmen/engagement/madrisa-solar.html

https://www.ekz.ch/de/blue/wissen/2025/madrisa-solar-meilenstein-fuer-mehr-winterstrom.html

https://www.repower.com/ch/ueber-uns/unsere-projekte/madrisa-solar-alpines-solarkraftwerk

https://www.repower.com/ch/medienmitteilungen/madrisasolar-1

https://www.repower.com/ch/medienmitteilungen/spatenstich_madrisa

https://www.blick.ch/politik/madrisa-solar-erstes-alpines-solarkraftwerk-ist-am-netz-id21260699.html

https://www.ee-news.ch/de/wasser/article/56982/repower-madrisa-solar-produziert-als-erstes-alpines-solarkraftwerk-strom

https://www.baublatt.ch/bauprojekte/madrisa-solar-produziert-als-erstes-alpines-solarkraftwerk-strom-38127

https://www.strom.ch/de/pressemitteilung/madrisa-solar-produziert-als-erstes-alpines-solarkraftwerk-strom

https://www.lumesa.ch/ueber-uns/meldungen/mountyr-bohrlafette-der-ersten-alpinen-solaranlage

https://www.lumesa.ch/en/about-us/news/mountyr-bohrlafette-der-ersten-alpinen-solaranlage

https://www.lumesa.ch/en/newsletters/lumesa-insider-mounty-solar-projects-lda-enhancements

 

Videos:

SWEET EDGE
https://www.youtube.com/watch?v=-yiDll_5l94

Madrisa solar park, drilling with 3 Mounty® BL90
https://www.youtube.com/watch?v=Z56Srm0JCgU

Fixit 532 Ankermörtel | Transport auf Helipalette für das Solarkraftwerk Madrisa Solar
https://www.youtube.com/watch?v=LnEAWSniHiQ


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Alpine Solaranlage MontSol: Präjudiz, öffentliches Interesse an einer sicheren Stromversorgung überwiegt.
11,4 GWh, 400 Solartische 20.000 bifaziale Solarmodule, viel Winterstrom für ca. 2.500 Haushalte.